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Kategorie: Gastbeiträge

Das Verschwinden der Lehrer – ein Stück in vier Akten

Lehrerinnen verkörpern die Sache. Sie stehen für die Inhalte ein. Es ist ihre Aufgabe, Kultur und Tradition weiterzugeben, damit Neues entstehen kann. Dies erfordert neben dem Wissen vor allem pädagogische sowie methodisch-didaktische Fähigkeiten. Lehrer können grosse Vorbilder sein oder das Gegenteil. Sie können ermutigen oder entmutigen, ernst genommen oder lächerlich gemacht werden. Als Gegenüber im pädagogischen Kontext spielen sie immer eine Rolle, doch diese ist in den letzten Jahrzehnten zunehmend von der Bühne gedrängt worden.

Zwischen Schönreden und Schwarzmalen gibt es einen dritten Weg: hinschauen – benennen – handeln

Die Befunde beunruhigen: Die Lernleistungen sinken – besonders im Lesen. Doch die Bildungspolitik reagiert darauf oft mit neuen Programmen – statt mit wirksamerem Unterricht. Unsere Überzeugung ist klar: Nicht, was gut gemeint ist, zählt – sondern das, was wirkt. Das Entscheidende an Reformen ist ihre Wirkung aufs Lernen. Doch viele Reformen verändern Strukturen – verbessern das Lernen aber kaum.

Der Anfang vom Ende des Frühfranzösisch

Ein juristisches Gutachten im Auftrag des Lehrernetzwerks Schweiz kommt zum Schluss: Der Bund hat sich aus der Frage «Frühfranzösisch an den Primarschulen» herauszuhalten. Ein Eingriff in die Bildungshoheit der Kantone wäre unverhältnismässig und reine Symbolpolitik ohne Rücksicht auf das Kindeswohl.

Frühfranzösisch: ein politischer Irrtum

Die Standortbestimmung zum Sprachenkonzept wirkt wie eine Absicherung des Bestehenden. Kein Wunder, sitzen doch in der Verwaltung seit Jahren Entscheidungsträger, die das Frühfranzösisch-Konzept eingeführt haben. Trotz schwacher Resultate und sinkender Motivation bleibt im Bericht die zentrale Frage unbeantwortet, ob Frühfranzösisch unter realen Bedingungen überhaupt funktioniert. Die Antwort ist längst offensichtlich. Es ist Zeit, dies auch politisch einzugestehen.

Fokus auf die echten Grundkompetenzen setzen!

Während der Debatte zur Abschaffung des Frühfranzösisch im vergangenen Herbst spielte die Regierung erfolgreich auf Zeit: Eine knappe Mehrheit des Landrats liess sich vertrösten und folgte der Bitte, die laufende Standortbestimmung zum Sprachenkonzept abzuwarten. Der Bericht sollte spätestens Ende 2025 vorliegen und dem Landrat als solide Entscheidungsgrundlage dienen.

Wenn Fakten ignoriert werden: Der Bericht zu Frühfranzösisch im Kreuzfeuer

Ein grosser Teil der Schulabgängerinnen und Schulabgänger erreicht die angestrebten Kompetenzen nicht. Der Bericht zum Frühfranzösisch lässt eine kritische Analyse der Realität vermissen, er hält am bestehenden System fest und vermeidet grundlegende Konsequenzen.

Eklatanter Fehlschlag

Basler Romanistik-Professoren schlagen Alarm: Gymnasiasten kommen ohne genügende Grundlagen an die Universität. Doch die Bildungspolitik beschwichtigt.

Zwischen Anspruch und Machbarkeit

Check sei Dank. Seit der Nachteilsausgleich infolge eines Rekurses auch bei den Checks geltend gemacht werden kann, ist er ins mediale Rampenlicht gerückt. Befürworter sehen darin ein probates Mittel für mehr Chancengerechtigkeit, Kritiker befürchten eine Aushöhlung der Leistungsbeurteilung und wittern Missbrauchspotenzial.

Mut zu Zwischentönen

Alternativlos – ein grosses Wort für eine kleine Gewissheit. Es verspricht Klarheit, wo in Wirklichkeit Ambivalenz herrscht. Diese Sehnsucht nach Eindeutigkeit prägt auch das Bildungswesen. Doch Bildung beginnt dort, wo Eindeutigkeit endet.

Lernlandschaften müssen her!

Am 24. März 2026 berichtete Manuel Rentsch auf Radio SRF: Die Schweiz ist das innovativste Land von Europa, gemessen an den Patenten. Das zeigt die Statistik des Europäischen Patentamtes EPA in München. Schweizer Firmen, Forscherinnen und Entwickler haben im vergangenen Jahr 9914 Patente angemeldet. Pro Kopf sind es so viele wie sonst nirgends.

Grosser Fortschritt oder unverantwortliches Risiko?

Die Kritik besorgter Muttenzer Eltern bezüglich der Einführung von Schulen in grossräumigen Lernateliers ist nicht aus der Luft gegriffen. Jedes Schulsystem hat seine Kehrseiten, die nicht einfach unterschlagen werden können. Das gilt auch für das «Schulkonzept Lernlandschaften».

Versprechen und Wirklichkeit der Bildungssteuerung

Seit dem „PISA-Schock“ erlebt das deutsche Schulsystem und ähnlich das in Österreich und der Schweiz einen bildungspolitischen Aktionismus. Jede neue Maßnahme versprach Aufbruch: mehr Effizienz durch Steuerung, mehr Evidenz durch Daten, besseren Unterricht durch Kompetenzmodelle, digitale Modernisierung, individuellere Förderung und selbstgesteuertes Lernen. Manches davon klang verheißungsvoll, einiges vielleicht sogar plausibel.

Lehrpersonen machen es aus – nicht Reformen

Im Vorfeld kantonaler Wahlen häufen sich bildungspolitische Versprechen. Ein genauer Blick lohnt sich. Rasch fällt ein vertrautes Vokabular auf: Schule müsse «modern» sein, der Unterricht «innovativ», die Bildung «fit für die Zukunft». Modernität fungiert dabei als politisches Gütesiegel – nicht als pädagogische Kategorie.

Schule ohne Selektion und Noten?

Entspanntes Lernen in der Schule, keine Noten mehr, keine Hausaufgaben, kein Leistungsdruck – was alle Bildungsreformen der letzten Jahrzehnte eint, ist der Gedanke, der traditionelle Bildungskanon und das leistungsorientierte Lernen würden nicht mehr in die heutige Gesellschaft passen. In einigen Schweizer Kantonen experimentieren Reformpädagogen und Schulpolitiker denn auch an der Abschaffung der Noten herum. Ihre Argumentation, dass das klassische Notensystem der Persönlichkeit von Kindern nicht gerecht werde, ist dabei nicht völlig falsch.

Götterdämmerung bei den Schulreformen

Schon seit Längerem zeigt sich eine auffallende Diskrepanz zwischen den Bildungsversprechungen der Schulreformer und den realen Möglichkeiten im schulischen Alltag. Die Alarmsignale aus vielen Schulen haben nun offensichtlich dazu geführt, dass dieser Missstand von gewichtigen bildungspolitischen Kreisen als unhaltbar taxiert wird.

Was Kinder wirklich brauchen

Der Bildschirm gilt längst als Symbol einer modernen Bildung. Die Folgen sind weithin sichtbar: Das technische Wettrüsten an unseren Schulen geht munter weiter. Kinder und Jugendliche werden heutzutage flächendeckend mit Notebooks, Smartphones und Tablets ausgestattet. Denn die digitalen Möglichkeiten scheinen eine erfolgreiche schulische Zukunft zu verheissen.

Maturareform: Können wir uns weniger Deutsch leisten?

Studien im Vorfeld der Maturitätsreform haben es erneut an den Tag gebracht: Ein grosser Teil der Maturanden erreicht kein für ein Hochschulstudium genügendes Niveau in der Erstsprache Deutsch. Prüfungsexperten bestätigen, dass es Maturanden gibt, die kaum einen einzigen deutschen Satz grammatikalisch und stilistisch korrekt schreiben können. Fehler in der Rechtschreibung seien zudem bei fast allen nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Dazu komme, dass literarisches Wissen bei der Mehrzahl der Maturanden nur rudimentär vorhanden sei.

Geschichte: bessere Rahmenbedingungen schaffen!

Französische Revolution, Entstehung des modernen Bundesstaates, Erster und Zweiter Weltkrieg: Immer mehr Schülerinnen und Schüler wissen darüber – nichts. Das gilt selbst für die Zeit des Kalten Krieges, dessen Krisen mehr und mehr im Nebel des Vergessens in eine diffuse Vergangenheit verschwinden. Es droht weitverbreitete Geschichtsvergessenheit.

Zeugnis oder Lernbericht – wie beurteilen?

Eine Debatte folgt der Nächsten im Schulkosmos. Es kehrt keine Ruhe ein – Ruhe, die dringend nötig wäre. Aktuell geht es um Zeugnis versus Lernbericht. Für alle Schulstufen finden sich Appelle – namentlich auch seitens des Schulleiter-Verbandes – die Noten abzuschaffen. Doch macht es ein Lernbericht besser? Im Folgenden geht es um Schuleinsteiger. Noten sind auf dieser Stufe zu Recht noch tabu. Doch wie gestalten sich dann Lernberichte bzw. Zeugnisse?

Die Erfolgsstory der Schweiz gehört in den Geschichtsunterricht

Bei der Frage, was ihnen die Jahreszahl 1848 bedeute, dürften die meisten heutigen Schulabgänger wohl mit den Schultern zucken. Dabei gehört das Revolutionsjahr 1848 zu den markanten Meilensteinen der neueren Schweizer Geschichte. Während in unseren Nachbarländern die Erhebungen fortschrittlicher Bürger und aktiver Studenten gegen die verkrusteten Monarchien blutig niedergeschlagen wurden, gelang in unserem Land ein durchschlagender Erfolg einer freiheitlich denkenden jungen Generation. Es waren wirtschaftlich führende Kreise und liberale Politiker, welche eine moderne Schweiz ohne hemmende Binnenzölle und weitgehende Freiheitsrechte schaffen wollten.