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Kategorie: Gastbeiträge

Frühfremdsprachen- unterricht und Mehrsprachendidaktik – eine Chronik des Grauens

Nächste Woche wird das bernische Kantonsparlament über eine Verschiebung des Frühfranzösisch in die 5. Klasse abstimmen. Die Condorcet-Autoren Alain Pichard, Urs Kalberer und Felix Schmutz haben eine Zeitleiste des monumentalen bildungspolitischen Irrtums erstellt. Mit den Baustellen Frühfremdsprachenunterricht und Mehrsprachendidaktik wurden Hunderte von Millionen Franken in den Sand gesetzt. Zugeben will es niemand! Wir bringen eine aktualisierte Fassung.

Von hoch motivierend bis wenig vertrauenswürdig

Die mit Spannung erwarteten Ergebnisse der Umfrage zu den Basler Schulleitungen verschiedener Schulstufen ergeben ein aufschlussreiches Bild. Neben dem hervorragenden Abschneiden vieler Schulleitungen sind leider die Resultate in wichtigen Bereichen der Umfrage an manchen Schulen unerfreulich. Das führt zur berechtigten Frage, wie Schulteams oder einzelne Lehrkräfte gegenüber schwachen Schulleitungen erfolgreich Einsprache erheben können.

Unreife Erhebungsmethode zum gescheiterten Frühfranzösisch

Der lange von der Baselbieter Regierung unter Verschluss gehaltene Bericht «Standortbestimmung Sprachenkonzept» deckt die desaströsten Französischkenntnisse unserer Schülerinnen und Schüler schonungslos auf. Es ist ein framender Bericht, der in einer Stoff und Aufgaben überfrachteten Volksschule nur eines fordert: Mehr, mehr, noch mehr.

Die Stimme der anderen

Die Antworten von Frau Bourgeois im Interview mit ihr sind vernünftig, überzeugend und überhaupt nicht extrem (NZZ vom 11.5.2026). Sie legt ihre Positionen betreffend Förderklassen gut verständlich und sachlich dar, sodass sich Nachfragen oder Nachdoppeln erübrigt. Ich erlaube mir hingegen noch drei Anmerkungen.

Die Überprüfung der Grundkompetenzen 2024 zementiert Vorurteile

Am 21. Mai wurden die Resultate der neusten Überprüfung der Grundkompetenzen des Jahres 2024 medial vorgestellt. Getestet wurden die Leistungen in Schulsprache und Mathematik der Primarschüler(innen) der zweiten Klasse. Die Stichprobengrösse umfasste 93’883 Kinder an 1’153 Schulen. Das Resultat: Schweizweit erreichten 87% die Grundkompetenzen im Hören, 79% diejenigen im Lesen und 76% diejenigen in Mathematik. Für den EDK-Präsidenten Darbellay ein Grund zur Freude.[1]

Die Rückkehr der Kreidezeit

Eine Allianz von Fachleuten will eine Debatte über wirksamen Unterricht, Lesenlernen und Bildungsqualität anstossen. Die Reaktion darauf zeigt allerdings vor allem eines: Wer heute systematisches Lernen verteidigt, gerät erstaunlich schnell unter Restaurationsverdacht. Das verrät viel über die heutige Diskurskultur.

Rahmenbedingungen aus Sicht der Schulleitungen

Jedes Kind hat nur eine Bildungsbiographie. Darum hat jedes Kind das Recht auf einen Unterricht, der wirklich wirkt, hier und jetzt. Doch im Schulalltag sehen wir Entwicklungen, die genau das zunehmend erschweren.

Klarheit über die «Rünenberger Gemeindeinitiative»

Im Beitrag vom 6. Mai 2026 habe ich die Initiative wegen des Verbots, Klassenkassen zu führen, als mögliches «Heilmittel» ins Spiel gebracht. Im Lead des Beitrags stand, dass sie die Kündigung des Universitätsvertrags bis Ende 2027 verlangt. Diese Information ist richtig, aber für ein volles Verständnis des Begehrens genügt sie bei Weitem nicht.

Psychologische und gesellschaftliche Entwicklungen im Schulkontext

In der Schule geht es wesentlich um Menschenführung. Schülerinnen und Schüler müssen für Lerninhalte gewonnen, ihre Interessen geweckt und ihre Motivation gestärkt werden. Dies gelingt eher, wenn Fantasien, Emotionen und innere Bilder angesprochen werden. Der Kompetenzerwerb hängt stark von inneren Befindlichkeiten ab – nicht allein von der Qualität der Instruktion. Schulen sind daher keine reinen Lernlaboratorien, sondern Imaginationsräume. Diese entstehen durch Bilder, Geschichten und Symbole – an Wänden und in Korridoren ebenso wie in freien Gestaltungsräumen. Geschichten und narrative Zugänge geben dem Lernen Sinn und Tiefe.

Miteinander sprechen statt scrollen

Smartphones & Co. sind aus dem (Schul)alltag nicht mehr wegzudenken. Doch ihre permanente Nutzung bringt Herausforderungen mit sich: Ablenkung, Reizüberflutung und weniger persönlicher Austausch. Die Junge Mitte Basel-Landschaft will das ändern. Mit ihrer Initiative «Handyverbot an Schulen» setzt sie sich für bessere Lernbedingungen und echte soziale Interaktion ein. Ziel ist eine Schule, die wieder stärker als Lern-, Erholungs- und Sozialraum funktioniert.

Das Verschwinden der Lehrer – ein Stück in vier Akten

Lehrerinnen verkörpern die Sache. Sie stehen für die Inhalte ein. Es ist ihre Aufgabe, Kultur und Tradition weiterzugeben, damit Neues entstehen kann. Dies erfordert neben dem Wissen vor allem pädagogische sowie methodisch-didaktische Fähigkeiten. Lehrer können grosse Vorbilder sein oder das Gegenteil. Sie können ermutigen oder entmutigen, ernst genommen oder lächerlich gemacht werden. Als Gegenüber im pädagogischen Kontext spielen sie immer eine Rolle, doch diese ist in den letzten Jahrzehnten zunehmend von der Bühne gedrängt worden.

Zwischen Schönreden und Schwarzmalen gibt es einen dritten Weg: hinschauen – benennen – handeln

Die Befunde beunruhigen: Die Lernleistungen sinken – besonders im Lesen. Doch die Bildungspolitik reagiert darauf oft mit neuen Programmen – statt mit wirksamerem Unterricht. Unsere Überzeugung ist klar: Nicht, was gut gemeint ist, zählt – sondern das, was wirkt. Das Entscheidende an Reformen ist ihre Wirkung aufs Lernen. Doch viele Reformen verändern Strukturen – verbessern das Lernen aber kaum.

Der Anfang vom Ende des Frühfranzösisch

Ein juristisches Gutachten im Auftrag des Lehrernetzwerks Schweiz kommt zum Schluss: Der Bund hat sich aus der Frage «Frühfranzösisch an den Primarschulen» herauszuhalten. Ein Eingriff in die Bildungshoheit der Kantone wäre unverhältnismässig und reine Symbolpolitik ohne Rücksicht auf das Kindeswohl.

Frühfranzösisch: ein politischer Irrtum

Die Standortbestimmung zum Sprachenkonzept wirkt wie eine Absicherung des Bestehenden. Kein Wunder, sitzen doch in der Verwaltung seit Jahren Entscheidungsträger, die das Frühfranzösisch-Konzept eingeführt haben. Trotz schwacher Resultate und sinkender Motivation bleibt im Bericht die zentrale Frage unbeantwortet, ob Frühfranzösisch unter realen Bedingungen überhaupt funktioniert. Die Antwort ist längst offensichtlich. Es ist Zeit, dies auch politisch einzugestehen.

Fokus auf die echten Grundkompetenzen setzen!

Während der Debatte zur Abschaffung des Frühfranzösisch im vergangenen Herbst spielte die Regierung erfolgreich auf Zeit: Eine knappe Mehrheit des Landrats liess sich vertrösten und folgte der Bitte, die laufende Standortbestimmung zum Sprachenkonzept abzuwarten. Der Bericht sollte spätestens Ende 2025 vorliegen und dem Landrat als solide Entscheidungsgrundlage dienen.

Wenn Fakten ignoriert werden: Der Bericht zu Frühfranzösisch im Kreuzfeuer

Ein grosser Teil der Schulabgängerinnen und Schulabgänger erreicht die angestrebten Kompetenzen nicht. Der Bericht zum Frühfranzösisch lässt eine kritische Analyse der Realität vermissen, er hält am bestehenden System fest und vermeidet grundlegende Konsequenzen.

Eklatanter Fehlschlag

Basler Romanistik-Professoren schlagen Alarm: Gymnasiasten kommen ohne genügende Grundlagen an die Universität. Doch die Bildungspolitik beschwichtigt.

Zwischen Anspruch und Machbarkeit

Check sei Dank. Seit der Nachteilsausgleich infolge eines Rekurses auch bei den Checks geltend gemacht werden kann, ist er ins mediale Rampenlicht gerückt. Befürworter sehen darin ein probates Mittel für mehr Chancengerechtigkeit, Kritiker befürchten eine Aushöhlung der Leistungsbeurteilung und wittern Missbrauchspotenzial.

Mut zu Zwischentönen

Alternativlos – ein grosses Wort für eine kleine Gewissheit. Es verspricht Klarheit, wo in Wirklichkeit Ambivalenz herrscht. Diese Sehnsucht nach Eindeutigkeit prägt auch das Bildungswesen. Doch Bildung beginnt dort, wo Eindeutigkeit endet.

Lernlandschaften müssen her!

Am 24. März 2026 berichtete Manuel Rentsch auf Radio SRF: Die Schweiz ist das innovativste Land von Europa, gemessen an den Patenten. Das zeigt die Statistik des Europäischen Patentamtes EPA in München. Schweizer Firmen, Forscherinnen und Entwickler haben im vergangenen Jahr 9914 Patente angemeldet. Pro Kopf sind es so viele wie sonst nirgends.