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Kategorie: Gastbeiträge

Frühfranzösisch hält nicht, was es verspricht

Die Schweiz wird international für ihre Mehrsprachigkeit bewundert. Das schmeichelt unserem Selbstverständnis. Doch zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft eine Lücke. Ausgerechnet dort, wo Mehrsprachigkeit praktisch eingeübt werden soll – in der Volksschule –, zeigt sich diese Lücke deutlich.

Frühfranzösisch – ein schulischer Leerlauf

Seit gut zwölf Jahren erleben wir eine erbitterte Debatte über die Einführung des Unterrichts in Frühfranzösisch in der Primarschule. Glaubt man den Befürwortern, so steht der Zusammenhalt der Schweiz auf dem Spiel. Seit einige Deutschschweizer Kantone, die Frühfranzösisch, meist ab der fünften Klasse, versuchsweise eingeführt hatten, es inzwischen aber wieder abgeschafft haben oder daran sind, es abzuschaffen, ist die Debatte erneut entflammt.

Deutschförderung ist eine Verbundaufgabe

Das Leseverstehen speist sich aus drei Quellen: Dem Zuhören von Geschichten, aus der Welt der Bücher und aus den Kenntnissen im Sachunterricht. Alle drei Zugänge sind heute teils verstopft. Die sprachfördernde Erzählkunst wird an den Pädagogischen Hochschulen zu wenig trainiert, der Welt der Bücher stehen die Kurzfuttertexte der digitalen Medien gegenüber und der Realienunterricht ist an der Volksschule oft nur rudimentär.

«Das ist einfach nur noch ein Skandal und grenzenlose Dummheit»

Der 68-jährige Bestsellerautor Manfred Spitzer musste heftige Attacken über sich ergehen lassen, nachdem er sein Buch «Digitale Demenz» publiziert hatte. Er stand unter medialem Dauerbeschuss. Populistischer «Professor Klartext» war noch eine der freundlicheren Bezeichnungen. Aber auch Spitzer ist nicht zimperlich. Er ist kein Freund der leisen Töne, wenn es um Kritik an der Digitalisierung an den Schulen geht. Mit den neuen Pisa-Ergebnissen bekommen seine Thesen jetzt Rückenwind: Die Schulleistungen sind in vielen Ländern gesunken. Auch in der Schweiz. Was macht das mit ihm?

Die Visionäre schlagen zu

Thomas Minder, der Präsident des Verbandes der schweizerischen Schulleitungen, hat der Organisation einen neuen Namen und ein neues LOGO verpasst: Visenti – Verband Schulführung Schweiz. Visenti soll wohl suggerieren, dass sich die Schulleitungen inzwischen als Visionäre sehen, die ihre Schulen nicht einfach verwalten, sondern in eine Zukunftsutopie führen wollen. Von den eigentlichen Aufgaben, welche die Schulleitungen tagtäglich zu erfüllen haben, ist denn auch auf der Webseite gar nicht die Rede. Stattdessen dominiert der Anspruch, die Schule zu etwas Neuem weiterentwickeln zu wollen.

Erfolgreiches Sprachenlernen ist in jedem Alter möglich

Im bekannten Condorcet-Bildungsblog wird der Frage nachgegangen, wieweit frühes schulisches Sprachenlernen von Vorteil ist. Der Bericht stützt sich auf eine viel beachtete Studie von Dr. Simone Pfenninger, die mit bedeutenden Aussagen zum frühen Sprachenlernen zentrale Annahmen erschüttert hat.

Nicht wann, sondern wie: Was erfolgreiches Fremdsprachenlernen ausmacht

Kaum ein Thema rund um den Fremdsprachenunterricht wird so intensiv diskutiert wie das Alter, in dem Kinder mit einer zweiten Sprache beginnen. Dahinter steht eine weit verbreitete Annahme: Je früher, desto besser. Auch die frühe Einführung des Englisch-, Französisch- und Deutschunterrichts in der Schweiz beruht teilweise auf dieser Vorstellung, obwohl natürlich zugleich Mehrsprachigkeit als ein zentraler Bestandteil des schweizerischen Selbstverständnisses gilt. Fremdsprachenunterricht ist in der Schweiz nicht nur eine pädagogische, sondern immer auch eine gesellschafts- und bildungspolitische Frage. Doch bringt ein möglichst früher Beginn tatsächlich die erhofften Vorteile für das Sprachenlernen? Die Forschung zeichnet hierzu ein differenzierteres Bild.

«Wir haben die schlechtesten Schüler­leistungen aller Zeiten»

Der bekennende Linke Mathias Brodkorb erklärt, warum die «Gleichheits­ideologie» in der Bildungs­debatte den Schulen mehr schade als nütze – und er sagt, welche Schulen die Kinder heute brauchen. Das Interview führte die Journalistin Nadja Pastega für die Sonntagszeitung.

15 Jahre Starke Schule: Eine neue Generation übernimmt

Als Bewegung von Eltern gegründet, hat sich die Starke Schule beider Basel (SSbB) seit 2011 zu einem eigenständigen politischen Akteur entwickelt. Heute steht die Organisation an einem wichtigen Wendepunkt und gehört zu den ungewöhnlichsten bildungspolitischen Organisationen der Nordwestschweiz. Mit Volksinitiativen, politischen Vorstössen, Medienarbeit, Umfragen und direkten Kontakten zu Politikerinnen und Politikern beeinflusst sie die kantonale Bildungspolitik. Die folgende Analyse zeichnet die Entwicklung der SSbB über diese 15 Jahre nach, untersucht ihre wichtigsten politischen Erfolge, beleuchtet die besondere Zeit unter Monica Gschwind und zeigt schliesslich, wie der Generationenwechsel den Verein heute prägt.

Die Frühdigitalisierung ist kein pädagogischer Fortschritt

Die Volksinitiative der Starken Schule beider Basel greift mit der Ablehnung der Frühdigitalisierung der Primarschulen ein Thema auf, das grosse Auswirkungen auf den Schulbetrieb hat. Die Initiative ist auch ein deutliches Zeichen, die schulische Digitalisierung kritischer zu bewerten.

Woraus wächst, was Kinder trägt

In diesen Tagen stehen wieder Tausende Kinder vor einem Schulhaus. Manche greifen noch nach der Hand ihrer Mutter oder ihres Vaters, andere eilen schon mutig voraus. Alle tragen einen Schulsack – und viele Erwartungen. Für sie beginnt ein Weg, dessen Ziel niemand genau kennt. Das ist auch nicht nötig. Entscheidend ist vielmehr: Was muss Schule Kindern ermöglichen, damit sie einmal ihren eigenen Lern- und Lebensweg gehen können?

Der nationale Zusammenhalt hängt nicht vom Frühfranzösisch ab

Es braucht schon sehr viel Voreingenommenheit, ausgerechnet das Frühfranzösisch zum nationalen Symbol des eidgenössischen Zusammenhalts zu erheben, wie dies Bundesrätin Baume-Schneider getan hat. Fast könnte man meinen, Französisch solle aus der Volksschule verbannt und die Bedeutung der Romandie bei uns generell missachtet werden. Doch das trifft überhaupt nicht zu. 

Der letzte Schrei: Strip Search

Satire-Hinweis: Der folgende Beitrag ist eine satirische Zuspitzung. Das erwähnte Dokument und die beschriebenen Massnahmen sind frei erfunden. Anlass sind die realen Herausforderungen durch KI-gestützten Prüfungsbetrug.

Was früher ein Spickzettel war, kann heute ein kaum sichtbarer Ohrhörer oder eine Brille respektive ein digitaler Stift mit Scan-Funktion sein. Aufgaben lassen sich fotografieren, über das Smartphone an eine KI-Anwendung senden und innerhalb weniger Sekunden beantworten. Die Lösungen können auf kleinen Displays erscheinen, via Kopfhörer eingespielt oder über andere Geräte weitergegeben werden. Besonders auf der Sekundarstufe II und im Hochschulbereich nutzen Lernende bzw. Studierende immer regelmässiger generative KI, und zwar nicht nur zum Lernen, sondern auch zum Schummeln bei Prüfungen.

Struktur statt Schlagwortpädagogik: Warum Sprachförderung Führung braucht

Offene Lernformen, Selbststeuerung und altersdurchmischtes Lernen wurden in den vergangenen Jahren oft so behandelt, als seien sie Qualitätsmerkmale an sich. Wer auf Anleitung, Wiederholung und klare Führung pochte, galt rasch als altmodisch. Das Zürcher Fachkonzept «Integrierte Sprachförderung auf der Kindergarten- und Primarstufe» setzt hier einen deutlichen Kontrapunkt. Es betont sprachbewusst gestalteten Unterricht, deutliche Struktur und eine Lehrperson, die ihre Verantwortung aktiv wahrnimmt. Sprache lernt man nicht im Vorbeigehen. Das Fachkonzept benennt einen Fehlschluss, der viele Unterrichtsformen der letzten Jahre geprägt hat: «Dass Sprache auch eigenaktiv erworben wird, führt immer wieder zum falschen Schluss, dass die Schülerinnen und Schüler Sprache ebenfalls möglichst eigenaktiv und selbstgesteuert erwerben sollen.» Dieser Satz trifft ins Zentrum. Denn genau aus diesem Missverständnis speist sich ein grosser Teil jener Pädagogik, die die Lehrperson zur Lernbegleiterin verkleinert und Führung mit Bevormundung verwechselt.

Alles, was (nicht) recht ist – Verwarnungen als Druckmittel

In der LVB-Geschäftsstelle klingelte das Telefon. Am anderen Ende eine Lehrperson, die Stimme brüchig, ihre Hände, so erzählte sie mir später, zitterten. Sechs Tage zuvor hatte sie ein Krisengespräch mit ihrer Schulleitung gehabt, welches in einen Folgetermin für ein Zielvereinbarungsgespräch mündete. Nun, eine knappe Woche nach dem Krisengespräch, hielt sie eine Verwarnung in den Händen. Begründet wurde diese unter anderem damit, dass sie im Gespräch emotional ungehalten gewesen sei und sogar geweint habe. Sie fragte mich: «Was passiert jetzt mit mir?» Solche Anrufe häufen sich.

Diagnose zum gescheiterten Sprachenkonzept: multifaktoriell

Multifaktoriell: So könnte der Befund lauten, wenn die Standortbestimmung zum Sprachenkonzept eine ärztliche Diagnose wäre. Ende Mai gab die Bildungsdirektion Baselland den Schlussbericht frei, nachdem sie ihn einige Monate zurückbehalten hatte. (1) Dabei ging es hauptsächlich um das umstrittene Frühfranzösisch, das ab der dritten Primarklasse eingeführt worden war. Denn sämtliche Evaluationen zeigten, dass die Kenntnisse nach 7 Jahren Französisch mit neuem Konzept klar ungenügend waren. Sie lagen auch deutlich unter dem Niveau der Englischkenntnisse, obwohl Englisch erst im 5. Schuljahr eingeführt wird und obwohl der Lehrplan 21 fordert, dass in beiden Fremdsprachen am Ende der Schulzeit gleiche Kompetenzen vorhanden sein sollten.

Wie viele Studien braucht es noch?

Wie viele Studien braucht es eigentlich, bis man eine unbequeme Wahrheit akzeptiert? Beim Frühfranzösisch liegen die Fakten längst auf dem Tisch. Bereits eine grosse nationale Vergleichsstudie zeigte, dass Französisch ab der dritten Klasse im Baselbiet nicht den erhofften Erfolg bringt. Dass nach Jahren Französischunterricht fast die Hälfte der Schülerinnen und Schüler schon an einfachstem Französisch scheitert, wäre ernüchternd genug. Wirklich alarmierend ist aber ein anderer Befund der Studie. Jeder sechste Baselbieter Schüler kann nach neun Schuljahren keinen einfachen deutschen Text verstehen. Wer Deutsch nicht ausreichend beherrscht, findet kaum Anschluss, weder in der Lehre noch im Beruf noch im Alltag. Darum muss die Schule zuerst das sichern, was jedes Kind braucht. Lesen, schreiben und rechnen.

Frühfremdsprachen- unterricht und Mehrsprachendidaktik – eine Chronik des Grauens

Nächste Woche wird das bernische Kantonsparlament über eine Verschiebung des Frühfranzösisch in die 5. Klasse abstimmen. Die Condorcet-Autoren Alain Pichard, Urs Kalberer und Felix Schmutz haben eine Zeitleiste des monumentalen bildungspolitischen Irrtums erstellt. Mit den Baustellen Frühfremdsprachenunterricht und Mehrsprachendidaktik wurden Hunderte von Millionen Franken in den Sand gesetzt. Zugeben will es niemand! Wir bringen eine aktualisierte Fassung.

Von hoch motivierend bis wenig vertrauenswürdig

Die mit Spannung erwarteten Ergebnisse der Umfrage zu den Basler Schulleitungen verschiedener Schulstufen ergeben ein aufschlussreiches Bild. Neben dem hervorragenden Abschneiden vieler Schulleitungen sind leider die Resultate in wichtigen Bereichen der Umfrage an manchen Schulen unerfreulich. Das führt zur berechtigten Frage, wie Schulteams oder einzelne Lehrkräfte gegenüber schwachen Schulleitungen erfolgreich Einsprache erheben können.

Unreife Erhebungsmethode zum gescheiterten Frühfranzösisch

Der lange von der Baselbieter Regierung unter Verschluss gehaltene Bericht «Standortbestimmung Sprachenkonzept» deckt die desaströsten Französischkenntnisse unserer Schülerinnen und Schüler schonungslos auf. Es ist ein framender Bericht, der in einer Stoff und Aufgaben überfrachteten Volksschule nur eines fordert: Mehr, mehr, noch mehr.