Von hoch motivierend bis wenig vertrauenswürdig
Die mit Spannung erwarteten Ergebnisse der Umfrage zu den Basler Schulleitungen verschiedener Schulstufen ergeben ein aufschlussreiches Bild. Neben dem hervorragenden Abschneiden vieler Schulleitungen sind leider die Resultate in wichtigen Bereichen der Umfrage an manchen Schulen unerfreulich. Das führt zur berechtigten Frage, wie Schulteams oder einzelne Lehrkräfte gegenüber schwachen Schulleitungen erfolgreich Einsprache erheben können.
Was bisher nur durch wenige Berichte aus Lehrerzimmern über die Arbeit der Schulleitungen bekannt wurde, hat dank der klug konzipierten SSbB-Umfrage klare Konturen angenommen. Die wohl einmalige Gesamtschau zeigt, dass in manchen Schulen professionell arbeitende Schulleitungen die Schulteams voll unterstützen und die geeigneten Rahmenbedingungen für gutes Unterrichten erfüllen. Engagierte Lehrpersonen fühlen sich in ihrer Arbeit akzeptiert und wissen, dass ihre Schulleitung generell hinter ihnen steht und in Krisenfällen mit aufgebrachten Eltern klar die Grenzen setzt. Das schafft ein Vertrauen, das sich auf das pädagogische Engagement der Lehrpersonen mit Sicherheit positiv auswirkt.
Gute Schulleitungen motivieren die Lehrpersonen
Anerkannt gute Schulleitungen verstehen es, besondere Fähigkeiten der einzelnen Lehrerpersönlichkeiten zum Nutzen der Schulteams in den Vordergrund zu rücken. So gelingt es guten Schulen, mit interner Weiterbildung im Rahmen von Fachschaften oder bei besonderen Veranstaltungen wie gemeinsamen Theateraufführungen einen Teamgeist zu bilden, der weit mehr bringt als tagelange Leitbilddiskussionen. Wo Schulleitungen diesen pädagogischen Aufbruchsgeist gezielt fördern, transparent über wichtige Zielsetzungen informieren und sich dabei selber nie in den Vordergrund drängen, läuft es meist rund.
Zu viele Schulleitungen mit erheblichen Mängeln
Doch es gibt offensichtlich eine grössere Zahl von Schulleitungen, welche diesen hohen Ansprüchen einer modernen Schulführung nicht genügen. Mit oft kleinlichen Kontrollen, mit fehlendem Humor und generell wenig Kompetenz in guter Personalführung schaffen sie ein Klima des Misstrauens im Umgang mit dem Lehrpersonal. Das führt dazu, dass Lehrpersonen ein kurzes Gespräch sofort abbrechen, wenn der Schulleiter auftaucht. Das Formelle wird wichtiger, der Papierkrieg nimmt zu und die Unzufriedenheit in den Schulteams über den «Leerlauf von oben» wächst.
Ganz heikel wird es, wenn eher unsichere Schulleitungen auf ihre in wenigen Bereichen abgestützte Machtposition pochen. Schwache Schulleitungen können meist schlecht mit Kritik umgehen und klammern sich umso mehr an unsinnige Planungsvorgaben aller Art. Mit dieser Haltung verlieren sie bei den allermeisten Lehrpersonen sehr viel an Kredit. Starke Lehrkräfte sind es durch ihre Führungsaufgabe in den Klassenzimmern gewohnt, eine ganze Reihe wichtiger Entscheide in Eigenverantwortung zu treffen. Bei Menschen, die täglich grosse Verantwortung tragen, ist der nötige gegenseitige Respekt für die unterschiedlichen Aufgaben im Schulbetrieb eine Grundvoraussetzung für eine gute Zusammenarbeit. Wie die Umfrageergebnisse zeigen, entstehen die heftigsten Konflikte, wenn Schulleitenden dieses wichtige Taktgefühl und der Sinn fürs Machbare fehlen.
Schaffung einer vertrauenswürdigen Rekursinstanz
Trotz der einerseits sehr erfreulichen Ergebnisse besteht Handlungsbedarf zugunsten der an manchen Schulen unter unnötigem Druck stehenden Lehrkräfte. Es darf nicht sein, dass kritisch denkende Lehrerinnen und Lehrer in ihrer Arbeit schikaniert oder gar zur Aufgabe ihrer Stelle gedrängt werden. Vielmehr gilt es dafür zu sorgen, dass an allen Schulen die Führungsqualität der Schulleitungen garantiert werden kann. Damit dies wirklich geschieht, könnte eine neu organisierte kantonale Rekursinstanz bei Streitigkeiten mit Schulleitungen eine Aufsichtsfunktion übernehmen.
Damit Lehrpersonen sich vertrauensvoll an diese Stelle wenden, spielt die Zusammensetzung der Rekursinstanz eine zentrale Rolle. Wird die Stelle paritätisch mit gleich vielen Vertretern der Lehrerschaft wie der Verwaltung besetzt dürfte die Akzeptanz dieses Aufsichtsorgans hoch sein und Auswirkungen auf die gesamte Schulführungskultur haben.
Die Umfrage der SSbB hat zweifellos einiges aufgedeckt, was faul ist. Vielleicht werden einige der schwarzen Schafe versuchen, die Umfrage als unseriös abzuklassieren. Doch das sind Rückzugsgefechte, die den aufgedeckten Tatsachen wenig anhaben können. Jetzt gilt es nach vorn zu schauen und mit politischen Vorstössen die notwendigen Korrekturen in die Wege zu leiten. Einmal mehr könnten sich dabei die beiden Basel als Pioniere für eine praxisrelevante Schulreform erweisen.
Hanspeter Amstutz
Fehraltorf
