Struktur statt Schlagwortpädagogik: Warum Sprachförderung Führung braucht
Offene Lernformen, Selbststeuerung und altersdurchmischtes Lernen wurden in den vergangenen Jahren oft so behandelt, als seien sie Qualitätsmerkmale an sich. Wer auf Anleitung, Wiederholung und klare Führung pochte, galt rasch als altmodisch. Das Zürcher Fachkonzept «Integrierte Sprachförderung auf der Kindergarten- und Primarstufe» setzt hier einen deutlichen Kontrapunkt. Es betont sprachbewusst gestalteten Unterricht, deutliche Struktur und eine Lehrperson, die ihre Verantwortung aktiv wahrnimmt. Sprache lernt man nicht im Vorbeigehen. Das Fachkonzept benennt einen Fehlschluss, der viele Unterrichtsformen der letzten Jahre geprägt hat: «Dass Sprache auch eigenaktiv erworben wird, führt immer wieder zum falschen Schluss, dass die Schülerinnen und Schüler Sprache ebenfalls möglichst eigenaktiv und selbstgesteuert erwerben sollen.» Dieser Satz trifft ins Zentrum. Denn genau aus diesem Missverständnis speist sich ein grosser Teil jener Pädagogik, die die Lehrperson zur Lernbegleiterin verkleinert und Führung mit Bevormundung verwechselt.
