SSbB in eigener Sache
Die Starke Schule beider Basel (SSbB) setzt sich für eine starke öffentliche Schule ein. Wie jede Institution ist eine Schule dann stark, wenn sie kritische Hinweise als positiven Beitrag versteht, um sich zu entwickeln und zu verbessern. Wer von sich behauptet, «wir machen alles richtig», der verschliesst sich jedem Impuls zur Erneuerung und hat beschlossen, einfach nur noch den Status quo zu verteidigen.
Reaktion auf Umfrage und öffentliche Diskussion
Nach den ersten Veröffentlichungen, speziell zu einem Vergleich zwischen den Gymnasien in Basel-Stadt und Baselland, erreichten die SSbB eine grosse Zahl an überwiegend positiven Rückmeldungen, aber es hagelte auch ungewöhnlich scharfe Kritik. Die SSbB nimmt die vielen Reaktionen als Bestätigung dafür, dass sie einen Nerv getroffen hat, und sie weist die Kritik an ihrer Vorgehensweise nicht einfach kommentarlos zurück, sondern setzt sich ernsthaft damit auseinander.
Stellvertretend für viele andere Reaktionen der Schlusssatz aus einer Rückmeldung, die uns sehr nachdenklich stimmte: «Und: Es ist beschämend, dass ich als Lehrperson, die [die Schülerinnen und Schüler] zu mündigen Menschen bilden soll, mich nicht getraue, mit meinem Namen hinzustehen. Wenn [mein Schulleiter] meinen Namen erfährt, dann bin ich erledigt. Und das ist nicht übertrieben.»[1]
Kritik an Methodik und Aussagekraft
Die Kritik an unserer Vorgehensweise betraf vor allem den Umstand, dass die Umfrage nicht repräsentativ sei und dass sie deshalb keinen Aussagewert habe. Die SSbB hat nie behauptet, dass die Stichprobenmenge und die fehlende Zufälligkeit in Bezug auf die Rückmeldungen wissenschaftlich belastbare Aussagen zulassen.
Wir halten jedoch klar fest, dass die teilweise sehr negativen Resultate mindestens ein Meinungs- und Stimmungsbild wiedergeben, teilweise für einzelne Schulen sogar robust und aussagekräftig sind. Die Resultate sollten ernst genommen werden. Wenn von den publizierten Gymnasien zwischen 18% (Gymnasium Liestal) und 37% (Gymnasium am Münsterplatz) aller auf der Maturitätsabteilung unterrichtenden Lehrpersonen (ohne FMS) ihre Einschätzungen der SSbB mitteilen, und wenn bei bestimmten Schulen die Hälfte davon der Auffassung ist, Schulleiter hätten zu viel Macht und Kritikäusserung ohne negative Konsequenzen sei nicht möglich, dann lässt das aufhorchen!
Wenn man darauf nur mit Zurückweisung und Infragestellung der Umfrageresultate reagiert, wie es der Verband der Schulleiterinnen und Schulleiter (VSL) tut, ist das beschämend. Es ist Ausdruck einer Haltung, die Kritik nicht ernsthaft prüft, sondern sie systematisch relativiert, sobald sie unangenehm wird..
Die Kritik folgt einem bekannten Muster – zwischen Abwehr und selektiver Wahrnehmung
Unangenehme Resultate oder Hinweise auf mögliche Missstände werden als unseriös oder nicht aussagekräftig bezeichnet, ohne dass man sich im Detail mit den Aussagen der Lehrpersonen auseinandersetzt. Gleichzeitig werden interne Erhebungen mit eher positiven Resultaten hervorgehoben, etwa nach folgendem Muster: In erster Linie stehen nicht die Inhalte und Daten einer Umfrage im Zentrum, sondern die Frage, ob Ergebnisse ins gewünschte Bild passen. Sobald Rückmeldungen der Basis von diesem Bild abweichen, wird ihre Aussagekraft angezweifelt oder grundsätzlich bestritten. Genau dadurch entsteht ein Spannungsfeld zwischen offizieller Darstellung und gelebter Realität in den Schulen.
Diese Art, Rückmeldungen auszuwerten, wirkt nach aussen nicht wie eine sachliche Einordnung, sondern wie eine vorgefertigte Auswahl: Kritische Stimmen werden abgeschwächt und relativiert, positive Rückmeldungen dagegen betont.
Ein solches Verhalten passt nicht in eine demokratische Gesellschaft. Schulleitungen handeln hoheitlich im Auftrag des Kantons oder der betreffenden Gemeinde und sind diesen gegenüber auch Rechenschaft schuldig.
Umgang der Behörden mit eigenen Erhebungen – ohne notwendige Transparenz
Ebenso befremdend sind die Reaktionen der Bildungsbehörden, wobei ganz besonders die BKSD des Kantons Baselland mit ihrer Haltung irritiert: Sie stellt die Umfrageergebnisse der SSbB in Frage, indem sie auf angeblich viel bessere Rückmeldungen in der breitangelegten Mitarbeitendenbefragung 2025 durch das Meinungsforschungsinstitut EMPIRICON hinweist. Gleichzeitig werden die konkreten Resultate jedoch nicht veröffentlicht.
Da beschleicht wohl jeden der Verdacht, dass die Resultate eben doch nicht überall «erfreulich» ausgefallen sind. Einfach auf einen «insgesamt erfreulichen» Durchschnitt zu verweisen und die Detailergebnisse zu verheimlichen, ist billig, unglaubwürdig, nicht nachvollziehbar und verkauft die Mitarbeitenden für dumm.
Stimme der Lehrpersonen und reale Rückmeldungen
Unsere Umfrage gibt den betroffenen Lehrpersonen direkt eine Stimme. Gerade diese ungefilterten Rückmeldungen sind es, die offenbar bei gewissen Institutionen auf Widerstand stossen, weil sie ein differenzierteres und teilweise unangenehmeres Bild zeichnen, als es offizielle Darstellungen zeigen.
Forderungen der SSbB
Die Starke Schule beider Basel fordert vehement:
- Eine effektive Kontrolle der Schulleitungen, nicht nur auf dem Papier resp. in offiziellen Organigrammen
- Verwarnungen gegen Lehrpersonen durch Schulleitungen müssen grundsätzlich anfechtbar sein. Es geht nicht darum, dass keine Verwarnungen mehr ausgesprochen werden können, sondern darum, dass sich Lehrpersonen gegen rechtsmissbräuchliche Verwarnungen zur Wehr setzen können. Wir leben in einem Rechtsstaat!
- Klare Richtlinien, welche Bereiche in den ausschliesslichen Kompetenzbereich der LP gehören, in welche die Schulleitungen sich nicht einmischen dürfen: Methodisch-didaktische Freiheit; die Lehrpersonen entscheiden selber darüber, wann und wo sie ihre Lektionen vor- und nachbereiten.
Die aktuelle Diskussion zeigt deutlich, dass Transparenz und Offenheit im Bildungswesen nicht nur gefordert, sondern auch konsequent gelebt werden müssen. Nur wenn Kritik nicht abgewehrt, sondern ernsthaft geprüft wird, kann Vertrauen entstehen. Eine starke Schule braucht deshalb auch starke, überprüfbare Strukturen – im Interesse der Lehrpersonen ebenso wie der Schüler/-innen.
Aleyna Kara
Sekretariat Starke Schule beider Basel
[1] Anstelle der eckigen Klammern standen andere Wörter oder Bezeichnungen, die ersetzt worden sind, weil sie sonst möglicherweise Rückschlüsse auf die Schulstufe oder das Schulhaus zulassen würden.

8 Antworten
Das Engagement der Starken Schule beider Basel ist unbezahlbar! Ich kann den Aussagen in den vorigen Kommentaren nur beipflichten und noch einmal betonen, wie wichtig die Stimme der SSbB ist. Ohne sie gäbe es ein grosses Vakuum, weil niemand sonst die Funktion einer kritischen Beobachterin übernimmt, die sich nicht scheut, auch unbequeme Tatsachen auszusprechen.
Ein Jubelchor, der nicht müde wird zu wiederholen, wie «grossartig» alles läuft und wie unheimlich «perfekt» die Bildungsbehörden und die ihnen unterstellten Schulen doch funktionieren, bringt niemandem etwas – höchstens Selbstbetrug!
Die SSbB geht sehr souverän mit der Kritik von offizieller Seite an ihrer Vorgehensweise um: Sie gibt sich selbstkritisch, was für ihre Souveränität spricht (wer kritische Einwände aushalten kann, steht über der Sache), und Sie reagiert selbstbewusst. Ihre Argumentation ist absolut überzeugend!
Liebe Frau Aleyna Kara
Ich gratuliere Ihnen zu Ihrer grossartigen Replik auf die Kritik des VSL (Verband der Schulleiterinnen und Schulleiter) und der BKSD des Kantons Baselland an der Umfrage der SSbB. Sie zeigen auf, wofür die SSbB steht, und benennen klar, was beim BKSD und bei einigen Schulleitungen falsch läuft: eine selektive Wahrnehmung und die Abwehr von Kritik anstelle von Selbstreflexion. Besonders wichtig finde ich Ihr rechtsstaatliches Postulat, dass Verwarnungen gegenüber Lehrpersonen von diesen anfechtbar sein müssen.
Herzlichen Dank und freundliche Grüsse
Ronald Wiedemann
pensionierter Gymnasiallehrer
Es ist gut, dass die Starke Schule beider Basel sich durch die Anfeindungen von Seiten der Schulleitungen und der Bildungsbehörden nicht einschüchtern lässt und daraufhin nicht einfach verstummt! Gerade jetzt ist eine solche Stimme wie jene der SSbB wichtig und richtig! Während alle anderen kuschen, spricht die SSbB Klartext und nennt die Probleme beim Namen. Chapeau!
Die Starke Schule beider Basel leistet hervorragende Arbeit, indem sie zurecht nicht locker lässt. Dafür gebührt ihr ein ganz grosses Dankeschön! Wenn ein öffentlicher Arbeitgeber wie der Kanton Basel-Landschaft, und dabei insbesondere die Bildungsdirektion BKSD, offenkundige und zigfach dokumentierte Führungsprobleme an diversen Schulen einfach ausblendet, wird ihn das mittel- bis längerfristig sehr teuer zu stehen kommen. Die heutige Arbeitswelt ist dank der Digitalisierung viel vernetzter und transparenter als noch vor zwei Jahrzehnten. Eine solche Vogel-Strauss-Politik, wie sie der Kanton BL betreibt, ist nicht nur schädlich für das Image, sondern wird sich sowohl in der Qualität der Bildung als auch in den dafür aufzuwendenden Kosten negativ auswirken, und zwar massiv. Verwaltungen, und hierbei wiederum insbesondere jene des Kantons BL, denken auf sträfliche Weise kurzsichtig: Die einzige Handlungsmaxime ist, Probleme zu negieren, vor sich herzuschieben oder gleich ganz auszublenden. Die Folgen einer solchen Politik sind fatal ‒ zwar nicht heute und auch nicht morgen, aber mit absoluter Sicherheit in ein paar Jahren!
Vielleicht erklären die hier beschriebenen Umstände die vielen Krankheitsausfälle der baselstädtischen Lehrer.
https://www.nau.ch/news/schweiz/basel-stadt-lehrer-fallen-aus-kosten-gehen-in-millionen-67136823
Wo viele Menschen zusammenarbeiten, gibt es Konflikte und Meinungsverschiedenheiten. Wenn diese zu Mobbing und Machtmissbrauch führen, ist das für das Arbeitsklima schlecht. Auch die Schüler leiden darunter und der Steuerzahler bezahlt am Schluss die Rechnung.
Damit haben Sie das Problem perfekt eingeordnet und auf den Punkt gebracht, Frau Rentsch, v.a. was die Rechnung betrifft, welche die Lernenden und die Steuerzahler zu tragen haben…
Eine Bildungsbehörde, die kritische Stimmen von Lehrpersonen aus gelebtem Schulalltag heraus ignoriert oder gar sanktionierend rückverfolgt, nur um selbst unbefleckt dastehen zu können, zerstört, was über Jahrzehnte aufgebaut worden ist. Wohlan denn. Die Rechnung wird gestellt werden…