Gymnasium Muttenz und Leonhard top, Gymnasium Münsterplatz und Bäumlihof flop
An der soeben durchgeführten Umfrage der Starken Schule beider Basel (SSbB) zu den Schulleitungen der Primarstufe und den beiden Sekundarstufen 1 und 2 nahmen 1’176 Lehrpersonen teil. Davon unterrichten 18.1% an einem staatlichen Gymnasium in Baselland oder Basel-Stadt. Befragt wurden die Lehrpersonen zu den Erfahrungen, welche sie mit ihren Schulleitungen bezüglich Respekt, Gleichbehandlung, Vertrauen, Unterstützung und Kritikfähigkeit gemacht haben. Die Umfrageergebnisse legen teilweise bedenkliche Zustände offen, wobei die Unterschiede zwischen den einzelnen Schulen sehr gross sind.
Während einige Schulleitungen von ihren Lehrpersonen ausgezeichnet bewertet werden und an ihren Schulen offenbar ein sehr gutes Arbeitsklima schaffen können, sind die Ergebnisse anderer Schulen in mehreren Bereichen bedenklich.
In dieser Auswertung legen wir die Daten derjenigen Gymnasien offen, bei denen mindestens eine zweistellige Anzahl von Lehrpersonen die anonyme Umfrage beantwortet haben. An den beiden Gymnasien Laufental und Kirschgarten haben jeweils nur neun Lehrpersonen teilgenommen, sodass diese Ergebnisse zu wenig aussagekräftig sind, um ausreichend gesicherte Schlüsse zu ziehen.
Die Schulleitungen haben wir vergangenen Freitag über die Umfrageergebnisse ihrer Schule informiert, um ihnen die Möglichkeit zu geben, Stellung zu beziehen. Nicht alle Schulleitungen wollten davon Gebrauch machen. Erhaltene Rückmeldungen haben wir in diesem Artikel berücksichtigt.
Riesige Unterschiede beim wichtigen Thema Gleichbehandlung
Fünf von acht Gymnasien schneiden beim Thema «Gleichbehandlung aller Mitarbeitenden» besser ab als der Durchschnitt der Lehrpersonen der drei Stufen Primar, Sek. 1 und Sek. 2 der beiden Halbkantone (in den Grafiken gekennzeichnet mit «Schnitt alle Lehrpersonen»). Besonders positiv fällt das Gymnasium Liestal auf: Dort geben lediglich 7,7 % der befragten Lehrpersonen an, Ungleichbehandlung wahrzunehmen. Demgegenüber liegen die Werte der Gymnasien Münchenstein, Münsterplatz und Bäumlihof deutlich höher (siehe Grafik 1).

Die Resultate zeigen, dass an mehreren Gymnasien weiterer Abklärungs- und Handlungsbedarf besteht. Wenn ein relevanter Anteil der Lehrpersonen Ungleichbehandlung wahrnimmt, darf dies von den Schulleitungen und den zuständigen Behörden nicht verharmlost werden.
Aus Sicht der SSbB sollte der Anteil der Mitarbeitenden, die eine Ungleichbehandlung feststellen, deutlich unter 15% liegen. Höhere Werte weisen auf Probleme im Führungsverhalten oder bei der Kommunikation hin. Werden Mitarbeitende nicht gleichbehandelt, kann dies die Zusammenarbeit im Kollegium belasten und die Arbeitszufriedenheit deutlich mindern. Langfristig drohen Demotivation und vermehrte Konflikte. Ebenso nehmen die Schwierigkeiten zu, gut qualifizierte Lehrpersonen an der Schule zu halten. Die Fluktuation nimmt zulasten der Schüler/-innen zu, die vermehrt Wechsel der Lehrpersonen hinnehmen müssen. Umso wichtiger sind transparente Führungsstrukturen und eine offene, konstruktive Feedbackkultur.
Gymnasium Muttenz führt gleich dreimal die Rangliste an
Am Gymnasium Muttenz scheint in mehreren Bereichen vieles zusammenzupassen: Die Lehrpersonen sind grösstenteils mit der Schulleitung zufrieden. In den Bereichen «Vertrauen», «Respekt» und «Unterstützung» geben jeweils mehr als 90% der befragten Lehrpersonen positive Rückmeldungen.
Ähnlich hohe Werte erreicht auch das Gymnasium Leonhard. Besonders auffällig ist, dass keine einzige Lehrperson angibt, kein Vertrauen in die Schulleitung zu haben. Gleichzeitig fällt jedoch auf, dass mit 9,1% vergleichsweise viele Lehrpersonen angeben, die Frage nicht beurteilen zu können.
Auch das Gymnasium Liestal liegt in allen drei Bereichen deutlich über dem Durchschnitt. Allerdings fällt der Wert im Bereich «Unterstützung» im Vergleich zu «Vertrauen» und «Respekt» um rund 10 Prozentpunkte tiefer aus. Dies könnte darauf hindeuten, dass trotz grundsätzlich positiver Wahrnehmung Verbesserungsbedarf bei der Unterstützung mit konkreten Problemen im Berufsalltag besteht.
Im deutlichen Gegensatz dazu steht das Gymnasium Bäumlihof. Die Resultate in den Bereichen «Vertrauen», «Respekt» und «Unterstützung» fallen sehr tief aus. Nur rund die Hälfte der befragten Lehrpersonen vertraut der Schulleitung und empfindet den Umgang als respektvoll. Lediglich 56.3% geben an, sich von der Schulleitung unterstützt zu fühlen.
Ebenfalls sehr tiefe Zustimmungswerte in den Bereichen «Vertrauen» und «Respekt» erhält das Gymnasium Münsterplatz. Im Bereich «Unterstützung» liegt das Gymnasium hingegen über dem Durchschnitt (siehe Grafiken 2, 3 und 4).



Tiefe Werte in diesen drei Bereichen wirken sich unweigerlich negativ auf das Arbeitsklima und die Zusammenarbeit innerhalb einer Schule aus. Fehlt das Vertrauen in die Schulleitung, sinkt häufig die Bereitschaft, Probleme offen anzusprechen. Insbesondere an Schulen mit auffällig tiefen Zustimmungswerten ist deshalb eine vertiefte Analyse der Führungskultur notwendig.
Kritikfähigkeit der Schulleitung nur an einzelnen Gymnasien ausreichend vorhanden
Bei der Frage, ob Kritik an allen Schulleitungsmitgliedern ohne negative Konsequenzen möglich ist, überzeugt das Gymnasium Leonhard vollumfänglich: Keine einzige Lehrperson beurteilt diese Frage negativ. Auch die beiden Baselbieter Gymnasien in Muttenz und Liestal schneiden gut ab. Alle anderen Gymnasien liegen unter dem Durchschnitt aller Lehrpersonen. Schlusslicht ist auch hier das Gymnasium Bäumlihof: 56,3% befürchten nach kritischen Äusserungen negative Konsequenzen (siehe Grafik 5).

Bei der Frage, ob die Schulleitung Kritik von allen Lehrpersonen professionell aufnimmt, schneiden die Gymnasien Leonhard, Muttenz und Liestal sehr gut resp. gut ab. Die Schlusslichter bilden einmal mehr die Gymnasien Münchenstein, Münsterplatz und das Gymnasium Bäumlihof (siehe Grafik 6).

Tendenziell haben Schulleitungen zu viel Macht
Insgesamt äussern sich die Lehrpersonen über alle Schulen hinweg kritischer gegenüber dem Thema Macht als es bei allen anderen Themen der Fall ist. Der Bestwert liegt bei 72.7% Lehrpersonen des Gymnasiums Leonhard, welche finden, dass die Schulleitung nicht zu viel Macht über die Lehrpersonen hat. Am Münster und Bäumlihof sind mehr als 60% der Lehrpersonen der Meinung, dass die Schulleitung zu viel Macht hat (siehe Grafik 7).

Nicht alle Gymnasien schaffen ein gesundes Arbeitsklima
Die Umfrage zeigt deutlich, wie stark sich die Führungskulturen an den einzelnen Gymnasien unterscheiden. Während es einigen Schulleitungen gelingt, ein Klima von Vertrauen, Respekt und Offenheit zu schaffen, weisen andere Schulen in mehreren zentralen Bereichen alarmierend tiefe Werte auf.
Die Regierungen der beiden Basler Halbkantone sind gefordert, diese Unterschiede ernst zu nehmen und genauer hinzuschauen. Gute Schulen entstehen dann, wenn umfassende Fairness, hohe Transparenz und grosse Dialogbereitschaft eine Selbstverständlichkeit sind. Die positiven Beispiele einzelner Gymnasien zeigen, dass eine wertschätzende Führung möglich ist. Umso weniger nachvollziehbar ist es, wenn an anderen Schulen seit Jahren entsprechende Probleme bestehen, ohne dass nachhaltige Verbesserungen erreicht werden.
Langfristig leiden unter den erwähnten schlechten Bedingungen nicht nur die Mitarbeitenden, sondern auch die Unterrichtsqualität. Wenn Vertrauen fehlt und Kritik mit negativen Konsequenzen verbunden ist, entsteht rasch eine Kultur des Schweigens. Dadurch werden Probleme nicht mehr offen angesprochen und eine Verbesserung der Situation erschwert. Schulen sind darauf angewiesen, dass Lehrpersonen ihre Erfahrungen und Kritik ohne Angst vor Nachteilen einbringen können. Nur so können sich Schulen laufend verbessern.
Hinzu kommt die grundsätzliche Frage, welche Auswirkungen eine ungenügende Führungskultur an Schulen auf die Unterrichtsqualität in den Schulzimmern hat. Eines ist Fakt: Die beiden Basler Halbkantone schnitten bei der Überprüfungen der Grundkompetenzen (ÜGK) im Jahr 2023 im schweizweiten Vergleich sehr schwach ab. Dass viele Schüler/-innen die Lernziele nicht erreichen, gibt Anlass zur Sorge. Zwar lässt sich aus dieser Umfrage der SSbB kein direkter Zusammenhang zu den schlechten Ergebnissen der ÜGK-Erhebungen ableiten. Dennoch ist es naheliegend, dass ein belastendes Arbeitsklima, fehlendes Vertrauen und eine geringe Kritikfähigkeit der Schulleitung die pädagogische Arbeit im Schulzimmer erschweren können und damit möglicherweise indirekt auch der Lernerfolg der Schüler/-innen.
Lena Bubendorf
Vorstand Starke Schule beider Basel

Eine Antwort
Guten Tag!
Ist die Umfrage zugänglich veröffentlicht? Mich interessieren insbesondere die absoluten Zahlen der Umfrageergebnisse, denn 18.1% von 1176 Personen sind durch 8 Gymnasien im Schnitt (nur!) rund 27 LP pro Standort. Danke für Ihre Einordnung, auch gerne schon im Lead dieses Blogeintrages. Wer auf Grund dieser Datenbasis von «bedenklichen Zuständen» spricht und «riesige Unterschiede» benennt, könnte populistisch handeln und Interessen haben, die wenig mit einer starken Schule zu tun haben.