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Tauchstation und Maulkorb

Tauchstation und Maulkorb

Das Erziehungsdepartement Basel-Stadt befindet sich zurzeit auf Tauchstation – wo genau, wissen wir nicht. Aber der Rhein kann es fast nicht sein. Dort fliesst derzeit zu wenig Wasser, um derart konsequent auf Grund zu gehen. Und die Bildungsdirektion Baselland? Sie sitzt – wie man hört – in Liestal und verteilt ihren Baselbieter Schulleitungen vorsorglich präzise abgestimmte Maulkörbe. So etwa kamen uns die letzten drei Tage vor. Anlass dafür waren unsere Fragen zu den Umfrageergebnissen der Gymnasien beider Basel.

Was ist passiert?

Die Starke Schule beider Basel (SSbB) hat bereits vor mehreren Tagen die Gymnasien der beiden Kantone angeschrieben, sie mit den Umfrageergebnissen, soweit es ihre Schule betrifft, konfrontiert und ihnen einige harmlose Fragen gestellt. Aus Baselland und Baselstadt kam von mehreren Rektoren unisono ein textlich sehr ähnliches, maximal zweizeiliges Mail: «Gerne verweise ich Sie betreffend Ihrer Anfrage an die Abteilung Kommunikation der BKSD». So viel sprachliche Eigenständigkeit muss man erst einmal koordinieren.

Die synchronisierte Antwortmaschine

Brav, wie die SSbB nun einmal ist, leisteten wir dieser sanften Aufforderung Folge. Nur: Das Erziehungsdepartement Basel ging auf Tauchstation. Mehrere Mails, mehrere Fragen, mehrere Tage – und als Antwort die kommunikative Eleganz eines ausgeschalteten U-Boots.

Highlight war dann schon die Rückmeldung aus Baselland. Ok, viele Fragen wurden nicht beantwortet. Genauer gesagt: Gar keine wurde beantwortet. Es kam lediglich ein allgemeiner Textbaustein, den wir gerne abdrucken:

«Die Resultate Ihrer Umfrage nehmen wir zur Kenntnis. Da Ihre Anfrage in engem Zusammenhang mit der letzten kantonalen Mitarbeitendenbefragung steht, antworten wir stellvertretend für alle Baselbieter Schulen.

Im Jahr 2025 wurde in der kantonalen Verwaltung sowie an den öffentlichen Schulen eine Mitarbeitendenbefragung (MAB 2025) durchgeführt. Die Ergebnisse sind insgesamt erfreulich ausgefallen: Der Kanton Basel-Landschaft und seine Schulen werden von der grossen Mehrheit der Mitarbeitenden als attraktive Arbeitgeber wahrgenommen. So möchten 85 % der befragten Schulmitarbeitenden auch in zwei Jahren noch im Kanton Basel-Landschaft tätig sein.

Die MAB 2025 umfasste zudem zahlreiche Fragen zur Führung und Zusammenarbeit mit den Schulleitungen. Auch in diesen Bereichen fallen die Ergebnisse überwiegend positiv aus. Insbesondere das Vertrauen in die Schulleitungen sowie die Qualität der Zusammenarbeit werden von den Mitarbeitenden gut bewertet. Alle Schulen haben ihre schulspezifischen Ergebnisse der MAB 2025 erhalten und sind aufgefordert, geeignete Massnahmen zu erarbeiten und umzusetzen

Auf unser schüchternes Nachfragen, ob wir vielleicht, eventuell, unter Umständen und bei günstiger Wetterlage, die Resultate dieser Mitarbeitendenbefragung 2025 haben dürften – jener Befragung also, die gemäss BKSD so erfreulich ausgefallen sein soll -, erhielten wir eine klare Antwort: Funkstille. Möglicherweise hat die BKSD inzwischen ebenfalls ein Ticket für die Tauchstation gelöst.

Schon noch speziell: Die BKSD behauptet, die kantonale Mitarbeitendenbefragung sei «erfreulich» ausgefallen. Offengelegt werden die Ergebnisse aber nicht. Wir stellten uns kurz die Frage, was die BKSD mit «erfreulich» meint. Transparenz scheint jedenfalls nicht gemeint zu sein. Wohl nicht «erfreulich tief»? Oder vielleicht erfreulich geheim?

Ein Maulkorb sorgt für Irritation

Noch bedenklicher erachten wir aber den Maulkorb, den die BKSD den Schulleitungen aufsetzte. Immerhin haben wir dazu zwei Rückmeldungen erhalten: Ein Schulleiter schreibt uns nach wiederholtem Nachfragen ziemlich konsterniert, dass er «angewiesen» wurde, uns bei Fragen an den Dienststellenleiter zu verweisen. Und dieser antwortet auf unsere Anfrage promt: «Gerne verweise ich Sie in dieser Angelegenheit an unsere Kommunikationsabteilung.» Eigenständige Antworten scheinen derzeit nicht zum empfohlenen Schulprogramm zu gehören.

Ganz schräg kam der Maulkorb bei einem anderen Schulleiter einer Primarschule an, der ziemlich verärgert meinte, er sei überhaupt nicht auf der Seite der SSbB. Mit einigem, was die SSbB macht, sei er gar nicht einverstanden. Aber dieser Maulkorb, so wie das «Empfehlungsschreiben der BKSD» verstanden werde, sei ein «Affront». Bemerkenswert ist dabei, dass diese Kritik nicht von einem Unterstützer der SSbB stammt, sondern von einem Schulleiter, der sich ausdrücklich von vielen Positionen der SSbB distanziert.

Bin ja gespannt, wie es weitergeht. In rund einer Stunde werden die ersten detaillierten Resultate zu den Gymnasien auf der Webseite der SSbB zu finden sein. Ich erhielt vom Sekiteam der SSbB kurz einen Einblick, mit erhobenem Zeigefinger – ich solle mich gefälligst ruhig verhalten bis 12 Uhr. Deshalb darf ich hier auch nicht verraten, dass die Ergebnisse spannend sind.

Jürg Wiedemann
Vorstand Starke Schule beider Basel

2 Antworten

  1. Markus Moor sagt:

    Liebe SSbB

    ich unterrichtete während über 40 Jahren an der Sek., vornehmlich im P. Abgesehen von den letzten 10/15 Jahren verlief «es» ausserhalb des Schulzimmers in gewohnten Bahnen, einmal etwas besser, einmal etwas schlechter. Und dann
    – verlor der Schulrat kontinuierlich an Bedeutung, bis hin zum quasi gänzlichen Verschwinden
    – wurden mehr und mehr «Lehr-Personen» ohne Abschluss fest angestellt, z.T. auch als Kl.-Lp.
    – verschwand der physische L-Konvent je länger je mehr; mit Vielem wie «Anliegen, Voten, Fragen, nicht einverstanden sein mit … u. dgl.» sollte/musste man sich nun schriftlich an die SL wenden
    – wurden die Lehrmittel z. T. schlechter bis unbrauchbar (vgl. das unsägliche «neue, moderne» F- Lehrmittel mit einer «Einführung», die mehr als ein Jahr dauerte
    – versucht man die immer häufiger auftauchenden Probleme mit Soz.- Päd’s., Heil.-Päd’s. usw. zu lösen.

    Erlauben Sie mir ein paar persönlichee Schlussbemerkungen:
    – Die erste Klasse, für die ich als Kl.-Lp. verantwortlich war, zählte 35 SuS. Ich erinnere mich an keine grösseren Probleme.
    – Es wird zu viel über Probleme geredet und zu wenig über Lösungen …
    – … und wenn man diese auftauchenden Probleme nur mit mehr und mehr Personal zu umgehen versucht, statt sie zu lösen (das dauert halt seine Zeit), kommt mir das mir vor wie eine Wünschelrute zum «Trauma».
    – … Trauma, weil man das Problem nicht löst, sondern nur verändert.

    Ich danke Ihnen für die Aufmersamkeit, diese Zeilen gelesen zu haben.

  2. Rentsch Marielouise sagt:

    Die Befragung legt Mängel offen. Es wäre gut, die Erziehungsdepartemente der beiden Basel würden die Anliegen der Lehrerschaft ernst nehmen. Neben übermässigem Papierkram, scheint auch die integrative Schule ein gewagtes Experiment zu sein, das viel Ressourcen bindet. Für alle wäre ein freundliches, offenes Klima nur von Vorteil.

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