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Geschlechterunterschied auf Sek II und Senkung der Repetitionsquote

Geschlechterunterschied auf Sek II und Senkung der Repetitionsquote

Das Amt für Daten und Statistik BL veröffentlichte kürzlich eine Statistik der Lernenden des Jahres 2025. Auffallend sind dabei der Rückgang der Repetitionsquote zwischen 2009 und 2015 sowie die ungleiche Geschlechterverteilung in den Ausbildungen nach der obligatorischen Schule.

Langjähriges Stagnieren der Repetitionsquote

Zwischen dem Jahr 2000 und 2012 lag die Repetitionsquote an öffentlichen obligatorischen Schulen über zwei Prozent. Von 2009 bis 2015 hat sie sich jedoch von 2.8% auf 1.4% halbiert und bewegt sich seither auf einem tiefen Niveau.

Ein möglicher Grund für den deutlichen Rückgang der Repetitionsquote ist die schrittweise Einführung der Jahrespromotion ab dem Schuljahr 2014/15. Zusammen mit einer stärkeren individuellen Förderung und einem zurückhaltenderen Einsatz von Klassenwiederholungen dürfte dies zur sinkenden Repetitionsquote beigetragen haben. Ebenso werden Niveauwechsel nicht als Repetitionen gezählt. Aufgrund dessen ist es wichtig, diese Statistik nicht pauschal als Leistungssteigerung der Schüler/-innen zu betrachten (siehe Grafik 1).

Unverändertes Bild: Männer dominieren in EFZ-Ausbildungen, Frauen an weiterführenden Schulen

Auch bei den Ausbildungsgängen der Sekundarstufe II zeigen sich weiterhin deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Männer entscheiden sich häufiger für eine berufliche Grundbildung, insbesondere in technischen und handwerklichen Berufen. Frauen wählen dagegen überdurchschnittlich oft allgemeinbildende Schulen wie Gymnasien oder Fachmittel- und Fachmaturitätsschulen. Diese Unterschiede sind vor allem auf unterschiedliche Ausbildungs- und Berufswahlen zurückzuführen, die unter anderem durch Interessen, Berufsorientierung sowie gesellschaftliche Rollenbilder geprägt werden. Das Muster ist seit Jahren in der ganzen Schweiz zu beobachten.

Die Daten zeigen eine langfristig sinkende Repetitionsquote sowie anhaltende Geschlechterunterschiede bei der Wahl der Ausbildungsgänge auf der Sekundarstufe II. Während sich die Repetitionsquote auf einem tieferen Niveau stabilisiert hat, bleiben die Bildungswege von Frauen und Männern unterschiedlich geprägt.

Entwicklungsunterschiede als mögliche Erklärung

Eine mögliche These für die Dominanz der jungen Frauen an den Gymnasien betrifft die veränderte Unterrichtskultur an den Sekundarschulen. Mädchen im Alter von 12 bis 16 Jahren sind im Durchschnitt in ihrer geistigen, sprachlichen und sozialen Entwicklung etwas weiter als gleichaltrige Knaben.

Während vor einigen Jahrzehnten ein lehrpersonenzentrierter Unterricht mit klaren Vorgaben und enger Führung verbreitet war, wird heute vermehrt auf selbstorganisierte Lernformen, projektorientiertes Arbeiten und eigenverantwortliches Lernen gesetzt. Diese Unterrichtsformen verlangen ein hohes Mass an Selbstständigkeit, Planungskompetenz, Ausdauer und Organisation. Das sind Fähigkeiten, die bei vielen Jugendlichen erst im Verlauf der Pubertät vollständig ausgebildet werden. Da Mädchen diese Entwicklungsphase im Durchschnitt früher durchlaufen, profitieren sie von solchen Lernformen. Dies könnte dazu beitragen, dass mehr Schülerinnen die Anforderungen für den Übertritt ans Gymnasium erfüllen als Schüler.

Diese Erklärung ist jedoch nur eine mögliche Ursache. Auch die Unterstützung durch die Familie, persönliche Bildungs- und Berufswünsche sowie gesellschaftliche Erwartungen und Rollenbilder beeinflussen die Wahl des weiteren Bildungswegs.

Lena Bucher
Vorstand Starke Schule beider Basel

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