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Handschrift fördert Lern- und Gedächtnisprozesse

Handschrift fördert Lern- und Gedächtnisprozesse

Digitale Geräte gehören heute selbstverständlich zum Schulalltag. Viele Schüler/-innen schreiben Notizen auf Tablets oder Laptops, während handschriftliche Aufgaben immer seltener und als mühsam angesehen werden. Vor diesem Hintergrund untersuchten die Forschenden F. R. Van der Weel und Audrey L. H. Van der Meer, welche Auswirkungen das Schreiben mit der Hand im Vergleich zum Tippen auf die Gehirnaktivität hat.

Bei der Studie wurde bei 36 Studierenden mithilfe eines hochauflösenden EEGs die Hirnaktivität aufgezeichnet, während die Teilnehmenden Wörter entweder mit einem digitalen Stift auf einem Bildschirm schrieben oder dieselben Wörter auf einer Tastatur tippten. Ziel der Studie war es herauszufinden, ob sich beide Schreibformen unterschiedlich auf Prozesse auswirken, die für Lernen und Gedächtnis wichtig sind.

Zentrale Ergebnisse der Studie

Die Auswertung zeigte deutliche Unterschiede zwischen den beiden Schreibformen. Während des handschriftlichen Schreibens waren verschiedene Bereiche des Gehirns wesentlich stärker miteinander vernetzt als beim Tippen. Besonders in den Frequenzbereichen, die mit Aufmerksamkeit, Gedächtnisbildung und der Verarbeitung neuer Informationen in Verbindung stehen, konnten die Forschenden eine höhere Aktivität feststellen. Beim Tippen trat diese umfangreiche Vernetzung dagegen kaum auf.

Die Forschenden führen diesen Unterschied darauf zurück, dass das Schreiben mit der Hand deutlich komplexere Bewegungsabläufe erfordert. Beim Formen einzelner Buchstaben arbeiten Wahrnehmung, Feinmotorik und Bewegungsrückmeldungen eng zusammen. Beim Tippen genügt dagegen meist ein einzelner Tastendruck, wodurch deutlich weniger sensorische und motorische Informationen verarbeitet werden.

Gezielter Einsatz im Unterricht

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass handschriftliche Aufgaben weiterhin einen festen Platz im Unterricht haben sollten. Besonders sinnvoll ist Handschrift, wenn neue Inhalte gelernt, Begriffe eingeprägt oder persönliche Notizen erstellt werden. Da das Schreiben von Hand langsamer ist als Tippen, müssen Lernende Informationen auswählen, strukturieren und in eigenen Worten festhalten. Dadurch setzen sie sich intensiver mit dem Lernstoff auseinander, was das Verstehen und Behalten unterstützen kann.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Tastaturen im Unterricht keinen Nutzen haben. Sie sind vor allem dann sinnvoll, wenn längere Texte verfasst, Texte überarbeitet oder gemeinsam an Dokumenten gearbeitet wird. Auch für Schülerinnen und Schüler mit motorischen Schwierigkeiten oder einem erhöhten Schreibtempo bietet das Tippen Vorteile. Digitale Geräte erleichtern zudem das Speichern, Bearbeiten und Teilen von Informationen.

Insgesamt legt die Studie nahe, dass Schulen nicht zwischen Handschrift und Tastatur wählen sollten, sondern beide gezielt einsetzen. Handschrift eignet sich besonders für Lern- und Gedächtnisprozesse sowie das Anfertigen von Notizen, während Tastaturen ihre Stärken bei umfangreichen Schreibaufgaben und der digitalen Zusammenarbeit ausspielen. Ein ausgewogener Einsatz beider Schreibformen kann somit den schulischen Lernprozess am besten unterstützen.

Lena Bucher
Vorstand Starke Schule beider Basel

[Quelle: Van der Weel FRR and Van der Meer ALH (2024) Handwriting but not typewriting leads to widespread brain connectivity: a high-density EEG study with implications for the classroom. Front. Psychol. 14:1219945. doi: 10.3389/fpsyg.2023.1219945]

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