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Wenn die SSbB-Umfragen falsch sein sollen, wo sind die Beweise?

Wenn die SSbB-Umfragen falsch sein sollen, wo sind die Beweise?

Der Verband der Schulleiterinnen und Schulleiter BL (VSL) kritisiert die SSbB-Umfrage zu den Schulleitungen als nicht repräsentativ und inhaltlich falsch. Wenn die Ergebnisse tatsächlich falsch sein sollen, stellt sich die Frage, wo die Beweise dafür sind. Fakt ist: Immer wieder werden Umfrageergebnisse der SSbB durch kantonsinterne Befragungen, Erhebungen des Lehrerinnen- und Lehrervereins Baselland (LVB) oder externe Studien weitgehend bestätigt. Eine Untersuchung, die eine SSbB-Umfrage hingegen klar widerlegt, wurde uns noch nie vorgelegt.

Nicht wissenschaftlich heisst nicht wertlos

Die SSbB macht zahlreiche Umfragen. Dabei wird aber nie behauptet, dass diese wissenschaftlich seien. Sie sind aber meist aussagekräftig oder geben zumindest ein deutliches Stimmungsbild unter den befragten Lehrpersonen und zeigen frühzeitig auf, wo Probleme und Handlungsbedarf bestehen. Dies auch deshalb, weil regelmässig mehrere Hundert Personen teilnehmen, die gar nicht Mitglied der SSbB sind und die Forderungen der SSbB oft auch gar nicht unterstützen. Gerade diese Zusammensetzung der Teilnehmenden ist ein wichtiger Punkt: An den SSbB-Umfragen nehmen regelmässig deutlich mehr Nichtmitglieder als Mitglieder der SSbB teil, darunter auch bekennende Kritiker der SSbB.

Ob die SSbB-Umfragen wertvoll sind, zeigt sich zum Beispiel daran, ob ihre Ergebnisse durch andere Erhebungen gestützt werden. Und genau dies trifft immer wieder zu. Kantonsinterne Befragungen (z. B. zu Passepartout), Umfragen des Lehrerinnen- und Lehrervereins Baselland (z. B. zur Belastungssituation der Lehrpersonen) und externe Studien kommen bei verschiedenen Themen immer wieder zu ähnlichen Ergebnissen. Ein aktuelles Beispiel ist die repräsentative Umfrage von Watson und dem Forschungsinstitut Demoscope zu Social Media. Sie bestätigt die Erkenntnisse einer früheren SSbB-Umfrage weitgehend.

Wer die SSbB-Umfragen trotzdem als wertlos bezeichnet, muss dazu die widersprechende Untersuchung vorlegen. Eine solche Widerlegung wurde bisher jedenfalls noch nie offengelegt, weder vom VSL noch von der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD).

Warum werden die Ergebnisse der kantonalen Mitarbeitendenbefragung nicht publiziert?

Bei der SSbB-Umfrage zu den Schulleitungen kritisierte der VSL eine fehlende Repräsentativität besonders scharf und verweist dabei auf die kantonale Mitarbeitendenbefragung aus dem Jahr 2025, deren Auswertung durch EMPRICON erfolgte. Gemäss VSL und BKSD seien die Ergebnisse im Gegensatz zur entsprechenden SSbB-Umfrage «sehr erfreulich» für die Schulleitungen ausgefallen.

Wenn diese Befragung tatsächlich zu einem diametral anderen Ergebnis kommt als die Umfrage der SSbB, wäre sie in der Tat interessant und von öffentlichem Interesse. Die Frage wäre jedoch, weshalb die scheinbar so erfreulichen Ergebnisse dann nicht veröffentlicht werden? Die BKSD verweigerte der SSbB auf Anfrage die Herausgabe der Daten mit der Begründung, sie seien nur für den internen Gebrauch bestimmt.

Die SSbB legt ihre Ergebnisse umfassend offen. Der Kanton verweigert das bei den Ergebnissen der Mitarbeitendenbefragung und beschränkt sich auf einzelne zusammenfassende, nicht belegte Aussagen. Solange die kantonalen Daten nicht auf dem Tisch liegen, bleibt offen, ob sie die SSbB-Umfrage tatsächlich widerlegen oder deren Ergebnisse im Kern möglicherweise sogar bestätigen.

Charlotte Höhmann
Vorstand Starke Schule beider Basel

13 Antworten

  1. Daniel Vuilliomenet sagt:

    «Ich bleibe lieber in meiner Bubble»… so denken offenbar einige Schulleitende.

  2. Andreas Spindler sagt:

    „Wer Kritik übel nimmt, hat sie entweder nicht verstanden oder sich ertappt gefühlt“ sagte Helmut Schmidt.
    Es gibt zuwenig Gespräche zwischen Poltik und Schulleitungen.

  3. Danilo S. Dengler sagt:

    Man kann es drehen und wenden, wie man will: Die Umfragen der SSbB zu den Schulleitungen haben deutliche Hinweise geliefert, dass da einiges im Argen liegt. Keine BEweise, aber HINweise!
    Nun kann man sagen, «Hinweise sind keine Beweise, das weisen wir zurück». Wenn man den Problemen aus dem Weg gehen will, dann antwortet man so.

  4. H.P. Giger sagt:

    Ich finde die Diskussion etwas schwierig. Dass man die Methodik der SSbB-Umfrage kritisch hinterfragt, ist völlig legitim und gehört auch dazu. Aber wenn gleichzeitig auf eine kantonale Befragung verwiesen wird, die angeblich zu deutlich anderen Ergebnissen kommt, sollten diese Ergebnisse meiner Meinung nach auch einsehbar sein.

    Gerade wenn die Resultate tatsächlich so positiv ausgefallen sind, spricht doch eigentlich nichts dagegen, sie offenzulegen. Das würde viele Zweifel ausräumen und eine sachliche Diskussion ermöglichen.

    Am Ende geht es schliesslich nicht darum, wer recht hat, sondern darum, ob es tatsächlich Probleme gibt und wie man damit umgeht.

  5. Anatol Binswanger sagt:

    Gedankenexperiment: Wie wäre es, wenn die Verantwortlichen in der Bildungsdirektion sich für einmal nicht reflexartig auf Formalien wie angeblich „falsche Umfragen“ einschiessen und damit jede weitere inhaltliche Diskussion abwürgen würden? Wenn sie stattdessen nüchtern und sachlich feststellten, dass es da offenbar eine gewisse Wahrnehmung an verschiedenen Schulen gibt, wonach Schulleitungen zu viel unkontrollierte Macht haben. Denn einfach nur so zum Spass sagen das die Leute ja nicht, sondern wahrscheinlich deshalb, weil es da ein beträchtliches Unbehagen gibt… Wäre das nicht auch ein möglicher Ansatz, die Dinge zur Abwechselung mal so anzugehen?

  6. Urs Imoberdorf sagt:

    Wenn man es nüchtern betrachtet: Dass der Verband der Schulleiterinnen und Schulleiter BL (SLV) einfach alle Kritik zurückweist, ist ja eigentlich nicht so wahnsinnig überraschend. Natürlich könnte man sich eine souveränere und ehrlichere Reaktion vorstellen, aber so sind halt die Verhältnisse nun mal. Was mich viel mehr stört, ist, dass die BKSD da nicht einschreitet und dafür sorgt, dass auch ein SLV sich begründeter Kritik stellen muss. Das eigentliche Armutszeugnis ist der Bildungsdirektion auszustellen.

  7. Anita Biedert sagt:

    Die Umfragen der SSbB sind öffentlich breit abgestützt. Diese aufgrund negativer Umfragewerte in Frage zu stellen resp. diese als nicht korrekt zu bezeichnen, nur weil sie ein unerwünschtes Bild zeigen, ist der falsche Weg. Wer gute Führung beansprucht, sollte auch mit kritischen Rückmeldungen umgehen können und diese nicht pauschal zurückweisen.
    Anita Biedert, Landrätin SVP

  8. Daniela Lindenbühl sagt:

    Wenn es Missstände gibt, auf die die Starke Schule beharrlich hinweist, dann liegt es meistens an Machtkartellen, die dafür sorgen, dass diese Missstände und Fehlentwicklungen nicht aufhören… Das ist wahrscheinlich überall so, im Kanton Baselland aber ganz besonders!

  9. Heinz Kanterer sagt:

    Ich möchte in dieser Stelle einmal der SSbB ein ganz grosses Kompliment machen! Es ist grossartig, wie der Verein für wichtige Anliegen einsteht, und das auch trotz zahlreicher Widerstände und Anfeindungen. Machen Sie bitte weiter ‒ sie werden dringend gebraucht!

  10. Andreas Meier sagt:

    Betrachten wir es einmal folgendermassen: Wenn insgesamt 20 Lehrpersonen von einer bestimmten Schule, an der vielleicht 100 oder 150 Lehrpersonen unterrichten, die Meinung vertreten, der oder die Schulleiter:in habe zu viel Macht, missbrauche die Machtposition und behandele die Unterrichtenden ungleich (Günstlingswirtschaft), dann sind diese 20 Lehrpersonen offenkundig „nur“ eine kleine Minderheit in Relation zum ganzen Lehrpersonenkollegium. Aber ist das wirklich ein valider Grund zu sagen: «Bloss ein kleine Minderheit ‒ nehmen wir nicht ernst…», und damit ist die Sache gegessen??? Damit machen es sich die Verantwortlichen definitiv zu einfach!

  11. Linus Enderlin sagt:

    Es ist unglaublich wohlfeil, wenn ein Schulleiterverband einfach alle kritischen Hinweise pauschal von sich weist mit der Schutzbehauptung, die Erhebung sei angeblich nicht repräsentativ. Wem die inhaltliche Diskussion unangenehm ist ‒ z.B. deshalb, weil an den Kritikpunkten durchaus was dran ist ‒, der verlagert sich auf behauptete formale Unzulänglichkeiten, um damit bequem von den eigentlichen Problemen abzulenken.
    Das Problem einer solchen billigen «Verteidigungsstrategie» ist, dass das Manöver von den meisten Menschen sofort durchschaut wird…

  12. Rentsch Marielouise sagt:

    Bei der Umfrage der SSbB kamen die Antworten von 1200 Lehrpersonen zusammen. Das Auswertungresultat ist mehr als nur ein Stimmungsbarometer. Es zeigt, wo die Probleme liegen. Bei interner Befragung werden Antworten meisten vorsichtiger gemacht, aus Angst vor negativen Konsequenzen. Viele Lehrer arbeiten heute Teilzeit, weil die Belastung des Lehrerberufes zu hoch geworden ist. Es gibt auch viele kranhheitsbedingte Ausfälle unter der Lehrerschaft, die in die gleiche Richtung weisen. Solche Resultate muss man ernst nehmen.

    • Paul Hofer sagt:

      Die Umfragen geben einen Trend an, werden in der Öffentlichkeit breit diskutiert – nie wurde von einer wissenschaftlichen Umfrage geredet. Die wiedergegebenen Trends mögen den Verantwortlich meist nicht gefallen – dann ist das beste (sehr unwissenschaftliche) Argument: nicht wissenschaftlich!

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