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Lehrpersonenbedarf zwischen Entspannung und neuen Engpässen

Lehrpersonenbedarf zwischen Entspannung und neuen Engpässen

Der Lehrpersonenmangel im Baselbiet entspannt sich. Das ist grundsätzlich eine gute Nachricht für die Schulen. Damit sind aber nicht alle Probleme gelöst. In einigen Fächern fehlen weiterhin Lehrpersonen, während die Zahl der Schüler/-innen in den kommenden Jahren zurückgehen dürfte. Der Kanton muss deshalb frühzeitig überlegen, wie viele Lehrpersonen künftig gebraucht werden und in welchen Fächern weiterhin mit Engpässen zu rechnen ist.

Die Zahlen drehen sich

Noch vor wenigen Jahren war die Suche nach Lehrpersonen an den Baselbieter Schulen schwierig. Inzwischen hat sich die Lage auf der Primarstufe deutlich verändert. Anfang Juni 2026 waren noch 17,1 Vollzeitstellen unbesetzt. 2023 waren es noch 61,0. Gleichzeitig berichten die Schulleitungen wieder von mehr Bewerbungen und teilweise von einer Auswahl an geeigneten Personen.

Diese Entwicklung war Anlass für eine Interpellation von Anita Biedert, Landrätin der SVP. Sie wollte unter anderem wissen, wie sich der Bedarf an Lehrpersonen entwickelt und welche Massnahmen der Kanton ergreift. Die Antwort des Regierungsrats zeigt, dass sich die Lage je nach Schulstufe und Fach deutlich unterscheidet.[1]

Besonders schwierig bleibt die Suche nach Primarlehrpersonen für das Fach Französisch. Französisch ist auf der Primarstufe bei vielen Schulkindern ein unbeliebtes Fach. Das motiviert wenig Lehrpersonen, sich für dieses Fach ausbilden zu lassen. Die SSbB erkennt ein grundsätzliches Problem des heutigen Fremdsprachenkonzepts und fordert, den Start des Französischunterrichtes auf die Sekundarstufe zu verschieben, um so auf der Primarstufe mehr Zeit für Lesen, Schreiben, Rechnen zu schaffen. Die entsprechende Volksinitiative «Zwei Fremdsprachen an der Primarschule sind zu viel» wird am 20. Oktober in Liestal eingereicht.[2]

Auf der Sekundarstufe II fehlen zudem Fachlehrpersonen unter anderem für Mathematik, Physik, Informatik, Italienisch und Chemie.

Weniger Schüler/-innen, weniger Lehrpersonen notwendig

Das Bundesamt für Statistik rechnet bis 2034 auf der Primarstufe schweizweit mit rund sieben Prozent weniger Schüler/-innen. Gleichzeitig könnte der jährliche Bedarf an neu ausgebildeten Primarlehrpersonen um rund 40 Prozent zurückgehen.[3]

Diese Entwicklung stellt die Planung vor eine schwierige Aufgabe. Zwischen Studienbeginn und Berufseinstieg liegen mehrere Jahre. Wer heute auf einen Engpass reagiert, muss deshalb bereits berücksichtigen, wie sich der Bedarf morgen entwickelt.

Umso bemerkenswerter ist die Aussage der Baselbieter Regierung, dass die Kantone nicht jedes Jahr konkret berechnen, wie viele Primarlehrpersonen künftig benötigt werden, um danach die Studienplatzkapazitäten entsprechend auszurichten. Gerade angesichts der demografischen Entwicklung wäre eine langfristige Planung wichtig.

Gute Ausbildung bleibt entscheidend

Während der angespannten Personalsituation in den vergangenen Jahren wurden verschiedene Möglichkeiten geschaffen, um offene Stellen zu besetzen. Dazu gehören Quereinstieg und Anstellungen von Personen, die noch in Ausbildung sind. Solche Instrumente können bei Engpässen helfen. Sie sollten jedoch nicht zum dauerhaften Ersatz für eine solide Ausbildung werden. Der Regierungsrat hält dazu fest: „Grundsätzlich sind freie Stellen mit Lehrpersonen zu besetzen, die über ein anerkanntes Lehrdiplom verfügen.“ [4]

Die Entspannung auf dem Stellenmarkt bietet dem Kanton nun die Chance, vorausschauend zu planen. Es braucht nicht möglichst viele Lehrpersonen, sondern genügend gut ausgebildete Lehrpersonen für die Fächer, in denen sie tatsächlich gebraucht werden. Aus dem heutigen Rückgang der offenen Stellen müssen deshalb die richtigen Schlüsse für die kommenden Jahre gezogen werden.

Charlotte Höhmann
Vorstand Starke Schule beider Basel


[1] https://baselland.talus.ch/de/dokumente/geschaeft/cc466ad8970a4a82b6617b67487578f1-332
[2] https://starke-schule-beider-basel.ch/initiativen-und-kampagnen/initiative-abschaffung-von-fruehfranzoesisch/
[3] https://dam-api.bfs.admin.ch/hub/api/dam/assets/36160245/master
[4] https://baselland.talus.ch/de/dokumente/geschaeft/cc466ad8970a4a82b6617b67487578f1-332

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