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Mehr Studierende sind nicht alles

Mehr Studierende sind nicht alles

Die Universität Basel startet mit einem Rekord ins neue Studienjahr. 13’263 Studierende und Doktorierende sind eingeschrieben, so viele wie noch nie zu Semesterbeginn. Das ist grundsätzlich erfreulich, denn eine attraktive Universität zieht junge Menschen nach Basel, stärkt den Bildungsstandort und bildet Fachkräfte für Wirtschaft, Forschung und Gesellschaft aus. Doch Wachstum sollte nicht das einzige Ziel sein. Die Frage, ob eine hohe Anahl an Studierenden automatisch eine bessere Universität und eine höhere Qualität bedeutet, sollte gestellt werden.

Qualität statt Grösse

Mehr Studierende bringen Chancen, aber auch zusätzliche Kosten und Anforderungen an Infrastruktur, Lehrpersonal und Betreuung. Basel-Stadt und Baselland finanzieren die Universität gemeinsam in erheblichem Umfang. Für die Jahre 2026 bis 2029 rechnen die beiden Kantone mit einem Budget von rund 1,5 Milliarden Franken.

Umso wichtiger ist es, nicht nur auf die Zahl der Immatrikulationen zu schauen. Entscheidend sollte sein, was für dieses Geld geboten wird: gute Lehre, starke Forschung, eine angemessene Betreuung und Studienangebote, die langfristig sinnvoll und finanzierbar sind.

Interessant ist zudem der Blick auf die langfristige Entwicklung. 2016 waren an der Universität Basel 12’852 Personen eingeschrieben. Heute sind es 13’263. Die aktuelle Rekordzahl klingt deshalb eindrücklich, das Wachstum über zehn Jahre ist mit rund drei Prozent allerdings vergleichsweise moderat. Insbesondere auf Master- und Doktoratsstufe ist der jährliche Anstieg zwischen 2016 und 2025 erheblich (siehe Grafik).

Das wirft die grundsätzliche Frage auf, ob Wachstum überhaupt das richtige Ziel für jede Hochschule sein muss. Müssen tatsächlich alle Universitäten möglichst viele Studienrichtungen und Fakultäten anbieten? Denkbar wäre auch eine stärkere Spezialisierung: Hochschulen könnten sich stärker auf jene Fachbereiche konzentrieren, in denen sie besonders stark sind, und gleichzeitig enger zusammenarbeiten. So könnten Doppelspurigkeiten reduziert und Ressourcen gezielter eingesetzt werden.

Eine solche Spezialisierung hätte natürlich auch Nachteile: Studierende hätten möglicherweise weniger Auswahl an ihrem bevorzugten Studienort und müssten für bestimmte Fachrichtungen an eine andere Hochschule wechseln. Gerade deshalb müsste sorgfältig abgewogen werden, wo Zusammenarbeit und Spezialisierung sinnvoll sind und wo ein breites Angebot notwendig bleibt.

Der entscheidende Punkt ist, dass nicht jede Hochschule möglichst gross sein und alles anbieten muss. Sie sollte das anbieten, was sie in sehr guter Qualität leisten kann.

Wenn eingeschrieben nicht unbedingt studieren bedeutet

In diesem Zusammenhang wirft auch die Diskussion um sogenannte «Schattenstudierende» Fragen auf. Verschiedene Medien berichteten in den letzten Tagen über Personen, die sich einschreiben, ohne tatsächlich zu studieren, und dadurch beispielsweise von Ausbildungszulagen oder Vergünstigungen profitieren. Universität und Ausgleichskassen können bislang jedoch kein verbreitetes Phänomen belegen. Deshalb ist unklar, ob es sich um Einzelfällte handelt oder häufig vorkommt. Auf jeden Fall sollen einzelne bekannte Fälle nicht zu einen Generalverdacht gegenüber den Studierenden führen.

Trotzdem ist der Grundsatz klar: Wo staatliche Leistungen daran geknüpft sind, dass jemand tatsächlich eine Ausbildung absolviert, muss auch sichergestellt werden, dass diese Voraussetzung erfüllt ist. Dafür braucht es klare Regeln und dort, wo konkrete Zweifel bestehen, gezielte Kontrollen.

Die Diskussion über «Schattenstudierende» führt damit zurück zur eigentlichen Frage: Was bedeutet es überhaupt, an einer Universität zu studieren und wie messen wir den Erfolg einer Hochschule?

Eines ist klar: Der Erfolg sollte jedenfalls nicht einzig an möglichst hohen Immatrikulationszahlen und vielen Studierenden gemessen werden. 13’263 ist eine beeindruckende Zahl. Sie allein sagt aber noch nichts über die Qualität einer Universität aus.

Lavinia Beck
Vorstand Starke Schule beider Basel

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