Neue Langzeitstudie stärkt Initiative
Einen Tag vor der Einreichung der Volksinitiative «Keine digitalen Geräte in den ersten vier Primarschuljahren» wurde eine neue Langzeitstudie veröffentlicht, deren Ergebnisse das Grundanliegen der Initiative stützen. Die Untersuchung zeigt, dass ein früher Einstieg in soziale Medien langfristig mit schlechteren Schulleistungen verbunden ist. Die Ergebnisse liefern zusätzliche wissenschaftliche Hinweise dafür, dass Kinder möglichst spät intensiv mit digitalen Medien in Kontakt kommen sollten.
Vor wenigen Tagen hat die Starke Schule beider Basel (SSbB) ihre Volksinitiative «Keine digitalen Geräte in den ersten vier Primarschuljahren» mit 2’529 Unterschriften bei der Landeskanzlei Baselland eingereicht. Die Initiative verlangt, dass in den ersten vier Primarschuljahren auf den Einsatz persönlicher digitaler Geräte im Unterricht verzichtet wird. Stattdessen sollen in dieser wichtigen Entwicklungsphase die grundlegenden Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen sowie die Konzentrationsfähigkeit, die Bewegung und die sozialen Kompetenzen der Kinder im Mittelpunkt stehen.
Nun liefert eine neue Langzeitstudie zusätzliche wissenschaftliche Erkenntnisse zur Frage, welchen Einfluss ein früher und intensiver Umgang mit digitalen Medien auf die Entwicklung von Kindern haben kann. Die Untersuchung wurde von Forschenden der Universität Mailand-Bicocca und Brescia durchgeführt und im Fachjournal Nature Human Behaviour veröffentlicht.[1]
Eine Langzeitstudie mit hoher Aussagekraft
Die Forschenden werteten die Daten von über 5’200 Schüler/-innen aus, die während acht Schuljahren begleitet wurden. Im Unterschied zu vielen früheren Untersuchungen stand nicht die tägliche Nutzungsdauer von digitalen Medien im Zentrum, sondern das Alter, in dem Kinder erstmals soziale Medien nutzten. Die Studie untersucht damit einen bisher wenig beachteten Faktor: das Alter beim ersten Einstieg in soziale Medien. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass dieser Zeitpunkt für die spätere schulische Entwicklung eine wichtige Rolle spielen kann.
Um die Aussagekraft der Ergebnisse zu erhöhen, berücksichtigten die Forschenden wichtige Einflussfaktoren wie die soziale Herkunft, das Bildungsniveau der Eltern und die bisherigen schulischen Leistungen. Dadurch konnten sie besser beurteilen, ob ein früher Einstieg in soziale Medien tatsächlich mit späteren Leistungsunterschieden zusammenhängt.
Früher Einstieg mit langfristigen Folgen
Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Zusammenhang: Schüler/-innen, die bereits in jungen Jahren mit sozialen Medien begannen, erzielten später schlechtere Leistungen in Mathematik und in ihrer Erstsprache als Gleichaltrige, die erst später ein entsprechendes Konto eröffneten. Die Unterschiede entsprachen einem Lernrückstand von etwa einem halben Schuljahr.
Als mögliche Erklärung nennen die Forschenden unter anderem die stärkere Einbindung des Smartphones in den Alltag. Jugendliche mit frühem Einstieg nutzten ihr Gerät häufiger während der Hausaufgaben, direkt nach dem Aufwachen oder kurz vor dem Einschlafen. Dadurch können Konzentration, Lernzeiten und Erholung beeinträchtigt werden. Lediglich im Fach Englisch zeigte sich kein entsprechender Nachteil, was die Forschenden unter anderem damit erklären, dass soziale Medien häufig englischsprachige Inhalte vermitteln.
Die Autoren der Studie empfehlen keine konkrete Altersgrenze für soziale Medien. Sie kommen jedoch zum Schluss, dass es sinnvoll ist, den Zugang zu sozialen Medien möglichst hinauszuzögern, bis Kinder die notwendige kognitive Reife entwickelt haben, um mit den Ablenkungen und Anforderungen dieser Plattformen umgehen zu können.
Die Studie stützt das Anliegen unserer Initiative
Die Untersuchung befasst sich zwar mit dem Einstieg in soziale Medien und nicht direkt mit dem Einsatz digitaler Geräte im Unterricht. Dennoch betrifft sie eine ähnliche Grundfrage: Ab welchem Alter sind Kinder bereit, mit den vielfältigen Reizen und Möglichkeiten der digitalen Medienwelt sinnvoll umzugehen?
Genau hier setzt die Volksinitiative der SSbB an. Die ersten vier Primarschuljahre sind eine entscheidende Phase, in der Kinder grundlegende Kompetenzen entwickeln. Lesen, Schreiben, Rechnen, konzentriertes Arbeiten und die Entwicklung der Sozialkompetenzen bilden die Basis für den späteren Lernerfolg. Digitale Geräte können im Unterricht zu einem späteren Zeitpunkt gezielt und sinnvoll eingesetzt werden, wenn diese Grundlagen gefestigt sind.
Die neue Langzeitstudie ist ein weiterer wichtiger Beitrag zur aktuellen Diskussion über den Umgang mit digitalen Medien im Kindesalter. Sie zeigt, dass nicht nur die Dauer der Nutzung, sondern bereits der Zeitpunkt des Einstiegs eine entscheidende Rolle spielen kann. Damit erhält die Forderung nach einer bewussten und altersgerechten Einführung digitaler Geräte in der Schule sowie einer gezielten Social Media Altersgrenze zusätzliche wissenschaftliche Unterstützung.
Lena Bucher
Vorstand Starke Schule beider Basel
[1] Gui, M., Respi, C., Abbiati, G. et al. Longitudinal effect of early social media use on standardized learning outcomes during school career. Nat Hum Behav (2026). https://doi.org/10.1038/s41562-026-02522-4
