4127 Birsfelden
IBAN CH98 0900 0000 6012 8081 8
Starke.Schule.beider.Basel@gmx.ch

15 Jahre Starke Schule: Eine neue Generation übernimmt

15 Jahre Starke Schule: Eine neue Generation übernimmt

Als Bewegung von Eltern gegründet, hat sich die Starke Schule beider Basel (SSbB) seit 2011 zu einem eigenständigen politischen Akteur entwickelt. Heute steht die Organisation an einem wichtigen Wendepunkt und gehört zu den ungewöhnlichsten bildungspolitischen Organisationen der Nordwestschweiz. Mit Volksinitiativen, politischen Vorstössen, Medienarbeit, Umfragen und direkten Kontakten zu Politikerinnen und Politikern beeinflusst sie die kantonale Bildungspolitik. Die folgende Analyse zeichnet die Entwicklung der SSbB über diese 15 Jahre nach, untersucht ihre wichtigsten politischen Erfolge, beleuchtet die besondere Zeit unter Monica Gschwind und zeigt schliesslich, wie der Generationenwechsel den Verein heute prägt.

Ihre Geschichte ist dabei differenzierter als die einfache Erzählung einer Organisation, die sich grundsätzlich gegen Bildungsreformen stellt. Die SSbB hat zentrale Reformvorhaben kritisiert, gleichzeitig aber konkrete politische Veränderungen erreicht. Dazu gehören beispielsweise der Erhalt der Einzelfächer auf der Sekundarstufe I, die gesetzliche Verankerung von Stoffinhalten und Jahreszielen im Lehrplan sowie die Einführung einer geleiteten Lehrmittelfreiheit.

Mit dem Ende der Amtszeit von Bildungsdirektorin Monica Gschwind Ende 2025 und dem gleichzeitigen Generationenwechsel innerhalb der Organisation beginnt nun eine neue Phase: Sechs junge Frauen prägen heute wesentlich die operative Arbeit der SSbB. Aufgrund der Statuten[1] verfügen sie zudem über erhebliches Gewicht im Vorstand. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht nur, welche politischen Themen die SSbB künftig aufgreift, sondern wie die neue Generation die politische Grundhaltung der Organisation weiterentwickelt.

1. Von der Elternbewegung zum politischen Akteur

Die Ursprünge der SSbB liegen im Jahr 2011. Ausgangspunkt war der Widerstand gegen die geplante Zwangsverschiebung von Schüler/-innen an weiter entfernte Sekundarschulstandorte, um damit Klasssen aufzufüllen und Kosten einzusparen. Eltern und Lehrpersonen schlossen sich zusammen und lancierten die Initiative «Keine Zwangsverschiebungen an Baselbieter Sekundarschulen».[2]

Aus diesem konkreten Konflikt entwickelte sich innerhalb weniger Jahre eine Organisation, die sich mit grundsätzlichen Fragen der Baselbieter Bildungspolitik beschäftigte. Im Zentrum standen zunächst HarmoS, Lehrplan 21, Sammelfächer, die Ausbildung von Lehrpersonen sowie insbesondere die Fremdsprachendidaktik Passepartout und die damit verbundenen Lehrmittel.  

Das politische Profil der SSbB ist vor allem durch eine ausgeprägte Reformkritik geprägt. Im Mittelpunkt steht ein Misstrauen gegenüber zentral gesteuerten Veränderungen, wenn diese aus Sicht der Organisation zu wenig Rücksicht auf Fachwissen, Unterrichtspraxis und die Erfahrungen der Lehrpersonen nehmen. Diese Haltung erklärt auch, weshalb sich die Argumentation der SSbB über verschiedene Themen hinweg ähnelt. Immer wieder wird die Frage gestellt, ob eine pädagogische oder politische Neuerung tatsächlich zu besseren Lernbedingungen für Schüler/-innen führt.

Die Stärke dieser Strategie liegt darin, dass die SSbB abstrakte bildungspolitische Fragen in konkrete Auswirkungen auf den Schulalltag übersetzen kann. Gleichzeitig liegt darin eine erste Herausforderung: Eine Organisation, die vor allem gegen bestehende Reformen mobilisiert, muss langfristig zeigen, welche eigenen Vorstellungen sie an deren Stelle setzt.

2. Drei bedeutende politische Erfolge prägen die Geschichte besonders

Drei politische Erfolge stehen beispielhaft für den Einfluss, den die SSbB in diesen Jahren ausüben konnte:

  • Der erste Erfolg war der Erhalt der Einzelfächer auf der Sekundarstufe I. Ursprünglich war vorgesehen, Fächer wie Geschichte, Geografie, Physik, Biologie, Chemie, Wirtschaftskunde und Hauswirtschaft in drei grössere Fächerverbünde zusammenzuführen. Die SSbB stellte sich gegen diese Entwicklung und argumentierte für fachlich klar abgegrenzte Einzelfächer. Das Baselbieter Stimmvolk nahm am 5. Juni 2016 die Änderung des Bildungsgesetzes zum «Verzicht auf kostentreibende Sammelfächer»[3] mit deutlicher Mehrheit an. Damit wurde gesetzlich festgelegt, dass die betroffenen Fächer weiterhin eigenständig unterrichtet und benotet werden.  
  • Der zweite Erfolg betraf die Lehrpläne. Die SSbB kritisierte, dass Kompetenzbeschreibungen zu stark gewichtet werden und dadurch konkrete Stoffinhalte und klare Jahresziele vernachlässigt werden. Mit der Initiative «Ja zu Lehrplänen mit klar definierten Stoffinhalten und Themen»[4] verlangte sie deshalb eine stärkere Verankerung konkreter Lerninhalte. Im politischen Prozess entstand ein Gegenvorschlag des Landrats. Das Baselbieter Stimmvolk nahm diesen am 10. Juni 2018 mit 84,2 Prozent Ja-Stimmen an. Seither sind Stoffinhalte, Themen und Kompetenzbeschreibungen gesetzlich verankert. Für die Sekundarschule wurde zusätzlich eine Differenzierung nach Jahreszielen und Anforderungsniveaus festgelegt.
  • Der dritte und politisch wohl wichtigste Erfolg war die Lehrmittelfreiheit. Über Jahre hatte die SSbB gegen das Passepartout-Fremdsprachenprojekt und die Lehrmittel «Mille feuilles», «Clin d’oeil» und «New World» mobilisiert. Die Auseinandersetzung führte schliesslich zur Initiative «Stopp dem Verheizen von Schüler/-innen: Ausstieg aus dem gescheiterten Passepartout-Fremdsprachenprojekt»[5]. Am 24. November 2019 stimmte das Baselbieter Stimmvolk einer entsprechenden Änderung des Bildungsgesetzes mit 84,8 Prozent Ja-Stimmen zu. Die Lösung bestand in einer geleiteten Lehrmittelfreiheit. Die Lehrpersonen konnten in allen Fächern zwischen mehreren Lehrmitteln auswählen und waren damit nicht auf ein einziges Lehrmittel festgelegt.

Diese drei Erfolge betreffen unterschiedliche Ebenen des Unterrichts: die Fächerstruktur, die verbindlichen Lerninhalte und die Wahl der Lehrmittel. Gerade deshalb sind sie für die Geschichte der SSbB bedeutsam. Die Organisation konnte nicht nur Kritik formulieren, sondern politische Forderungen in konkrete gesetzliche Veränderungen überführen.

Dabei wurden ihre ursprünglichen Forderungen nicht immer vollständig übernommen. Erfolgreicher politischer Einfluss ist nicht nur dann gegeben, wenn eine Initiative unverändert angenommen wird. Entscheidend ist, ob ein politischer Prozess am Ende eine Lösung hervorbringt, welche ein wesentliches Anliegen der Initiative übernimmt.

3. Monica Gschwind und eine ungewöhnliche politische Konstellation

Die Beziehung zwischen Monica Gschwind und der SSbB ist für die politische Entwicklung der Organisation besonders interessant. Gschwind unterstützte bereits als FDP-Landrätin mehrere Anliegen der SSbB.

Bei der Initiative gegen Zwangsverschiebungen trat sie 2011 als Unterstützerin auf. Auch bei der Initiative «Niveaugetrennter Unterricht in Promotionsfächern» gehörte sie dem Initiativkomitee an.[6] Dasselbe gilt für die Initiative «Ja zu fachlich kompetent ausgebildeten Lehrpersonen».[7]

Im Vorfeld der Regierungsratswahl 2015 unterstützte die SSbB Monica Gschwind bei ihrer Kandidatur. Die Organisation beschränkte sich dabei nicht nur auf eine öffentliche Wahlempfehlung, sondern führte eine eigene Kampagne[8] für ihre Wahl durch, unter anderem mit Plakaten und medialer Begleitung.[9]

Mit Gschwind stand ein klarer bildungspolitischer Richtungswechsel nach den Jahren unter dem damaligen Bildungsdirektor Urs Wüthrich bevor. Mit ihrer Wahl in den Regierungsrat und der Übernahme der Bildungsdirektion wurde dieser Richtungswechsel Tatsache.

Damit entstand eine ungewöhnliche politische Situation: Eine Organisation, die zuvor zahlreiche bildungspolitische Reformen bekämpft hatte, stand einer Bildungsdirektorin nahe, die aus diesem politischen Umfeld stammte.

Gschwind versuchte nach ihrem Amtsantritt, die verschiedenen Akteure stärker einzubinden. Ihr sogenannter «Marschhalt» sollte die unterschiedlichen Positionen mit dem Ziel zusammenführen, dass einerseits Bildungsreformen korrigiert und andererseits keine weiteren Volksinitiativen zu Bildungsthemen lanciert werden. Ab diesem Zeitpunkt nahm die SSbB an zahlreichen offiziellen Arbeitsgruppen teil und konnte ihre Positionen direkt in die bildungspolitischen Entscheidungsprozesse einbringen.

Diese Nähe darf jedoch nicht mit politischer Gleichschaltung verwechselt werden. Die SSbB blieb unabhängig und setzte ihre eigenen politischen Schwerpunkte. Umgekehrt vertrat Gschwind als Regierungsrätin nicht automatisch die Positionen der SSbB. Gerade die Auseinandersetzung um Passepartout zeigt, dass zwischen beiden Seiten bei einzelnen Themen unterschiedliche Einschätzungen bestanden.

Die Jahre unter Gschwind waren deshalb weder eine klassische Oppositionsphase noch eine Regierungskooperation. Treffender ist die Beschreibung einer politischen Zwischenposition: Die SSbB blieb unabhängig, verfügte aber über eine Bildungsdirektorin, die mit ihr in verschiedenen wichtigen Grundfragen übereinstimmte.

4. Passepartout als Wendepunkt

Die Auseinandersetzung um Passepartout war über Jahre das zentrale Thema der SSbB. Sie richtete sich sowohl gegen die dahinterstehende Fremdsprachendidaktik als auch gegen die verbindliche Verwendung bestimmter Lehrmittel.

Mit der Lehrmittelfreiheit erreichte die Organisation einen politischen Durchbruch. Die bisherige Bindung an bestimmte Lehrmittel mit der dahinterstehenden Fremdsprachendidaktik wurde aufgegeben und Lehrpersonen erhielten innerhalb eines kantonal definierten Rahmens mehr Wahlmöglichkeiten. Für die SSbB war dies ein grosser Erfolg. Gleichzeitig entstand dadurch ein strategisches Problem: Ein langjähriger politischer Konflikt war weitgehend im Sinne der SSbB entschieden. Ein Teil der Themen, welche die Organisation seit ihrer Gründung auf die politische Agenda gesetzt hatte, war damit abgearbeitet.

In dieser Phase zeigte sich eine typische Herausforderung politischer Bewegungen: Erfolge können die eigene Existenzberechtigung verändern. Wer über Jahre gegen ein bestimmtes Reformprojekt kämpft und dieses Ziel zumindest teilweise erreicht, muss neue Themen finden.

Die längere Phase ohne neue grosse Volksinitiative während Gschwinds Amtszeit ist deshalb nicht automatisch als Zeichen einer Schwäche zu interpretieren. Die SSbB blieb politisch aktiv. Zugleich sprechen verschiedene Indizien dafür, dass es zwischen der SSbB und Gschwind regelmässige Absprachen und Kontakte gab und politische Konflikte teilweise im direkten Austausch bearbeitet wurden. Eine formelle oder konkrete Absprache darüber, beispielsweise auf welche Initiativen die SSbB verzichten sollte, lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Dafür gibt es keine ausreichenden Belege. Plausibel erscheint vielmehr eine politische Konstellation, in der gemeinsame Grundüberzeugungen, regelmässige Kontakte und das beiderseitige Interesse an einer möglichst konfliktarmen Bearbeitung von Bildungsthemen zusammenwirkten.

5. Die SSbB als unabhängiger Akteur

Die politische Geschichte der SSbB zeigt, dass ihre Wirkung nicht allein an Volksabstimmungen gemessen werden sollte.

Ein Beispiel dafür ist die 2020 in Basel-Stadt lancierte Initiative zur Lehrmittelfreiheit.[10] Bereits im Vorfeld war die Basler Regierung über die geplante Initiative informiert. Ein Tag vor der öffentlichen Lancierung kündigte sie an, selbst eine grössere Lehrmittelfreiheit anzustreben. Die zeitliche Nähe ist politisch bemerkenswert. Es liegt zumindest die Vermutung nahe, dass die Medienmitteilung der Regierung bewusst unmittelbar vor der Pressekonferenz der SSbB platziert wurde, um der Initiative öffentlich den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ob dies tatsächlich die Absicht war, lässt sich allerdings nicht zweifelsfrei belegen.

Die Initiative der SSbB war damit nicht zwingend der Auslöser der politischen Entwicklung. Sie dürfte aber durchaus dazu beigetragen haben, den politischen Druck zu erhöhen. Entscheidend ist zudem, dass die Regierung bereits vor der Lancierung von den Plänen der SSbB wusste und damit auf ein konkretes politisches Vorhaben frühzeitig reagieren konnte.

Weil Basel-Stadt eine geleitete Lehrmittelfreiheit einführte, war die Kernforderung der SSbB weitgehend erfüllt. Die Unterschriftensammlung der Initiative wurde abgebrochen.

Das Beispiel zeigt eine weitere Besonderheit der Organisation: Sie kann politischen Druck auch dann als Erfolg betrachten, wenn es nicht zu einer Volksabstimmung kommt. Entscheidend ist, ob sich die politische Richtung aufgrund einer öffentlichen Auseinandersetzung verändert. Diese Fähigkeit ist eine Stärke. Gleichzeitig sollte sie kritisch betrachtet werden. Wenn politische Organisationen ihre Wirkung vor allem anhand der Übernahme eigener Forderungen beurteilen, besteht die Gefahr, politische Entwicklungen im Nachhinein stärker dem eigenen Einfluss zuzuschreiben, als dies tatsächlich gerechtfertigt ist.

Bei einer externen Betrachtung ist deshalb zwischen zeitlichem Zusammenhang und tatsächlicher politischer Ursache zu unterscheiden. Dass eine Regierung nach der Ankündigung einer Initiative eine ähnliche Massnahme wie im Landkanton ergreift, bedeutet nicht automatisch, dass die Initiative diese Entwicklung ausgelöst hat.

6. Neue Themen nach Gschwind

Mit dem Ende von Monica Gschwinds Amtszeit Ende 2025 hat sich die politische Ausgangslage erneut verändert. Gleichzeitig setzt die SSbB neue Schwerpunkte.

Die im Oktober 2025 lancierte Initiative «Zwei Fremdsprachen an der Primarschule sind zu viel»[11] knüpft direkt an die frühere Auseinandersetzung um den Fremdsprachenunterricht an. Sie verlangt, dass auf der Primarschule neben Deutsch nur noch eine Fremdsprache unterrichtet wird und der Fremdsprachenunterricht frühestens in der 5. Jahresstufe beginnt. Hier zeigt sich eine klare Kontinuität. Die SSbB greift ein Thema wieder auf, mit welchem sie sich bereits einige Jahre zuvor schon beschäftigt hat.

Neu ist dagegen der Schwerpunkt Digitalisierung. Die ebenfalls im gleichen Monat lancierte Initiative «Keine digitalen Geräte in den ersten vier Primarschuljahren»[12] richtet sich gegen die frühe Ausstattung von Primarschulkindern mit persönlichen digitalen Geräten. Sie wurde am 4. August 2026 mit 2’529 Unterschriften eingereicht.[13]

Damit überträgt der Verein ihre traditionelle Reformkritik auf ein neues Feld. Früher lautete die zentrale Frage, ob bestimmte Lehrmittel, Methoden oder Schulstrukturen verbindlich vorgeschrieben werden sollten. Heute geht es darum, wie früh digitale Geräte im Unterricht eingesetzt werden sollen.

Dieser subtile Wandel ist politisch relevant. Digitalisierung, künstliche Intelligenz und Social Media sind wesentlich komplexere Themen als die Auseinandersetzung mit einem einzelnen Lehrmittel. Eine glaubwürdige Position muss deshalb nicht nur erklären, weshalb eine bestimmte Entwicklung problematisch sein könnte. Sie muss auch überzeugende Alternativen anbieten.

Gerade darin liegt eine der wichtigsten Herausforderungen für die nächste Phase der SSbB.

7. Der Generationenwechsel

Noch stärker als die neuen politischen Themen fällt der personelle Wandel innerhalb der Organisation auf. Heute bilden sechs junge Gymnasiastinnen und Studentinnen das Seki-Team der SSbB. Vier von ihnen sind zugleich Mitglieder des Vorstands. Die beiden anderen verfügen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zum Seki-Team ebenfalls über das statutarische Stimmrecht bei Vorstandsentscheiden. Bei insgesamt elf stimmberechtigten Personen im Vorstand verfügt das Seki-Team damit über sechs Stimmen und somit über eine Mehrheit.[14]

Diese Struktur geht deutlich über die normale Funktion einer Geschäftsstelle hinaus. Die jungen Frauen arbeiten operativ an Medienarbeit, Texten, Umfragen, Organisation und Kommunikation, betreuen die Webseite und sind gleichzeitig an der strategischen Entscheidungsfindung beteiligt. Damit handelt es sich um mehr als eine Verjüngung der SSbB. Die jüngere Generation verfügt institutionell über erhebliches Gewicht bei der Festlegung der politischen Ausrichtung.

Das kann ein grosser Vorteil sein. Eine Organisation, die langfristig bestehen will, muss Wissen und Verantwortung weitergeben. Die jungen Mitarbeiterinnen können Erfahrungen mit politischen Kampagnen, Abstimmungen und Medienarbeit unmittelbar übernehmen und gleichzeitig eigene Perspektiven einbringen.

Hinzu kommt ihre Nähe zu Themen, die Jugendliche unmittelbar betreffen. Bei Fragen wie Social Media, künstlicher Intelligenz, Smartphones und Digitalisierung verfügen Gymnasiastinnen und Studentinnen über eigene Alltagserfahrungen. Das kann der SSbB eine höhere Glaubwürdigkeit bei jüngeren Menschen verleihen.

8. Chancen und Risiken der neuen Führungsstruktur

Der Generationenwechsel ist gleichzeitig mit Risiken verbunden. Die enge Verbindung zwischen Sekretariat und Vorstand ermöglicht schnelle Entscheidungen und eine direkte Umsetzung politischer Strategien. Kommunikation und politische Positionierung liegen näher beieinander. Das kann für eine kleine Organisation sehr effizient sein.

Gleichzeitig entsteht dadurch eine ungewöhnlich starke Konzentration von operativer und strategischer Verantwortung. Die sechs jungen Frauen sind nicht nur für die tägliche Arbeit zuständig, sondern verfügen zusammen über eine Mehrheit der Stimmen im stimmberechtigten Vorstand. Entscheidend wird deshalb sein, ob innerhalb der Organisation weiterhin ausreichend Raum für kontroverse Diskussionen besteht. Ein Generationenwechsel ist politisch nur dann nachhaltig, wenn die neue Generation nicht lediglich die bisherige Linie übernimmt, sondern sie auch kritisch hinterfragt.

Das gilt insbesondere für die politische Positionierung. Die SSbB hat in den vergangenen 15 Jahren eine klare Identität entwickelt: Fachlichkeit, konkrete Lerninhalte, klare Lernziele, Eigenverantwortung der Lehrpersonen und Skepsis gegenüber zentral gesteuerten Reformen gehören zu ihren wiederkehrenden Leitgedanken. Diese Grundsätze können weiterhin relevant sein. Sie reichen aber allein nicht aus, um Antworten auf neue Fragen zu geben.

Bei Digitalisierung beispielsweise genügt es nicht, den Einsatz persönlicher Geräte abzulehnen. Eine moderne bildungspolitische Position müsste auch klären, welche digitalen Kompetenzen Schüler/-innen benötigen, welche Anwendungen pädagogisch sinnvoll sind und wie Schule mit einer digital geprägten Lebenswelt umgehen soll.

Der Generationenwechsel bietet deshalb die Chance, aus einer Organisation der Reformkritik stärker eine Organisation mit einem eigenen bildungspolitischen Zukunftsmodell zu machen.

9. Fazit: Stärke, Einfluss und Perspektiven

Die SSbB hat in den vergangenen 15 Jahren zweifellos beachtliche politische Wirkung entfaltet. Ihre Stärke liegt in der Beharrlichkeit, der klaren Positionierung, der Fähigkeit zur Mobilisierung und insbesondere in der Bereitschaft, bildungspolitische Konflikte öffentlich auszutragen. Für eine vergleichsweise kleine Organisation verfügt sie zudem über bemerkenswerte Erfahrung mit Volksinitiativen und dem Sammeln der dafür notwendigen Unterschriften. Die Geschichte der Sammelfächer, der Lehrplaninhalte und der Lehrmittelfreiheit zeigt, dass die SSbB politische Prozesse deutlich beeinflussen und wiederholt auch über politische Lager hinweg Mehrheiten finden kann.

Dazu kommt ihre parteipolitische Unabhängigkeit. Der Vorstand der SSbB ist politisch eher Mitte-links einzuordnen, pflegt jedoch Kontakte zu Politikerinnen und Politikern unterschiedlicher Parteien und kennt dabei kaum Berührungsängste. Diese Offenheit verschafft der Organisation politischen Handlungsspielraum und erleichtert es ihr, über parteipolitische Grenzen hinweg Unterstützung zu gewinnen.

Gleichzeitig sollte ihre Rolle nicht unkritisch betrachtet werden. Eine Organisation mit einer klaren politischen Grundhaltung neigt naturgemäss dazu, Reformen zunächst aus ihrer eigenen Perspektive zu beurteilen. Die Konzentration auf konkrete Probleme kann dabei eine Stärke sein, kann aber auch dazu führen, dass mögliche Vorteile einer Reform zu wenig berücksichtigt werden.

Die SSbB muss sich daran messen lassen, ob ihre Kritik an Reformen von tragfähigen Alternativen begleitet wird. Wer beispielsweise digitale Geräte in der Primarschule einschränken will, muss auch erklären, wie digitale Bildung stattfinden soll.

Der Generationenwechsel bietet der SSbB dabei eine besondere Chance. Die neue Generation kann auf die politische Erfahrung der vergangenen 15 Jahre aufbauen und zugleich eigene Perspektiven und Akzente setzen. Damit steht die SSbB heute weniger vor der Frage, ob sie politisch relevant bleiben kann, sondern welche Rolle sie künftig einnehmen will.

Die bisherige Generation hat die SSbB zu einer eigenständigen politischen Kraft gemacht. Die junge Generation steht nun vor der Aufgabe und zugleich der Chance, diese Geschichte[15] auf ihre eigene Weise weiterzuschreiben.


[1] https://starke-schule-beider-basel.ch/wp-content/uploads/2025/09/Statuten-Starke-Schule-beider-Basel_2022-03-30.pdf
[2] https://starke-schule-beider-basel.ch/initiativen-und-kampagnen/keine-zwangsverschiebungen/
[3] https://starke-schule-beider-basel.ch/initiativen-und-kampagnen/ja-zu-den-faechern-geschichte-geografie-biologie-physik-und-chemie/
[4] https://starke-schule-beider-basel.ch/initiativen-und-kampagnen/ja-zu-lehrplaenen-mit-klar-definierten-stoffinhalten/
[5] https://starke-schule-beider-basel.ch/initiativen-und-kampagnen/passepartout-lehrmittel-durch-gute-schulbuecher-ersetzen/
[6] https://bl-api.webcloud7.ch/politik-und-behorden/besondere-behoerden/landeskanzlei/politische_rechte/initiativen/vorgepruefte-initiativen/pdf-initiativen-vorgeprueft/ab_2013-08-15_niveau-getr-unterricht.pdf?_t=1770836789879
[7] https://starke-schule-beider-basel.ch/initiativen-und-kampagnen/ja-zu-fachlich-kompetent-ausgebildeten-lehrpersonen/
[8] https://starke-schule-beider-basel.ch/initiativen-und-kampagnen/regierungsratswahlen-vom-8-februar-2015/
[9] https://starke-schule-beider-basel.ch/pressekonferenzen/pressekonferenz-vom-29-12-2014/
[10] https://starke-schule-beider-basel.ch/initiativen-und-kampagnen/initiative-lehrmittelfreiheitbasel-stadt/
[11] https://starke-schule-beider-basel.ch/initiativen-und-kampagnen/initiative-abschaffung-von-fruehfranzoesisch/
[12] https://starke-schule-beider-basel.ch/initiativen-und-kampagnen/keine-digitalen/
[13] https://starke-schule-beider-basel.ch/2026/08/2529-unterschriften-fuer-keine-digitalen-geraete-in-den-ersten-vier-primarschuljahren-eingereicht/
[14] https://starke-schule-beider-basel.ch/wp-content/uploads/2026/06/2026-06-22_Organigramm.pdf
[15] https://starke-schule-beider-basel.ch/starke-schule-beider-basel/

Eine Antwort

  1. Paul Hofer sagt:

    Gratuliere der SSbB für ihre Arbeit – habe die letzten 10+ Jahre ebenfalls aktiv mitgeholfen. Jetzt gilt es, eine Gesamtsicht zu bewahren und koordiniert mit Eltern, Schulleitungen, Lehrpersonen, Schulräten (auch wenn diese sich auf strategische Fragen beschränken – oder gerade deswegen) und der PH zu arbeiten – und dies nicht parteipolitisch. Viel Erfolg dem neuen Team!
    Paul Hofer

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert