Dauerferien und Topgehälter? Was an den grössten Lehrerklischees dran ist
Rund um den Lehrerberuf kursieren hartnäckige Mythen – über Arbeitsbelastung, Löhne, Bildungsausgaben und Qualifikation. Was Klischee ist und was die Fakten hergeben.
Rund um den Lehrerberuf kursieren hartnäckige Mythen – über Arbeitsbelastung, Löhne, Bildungsausgaben und Qualifikation. Was Klischee ist und was die Fakten hergeben.
In der Debatte um unsere Volksschulen und unsere Schulen insgesamt stehen stets die Lehrerinnen und Lehrer im Brennpunkt der Kritik. Das muss sich ändern, denn im Hintergrund sind oft unterrichtsferne Schulleitungen am Werk, die ihre Lehrkräfte nicht unterstützen, sondern noch mit kontraproduktiven Zusatzaufgaben belasten.
Die Schweiz wird international für ihre Mehrsprachigkeit bewundert. Das schmeichelt unserem Selbstverständnis. Doch zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft eine Lücke. Ausgerechnet dort, wo Mehrsprachigkeit praktisch eingeübt werden soll – in der Volksschule –, zeigt sich diese Lücke deutlich.
Seit gut zwölf Jahren erleben wir eine erbitterte Debatte über die Einführung des Unterrichts in Frühfranzösisch in der Primarschule. Glaubt man den Befürwortern, so steht der Zusammenhalt der Schweiz auf dem Spiel. Seit einige Deutschschweizer Kantone, die Frühfranzösisch, meist ab der fünften Klasse, versuchsweise eingeführt hatten, es inzwischen aber wieder abgeschafft haben oder daran sind, es abzuschaffen, ist die Debatte erneut entflammt.
Der 68-jährige Bestsellerautor Manfred Spitzer musste heftige Attacken über sich ergehen lassen, nachdem er sein Buch «Digitale Demenz» publiziert hatte. Er stand unter medialem Dauerbeschuss. Populistischer «Professor Klartext» war noch eine der freundlicheren Bezeichnungen. Aber auch Spitzer ist nicht zimperlich. Er ist kein Freund der leisen Töne, wenn es um Kritik an der Digitalisierung an den Schulen geht. Mit den neuen Pisa-Ergebnissen bekommen seine Thesen jetzt Rückenwind: Die Schulleistungen sind in vielen Ländern gesunken. Auch in der Schweiz. Was macht das mit ihm?
Kaum ein Thema rund um den Fremdsprachenunterricht wird so intensiv diskutiert wie das Alter, in dem Kinder mit einer zweiten Sprache beginnen. Dahinter steht eine weit verbreitete Annahme: Je früher, desto besser. Auch die frühe Einführung des Englisch-, Französisch- und Deutschunterrichts in der Schweiz beruht teilweise auf dieser Vorstellung, obwohl natürlich zugleich Mehrsprachigkeit als ein zentraler Bestandteil des schweizerischen Selbstverständnisses gilt. Fremdsprachenunterricht ist in der Schweiz nicht nur eine pädagogische, sondern immer auch eine gesellschafts- und bildungspolitische Frage. Doch bringt ein möglichst früher Beginn tatsächlich die erhofften Vorteile für das Sprachenlernen? Die Forschung zeichnet hierzu ein differenzierteres Bild.
Der bekennende Linke Mathias Brodkorb erklärt, warum die «Gleichheitsideologie» in der Bildungsdebatte den Schulen mehr schade als nütze – und er sagt, welche Schulen die Kinder heute brauchen. Das Interview führte die Journalistin Nadja Pastega für die Sonntagszeitung.
Als Bewegung von Eltern gegründet, hat sich die Starke Schule beider Basel (SSbB) seit 2011 zu einem eigenständigen politischen Akteur entwickelt. Heute steht die Organisation an einem wichtigen Wendepunkt und gehört zu den ungewöhnlichsten bildungspolitischen Organisationen der Nordwestschweiz. Mit Volksinitiativen, politischen Vorstössen, Medienarbeit, Umfragen und direkten Kontakten zu Politikerinnen und Politikern beeinflusst sie die kantonale Bildungspolitik. Die folgende Analyse zeichnet die Entwicklung der SSbB über diese 15 Jahre nach, untersucht ihre wichtigsten politischen Erfolge, beleuchtet die besondere Zeit unter Monica Gschwind und zeigt schliesslich, wie der Generationenwechsel den Verein heute prägt.
Die Volksinitiative der Starken Schule beider Basel greift mit der Ablehnung der Frühdigitalisierung der Primarschulen ein Thema auf, das grosse Auswirkungen auf den Schulbetrieb hat. Die Initiative ist auch ein deutliches Zeichen, die schulische Digitalisierung kritischer zu bewerten.
In diesen Tagen stehen wieder Tausende Kinder vor einem Schulhaus. Manche greifen noch nach der Hand ihrer Mutter oder ihres Vaters, andere eilen schon mutig voraus. Alle tragen einen Schulsack – und viele Erwartungen. Für sie beginnt ein Weg, dessen Ziel niemand genau kennt. Das ist auch nicht nötig. Entscheidend ist vielmehr: Was muss Schule Kindern ermöglichen, damit sie einmal ihren eigenen Lern- und Lebensweg gehen können?
Es braucht schon sehr viel Voreingenommenheit, ausgerechnet das Frühfranzösisch zum nationalen Symbol des eidgenössischen Zusammenhalts zu erheben, wie dies Bundesrätin Baume-Schneider getan hat. Fast könnte man meinen, Französisch solle aus der Volksschule verbannt und die Bedeutung der Romandie bei uns generell missachtet werden. Doch das trifft überhaupt nicht zu.
Hirnforscher über KI Neurowissenschaftler Lutz Jäncke erklärt, was künstliche Intelligenz in unseren Köpfen anrichtet und warum es ein komplettes Handyverbot an Schulen braucht. Und er sagt, ob die Gen Z tatsächlich dümmer ist als alle Generationen vor ihr.
Satire-Hinweis: Der folgende Beitrag ist eine satirische Zuspitzung. Das erwähnte Dokument und die beschriebenen Massnahmen sind frei erfunden. Anlass sind die realen Herausforderungen durch KI-gestützten Prüfungsbetrug.
Was früher ein Spickzettel war, kann heute ein kaum sichtbarer Ohrhörer oder eine Brille respektive ein digitaler Stift mit Scan-Funktion sein. Aufgaben lassen sich fotografieren, über das Smartphone an eine KI-Anwendung senden und innerhalb weniger Sekunden beantworten. Die Lösungen können auf kleinen Displays erscheinen, via Kopfhörer eingespielt oder über andere Geräte weitergegeben werden. Besonders auf der Sekundarstufe II und im Hochschulbereich nutzen Lernende bzw. Studierende immer regelmässiger generative KI, und zwar nicht nur zum Lernen, sondern auch zum Schummeln bei Prüfungen.
In der LVB-Geschäftsstelle klingelte das Telefon. Am anderen Ende eine Lehrperson, die Stimme brüchig, ihre Hände, so erzählte sie mir später, zitterten. Sechs Tage zuvor hatte sie ein Krisengespräch mit ihrer Schulleitung gehabt, welches in einen Folgetermin für ein Zielvereinbarungsgespräch mündete. Nun, eine knappe Woche nach dem Krisengespräch, hielt sie eine Verwarnung in den Händen. Begründet wurde diese unter anderem damit, dass sie im Gespräch emotional ungehalten gewesen sei und sogar geweint habe. Sie fragte mich: «Was passiert jetzt mit mir?» Solche Anrufe häufen sich.
Wie viele Studien braucht es eigentlich, bis man eine unbequeme Wahrheit akzeptiert? Beim Frühfranzösisch liegen die Fakten längst auf dem Tisch. Bereits eine grosse nationale Vergleichsstudie zeigte, dass Französisch ab der dritten Klasse im Baselbiet nicht den erhofften Erfolg bringt. Dass nach Jahren Französischunterricht fast die Hälfte der Schülerinnen und Schüler schon an einfachstem Französisch scheitert, wäre ernüchternd genug. Wirklich alarmierend ist aber ein anderer Befund der Studie. Jeder sechste Baselbieter Schüler kann nach neun Schuljahren keinen einfachen deutschen Text verstehen. Wer Deutsch nicht ausreichend beherrscht, findet kaum Anschluss, weder in der Lehre noch im Beruf noch im Alltag. Darum muss die Schule zuerst das sichern, was jedes Kind braucht. Lesen, schreiben und rechnen.
Nächste Woche wird das bernische Kantonsparlament über eine Verschiebung des Frühfranzösisch in die 5. Klasse abstimmen. Die Condorcet-Autoren Alain Pichard, Urs Kalberer und Felix Schmutz haben eine Zeitleiste des monumentalen bildungspolitischen Irrtums erstellt. Mit den Baustellen Frühfremdsprachenunterricht und Mehrsprachendidaktik wurden Hunderte von Millionen Franken in den Sand gesetzt. Zugeben will es niemand! Wir bringen eine aktualisierte Fassung.
Die mit Spannung erwarteten Ergebnisse der Umfrage zu den Basler Schulleitungen verschiedener Schulstufen ergeben ein aufschlussreiches Bild. Neben dem hervorragenden Abschneiden vieler Schulleitungen sind leider die Resultate in wichtigen Bereichen der Umfrage an manchen Schulen unerfreulich. Das führt zur berechtigten Frage, wie Schulteams oder einzelne Lehrkräfte gegenüber schwachen Schulleitungen erfolgreich Einsprache erheben können.
Der lange von der Baselbieter Regierung unter Verschluss gehaltene Bericht «Standortbestimmung Sprachenkonzept» deckt die desaströsten Französischkenntnisse unserer Schülerinnen und Schüler schonungslos auf. Es ist ein framender Bericht, der in einer Stoff und Aufgaben überfrachteten Volksschule nur eines fordert: Mehr, mehr, noch mehr.
Die Antworten von Frau Bourgeois im Interview mit ihr sind vernünftig, überzeugend und überhaupt nicht extrem (NZZ vom 11.5.2026). Sie legt ihre Positionen betreffend Förderklassen gut verständlich und sachlich dar, sodass sich Nachfragen oder Nachdoppeln erübrigt. Ich erlaube mir hingegen noch drei Anmerkungen.
Am 21. Mai wurden die Resultate der neusten Überprüfung der Grundkompetenzen des Jahres 2024 medial vorgestellt. Getestet wurden die Leistungen in Schulsprache und Mathematik der Primarschüler(innen) der zweiten Klasse. Die Stichprobengrösse umfasste 93’883 Kinder an 1’153 Schulen. Das Resultat: Schweizweit erreichten 87% die Grundkompetenzen im Hören, 79% diejenigen im Lesen und 76% diejenigen in Mathematik. Für den EDK-Präsidenten Darbellay ein Grund zur Freude.[1]