Viele Sekundarschulen schneiden überdurchschnittlich ab
An der durchgeführten Umfrage der Starken Schule beider Basel (SSbB) zu den Schulleitungen der Primarstufe und den beiden Sekundarstufen 1 und 2 nahmen 1’176 Lehrpersonen teil. Davon unterrichten 34.2% an einer Sekundarschule in Baselland oder Basel-Stadt. Befragt wurden die Lehrpersonen zu den Erfahrungen, welche sie mit ihren Schulleitungen bezüglich Respekt, Gleichbehandlung, Vertrauen, Unterstützung und Kritikfähigkeit gemacht haben.
In dieser Auswertung legen wir die Daten derjenigen Sekundarschulen offen, bei denen mindestens eine zweistellige Anzahl von Lehrpersonen die anonyme Umfrage beantwortet haben, sodass mindestens ein Stimmungsbild der teilnehmenden Lehrpersonen möglich ist. Mit den Antwortmöglichkeiten «Ja», «Eher ja», «Eher nein», «Nein» und «Keine Beurteilung möglich» konnten die Umfrageteilnehmenden angeben, ob die vorgegebenen Aussagen zutreffen. Bei den folgenden Grafiken haben wir «Ja» und «Eher ja» respektive «Nein» und «Eher nein» zu je einem Balken zusammengefasst. Der Balken «Schnitt alle Lehrpersonen» umfasst den Durchschnitt der 1’176 Lehrpersonen der drei Stufen Primar, Sek. 1 und Sek. 2 der beiden Halbkantone.
Sekundarschule Gelterkinden beim Thema Gleichbehandlung im dunkelgrünen Bereich
Beim Thema Gleichbehandlung seitens der Schulleitung erzielt die Sek Gelterkinden ein ausgezeichnetes Ergebnis. Das zweitbeste Resultat erzielt die Sek. Laufental: Etwa drei Viertel der befragten Lehrpersonen empfinden keine Ungleichbehandlung. Deutlich unterdurchschnittlich schneiden im Kanton Basel-Landschaft die Sekundarschulen Reinach und Oberwil ab (siehe Grafik 1a).

Im Kanton Basel-Stadt findet jede fünfte Lehrperson der Sek Sandgruben, dass Ungleichbehandlung an ihrer Schule vorkommt. Am tiefsten schneidet die Sek Vogesen ab: Rund 71% nehmen eine Ungleichbehandlung wahr (siehe Grafik 1b).

Städtische Sekundarschulen sind bei den Themen Vertrauen, Respekt und Unterstützung unterdurchschnittlich
Auch wenn die Resultate auf den ersten Blick erfreulich erscheinen, befinden sich alle aufgelisteten Basler Sekundarschulen bei der Frage nach Vertrauen zur Schulleitung unter dem Durchschnitt aller an der Umfrage teilnehmenden Lehrpersonen (Grafik 2b).

Beim Thema Respekt ist ausschliesslich die Sek Sandgruben über dem Durchschnitt. An der Sek Vogesen empfindet nur knapp jede zweite Lehrperson den Umgang mit der Schulleitung als respektvoll und unterstützend. Generell ist beim Thema Unterstützung ein auffallend grosser Unterschied zwischen den beiden oberen und den beiden unteren Schulen sichtbar (siehe Grafiken 3b und 4b).


Die Sekundarschule Gelterkinden führt souverän die Ranglisten in allen drei Bereichen Vertrauen, Respekt und Unterstützung an. Ebenfalls recht gute Ergebnisse in diesen Bereichen erzielen sieben respektive acht weitere Sekundarschulen. Wenn es ums Vertrauen geht, fallen die Sekundarschulen Liestal und Oberwil deutlich ab (Grafik 2a).

Beim Thema Respekt zeigt sich ein ähnliches Bild, wobei die Sek Liestal hier rund 15 Prozentpunkte besser abschneidet als beim Thema Vertrauen. Dagegen ist die Sek Reinach wieder auf dem letzten Platz. (siehe Grafik 3a).

Ein Grossteil der Baselbieter Sekundarschulleitungen erhalten beim Thema Unterstützung ein gutes Ergebnis. Abgeschlagen sind hingegen die Sekundarschulen Reinach und Therwil. Nicht ganz befriedigend sind die Resultate von Muttenz, Frenkendorf und Liestal (siehe Grafik 4a).

Im Bereich Kritikfähigkeit gibt es am meisten Luft nach oben
Nur die Sekundarschule Sandgruben liegt im Vergleich zu den anderen drei Basler Sekundarschulen bei den Fragen, ob Kritik an allen Schulleitungsmitgliedern ohne negative Konsequenzen möglich ist und ob die Schulleitung Kritik von allen Lehrpersonen professionell aufnimmt, über dem Durchschnitt aller an der Umfrage teilnehmenden Lehrpersonen. Jeweils jede fünfte Lehrperson an der Sek Sandgruben stimmt diesen Aussagen nicht zu. Wieder am Ende der Rangliste befindet sich gleich zweimal die Sek Vogesen mit nur einem Drittel der befragten Lehrpersonen, die der Aussage jeweils zustimmen. Ebenso spannend ist, dass an der Sek Bäumlihof die Frage nach Kritik ohne negative Konsequenzen rund 8.3% besser ausfällt als die Frage nach professioneller Aufnahme der Kritik (siehe Grafiken 5b & 6b).


In Baselland erzielt die Sek Laufental den Bestwert, gefolgt von der Sek Gelterkinden. Die Sekundarschulen Reinach und Oberwil schneiden in beiden Fragen tief ab und sind weit vom drittletzten Platz entfernt. Gerade einmal 14.3% der befragten Lehrpersonen der Sek Reinach finden, dass Kritik von allen Lehrpersonen professionell aufgenommen wird. An der Sek Oberwil stimmt jede fünfte Lehrperson dieser Aussage zu. Ebenfalls unter dem Schnitt aller Lehrpersonen befinden sich bei beiden Fragen die Sekundarschulen Frenkendorf, Waldenburgertal und Liestal (siehe Grafiken 5a & 6a).


Die Machtfrage scheint Schwachstelle der Baselbieter Sekundarschulen zu sein
Vier Baselbieter Sekundarschulen liegen beim Thema Macht über dem Schnitt aller an der Umfrage teilnehmenden Lehrpersonen. Zum Vergleich: Bei allen anderen Fragen lagen jeweils mindestens acht Schulen über dem Schnitt. Die Resultate liefern gewisse Hinweise darauf, dass beim Thema Macht Probleme bestehen könnten, weshalb es angezeigt ist, da genauer hinzuschauen und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen. Gelterkinden und Sissach schneiden nur knapp genügend ab, dicht gefolgt von der Sek Laufental. Ebenfalls über den Durchschnitt schafft es die Sek Allschwil. Bei den restlichen neun Schulen ist der positive Wert sogar unter 50%, wobei die Sek Reinach mit 14.3% abgeschlagen das Schlusslicht bildet (siehe Grafik 7a).

Auch in Basel-Stadt lassen diese Resultate zu wünschen übrig. Im Vergleich zum Nachbarkanton ist jedoch positiv, dass es keinen derart grossen Ausreisser nach unten gibt. Den Tiefstwert erzielt die Sek Holbein mit 46.7% positiven Antworten. An erster Stelle ist die Sek Sandgruben. Etwa jede vierte befragte Lehrperson empfindet eine zu grosse Macht der Schulleitung über Lehrpersonen. An allen vier Schulen besteht dennoch Handlungsbedarf (siehe Grafik 7b).

Fazit
Die Umfrage zeigt deutlich, dass die wahrgenommene Qualität der Schulleitungen aus Sicht der Lehrpersonen stark variiert. Während einzelne Sekundarschulen insbesondere in den Bereichen Vertrauen, Respekt und Unterstützung sehr gute Resultate erzielen, bestehen an anderen Schulen deutliche Defizite. Besonders kritisch beurteilen viele Lehrpersonen beider Basler Halbkantone den Umgang mit Kritik sowie die wahrgenommene Macht der Schulleitungen.
Auffällig ist zudem, dass mehrere Schulen über verschiedene Themenbereiche hinweg konstant positiv beziehungsweise negativ bewertet werden.
Dies deutet darauf hin, dass die Führungskultur einer Schule einen wesentlichen Einfluss auf das Arbeitsklima und die Zufriedenheit der Lehrpersonen hat. Die Ergebnisse machen deutlich, dass guter Umgang, transparente Kommunikation und ein professioneller Umgang mit Kritik zentrale Voraussetzungen für ein funktionierendes Schulumfeld sind. Gleichzeitig zeigt die Auswertung auch, dass in einzelnen Bereichen weiterhin erheblicher Handlungsbedarf besteht.
Besonders hervorzuheben ist die Sekundarschule Gelterkinden. Sie erreicht in den Bereichen Vertrauen, Respekt, Unterstützung und Gleichbehandlung regelmässig Spitzenwerte und liegt deutlich über dem Durchschnitt aller befragten Lehrpersonen. Ebenfalls gute Resultate erzielen die Sekundarschulen Laufental, Sissach, Binningen oder Allschwil. Diese Ergebnisse deuten auf ein positives Arbeitsklima und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Lehrpersonen und Schulleitung hin.
Kritischer präsentieren sich hingegen die Resultate der Schulen Reinach, Oberwil und Vogesen. Dort berichten viele Lehrpersonen von Ungleichbehandlung, fehlender Unterstützung und mangelndem Vertrauen gegenüber der Schulleitung. Besonders auffällig ist, dass an gewissen Schulen ein grosser Teil der Lehrpersonen angibt, Kritik könne nicht ohne negative Konsequenzen geäussert werden. Zudem fühlen sich viele Befragte in ihren Anliegen nicht ernst genommen.
Auch die offenen Rückmeldungen verdeutlichen diese Problematik. Mehrfach werden fehlende Transparenz, willkürliche Entscheidungen und Angst vor Benachteiligung erwähnt. Einzelne Aussagen weisen sogar auf diskriminierendes Verhalten und unprofessionellen Umgang hin. Gleichzeitig zeigt die Umfrage aber auch, dass zahlreiche Schulen bereits heute eine wertschätzende und unterstützende Führungskultur pflegen. Insgesamt liefert die Umfrage somit wichtige Hinweise darauf, in welchen Bereichen Handlungsbedarf besteht und welche Schulen als positive Beispiele dienen können.
Lena Bubendorf und Charlotte Höhmann
Vorstand Starke Schule beider Basel

Eine Antwort
Nach Durchsicht der Tabellen ist für mich klar, dass Führung bei fast allen Schulen wesentlich verbessert werden kann und muss. Was trägt die PH bei der Ausbildung dazu bei? Oder was tut die BKSD zur weiteren Ausbildung oder sind in beiden Organisationen eben auch zu viele MitarbeiterInnen, die Führen offensichtlich nie gelernt haben? Ich hoffe, der neue Regierungsrat nimmt sich der Sache konsequent an.