Die bz berichtet über die Kritik am Bericht Sprachenkonzept
Derzeit gibt es um den Bericht zur Standortbestimmung des Sprachenkonzepts grosse Disskusionen. Die Starke Schule beider Basel (SSbB) hat mit einem kritischen Artikel dazu Stellung bezogen. Der bz Journalist Luis von Gunten führte ein Interview mit Charlotte Höhmann. Daraus entstand ein spannender Text, welcher die wichtigsten Kritikpunkte über den Standortbericht zusammenfasst. Dabei wird deutlich, dass viele der vorgeschlagenen Lösungen, wie mehr Austauschprogramme oder Immersionsunterricht, in der Praxis an fehlenden Ressourcen und organisatorischen Einschränkungen scheitern.
Der Artikel im Wortlaut (Quelle: bz – die Zeitung für die Region Basel, vom 22.4.2026)
Wegen Französisch in der Bredouille
Der neue Baselbieter Bildungsdirektor Markus Eigenmann steht bereits in der Kritik wegen der Schulsprachpolitik. Das Thema ist emotional und bewegt die ganze Schweiz. Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider bezeichnete es als «Affront», weil es in einigen Kantonen schon beschlossen ist: Die Abschaffung des Frühfranzösisch. Das Fremdsprachenkonzept an der Volksschule ist auch im Baselbiet umstritten. Von der Wahl Markus Eigenmanns zum neuen Bildungsdirektor haben sich einige erhofft, er möge die Abschaffung des Frühfranzösisch vorantreiben. Nach dessen 100-Tage-Medienkonferenz ist die Hoffnung jedoch der Kritik gewichen.
Gegen Frühfranzösisch im Wahlkampf
Noch im Wahlkampf hätte Eigenmann starke Signale gegen das Frühfranzösisch gesendet, sagt Charlotte Höhmann, Vorstandsmitglied im Verein «Starke Schulen beider Basel». Für sie sei klar gewesen, dass Eigenmann das Französisch ab der 3. Klasse abschaffen wolle und für einen Start ab der Sekundarstufe offen sei. Dahingehend hatte sich Eigenmann auch im Wahlkampf im vergangenen Herbst geäussert. Die Ziele des Sprachkonzepts würden klar nicht erreicht und es brauche Änderungen: «Ob das eine komplette Abschaffung des Französischunterrichts auf der Primarstufe oder ein späterer Beginn mit mehr Wochenlektionen sein wird, ist für mich noch offen.«, zitierte Keystone-SDA den Freisinnigen.
An der Medienkonferenz vor Wochenfrist zu seinen ersten 100 Tagen im Amt hat Eigenmann sein Regierungsprogramm vorgelegt. Eines von drei Hauptanliegen ist eine bessere Fremdsprachenkompetenz in der Volksschule. In Bezug auf Frühfranzösisch äussert sich Eigenmann nun vorsichtiger: Der Startzeitpunkt sei nicht entscheidend, sondern nur ein Faktor unter vielen. Die Diskussion darauf zu reduzieren wäre falsch, sagte Eigenmann an der Medienkonferenz. Und: «Ein Verbleib im Harmos-Konkordat wird angestrebt». Darüber hinaus verweist Eigenmann auf den Bericht «Standortbestimmung Sprachenkonzept». Der Bericht wurde bereits Ende Dezember fertiggestellt, ist aber in voller Länge noch nicht öffentlich. Auch das sorgt für Kritik.
Bildungsdirektion hält Studie zurück
«Das ist eine andere Kommunikation als vor den Wahlen», sagt Charlotte Höhmann. Der Verein macht nun mit einem Gesuch Druck auf die Veröffentlichung des Berichts. «Offensichtlich enthält dieser Inhalte, die für die Verantwortlichen politisch oder administrativ heikel sind und daher nur zögerlich publik gemacht werden sollen.», mutmasst Höhmann. Dem Verein liegt aber die Kurzfassung des Berichts vor. Auf dessen Basis hat «Starke Schule» Kritik formuliert.
«Der Bericht zeigt zwar die Probleme auf, schlägt jedoch Massnahmen vor, die nicht umsetzbar und völlig realitätsfremd sind.», bemängelt Höhmann. So fordere der Bericht etwa, dass Austauschprogramme zwischen deutsch- und französischsprachigen Klassen ausgebaut und obligatorisch werden sollen. Das klinge plausibel, scheitere aber in der Praxis daran, dass es deutlich weniger französisch- als deutschsprachige Partnerklassen gebe.
Auch die Forderung nach mehr Immersionsuntericht, also dass Sachfächer wie Geschichte oder auch Sport in einer Fremdsprache unterrichtet werden, sei zwar auf dem Papier wirksam. Aber das setzte eine so hohe Sprachkompetenz der Lehrpersonen voraus, wie das bei vielen nicht der Fall sei. Eine Diskrepanz zwischen Wunsch und Realität zeige sich auch im Vorschlag, mehr Halbklassenunterricht einzuführen. Das sei zwar sinnvoll, aber schon heute fehle es in der Primarschule an qualifiziertem Lehrpersonal und finanziellen Mitteln, um das umzusetzen.
Die Erkenntnisse des Berichts müssten in eine andere Richtung führen, ist Höhmann überzeugt: «Es ist überfällig, dass die Reissleine gezogen und das Fremdsprachenkonzept grundlegend korrigiert wird. Das bedeutet: Nur noch eine Fremdsprache ab der fünften Primarklasse.» Der Verein kritisiert seit längerem den frühen Sprachunterricht und hat letzten Oktober eine kantonale Initiative lanciert. Diese fordert, dass Englisch ab der 5. Klasse und Französisch erst ab der Sekundarstufe unterrichtet wird.
Grosser Handlungsbedarf
Der Artikel verdeutlicht, wie gross der Handlungsbedarf im aktuellen Fremdsprachenkonzept der Primarschulen ist und dass die bestehenden Konzepte angepasst werden müssen. Zwar wirken die vorgeschlagenen Massnahmen sinnvoll, doch in der Praxis sind sie praktisch nicht umsetzbar und komplett realitätsfremd. Man sollte einen anderen Ansatz wählen und den Fremdsprachenunterricht erst ab der fünften Primarklasse beginnen. Die bisherigen Ergebnisse mit dem Frühfranzösisch gelten als unbefriedigend und die Belastung für die Schülerinnen und Schüler als zu hoch.
Charlotte Bally
Sekretariat Starke Schule beider Basel
