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Bildungsexperten schlagen Alarm: Schweizer Schulen zunehmend unter Druck

Bildungsexperten schlagen Alarm: Schweizer Schulen zunehmend unter Druck

Wendepunkt Bildung nennen sie sich: Dr. phil. Carl Bossard, Yasmine Bourgeois, Dr. phil. Beat Kissling, Prof. Dr. phil. Allan Guggenbühl, Philipp Loretz, Res Schmid, Christine Staehelin M.A. und Roland Stark. Die parteiübergreifende Gruppe bestehend aus Politiker/-innen und Bildungsexpertinnen und -experten stellte an ihrer Medienkonferenz vom vergangenen Montag ein Manifest zum kritischen Zustand und zu den Perspektiven unseres Bildungswesens vor. Kernthemen sind beispielsweise das Fremdsprachenkonzept, die Ausbildung der Lehrpersonen und die integrative Beschulung.

Die Medienmitteilung von Wendepunkt Bildung

«Wendepunkt Bildung – Mut zur Kurskorrektur! Nach Jahrzehnten voller Grossreformen befindet sich das Schweizer Bildungssystem in einer Krise. Das Leistungsniveau sinkt, es fehlt an qualifiziertem Personal, die Schulen sind auf verschiedenen Ebenen überlastet. Nötig ist ein sachlicher und ehrlicher Diskurs mit dem Ziel, die hohe Qualität der hiesigen Schulbildung zurückzugewinnen. Zu diesem Zweck müssen wir hinschauen, benennen und handeln – prinzipienorientiert und faktenbasiert. Zudem muss das verbreitete pädagogische Wunschdenken konsequent durch Realitätssinn ersetzt werden.

Verantwortung gegenüber den Kindern: Jedes Kind geht nur einmal zur Schule. Diese Jahre sind kein Probelauf. Bildungswirksamkeit ist keine technische Frage, sondern eine Frage der Verantwortung – gegenüber der nächsten Generation. Sie entsteht nicht durch Programme oder Schlagworte. Sie entsteht im Klassenzimmer: durch fachlich kompetente und pädagogisch wirksame Lehrpersonen, durch Klarheit im Aufbau, durch systematisches Üben, durch Beziehung und Anspruch. Am Ende geht es nicht um Strukturen. Es geht um die Chancen und die Zukunft der Kinder und Jugendlichen. Dafür tragen wir Verantwortung.

Stärkung der Lehrpersonen: Lehrpersonen stehen für Inhalte ein. Es ist ihre Aufgabe, Kultur und Tradition weiterzugeben, damit Neues entstehen kann. Dies erfordert neben dem Wissen vor allem pädagogische sowie methodisch-didaktische Fähigkeiten. Wo die Lehrperson verschwindet, verliert die Schule ihr Zentrum. Bildung braucht Personen, die für die Sache einstehen, Verantwortung übernehmen und Orientierung geben. Soll Schule mehr sein als Informationsverwaltung, muss die Lehrperson wieder sichtbar, hörbar und wirksam werden – damit die Schülerinnen und Schüler nicht allein gelassen werden.

Praxisnahe Ausbildung: Die Lehrerbildung ist akademischer geworden. Doch Akademisierung allein ersetzt keine Klassenzimmererfahrung. Sinkende Leistungen lassen sich nicht mit neuen Masterplänen beantworten. Pädagogische Hochschulen müssen sich an ihrer Wirkung messen lassen: praxisnah, evidenzorientiert und rückgebunden an die Erfahrung des Unterrichts. Die Ausbildungsinhalte der PHs bedürfen einer kritischen Überprüfung.

Weniger ist mehr – hinsichtlich Beziehungen: Heute begegnen Schülerinnen und Schüler einer Vielzahl – oft wechselnder – Bezugspersonen: Neben Lehrpersonen treten Sozialpädagoginnen, Klassenassistenzen, Schulpsychologen, Logopädinnen und weitere Fachkräfte auf. Die Integrative Schule verstärkt diese Entwicklung. Aber je mehr Erwachsene im System präsent sind, desto di^user wird die Beziehung zur verantwortlichen Klassenlehrperson. Eine stabile Bindung – zentrale Voraussetzung für erfolgreiches Lernen – wird dadurch geschwächt.

Weniger ist mehr – hinsichtlich Inhalte: Lehrpläne und Stundentafeln der Volksschulen wurden überfrachtet. Die Folgen sind Überlastung und Verzettelung. Es braucht einen klaren Fokus auf Lesen und Schreiben in der Erstsprache Deutsch sowie Rechnen. Das bestehende Fremdsprachenkonzept funktioniert nicht und muss neu geregelt werden.

Führung statt Verwaltung – Schulleitungen entlasten: Schulleitungen sollen führen, nicht verwalten. Stattdessen frisst ein endloses Karussell aus Berichten, Konzeptpapieren und Schulentwicklungsprojekten ihre Zeit. Schulprogramme werden aktualisiert, nicht weil es nötig wäre, sondern weil das Dokument Punkte braucht – präsentiert an aufwändigen Sitzungen ohne erkennbaren Nutzen. Wer permanent an der Schule arbeitet, arbeitet irgendwann nicht mehr für die Schule.»

Unmissverständliche Worte, jetzt braucht es Taten

Die Starke Schule beider Basel (SSbB) begrüsst die unmissverständliche Position dieser renommierten Bildungsfachpersonen. Die Vielzahl an Reformen hat die Volksschulen wie auch die weiterführenden Schulen nicht gestärkt, sondern zunehmend in eine Abwärtsspirale geführt, mit spürbaren Folgen für Leistungsniveau, Unterrichtsqualität und Arbeitsbelastung. Eine Kurskorrektur ist überfällig. Sie wird jedoch nicht ohne Widerstand bleiben. Besonders bei denjenigen Verwaltungsangestellten, welche verantwortlich für die bisherige Entwicklungen waren, dürfte ein Umdenken schwerfallen. Gerade deshalb ist jetzt Entschlossenheit gefragt, im Interesse der Schüler/-innen.

In den kommenden Tagen wird die SSbB die Statements sämtlicher Mitglieder von Wendepunkt Bildung zur Pressekonferenz auf ihrer Website veröffentlichen und damit die Debatte weiter vertiefen.

Lena Bubendorf
Vorstand Starke Schule beider Basel

Eine Antwort

  1. Danilo S. Dengler sagt:

    Fast alle Anregungen und Forderungen der Bildungsexperten sind zu unterstützen ‒ mit einer wichtigen Ausnahme: Die Empfehlung «Schulleitungen sollen führen, nicht verwalten» ist entschieden abzulehnen! Wenn Schulleitungen führen sollen, läuft das in den meisten Fällen auf bevormunden hinaus. Lehrpersonen brauchen keine Bevormundung, sondern einen Rahmen, der ihnen administrativ den Rücken freihält und ihnen so ermöglicht ihre pädogogischen Ideen im Klassenzimmer zu verwirklichen. Deshalb: Schulleiter sollen ERMÖGLICHEN, nicht führen und bevormunden! Sehr viele Lehrpersonen sind in den Bereichen Pädagogik, Methodik und Didaktik, nur schon kraft ihrer täglichen Erfahrung, wesentlich kompetenter als ihre Schulleiter.

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