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Interface-Studie zu Frühfranzösisch: Gefälligkeitsbericht?

Interface-Studie zu Frühfranzösisch: Gefälligkeitsbericht?

Der Bericht „Standortbestimmung Fremdsprachenkonzept“ sorgt im Baselbiet für anhaltende Diskussionen. Besonders kritisch wird die Wahl des beauftragten Forschungsbüros Interface hinterfragt. Statt einem universitären Fachinstitut wurde einem privaten Evaluationsunternehmen den Untersuchungsauftrag vergeben. Dies wirft grundsätzliche Fragen zur Unabhängigkeit der Untersuchung und zur Aussagekraft der Ergebnisse auf.

Die Starke Schule beider Basel (SSbB) stellt im Zusammenhang mit dem Bericht „Standortbestimmung Frühfranzösisch“ eine zentrale Frage: Warum wurde diese Studie nicht von einem universitären Institut wie dem Institut für Mehrsprachigkeit der Universität Freiburg durchgeführt?

Zwei unterschiedliche Möglichkeiten Forschung zu betreiben

Interface ist ein privates Forschungs- und Beratungsunternehmen, das im Auftrag von Bund, Kantonen und anderen Institutionen arbeitet und Studien sowie Evaluationen erstellt, die direkt in politische Entscheidungsprozesse einfliessen. Die Fragestellungen werden dabei in enger Abstimmung mit den Auftraggebern festgelegt, wodurch diese bereits früh Einfluss darauf haben, welche Aspekte untersucht werden und wie der Rahmen der Studie gesetzt wird. Demgegenüber steht das Institut für Mehrsprachigkeit der Universität Freiburg. Als Teil einer öffentlichen Universität arbeitet es wesentlich unabhängiger von konkreten politischen Aufträgen.

Diese Unterschiede sind zentral, weil sie zeigen, dass es nicht nur um zwei Organisationen geht, sondern um zwei unterschiedliche Arten, wie Forschung betrieben wird. Forschung im Auftrag ist eng an politische Bedürfnisse gebunden und darauf ausgerichtet, Entscheidungsgrundlagen zu liefern. Universitäre Forschung arbeitet stärker unabhängig und ist in erster Linie darauf ausgerichtet, neues Wissen zu erarbeiten.

Die entscheidende Frage nach dem Einfluss

Die Kritik richtet sich weniger gegen einzelne Resultate der Studie, sondern gegen die Bedingungen, unter denen sie entstanden ist. Bei einer Auftragsstudie werden nicht nur Daten erhoben und ausgewertet, sondern bereits im Voraus festgelegt, welche Fragen gestellt werden und welche Kriterien im Zentrum stehen. Dadurch wird der Rahmen der Untersuchung wesentlich durch den Auftraggeber mitbestimmt.

Interface versichert zwar methodische Sorgfalt und transparente Arbeitsweise. Dennoch bleibt bestehen, dass der Bericht im Auftrag einer politischen Behörde entstanden ist. Diese strukturelle Nähe zum Auftraggeber kann dazu führen, dass bestimmte Themen stärker gewichtet werden, während andere weniger sichtbar bleiben oder gar nicht erst in den Fokus rücken.

Gerade in der Bildungspolitik ist das von grosser Bedeutung, weil solche Studien häufig die Grundlage für weitreichende Entscheide bilden, die Schüler/-innen, Lehrpersonen und Schulen direkt betreffen.

Offene Frage zur Wahl der Forschungsinstitution

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob der Bericht „Standortbestimmung Fremdsprachenkonzept“ unter der Leitung eines universitären Instituts anders ausgefallen wäre. Ein Fachinstitut wie jenes der Universität Freiburg arbeitet weniger direkt im Auftrag der Politik und kann seine Forschung stärker an wissenschaftlichen Fragestellungen ausrichten, ohne dass politische Erwartungen den Rahmen im Vorhinein definieren.

Die eigentliche Diskussion betrifft damit nicht nur den Inhalt der Studie, sondern auch die Wahl der Institution, die sie getroffen hat. Diese Entscheidung ist nicht rein technisch, sondern hat Auswirkungen darauf, aus welcher Perspektive ein Thema analysiert wird und welche Aspekte dabei sichtbar werden.

Charlotte Bally
Sekretariat Starke Schule beider Basel

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