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2’529 Unterschriften für «Keine digitalen Geräte in den ersten vier Primarschuljahren» eingereicht

2’529 Unterschriften für «Keine digitalen Geräte in den ersten vier Primarschuljahren» eingereicht

Die kantonale Volksinitiative «Keine digitalen Geräte in den ersten vier Primarschuljahren» ist eingereicht. Heute Dienstag wurden vor dem Regierungsgebäude in Liestal 2’529 Unterschriften an den 2. Landschreiber übergeben. Damit ist ein wichtiger Schritt erreicht: Das Anliegen wird nun offiziell geprüft und das politische Verfahren nimmt seinen Lauf.

Die Initiative verlangt, dass der Unterricht in den ersten vier Primarschuljahren ohne digitale Geräte wie Tablets, Computer oder Handys stattfindet. Ab der 5. Klasse können schuleigene Geräte weiterhin gezielt in einzelnen Unterrichtsstunden eingesetzt werden. Dabei geht es ausdrücklich nicht um persönliche Geräte: Die Tablets oder Computer bleiben in der Schule und werden von den Lehrpersonen gezielt eingesetzt und für bestimmte Lektionen verteilt.

Digitale Bildung ja, aber zum richtigen Zeitpunkt

Die Initiative richtet sich nicht gegen digitale Bildung. Im Zentrum steht vielmehr die Frage, wann der richtige Zeitpunkt für den Einsatz digitaler Geräte im Unterricht ist.

v.l.n.r. Nic Kaufmann (Zweiter Landschreiber), Charlotte Bally, Aleyna Kara, Lavinia Beck, Charlotte Höhmann (alle SSbB)
Foto: Daniel Wahl, Lehrernetzwerk Schweiz

In den ersten vier Primarschuljahren sollen Lesen, Schreiben und Rechnen sowie die Entwicklung von Sprache, Konzentrationsfähigkeit, Feinmotorik und sozialen Kompetenzen im Vordergrund stehen. Diese grundlegenden Fähigkeiten werden durch persönliche Interaktion, Bewegung und analoge Lernformen in diesem jungen Alter besonders gut gefördert.

Digitale Kompetenzen sind heute unverzichtbar. Kinder und Jugendliche sollen lernen, digitale Geräte verantwortungsvoll zu nutzen und gleichzeitig lernen, Risiken und Gefahren einzuschätzen. Dafür ist der Einsatz von Tablets oder Computern in den ersten vier Primarschuljahren aus Sicht der Starken Schule beider Basel (SSbB) zu früh. Kinder lernen den Umgang mit digitalen Geräten später schneller. Ein späterer Einstieg bedeutet deshalb keinen pädagogischen Nachteil. Ab der 5. Klasse können digitale Geräte gezielt und altersgerecht eingesetzt werden.

Die Schule soll ein Gegengewicht bieten

Digitale Geräte gehören für viele Kinder und Jugendliche bereits selbstverständlich zum Alltag. Hohe Bildschirmzeiten und enormer Konsum sind weit verbreitet. Umso wichtiger ist es, dass die Schule nicht zusätzlich dazu beiträgt, die Bildschirmzeit unnötig zu erhöhen. Besonders die Primarschule soll ein Ort sein, an dem die Kinder noch ohne Bildschirm lernen, spielen, sich bewegen und miteinander kommunizieren.

Während den Unterschriftensammlungen in Allschwil und Liestal führte Aleyna Kara (Sekretariatsmitarbeiterin der SSbB) zahlreiche Gespräche mit Eltern schulpflichtiger Kinder. Dabei ist immer wieder die Sorge geäussert worden, dass digitale Geräte in der Schule den Druck auf die Eltern zusätzlich erhöhen könnten, wenn es darum geht, die Bildschirmzeit ihrer Kinder zu begrenzen. Aleyna Kara: «Eindrückliche Reaktionen auf der Strasse»

Charlotte Höhmann (Vorstandsmitglied der SSbB) erläutert in ihrem Statement ausführlich, weshalb aus Sicht der SSbB digitale Kompetenzen zwar wichtig sind, der Einsatz digitaler Geräte in den ersten vier Primarschuljahren jedoch nicht notwendig und pädagogisch nicht sinnvoll ist. Charlotte Höhmann: «Digitale Bildung ja, aber zum richtigen Zeitpunkt»

Initiative ist ein klares Zeichen

Mit 2’529 Unterschriften wurde die notwendige Zahl von 1’500 Unterschriften deutlich überschritten. Die zahlreichen Gespräche während der Unterschriftensammlung haben gezeigt, dass die Frage nach dem richtigen Umgang mit digitalen Geräten in der Primarschule viele Menschen beschäftigt, darunter auch zahlreiche Eltern schulpflichtiger Kinder. Mit der Einreichung beginnt nun die nächste Phase. Die kantonalen Behörden werden die Initiative prüfen; anschliessend wird das politische Verfahren weitergeführt.

Wir bedanken uns bei allen, die die Initiative mit ihrer Unterschrift unterstützt und damit dazu beigetragen haben, dass dieses Anliegen im Kanton Basel-Landschaft politisch weiterverfolgt werden kann.

Lavinia Beck
Vorstand Starke Schule beider Basel

4 Antworten

  1. Rentsch Marielouise sagt:

    Es ist erfreulich, dass diese Initiative zustandegekommen ist. Das ist nicht selbstverständlich. Es geht zwar um den Schutz der Primarschüler vor digitalen Gefahren, doch die Eltern sind diesbezüglich oft verunsichert. Sie wollen nur das Beste für ihre Kinder und kein Hemmschuh für die Schulbildung sein. Wir wissen, dass die Generationen vor der Digitalisierung hervorragende soziale und kreative Leistungen entwickelten, die heute teilweise bei den Schülern nicht mehr vorhanden sind. Ob wir die Digitalisierung und deren negativen Auswirkungen auf Kinder mit dieser Initiative wirklich stoppen können, sei dahingestellt, Schaden tut dieser Zwischenstopp sicher nicht.

  2. Kathrin Zimmermann sagt:

    Rückbesinnung aufs Wesentliche: der Bildschirm-Verzicht in den ersten Schuljahren ergibt Sinn
    Die Forderung, in den ersten vier Jahren der Primarschule auf digitale Geräte zu verzichten, trifft den Kern einer zentralen Bildungsfrage: Was brauchen Kinder in den ersten Schuljahren wirklich?
    In den Klassen 1 bis 4 geht es um die Fundamente des Lernens: flüssiges Lesen, das Schreiben von Hand, mathematisches Verständnis und das Erlernen sozialer Dynamiken im Raum. Neurowissenschaftliche Erkenntnisse betonen immer wieder die Bedeutung der Haptik und der Feinmotorik für das Gehirn. Das physische Schreiben mit dem Stift auf Papier aktiviert andere, tiefere kognitive Prozesse als das Tippen oder Wischen auf einem Touchscreen. Wer diese Grundlagen zu früh durch digitale Medien ersetzt, baut ein Haus auf wackeligem Fundament.
    Der häufig vorgebrachte Einwand, Kinder müssten möglichst früh auf die «digitale Realität» vorbereitet werden, greift zu kurz. Echte Medienkompetenz bedeutet nicht, bereits mit sechs Jahren Apps bedienen zu können – das erlernen Kinder meist innerhalb kürzester Zeit intuitiv. Medienkompetenz erfordert kritisches Denken, Konzentrationsfähigkeit und Reflexion. Diese Fähigkeiten entwickeln sich erst mit zunehmender Reife. Ein Start mit digitalen Arbeitsgeräten ab der 5. Klasse ist völlig ausreichend, um technische Fertigkeiten fundiert zu vermitteln.
    Ziel ist es, einen altersgerechten Schutzraum für die jüngsten Lernenden zu erhalten. Ein analoger Grundschulunterricht ist kein Rückschritt, sondern eine Investition in die Konzentrations- und Wahrnehmungsfähigkeit von Kindern.

  3. Paul Hofer sagt:

    Starke Schule beider Basel: Das ist sehr stark – gut gemacht. Während andere davon reden …»man müsste, man sollte» … nimmt die Starke Schule beider Basel das Problem an die Hand. So müssen Regierungsrat und der Landrat Stellung beziehen. Am Schluss wird das Volk die Entscheidung treffen. Das ist schweizerische Demokratie «wie sie lebt!» – nochmals Bravo.
    Diese Initiative hat mit Parteipolitik nichts zu tun, sondern damit, ob wir die bestmöglichen Voraussetzungen für eine starke Schule schaffen, und damit die Grundlage schaffen, eine sehr gute Ausbildung zu ermöglichen, was letztlich uns allen dient.

  4. Daniel Vuilliomenet sagt:

    Herzliche Gratulation!
    Das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Der Technik-Hype hat nie das gehalten, was versprochen wurde. Im Gegenteil. In einem gewissen Sinn nun also zurück zu Pestalozzi: Kopf, Herz und Hand.

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