BaslerZeitung berichtet ausführlich über die Umfrage der SSbB zu den Schulleitungen
Vor wenigen Tagen hat die Starke Schule beider Basel (SSbB) einen spannenden Artikel zu den Umfrageergebnissen bezüglich den Schulleitungen der Primarstufe und den beiden Sekundarstufen 1 und 2 publiziert. Befragt wurden die Lehrpersonen zu den Erfahrungen, welche sie mit ihren Schulleitungen bezüglich Respekt, Gleichbehandlung, Vertrauen, Unterstützung und Kritikfähigkeit gemacht haben. Die Umfrageergebnisse legen teilweise bedenkliche Zustände offen, wobei die Unterschiede zwischen den einzelnen Schulen sehr gross sind.
Der Verband der Schulleiterinnen und Schulleiter kritisiert die Umfrageergbenisse heftig. Die pauschale Kritik ist wenig überzeugend und folgt einem bekannten Muster: Ergebnisse, die unangenehm sind oder Missstände sichtbar machen, werden reflexartig als unseriös oder irrelevant eingeordnet, statt sich konkret mit den Aussagen der Lehrpersonen auseinanderzusetzen. Gleichzeitig werden interne Ergebnisse mit positiven Resultaten hervorgehoben, während kritische Studien oftmals unter Verschluss bleiben. Ein Beispiel dafür ist die Standortbestimmung zum Fremdsprachenkonzept, deren Veröffentlichung erst nach massivem öffentlichem Druck erfolgt ist. Dieses Vorgehen zeigt, dass nicht die Qualität der Daten im Zentrum steht, sondern die Frage, ob die Resultate politisch erwünscht sind. Unsere Umfrage gibt den betroffenen Lehrpersonen eine Stimme und genau das scheint gewissen Kreisen ein Dorn im Auge zu sein.
Der BaZ Journalist Lukas Hausendorf hat einen ausführlichen Bericht zu den Umfrageergebnissen geschrieben. Dieser ist online sowie in der Printausgabe vom 04. Juni 2026 zu finden.
Der vollständige BaZ-Artikel im Wortlaut
«Gemäss einer Umfrage bei über 1100 Lehrpersonen beider Basel haben einzelne Schulen gravierende Probleme mit ihrer Führungskultur. Es gibt aber auch Zweifel an der Aussagekraft der Umfrage.

Maturfeier am Gymnasium Münsterplatz: In einer Befragung der Starken Schule beider Basel erhielt die Schulleitung dieses Gymnasiums schlechte Noten.
Eine Umfrage des Vereins Starke Schule beider Basel zur Zufriedenheit mit Schulleitungen bei Lehrpersonen in beiden Basel gibt derzeit zu reden. Die Umfrage, an der 1176 Lehrerinnen und Lehrer teilgenommen haben, stellt den Schulleitungen ein teilweise schlechtes Zeugnis aus in Bezug auf Vertrauen, Umgang mit Kritik und Unterstützung. Die Starke Schule beider Basel spricht von «bedenklichen Zuständen» an einzelnen Schulen, wobei die Unterschiede sehr gross sind.
Die Umfrage wurde vom Verband der Schulleitungen Basel-Landschaft (VSLBL) umgehend als reisserisch, unseriös, einseitig und irrelevant zurückgewiesen. So wird kritisiert, dass nur gerade 12 Prozent der rund 9500 Lehrpersonen, die in beiden Basel arbeiten, teilgenommen hätten. Davon habe sich nur eine Minderheit negativ geäussert. Demgegenüber spreche eine anonym durchgeführte repräsentative Mitarbeitendenbefragung aus dem Jahr 2025 eine «ganz andere Sprache». Diese zeige eine hohe Arbeitszufriedenheit und stelle den Schulleitungen ein gutes Zeugnis aus.
Lehrpersonen berichten von «Angstklima, Druck und Mobbing»
Insgesamt schneiden die Baselbieter Schulen besser ab als in Basel-Stadt. Dort geben 42,3 Prozent der Befragten an, dass sie negative Konsequenzen fürchten, wenn sie Kritik an Schulleitungsmitgliedern äussern. Das sei problematisch, so die SSbB. Wo das Äussern von Kritik als unerwünscht wahrgenommen werde und sogar zu Benachteiligungen durch die Schulleitung führen könne, verlören die Schulen an Glaubwürdigkeit bei der Vermittlung genau dieser Werte.
Viele Lehrpersonen berichten gegenüber der Starken Schule davon, dass sie sich von der Schulleitung allein gelassen fühlen würden. «Immer wieder werden sogar die Begriffe Angstklima, Druck und Mobbing verwendet», heisst es im Bericht der SSbB. Weitere Kritikpunkte seien das Machtgefälle, Ungleichbehandlung und mangelnde Kritikfähigkeit. «Oft wird erwähnt, dass kritische Lehrpersonen benachteiligt oder eingeschüchtert würden.»
Demgegenüber scheint es um das allgemeine Vertrauen in die Schulleitungen deutlich besser zu stehen, dieses ist bei fast 70 Prozent der Befragten in Basel-Stadt intakt, im Baselbiet sind es gar über 76 Prozent.
Erziehungsdepartement Basel-Stadt kommentiert Ranking nicht
In einem zweiten Schritt veröffentlichte die SSbB am Donnerstag Ergebnisse auf einzelne Gymnasien heruntergebrochen, an denen jeweils mehr als zehn Lehrpersonen teilgenommen haben. Insgesamt wurden die Antworten von 195 Teilnehmenden ausgewertet. Hier zeigt sich ein grosses Gefälle. Klassenbeste sind die Gymnasien Muttenz und Leonhard, die ihren Schulleitungen ein sehr gutes Zeugnis ausstellen. Am anderen Ende der Skala stehen die Basler Gymnasien Bäumlihof und Münsterplatz sowie das Gymnasium Münchenstein im Kanton Baselland.
Ein Beispiel: Nur gerade 18,8 Prozent der Befragten am Gymnasium Bäumlihof geben an, dass sie Kritik an der Schulleitung ohne negative Konsequenzen äussern können.
Es gibt aber gute Gründe für Vorbehalte gegenüber der Umfrage. So sagt etwa Jean-Michel Héritier, der Präsident der Freiwilligen Schulsynode Basel-Stadt, dass es zwar einzelne Schulstandorte gebe mit «zahlreichen Konflikten» zwischen der Schulleitung und dem angestellten Personal, die Gymnasien Bäumlihof und Münsterplatz aber nicht mit den aktuellen Beratungszahlen der FSS übereinstimmen würden.
«Aus den allermeisten Schulstandorten in Basel-Stadt werden vonseiten der FSS-Mitglieder keine Mängel bei der Führungsqualität beanstandet», sagt Héritier weiter. Die von der Starken Schule beider Basel erhobenen Umfragewerte würden auch nicht die langjährig vom Erziehungsdepartement erhobenen Daten spiegeln. Die Freiwillige Schulsynode ist die unabhängige Interessenvertretung des basel-städtischen Lehrpersonals und zählt mehr als 3000 aktive Mitglieder.
Das Basler Erziehungsdepartement nimmt die Resultate «zur Kenntnis» und kommentiert diese nicht. Allgemein hält das ED in seiner Stellungnahme fest, dass Schulen und Departement über etablierte Instrumente zur Qualitätssicherung und -entwicklung verfügten. Lehrkräfte hätten verschiedenen Möglichkeiten, Anliegen einzubringen, auch über die Schulkonferenz, die Personalvertretung oder Ombudsstelle des Kantons.
Baselland: LVB schlichtet viele Konflikte
Etwas anders präsentiert sich das Bild im Baselbiet. «Nach unserer Wahrnehmung gibt es gewisse Probleme im Bereich Schulführung, das muss man schon ernst nehmen», sagt Philipp Loretz, Präsident des Lehrerinnen- und Lehrervereins Baselland (LVB), der die SSbB-Umfrage auch zur Kenntnis genommen hat. Der VSLBL mache es sich zu einfach, wenn er die Ergebnisse so pauschal zurückweise. «Die LVB-Abteilung Beratung und Recht bei uns ist sehr gut ausgelastet, um nicht zu sagen überlastet», sagt Loretz. Der LVB benötige viele Ressourcen zur Schlichtung von Konflikten zwischen Schulleitungen und Lehrpersonal.
Seit der Einführung der teilautonomen Schulen hätten Schulleitungen weitreichende Befugnisse, mit denen sie vorsichtig umgehen müssten. Durch die Hierarchisierung gebe es in den Schulen ein steiles Machtgefälle. Gleichzeitig anerkennt Loretz auch, dass der Schulleitungsjob sehr anspruchsvoll ist. «Und es ist mir wichtig, zu betonen, dass wir auch viele ausserordentlich gute Schulleitungen im Kanton haben.»
Die Baselbieter Bildungsdirektion hat eine Anfrage dieser Redaktion nicht beantwortet und war am Donnerstagnachmittag auch nicht mehr erreichbar. Gegenüber der Starken Schule beider Basel teilte sie mit, die Resultate der Umfrage zur Kenntnis genommen zu haben, und verwies weiter auf die eingangs zitierte Mitarbeitendenbefragung aus dem Jahr 2025. Dabei sei insbesondere das Vertrauen in die Schulleitungen sowie die Qualität der Zusammenarbeit von den Mitarbeitenden gut bewertet worden.»
Klare Position der Starken Schule beider Basel
Der Bericht bestätigt die bestehnde Krise der Verhältnisse zwischen den Lehrpesonen und Schulleitung in den beiden Balser Halbkantonen. Die Führungskulturen an den einzelnen Gymnasien sind stark unterschiedlich. Während es einigen Schulleitungen gelingt, ein Klima von Vertrauen, Respekt und Offenheit zu schaffen, weisen andere Schulen in mehreren zentralen Bereichen alarmierend tiefe Werte auf. Die SSbB erachtet konkrete Massnahmen an den betreffenden Gymnasien als zwingend erforderlich.
Ausserdem ist es entscheidend zu bedenken, dass ein belastendes Arbeitsklima, fehlendes Vertrauen und eine geringe Kritikfähigkeit der Schulleitung die pädagogische Arbeit im Schulzimmer erschweren können und damit möglicherweise indirekt auch den Lernerfolg der Schüler/-innen.
Charlotte Höhmann
Vorstand Starke Schule beider Basel
