PISA 2025: Die Schule muss zurück zu den Grundlagen
Die Schweiz gehört bei PISA weiterhin zu den leistungsstärkeren Ländern. Doch dieser Befund darf nicht über den stetigen Abwärtstrend in Mathematik und Lesen hinwegtäuschen. Die neusten PISA-Ergebnissen liefern keinen Grund zur Selbstzufriedenheit, sondern Anlass, die Bildungspolitik der letzten zwei Jahrzehnte kritisch zu hinterfragen. Was läuft falsch? Und was muss sich ändern?
Die Zahlen sind ernüchternd
Die Entwicklung wird besonders deutlich, wenn nicht nur das aktuelle Ergebnis betrachtet wird, sondern die Schweizer PISA-Zeitreihe. Sie zeigt, dass die Leistungen nicht einfach von einem Jahr zum nächsten eingebrochen sind. Vielmehr zeichnet sich über längere Zeit ein Abwärtstrend ab. In Mathematik erreichte die Schweiz 2009 mit 534 Punkten ihren bisherigen Höchststand. Seither ging es mit wenigen Schwankungen nach unten. Beim Lesen ist der langfristige Verlauf weniger gleichmässig, doch auch hier wurde 2025 mit 470 Punkten der tiefste Wert seit Beginn der Messungen erreicht (siehe Grafik 1).

Seit 2013 verlor die Schweiz in Mathematik 32 Punkte, beim Lesen 29 Punkte. In Mathematik beträgt der Rückgang seit dem Höchststand von 2009 sogar 35 Punkte. Das ist kein Grund für Alarmismus, aber sehr wohl für eine politische Kurskorrektur.
Zu viel hineingepackt, zu wenig vertieft
Die PISA-Zahlen beweisen nicht, dass eine einzelne Schulreform den Rückgang verursacht hat. Sie werfen aber eine berechtigte politische Frage auf: Was hat sich in unserer Schule verändert, während die Leistungen zurückgingen?
In den vergangenen Jahren wurden der Schule immer mehr Aufgaben und Erwartungen aufgebürdet. Neue Kompetenzen, zusätzliche Lerninhalte und immer neue Unterrichtsformen kamen hinzu. Dabei ging der Blick auf das Wesentliche verloren. Denn bevor Schüler/-innen immer mehr lernen sollen, müssen sie das Wichtigste sicher beherrschen: Lesen, Schreiben und Rechnen. Diese elementaren Grundkompetenzen bilden das Fundament für jeden weiteren Lernerfolg. Wer sie nicht ausreichend beherrscht, hat auch bei späteren und anspruchsvolleren Lerninhalten deutlich schlechtere Voraussetzungen.
Die SSbB kritisiert seit Jahren die zunehmende Überfrachtung der Schule und fordert eine klare Rückbesinnung auf verbindliche Lernziele und grundlegende Kompetenzen. Schule kann nicht immer neue Aufgaben übernehmen, ohne dass darunter die Kernaufgabe des Unterrichts leidet. Die aktuellen PISA-Zahlen geben dieser Forderung zusätzliches Gewicht.
Selbstständigkeit braucht ein Fundament
Auch die Entwicklung hin zu selbstorganisiertem Lernen muss kritisch überprüft werden. Selbstständigkeit ist wichtig, doch sie setzt grundlegende Fähigkeiten voraus. Gerade leistungsschwächere Schüler/-innen brauchen klare Erklärungen, Anleitung, Übung und regelmässige Rückmeldungen. Wer Schwierigkeiten mit Lesen oder Mathematik hat, wird nicht automatisch erfolgreicher, wenn ihm mehr Verantwortung für den eigenen Lernprozess übertragen wird.
Dasselbe gilt für die integrative Schule. Integration kann sinnvoll sein, stösst aber dort an Grenzen, wo sehr unterschiedliche Leistungsniveaus, sprachliche Schwierigkeiten und zusätzlicher Förderbedarf gleichzeitig bewältigt werden müssen. Die Lehrperson muss genügend Zeit für guten Unterricht haben und darf nicht mit zu vielen zusätzlichen Aufgaben überbelastet werden.
Zurück zum Wesentlichen
Digitale Geräte sollen ab der Sekundarstufe ihren Platz im Unterricht haben. Sie dürfen aber nicht zum Selbstzweck werden. Gerade beim Lesen und Rechnen braucht es Konzentration, Ausdauer und viel Übung. Wenn digitale Angebote dazu führen, dass Schüler/-innen weniger lange bei einer Aufgabe bleiben oder sich leichter ablenken lassen, wird es problematisch. Deshalb muss die Schule genau hinschauen, welchen Nutzen digitale Mittel tatsächlich bringen. Nicht alles, was technisch möglich ist, verbessert auch den Lernerfolg.
PISA 2025 sollte deshalb nicht nur als Ranking verstanden werden, sondern auch als Warnsignal. Die Schweiz hat weiterhin ein gutes Bildungsniveau. Darauf dürfen wir uns aber nicht ausruhen. Wenn die Leistungen zurückgehen, müssen wir genauer hinschauen und handeln.
Es braucht eine Schule, die wieder stärker auf das Wesentliche setzt: Lesen, Schreiben, Rechnen, klare Lernziele, fachlich ruhigen und fundierten Unterricht und genügend Zeit zum Üben. Die Politik sollte den Mut haben, bisherige Reformen zu überprüfen, auch wenn sie einst mit grossen Erwartungen eingeführt wurden.
Lena Bucher
Vorstand Starke Schule beider Basel
Quellen
[1] https://www.oecd.org/de/publications/2026/09/pisa-2025-results-volume-i_5265bfb1/full-report.html
[2] https://www.oecd.org/en/publications/pisa-2022-results-volume-i_53f23881-en/full-report/overview-of-performance-trends_ae540546.html
