Einführung einer Prüfung für den Übertritt ans Gymnasium
Die Starke Schule beider Basel hat sich kürzlich als Befürworterin einer Prüfung geoutet für den Übertritt von der Sekundarschule ins Gymnasium – in Kombination mit Zeugnisnoten. Ist das eine gute Idee – was spricht dafür, was dagegen? Eine Stellungnahme.
Es soll bleiben, wie es ist
In Zürich herrscht mindestens ein halbes Jahr vor dem Stattfinden der Gymiprüfungen schulischer Alarm für die meisten, die den ersehnten Wechsel von der Primarschule (nach der sechsten Klasse) ans Langzeit- oder von der Sekundarschule ans Kurzzeitgymnasium in Betracht ziehen. Die Bücher der Nachhilfe-Institute sind übervoll, schlaflose Nächte garantiert. Im Kanton Baselland würde eine solche Prüfung erst während des letzten Sekundarschuljahres stattfinden, da unser Kanton (ausser in Laufen) kein Langzeitgymnasium kennt. Also auch hierzulande Nervenstress und Bammel zwischen Schönenbuch und Ammel? Es gibt eventuell gute Argumente dafür, unseren Schülerinnen und Schülern diese Aufregung zu ersparen. Doch…
Zu viele Gymnasiastinnen und Gymnasiasten
Das Anstreben einer Lehre als Anschlusslösung für die Sekundarstufe 1 gilt bei Vielen immer noch als zweite Wahl. Weiterführende Schulen müssen es sein, am liebsten das Gymnasium, falls möglich. Doch da liegt genau die Krux. Der Verlass auf Zeugnisnoten garantiert keinen einheitlichen Standard, da jede Schule und jedes Klassenzimmer einen eigenen Kleinkosmos darstellen. So kann die Enttäuschung gross sein, dass wenn man es gerade so ans Gymi geschafft hat, es nach dem ersten Jahr eben doch nicht reicht. Historische Langzeitbeobachtungen und Berichte des Kantons zeigen, dass über die gesamte Gymnasialzeit hinweg bis zu 33% der Schülerinnen und Schüler das Gymnasium vorzeitig verlassen oder ein Jahr wiederholen müssen. Ein signifikanter Teil dieser Abgänge (erzwungen durch Nicht-Promotion oder durch freiwilligen Wechsel) konzentriert sich primär auf das erste Gymnasialjahr.
Der schlechte Tag
Immer wieder erscheint das Argument, dass bei einer Prüfung jemand mit einem schlechten Tag aus dem Rennen ausscheidet, obwohl vielleicht durchaus eine Chance bestanden hätte. Dem ist zu entgegnen, dass das Leben immer wieder durch Prüfungen gezeichnet ist. Am Schluss des Gymnasiums ist es die Matura, beim Versuch, dem Strassenverkehr mit einigen hundert Kilogramm auf vier Rädern beizutreten, die Autoprüfung, In der Regel können Prüfungen unter bestimmten Bedingungen auch wiederholt werden. Ein schlechter Tag entscheidet wahrscheinlich nicht, wohl aber eher die Angst, sich in einem einzigen Moment der Wahrheit stellen zu müssen.
Die Kombination machts
Da in Baselland angestrebt würde, sowohl die Zeugnisnoten wie auch das Prüfungsresultat zu zählen, müsste nur noch festgelegt werden, wie das Zähl-Verhältnis zu gestalten sei. Im Kanton Zürich zählt für den Übertritt ins Gymnasium auch nicht die Prüfung allein. Die Gesamtnote setzt sich zu 50 % aus der Prüfungsnote und zu 50 % aus den gewerteten Vornoten zusammen.
Fazit
Alles halb so schlimm – ausser für sehr ehrgeizige Eltern…
Daniel Vuilliomenet
ehemaliger Sekundarlehrer
