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Schlechte Noten für den Kanton Basel-Landschaft als Arbeitgeber

Schlechte Noten für den Kanton Basel-Landschaft als Arbeitgeber

Der Kanton Basel-Landschaft schneidet auf KUNUNU, einer der bedeutendsten Arbeitgeberbewertungsplattformen im deutschsprachigen Raum, ausgesprochen schlecht ab. Vor allem Angestellte im Bildungsbereich bemängeln an ihren Schulen ein schlechtes Arbeitsklima, das durch autoritäre Führungsstile, Machtmissbrauch und Einschüchterung geprägt sei. Auch die Starke Schule beider Basel (SSbB) hat seit August 2024 vermehrt Anfragen von Lehrpersonen, die sich durch ihre Schulleitungen ungerecht behandelt fühlen.

Auf KUNUNU können Mitarbeitende und Bewerber/-innen ihren Arbeitgeber anonym bewerten, zum Beispiel in Bezug auf Arbeitsklima, Führung, Gehalt oder das Verhältnis zwischen Beruf und Privatleben. In Zeiten des Fachkräftemangels ist die Plattform zu einem bedeutenden Faktor geworden: Arbeitgeber müssen sich stärker als früher um die Zufriedenheit ihrer Mitarbeitenden bemühen, weil diese Zufriedenheit nun öffentlich sichtbar ist.

Geringe Weiterempfehlungsquote bei den Mitarbeitenden

Besonders brisant: Nur gerade 31% all jener, die auf KUNUNU eine Bewertung hochgeladen haben, empfehlen den Arbeitgeber Kanton Basel-Landschaft weiter. So schreibt etwa ein/-e Bewerter/-in im April 2026: «Viele Leute glauben immer noch, eine Anstellung beim Arbeitgeber Kanton sei sicher… Die Wahrheit lautet: Vorgesetzte, z.B. Schulrektoren, können nach Gutdünken ein fabriziertes Disziplinarverfahren gegen eine:n Mitarbeitende:n einleiten und am Ende ist der/die Betroffene die Stelle los. Auch wenn Vorgesetzte klar rechtsmissbräuchlich handeln, werden sie von weiter oben gedeckt (Seilschaften beim Kanton). Deshalb: Wer Arbeitsplatzsicherheit anstrebt, geht besser in einen anderen Kanton oder eröffnet als Arzt eine eigene Praxis, als Anwalt eine Kanzlei oder gründet eine Firma!» (Siehe diesen und weitere Kommentare auf https://www.kununu.com/ch/kanton-basel-landschaft/kommentare)

Auch Verbesserungsvorschläge können auf der Plattform in einer eigens dafür vorgesehenen Rubrik formuliert werden. Eine Rückmeldung dazu lautet: «Nötig sind wirksame Kontrollorgane für die Leitungen der Schulen. In der Theorie klingt es ganz gut, wenn Mitarbeitende ihre negativen Erfahrungen mit unprofessionellen Vorgesetzten an internen Stellen der BKSD oder auch bei der Ombudsstelle deponieren dürfen; in der Praxis allerdings machen diese dann die Erfahrung, dass ihre Anliegen ungeprüft zurückgewiesen werden, und obendrein haben sie gleich auch noch Repressalien zu gewärtigen. Wesentlich nachhaltiger wäre es, wenn der Kanton als Arbeitgeber jene systemischen Probleme (v.a. in Bezug auf die Leitung der Schulen) anginge, welche Machtmissbrauch erst möglich machen…»

Reaktionen des Personalamts Baselland

Auffällig ist, dass das Personalamt Baselland die Rückmeldungen offenbar beobachtet und eine Standard-Reaktion hochlädt: «Für Konflikte oder belastende Situationen stehen Ihnen verschiedene interne und externe Anlaufstellen zur Verfügung (Im Bildungsbereich: Amt für Volksschulen, Berufsbildung, Mittelschulen und Hochschulen oder die HR-Beratung der BKSD). Diese ermöglichen eine vertrauliche Prüfung von Anliegen und – falls angezeigt – entsprechende Massnahmen. Öffentliche Plattformen können individuelle Sachverhalte naturgemäss nur verkürzt darstellen. Umso wichtiger ist es, dass konkrete Vorfälle auf dem vorgesehenen Weg eingebracht werden, damit sie sorgfältig geprüft werden können.» Man fragt sich bloss, ob es vielleicht einen Grund gibt, warum Mitarbeitende den Weg der Anonymität suchen und sich nicht an eine der erwähnten Anlaufstellen wenden.

Auf Anfrage der SSbB, wie sich das Personalamt erklärt, dass ein Teil der Mitarbeitenden den Weg über anonyme Plattformen wählt, anstatt interne Anlaufstellen zu nutzen, antwortet das Personalamt: «Darüber können auch wir nur spekulieren, da die Plattform anonym ist. Wir laden die Person/die Personen ein, das Gespräch mit der zuständigen Dienststelle (AVS, BMH) zu suchen. Das Personalamt unterstützt gerne und vermittelt Kontakte der zuständigen Stellen.«

Es wäre interessant zu erfahren, ob man an den entscheidenden Stellen beim Kanton Basel-Landschaft Konsequenzen aus solchen kritischen Rückmeldungen zieht und allenfalls eine Kurskorrektur einleitet. Leider lässt die Reaktion des Personalamts zu wünschen übrig: «Die kantonale Verwaltung ist ein guter und beliebter Arbeitgeber. Das zeigt sowohl das Feedback aus der letztjährigen Mitarbeitendenbefragung als auch die Bewerbungen, die wir erhalten.«

Eine Person hat treffend eine mögliche Konsequenz daraus festgehalten: «Irgendwann laufen Ihnen die Leute in Scharen davon, oder es kommen nur noch solche, die sonst nirgends eine Anstellung finden…», ein Phänomen, das man nicht unterschätzen sollte.

Charlotte Höhemann
Vorstand Starke Schule beide Basel

13 Antworten

  1. Daniela Lindenbühl sagt:

    Ich kann mich der Aussage eines anderen Kommentars nur anschliessen: Die Kontrollorgane der BKSD versagen aus meiner Sicht seit geraumer Zeit in ihrer Aufsichtsfunktion. Die Fälle von mutmasslichem Machtmissbrauch durch Schulleiterinnen und Schulleiter sind nicht nur einzelne Entgleisungen, sondern die nicht sonderlich überraschende Folge eines dysfunktionalen Systems.

  2. Hanspeter Amstutz sagt:

    Es ist beklemmend, wenn Lehrerinnen und Lehrer lieber die Faust im Sack machen als eine kantonale Beschwerdeinstanz über unerfreuliche Vorkommnisse zu informieren. Dieses häufig beobachtete Verhalten passt überhaupt nicht zur Vorstellung von viel Freiheit und Eigenverantwortung im Lehrerberuf.
    Durch ihren beruflichen Auftrag sind Lehrpersonen Führungskräfte mit Vorbildfunktion für ihre Schülerinnen und Schüler. Sie sind die lebendigen Botschafter einer demokratischen Gesellschaft, welche ihnen einen weit gefassten kulturellen Bildungsauftrag übertragen hat.

    Duckmäusertum von Lehrpersonen passt nicht ins Bild einer liberal geprägten Volksschule. Meinungsfreiheit hört nicht auf, wenn Lehrkräfte sich zu offensichtlichen Unstimmigkeiten in einer Schule äussern oder gewissen Schulreformen kritisch gegenüberstehen. Die Volksschule wird getragen von Lehrpersonen, die in bildungspolitischen Fragen Stellung beziehen und die Schule als eigentliche Fachleute mitgestalten sollen. So ist es in keiner Weise ein politisches Sakrileg, wenn Lehrpersonen fordern, dass die Arbeit von Schulleitungen systematisch überprüft werden sollte.

    Eine mutige Haltung jeder Lehrerin und jeden Lehrers ist ein Gewinn für die Schule. Damit diese Offenheit nicht allmählich zur Seltenheit wird, sollte die Bildungspolitik ein Interesse daran haben, den bekannt gewordenen Maulkorb-Tendenzen entschlossen entgegenzutreten. Unsere Rechtsstaatlichkeit setzt eindeutig auf Transparenz. Wenn Lehrpersonen fair kämpferisch in der Öffentlichkeit auftreten, dürfen sie für ihre Berufstätigkeit keinerlei Nachteile zu befürchten haben. Die leider ziemlich verwässerte Garantie für eine volle Meinungsfreiheit muss von politischer Seite erneuert werden. Dieser begründete Schritt dürfte positive Auswirkungen bis in jedes Schulzimmer haben.

    • Danilo S. Dengler sagt:

      Die Frage ist, ob man sich in einem autoritären und repressiven System an offizielle Anlaufstellen wenden will, die ihrerseits Teil dieses Systems sind. Wohl eher nicht – es sei denn, man ist in einer Kamikaze-Mission unterwegs…

    • Daniel Vuilliomenet sagt:

      Lieber Herr Amstutz
      Recht haben Sie. Dennoch ist ihr Aufruf ein Wunsch, der in der aktuell gelebten Realpolitik leider auf taube Ohren stösst. Bildungsverantwortliche machen keine Fehler – Lehrerinnen und Lehrer sollen sich stillhalten und unterrichten. Und froh sein darüber, dass sie unterrichten dürfen. Kein Muks!

  3. Es ist ein grundsätzliches Problem, das seit der Installierung der Schulleitungen mit pädagogischen Kompetenzen entstanden ist. Man versucht aus öffentlich-rechtlich angestellten Mitarbeitern, Beamte zu machen, die die Weisungen der Behörden vollziehen. Dabei vergisst man, was «Öffentlich-Rechtlich» heisst: Die Loyalität der Lehrkraft gilt nicht nur für seinen Arbeitgeber, sondern auch für die ihm zugewiesenen Kinder und deren Eltern. Bei all dem Reformwahnsinn, dem teilweise verheerenden Resultate folgten, gerät die Lehrkraft in ein Dilemma. Wem gilt die Loyalität? Wenn Schulleitungen sich als Korporale aufführen, welche in erster Linie die Weisungen der Obrigkeit durchsetzen wollen, entstehen Konflikte. Und wenn sie ausbrechen, stehen die Behörden nicht selten hinter den Schulleitungen. Dabei gilt halt immer die grundsätzliche Frage: Die Schulleitung kontrolliert die Lehrpersonen, wer aber kontrolliert die Schulleitung?

  4. Jan Ledermann sagt:

    Die zahlreichen schlechten Bewertungen auf Kununu zeichnen ein eindeutiges Bild, was das Problem ist in diesem Kanton: Die Aufsichtsorgane, wie das AVS und die BKSD schauen weg und erfüllen ihre Aufgaben nicht. Auch in meiner Gemeinde wurde im Herbst vom AVS gross verkündet, dass dieser sich nun einklinkt und sich die Sache genauer anschauen werde. Seit nun fast einem Jahr ist NICHTS passiert. Noch schlimmer: Es gab in der Zeit sogar einen Kollegen, der sich beim AVS und bei der BKSD gemeldet hatte, da der Arbeitgeber einen unbefristeten Vertrag verweigerte, obwohl das Personalgesetz hier relativ klar reglementiert, wann ein solcher ausgestellt werden müsste. Es wurde rein gar nichts unternommen, was schon ein wenig peinlich für ein Amt ist, das gross ankündigt, dass man sich einklinkt, um genau dies zu tun, nur um dann wegzuschauen, wenn es tatsächlich Missstände gibt.
    Die Ombudsstelle agiert hier noch schlimmer. Diese setzt sich mit den beschuldigten Arbeitgebern teilweise sogar zusammen und stellt für diesen die entsprechenden Dokumente zusammen, damit die Beschwerde abgewiesen werden kann. Dem Arbeitnehmer bleibt fassungslos und hilflos zurück und muss weitere Repressalien fürchten, da er es gewagt hatte sich einer offiziellen Stelle anzuvertrauen.
    Der Fall ist relativ klar: Die Kontrollorgane versagen und dies bereits schon seit längerer Zeit. Die Fälle von Machtmissbräuchen seitens SL häufen sich indessen, auch da sich dieses Wegschauen der Kontrollstellen schnell herumgesprochen hat, wird dies eher zunehmen in der nächsten Zeit.
    Erst wenn das AVS, die BKSD und die Ombudsstelle anfangen ihre Arbeit zu machen und dafür sorgen, dass solch ein Verhalten gegenüber Arbeitnehmern per sofort nicht mehr geduldet wird oder die fristlose Kündigung winkt, kann sich etwas verändern.

    • Daniel Vuilliomenet sagt:

      Lieber Herr Ledermann
      Wie soll ein solches Staatsverhalten denn bezeichnet werden? Mir kommt da vor allem der Begriff «fragwürdig» in den Sinn: Rücksichtslos auf Eigenvorteile bedacht. Viele Versprechungen und kein Handeln. Es grüsst ein ehemaliger Sekundarlehrer mit einschlägigen Erfahrungen mit diesen Amtsstellen.
      Und übrigens: Der permanente Versuch, ständig das Gesicht zu wahren, führt früher oder später zu Halsstarrigkeit.

    • Anatol Binswanger sagt:

      Was Sie anhand der Vorgänge in Ihrer Gemeinde schildern, Herr Ledermann, beschreibt exakt die Realität in der BKSD. Wir haben es da leider mit ausgeprägten Seilschaften zu tun, wo man sich gegenseitig deckt, und zwar insbesondere auch dann, wenn Regeln missachtet und gegen das Personalgesetz verstossen wird. An das Personalgesetz müssen sich nur die Lehrpersonen halten, nicht aber die Schulleitenden und auch nicht die Hierarchieebenen darüber in der BKSD. Schulleitende haben Spielräume für Willkür und Machtmissbrauch, die ihresgleichen suchen. In einem Rechtsstaat sind das ausserordentlich bedenkliche Zustände.

  5. Marielouise Rentsch sagt:

    Wenn die Stimmung an den Schulen schlecht ist, sollte man die Ursachen suchen. Die Bürokratie könnte verringert werden. Das würde allen guttun. Den Lehrern, den Schülern, den Eltern. Wir sehen diese Entlastung in vielen Branchen. Warum nicht auch an den Schulen? So gäbe es viele Konflikte nicht und die Lehrer könnten wieder zum eigentlichen Sinn zurückkehren: Zum freudvollen Lehren.

    • Anatol Binswanger sagt:

      Mit Verlaub, Frau Rentsch, da haben Sie wohl den Text entweder nicht aufmerksam genug gelesen oder aber ihn (zumindest teilweise) missverstanden. Es geht beileibe nicht «bloss» um die vielerorts beklagte überbordende Bürokratie, sondern namentlich in der BKSD des Kantons Basel-Landschaft um weit mehr: um ein gravierendes Systemproblem und um Kontrollversagen. Beides hat zur Folge, dass gewisse Schulleitungen zum Schaden der Lehrpersonen und der Lernenden agieren und dadurch dem öffentlichen und steuerfinanzierten Bildungswesen beträchtlichen Schaden zufügen. Es dürfte sich lohnen, den Text der SSbB dahingehend noch einmal genau durchzulesen…

      • Rentsch Marielouise sagt:

        Sehr geehrer Herr Binswanger,
        Als Aussenstehende kann ich nur hoffen, dass die Verantwortlichen und alle Beteiligten die vorhandenen Probleme angehen und beheben. Gerne lese ich den Text ein zweites und drittes Mal. Das wird aber nichts zur Problemlösung beitragen.

  6. Daniel Vuilliomenet sagt:

    Baselland war einmal ein attraktiver Arbeitgeber. War. Was der Kanton Baselland seit Jahren betreibt, ist schlicht und einfach Realitätsverweigerung, gekoppelt mit dem Rampassen-Imperativ: Mir möche keini Fähler. Good luck!

  7. Anatol Binswanger sagt:

    Zwei Möglichkeiten, wie man die Reaktion des Personalamts BL deuten kann:
    1. Realitätsverweigerung
    2. Strategie von Kommunikationsprofis, welche darin geübt sind, mit salbungsvoller Rhetorik vom Problem abzulenken, dieses in Abrede zu stellen und zu behaupten, es stehe alles zum Besten. Die Ablenkung besteht darin, dass man die Anonymität der Kritiker_innen zum Problem erhebt, anstatt sich mit dem eigentlichen Problem auseinanderzusetzen.
    Wird allerdings von den meisten Zeitgenoss_inn_en durchschaut!

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