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Algorithmen unter Anklage

Algorithmen unter Anklage

In den USA verklagen betroffene Familien grosse Social-Media-Konzerne, weil deren Algorithmen Kinder und Jugendliche krank machen sollen. Es stehen nicht einzelne Inhalte, sondern die Wirkung der Plattformen auf Jugendliche im Zentrum. Die Debatte ist hochpolitisch und betrifft auch unsere Schulen direkt. Denn was online geschieht, wirkt täglich in die Klassenzimmer hinein. Die Frage lautet nicht mehr, ob digitale Plattformen Verantwortung tragen sollen, sondern wie die Politik unsere Kinder wirksam schützen kann.

Der Anwalt Matthew Bergman vertritt in den USA mehrere hundert bis über tausend Familien, deren Kinder unter schweren psychischen Belastungen leiden. Im Zentrum der Klagen stehen die algorithmischen Empfehlungssysteme von Plattformen wie Instagram oder TikTok. Der Vorwurf: Sie sollen Jugendliche in problematische Inhalte hineinziehen, im Wissen, dass Jugendliche, die in einer labilen Lebensphase sind, sich nur schwer dagegen wehren können und so die Verwundbarkeit der jungen Menschen ausnutzen.

Neu ist vor allem, dass nicht mehr nur über problematische Inhalte diskutiert wird, sondern über die Wirkung der Plattformen. Die Algorithmen entscheiden massgebend, was Jugendliche sehen und in welche thematischen Richtungen sie gelenkt werden. Genau dieses System steht nun politisch und juristisch unter Druck.

Ein politischer Wendepunkt im Umgang mit Social Media

Die Klagen markieren einen möglichen Wendepunkt. Erstmals wird ernsthaft geprüft, ob Plattformen für die gesundheitlichen Folgen ihrer Produkte haften müssen, auch wenn entsprechende Urteile bislang noch ausstehen. Dabei geht es nicht um Zensur, sondern um Verantwortung für ein Geschäftsmodell, das auf maximale Aufmerksamkeit ausgerichtet ist.

Für die Starke Schule beider Basel (SSbB) ist klar: Der Schutz von Schüler/-innen vor schädlichen digitalen Strukturen ist eine politische Aufgabe. Es reicht nicht, wenn Verantwortung allein auf Eltern und Schulen abgeschoben wird. Plattformbetreiber müssen in die Pflicht genommen werden. Die Politik muss verbindliche Regeln und schützende Gesetze schaffen.

Auswirkungen auf den Schulalltag

Schulen erleben die möglichen Folgen problematischer Nutzung täglich. Lehrpersonen berichten von Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Konflikten, Cybermobbing und wachsendem Leistungsdruck (siehe Umfrage der SSbB). Zeit, Fachstellen und Ressourcen fehlen, um Schüler/-innen wirksam zu begleiten und zu schützen.

Die SSbB setzt sich dafür ein, dass der Schutz von Schüler/-innen im digitalen Raum zu einem festen Bestandteil der Bildungspolitik wird. Kinder brauchen sichere Lern- und Lebensräume, sowohl online als auch offline.

Charlotte Höhmann
Vorstand Starke Schule beider Basel

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