Es braucht einen tragfähigen Kompromiss
Schulfragen sind Sache der Kantone. Mit seiner Stellungnahme im Sprachenstreit hat sich der Bundesrat direkt in den Kompetenzbereich der EDK eingeschaltet. Dabei überzeugt die bundesrätliche Argumentation, Frühfranzösisch sei für den nationalen Zusammenhang wichtig, überhaupt nicht. Da wäre die arg vernachlässigte Landesgeschichte schon eher ein Grund für einen aufrüttelnden Aufruf.
Es liegt jetzt an der EDK, das gescheiterte Mehrsprachenkonzept durch einen tragfähigen Kompromiss zu ersetzen. Aus pädagogischer Sicht kommt dabei nur ein Modell mit einer einzigen frühen Fremdsprache ab der fünften Klasse infrage. Berücksichtigt man die aktuelle Interessenlage in den Kantonen, so drängt sich eine Wahlmöglichkeit zwischen einer Landessprache und dem Englisch fast auf. Kantone östlich der Reuss würden wohl zum Frühenglisch tendieren, in den westlichen Gebieten hätte Frühfranzösisch sicher die besseren Karten.
Werden die überzogenen Erwartungen an den frühen Fremdsprachenunterricht deutlich zurückgeschraubt, spielen die unterschiedlichen Einstiegsszenarien keine grosse Rolle. Das Engagement der Primarlehrkräfte muss neben der Mathematik primär dem Deutschunterricht und den sprachfördernden Realienfächern gelten. In der Sekundarschule hingegen sollen von allen Schülern, die in eine Mittelschule, ins KV oder in Berufe mit viel Sozialkontakten eintreten möchten, gründliche Französischkenntnisse verlangt werden. Bei sprachlich schwächeren Sekundarschülern ist es jedoch zielführender, wenn sie nach dem Erwerb von Basiskenntnissen die zweite Fremdsprache abwählen können.
Hanspeter Amstutz
