Französisch ja, aber nicht in der Primar
Am 22. Oktober publizierte die ObZ einen interessanten Artikel bezüglich der Einreichung unserer Initiative «Zwei Fremdsprachen in der Primarschule sind zu viel». Mit Erlaubnis des Journalisten drucken wir der Text folgend ab.
Der Artikel im Wortlaut
Die Verein «Starke Schule beider Basel» reicht eine Initiative ein: «Seit der Pisa-Studie wissen alle, dass Frühfranzösisch nicht funktioniert», sagt Charlotte Höhmann, Vorstandsmitglied von «Starke Schule beider Basel». Am Dienstag hat der Verein seine Initiative «Zwei Fremdsprachen an der Primarschule sind zu viel» mit 2274 Unterschriften eingereicht. Diese fordert erstens, dass auf der Primarstufe, und frühestens ab dem fünften Schuljahr, nur eine Fremdsprache unterrichtet; zweitens, dass diese Fremdsprache Englisch ist.
Was nicht heisst, dass sich die Intiative gegen Französisch richtet. Ganz im Gegenteil: Dieses Fach soll auf die Sekundarstufe verschoben und ausgebaut werden, von drei auf vier oder fünf Stunden. Um diese «schöne Sprache» zu lernen, sei ein «Sprachbad» nötig, so Charlotte Höhmann. Auch Austauschprogramme, beispielsweise in Form eines Sprachlagers, wären sinnvoll.
Denn die Realität zeigt: Viele Primarschüler/-innen empfinden die französische Grammatik als schwierig, und was noch viel mehr wiegt: Im Unterschied zum Englischen, mit dem sie durch soziale Medien, Fernsehen oder Musik täglich in Berührung kommen, haben sie kaum Gelegenheit, Französisch ausserhalb des Schulunterrichts zu üben. Das Resultat ist laut Charlotte Höhmann, dass sie am Ende der Primarschulzeit oft hinter den erwarteten Lernfortschritten zurückbleiben, demotiviert sind und keine Lust mehr haben, diese Sprache überhaupt zu lernen.
Bei «Englisch» strecken fast alle auf
Eine spontane Abstimmung über das beliebtere Sprachfach unter den Schüler/-innen, die bei der Übergabe vor dem Regierungsgebäude in Liestal dabei waren, zeigte dasselbe Bild. Bei «Englisch» gingen fast alle Hände in die Höhe, bei «Französisch» streckten nur drei Kinder auf.
Dieselbe Erfahrung machten die Personen, die in den Gemeinden Unterschriften für die Initiative sammelten und dabei mit zahlreichen Kindern, Eltern und Lehrpersonen ins Gespräch kamen. Das Fach Französisch sorge bei vielen für Frust, stellte Aleyna Kara vom Sekretariat der «Starken Schule» fest. «Viele können kaum mehr als einige Worte», was für die Schulkinder deprimierend sei. Aleyna Kara beobachtete jedoch einen Zwiespalt, denn viele Eltern seien sich bewusst, dass Französisch als Landessprache eigentlich wichtig wäre und deshalb einen hohen Stellenwert haben sollte. Eine Verschiebung auf die Sekundarstufe werde aber als sinnvoll empfunden. Ausserdem würden dadurch auf der Primarstufe Stunden frei, die für Kernkompetenzen wie Mathe, Deutsch oder Sozialkompetenzen genutzt werden könnten, fügte Charlotte Höhmann hinzu, und schlug so den Bogen zur Pisa-Studie.
Zulässigkeit wird geprüft
Falls die Überprüfung der Initiaitve ergibt, dass die Forderungen rechtlich zulässig sind, wird sie dem Stimmvolk vorgelegt. Laut Michael Engesser von der Landeskanzlei, der die gesammelten Unterschriften entgegennahm, wird dies spätestens in zwei Jahren der Fall sein.
Für die «Starke Schule» beginne die Kampagne bereits heute, sagte Vorstandsmitglied Lena Heitz: «Wir wollen möglichst viele Menschen über unser Anliegen informieren, sie von der Bedeutung unserer Forderung überzeugen und für die Unterstützung der Initiative gewinnen.» Das Baselbiet ist nicht der einzige Kanton, in dem das Frühfranzösisch zur Diskussion steht. Der Bundesrat zielt allerdings in eine andere Richtung: Er will entweder die geltende «HarmoS»-Lösung mit zwei Sprachen auf der Primarstufe – oder als schwächere Variante nur eine Sprache, aber zwingend eine Landessprache – im Sprachengesetz verankern. Dass der Bundesrat zwei Varianten präsentiert, ist für Charlotte Höhmann bereits ein Eingeständnis, dass sich der Bundesrat bewusst sei, dass er nicht so einfach in das Bildungswesen der Kantone» eingreifen könne.
