Steuergeld für eine praxisnahe Lehrpersonenausbildung statt für endlose Reflexionen
Wer Lehrpersonen ausbildet, trägt Verantwortung für die Qualität unserer Schulen. In der Sendung «SonntagsZeitung Standpunkte» kritisierte Philipp Loretz, Präsident des LVB, die mangelnde Praxisnähe der Pädagogischen Hochschule FHNW. Auch die Starke Schule beider Basel (SSbB) sieht erheblichen Handlungsbedarf. Denn angehende Lehrpersonen brauchen nicht endlose pädagogische Konzepte, sondern das Rüstzeug, um eine Klasse zu führen, verständlich zu erklären und guten Unterricht zu gestalten.
Steuergeld muss der Schule zugutekommen
Die Pädagogische Hochschule (PH) wird mit öffentlichen Geldern finanziert. Ein grosser Teil dieser Gelder fliesst jedoch in Forschung, wissenschaftliche Reflexion und die Entwicklung pädagogischer Konzepte, während die praktische Ausbildung zu kurz kommt.
Fachwissen allein reicht nicht aus. Eine Lehrperson muss schwierige Inhalte verständlich vermitteln, auf unterschiedliche Leistungsniveaus der Lernenden eingehen und auch eine unruhige Klasse führen können. Solche Fähigkeiten lassen sich nicht allein durch Theorie erwerben. Sie müssen vor allem in der Unterrichtspraxis entwickelt und gefestigt werden.
PH-Dozierende mit wenig Unterrichtserfahrung
Besonders kritisch ist es, wenn Dozierende mit wenig eigener Unterrichtserfahrung angehende Lehrpersonen ausbilden. Wie praxisnah kann eine Ausbildung sein, wenn diejenigen, die sie vermitteln, den Schulalltag kaum aus eigener Anschauung kennen? Wer angehenden Lehrpersonen erklärt, wie guter Unterricht funktioniert, sollte selbst wissen, was es bedeutet, täglich vor einer Klasse zu stehen.
Die PH muss ihre Ausbildung konsequent auf die Realität im Schulzimmer vorbereiten. Dazu braucht es ausreichend Praktika, erfahrene Praxislehrpersonen und eine Lehrpersonenausbildung durch Dozierende, die selbst regelmässig an einer Schule unterrichten. Die Schulen sind kein Übungsfeld, auf das man unvorbereitet entlassen werden darf. Denn am Schluss tragen die Schülerinnen und Schüler die Folgen, wenn die Ausbildung der Lehrpersonen den Anforderungen des Schulalltags nicht gerecht wird.
Mehr Praxis statt unnötiger Theorie
Die SSbB fordert deshalb eine klare Neuausrichtung der Lehrpersonenausbildung: mehr verbindliche Unterrichtspraxis, weniger Theorie ohne erkennbaren Praxisnutzen und Dozierende, die selbst aktuell an Schulen unterrichten. Die PH darf nicht allein daran gemessen werden, was sie lehrt und erforscht. Entscheidend ist, ob ihre Absolventinnen und Absolventen guten Unterricht erteilen können. Steuergelder müssen daher dort eingesetzt werden, wo sie die Qualität der Schulen unmittelbar verbessern und den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler gerecht werden.
Charlotte Bally
Sekretariat Starke Schule beider Basel
