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Wenn Ideologie Schule verdrängt

Wenn Ideologie Schule verdrängt

Die Schule hat einen klaren Auftrag: Kinder sollen lesen, schreiben und rechnen lernen. Genau dieser Kernauftrag wird zunehmend relativiert. Statt sich konsequent auf Unterrichtsqualität zu konzentrieren, setzt der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz andere Akzente. Die Folgen sind messbar: sinkende Leistungen, steigende Belastung für Lehrpersonen und wachsende Unsicherheit bei Schüler/-innen. Die Weltwoche hat diese Entwicklung am Beispiel der aktuellen Verbandsführung aufgezeigt.

Der LCH setzt falsche Prioritäten

Dagmar Rösler ist Präsidentin des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) und prägt dessen öffentliche Haltung massgeblich. In ihren Stellungnahmen stehen Themen wie Genderfragen, politische Bildung im Kindergarten und zusätzliche Regulierungen im Vordergrund. Zentrale Herausforderungen des Schulalltags treten dabei in den Hintergrund. Die PISA-Studie zeigt klar, dass rund ein Viertel der Jugendlichen nach neun Schuljahren nicht ausreichend lesen kann. Der LCH bewertete diese Resultate dennoch als insgesamt positiv und verwies darauf, die Schweiz liege über dem Durchschnitt der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Diese Einordnung relativiert ein ernstes Problem: Wer Leistungsdefizite kleinredet, verhindert notwendige Korrekturen.

Grundfertigkeiten werden systematisch abgewertet

Rösler bezeichnet die Forderung nach einem stärkeren Fokus auf Rechnen, Lesen und Schreiben als Rückkehr zu überholten Strukturen. Diese Haltung ist problematisch. Gerade diese Grundfertigkeiten sind die Voraussetzung für erfolgreiches Lernen in allen Fächern. Wenn sie an Bedeutung verlieren, fehlen Schüler/-innen Stabilität und Orientierung. Auch die Skepsis gegenüber Schulnoten passt in dieses Bild. Ohne klare Leistungsrückmeldungen wird weder Fortschritt sichtbar noch Verantwortung eingefordert. Bildung braucht Transparenz, nicht Unschärfe oder Verschleierung.

Mehr Vorgaben verschärfen die Probleme

Der LCH verteidigt den integrativen Unterricht trotz anhaltender Kritik aus der Praxis. Viele Lehrpersonen berichten von Überforderung. Schwächere Schüler/-innen erhalten nicht die nötige Unterstützung, stärkere werden gebremst. Gleichzeitig steigt der organisatorische Aufwand erheblich. Statt auf diese Rückmeldungen aus den Schulzimmern zu reagieren, setzt der LCH auf längere Ausbildungen, neue Pflichtkurse und immer höhere Abschlüsse. Diese Politik erhöht den Druck, ohne den Unterricht zu verbessern.

Der Ansatz der SSbB

Die SSbB verfolgt einen anderen Weg. Für uns stehen Schüler/-innen, Lehrpersonen und der Unterricht im Mittelpunkt. Grundfertigkeiten dürfen keine Modeerscheinung sein, sondern bilden die Grundlage für schulischen Erfolg. Wer sicher liest, schreibt und rechnet, hat bessere Berufschancen und kommt auch in weiterführenden Schulen besser zurecht. Probleme werden benannt, nicht beschönigt. Lösungen orientieren sich an der Praxis, nicht am Zeitgeist. Schule braucht Verlässlichkeit, Klarheit und Vertrauen statt immer neue Konzepte.

Charlotte Höhmann
Vorstand Starke Schule beider Basel

Quelle: Weltwoche, Regis Ecklin: Lehrerverband schadet Lehrern, 22. Januar 2026

4 Antworten

  1. Marielouise Rentsch sagt:

    Man sollte den Kindern auf ihrem Weg zum Erwachsenen einen Rucksack mitgeben, der nur Nützliches enthält, keinen Ballast. Zwei drei Dinge, mehr nicht. Die Sprache, damit sie sich verständigen können, das Rechnen, damit sie sich erfolgreich durchschlagen können. Der Rucksack soll nicht zu schwer und zu vollgepackt sein. Unterwegs gibt es noch das eine und das andere, das in den Rucksack kommt. Jedem wie er es will und nach seiner Art. Hören wir auf, unseren Kinder bereits am Anfang ihrer Reise einen zu schweren Rucksack aufzubürden.

  2. Felix Schmutz sagt:

    Der Artikel bringt es auf den Punkt. Der LCH ist unter Dagmar Rösler nicht mehr die Stimme der Lehrerschaft. Statt dessen orientiert er sich an den abgehobenen und schulfremden Experten der Pädagogischen Hochschulen und der überall anzutreffenden Kursanbieter der Weiterbildungsbranche, die immer gleich mit Schwarz-Weiss-Formeln operieren: Bestehende Schulen, jetziger Unterricht seien nicht zeitgemäss und schädlich; Individualisierung, Coaching, Kompetenzorientierung, Mediatisierung, Lernortveränderung seien dringend geboten. Die Lehrpersonen müssten sich allmählich gegen diese Tendenz des LCH deutlich auflehnen.

  3. Kathrin Zimmermann sagt:

    Leider rücken immer mehr Zeitgeist-Themen in den Fokus. Viel wichtiger wäre, dass die Kinder sinnvolle Lesestrategien und Zusammenhänge verstehen lernen, damit dann später, wenn diese gefestigt und selbständiges Denken ermöglicht ist, die Gespräche über interessante Themen stattfinden können und es nicht einfach ein ideologisches Berieseln der Schülerinnen und Schüler ist. Wenn die Themen in den Texten diversifiziert und altersgerecht ausgearbeitet werden, ist das super, aber die Methodik der Grundkompetenzen darf nicht darunter leiden.

  4. Daniel Vuilliomenet sagt:

    Der Artikel der Starken Schule (SSbB) sowie der Artikel der Weltwoche, auf den sich die SSbB bezieht, sagen eigentlich alles – dem ist inhaltlich nichts mehr beizufügen, ausser mein persönlich geäusserter Widerwille, das unnötige, leere Gerede von Verbandsvertretungen und Experten jeglicher Art auch nur noch im Ansatz zu goutieren. Alles, was aus dieser Ecke des Bildungssystems für die Schule gefordert wird, führt in die Irre. Alles!

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