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Zeugnisse in der Primarschule

Zeugnisse in der Primarschule

Alle paar Jahre tauchen die Fragen um Zeugnisse erneut auf: Ziffernnoten, Prädikate, Lernberichte? Jetzt in BL der Vorschlag mit «ressourcenorientierten» Beschreibungen.

Worum geht es eigentlich? Die Schule hat einen gesetzlichen Bildungsauftrag, der sich an stufengerechten Lernzielen orientiert. Das ist an sich schon eine staatliche Anmassung, denn jedes Kind muss sich, unabhängig von persönlichen Vorlieben und Begabungen, an vorgegebenen Wissens- und Könnensnormen ausrichten. Umgekehrt sind mit dem staatlich eingeforderten Bildungsstand auch Berechtigungen und Lebenschancen verbunden.
 

Zum Bildungsauftrag gehört, dass die Schule darüber informiert, ob die Kinder die Bildungsziele ihrer Stufe erreichen, wo sie allenfalls Schwierigkeiten haben und Unterstützung brauchen. Tatsächlich erreichen Kinder die Zielvorgaben in unterschiedlicher Qualität. Die Meinungen darüber, wie ihnen und den Eltern der Spiegel vorgehalten werden soll, gehen stark auseinander.

Ressourcenorientierung

Oft herrscht die Ansicht, dass Kinder durch negative Rückmeldungen seelisches Leid und Entmutigung erfahren. Daraus erwächst die Idee der «ressourcenorientierten» Beurteilung, d.h. es darf nur wertfrei aufgezählt werden, was das Kind schon kann, jedoch nicht darauf hingewiesen werden, was es noch nicht kann.

Dazu ist festzustellen, dass eine ressourcenorientierte Beurteilung keine Information über den Stand des Kindes im Vergleich zu den vordefinierten Lernzielen darstellt, sondern lediglich einen positiv gefärbten Lernbericht über seine Arbeit bedeutet, indem nicht erreichte Lernziele verschwiegen werden. Ob die Verschleierung der Wahrheit über den Leistungsstand gemessen an der Norm den Kindern wirklich weiterhilft, darf bezweifelt werden, weil es die Haltung fördert: «Ich bin ja gut, was soll ich mich noch mehr anstrengen?»

Lernberichte und Leistungsausweis

Gegen einen Lernbericht, der sowohl Ressourcen als auch Verbesserungsmöglichkeiten, also noch zu erwerbende Ressourcen, enthält, wäre nichts einzuwenden. Sie wären ehrlich und könnten als wertvolle Grundlage bei Elterngesprächen dienen. Individualisierte Lernberichte sind allerdings keine klare und einfache Information darüber, wo das Kind gemessen an den Lernzielnormen eigentlich steht.

Dies zu wissen, scheint in einem auf Leistung ausgerichteten Bildungssystem hingegen zunehmend wichtig. Man könnte argumentieren, dass in den Primarschuljahren 1 und 2 Lernberichte (Stärken und Schwächen) genügen. Ab Klasse 3 müsste allerdings langsam klar werden, wo sich ein Kind auf einer Skala von Lernziel vollkommen erfüllt bis Lernziel gänzlich verfehlt einordnet. Sowohl die Eltern als auch das Kind selbst müssen sich den Tatsachen irgendeinmal stellen: Wie gut erreiche ich die gesetzten Lernziele?

Diese Einordnung kann mit Prädikaten geschehen, wenn diese wohl definiert sind. Z.B. Lernziel vollkommen erreicht, Lernziel gut erreicht, Lernziel teilweise erreicht, Lernziel ungenügend erreicht, Lernziel nur ansatzweise erreicht, Lernziel verfehlt. Warum diese Einreihung nicht auch mit Noten von 6 bis 1 ausgedrückt werden sollen, wenn ihre Bedeutung entsprechend definiert wird, ist nicht wirklich einzusehen.

Felix Schmutz

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