Die Stimme der anderen
Die Antworten von Frau Bourgeois im Interview mit ihr sind vernünftig, überzeugend und überhaupt nicht extrem (NZZ vom 11.5.2026). Sie legt ihre Positionen betreffend Förderklassen gut verständlich und sachlich dar, sodass sich Nachfragen oder Nachdoppeln erübrigt. Ich erlaube mir hingegen noch drei Anmerkungen.
Erstens dünkt mich die grosse Freiheit der Schulpflegen und -leitungen heikel. Kommt es dann so heraus, dass bei politisch eher rechts tickenden Behörden Förderklassen eingerichtet werden und bei den linken nicht? Das kann es ja nicht sein. Dieser Punkt wird besondere Aufmerksamkeit erfordern.
Zweitens erscheint mir die Rolle des Zürcher Lehrerverbands bzw. dessen Vorstands geradezu penibel. Er bekämpft sogar die Initiative, ohne je bei der Lehrerschaft eine plausible Umfrage durchgeführt und deren Resultate öffentlich bekannt gegeben zu haben. In Baselland zum Beispiel machte man das, und die Ergebnisse kamen klar pro Förderklassen heraus. Eine heitere Zürcher Berufsorganisation, die jetzt vermutlich gegen die eigene Mehrheit agiert.
Und beim dritten Punkt seien Befürworter und Gegner der Förderklassen gleicherweise an eine Tatsache erinnert, welche die Neinsager nie erwähnen und die Jasager viel zu wenig. Es wollen nämlich gar nicht alle Eltern ihre Kinder mit besonderen Bedürfnissen in Normalklassen einteilen lassen, und vielerorts sind auch die betroffenen Mädchen und Buben selber dort völlig unglücklich.
Hans-Peter Köhli, Zürich
