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Kranke Lehrpersonen brauchen Entlastung

Kranke Lehrpersonen brauchen Entlastung

Wer krank ist, sollte sich erholen können. Dennoch müssen Lehrpersonen im Kanton Basel-Stadt bei kurzfristigen Ausfällen teilweise selbst ihre Stellvertretungen organisieren. Eine Motion im Grossen Rat will diese Praxis ändern. Dahinter steckt jedoch mehr als nur eine organisatorische Frage. Die Diskussion zeigt auch, welche Herausforderungen der Lehrpersonenmangel und die Arbeitsbelastung an den Schulen mit sich bringen.

Motion fordert klare Zuständigkeiten

Auslöser der politischen Debatte sind Berichte, wonach erkrankte Lehrpersonen ihre Stellvertretung teilweise über WhatsApp-Gruppen organisieren müssen. Die Motion verlangt deshalb, dass diese Aufgabe künftig nicht mehr bei den betroffenen Lehrpersonen liegt. Stattdessen soll klar geregelt werden, wer bei krankheitsbedingten Ausfällen für die Suche nach Ersatz verantwortlich ist. Zudem wird der Aufbau einer kantonalen Datenbank mit qualifizierten Stellvertretungen vorgeschlagen.

Der Regierungsrat zeigt Verständnis für das Anliegen. Er bestätigt, dass das Organisieren von Stellvertretungen grundsätzlich Aufgabe des Arbeitgebers sei. Die Forderung nach einer zentralen Datenbank beurteilt er jedoch kritisch, da das Parlament der Regierung nicht vorschreiben könne, wie sie ihre Verwaltung organisiert. Deshalb beantragt er, die Motion lediglich als Anzug zu überweisen.

Mehr als nur eine organisatorische Frage

Die Organisation von Stellvertretungen ist unbestrittenermassen eine Arbeitsleistung, ebenso wie das Bereitstellen von Unterrichtsmaterialien oder das Erteilen von Arbeitsaufträgen. Fordert eine Schulleitung solche Arbeitsleistungen, so ist dies inakzeptabel. Gerade bei einer schweren Erkältung oder einer psychischen Belastung kann dies zusätzlichen Druck verursachen und anstelle einer möglichst schnellen Genesung zu weiterem Aufwand und Stress führen.

Hinzu kommt, dass sich viele Lehrpersonen ihren Klassen gegenüber stark verpflichtet fühlen. Müssen sie selbst für eine Vertretung sorgen, besteht die Gefahr, dass sie trotz Krankheit weiterarbeiten oder sich gar nicht erst krankmelden. Schliesslich bedeutet eine Krankmeldung oft zusätzlichen Aufwand. Stellvertretungen müssen gesucht, Unterrichtsmaterial vorbereitet und wichtige Informationen weitergegeben werden. Langfristig kann dies belastend sein und dadurch zu längeren Ausfällen führen.

Lehrpersonenmangel erschwert das Finden von qualifizierten Stellvertretungen

Die Diskussion macht zudem erneut deutlich, dass ein grosser Teil des eigentlichen Problems oft tiefer liegt. Viele Schulen haben Mühe, kurzfristig qualifizierte Stellvertretungen zu finden. Deshalb bestehen je nach Schulstandort unterschiedliche Lösungen mit eigenen Springerpools oder internen Vertretungen. Der Regierungsrat überprüft diese Modelle derzeit und eine Arbeitsgruppe erarbeitet Möglichkeiten für eine bessere Vernetzung. Ergebnisse werden für Herbst 2026 erwartet.

Die Frage, wer bei einem Krankheitsfall eine Stellvertretung organisiert, betrifft nicht nur Basel-Stadt. Auch in Basel-Landschaft stellt der Lehrpersonenmangel viele Schulen vor ähnliche Herausforderungen. Umso wichtiger sind Lösungen, welche kranke Lehrpersonen entlasten und gleichzeitig einen verlässlichen Unterricht für die Schüler*innen sicherstellen, sodass die Lehrpersonen «mit gutem Gewissen» auch krank sein dürfen.

Lavinia Beck
Vorstand Starke Schule beider Basel

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