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Kräftiger Wandel digitaler Bildung in Schweden

Kräftiger Wandel digitaler Bildung in Schweden

Schweden gilt als einer der Vorreiter der Digitalisierung an Schulen und war auch das erste Land, das die 1:1-Ausstattung einführte; also ein Konzept, bei dem jedes Schulkind ein eigenes digitales Gerät für den Unterricht erhält. Bereits ab 2007 begannen die Schulen ihre Schülerinnen und Schüler mit Tablets oder Computern auszurüsten. Ab 2019 wurde die Nutzung solcher Geräte für alle Schulen verpflichtend. Inzwischen ist ein deutliches Umdenken zu beobachten. Schweden rudert in der Digitalisierung kräftig zurück, da die damit verbundenen Nachteile zunehmend sichtbar wurden.

Nach einigen wissenschaftlichen Studien und internationalen Tests erkannte die Regierung die grossen Nachteile der Digitalisierung: Tablets und Computer bieten zahlreiche Möglichkeiten zur Ablenkung. Social-Media, chatten oder Gaming erscheinen plötzlich interessanter als der Unterricht. Zudem wurde festgestellt, dass sich eine hohe Bildschirmzeit negativ auf die Schulleistungen auswirkt, insbesondere in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik. Das Vokabular der Kinder ist oft eingeschränkt und auch ihr Leseverständnis fällt geringer aus. Ausserdem beeinträchtigt die starke Digitalisierung des Unterrichts die sozialen Kompetenzen eines Kindes, da sowohl die Interaktion zwischen Lehrkraft und Schülerin und Schüler als auch der Austausch unter den Schülerinnen und Schüler eingeschränkt wird.

All diese Gründe führten zu einer Reduzierung digitaler Lehrmittel an schwedischen Schulen. Vor drei Jahren kündigte die schwedische Bildungsministerin Lotta Edholm an, die Digitalisierung im Schulwesen zurückzufahren und stattdessen drei Millionen Kronen in Bücher und Bibliotheken zu investieren. Im vergangenen Sommer wurden diese Massnahmen nochmals verschärft, indem der Einsatz von Tablets und Computern noch stärker eingeschränkt wurde. Bis 2028 soll ein neuer Lehrplan erarbeitet werden, der diese neue Entwicklung weiter vorantreibt.

Digitalisierung im Schulwesen: Ein Kurswechsel in vielen Ländern

Auch in anderen Ländern ist ein ähnlicher Wandel im Bildungssystem zu beobachten. In Dänemark sowie Australien wird zurzeit intensiv über ein generelles Handyverbot an Schulen diskutiert. Gleichzeitig arbeitet Dänemark daran, den Einsatz digitaler Lehrmittel gezielter zu steuern und einzuschränken.

Diese Entwicklungen zeigen einen klaren Trend: In vielen stark digitalisierten Schulsystemen findet ein Umdenken statt. Selbst in Norwegen wird die Digitalisierung im Schulalltag immer stärker diskutiert und kritisiert, konkrete Massnahmen bestehen dagegen noch nicht. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass die skandinavischen Länder zu den Vorreitern der Digitalisierung gehörten und nun auch zu den Ersten zählen, welche den Umfang wieder reduzieren wollen.

Warum die Kritik der Tech-Branche wenig überzeugt

Das Zurückfahren der Digitalisierung stösst bei Tech-Unternehmen und Wirtschaftsverbänden auf wenig Zustimmung. Ihre Begründung überzeugt jedoch wenig: Kinder würden ohne digitale Geräte nicht ausreichend auf zukünftige Berufe vorbereitet, was langfristig der Wirtschaft schadet. Allerdings verfolgen solche Konzerne häufig eigene wirtschaftliche Interessen. Digitale Lernplattformen und Software stellt einen wachsenden Markt dar. Viele dieser Technologien sind gezielt so gestaltet, dass sie mithilfe angepasster Algorithmen eine hohe Nutzungsdauer fördern.

Fazit / Stand in der Schweiz

Nun gilt es genau zu beobachten, wie sich diese Massnahmen für eine Verminderung der Digitalisierung an Schulen in diesen Ländern auf die Schülerinnen und Schüler, deren Lernverhalten und Leistung auswirkt. Auch in der Schweiz wird die Digitalisierung im Schulwesen weiterhin vorangetrieben, jedoch zunehmend differenzierter betrachtet. Viele Kantone setzen auf eine Kombination aus digitalen und analogen Lernformen, anstatt ausschliesslich auf Geräte zu setzen. Während digitale Kompetenzen weiterhin als wichtig gelten, wächst auch hier die Sensibilität für mögliche Nachteile wie Ablenkung oder übermässige Bildschirmzeit.  

Charlotte Bally
Sekretariat Starke Schule beider Basel

Eine Antwort

  1. Felix Schmutz sagt:

    Empfohlen sei die Lektüre des Buches «The Digital Delusion» (2026) des Neurologen Jared Cooney Horvath, der lange als Lehrer gearbeitet hat. Prof. Paul A. Kirschner sagt dazu: «Jared Horvath zeigt in seinem Buch nicht nur, dass Bildungstechnologie nur ein Werkzeug ohne intrinsischen Wert fürs Lernen ist, sondern auch auf überzeugende Weise, wie Bildungstechnologie unser Lernen negativ beeinflussen kann. Wenn Sie ein Buch lesen wollen, das nicht anti-technologisch, sondern pro-Lernen ist, dann ist dies das Buch für Sie.»

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