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Landratssitzung vom 23. April: Jede Menge Bildungsgeschäfte

Landratssitzung vom 23. April: Jede Menge Bildungsgeschäfte

An der kommenden Landratssitzung stehen viele spannende Bildungsgeschäfte auf der Traktandenliste. Mehrere Geschäfte betreffen zentrale Fragen der Volksschule, der Lehrmittel und der Richtlinien in Bezug auf Sicherheit und Gesundheit an den Volksschulen und sind für die Weiterentwicklung des Bildungswesens im Kanton Basel-Landschaft von Bedeutung.

Schwerpunkte liegen unter anderem auf der Überschreitung der Höchstzahlen bei Klassengrössen, der Prüfung der politischen Neutralität aktueller Lehrmittel sowie der Angleichung der Schulferien an die Berufslehre. Weitere Vorstösse befassen sich mit der starken Belastung von Schulleitungen und Sekretariaten, der Überprüfung sicherer Schulwege sowie gegebenenfalls der Einführung einer Geschwindigkeitsbegrenzung. Ein weiteres Traktandum betrifft das kantonsweite Hitzemonitoring an Volksschulen.
Diese Traktanden geben einen guten Überblick über aktuelle bildungspolitische Herausforderungen – von Unterrichtsqualität über Infrastruktur bis hin zur Änderung aktueller Richtlinien. Im Folgenden die Bildungstraktanden im Detail.

2025/427: Überschreitung der Höchstzahlen bei den Klassengrössen

Die Interpellation von Landrätin Miriam Locher (SP) behandelt die Überschreitung der maximalen Klassengrösse in der Primarschule. Der Regierungsrat betont in seiner Antwort, dass die Höchstzahl von 24 Schüler/-innen grundsätzlich verbindlich ist und nicht überschritten werden darf. In den Schuljahren 2023–2026 wurden insgesamt 18 Ausnahmegesuche eingereicht, die alle bewilligt wurden aufgrund einer guten Begründung. Überschreitungen betreffen nur wenige Gemeinden und sind meist gering (1–2 zusätzliche Kinder) sowie zeitlich befristet. Gründe sind z. B. organisatorische Faktoren, nicht aber fehlender Schulraum, da dieser von den Gemeinden bereitgestellt werden muss. Insgesamt sind Ausnahmen nur in Einzelfällen erlaubt und müssen streng geprüft werden.

Position der SSbB: Die Starke Schule beider Basel ist dezidiert für eine konsequente Einhaltung der maximalen Höchstzahl der Klassengrössen. In grösseren Klassen haben Schüler/-innen mehr Schwierigkeiten, die Lernziele effizient zu erreichen. Lesen Sie hier eine ausführliche Position der SSbB.

2025/509: Lehrmittel ohne Ideologie – Sicherstellung der politischen und wirtschaftlichen Neutralität im Unterricht

Die Interpellation von Landrat Marc Scherrer (Die Mitte) kritisiert mögliche ideologische Einseitigkeit in Lehrmitteln. Der Regierungsrat betont, dass alle Lehrmittel vor der Aufnahme auf die Lehrmittelliste geprüft und auf fachliche Korrektheit sowie politische Ausgewogenheit beurteilt werden. Die Lehrmittel «Greentopf», «Gesellschaften im Wandel» und «Alltagsstark», welche der Interpellant als tendenziös in seiner Interpellation nennt, gelten gemäss Bildungsdirektion als empfehlenswert. Sie sind auch nicht obligatorisch, sodass Lehrpersonen die Wahlfreiheit haben. Die Verantwortung für eine ausgewogene Darstellung liegt auch bei den Lehrpersonen, welche die Inhalte kritisch einordnen und ergänzen sollen. Externe Materialien müssen ebenfalls didaktisch reflektiert werden. Insgesamt hält der Regierungsrat die bestehenden Prüf- und Qualitätssicherungsprozesse für ausreichend.

Position der SSbB: Die Lehrmittel sollen durchaus eine ausgewogene Bildung unterstützen und dürfen damit auch wertende Elemente enthalten.

2025/409: Gleich lange Spiesse im Bildungswesen – Schulische Ausbildung dem Ferienstandard der Berufslehre angleichen

Die Motion von Landrätin Silvia Lerch (FDP) verlangt, die Schulferien an weiterführenden Schulen zu verkürzen und stärker an die Berufslehre anzupassen. Der Regierungsrat sieht darin jedoch komplexe Auswirkungen auf Pädagogik, Organisation, Kosten und das Personalrecht. Auch soziale Aspekte sprechen dagegen, da viele Jugendliche die Ferien für Nebenjobs oder Praktika nutzen. Zudem könnte verpflichtendes Engagement den freiwilligen Charakter solcher Tätigkeiten schwächen. Deshalb hält der Regierungsrat eine vertiefte Prüfung für nötig. Er beantragt, die Motion in ein Postulat umzuwandeln und nicht direkt umzusetzen.

Position der SSbB: Das Sekretariatsteam der SSbB erteilt Silvia Lerch für diese Motion die Rote Karte. Eine Verkürzung der unterrichtsfreien Zeit (Schulferien) ist nicht berechtigt, weil Schüler/-innen regelmässig ausserhalb der Unterrichtszeit lernen und Aufgaben erledigen, selbst an Wochenenden und in den Schulferien. Zudem sind Ferien wichtig für die Erholung, die psychische Gesundheit und die Motivation. Viele Jugendliche sind auf Ferienzeiten angewiesen, um Nebenjobs oder Praktika auszuüben und erste Berufserfahrungen zu sammeln. Eine Verkürzung würde zudem die Vereinbarkeit von Schule, Familie und Freizeit weiter erschweren.

(v.l.n.r.) Lena Heitz, Lavinia Beck, Charlotte Höhmann, Lena Bubendorf

2025/425: Schulleitungen und Schulsekretariate der Primarstufe unter Druck

Die Interpellation von Landrätin Miriam Locher (SP) thematisiert die zunehmende Belastung von Schulleitungen und Schulsekretariaten auf der Primarstufe. Der Regierungsrat bestätigt in seiner Antwort, dass die Ressourcen der Schulleitungen grundsätzlich eingehalten werden, mit Ausnahme von kurzfristigen Vakanzen. Bei den Schulsekretariaten gibt es hingegen Gemeinden, welche die empfohlenen Ressourcen unterschreiten, wobei keine genauen Daten vorliegen. Grund dafür ist, dass die Gemeinden selbst über die Nutzung der Ressourcen entscheiden können, da die Vorgaben nur Empfehlungen sind. Der Regierungsrat sieht es nicht als seine Aufgabe, finanzielle Unterstützung bereitzustellen. Insgesamt bleibt die Verantwortung für die angepasste Verwendung der Ressourcen weitgehend bei den Gemeinden.

2025/260: Sicherer Schulweg, Tempo 30 beim Schönenbuchstrasse-Schulhaus in Allschwil

Das Postulat von Landrat Pascal Ryf (Die Mitte) fordert eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h beim Primarschulhaus an der Schönenbuchstrasse in Allschwil, um die Sicherheit der Primarschüler/-innen zu verbessern. Der Regierungsrat verweist darauf, dass innerorts grundsätzlich eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 km/h auf Kantonsstrassen gilt, Änderungen jedoch von der Gemeinde beantragt werden müssen. Die Gemeinde Allschwil hat bereits ein entsprechendes Konzept eingereicht und wurde aufgefordert, weitere Strassenbereiche umfassend zu prüfen. Die zuständigen kantonalen Stellen sind bereit, die Begrenzung zu prüfen, sobald ein konkreter Antrag vorliegt. Damit liegt die Verantwortung bei der Gemeinde, diese Forderung zu stellen. Der Regierungsrat beantragt daher, das Postulat entgegenzunehmen und gleichzeitig abzuschreiben.

2025/298: Hitzemonitoring an den kantonalen Schulen

Das Postulat von Landrat Jan Kirchmayr (SP) fordert ein kantonsweites Hitzemonitoring in den Schulzimmern. Der Regierungsrat bekennt in seiner Antwort zwar die Problematik von Hitze in Schulen und deren Auswirkungen auf Gesundheit und Leistung, hält jedoch ein flächendeckendes Monitoring für nicht sinnvoll, da es einen hohen Aufwand verursacht und wenig neue Erkenntnisse bringen würde. Stattdessen setzt er auf gezielte Massnahmen bei bestehenden Problemen sowie auf Verbesserungen bei Sanierungen und Neubauten. Daher lehnt der Regierungsrat das Postulat ab.

Charlotte Höhmann
Vorstand Starke Schule beider Basel

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