Markus Eigenmann übernimmt die Bildungsdirektion
Nun ist es definitiv: Markus Eigenmann übernimmt die Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD). Somit bleiben die Direktionszuständigkeiten unverändert. In rund zwei Wochen beginnt die Amtszeit des neuen Regierungsrates in der herausfordernden BKSD. Eigenmann übernimmt zwar eine gut geführte Direktion, anders als Monica Gschwind vor zehn Jahren. Gerade in Zeiten hohen Spardrucks braucht es eine starke Stimme für die Bildung in der Regierung. Die vier wesentlichen Baustellen der BKSD wurden in der BaZ beschrieben. Mit Erlaubnis der Journalistin Isabelle Thommen werden diese hier abgedruckt.
Künstliche Intelligenz zum Ersten
«Die künstliche Intelligenz (KI) erobert derzeit weltweit die Märkte. Während einige Experten von einer möglicherweise platzenden Bubble sprechen, andere Chancen in Kostensenkungen für die Wirtschaft sehen, warnen wiederum andere vor den Gefahren für die Demokratie, sollte die KI einen ungebremsten Siegeszug feiern. Trotz Befürchtungen erhoffen sich Unternehmen viel vom technologischen Fortschritt, den KI-Modelle bringen könnten. Eine Abwendung von der KI ist derzeit ein unrealistisches Szenario. Entsprechend müssen Schulen den Umgang damit unterrichten.
Wo anfangen? Die erste Frage stellt sich bereits bei der Technologie. Mit welchen Modellen wird unterrichtet? Müssen bezahlte Versionen eingekauft werden? Im Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Modellen wie Chat-GPT, Mistral oder Gemini dürfte dieser Entscheid nicht einfach ausfallen. Wer wird das Rennen machen und sich durchsetzen? Schülerinnen und Schüler, die in den frühen 2000er-Jahren im Baselbiet in die Schule gingen, erinnern sich noch an die Apple-Geräte in den Informatik-Schulräumen. Zu Hause hatten die meisten einen Windows-Rechner. «Als der Gerätevertrag abgeschlossen wurde, ging man davon aus, dass Apple sich durchsetzen wird», erklärten damals die Lehrer. «Heute würde man das anders entscheiden.» 2007 kam dann das erste iPhone auf den Markt, und die Kräfteverhältnisse zwischen den Techgiganten sortierten sich neu.
Die schnelllebigen Entwicklungen im digitalen Bereich dürften Entscheidungen, die mindestens mittelfristig an den Baselbieter Schulen wirken werden, nicht einfach machen. Hinzu kommt, dass alle führenden Techkonzerne im KI-Bereich derzeit in den USA liegen. Deren umstrittener Präsident Donald Trump nimmt grossen Einfluss auf die Konzerne. Ein KI-Entscheid bildet somit auch ein politisch heikles Pflaster.»
Künstliche Intelligenz zum Zweiten
«Die zweite grosse Herausforderung, welche die künstliche Intelligenz mit sich bringt, ist die Frage, wie sich die KI in den Schulalltag implementieren lässt. Wie muss sich der Unterricht verändern, um KI-Fähigkeiten zu erlernen? Welche Fächer müssen neu gedacht werden? Wo muss der Lehrplan beim Alten bleiben?
Wird die KI die Berufswelt revolutionieren, müssen Lehrkräfte die Schülerinnen und Schüler auf Berufe vorbereiten, die es heute noch nicht gibt. Wie diese aussehen werden, steht derzeit in den Sternen. Für den neuen Bildungsdirektor eine grosse Aufgabe. Mit dem Projekt «Schulen 2040plus» hat die bisherige Bildungsdirektorin Monica Gschwind den Grundstein gelegt. Mitte 2026 sollen die Ergebnisse dieser Analyse vorliegen. Danach gilt es für Markus Eigenmann, Entscheide zu treffen, die die Baselbieter Schulen für die Zukunft fitmachen sollen. Ein Alleingang ist hier aber nicht möglich. Die Harmonisierung des Lernplans mit den anderen Kantonen muss garantiert bleiben. Dies war mit dem Lehrplan 21 erfolgt und ist Teil der Schweizerischen Bundesverfassung.»
Die Sache mit den Sprachen
«Frühfranzösisch sei überholt, beschloss kürzlich der Kanton Zürich. Seither diskutiert die ganze Schweiz darüber. Der Bundesrat sieht in der Abschaffung die Gefahr eines breiteren und tieferen Röstigrabens und will das Obligatorium notfalls durchsetzen. In den beiden Basel soll derweil eine gross angelegte Umfrage analysieren, wie sinnvoll Frühfranzösisch ist. Danach wird auch hier ein gewichtiger Entscheid anstehen.
Hinzu kommt ein Sorgenkind, das wohl noch schwerer wiegt: Deutsch. In der Schweiz kann jeder fünfte Schulabgänger nicht richtig lesen und schreiben. Das Baselbiet meldet, dass 31 Prozent der Kinder im Vorkindergartenalter eine Deutschförderung brauchen. Hier will man die Hürden senken. Der Kanton hat erste Massnahmen eingeleitet. Beendet dürfte die Mission «besseres Deutsch» für Markus Eigenmann damit aber noch nicht sein.»
Die Aufmerksamkeit zurückgewinnen
«Die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen verkürzt sich. Schuld seien unter anderem soziale Medien, so Expertinnen. Bereits kurze Videos auf Tiktok oder Instagram zeigen heute zu Beginn eine Vorschau auf das spätere Highlight, damit die Nutzenden wissen, weshalb sie einen 30-Sekunden-Clip schauen sollten. Netflix lässt Filme und Serien seit einigen Jahren zudem so schreiben, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer noch mitkommen, wenn sie währenddessen am Handy scrollen. So sagt ein Charakter beispielsweise: «Ich bin traurig», während er weint. Tränen allein reichen für das 2-Bildschirm-Publikum nicht mehr, um die Emotion zu transportieren.
Im Schulunterricht spielt das Thema Aufmerksamkeit keine unerhebliche Rolle. Bildungsforscher Roland Reichenbach forderte in der jüngsten Ausgabe des «Magazins», dass die Schule langsamer werden sollte – gerade weil die Welt ringsherum schneller wird.
Das Implementieren dieser Langsamkeit – oder eben Aufmerksamkeit – wird die Verantwortlichen fordern. Wie kann man im Unterricht den Kräften von Social Media entgegenwirken? Wie kann die Aufmerksamkeitsspanne der Kinder und Jugendlichen wieder verlängert werden? In der Baselbieter Bildungspolitik wird noch wenig über diese Punkte diskutiert. Sie dürften aber entscheidend zu den Erfolgschancen der Schülerinnen und Schüler beitragen.»
Mehr Lehrer braucht das Baselbiet
«Der Bildungsdirektor braucht starkes Lehrpersonal, das die Herausforderungen mitbewältigt. Doch im Baselbiet mangelt es an Lehrpersonen. Hinzu kommen die Probleme bei der Pädagogischen Hochschule an der Fachhochschule Nordwestschweiz: Studierende beschwerten sich über den Lehrgang, zudem wurde kürzlich ein Stellenabbau angekündigt. Auf die Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule will Eigenmann ein Augenmerk legen, kündigt er am Wahlsonntag an. Markus Eigenmann wird in den kommenden Jahren die Aufgabe haben, den Lehrerberuf zu stärken. Die Ausbildung und der Beruf müssen dafür attraktiver werden. Eine Herkulesaufgabe wartet auf den neuen Bildungsdirektor.»
Ein anspruchsvoller Start
Die Starke Schule beider Basel (SSbB) wünscht Markus Eigenmann viel Erfolg in seiner neuen Funktion als Vorsteher der BKSD. Bildungspolitische Entscheide wirken langfristig und verlangen Weitsicht, Dialogbereitschaft und den Mut, Prioritäten klar zu setzen. Die SSbB erwartet, dass der neue Bildungsdirektor die Anliegen der Schulen ernst nimmt, die Lehrpersonen einbezieht und sich konsequent für ausreichende finanzielle und personelle Ressourcen einsetzt. Gute Bildung ist keine Kostenstelle, sondern eine Investition in die Zukunft. Wir hoffen, dass Markus Eigenmann offen für den Dialog und Kritik bleibt und die anstehenden Reformen mit Augenmass, Fachkompetenz und politischem Rückgrat angeht. Die SSbB wird diesen Weg konstruktiv-kritisch begleiten – im Interesse einer starken, gerechten und zukunftsfähigen Schule.
Lena Bubendorf
Vorstand Starke Schule beider Basel
[Quelle: BaZ vom 01.12.2025, abgedruckt mit Erlaubnis der Journalistin]
