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Französisch auf die Sekundarstufe 1 verlegen?

Französisch auf die Sekundarstufe 1 verlegen?

Derzeit wird debattiert, ob zwei Fremdsprachen in der Primarschule sinnvoll sind. Besonders das sogenannte Frühfranzösisch steht unter Beschuss. Als Sekundarlehrer mit Klassenlehrerfunktion habe ich, obwohl ich keine Sprachen unterrichtete, viel mitbekommen von dieser Entwicklung, alles immer früher anzusetzen. Im Folgenden geht es darum, zu erörtern, weshalb ich den Beginn des Französischunterrichts auf der Sekundarstufe 1 besser finde.

Unbedingt früh genug?

Dass Schulabgängerinnen und -abgänger über die notwendigen Sprachkenntnisse verfügen sollen, um sich in französischsprachigen Landesteilen einigermassen verständigen zu können, ist ein Anspruch an unser Bildungssystem. Um genau das zu garantieren, kann man kaum früh genug beginnen, dachten sich Reformfreudige. Die Idee dahinter war simpel: Kleinkinder erlernen eine Sprache mühelos, wenn sie ihr andauernd ausgesetzt sind. Daraus entwickelte sich die Idee des Sprachbades. Als Kompromiss wählte man das Eintauchen in dieses Bad ab dem dritten Schuljahr in den Kantonen, die Französisch zur erstvermittelten Fremdsprache in der Primarschule erklärten. Doch inzwischen ist man hart gelandet auf dem Boden der Tatsachen.

Baden im Nicht-Bad

Die Frühfremdsprachen-Reform ging einher mit vollkommen neu konzipierten Lehrmitteln: Kaum Grammatik, kein nachhaltig ausgebildeter Wortschatz, dafür Spracherwerbsstrategien mit Ausflügen ins Exotische. Hinzu kamen neu authentische Texte, die selbst Sprachbeherrschende nicht mühelos verstehen. Und die Badewanne? Die ist kaum bodenbedeckend gefüllt, denn mit zwei, drei Lektionen pro Woche ist man weit weg vom Sprachbad, welches Kleinkinder in einem entsprechenden Zuhause erfahren würden.

Die Ergebnisse

Etliche Erhebungen zeigen: Die meisten Schülerinnen und Schüler verfügen in den Fremdsprachen am Ende ihrer Primarschulzeit kaum über anwendbare Grundkenntnisse. Englisch steht besser da als Französisch, doch das hat tatsächlich mit einer Art Sprachbad zu tun. Viele Kiddies schauen sich auf YouTube oder TikTok englischsprachige Videoclips an und erweitern so ihre Sprachkenntnisse in Englisch.

Der für Frühfremd betriebene Aufwand war und ist immer noch gigantisch – der Ertrag ist (wie bereits erwähnt) marginal.

Lassen wir`s!

Eine ehrliche Analyse der aktuellen Zustände zeigt: Zuviel ist zu viel. Der doppelte Fremdsprachen-unterricht auf der Primarstufe bindet wertvolle Unterrichtszeit für wenig Ergebnis. Schon Simone Pfenninger hat in ihrer heiss diskutierten Studie aufgezeigt, dass Spätlernende das Verpasste in Nullkommanichts aufholen.

Deshalb plädiere ich dafür, auf der Primarstufe höchstens noch eine Fremdsprache zu unterrichten. Da Englisch zu Beginn einfacher zu erlernen ist und Fortschritte schneller sichtbar sind, unterstütze ich die Idee, den Unterrichtsbeginn in Französisch auf die Sekundarstufe 1 zu verlegen.

Daniel Vuilliomenet
ehemaliger Sekundarlehrer Niveau P, E, A und Kleinklasse

Eine Antwort

  1. Paul Hofer sagt:

    Ich hatte mich vor Jahren auch für «Frühfranzösich» eingesetzt, weil wir in der Westschweiz Französisch sprechen. Nur: Die Erkenntnis, dass keine Schülerin oder Schüler in einem Laden auf Französisch etwas einkaufen kann, lässt erkennen, dass das ein Fehler war. Also besser später mit der Fremdsprache beginnen, dafür mit mehr Hoffnung auf Erfolg. Dafür besser «lesen, schreiben und rechnen» können, das wird im Leben mehr bringen!

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