Eltern kritisieren geplante Lernlandschaften an der Sekundarschule Muttenz
Lernlandschaften werden im Baselbiet zunehmend als moderne Lösung für die Schule der Zukunft verkauft. Gleichzeitig berichten immer mehr Lehrpersonen, die mit solchen Grossraumschulzimmern schlechte Erfahrungen gemacht haben, dass viele Schüler/-innen überfordert sind, wenn sie in offenen Strukturen selbstorganisiert arbeiten sollen: Ablenkung, fehlende Orientierung und unklare Leistungsanforderungen würden zu Chaos statt zu besseren Lernergebnissen führen. Die Lernateliers, wie Lernlandschaften manchmal auch genannt werden, schwächen die schulische Basis und gefährden die Qualität der Sekundarstufe I. Auch bei Eltern erhebt sich Widerstand.
Im Kanton Basel-Landschaft bestehen heute insgesamt 17 Sekundarschulstandorte. Bisher gibt es an den Sekundarschulen nur an zwei Standorten (Pratteln und Frenkendorf-Füllinsdorf) Lernlandschaften, in denen Schüler/-innen in offenen Räumen arbeiten.
In Muttenz kritisieren besorgte Eltern die geplanten Grossraumschulzimmer
In Muttenz ist ein Neubau geplant, bei dem im Dachstock zwei flexible Lernlandschaften eingerichtet werden sollen. Mittels flexiblen Trennwänden können diese auch zu kleineren Räumen umgebaut werden. Gegen Grossraumschulzimmer, in welchen bis zu 60 Schüler/-innen und mehr gleichzeitig selbstorganisiert lernen sollen, wehren sich nun besorgte Eltern. In einem der SSbB anonym zugestellten Schreiben werden die Eltern deutlich:
«Wir sind Eltern von Kindern, die in den kommenden 5-10 Jahren die Sekundarschule Muttenz besuchen werden. Mit grosser Sorge haben wir erfahren, dass im geplanten Neubau sogenannte Lernlandschaften vorgesehen sind. Uns ist bewusst, dass dieses Konzept gewisse Chancen bieten kann. Dennoch sind wir der Überzeugung, dass die möglichen Nachteile sorgfältig geprüft und öffentlich diskutiert werden müssen. Aus unserer Sicht sprechen insbesondere folgende Punkte dagegen:
- Es wird organisatorisch kaum umsetzbar sein, den Schülerinnen und Schülern eine echte Wahlmöglichkeit zwischen klassischem Unterricht und Lernlandschaften zu bieten.
- Neurowissenschaftliche Erkenntnisse weisen darauf hin, dass viele Jugendliche während der Pubertät mit selbstständiger Organisation überfordert sind. In dieser Entwicklungsphase sind klare Strukturen, verbindliche Vorgaben und verlässliche Führung besonders wichtig.
- Lernlandschaften bergen das Risiko, leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler zusätzlich zu benachteiligen – insbesondere jene, die auch im Elternhaus wenig Unterstützung erfahren.
- Im Kontext zunehmender Digitalisierung ist eine wirksame Begleitung und Kontrolle selbstständiger Lernprozesse deutlich erschwert.
- Ohne klare Anleitung besteht die Gefahr, dass Aufgaben nicht vertieft bearbeitet werden und eher einfache oder bevorzugte Themen gewählt werden, anstatt sich auch anspruchsvollen Inhalten zu stellen.»
Die SSbB kritisiert die geplanten Grossraumschulzimmer
In Grossraumschulzimmern lernen bis zu 60 oder mehr Schüler/-innen. Insbesondere die schwächeren Jugendlichen haben erhebliche Schwierigkeiten, mit dem dadurch verbundenen selbstorganisierten Lernen umzugehen. Unruhe sowie mangelnde individuelle Betreuung und Förderung tragen ihren Teil dazu bei. Viele Lernende erreichen die Lernziele nicht. Die SSbB lehnt Grossraumschulzimmer ab. Wichtiger als neue Raumkonzepte, wäre eine Verbesserung der Unterrichtsqualität.
Die Beispiele aus Pratteln, Frenkendorf-Füllinsdorf und dem geplanten Neubau in Muttenz zeigen, wie einzelne Projekte als Trend gesetzt werden, obwohl sie nur einen kleinen Teil der kantonalen Realität abbilden. Aus Sicht der SSbB ist es problematisch, wenn aus einzelnen Schulversuchen schleichend ein neuer baulicher und pädagogischer Standard entsteht. Offene Raumkonzepte werden häufig als modern und schülerzentriert dargestellt, ohne dass geklärt wird, ob sie den Lernerfolg verbessern.
Gerade in der Sekundarstufe I benötigen viele Schüler/-innen klare Strukturen, feste Bezugspersonen und verlässliche Abläufe. Lernlandschaften verlangen hingegen ein hohes Mass an Selbststeuerung, das nicht alle Jugendlichen mitbringen. Wer Lernlandschaften befürwortet, muss sich bewusst sein, dass schwächere Schüler/-innen oft den Anschluss verlieren.
SSbB steht für klare Strukturen und Leistungsorientierung
Bildungspolitik muss sich an überprüfbarer Qualität orientieren und darf nicht auf architektonische oder pädagogische Modetrends setzen. Gute Schule entsteht durch gut ausgebildete Lehrpersonen, klare Leistungsziele und verbindliche fachliche Standards. Die SSbB fordert, dass neue Unterrichtsformen nur dann eingeführt werden, wenn sichergestellt ist, dass sie die Leistungen aller Schüler/-innen fördern und niemanden benachteiligen.
Besonders kritisch ist für die SSbB, dass Lernlandschaften die Grundkompetenzen in Lesen, Schreiben und Mathematik gefährden. Offene Lernräume dürfen nicht dazu führen, dass fachliche Anforderungen in den Hintergrund treten. Schule darf kein Experimentierfeld sein, während ganze Jahrgänge ihre schulische Basis verlieren. Denn am Ende entscheiden nicht Räume über Bildungserfolg, sondern guter Unterricht und klare Erwartungen an alle Schüler/-innen.
Lena Bubendorf
Vorstand Starke Schule beider Basel

2 Antworten
Selbstständigkeit ist ein wichtiges Ziel der Erziehung. Zu erkennen ist sie, wenn die Jugendlichen am Ende der Sekundarstufe I wissen, wie sie vorgehen müssen, um ihr Lernen zu organisieren, und die entsprechenden Verfahren aus eigenem Antrieb anwenden. Dies setzt jedoch eine über Jahre dauernde Entwicklung voraus, denn fachliches Arbeiten ist anspruchsvoll, Selbstständigkeit ist Ausdruck einer gewissen Reife. Schliesslich mussten die Lehrpersonen die Sekundarstufe II auf Maturitätsniveau bestehen und daran anknüpfend ein Studium absolvieren. Es ist deshalb ein grosser Irrtum zu glauben, Kinder und Jugendliche könnten Selbstständigkeit von Anfang an durch Selbstständigkeit erlangen. Vielmehr braucht es enge Führung, persönliche, wohlwollend strenge Begleitung und ein allmähliches Übertragen der Verantwortung an die Lernenden. Lernlandschaften bedeuten das Gegenteil: Zu früh wird die persönliche Beziehung und Führung an digitale und analoge Hilfsmittel übertragen, Kinder und Jugendlich damit aber weitgehend sich selbst überlassen.
Ich bin mir nicht so sicher, ob die Autorin wirklich weiss, was eine gut funktionierende Lernlandschaft ist und für die Lernenden bedeutet. Sicher nicht das, was hier dargestellt wird. Es wäre an der Zeit, gut funktionierende Konzepte genauer unter die Lupe zu nehmen, um Vorurteile, wie sie in diesem Artikel manifestiert werden, abzubauen.