Gut gemeint, aber mit problematischen Folgen
Das Amt für Volksschulen hat vorgegeben, dass Primarschulen von Eltern kein Geld mehr für die Klassenkasse einfordern dürfen. Grundsätzlich ist es richtig, darauf zu achten, dass Eltern für Schulanlässe nicht belastet werden und kein Kind aufgrund der finanziellen Situation seiner Familie von schulischen Aktivitäten ausgeschlossen wird. Doch die neue Regelung wirft Fragen auf, denn sie führt dazu, dass Ausflüge und gemeinsame Erlebnisse aus finanziellen Gründen gestrichen werden.
Ausflüge sind kein Luxus
Fehlt das Geld in der Klassenkasse, werden Ausflüge, Museums- oder Zoobesuche schnell zum Luxus. Als Alternativen zu Elternbeiträgen bleiben Kuchenverkäufe, Konzerte oder andere Sammelaktionen. Doch auch hier gelten je nach Gemeinde unterschiedliche Regeln: Mancherorts sind Kollekten verboten, andernorts freiwillige Beiträge erlaubt. Für Schulen, Lehrpersonen und Eltern ist das kaum nachvollziehbar.
Gleichzeitig sind die Kosten für den öffentlichen Verkehr stark gestiegen und werden von vielen Gemeinden nicht oder nur teilweise übernommen. Wenn der Kanton die Finanzierungsmöglichkeiten der Schulen einschränkt, muss er im Gegenzug auch für verlässliche Alternativen sorgen. Basel-Stadt zeigt mit kostenlosem öffentlichen Verkehr für Schülerinnen und Schüler, dass andere Modelle möglich sind.
Das Problem wird verlagert
Auch das Argument, Familien könnten sich Beiträge zur Klassenkasse nicht leisten, greift zu kurz. Für Härtefälle gab es bereits bisher individuelle Lösungen, ohne dass Kinder ausgeschlossen werden mussten.
Neu droht vielmehr, dass ganze Klassen auf Aktivitäten verzichten müssen. Gleichzeitig steigt der Aufwand für Lehrpersonen, die zusätzliche Sammelaktionen organisieren sollen. Bereits heute ist ihr Schulalltag anspruchsvoll.
Am Ende trifft es die Falschen
Besonders hart trifft dies Kinder aus sozial schwächeren Familien. Viele von ihnen lernen Orte wie Museen, den Zoo oder andere kulturelle Angebote überhaupt erst durch die Schule kennen. Genau hier schafft Schule Chancengleichheit.
Fallen solche Ausflüge weg, wird soziale Ungleichheit nicht kleiner, sondern grösser: Privilegierte Kinder erleben diese Dinge weiterhin mit ihren Familien, andere verlieren wichtige Bildungs- und Gemeinschaftserfahrungen.
Chancengleichheit braucht Finanzierung
Chancengleichheit bedeutet deshalb mehr, als Eltern von Beiträgen zu entlasten. Sie bedeutet auch, allen Kindern gemeinsame Erlebnisse und Teilhabe zu ermöglichen.
Wer Klassenkassen einschränkt, muss deshalb gleichzeitig die Finanzierung von Ausflügen und öffentlichem Verkehr sicherstellen. Sonst trifft eine gut gemeinte Regelung am Ende ausgerechnet jene Kinder, die ausserhalb der Schule ohnehin die wenigsten Möglichkeiten haben.
Charlotte Bally
Sekretariat Starke Schule beider Basel
