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Von der Schulleitung zur Schulführung

Von der Schulleitung zur Schulführung

Der Schweizer Verband der Schulleitungen hat einen neuen Namen. Aus dem VSLCH wird nun Visenti, der «Verband Schulführung Schweiz». Der Namenswechsel mag auf den ersten Blick nebensächlich erscheinen. Doch hinter dem Namenwechsel steht mehr als nur ein neuer Name: Neuer Name gleich neue Aufgaben? Begriffe prägen das Verständnis einer Aufgabe. Und gerade deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf die Frage, welche Rolle Schulleitungen in unserem Bildungssystem eigentlich übernehmen sollen.

Schulleitungen leisten eine wichtige Arbeit. Sie organisieren den Schulbetrieb, sind für Personalfragen zuständig, unterstützen Lehrpersonen bei Konflikten und schaffen die Voraussetzungen dafür, dass Unterricht überhaupt unter guten Bedingungen stattfinden kann. Gute Schulleitungen sind deshalb für funktionierende Schulen unverzichtbar.

Wer entscheidet über die Schule?

Der neue Begriff «Schulführung» deutet jedoch auf eine klare Erweiterung des Selbstverständnisses hin. Visenti betont ausdrücklich, Schulführung bedeute heute mehr als Administration. Es gehe darum, Menschen zu führen, Schulen weiterzuentwickeln und Verantwortung für die Bildung der Zukunft zu übernehmen. Das Ziel sei mehr als nur die Leitung einer Schule zu sein. Man wolle die Schule führen.

Natürlich müssen sich Schulleitungen Gedanken über die Entwicklung ihrer Schule machen und diese gewissermassen auch führen und bestimmen. Nur stellt sich die Frage: Wie viel Führen ist zu viel? Fraglich wird es, wenn aus der Führung einzelner Schulen zunehmend der Anspruch entsteht, die grundsätzliche Ausrichtung des gesamten Bildungssystems mitzugestalten.

Über tiefgreifende Veränderungen der Volksschule sollten nicht einzelne Berufsverbände entscheiden. Dafür gibt es demokratisch legitimierte Behörden, Parlamente und Bildungsräte. Auch Lehrpersonen, Eltern und weitere Beteiligte müssen bei grundlegenden Fragen einbezogen werden. Entscheidend ist nicht, wer möglichst viel Einfluss gewinnt, sondern wer für welche Aufgabe verantwortlich ist.

Aus Sicht der Starken Schule beider Basel (SSbB) liegt die wichtigste Aufgabe einer Schulleitung dort, wo sie für die tägliche Arbeit der Schule tatsächlich gebraucht wird: bei der Unterstützung der Lehrpersonen, einem fairen und transparenten Umgang mit Konflikten und der Sicherstellung eines funktionierenden Schulbetriebs.

Die Schule braucht gute Rahmenbedingungen

Gerade die Erfahrungen aus den beiden Basel zeigen, wie entscheidend diese Aufgabe ist. An der grossen Umfrage der SSbB zu Schulleitungen nahmen 1’176 Lehrpersonen teil. Die Ergebnisse machten deutlich, dass zwischen den einzelnen Schulen teilweise erhebliche Unterschiede bei Vertrauen, Unterstützung, Gleichbehandlung und dem Umgang mit Kritik bestehen (Starke Schule beider Basel).

Führung darf nicht zum Selbstzweck werden

Eine gute Schulleitung muss nicht ständig im Vordergrund stehen. Ihre Qualität zeigt sich vielmehr daran, ob eine Schule gut funktioniert und Lehrpersonen ihre pädagogische Arbeit möglichst gut ausüben können. Es verhält sich wie bei einem kompetenten Fussballschiedsrichter: Wenn er bei der Spielleitung unauffällig bleibt, hat er seine Sache gut gemacht.

Der Wechsel von der «Schulleitung» zur «Schulführung» ist deshalb mehr als eine sprachliche Änderung. Er wirft die Frage auf, wie weit der Führungsanspruch von Schulleitungen reichen. Die SSbB ist überzeugt, dass die Schulen kompetente und verantwortungsvolle Schulleitungen brauchen. Sie brauchen aber keine zusätzliche Instanz, die immer stärker Einfluss auf die grundsätzliche Gestaltung der Bildungspolitik nimmt.

Je klarer die Aufgaben verteilt sind, desto besser funktioniert das System. Schulleitungen sollten vor allem eines tun: dafür sorgen, dass Lehrpersonen unter guten Bedingungen unterrichten können. Denn gute Bildung entsteht letztlich nicht in Verbandsvorständen, sondern im Klassenzimmer, wo täglich unterrichtet wird.

Lavinia Beck
Vorstand Starke Schule beider Basel

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