Auswertung der Umfrage zu Schulleitungen der Primarstufe
An der vor zwei Wochen durchgeführten Umfrage der Starken Schule beider Basel (SSbB) zu den Schulleitungen der Primarstufe sowie der Sekundarstufen I und II nahmen 1’176 Lehrpersonen teil. Davon unterrichten 40,4% an einer Primarschule in den beiden Basler Halbkantonen. Befragt wurden die Lehrpersonen zu ihren Erfahrungen mit ihren Schulleitungen in den Bereichen Respekt, Gleichbehandlung, Vertrauen, Unterstützung und Kritikfähigkeit.
In dieser Auswertung werden jene Primarschulen berücksichtigt, bei denen mindestens eine zweistellige Anzahl an Lehrpersonen an der anonymen Umfrage teilgenommen hat, sodass ein aussagekräftiges Stimmungsbild möglich ist.
Mit den Antwortmöglichkeiten «Ja», «Eher ja», «Eher nein», «Nein» und «Keine Beurteilung möglich» konnten die Umfrageteilnehmenden angeben, ob die vorgegebenen Aussagen zutreffen. Für die Auswertung wurden «Ja» und «Eher ja» sowie «Nein» und «Eher nein» jeweils zusammengefasst. Der Balken «Schnitt aller Lehrpersonen» entspricht dem Durchschnitt aller 1’176 Teilnehmenden über die drei Stufen Primarstufe, Sekundarstufe I und II der beiden Basel.
Gleichbehandlung
Bei der Frage, ob die Schulleitung alle Mitarbeitenden gleich behandelt, weisen die Primarschulen Biel-Benken und Aesch die höchsten Zustimmungswerte auf. Vier weitere Schulen liegen ebenfalls über dem Durchschnitt. Die tiefsten Werte zeigen sich in den Schulen Bubendorf, Allschwil und Vogelsang, wobei Vogelsang deutlich hinter Allschwil zurückliegt (siehe Grafik 1).

Da die Wahrnehmung von Fairness und Gleichbehandlung eine zentrale Voraussetzung für Vertrauen und Zusammenarbeit innerhalb einer Organisation darstellt, deuten die Resultate darauf hin, dass die Schulleitungen an vielen Schulen noch Optimierungspotential haben. Insbesondere Transparenz bei Entscheidungen sowie eine nachvollziehbare Zuteilung von Verantwortlichkeiten könnten zur Verbesserung beitragen.
Vertrauen, Respekt und Unterstützung
In den Bereichen Vertrauen, Respekt und Unterstützung ragen die drei Primarschulen Frenkendorf, Gotthelf und Sissach mit jeweils 100% Zustimmung heraus. An der Primarschule Theodor geben zwar alle befragten Lehrpersonen an, respektvoll behandelt zu werden, jedoch fühlt sich etwas mehr als ein Viertel nicht ausreichend unterstützt. Auch die Primarschulen Biel-Benken und Neubad erzielen in diesen Bereichen hohe Zustimmungswerte.
Jeweils acht Primarschulen befinden sich in allen Bereichen über dem Schnitt aller Lehrpersonen, sieben Schulen drunter. Allschwil, Binningen, Bubendorf und Vogelsang schliessen in allen drei Bereichen unterdurchschnittlich ab (siehe Grafiken 2, 3 & 4).



Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass viele Lehrpersonen ihre Schulleitung als respektvoll, vertrauenswürdig und unterstützend erleben. Gleichzeitig verdeutlichen die Unterschiede zwischen den Schulen, dass diese positiven Erfahrungen stark von der jeweiligen Führungskultur abhängen.
Kritikfähigkeit
Bei der Frage, ob Kritik an allen Schulleitungsmitgliedern ohne negative Konsequenzen geäussert werden kann, erzielen die Primarschulen Sissach und Biel-Benken die höchsten Zustimmungswerte. An den Primarschulen Binningen und Vogelsang geben lediglich rund zehn Prozent der Lehrpersonen an, dies sei möglich. In Allschwil und Bubendorf lehnt rund drei Viertel der Befragten diese Aussage ab (siehe Grafik 5).

Auch bei der Frage, ob Kritik von der Schulleitung professionell aufgenommen wird, liegen Sissach und Biel-Benken vorne. Vogelsang weist erneut die tiefsten Werte auf, gefolgt von Bubendorf und Binningen. In Allschwil stimmt nur etwa ein Viertel der Lehrpersonen zu. Frenkendorf liegt im oberen Mittelfeld, wobei der Anteil an Enthaltungen vergleichsweise hoch ist (siehe Grafik 6).

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Feedbackkultur an mehreren Schulen als eingeschränkt wahrgenommen wird. Wo Kritik nicht ohne Vorbehalte geäussert werden kann, besteht das Risiko, dass wichtige Rückmeldungen und Verbesserungsvorschläge unterbleiben.
Macht
Bei der Frage nach dem Machtverhältnis zwischen Schulleitung und Lehrpersonen zeigen sich die grössten Unterschiede zwischen den Schulen.
In Binningen beurteilen alle befragten Lehrpersonen das Machtverhältnis negativ. Auch in Vogelsang ist ein sehr hoher Anteil dieser Meinung, gefolgt von Allschwil und Bubendorf. In diesen beiden Schulen empfindet rund die Hälfte bis zwei Drittel der Lehrpersonen die Machtverhältnisse als unausgewogen. Demgegenüber geben in Frenkendorf keine Lehrpersonen an, dass die Schulleitung zu viel Macht ausübe. Auch in Sissach und Biel-Benken wird dies von über 90% der Befragten nicht so wahrgenommen (siehe Grafik 7).

Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Wahrnehmung von Macht eng mit Vertrauen, Mitsprachemöglichkeiten und der Qualität der Feedbackkultur zusammenhängen kann. Wo Macht als ausgewogen erlebt wird, scheint auch die Zusammenarbeit konstruktiver zu sein.
Fazit
Die Umfrage zeigt insgesamt ein deutlich differenziertes Bild der Führungskultur an den untersuchten Primarschulen. In den Bereichen Respekt, Vertrauen und Unterstützung überwiegen klar positive Einschätzungen. Viele Schulen erreichen hier sehr hohe Zustimmungswerte, was auf stabile und tragfähige Beziehungen zwischen Lehrpersonen und Schulleitungen hinweist.
Deutlich heterogener und teilweise kritisch fallen die Resultate in den Bereichen Gleichbehandlung, Kritikfähigkeit und Machtverhältnisse aus. Insbesondere die Möglichkeit, Kritik ohne negative Konsequenzen zu äussern, wird an mehreren Schulen zurückhaltend beurteilt. Ebenso zeigen sich erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Standorten, was auf stark schulabhängige Führungskulturen hinweist.
Insgesamt weisen die Resultate darauf hin, dass die zwischenmenschlichen Aspekte der Führung häufig positiv erlebt werden, während strukturelle Aspekte wie Transparenz, Mitwirkung und eine offene Feedbackkultur deutlich schwächer beurteilt werden. Gerade in diesen Bereichen besteht an mehreren Schulen klarer Entwicklungsbedarf. Entscheidend wird sein, eine Kultur zu fördern, in der Rückmeldungen angstfrei geäussert werden können, Entscheidungen nachvollziehbar sind und Machtverhältnisse als fair und ausgewogen erlebt werden.
Lena Bubendorf, Vorstand Starke Schule beider Basel
Charlotte Bally, Sekretariat Starke Schule beider Basel

Eine Antwort
Wiederum ausgesprochen aufschlussreiche Befunde, was das Stimmungsbild an diversen Primarschulen in BS und BL betrifft. Hierbei sei nur eine unter vielen Auffälligkeiten herausgegriffen: An der Primarschule Frenkendorf finden 0% der Umfrageteilnehmenden, die Schulleitung habe zu viel Macht, an jener in Binningen 100%. Dabei sind die tatsächlichen Machtbefugnisse der beiden Schulleitenden wohl (nahezu) identisch, weil beide ja dem Personalgesetz des Kantons BL unterstehen. Folglich kann diese völlig unterschiedliche Wahrnehmung an beiden Standorten nur darauf zurückzuführen sein, dass die betr. Schulleitungen ganz unterschiedlich mit ihrer operativen Macht umgehen. Und wenn alle oder eine deutliche Mehrheit der Befragten finden, die Schulleitung habe zu viel Macht, wie es bei den Primarschulen Binningen, Vogelsang und Allschwil der Fall ist, dann liegt wahrscheinlich Machtmissbrauch in der einen oder anderen Form vor. Grund genug, da etwas genauer hinzuschauen!