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Schulleitung unter Druck: Erneut verlassen viele Lehrpersonen die Primarschule Allschwil

Schulleitung unter Druck: Erneut verlassen viele Lehrpersonen die Primarschule Allschwil

Alleine im Schulhaus Neuallschwil geben auf Ende Schuljahr mindestens acht Lehrpersonen ihre Stelle auf. Und die Beschwerden häufen sich: Die Starke Schule beider Basel (SSbB) erhält seit einigen Wochen insgesamt eine zweistellige Anzahl Zuschriften und Telefonanrufe von Lehrpersonen und Eltern. Die Vorwürfe ähneln jenen, die bereits vor einem Jahr öffentlich wurden: Angstklima, Druck auf Mitarbeitende, fehlende Mitsprache und eine Führungskultur, die offenbar immer mehr erfahrene Lehrpersonen aus dem System drängt.

Angst, Druck und Schweigen

Die Zuschriften stammen von unterschiedlichen Personen, weisen jedoch klare inhaltliche Parallelen auf. Wiederholt ist von einem Klima die Rede, in dem Kritik unerwünscht sei und Mitarbeitende negative Konsequenzen befürchten müssten, wenn sie Missstände ansprechen. Eine Lehrperson schreibt zusammenfassend: «Viele haben das Gefühl, ihre Meinung nicht mehr frei äussern zu können, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen». Und weiter: «Wer Missstände anspricht oder Fragen stellt, erlebt häufig Druck, wird versetzt oder muss damit rechnen, dass Arbeitsverträge nicht verlängert werden». Besonders häufig wird die Praxis befristeter Arbeitsverträge kritisiert.

Gemäss einer Zuschrift habe sich dadurch der «Rektor (…) eine grosse Machtposition geschaffen». Eine andere Person spricht von «Angstpolitik und teilweise auch Mobbing» oder davon, dass Lehrpersonen «systematisch zermürbt» würden. Ob alle Vorwürfe im Einzelnen zutreffen, lässt sich von aussen nicht überprüfen. Auffällig ist jedoch, dass zahlreiche Briefe, die die SSbB über einen längeren Zeitraum erhalten hat, in dieselbe Richtung weisen und die Schulleitung, insbesondere den Rektor, massiv kritisieren und dies mit konkreten Beispielen untermauern.

Deutliche Hinweise aus der SSbB-Umfrage: Allschwil im unteren Leistungsbereich

Auch die vor wenigen Wochen durchgeführte Umfrage der SSbB fällt für die Primarschule Allschwil negativ aus. In der anonymen Befragung von 1’176 Lehrpersonen aus den beiden Basler Halbkantonen gehört Allschwil in mehreren zentralen Bereichen zu den am schlechtesten bewerteten Schulen. Besonders deutlich zeigt sich dies bei der Gleichbehandlung durch die Schulleitung: Allschwil weist hier einen der niedrigsten Zustimmungswerte aller betrachteten Primarschulen auf.

Noch deutlicher fallen die Ergebnisse in den Bereichen Vertrauen, Respekt und Unterstützung aus. Während einzelne Primarschulen Spitzenwerte erreichen, liegt Allschwil in allen drei Kategorien deutlich unter dem Durchschnitt aller Lehrpersonen.

Im Bereich Kritikfähigkeit ist das Bild ähnlich: Rund drei Viertel der befragten Lehrpersonen (LP) geben an, dass Kritik an der Allschwiler Schulleitung (SL) nicht ohne negative Konsequenzen möglich ist (siehe Grafik 1).

Auch auf die Frage, ob die Schulleitung zu viel Macht auf die Lehrpersonen ausübt, fällt das Resultat eindeutig aus (siehe Grafik 2).

In der Gesamtauswertung fällt Allschwil insgesamt deutlich negativ auf: In allen zentralen Führungs- und Beziehungskategorien schneidet die Schule unterdurchschnittlich ab. Positive Ausreisser gibt es keine. Das bleibt nicht ohne Folgen.

Erfahrene Lehrpersonen gehen, die Kinder bleiben zurück

Besonders alarmierend ist die anhaltend hohe Fluktuation. Mehrere Lehrpersonen berichten von einem massiven Verlust an Erfahrung und Know-how. Eine Lehrperson schreibt bezogen auf ihr Schulhaus: «In zwei Jahren sind somit 11 Leute nicht mehr da» und «da sind die Sozpäds, Franz-LPs und Heilpädagogen» nicht einmal miteingerechnet. Eine andere berichtet, erfahrene Lehrpersonen würden die Schule «freiwillig oder unter erheblichem Druck der Schulleitung» verlassen. «Gleichzeitig werden überwiegend Junglehrpersonen oder noch Studierende eingestellt. Der Eindruck entsteht, dass unerfahrenes Personal bewusst bevorzugt wird, weil es sich weniger traut, kritisch mitzudenken».

Besonders schwer wiegt die Tatsache, dass die Folgen längst bei den Schulkindern angekommen sind. Eine Mutter schreibt: «Mein Kind ist am Boden zerstört», nachdem innert kurzer Zeit mehrere Bezugspersonen verschwunden seien. Andere Eltern berichten von mehrfachen Wechseln der Klassenlehrpersonen. Besonders eindrücklich ist die Aussage: «Unsere Kinder haben alle schulischen Bezugspersonen verloren, die sie hatten».

Die Warnsignale werden lauter

Die Briefe beschreiben nicht nur personelle Probleme, sondern auch einen schleichenden Verlust der Schulkultur. Eltern berichten, dass traditionelle Anlässe nicht mehr stattfinden, weil engagierte Lehrpersonen die Schule verlassen haben. Gleichzeitig häufen sich Berichte über Krankschreibungen, Überlastung und fehlende Unterstützung in schwierigen Klassen.

Mehrere Zuschriften kritisieren zudem, dass Warnungen aus dem Kollegium über Jahre hinweg ignoriert worden seien. Eine Lehrperson fasst die Situation ernüchternd zusammen: «Seit dem letzten medialen Aufruhr hat sich leider kaum etwas verändert.» Eine andere schreibt sogar: «Es ist schmerzhaft mitanzusehen, wie die Primarschule Allschwil unter der aktuellen Führung immer weiter kaputt geht».

Analyse

Die SSbB stellt fest, dass sich die Vorwürfe aus den neu eingegangenen Zuschriften in bemerkenswerter Weise mit den Berichten aus dem Vorjahr decken. Hinzu kommt die weiterhin hohe Zahl von Kündigungen, Nichtverlängerungen von Arbeitsverträgen, Versetzungen und Krankschreibungen.

Die Umfragewerte zur Führungsqualität an der Primarschule Allschwil bestätigen dieses Bild zusätzlich: geringe Zustimmung bei der Gleichbehandlung, deutlich unterdurchschnittliche Werte bei Vertrauen, Respekt und Unterstützung sowie deutliche Kritik daran, dass Feedback kaum ohne negative Konsequenzen möglich ist.

In der Gesamtschau von Aussagen, Fluktuation und Umfrageergebnissen ergibt sich ein übereinstimmendes Bild einer Schule unter erheblichem Druck, geprägt von einer umstrittenen Führungskultur.

Die Bildungsqualität einer Schule hängt entscheidend von motivierten und erfahrenen Lehrpersonen ab. Wenn diese in grosser Zahl die Schule verlassen, trifft das letztlich die Schulkinder. Der Schulrat, die Gemeinde Allschwil und die Bildungsdirektion sind deshalb gefordert, die Vorgänge konsequent aufzuarbeiten und die Führungsstrukturen kritisch zu hinterfragen. Dazu können gegebenenfalls auch personelle Veränderungen in den Führungsgremien gehören. Wegschauen ist jedenfalls keine Option mehr.

Jürg Wiedemann
Vorstand Starke Schule beider Basel

2 Antworten

  1. Daniel Vuilliomenet sagt:

    «Dazu können gegebenenfalls auch personelle Veränderungen in den Führungsgremien gehören.»
    Können? Im Ernst? MÜSSEN!
    Wo also ist das AVS? Wo ist die BKSD?

    • Linus Enderlin sagt:

      Sie haben eines dabei vergessen, Herr Vuilliomenet: Schulleiter sind unfehlbar, die BKSD erst recht. Und wo keine Fehler passieren, da können auch keine Fehler korrigiert werden. So einfach ist das…

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