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Klassengrössen werden zu oft überschritten

Klassengrössen werden zu oft überschritten

Die Antwort des Regierungsrats auf die Interpellationzu Klassengrössen im Kanton Basel-Landschaft wirkt beruhigend. Allerdings sind Überschreitungen der Höchstzahlen Realität und werdem systematisch bewilligt. Für Schüler*innen bedeutet das weniger individuelle Förderung und damit schlechtere Lernbedingungen.

Die in der Interpellation verlangten Zahlen über die Anzahl Überschreitungen der maximalen Klassengrössen während den letzten fünf Jahren konnte die Bildungsdirektion nicht publizieren. Bekannt sind lediglich Zahlen seit 2023. Wer Bildung steuern will, braucht jedoch eine verlässliche Grundlage. Ohne Übersicht bleibt unklar, wie häufig die Höchstzahlen tatsächlich überschritten werden und wo Handlungsbedarf besteht. Dass dennoch bereits in drei Jahren 18 Gesuche gestellt wurden, zeigt, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt.

Wenn Regeln ihre Wirkung verlieren

Der Regierungsrat hält fest, die im Bildungsgesetz verankerten Höchstzahlen (SGS 640 – Bildungsgesetz, § 11) seien verbindlich und dürfen grundsätzlich nicht überschritten werden. Gleichzeitig wurden alle Gesuche bewilligt. Dieser Widerspruch ist zentral und zeigt, wie mit Ausnahmen umgegangen wird. Eine Regel, die in der Praxis zu oft nicht eingehalten wird, verliert ihre Bedeutung, denn die Höchstzahlen sollen die Qualität des Unterrichts sichern. Werden sie regelmässig überschritten, entsteht schleichend ein neuer Standard, der im Widerspruch zum Bildungsgesetz steht.

Weniger Qualität und weniger Chancengerechtigkeit

Grosse Klassen verändern den Unterricht grundlegend. Lehrpersonen müssen mehr Zeit für Organisation und Disziplin aufwenden. Für die individuelle Förderung bleibt weniger Raum und dies, obwohl die Unterschiede zwischen den Schüler*innen immer grösser werden. Kinder mit Unterstützungsbedarf oder geringen Deutschkenntnissen profitieren besonders von kleinen Gruppen. In grossen Klassen fallen sie schneller zurück, gleichzeitig werden leistungsstarke Schüler*innen weniger gefordert. Die Folge sind schlechter erreichte Lernziele und wachsende Unterschiede.

Der Regierungsrat verweist auf Mehrlektionen als Ausgleich. Doch zusätzliche Lektionen ersetzen keine kleinere Klasse. Sie lindern punktuell, lösen aber nicht das grundsätzliche Problem. Kurzfristig mögen grössere Klassen Kosten sparen. Langfristig steigen jedoch die Ausgaben, etwa durch zusätzlichen Förderbedarf oder verzögerte Lernentwicklungen.

Die SSbB hält fest: Gute Bildung braucht tragbare Klassengrössen. Höchstzahlen müssen konsequent eingehalten werden. Nur so erhalten alle Schüler*innen faire Lernbedingungen und echte Entwicklungschancen.

Lavinia Beck
Vorstand Starke Schule beider Basel

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