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Märchen von effizienter Integration steht im Widerspruch zur Praxis

Märchen von effizienter Integration steht im Widerspruch zur Praxis

Der neue Bildungsbericht [1] des Kantons Basel-Landschaft zeichnet ein positives Bild des Integrationsmodells. Doch die Realität ist eine andere: Statt personelle Ressourcen einzusparen, so wie dies vor deren Einführung vorgegaukelt wurde, brauchen die vielen Integrationen mehr Personal und Infrastruktur. Die Folgen sind für Lehrpersonen ebenso spürbar wie für Schüler/-innen.

Seit der Umstellung vom separativen zum integrativen Modell ist der Druck auf die Schulen deutlich gestiegen. Internationale Leistungsvergleiche weisen zudem darauf hin, dass Bildungssysteme mit wachsender Heterogenität zu einer durchschnittlich schwächeren Leistung der Schüler/-innen führen.

Integration braucht mehr Personal, nicht weniger

Die entscheidende Frage lautet: Wie viele Lehrpersonen braucht das integrative Schulsystem im Vergleich zum separativen Modell und verbessert sich das durchschnittliche Bildungsniveau der Schüler/-innen? Die Antwort ist klar: Vor der Umstellung arbeiteten im Kanton Basel-Landschaft rund 127,5 Lehrpersonen inklusive sozialpädagogischem Personal pro 1’000 Schüler/-innen. Heute sind es 130,9. Dies entspricht einem kleinen Anstieg von 2,7 Prozent (siehe Tabelle).[2], [3]

Diese Entwicklung widerspricht der oft gehörten Behauptung, Integration spare Ressourcen. Das Gegenteil ist der Fall: Der Personalaufwand ist sogar leicht höher, ohne dass sich die Bildungsqualität verbessert hat. Seit der Umstellung sinkt das durchschnittliche Leistungsniveau.

Hinzu kommen zusätzliche Kosten für Infrastruktur durch eine zunehmende Zahl von Gruppen- und Sitzungsräumen, die im Integrationsmodell durch vermehrte Absprachen notwendig sind. Das System wird teurer, aber nicht besser. Internationale Studien (PISA) zeigen, dass die Heterogenität innerhalb einer Klasse steigt und gleichzeitig das Bildungsniveau sinkt.[4].

Der Bildungsbericht verkennt die Realität

Dass dieser zentrale Punkt im Bildungsbericht kaum gewichtet wird, verzerrt das Gesamtbild. Dies wiegt schwer, denn heterogene Klassen erschweren die individuelle Förderung.[5] Die Anforderungen an die Schulen steigen, weil immer mehr Schüler/-innen eine individuelle Unterstützung benötigen. Wer diese Entwicklung ausblendet, verkennt die Realität. Gleichzeitig erhalten Schüler/-innen ohne Förderbedarf oft weniger Aufmerksamkeit.

Integration sind sinnvoll, aber nicht in diesem Ausmass

Integration funktioniert manchmal, manchmal aber auch nicht. Und genau darin liegt das Problem. Schüler/-innen mit körperlichen Beeinträchtigungen profitieren häufig von integrativen Settings. Hier kann Integration ihre Stärken ausspielen und unbestritten sinnvoll sein. Ganz anders sieht es bei massiven Verhaltensauffälligkeiten aus: Gewalt, Mobbing oder dauerhafte Unterrichtsstörungen belasten ganze Klassen. Leidtragende sind nicht nur die Lehrpersonen, sondern alle Schüler/-innen. In solchen Fällen ist eine separative Beschulung sinnvoller: Sie ermöglicht eine gezielte und wirksame individuelle Förderung, ohne den Unterricht für alle anderen zu beeinträchtigen.

Ein System am Limit

Für die Starke Schule beider Basel (SSbB) ist klar: Das Integrationsmodell ist am Limit und führt zu einem durchschnittlich sinkendem Leistungsniveau an den Schulen. Integrationen dürfen nicht um jeden Preis erfolgen, sondern nur dort, wo sie funktionieren und nicht zur Belastung einer ganzen Klasse werden. Es muss wieder mehr Klein- und Förderklassen für Schüler/-innen geben, die den Unterricht in den Regelklassen erheblich stören, und in welchen sie intensiver betreut werden können.

Ein weitgehend reines Integrationsmodell ist weder finanziell noch organisatorisch nachhaltig, insbesondere bei steigenden Schülerzahlen und wachsendem Förderbedarf. Der Kanton Basel-Landschaft steht an einem Wendepunkt. Jetzt braucht es den Mut zur Korrektur. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Integration und Separation ist entscheidend. Denn gute Bildung entsteht dort, wo realistische Konzepte auf die Bedürfnisse aller Schüler/-innen eingehen und nicht dort, wo Ideologie den Takt vorgibt.

Jürg Wiedemann
Vorstand Starke Schule beider Basel

Quellen

[1] Bildungsbericht Kanton Basel-Landschaft: https://bl-api.webcloud7.ch/politik-und-behorden/direktionen/bildungs-kultur-und-sportdirektion/bildungsmonitoring/bildungsbericht/pdf-bildungsberichte/bildungsbericht-2023-kanton-basel-landschaft.pdf/@@download/file/Bildungsbericht%202023%20Kanton%20Basel-Landschaft.pdf?_t=1728648857743
[2] Anzahl Lehrpersonen inklusive Sonderpädagogisches Personal an kommunalen und kantonalen Schulen: https://statistik.bl.ch/web_portal/15_1_4
[3] Anzahl Schüler/-innen (Volksschule): https://zahlenfenster.bl.ch/web_portal/15_2  
[4] OECD-PISA-Studie: https://www.oecd.org/pisa/
[5] OECD 2018: https://www.oecd.org/en/about/directorates/directorate-for-education-and-skills.html, Kap. 2, Abschnitt 2.3

Eine Antwort

  1. Hofer sagt:

    Was braucht es noch, damit Einsicht einkehrt? Das Integrationskonzept des Lehrplans 21 bleibt weit unter den Erwartungen. Die “unnötigen” Ressourcen besser einsetzen muss das Ziel sein. Vielleicht gelingt das dem neuen Regierungsrat?

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