Götterdämmerung bei den Schulreformen
Schon seit Längerem zeigt sich eine auffallende Diskrepanz zwischen den Bildungsversprechungen der Schulreformer und den realen Möglichkeiten im schulischen Alltag. Die Alarmsignale aus vielen Schulen haben nun offensichtlich dazu geführt, dass dieser Missstand von gewichtigen bildungspolitischen Kreisen als unhaltbar taxiert wird.
Wenn eine grosse Partei wie die SVP sich ernsthaft der Bildungspolitik annimmt und gängige Vorstellungen über eine fortschrittliche Pädagogik infrage stellt, wird es spannend. Vieles was jahrelang als Sprung nach vorn gefeiert wurde, wird nun in breiten Kreisen und selbst beim LCH mit einem grossen Fragezeichen versehen. Es ist wieder salonfähig, über die mit ideologischem Eifer vorangetriebene Totalintegration zu diskutieren. Man distanziert sich vom überzogenen Mehrsprachenkonzept der Primarschule und empfindet die Überfülle des neuen Lehrplans als belastend für den Grundauftrag der Volksschule. Auch die neue Rolle der Lehrpersonen als Begleiterinnen und Begleiter möglichst selbständig ausgeführter Lernprozesse steht unter kritischer Beobachtung.
Die Bildungsoffensive der SVP stösst allerdings auf einem Feld vor, wo der Widerstand der Reformkräfte durch jahrelange berechtigte Kritik aus der Schulpraxis stark geschwächt war. Das Frühfranzösisch war nie auf einen grünen Zweig gekommen, die Deutschkenntnisse eines grossen Teils unserer Schulabgänger sind ungenügend und der Lehrplan scheint je länger je weniger seine Rolle als verlässlicher Bildungskompass zu erfüllen. Die unglaubliche Diskrepanz zwischen den grossartigen Bildungsversprechungen und den schockierenden Resultaten seriöser Erhebungen rief geradezu nach einer politischen Intervention ins missgeleitete Bildungsgeschehen.
Die Starke Schule beider Basel darf für sich beanspruchen, zusammen mit einigen anderen auf die Praxis ausgerichteten Organisationen die brennendsten Fragen stets ohne Scheuklappen angesprochen zu haben. Für die jetzt offen zur Diskussion stehenden Schulthemen von den Fremdsprachen bis zur Lehrerbildung lohnt es sich deshalb, auf die Lösungsvorschläge der Basler Schulpioniere einzugehen. Dank ihrer ihrer wertschätzenden Grundhaltung in der Pädagogik und ihrer überzeugenden pragmatischen Linie zeigen sie realisierbare Wege fern jeder finanziellen Utopie auf. Dafür gehört ihnen verdiente Anerkennung.
Hanspeter Amstutz
Ehemaliger Bildungsrat und Sekundarschullehrer
