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AKK-Präsident verzichtet auf klare Position – Lehrpersonen im Stich gelassen

AKK-Präsident verzichtet auf klare Position – Lehrpersonen im Stich gelassen

Der Landrat des Kantons Basel-Landschaft hat eine klare Haltung gezeigt, ein Parlamentarier jedoch nicht. Während eine Mehrheit zusätzliche Mittel für die Sekundarschulen sprach, enthielt sich ausgerechnet Ernst Schürch, Präsident der Amtlichen Kantonalkonferenz (AKK), bei dieser zentralen bildungspolitischen Abstimmung. Diese Haltung irritiert.

Abstimmung: Deutliche Botschaft

Am 11. Dezember behandelte der Landrat im Rahmen der Budgetsitzung einen Antrag von SP-Landrat Jan Kirchmayr. Ziel war es, zusätzliche Mittel bereitzustellen, damit bei den Wahlpflichtfächern an den Sekundarschulen nicht gespart werden muss. Das Parlament folgte diesem Anliegen deutlich: 52 Landrätinnen und Landräte stimmten zu, 33 dagegen, Ernst Schürch enthielt sich. Politisch brisant ist diese Enthaltung weniger wegen dem Einfluss auf das Resultat, sondern vielmehr wegen der Funktion des Enthaltenden.

Präsident mit umstrittener Haltung

Ernst Schürch ist Sekundarlehrer, Landrat und Präsident der AKK; jener Organisation, die den Anspruch erhebt, die rund 5’500 Lehrpersonen zu vertreten. Gerade deshalb wäre bei einem Entscheid zugunsten der Schüler/-innen und der Unterrichtsqualität eine klare Zustimmung zu erwarten gewesen. Stattdessen entschied sich Schürch dafür, keine eindeutige Position einzunehmen und das bei einem Antrag eines Parteikollegen.

Der Antrag: Worum es ging

Der Antrag von Jan Kirchmayr forderte, im Budget zusätzliche Mittel bereitzustellen, um Kürzungen bei den Wahlpflichtfächern zu verhindern. Diese Fächer sind Latein, Italienisch, MINT (Mathematik, Informatik, Natur und Technik), Musik, Bildnerisches Gestalten, Textiles Gestalten und Technisches Gestalten.

Schüler/-innen müssen zwei davon wählen. Der vermittelte Stoff ist verbindlicher Pflichtstoff und entscheidend, um der Vielfalt der Interessen und Fähigkeiten in den sprachlichen, technischen, musischen und naturwissenschaftlichen Bereichen gerecht zu werden. Eine Reduktion würde das Schulangebot verarmen und langfristig Berufsbildung und Wirtschaft schwächen; insbesondere im MINT-Bereich, der die Grundlagen für die Life-Science und die technischen Berufe legt, welche zentral sind für die Nordwestschweiz mit ihren Pharma- und Chemiefirmen.

BKSD finanziert AKK

Die Enthaltung von Schürch fügt sich in ein seit Jahren beobachtetes Muster ein. Die AKK wird von der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD) finanziert und von vielen Lehrpersonen eher als Sprachrohr der Verwaltung wahrgenommen und weniger als unabhängige Vertretung der Pädagoginnen und Pädagogen, die täglich vor einer Schulklasse stehen. Jährlich fliessen rund eine Viertelmillion Franken von der BKSD zur AKK, ohne dass die Meinungen der Lehrpersonen zu wichtigen Bildungsthemen transparent, aussagekräftig und systematisch erhoben werden. Bei bildungspolitischen Projekten wie Harmos, Frühfranzösisch, integrative Schule oder Lehrplan 21 stellt sich die AKK meist geschlossen hinter die Verwaltung. Kritik von Lehrpersonen, der Starken Schule beider Basel (SSbB) oder dem Lehrerinnen- und Lehrerverband (LVB) wird in der Regel nicht nur ignoriert, sondern die AKK positioniert sich häufig aktiv entgegen.

Vertrauen erodiert weiter

Dass die AKK in Sparpaketen der letzten Jahre nie ernsthaft hinterfragt wurde, ist bezeichnend: Für die Verwaltung ist sie nützlich, für viele Lehrpersonen hingegen ohne erkennbaren Nutzen.

Wie Schürch seine Enthaltung erklärt, bleibt abzuwarten und wirft erhebliche Fragen auf. Wer die Interessen der Lehrpersonen vertreten will, muss eine klare Position einnehmen, wenn es ernst wird. Die Enthaltung wirkt wie ein politisches Signal gegen jene, deren Interessen man zu vertreten vorgibt, und legt den Eindruck nahe, dass der Schutz von Lehrpersonen und Bildungsqualität hinter Verwaltungstreue zurücktritt, was von vielen als Vertrauensbruch empfunden wird.

Jürg Wiedemann
Vorstand Starke Schule beider Basel

2 Antworten

  1. Patrizia Landolt sagt:

    Wenn ich einer Direktion oder Behörde angehöre, die Kritik von der Basis systematisch unterbinden will, dann schaffe ich eine offizielle «Interessensvertretung» für die betreffende Basis, z.B. für die Lehrpersonen im Kanton, und sorge dafür, dass diese «Interessensvertretung» alles in ihrer Macht Stehende tut, um den wahren Interessen der Lehrpersonen entgegenzuwirken. Wenn ich überdies will, dass diese Organisation damit im Sinne der Behörde «erfolgreich» ist, alimentiere ich sie mit viel Geld.
    Im Kanton Basel-Landschaft heisst diese Organisation «Amtliche Kantonalkonferenz», kurz AKK.
    Im sog. «real existierenden Sozialismus» in Osteuropa während des Kalten Krieges waren es die systemtreuen Gewerkschaften – die einzigen von den Regimen geduldeten –, deren Aufgabe darin bestand alles zu unternehmen, um den Arbeiterinteressen NICHT zu dienen, sondern vielmehr diese zu konterkarieren und von den wahren Problemen abzulenken.

  2. Daniel Vuilliomenet sagt:

    Eine einzige Schande, die ich jahrelang miterlebt habe. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Ausser dass so nichts besser wird – im Gegenteil.

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