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Die Pädagogische Hochschule und die Sackgasse Volksschule

Die Pädagogische Hochschule und die Sackgasse Volksschule

Die Volksschule steckt in der Sackgasse. Die Leistungen bereiten Sorgen, Lehrpersonen schlagen Alarm und die Bildungspolitik sucht nach Auswegen. In der Sendung «SonntagsZeitung Standpunkte» kritisierte Philipp Loretz vom Lehrerinnen- und Lehrerverband Baselland (LVB) die Pädagogische Hochschule (PH) scharf. Höchste Zeit, jene Institution genauer anzuschauen, die Lehrpersonen auf ihren Beruf vorbereiten soll, aber wegen mangelnder Praxisnähe in der Kritik steht. Denn was nützt eine Fahrschule, die ihre Schüler/-innen perfekt auf die Theorieprüfung vorbereitet und ihnen danach viel Glück auf der Autobahn wünscht?

Die Volksschule wird seit einer gefühlten Ewigkeit reformiert und weiterentwickelt. Die Probleme bleiben jedoch. Das erinnert an einen Gärtner, der einen vertrockneten Baum immer wieder umbenennt. Erst heisst er Kompetenzbaum, dann Entwicklungsbaum und schliesslich Optimierungsbaum. Gegossen wird er nicht. Dafür erhält er regelmässig ein neues Evaluationskonzept.

Bei der Suche nach den Ursachen führt kein Weg an der PH vorbei. Sie soll Lehrpersonen ausbilden, die Kindern Lesen, Schreiben und Rechnen vermitteln. Doch ausgerechnet die praktische Vorbereitung auf diesen Beruf steht immer wieder in der Kritik.

Wenn die Theorie den Unterricht ersetzt

Die Starke Schule beider Basel (SSbB) kritisiert seit Jahren die mangelnde Praxisnähe der Ausbildung und organisatorische Mängel. Werden angehende Lehrpersonen tatsächlich auf das vorbereitet, was sie im Klassenzimmer erwartet?

Man stelle sich eine Musikhochschule vor, an der Studierende jahrelang die gesellschaftliche Bedeutung des Klaviers und die Psychologie des Zuhörens untersuchen. Wer nach Klavierunterricht fragt, erfährt, musikalische Kompetenz sei ein komplexer Entwicklungsprozess. An der Diplomfeier posieren die Absolventen/-innen vor einem Flügel. Gespielt wird nicht. Das Instrument wurde noch nicht ausreichend ganzheitlich erschlossen.

Noch eindrücklicher wäre eine Feuerwehrschule, die jahrelang Brandtheorien lehrt. Brennt das Schulhaus, bilden die Absolventen/-innen einen Stuhlkreis und reflektieren ihre Beziehung zum Feuer. Wie man mit dem Wasserstrahl löscht, wurde im Unterricht nicht geübt.

Theorie hat ihren Platz. Problematisch wird es, wenn sie die Praxis verdrängt. Lehrpersonen müssen Klassen führen, Inhalte verständlich vermitteln und auf Schwierigkeiten reagieren können. Die Schüler/-innen haben wenig davon, wenn ihre Lehrperson fünf Lernmodelle erklären kann, aber nicht weiss, wie sie 24 Kinder dazu bringt, das Schulbuch aufzuschlagen.

Die Reform reformiert sich selbst

Auf Kritik folgt eine Reform, auf deren Misserfolg eine Weiterentwicklung. Bleiben die Probleme, wird evaluiert und der nächste Entwicklungsprozess gestartet. Bald braucht es vermutlich eine Reform der Weiterentwicklung der Evaluation.

Wer jahrelang Rückmeldungen sammelt, ohne Konsequenzen zu ziehen, betreibt keine Qualitätsentwicklung. Er betreibt Rückmeldungsverwaltung.

Die PH muss liefern

Die PH ist nicht für sämtliche Probleme der Volksschule verantwortlich. Doch wer bessere Schulen will, muss die Ausbildung der Lehrpersonen kritisch hinterfragen. Die SSbB fordert mehr Praxisnähe, eine konsequente Orientierung am Schulalltag und Konsequenzen aus berechtigter Kritik. Öffentliche Gelder müssen in eine Ausbildung fliessen, die Lehrpersonen auf ihren Beruf vorbereitet, nicht in Forschung und Reflexionsschlaufen ohne erkennbaren Nutzen für den Unterricht.

Die Volksschule braucht keine weitere Hochglanzbroschüre über die Schule der Zukunft. Sie braucht Lehrpersonen, die ihr Handwerk beherrschen, und eine PH, die dafür sorgt. Wenn eine Fahrschule ihre Aufgabe verfehlt, hilft es wenig, anschliessend die Autobahn zu reformieren.

Jürg Wiedemann
Vorstand Starke Schule beider Basel

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