Warum braucht es eine Starke Schule beider Basel?
Gestern stellte uns die «bz – Zeitung für die Region Basel» die pointierte Frage, weshalb es die «Schatten-Organisation» Starke Schule beider Basel (SSbB) überhaupt braucht. Schliesslich gibt es in Baselland bereits Schulleitungen, kantonale Behörden, Ombudsstelle, Verbände wie den Lehrerinnen und Lehrerverband Baselland (LVB) und weitere Institutionen, die als offizielle Anlaufstellen für Lehrpersonen und Eltern dienen. Es gibt also viele Stellen, an die sich Eltern und Lehrpersonen wenden können.
Die eigentliche Frage müsste unseres Erachtens jedoch lauten: Weshalb wenden sich Jahr für Jahr so viele Baselbieter Lehrpersonen und Eltern an die SSbB? Die Antwort ist ebenso einfach wie unbequem: Weil die vorgesehenen Anlaufstellen in vielen Fällen nicht funktionieren.
Wenn die Schulleitung nicht Teil der Lösung ist, sondern Teil des Problems
Wer als Lehrperson Missstände feststellt oder Probleme ansprechen möchte, wendet sich zunächst an die eigene Schulleitung. So sieht es der Dienstweg vor. In manchen Fällen funktioniert dies unbestrittenermassen auch.
Seit einigen Jahren zeigen jedoch zahlreiche Rückmeldungen von Lehrpersonen zunehmend ein anderes Bild: Kritik sei unerwünscht, Probleme würden von Schulleitungen heruntergespielt oder berechtigte Anliegen gar nicht ernsthaft geprüft. Sogar Begriffe wie «Angstkultur» und «Mobbing» werden genannt. Viele Pädagoginnen und Pädagogen schildern eine Kultur, in der kritische Stimmen als Störung wahrgenommen werden. Wer Missstände anspricht, muss damit rechnen, bei Mitarbeitergesprächen unter Druck gesetzt zu werden, weniger Schulstunden zu erhalten, bei Pensenplanungen Nachteile zu erleiden oder gar eine Verwarnung angedroht zu bekommen.
Die SSbB hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Lehrpersonen begleitet, die genau solche Erfahrungen gemacht haben. Nicht wenige wenden sich erst dann an uns, wenn sie den Eindruck haben, dass sie innerhalb ihrer Schule keine faire Behandlung mehr erwarten können.
Die nächsthöhere Instanz hilft oft nicht weiter
In einem funktionierenden System müsste spätestens die nächsthöhere Ebene korrigierend eingreifen. Genau dafür existieren die zuständigen Ämter und Dienststellen der Bildungsdirektion Baselland.
Viele Lehrpersonen machen jedoch eine andere Erfahrung: Beschwerden gegen Schulleitungen würden bei der Bildungsdirektion häufig auf wenig Interesse stossen und als lästig empfunden. Statt die Vorwürfe unabhängig zu prüfen, würden Entscheidungen der Schulleitungen oft geschützt und verteidigt. Für betroffene Lehrpersonen entsteht dadurch ein gravierendes Problem: Die Instanz, welche die Schulleitung beaufsichtigen sollte, übernimmt vielfach deren Sichtweise. Hilfesuchende landen nicht selten wieder am Ausgangspunkt. Noch schlimmer: Sie müssen ihre Anonymität aufgeben und erleiden dadurch oft erhebliche Nachteile. So entsteht bei vielen Lehrpersonen der Eindruck, dass es innerhalb des Systems kaum wirksame Kontroll- und Korrekturmechanismen gibt.
Die Grenzen der Ombudsstelle und des Lehrerinnen- und Lehrerverbandes Baselland (LVB)
Auch die kantonale Ombudsstelle Baselland kann diese Lücke nicht schliessen. Zwar leistet sie wichtige Vermittlungsarbeit, ihre Möglichkeiten bleiben jedoch beschränkt. Die Kritik, dass die Ombudsstelle ein «zahnloser Tiger» sei, kommt nicht von ungefähr: Sie kann zwar Empfehlungen abgeben, aber keine verbindlichen Entscheide fällen. Wo Schulleitungen oder Behörden nicht bereit sind, ihr Verhalten zu ändern, stösst die Ombudsstelle rasch an ihre Grenzen. Viele Betroffene erleben deshalb, dass sie zwar angehört werden, sich an ihrer Situation aber wenig verändert.
Schliesslich gibt es als weitere mögliche Anlaufstelle den kantonalen Lehrerinnen- und Lehrerverband Baselland (LVB), der u. a. die gewerkschaftlichen Interessen der Lehrpersonen vertritt. Der LVB leistet in vielen Bereichen wertvolle Arbeit und setzt sich mit grossem Engagement für die Anliegen seiner Mitglieder ein. Zahlreiche Verbesserungen der Arbeitsbedingungen und schulpolitische Erfolge wären ohne sein Wirken kaum möglich.
Dennoch sind dem LVB gewisse Grenzen gesetzt: Als offizieller Sozialpartner arbeitet er regelmässig mit den Bildungsbehörden und der Regierung zusammen und ist in verschiedenen Kommissionen und Gremien vertreten. Diese Rolle ermöglicht es ihm, Anliegen der Lehrpersonen direkt in politische Prozesse einzubringen, wie beispielsweise in den Bildungsrat. Gleichzeitig bedeutet sie aber auch, dass der LVB auf den Dialog und die Zusammenarbeit mit den zuständigen Institutionen angewiesen ist. Seine Aufgabe besteht primär darin, innerhalb des Systems Lösungen zu suchen und die Interessen seiner Mitglieder auf dem Verhandlungsweg zu vertreten.
Gerade deshalb kann der LVB nicht die Rolle einer unabhängigen Organisation übernehmen, die Missstände auch öffentlich anprangert und in eine offene Konfrontation mit Behörden und Schulleitungen tritt. Wenn Probleme nicht durch öffentlichen Druck oder eine kritische Aussensicht sichtbar gemacht werden können, stösst der Handlungsspielraum eines offiziellen Sozialpartners naturgemäss an seine Grenzen.
Warum die SSbB gebraucht wird
Die SSbB ist als Verein weder einer Schulleitung noch einer Bildungsdirektion verpflichtet. Sie ist kein Teil der Verwaltung und kein offizieller Sozialpartner. Dadurch kann sie Probleme aufgreifen, die andere lieber intern halten würden.
Lehrpersonen wenden sich an die SSbB, weil sie hier etwas finden, was ihnen andernorts fehlt: eine unabhängige Beurteilung ihrer Situation, Unterstützung bei Konflikten und insbesondere die Bereitschaft, Missstände auch öffentlich anzusprechen. Die Erfahrungen zeigen immer wieder, dass Probleme häufig erst dann ernst genommen werden, wenn Öffentlichkeit entsteht. Solange Konflikte hinter verschlossenen Türen bleiben, können Verantwortliche Kritik aussitzen. Wird ein Missstand jedoch öffentlich diskutiert, steigt der Druck, Lösungen zu finden.
Die SSbB versteht sich deshalb nicht als Ersatz für bestehende Institutionen. Sie erfüllt vielmehr eine Aufgabe, die sonst von niemandem wahrgenommen wird. Und mit ihrem Engagement nimmt sie in Kauf, sich auch Feinde zu schaffen. Sie gibt aber denjenigen eine Stimme, die innerhalb des Systems kein Gehör finden.
Fazit
Die SSbB hätte wesentlich weniger zu tun, wenn Lehrpersonen mit ihren Anliegen bei Schulleitungen, Behörden und anderen zuständigen Stellen auf offene Ohren stossen würden und Kritik angstfrei äussern könnten. Die Realität sieht jedoch häufig anders aus. Zu viele Lehrpersonen erleben Druck statt Unterstützung, Abwehr statt Klärung und Direktiven statt Dialog.
Solange dies der Fall ist, braucht es eine unabhängige Organisation, die Missstände öffentlich macht, Betroffene unterstützt und dort hinschaut, wo andere lieber wegschauen. Genau deshalb gibt es die SSbB.
Aleyna Kara
Sekretariat Starke Schule beider Basel

2 Antworten
Die grundsätzliche Problematik bleibt: Werden Schulleiterinnen und Schulleiter von der PH professionell ausgebildet? Sind die Ausbildnerinnen und Ausbildner je selbst in dieser Rolle gewesen?
Als ehemaliger Landrat und Mitglied der Bildungskommission hatte ich einen Besuch in einer grenznahen deutschen “Sekundarschule” organisiert, um das Ausbildungsprogramm für Schulleiter kennenzulernen. Grundsätzlich wird niemand Schulleiter ohne eine “Schnupperzeit”, wobei auch die Eignung der Person geprüft wird. Dann erfolgt eine Schulung, eine Stellvertreterrolle von mindestens einigen Jahren, bevor jemand in eine Schulleitung befördert wird.
Allen Landrätinnen und Landräten hat das System Sinn ergeben, auch allen, die von der BKSD mitgereist sind … leider ist nichts davon umgesetzt worden … eine wesentlich verbesserte Selektion und Ausbildung würde in den Schulen ein weit besseres Klima bringen!
Es braucht die SSbB u.a. auch deshalb, um Missstände ans Licht zu bringen, weil die BKSD es meisterhaft versteht, Probleme vor sich herzuschieben, auszusitzen, zu vertuschen oder unter den Teppich zu kehren. Ich wage keine Prognose darüber, wie viel Arbeitszeit in den Amtsstuben der Bildungsdirektion genau dafür verwendet wird…