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Erfolgreiches Sprachenlernen ist in jedem Alter möglich

Erfolgreiches Sprachenlernen ist in jedem Alter möglich

Im bekannten Condorcet-Bildungsblog wird der Frage nachgegangen, wieweit frühes schulisches Sprachenlernen von Vorteil ist. Der Bericht stützt sich auf eine viel beachtete Studie von Dr. Simone Pfenninger, die mit bedeutenden Aussagen zum frühen Sprachenlernen zentrale Annahmen erschüttert hat.

Die von der Universität Zürich durchgeführte Studie aus dem Jahr 2014 hebt drei wesentliche Erkenntnisse zum frühen Sprachenlernen hervor:

  1. Der immer wieder behauptete frühe Einstieg für den Erfolg des schulischen Fremdsprachenlernens ist nicht entscheidend. Stimmen Motivation für das Erlernen einer Fremdsprache, sind gute Kenntnisse der Muttersprache vorhanden und kommt ein Unterricht mit einer kompetenten Lehrperson dazu, ist ein späterer Einstieg genauso erfolgversprechend wie ein früherer Beginn.
  • Das natürliche Lernen kleiner Kinder in einer zweisprachigen Umgebung (Mutter Spanierin, Vater Deutschschweizer) ermöglicht in der Regel einen guten Einstieg in eine Zweisprachigkeit. Dieses zweisprachige Aufwachsen hat nichts zu tun mit der künstlichen Lernsituation der Primarschule, wo die nötige Dichte an Sprachlektionen fehlt, um drei Sprachen nebeneinander zu lernen.
  • Eine gelebte Mehrsprachigkeit in der Primarschule wäre denkbar, wenn ein Teil des Unterrichts (Realienlektionen) von sprachlich sehr kompetenten Lehrkräften auf Französisch oder Englisch gehalten würde. Diese Aufgabe würde aber dem Fremdsprachenlernen zeitlich und inhaltlich einen so hohen Stellenwert einräumen, dass der Kulturauftrag der Primarschule neu definiert werden müsste.

Forcierte Mehrsprachigkeit ist kein Kernauftrag der Primarschule

Bei der aktuellen Diskussion um die Entschlackung des Lehrplans mit einer Konzentration auf Grundkompetenzen weht der Wind Punkt 3 diametral entgegen. Allein schon die Aufgabe, die heterogenen Klassen im Deutsch umfassend zu fördern, ist eine Herausforderung. Dazu ist auch der Einbezug der wichtigen Realienfächer nötig, wo neben dem der Erweiterung des Sachwortschatzes und des Verstehens wesentlicher Zusammenhänge praktischer Deutschunterricht stattfindet.

Eine enge Verbindung von fachlichem Wissen in den Realienfächern mit der deutschen Sprache ist ein Königsweg für viele Schüler, um auf lebendige Weise Deutsch zu lernen. Würden diese Stunden für Sprachbäder im Fremdsprachenunterricht eingesetzt, ginge aufgrund der bescheidenen Fremdsprachenkenntnisse wertvolles Fachwissen und Zeit für anwendungsorientiertes Deutschlernen verloren. In der Primarschule ist deshalb für immersiven Fremdsprachenunterricht definitiv kein Platz vorhanden.

Die Bildungspolitik muss in der Sprachenfrage endlich Farbe bekennen

Von der ebenfalls im Condorcet-Beitrag erwähnten Möglichkeit einer Annäherung an anderssprachige Kulturen durch einen eher spielerischen Fremdsprachenunterricht muss man sich im Klaren sein, dass nur bescheidene Resultate erwartet werden können. Der nachgewiesene Vorteil einer gewisse Leichtigkeit vieler Primarschüler beim Erwerb einer natürlichen Klangfarbe in den Fremdsprachen rechtfertigt den grossen zeitlichen Aufwand für ein Mehrsprachenkonzept der kulturellen Annäherung kaum. Diese Öffnung hin zur Romandie oder zu anderen Sprachregionen kann auch zu einem späteren Zeitpunkt mit Erfolg vollzogen werden.

Die Primarschule muss sich entscheiden, wo sie ihren Kernauftrag sieht. Soll man das aufwändige Konzept mit den zwei Fremdsprachen weiterführen und darauf hoffen, dass sich mit einer Ausdehnung des Fremdsprachenunterrichts auf andere Fächer endlich der gewünschte Erfolg einstellt? Oder wäre es nicht weit klüger, den Kulturauftrag der Primarschule primär im Vermitteln guter Deutschkenntnisse und einer kindgerechten Allgemeinbildung zu sehen? Die Bildungspolitik kann diesen Grundfragen nicht länger ausweichen, wenn sie weiteren Schaden von unserer Volksschule abwenden will.

Hanspeter Amstutz
Ehemaliger Sekundarlehrer und Bildungsrat

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