Starke Schule beider Basel

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News

 

Leserbrief

Französisch wird zum unbeliebtesten Fach

Ich bin überhaupt nicht erstaunt, dass Passepartout gescheitert ist. Ich hätte darauf wetten können. Vieles war völlig falsch angelegt. Was ich ausserordentlich bedaure: Nicht nur wurden die Lernziele nicht erreicht, sondern unzählig vielen Schülerinnen und Schülern wurde das Fach völlig vermiest. Man wollte mit diesem Lehrmittel vor allem die Fremdsprache Französisch beliebter machen, jedoch ist genau das Gegenteil passiert: Die Kinder beginnen zwar mit einer anfänglichen Begeisterung, stolz darauf eine Fremdsprache zu lernen. Nach kurzer Zeit wird das Französisch zum unbeliebtesten Fach degradiert. Und das hält sich leider sehr oft über die ganze restliche Schulzeit. Meist gelingt es weder den Lehrpersonen noch den Eltern, eine Motivation aufzubauen. Genau das ist das eigentliche Drama. Ich erlaube mir die Situation zu beurteilen, weil ich 34 Jahre in Baselstadt als Schulpsychologin gearbeitet habe und jetzt in meiner Praxis täglich Kinder sehe. Dazu habe ich das Französischdrama bei drei meiner Enkelkinder life miterlebt.

Elisabeth Deppeler-Schlegel, Kinder- und Jugendpsychologin FSP

 

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Eine Pionier-Organisation mit Strahlkraft

Als Zürcher sich über Baselbieter oder gar zu baselstädtischer Schulpolitik zu äussern, ist schon ziemlich gewagt. Doch die Nordwestschweizer Ecke mit den beiden Halbkantonen ist aus bildungspolitischer Sicht ein aktives Erdbebengebiet, dem spätestens seit den Schulreformen nach der Jahrtausendwende bei uns gespannte Aufmerksamkeit gilt. Als Mitglied der Organisation der Zürcher Sekundarlehrpersonen (SekZH) wundere ich mich immer wieder über die aufmüpfige Baselbieter Lehrerschaft, die mit ihrer kämpferischen Haltung Erstaunliches zustande brachte.

Dass im Baselbiet kritisches Denken in Bildungsfragen nichts Aussergewöhnliches ist, wurde mir spätestens bei der Diskussion um den Lehrplan 21 bewusst. Während die meisten kantonalen Lehrerorganisationen relativ rasch in den grossen Chor der unkritischen Befürworter einstimmten, zeigte die Starke Schule beider Basel (SSbB) klar mit dem Finger auf die erheblichen Schwachpunkte des Schweizer Mammutprojekts. Zwar hat die Dachorganisation der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer in einem dutzendseitigen Kommentar ebenfalls viele Kritikpunkte aufgelistet. Aber im rauen Gegenwind der Politik fehlte der starke Wille, um auf zentralen Forderungen zu beharren. Doch genau dies hat die aktive Baselbieter Lehrerschaft getan.

Viele Bildungspolitiker waren alles andere als erfreut, als die SSbB mehrere politische Initiativen für einen besseren Lehrplan startete. Wollen diese Aufrührer mit ihrer Zwängerei jetzt die Harmonisierung der Bildung gefährden, lautete fast schweizweit der Tenor. Doch mit mir freuten sich unzählige Zürcher Kolleginnen und Kollegen, als es den mutigen Baselbietern gelang, das unselige Fächerkonglomerat in den Realien via Volksabstimmung in die ursprünglichen Fächer aufzulösen. Dieser Erfolg hatte überraschende Auswirkungen. Es gelang, bei den Lehrmitteln der Zürcher Sekundarschule die Fächertrennung beizubehalten.

Wir wissen, dass sich die SSbB in ihrem Kampf stets auf einem Gratweg befindet. Wer engagiert für zentrale Anliegen unserer Volksschule kämpft, riskiert auch einmal übers Ziel hinauszuschiessen. Ich weiss, dass dieser Vorwurf öfters zu hören ist. Doch es kommt mir fast vor wie bei der aktuellen Klimadebatte. Lange Zeit lief es in der Energiepolitik im gleichen umweltbelastenden Tritt weiter. Doch mit Greta und der Zähigkeit junger Kämpferinnen wendete sich das Blatt. Jetzt wird ernsthaft gefragt, wo denn grundsätzlich etwas falsch läuft und welche Konsequenzen zu ziehen sind.

Ist die SSbB nicht so etwas wie eine unerschütterliche Greta im Kampf gegen oberflächliches Denken im Bildungswesen? Natürlich löst ein Handeln im Sinne Gretas immer wieder Ärger aus, weil man ja im Dienst einer Sache manchmal anecken muss, wenn es einfach nicht vorwärtsgehen will.

Wir sind froh, dass es diese starke Pionier-Organisation gibt. Noch manches in der Schweizer Bildungslandschaft steht ziemlich quer da und schadet unserer Volksschule. Die Dauerbaustelle der schulischen Integration oder die erhebliche Grundbelastung der Primarschule mit den zwei frühen Fremdsprachen zählen beispielsweise dazu.

Vielleicht ist die SSbB Greta schon einen Schritt voraus. Wie die breite Unterstützung der Passepartout-Initiative zeigt, ist es gelungen, mit geschickten Verhandlungen auch Zögernde ins Boot zu holen. Klug kämpfen heisst ja nicht, dass man immer mit dem Kopf durch die Wand gehen muss, um ein grosses Ziel zu erreichen.

Ich wünsche unseren engagierten Basler Kolleginnen und Kollegen für die Passepartout-Abstimmung viel Erfolg. Und bleibt weiter am Ball!

Hanspeter Amstutz, Fehraltorf ZH

 

Widerstand nun auch in den anderen Kantonen

Passepartout-Ideologie vor dem Ende?

Die Passepartout-Lehrmittel «Mille feuilles», «Clin d’oeil» und «New World» sind kaum mehr zu retten. Zu heftig ist der Widerstand, zu erdrückend die Fakten und Analysen des Institutes für Mehrsprachigkeitsdidaktik der Universität Fribourg (IfM), welches in seinem Schlussbericht zum Französischunterricht zum Fazit kommt: Mit «Mille feuilles» erreicht eine Mehrheit der Schüler/-innen bis zum Ende der Primarschulzeit die Lernziele nicht. Vernichtender könnte die Analyse kaum sein.

Die Starke Schule hat mit der Lancierung der Volksinitiative "Stopp dem Verheizen von Schüler/-innen: Ausstieg aus dem gescheiterten Passepartout-Fremdspachenprojekt" den Widerstand eingeleitet. Dass die Passepartout-Lehrmittel samt der ihr zugrundeliegenden, von Anfang an umstrittenen "Didaktik der Mehrsprachigkeit" flächendeckend und alternativlos eingeführt wurden, wurde von Beginn an vom Lehrerinnen- und Lehrerverein Baselland (LVB) und der Starken Schule beider Basel heftig kritisiert.

Mittlerweile findet die Einsicht, dass es Alternativen und somit eine ausgeweitete Lehrmittelfreiheit braucht, breite Unterstützung: Der Baselbieter Landrat befürwortet die Umsetzung der Initiative der Starken Schule sogar einstimmig. Auch die Amtliche Kantonalkonferenz (AKK), die Handelskammer, die Schulleitungskonferenzen und der Bildungsrat befürworten eine rasche Umsetzung mit einer "geleiteten" Lehrmittelfreiheit, welche den Lehrpersonen ermöglicht, die kritisierten Passepartout-Lehrmittel bereits ab dem kommenden Schuljahr 2020/21 auf beiden Schulstufen (Primar und Sek. 1) durch Lehrmittel zu ersetzen, die einer international anerkannten und bewährten Didaktik folgen. 

In der Zwischenzeit treten auch in den anderen fünf Passepartout-Kantonen Basel-Stadt, Solothurn, Bern, Fribourg und Wallis die Passepartout-Gegner/-innen zunehmend an die Öffentlichkeit. In einem offenen Brief an die kantonalen Behörden fordern die 29 Erstunterzeichner/-innen «die Abschaffung des Lehrmittelobligatoriums und die freie Wahl alternativer, auf dem Markt längst verfügbarer Französischlehrmittel (…)». Im Brief, den die Starke Schule aktiv mitträgt, stellen die 29 Erstunterzeichner/-innen einige berechtigte Fragen: «Wie hoch sind die Gesamtkosten der missglückten Reform (…) mit der Einführung der Passepartout-Lehrmittel (…)?» Oder: «Wer ist dafür verantwortlich, dass eine kleine ‘Expertengruppe’ ein im internationalen Vergleich absonderliches Konzept ohne Wirksamkeitsnachweis flächendeckend einführen konnte?». Der offene Brief hat gesamtschweizerische Beachtung gefunden, so z.B. in der NZZ.

Im Kanton Basel-Landschaft stimmt das Volk am 24. November 2019 über die Umsetzungsvorlage der unformulierten Initiative der Starken Schule ab. Befürworten die Stimmberechtigten die Vorlage, so erhalten die Lehrpersonen eine «geleitete» Lehrmittelfreiheit und können damit die untauglichen Passepartout-Lehrmittel ersetzen. Die Starke Schule hat ihre Initiative bewusst unformuliert eingereicht, damit ein gewisser Handlungsspielraum bleibt. Im Nachhinein zeigt sich, dass dieser Entscheid richtig war: Am runden Tisch, an dem alle wichtigen Bildungsplayer vertreten sind (alle Fraktionen des Landrates, AKK, LVB, Starke Schule beider Basel, Schulleitungskonferenz, Handelskammer, Bildungsrat usw.) besteht Konsens: Die Umsetzung der Initiative mittels Lehrmittelfreiheit wird einstimmig befürwortet.

Für die Starke Schule beider Basel und den Lehrerinnen- und Lehrerverein (LVB) ist dies ein bemerkenswerter Erfolg, sofern auch das Stimmvolk der Vorlage am 24. November zustimmt: Die Passepartout-Lehrmittel würden innert kurzer Zeit weitgehend aus den Schulzimmern verschwinden. Die Bildungsdirektorin geht in ihren Berechnungen davon aus, dass bereits im kommenden Schuljahr (2020/21) die Mehrheit der Lehrpersonen sowohl auf der Primarstufe als auch auf der Sekundarstufe 1 die Passepartout-Lehrmittel ersetzen würde.

Alina Isler, Vorstand Starke Schule beider Basel

 

Die Pädagogische Hochschule in Muttenz fällt durch

Eine Studierendenbefragung der Pädagogischen Hochschule Nordwestschweiz (PH FHNW) in Muttenz bestätigt, was wir schon lange vermutet haben: Die PH fällt bei den Studierenden durch. Aufgrund zahlreicher Rückmeldungen, die von aktuellen oder ehemaligen Studierenden auf dem Büro der Starken Schule beider Basel in den letzten Jahren eingetroffen sind, wussten wir schon lange, dass es in der Ausbildungsstätte unserer zukünftigen Lehrpersonen Missstände gibt. Kritikpunkte waren Sturheit, charakterliche Schwächen und fachliche Überforderung von Dozierenden und Betreuungspersonen.

Die Befragung, welche im Jahr 2018 zum dritten Mal durchgeführt wurde und ein wichtiger Gradmesser in Bezug auf die Zufriedenheit der Studierenden an der PH ist, liefert deutliche Ergebnisse. Auf einer Skala von 1 bis 6 beträgt die Zufriedenheit 2018 lediglich 3.2 Punkte (Quelle: Primenews), was einer deutlich ungenügenden Note entspricht. Im 2013 erreicht die PH einen Wert von 3.1 Punkten, im 2016 einen solchen von 3.4 Punkten. Diese Resultate bestätigen unser Bild, dass das Klima seit Jahren unbefriedigend und eine Verbesserung diesbezüglich dringend notwendig ist.

Die Ergebnisse der letztjährigen Befragung wurden nie ganzheitlich publiziert. Die Trägerkantone Basel-Stadt, Baselland, Solothurn und Aargau wurden zwar im Rahmen des jährlichen Berichts zum Leistungsauftrag von der FHNW über die Missstände informiert, die Ergebnisse der aktuellsten Befragung würden jedoch erst in den Bericht im kommenden Jahr einfliessen. Dies lässt vermuten, dass die FHNW diese Missstände verdeckt halten will.

Die Führungspersonen der PH FHNW können offensichtlich seit Jahren die Zufriedenheitsquote nicht verbessern. Sie müssen sich die Frage einer möglichen Überforderung gefallen lassen. Die Aufsichtsorgane und die Regierungen der vier Trägerkantone sind nun in der Pflicht zu handeln. Dazu gehört auch die Prüfung personeller Veränderungen.

Alina Isler, Vorstand Starke Schule beider Basel

 

Das Institut für Mehrsprachigkeit bestätigt:

Passepartout-Lernziele werden mehrheitlich nicht erreicht

Das Institut für Mehrsprachigkeit der Uni Fribourg hat den Bericht zum Projekt «Evaluation des Französischunterrichts in der 6. Klasse (HarmoS 8)» publiziert. Die Analyse ist für die Passepartout-Ideologie vernichtend.

Getestet wurden über 4'400 Schüler/-innen in den sechs Passepartout-Kantonen Basel-Landschaft, Baselstadt, Solothurn, Fribourg, Bern und Wallis am Ende der Primarschulzeit (Seite 7). Die Passepartout-Lernziele (Niveaustufe A2.1) werden von einer grossen Mehrheit der Schüler/-innen nicht erreicht (Seite 88). In der folgenden Tabelle sind die Prozentzahlen der Schüler/-innen angeben, welche die Lernziele im Leseverstehen, Hörverstehen und Sprechen nicht erreicht haben:

    Lesesverstehen
 Hörverstehen
    Sprechen   
Passepartout-Lernziele A2.1 wurden nicht erreicht  
62.2%
43.0%
89.2%

Die Resultate zeigen zudem, «ein beachtlicher Teil der Schüler/innen erreicht am Ende der Primarschulzeit auch ein elementares Niveau (A1.2) bei den Sprachkompetenzen nicht.» (Seite 89). Diese Niveaustufe A1.2 verlangt minimalste Ziele, zum Beispiel betreffend Leseverstehen: «Die Schülerinnen und Schüler können einen sehr kurzen, einfachen Text Satz für Satz lesen und dabei klar formulierte Informationen verstehen – vorausgesetzt es ist möglich, den Text mehrmals zu lesen, und vorausgesetzt Lexik und Grammatik sind sehr einfach sowie das Thema und Textsorte sehr vertraut.» (Seite 89)

Die folgende Tabelle zeigt die Prozentzahlen der Schüler/-innen, welche die Niveaustufe A1.2 gemäss dem «Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen» (GER) nicht erreicht haben (Seite 88):

    Leseverstehen
 Hörverstehen 
    Sprechen   
 Grundkompetenzen A1.2 wurden nicht erreicht      
37.8%
13.2%
57.5%


Betreffend Wortschatz hält der Bericht pointiert und in einmaliger Deutlichkeit fest: «Die Ergebnisse zeigen sehr deutlich, dass der Wortschatz – als eine von verschiedenen Teilkompetenzen – eine unabdingbare Ressource ist, von der kommunikative Sprachkompetenzen wesentlich abhängen und die im Unterricht gezielt und systematisch aufgebaut werden muss.» (Seite 90). Genau auf dies verzichtet die Passepartout-Ideologie. Mit dem an den Primarschulen verwendeten Lehrmittel «Mille Feuilles» wird kein alltagsgebräuchlicher Wortschatz gelernt. Und noch schlimmer: «Bei genauer Analyse der Lehrmaterialien hat sich zudem gezeigt, dass sich viele der im Lehrplan beschriebenen Aktivitäten kaum im Lehrmittel spiegeln; Aktivitäten zu Zielen und Beschreibungen (…) finden sich nur sehr eingeschränkt in Mille feuilles 3 – 6.» Faktisch heisst das, dass das Lehrmittel mit dem Lehrplan nicht kompatibel ist. Dies macht verständlich, dass mit dem Passepartout-Lehrmittel die Lernziele des Lehrplans nicht erreicht werden können.

Weltweit gibt es kein vergleichbares Fremdsprachenkonzept. Bei Passepartout handelt es sich um ein unverantwortliches Experiment. Leittragende sind die Schüler/-innen, die einen frustrierenden Unterricht erhalten, mit welchem sie ohne zusätzliches von den Primarlehrpersonen erarbeitetes Material keine Chance haben, die Lernziele zu erreichen.

Am 24. November 2019 haben Sie an der Urne mit einem 2 x Ja die Möglichkeit Passepartout zu stoppen. Weitere Infos siehe hier. Den erwähnten Schlussbericht zum Projekt "Ergebnisbezogene Evaluation des Französischunterrichts in der 6. Klasse (HarmoS) in den sechs Passepartout-Kantonen" können Sie hier herunterladen. Einen zum Thema passenden Artikel, erschienen in der Basler Zeitung, können Sie hier lesen.

 
 

Das Passepartout-Fremdsprachen- projekt ist gescheitert

 
Stimmen Sie am 24. November JA

Die kürzlich publizierten Resultate des gesamtschweizerischen Vergleichstests im Fach Französisch sind vernichtend: Die drei Passepartout-Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Solothurn haben am schlechtesten abgeschnitten. Sehr viele Schüler/-innen erreichen am Ende der Primarschule die Lernziele nicht: Die Passepartout-Ideologie mit den Lehrmitteln «Mille Feuilles», «Clin d’oeil» und «New World» ist endgültig gescheitert.

Passepartout – eine abstruse Ideologie mit unbrauchbaren Schulbüchern

Weltweit gibt es kein vergleichbares Fremdsprachenkonzept. Bei Passepartout handelt es sich um ein unverantwortliches Experiment, welches ohne jegliche Erfahrungswerte im ganzen Kanton und an allen Kindern durchgeführt wird, als wären sie Versuchskaninchen. Ohne Not hat man so die bisher bewährte Tradition der Fremdsprachenvermittlung aufgegeben. Die Passepartout-Schulbücher «Mille Feuilles», «Clin d’oeil» und «New World» missachten das pädagogische Grundprinzip, Schulkinder vom Einfachen zum Schwierigen zu führen. Die Schüler/-innen sind frustriert und nur wenige erreichen die Lernziele. Eine Umfrage der Bildungsdirektion bei über 100 Französischlehrpersonen zeigte ein ernüchterndes Resultat: Das Franzi-Lehrmittel «Mille Feuilles» ist unbrauchbar.

Die Lösung: Geleitete Lehrmittelfreiheit

Ein JA am 24. November bedeutet, dass die Lehrpersonen aus einer kantonalen Liste von Lehrmitteln dasjenige Schulbuch auswählen, mit welchem sie die Schüler/-innen am besten fördern können. Damit dürfen die Lehrpersonen klar strukturierte und aufbauende Lehrmittel einsetzen, um so gezielt auf die Bedürfnisse der Lernenden einzugehen. Die Bildungsdirektion geht davon aus, dass bereits im ersten Jahr 70% der Sekundarlehrpersonen sowie die Hälfte der Primarlehrer/-innen auf die neuen, deutlich besseren Lehrmittel umsteigen wird. Die Passepartout-Lehrmittel werden somit innert kurzer Zeit gänzlich aus den Klassenzimmern verschwinden. Ein Verbot wird damit hinfällig.

Bessere Lehrmittel und erst noch deutlich günstiger

Die Passepartout-Schulbücher sind Einweglehrmittel und werden folglich nach einem Jahr weggeworfen. Die neuen Schulbücher sind Mehrweglehrbücher, die von Klasse zu Klasse weitergegeben werden. Die Lebensdauer solcher Mehrweglehrmittel beträgt 4 bis 5 Jahre. Zwar fallen im ersten Jahr durch die Anschaffung neuer Schulbücher geringe Mehrkosten an, innerhalb von wenigen Jahren können jedoch erhebliche Kosten eingespart werden. Dies zeigt die folgende Tabelle:

Breiter politischer Konsens

Nicht nur der Landrat hat dieser Gesetzesvorlage einstimmig zugestimmt, sondern auch der Regierungsrat und der Lehrerinnen- und Lehrerverein Baselland unterstützen die Umsetzung der Initiative «Stopp dem Verheizen von Schüler/-innen: Ausstieg aus dem gescheiterten Passepartout-Fremdsprachenprojekt» der Starken Schule.

Die Starke Schule beider Basel empfiehlt den Stimmberechtigten am 24. November ein „JA“ in die Urne zu legen.

 

Das unrühmliche Schicksal von Passepartout

 
Geringes Medienecho zum Abschluss

Mit überraschend geringem Medienecho endete das sechskantonale Fremdsprachenprojekt Passepartout, mit dem ganz neue Unterrichtskonzepte samt den dazu entwickelten Lehrmitteln Mille feuilles, Clin d’oeil und New World obligatorisch implementiert wurden. Der Abschlussbericht des Projektleiters Reto Furter [1] fand ebenso wenig Beachtung wie die umfangreiche und lang angekündigte Evaluation des IfM (Institut für Mehrsprachigkeit der Universität Freiburg) von 2019 [2].

Wieso diese Zurückhaltung? Furter schreibt dazu im Abschlussbericht: Im Frühling 2018 beschloss die Steuergruppe, keine gemeinsame Medienkonferenz zum Abschluss des Projekts durchzuführen. Es sei zu exponiert, zu stark in der Kritik, um öffentlich eine positive Bilanz zu ziehen. Zudem liegen die Ergebnisse im Rahmen der ÜGK (der EDK) nicht wie geplant bereits im Juni vor. Eine Verschiebung zu kommunizieren wäre Wasser auf die Mühlen der kritischen Medien giessen. (Furter, S. 26)

Kritische Stimmen wurden stets auf die Evaluation vertröstet. Die Verantwortlichen nahmen an, dass damit der Erfolg der neuen Methode und die Tauglichkeit der Lehrmittel bewiesen und alle Befürchtungen der Unzufriedenen beseitigt werden könnten. Blind vertrauten sie darauf, mit dem neuen Unterrichtskonzept markante Verbesserungen zu erzielen. In einem ersten Schritt wurden deshalb 2017 die Kenntnisse nach vier Jahren Primarschulunterricht in Französisch evaluiert, und zwar in Kombination mit der EDK-Überprüfung der Grundkompetenzen in der ersten Fremdsprache (ÜGK).

Während die Ergebnisse des EDK-Tests im Mai 2019 ausführlich kommuniziert wurden, blieb es um die gleichzeitig veröffentlichten, ergänzenden Resultate der IfM-Studie auffällig still. Die Passepartout-Steuergruppe beschloss sogar im Juni 2019 endgültig, die Evaluation der Sekundarstufe, deren Ergebnisse für 2021 angekündigt waren, gar nicht mehr durchführen zu lassen. Man begnüge sich mit der dann fälligen Überprüfung der gesamtschweizerischen Grundkompetenzen der EDK, ohne die Passepartout-Didaktik und das Lehrmittel Clin d’oeil speziell zu untersuchen.

Der Glaube an die Wirksamkeit ist ins Wanken geraten

Der Verdacht liegt nahe, dass der kleinlaute Umgang mit der Evaluation und der Verzicht auf weitere IfM-Studien ein Zeichen dafür sind, dass der tiefe Glaube an die Wirksamkeit der «neuen Didaktik» doch etwas ins Wanken geraten ist. Offen zugeben kann man das noch nicht, es gilt, das Gesicht zu wahren, besonders auch wegen des vielen Geldes, das man in das Projekt gesteckt hat. (Lesen Sie hier den Artikel weiter)

Gastbeitrag von Felix Schmutz (Autor bei Condorcet)
 

[1] Reto Furter (2018): Abschlussbericht zum Projekt Passepartout, Freiburg, August 2018
https://nwedk.ch/sites/default/files/upload/Passepartout%20Schlussbericht_2019.pdf
[2] Eva Wiedenkeller, Peter Lenz (2019): Schlussbericht zum Projekt‚ Ergebnisbezogene Evaluation des Französischunterrichts in der 6. Klasse (HarmoS 8) in den sechs Passepartout-Kantonen‘ durchgeführt von Juni 2015 bis März 2019 am Institut für Mehrsprachigkeit der Universität und der Pädagogischen Hochschule Freiburg im Auftrag der Passepartout-Kantone

 

Die Gefahren der schulischen Digitalisierung

Ein Plädoyer für ein umsichtiges Vorgehen

Harald Lesch, der aus dem Fernsehen bekannte Astrophysiker, meinte in einem seiner Vorträge, Bedenken seien ein konstitutives Element des Menschseins.[1] Doch gerade bei der Vorwegnahme der Folgen seines Handelns tut sich Homo Sapiens unglaublich schwer. So bedachte er weder die Auswirkungen der Nutzung fossiler Brennstoffe auf die Umwelt noch die Unlösbarkeit des Problems radioaktiven Abfalls. Ein Bereich, in dem Vorausdenken geradezu verweigert wird, ist die Bildungspolitik. Aktuellstes Beispiel: die Digitalisierung.

Elf Stunden vor dem Bildschirm

Als ich in einer meiner Klassen die Zeit erhob, die seitens der Lernenden ausserhalb der Schule täglich vor dem Bildschirm verbracht wird, stellte eine Schülerin den Rekord auf mit über acht Stunden. Der Durchschnitt betrug immerhin ca. drei bis vier Stunden. Zu den Beschäftigungen zählen Computerspiele, Fernsehen sowie Nachrichten und Bilder «checken» auf dem Handy, Tablet oder am PC. Dieser Befund entspricht in etwa den Ergebnissen der auf Sucht Schweiz einsehbaren internationalen Schülerbefragung Health Behaviour in School-aged Children. Demnach «... verbringen die 11- bis 15-Jährigen in der Schweiz heute im Schnitt unter der Woche 4,4 und am Wochenende 7,4 Stunden pro Tag vor dem Fernseher, Computer, Tablet oder Smartphone.»[2] Es handelt sich dabei ausschliesslich um ausserhalb der Schule vor dem Bildschirm verbrachte Zeit.

Die bevorstehende Digitalisierung des Unterrichts zieht bedenkliche Tagesabläufe nach sich. Ein hypothetisches Beispiel aus dem Alltag eines Vierzehnjährigen. 06.45: Der Handywecker läutet, erster Blick auf WhatsApp, Instagram oder Snapchat, eine erste Nachricht an den besten Freund; 07.20: Ankunft in der Schule, kurzer Austausch mit Kollegen der am Vortag auf YouTube neu entdeckten Clips; 07.30: Geometrie, Dreieckskonstruktionen am PC; 08.20: Französisch, einen digitalen Text lesen mit anschliessender Beantwortung von Fragen im Textverarbeitungsprogramm; 09.10: Deutschdoppelstunde, Aufsatz am Bildschirm; 11.05: Geschichtsprüfung online; 12.30: Mittagessen zuhause, der Fernseher läuft zur Unterhaltung im Hintergrund; 13.55: Englisch, Übungen zum Past simple am Computer, YouToube-Clip als Hörverständnisübung; 14.45: Geographie, Filmvorführung zur Erdölförderung im Nahen Osten; 16.00 - 19.00: Ballerspiele am PC - Call of Duty, Fortnite oder dergleichen; 19.00: Nachtessen; 19.30 - 22.00: Netflix-Serie - Vampire Diaries, Riverdale, Walking Dead oder Ähnliches; 22.30: Nachrichtenaustausch am Handy.

Am Ende des Tages verbringt der Junge gegen elf Stunden vor dem Bildschirm. Der vom Bundesamt für Sozialversicherungen und der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften herausgegebenen Broschüre Medienkompetenz ist zu entnehmen: «10- bis 12-Jährige sollten pro Woche nicht mehr als 10 Stunden vor dem Bildschirm verbringen.»[3] Folgen für die Gesundheit sind auf diesem Hintergrund unausweichlich. (Lesen Sie hier den Artikel weiter)

Gastbeitrag von Felix Hoffmann, Sekundarlehrer
 


[1] https://www.tele-akademie.de/03_suche.php?suchw=die+menschheit+schafft+sich+ab+lesch
[2]
https://www.suchtschweiz.ch/aktuell/medienmitteilungen/article/jugendliche-mediennutzung-im-griff/
[3]
https://www.jugendundmedien.ch/fileadmin/user_upload/Brosch%C3%BCren_Flyer/Brosch%C3%BCre_Tipps_Medienkompetenz/Brosc%C3%BCre_Medienkompetenz_D_2015_5_Auflage.pdf
 
 

Passepartout – Mahnmal einer expertokratischen Schulreform

 
Erklärungen als Übergriff

«Das ist Luigi, unser neuer Hund. Ich habe meinen Mann übergezeugt, dass wir brauchen einen treuen Freund in der Familie. Er hat sich schon gut einlebt», rief mir die Expat aus Sussex zu. Ich liess mir wegen der lustigen Verbformen nichts anmerken, fragte mich allerdings, ob ich meiner déformation professionelle nachgeben und meine Bekannte auf die korrekte Bildung des Partizips 2 aufmerksam machen oder vielleicht doch besser auf diesen «Übergriff» verzichten sollte.

Wie hätten Sie sich entschieden? Hätten Sie der sprachaffinen Engländerin erklärt, wie sie erkennen kann, warum man ein-ge-kauft, aber ver-kauft und nicht ver-ge-kauft sagt? Oder hätten Sie die Dame ganz im Geiste der Didaktik der Mehrsprachigkeit dazu angehalten, die Regel selber herauszufinden, sie mit ihrem Mann zu diskutieren und am nächsten Barbecue gemeinsam zu «offizialisieren»[1]?

Torpedierung der Methodenfreiheit

It depends, pflegen die Engländer zu sagen. Nicht so die Promotoren der Didaktik der Mehrsprachigkeit, die sich seit der Lancierung des sechskantonalen Fremdsprachenkonzepts Passepartout anmassen, sämtlichen Fremdsprachenlehrpersonen vorschreiben zu wollen, wie «zeitgemässer» Unterricht auszusehen habe und welche bewährten Methoden aus dem didaktischen Repertoire zu streichen seien.

Mit der Einführung einer im internationalen Vergleich exotischen Didaktik ohne Wirksamkeitsnachweis, gepaart mit einem strikten Lehrmittelobligatorium, wurde die Methodenfreiheit dramatisch eingeschränkt. Eine kleine Gruppe von «Experten» hat es unter Mitwirkung reformfreudiger Akteure aus Politik und Verwaltung «geschafft», einen heftigst umstrittenen Schulversuch zu initiieren, der tausende Lernende als Versuchskaninchen einsetzt und die Lehrpersonen sowohl bevormundet wie belastet.

Drängende Fragen

  1. Wie war es möglich, dass ein renommierter Verlag wie «Klett und Balmer» ein Passepartout-konformes Englischlehrmittel produzierte, das im Widerspruch zur Firmentradition steht?
  2. Warum konnte der «Schulverlag plus» es sich leisten, die Kritik an seinen Lehrmitteln Mille feuilles und Clin d’oeil sechs Jahre lang zu ignorieren?
  3. Wie konnte es sein, dass der Lehrerschaft eine Didaktik verordnet wurde, auf die sich international erfolgreiche Verlage wie Oxford Press oder Macmillan Education nicht im Traum einlassen würden?

Marketing und vollmundige Versprechungen

Die Didaktik der Mehrsprachigkeit mit den Lehrmitteln New World, Mille feuilles und Clin d’oeil wurden mittels eines bis dato ungekannten Marketings beworben. Den Auftrag für die professionelle Website sicherten sich die Firmen «nemuk AG»[2], Agentur für digitales Marketing, und «wortgewandt», zuständig für «kluge Texte» und «ehrliche Kommunikation»[3].

Damit war die Bahn frei für das mit Steuergeldern finanzierte Promoten angeblich überlegener Lehrmittel, deren Einsatz «den Fremdsprachenunterricht an der Volksschule von Grund auf […] erneuern» solle[4].

Fortan würden die Kinder die Fremdsprache wie ihre Muttersprache lernen: mühelos, ganz ohne Vokabeln büffeln und Regeln lernen zu müssen.[5]

Pauschales Bashing

Gleichzeitig zeichneten Passepartout-Verfechter öffentlich ein Zerrbild des bestehenden Fremdsprachenunterrichts: Fehlende Handlungsorientierung, einseitige Fokussierung auf Grammatik, sinnentleertes Auswendiglernen, ja selbst die Zerstörung des Selbstvertrauens der Lernenden wurden angeprangert.

Man tat so, als ob vielfältige Wortschatzspiele, kreative Memorisierungstechniken oder variantenreiche Präsentationen niemals zuvor zu einem anregenden Fremdsprachenunterricht gehört hätten. Man redete den Status quo bewusst schlecht, um dem eigenen Konzept leichter zum Durchbruch zu verhelfen.

Flächendeckende Umerziehungskur

Sämtliche Fremdsprachenlehrpersonen verpflichtete man zu überdimensionierten «Fortbildungen». Wer sich weigerte, dem drohte gar der Entzug der Lehrberechtigung! Angesichts dieses übergriffigen Vorgehens blieb den Betroffenen nichts anderes übrig, als sich von Kursleitungen, die teilweise nicht einmal über stufenspezifische Unterrichtserfahrungen verfügten, die Kuriosiäten der neuen Didaktik erklären zu lassen, und zwar rekordverdächtige 24 Halbtage lang.

Zum Einstieg wurde gestandenen Lehrkräften beispielsweise Texte vorgelegt, in denen behauptet wurde, der Unterricht habe sich seit den Schriften von Comenius kaum verändert, er sei statisch und militärisch geblieben. Nun müsse endlich alles anders werden, schliesslich sei Lernen wie Sex, solle also aufregend und vergnüglich sein.

Wesen der Didaktik der Mehrsprachigkeit

Vorsicht: Realsatire! Die Hauptmerkmale der magischen Didaktik lassen sich anhand der folgenden Beispiele erläutern:

  • Ein Balljunge darf an einer Exhibition gegen Rafael Nadal spielen. Passt sich die Nummer 1 an oder zieht er voll durch mit der Begründung, Anfänger würden besonders gut Tennis spielen lernen, wenn sie sich von Beginn an mit authentischen Situationen konfrontiert sähen?
  • Deb Roy konnte mit dem Human Speechome Project[6] aufzeigen, welche Wörter Kinder zuerst erwerben. Gehören good, tree, cat dazu oder doch eher engloutit, moulachou, prestidigitateur[7]?
  • Wie lernen Kinder Rad fahren? Mit einem an ihre Körpergrösse angepassten Laufvelo oder einem Bike für Erwachsene mit 29-Zoll-Rädern und 27 Gängen?
  • Warum wurde David Garrett zum Starviolinisten? Weil er täglich ausgiebig übte oder ab und zu spielerisch ein paar ausgewählte Töne ausprobierte?
  • Was sagen Eltern zu ihrem Dreijährigen, der im Zoo auf einen Tiger zeigt und «Löwe» ruft? «Das ist ein Tiger, den erkennt man am orangen Fell mit schwarzen Streifen» oder «Genau, sehr gut, das ist ein gestreifter Löwe»?

Sie ahnen es: Die Hardcore-Verfechter der Didaktik der Mehrsprachigkeit müssten sich stets für die zweite Option entscheiden – falls sie ihre Theorie selber in Alltagssituationen anwenden würden. Das tun sie jedoch nicht, wie mir eine Kursleiterin versicherte, denn im Kurs gehe es um den modernen Fremdsprachenerwerb, nicht um den Alltag. Ja, wie nun?

Angesichts solch verquerer Logik erstaunt es nicht, dass der Abschlussbericht der flächendeckenden Baselbieter Fachhearings mit Primar- und Sekundarlehrpersonen[8] die von verschiedener Seite seit Jahren geübte Kritik an besagter Didaktik bzw. den Passepartout-Lehrmitteln vollumfänglich bestätigte:

  1. Missachtung des universalen Prinzips vom Einfachen zum Schwierigen: «Die Orientierung an authentischen [also nicht didaktisierten] Inhalten wird als wenig zielführend wahrgenommen», diese «Texte stellen oft zu hohe Ansprüche […], thematisch seien sie wegen des fehlenden Alltagsbezugs […] wenig ansprechend.»
  2. Exotischer Wortschatz: «Alltagstauglicher Wortschatz» fehle, ein «aufbauender und verbindlicher Wortschatz wird nicht gezielt angelegt.»
  3. Kein geführter, systematischer Aufbau der Grundstrukturen: «Grammatische Strukturen werden […] nicht sichtbar gemacht und […] nicht als solche erkannt […], bei der Anwendung können die Lernenden nicht auf gefestigtes Vorwissen aufbauen.»
  4. Sight-Seeing-Didaktik: «Die grosse Mehrheit […] ist sich einig, dass Festigungs- sowie Vertiefungsmöglichkeiten fehlen. Etliche Themen werden in den Lehrmitteln nur angetippt und dann als gefestigt vorausgesetzt.»
  5. Fetisch Fehlertoleranz: Im Zusammenhang mit der passepartoutspezifischen Fehlerkultur «tauchte die Frage auf, warum nicht sofort die korrekte Schreibung eingeübt» werde.[9] Kommentar: Wenn jemand behauptet, «dass Fehler das spätere Erlernen der richtigen Form in keiner Weise beeinträchtigen», dann fordern Sie diese Person dazu auf, nicht an einen rosaroten Elefanten zu denken und fragen Sie sie dann, was sie sehe.

Weitere Kuriositäten

In der mini-grammaire lassen die Lehrmittelautorinnen Kinder (nicht etwa studierte Linguisten!) auf einer Metabene mehr als 40 Sprachen – von Isländisch über Vietnamesisch bis zum Inuktikut – reflektieren, die sie noch nicht einmal ansatzweise kennen.

Dozierende der PH FHNW propagieren gar das Code Switching – das beständige Wechseln zwischen mehreren Sprachen – als Unterrichtsziel für die Volksschule und demonstrieren damit Abgehobenheit und Realitätsferne. 

Beschwichtigen, Diffamieren, Ignorieren und die Macht des Faktischen

Bereits 2015 machte Philippe von Escher, Stufenpräsident Sek I des Berner Lehrerverbandes, auf die Unzulänglichkeiten aufmerksam: «Es muss sich wohl um einen Systemfehler handeln, dass nach vier Jahren Frühfranzösisch […] die Top-300-Wörter […] in einem isolierten Satz nicht verstanden werden».[10] Umfragen der Verbände aus den Kantonen GR, BE, SO und BL zeichneten allesamt ein negatives Bild.

Die bernischen Gymnasien strichen den Grammatikteil aus der Aufnahmeprüfung, weil man nicht prüfen könne, was nicht vorhanden sei. In Solothurn wurde das geplante Obligatorium der Passepartout-Lehrmittel für die Sek P rückgängig gemacht. Susanne Zbinden wies in ihrer Masterarbeit nach, dass das Leseverständnis von Clin d’oeil-Lernenden signifikant schlechter ist als dasjenige von SchülerInnen, die mit didaktisiertem Material Französisch gelernt hatten.

Trotz erdrückender Faktenlage lenkten die Verantwortlichen nicht ein. Im Gegenteil: Sie beschwichtigten, vertrösteten, stellten mahnende Stimmen bloss. Sie erklärten prämierte Studien wie jene von Simone Pfenninger für qualitativ ungenügend. Sie verwehrten Kritikern den Unterrichtsbesuch und schüchterten aufmüpfige Eltern ein. «TeleBasel» musste Stimmen verändern und Gesichter verpixeln, damit Betroffene sich getrauten, Klartext zu sprechen.

Dank Aldous Huxley wissen wir, dass Tatsachen nicht aufhören zu existieren, nur weil sie ignoriert werden. Im März 2018 sah sich Gesamtprojektleiter Reto Furter zu einer Stellungnahme veranlasst. Offenbar lagen die Nerven blank. Anders ist es nicht zu erklären, dass er sich auf SRF4 zu dieser Aussage verstieg: «Ein Geschichtslehrmittel, das den Holocaust leugnet, muss man verbieten, aber sicher nicht zwei Französischlehrmittel und ein Englischlehrmittel.»[11] Dieser «Vergleich» stellt eine Assoziation her zwischen Rechtsextremismus und dem Entscheid des Baselbieter Landrats, den Ausstieg aus Passepartout gutzuheissen. Einer sachlichen Auseinandersetzung ist das nicht zuträglich.

Die Realität sieht so aus: Viele praxiserfahrenen Lehrpersonen – ihrem Berufsethos und dem Lernerfolg ihrer SchülerInnen verpflichtet – greifen längst korrigierend ein und halten sich nicht an krude Theorien von «Experten», die am finanziellen Tropf des teuersten Fremdsprachenprojekts aller Zeiten hängen.

Ausweg aus der Sackgasse

Dass es auch anders geht, bewies Monica Gschwind in Baselland: Sie nahm die Kritik ernst, holte alle Anspruchsgruppen an den runden Tisch und handelte: Die Fortbildung wurde gekürzt, die Einschränkung der Methodenfreiheit revidiert, das Ergebnis der Fachhearings[12] transparent veröffentlicht, der «schulverlag plus» unmissverständlich dazu aufgefordert, die Lehrmittel grundlegend zu überarbeiten.

Damit in allen Passepartout-Kantonen Ruhe einkehren kann, müssen Selbstverständlichkeiten wieder selbstverständlich werden:

Lehrplan

Lernziele können am besten erreicht werden, wenn die Stoffinhalte konkret definiert sind. Mit schwammigen Kompetenzformulierungen lässt sich kein stufenübergreifend aufbauender Fremdsprachenunterricht realisieren.

Lehrmittelfreiheit

Staatlich protektionierte Lehrmittelmonopole sind träge, einschränkend und teuer. Für beide Sprachen gibt es ausgereifte, weitgehend selbsterklärende Lehrmittel, welche international gesicherte didaktische Erkenntnisse umsetzen.

Methodenfreiheit

Richtziel eines jeden Sprachunterrichts ist der Transfer, die Anwendung in der Zielsprache. Der Weg dorthin ist lediglich Mittel zum Zweck. Es gibt daher weder die Lehrmethode noch die Fremdsprachendidaktik.

Passepartout als Präzedenzfall?

In speziellen Schulungen lernen Piloten, sich den Autoritätsgehorsam wegzutrainieren, damit Ungereimtheiten im Cockpit schnell und offen angesprochen werden können[13]. Genau dieses Selbstverständnis benötigen wir Lehrpersonen im Umgang mit praxisfernen «Experten».

Philipp Loretz, Sekundarlehrer, Aesch

[Quelle: Dieser Artikel ist zuerst im Magazin "Einspruch! 2 - Auswirkungen der Schulreformen, eine kritische Bestandesaufnahme aus der Sicht der Betroffenen" erschienen.]

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[1] Clind’oeil, Bienvenue dans le futur, fil rouge, p. 17
[2] https://nemuk.com
[3] https://www.wortgewandt.ch/de.html
[4] https://www.passepartout-sprachen.ch/ueber-passepartout/worum-geht-es/
[5] https://www.passepartout-sprachen.ch/informationen-fuer/eltern/worum-geht-es/
[6] http://www.ted.com, http://www.ted.com/talks/deb_roy_the_birth_of_a_word
[7] Mille feuilles 3.1, Le monstre de l’alphabet, S. 15 ff.
[8] Ergebnisbericht: Fachhearings Französisch, https://www.baselland.ch/politik-und-behorden/regierungsrat/dossiers/passepartout
[9] Ergebnisbericht: Fachhearings Französisch, https://www.baselland.ch/politik-und-behorden/regierungsrat/dossiers/passepartout
[10] https://www.lvb.ch/docs/magazin/2015_2016/02_Dezember/10_Diese-Didaktik-schuettet-das-Kind-mit-dem-Bade-aus_LVB_1516-02.pdf
[11] Reto Furter, SRF, 27.3.2018, https://www.srf.ch/sendungen/4x4/der-kanton-basel-land-will-aus-passepartout-aussteigen
[12] Ergebnisbericht: Fachhearings Französisch, https://www.baselland.ch/politik-und-behorden/regierungsrat/dossiers/passepartout
[13] Rolf Dobelli, Die Kunst des klaren Denkens, "The authority bias" 
 

 

Der alljährliche Irrsinn

Die Lehrkräfte des OSZ-Orpund blickten bei der Kaffemaschine auf ein Bild, das der Materialverantwortliche in den Ferien gemacht hatte. Condorcet-Autor Alain Pichard erstellte daraufhin eine Rechnung!

Französisch Reste

Dem Orpunder Materialchef standen die Haare zu Berge, als er vor den Sommerferien den Abfallcontainer erblickte. Dieser quoll vor lauter weggeworfenen «Clin d’oeil»-Boxen regelrecht über. Das Ganze war eine Plastikorgie sondergleichen, die unweigerlich an die Abermilliarden Tonnen an Kunststoff-Abfällen in den Weltmeeren denken liess.

Kurz vor Schuljahresbeginn nahm er dann die Bestellungen für das neue Schulmaterial an die Hand. Zum Vorteil der Schule und der Umwelt ist unser Materialchef allerdings nicht nur ein umweltbewusster Zeitgenosse mit gesundem Menschenverstand, er schaut zusätzlich auch aufs Geld. So machte er zur Verdeutlichung der gewaltigen Materialverschwendung durch die «Clin d’oeil»-Lehrmittel ein Foto von der entsprechenden Palette und hängte es im Lehrerzimmer auf.

Clin d'oeil Schülerbox mini-grammaire

«Clin d’oeil» ist ein Einweglehrmittel. Es kann also nicht wiederverwendet werden wie beispielsweise das früher verwendete Französisch Lehrbuch «Bonne Chance». Eine «Clin d’oeil»-Plastikbox kostet pro Schüler Fr. 32.– Dazu werden weitere Materialien angeboten, wie zum Beispiel die «mini-grammaire» für Fr. 32.–. 200 SchülerInnen mal Fr. 32Fr.  ergibt Fr. 6’400.–. Dieser enorme Betrag wird auch nächstes Jahr wieder in der Abfalltonne landen.

Wie die ÜGK 2019 (Überprüfung des Erreichens der Grundkompetenzen) und weitere Studien zeigen, verfehlt der Unterricht mit den neuen Lehrmitteln «Clin d’oeil» und «Mille feuilles» (Unter- bzw. Mittelstufe) praktisch alle Bildungsziele. Darüber hinaus erweist sich Passepartout auch als Geldvernichtungsmaschine erster Güte. Sie reisst klaffende Löcher in den Haushalt von Schulen und Gemeinden.

Angesichts der sich aktuell verschärfenden Klimaproblematik ist die Passepartout-Ideologie mit ihrer Materialschlacht ein ökologischer Irrsinn. Sie zeugt in dieser Hinsicht von absoluter Verantwortungsabstinenz seitens der Entwickler und Auftraggeber der Passepartout Lehrwerke, «Mille feuilles», «Clin d’oeil» und «New World».

Alain Pichard, Condorcet-Autor

[Quelle: Condorcet Blog, erschienen am 16.08.2019]

 

Appenzell - Basel 3:0

Die Ergebnisse der ersten schweizerischen Erhebung von Grundkompetenzen in der Volksschule, mit Verzögerung von der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) publiziert, haben die Öffentlichkeit erstaunt und aufgeschreckt. Nun können wir uns ein Bild machen, wie gut die Sechstklässler ihre Schulsprache beherrschen, wie weit sie im Lernen der ersten Fremdsprache sind und wie viel an Mathematik bei Sekundarschülern am Ende der Schulzeit hängen geblieben ist.

Die Untersuchung offenbart grosse kantonale Differenzen. Die NZZ wählt einen drastischen Titel: «Katastrophales Zeugnis für die Basler Schulen». Und fasst dann zusammen: Die Schüler aus Freiburg, Wallis und Appenzell Innerrhoden beweisen sowohl bei Mathematik wie bei den Sprachen überdurchschnittliche Kompetenzen. Am unteren Ende der Skala finden sich beide Basel und Solothurn. Besonders augenfällig ist das schlechte Abschneiden der Schüler aus Basel-Stadt, wo in Mathematik nicht einmal die Hälfte der Schüler genügt, wo aber auch bezüglich der Sprachkompetenzen weniger erreicht wurde als in fast allen anderen Kantonen.

Als Ausrede tischt Erziehungsdirektor Conradin Cramer (LDP) gebetsmühlenartig die schwierige Zusammensetzung der städtischen Schülerschaft auf. Die EDK allerdings lässt diese Erklärung nicht gelten: «Die Analysen zeigen», hält sie fest, «dass die unterschiedlichen Anteile nicht oder nur zu einem äusserst geringen Teil auf die Schülerzusammensetzungen zurückgeführt werden können.» Weder die soziale Herkunft noch die zu Hause gesprochene Sprache noch der Migrationsstatus sind demnach entscheidend für das Erreichen der Kompetenzen. Defekt ist das System.

Gegen den ausdrücklichen Rat zahlreicher Fachleute wurde zuerst der Französisch- dann auch noch der Englischunterricht in die Primarschule verlegt. Nun zeigt sich, wenig überraschend: Viele Primarschülerinnen und Primarschüler sind mit zwei Fremdsprachen heillos überfordert. Dabei wird erst noch übersehen, dass für einen erheblichen Teil der Schülerschaft die Standardsprache Deutsch ebenfalls eine Art Fremdsprache ist. Der Erziehungswissenschaftler Carl Bossard lobt die Appenzeller: «Sie verlegten den Französischunterricht von der Primar- in die Sekundarstufe und unterrichten hier mit hoher Kadenz. Sie befreiten die Primarschule von Französisch und gewannen Zeit fürs Kernfach Deutsch.»

Anders gesagt: besser zuerst scharfzüngig Deutsch als vielzüngig, aber ungenau! Viele erfahrene Lehrpersonen wissen das. Doch die Bildungspolitik hört nicht auf sie. («NZZ am Sonntag», 22.6.2019)

Oder mit den Worten von Marcel Proust: «Die Wirklichkeit dringt nicht in die Welt des Glaubens.»

[Quelle: Basler Zeitung, 8. August 2019, von Roland Stark, ehemaliger SP-Grossrat]

 

Seven Years Of Fight

Sie kennen sicher den Film «Seven Years in Tibet». Der berühmte Bergsteiger Heinrich Harrer nimmt nach seiner erfolgreichen Erstbesteigung der Eigernordwand an einer Himalaya-Expedition teil und wird im Rahmen der Kriegswirren für insgesamt sieben Jahre im Tibet interniert. Er lernt den Dalai-Lama kennen und verändert seine Weltsicht.

Sieben Jahre sind lang. Und kurz. Doch sie reichen aus, um Stand- und Trittfestigkeit zu erreichen und die Sicht auf die Dinge zu festigen.

Genau das ist der Starken Schule gelungen. Am 20. Juni 2011 wurde der Verein «Gute Schule Baselland» ins Leben gerufen. Dies vor allem als Antwort auf die basellandschaftlichen Spar- und Reformprogramme. Einerseits, um dem kantonalen Ansinnen entgegenzuwirken, Sekundarschülerinnen und -schüler bei Bedarf künftig innerhalb eines Schulkreises zu verschieben, um die Klassen füllen zu können und so die Beschulung im Wohnort nicht mehr garantieren zu müssen (Komitee «Keine Zwangsverschiebungen»). Andererseits, um der grassierenden Reformitis Einhalt zu gebieten, mit dem Ziel, ein Mindestmass an Unterrichtsqualität zu erhalten (Komitee «Gute Schule Baselland»). An diesem 20. Juni 2011 fand denn auch die erste Mitgliederversammlung des neu gegründeten Vereins statt, an welcher der Vorstand gewählt und die Statuten verabschiedet wurden.

Der Name «Gute Schule Baselland» schien ideal für den bildungspolitisch tätigen Verein. Doch diese Rechnung ging nicht auf. Der Kanton Baselland hatte inzwischen die Marke «Gute Schule Baselland» rechtlich schützen lassen und drohte mit juristischen Schritten, sollte dieser Name weiterhin als Vereinsbezeichnung auftauchen.

Der Gescheitere gibt nach… aus «Gute Schule Baselland» wurde «Starke Schule Baselland». Damit setzte die Starke Schule Baselland eine Entwicklung in Gang, die weitere «Starke Schulen» in anderen Kantonen hervorrief, so zum Beispiel in Appenzell oder in St. Gallen.

Die Geschäftsleitung wurde später Saskia Olsson und Alina Isler übertragen, die das Sekretariat betreuen. Beide sind auch Vorstandsmitglieder der Starken Schule neben (heute Ex-) Landrat Jürg Wiedemann, Michael Pedrazzi und Landrätin Regina Werthmüller. Daneben steht die Mitgliederversammlung, die einmal jährlich einberufen wird. Die Starke Schule beider Basel (SSbB), wie sie seit 2017 heisst, umfasst neben 4'496 Personen aus dem Kanton Baselland auch 308 Personen aus Baselstadt sowie 33 andere Personen.

Die aktuell im Kanton Baselland im Amt stehende Regierungsrätin und Bildungsdirektorin Monica Gschwind verdankt ihre Erstwahl zu einem Gutteil der Unterstützung durch die Starke Schule. Der gemässigte Reformkurs sowie der vom Artikelverfasser bereits 2010 (an der damaligen AKK-Plenarversammlung) geforderte und schliesslich auch vorgenommene Marschhalt sind ihr zu verdanken. So verwandelte sich der Lehrplan 21 in den «Lehrplan Volksschule Baselland» und die derzeit diskutierte (beschränkte) Lehrmittelfreiheit lässt hoffen.

Die Starke Schule beider Basel ist zu einem wichtigen bildungspolitischen Player herangewachsen, der sich in diversen Gremien auf kantonaler Ebene einbringen kann - nebst anderen, wie z. B. dem Lehrerinnen- und Lehrerverband Baselland (LVB). Wenn man das bildungspolitische Kernanliegen der Starken Schule beider Basel in einem Satz zusammenfassen wollte, dann vielleicht so: «Die Starke Schule beider Basel setzt sich ein für einen qualitativ hochwertigen und Reformideologie-befreiten Unterricht, verbunden mit der entsprechend zu gewichtenden pädagogisch-methodischen Autonomie der Lehrpersonen.»

Folgende Initiativen hat die Starke Schule seit ihrer Gründung lanciert:

  • Keine Zwangsverschiebungen an Baselbieter Sekundarschulen (14. April 2011)
  • Bildungsqualität auch für schulisch Schwächere (30. Juni 2011
  • Ja zur guten Schule Baselland: überfüllte Klassen reduzieren (1. September 2011)
  • Ja zur guten Schule Baselland: Betreuung der Schüler/-innen optimieren (1. September 2011)
  • Ja zur Weiterführung der zweijährigen Berufsvorbereitenden Schule BVS 2 (09. Februar 2012)
  • Ja zu fachlich kompetent ausgebildeten Lehrpersonen (27. Februar 2014)
  • Ja zum Austritt aus dem überteuerten und gescheiterten Harmos-Konkordat (27. Februar 2014)
  • Ja zu den Fächern Geschichte, Geografie, Biologie, Physik und Chemie (25. Juni 2015)
  • Stopp dem Verheizen von Schüler/-innen: Ausstieg aus dem gescheiterten Passepartout-Fremdsprachenprojekt (15. Oktober 2015)
  • Stopp der Überforderung von Schüler/-innen: Eine Fremdsprache auf der Primar genügt (15. Oktober 2015
  • Ja zu Lehrplänen mit klar definierten Stoffinhalten und Themen (7. Juli 2016)
  • Ja zu einer pädagogisch sinnvollen Stundentafel (22. Juni 2017)
  • Die gigantische und unerfüllbare Anzahl von 3'500 Kompetenzbeschreibungen in den Lehrplänen auf ein vernünftiges Mass reduzieren (27. September 2018)
  • Passepartout-Lehrmittel Mille feuilles, Clin d’œil und New World durch gute Schulbücher ersetzen (27. September 2018)

In letzter Zeit zeigt sich Erfreuliches. So hat der Landrat der SSbB-Initiative «Ausstieg aus den Passepartout-Lehrmitteln» zugestimmt. Deren Annahme durch den Landrat bedeutet, dass die Bildungsdirektion eine Gesetzesvorlage ausarbeiten muss, mit welcher diese Initiative umgesetzt werden kann, wobei die Bildungsdirektion einen gewissen Spielraum hat. Dieser Spielraum zeigt sich in der bereits erwähnten «beschränkten Lehrmittelfreiheit». Diese Entwicklung wiederum führte aktuell dazu, dass die Starke Schule sich bewusst dazu entschieden hat, mit der Einreichung ihrer letzten Initiative "Mille feuilles, Clin d'oeil und New World durch gute Schulbücher ersetzen" zuzuwarten. Es scheint, als bewege sich der Apparat BKSD langsam aber sicher in die richtige Richtung. Doch es gilt, weiterhin wachsam zu bleiben!

Man kann sich auch fragen, worauf die politischen Erfolge der Starken Schule beruhen. Nebst dem unermüdlichen Einsatz von Geschäftsleitung und Vorstand ist dies vor allem der Vereinskonstellation zu verdanken. Die Starke Schule beider Basel ist ein Mitte-Links-Komitee, dem es gelungen ist, die Linke zu spalten bzw. ideologisch aufzuweichen und zusammen mit den Mitteparteien und den Bürgerlichen immer wieder Allianzen und Mehrheiten im Parlament zu bilden. Das überzeugt auch die Stimmbürgerinnen und -bürger.

Der Starken Schule wird immer wieder mal vorgeworfen, sie bombardiere die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger andauernd mit neuen Initiativen – die Bildungslandschaft käme so nie zur Ruhe.

Falsch! Die Initiativen der SSbB sind durchs Band Reaktionen auf den nicht enden wollenden Feldzug des nimmersatten Reformgoliath, der die schweizerische und damit auch die basellandschaftliche Bildungslandschaft ständig von neuem umpflügt. Dass diese Reformbemühungen in einer Sackgasse enden, ist mehr als abzusehen – der kürzlich national erhobene Bildungsvergleich spricht diesbezüglich eine deutliche Sprache. Genau so deutlich äussern sich die Abnehmeretagen der Volksschulabgängerinnen und -abgänger. Ohne den ständig aufrechtzuerhaltenden Druck zur Kurskorrektur - z. B. seitens der Starken Schule - wäre das Fiasko mehr als programmiert. Die Starke Schule beider Basel leistete und leistet in dieser Hinsicht wertvolle Arbeit – Seven Years Of Fight!

Danke!
Daniel Vuilliomenet, Sekundarlehrer