Starke Schule beider Basel

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Im Juni 2018 entscheiden die Stimmberechtigten über den Ausstieg aus der unsäglichen Fremdsprachenideologie. Zurzeit verteilen wir 100'000 Flyer im ganzen Kanton in Briefkästen. Wir freuen uns, wenn Sie mithelfen und ebenfalls einige Flyer verteilen (siehe hier).
 

News

Leserbrief

Untaugliche Lehrmittel

Jetzt haben wir den Beweis: Das Frühfranzösischlehrmittel ist untauglich! Ich verlangte als Berner Grossrätin, dass der Regierungsrat die für mich untauglichen Lehrmittel «Mille Feuilles» und «Clin d’Œil» vorerst mit Versuchsklassen testen müsse. Doch davon wollte der Berner Regierungsrat Pulver nichts wissen. Da im Kanton Bern der Bildungsdirektor auch einschneidende Entscheide selber treffen kann, werden nun für diese Lehrmittel jährlich circa 14 Millionen Franken und für Zusatzausbildungen für Lehrpersonen jährlich circa weitere 4 Millionen Franken «verpulvert».
Zum Glück hat nun eine erfahrene Sekundarlehrerin, welche selber mit den Lehrmitteln im Frühfranzösisch gearbeitet hat, eine Masterarbeit zum Thema «Französischlehrmittel» gemacht. Sie hat Klassen verglichen, welche zwar mit den unterschiedlichen Lehrmitteln (Bonne Chance und Mille Feuilles / Clin d’Œil»), aber mit gleich vielen Unterrichtslektionen (ca. 600), unterrichtet worden sind.
Die Studienergebnisse sind ernüchternd, denn die sprachlichen Leistungen der Kinder mit den neuen Lehrmitteln waren signifikant schlechter. Die Konsequenz muss sein: Stopp dem obligatorischen Gebrauch dieser untauglichen Lehrmittel!

Sabrina Geissbühler, Herrenschwanden
 

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Kommentar von BaZ-Journalist Thomas Dähler, erschienen in der Basler Zeitung vom 02.12.2017

Ein Lehrplan mit Themen und Inhalten

Gross war die Empörung bei den Linken, als das Komitee Starke Schule Baselland im Vorfeld der letzten Baselbieter Regierungsratswahlen der freisinnigen Kandidatin Monica Gschwind seine Unterstützung zusagte. Der damalige grüne Landrat und Kopf der Starken Schule, Jürg Wiedemann, bezahlte dies einige Monate später mit dem Ausschluss aus der Partei.

Doch inzwischen zeichnet sich immer deutlicher ab, dass die Starke Schule und Jürg Wiedemann mit dem damaligen Schachzug richtig gehandelt haben. Die heutige Bildungsdirektorin Monica Gschwind führt einen Kurs, der im Bereich der Volksschule vieles geradebiegt, das die Starke Schule zuvor kritisiert hat. Der am Donnerstag vom Landrat verabschiedete Gegenvorschlag zur Lehrplan-Initiative bestätigt dies erneut. Zu Recht meinte Wiedemann am Donnerstag bei der Beratung im Landrat, die Vorlage aus Gschwinds Direktion sei sogar besser als seine Initiative.

Stimmt das Stimmvolk dem Gegenvorschlag an der Urne zu, sind die Exzesse des Lehrplans 21 mit seinem kuriosen Kompetenzenkatalog ausgehebelt: Baselland erhält für seine Sekundarschulen einen Stufenlehrplan mit Themen und Stoffinhalten, nach Jahreszielen und Leistungsniveaus differenziert. Vom Lehrplan 21 bleibt einzig, dass die konkreten Stoffpläne den Kompetenzbeschreibungen des nationalen Lehrplans zugeordnet werden. Im Bereich der Naturwissenschaften und der Geschichte ist zudem längst sichergestellt, dass der Stoff für die einzelnen Fächer differenziert aufgeführt wird.

Man muss wissen, dass der Lehrplan 21, von Bildungsexperten im stillen Kämmerlein ausgebrütet und nach einer nachträglichen Vernehmlassung noch zurechtgebogen, den Umbau des traditionellen humanistischen Bildungssystems anvisiert hat.

Angestossen hatte diese utilitaristische Instrumentalisierung der Ausbildung einst der frühere Zürcher Erziehungsdirektor Ernst Buschor, als er in den 90er-Jahren in seinem Kanton der Schulverwaltung das New Public Management aufdrückte und die Schulen zu Corporate Identities erklärte – mit Lehrkräften als Anbietern von Dienstleistungen, mit Eltern und Schülern als Kunden: eine Schule, die wie die Wirtschaft Angebot und Nachfrage zur Maxime erhebt. Im Zentrum des Lehrplans 21 mussten deshalb Kompetenzen und selbstgesteuertes Lernen stehen. Der Fokus liegt auf den Tests und nicht auf dem Schulstoff.

Genau dies aber wird im Baselbiet mit dem vom Landrat verabschiedeten Gegenvorschlag zur Lehrplan-Initiative anders sein. An die Stelle von Mehrjahreszyklen mit als Kompetenzen formulierten Fertigkeiten und intellektuellen Wahrnehmungen tritt eine konkrete Stoffliste, die vorgibt, was in den Schulen wann gelehrt werden soll. Die Volksschule stellt damit im Baselbiet wieder die Anforderungen ins Zentrum, welche die Jugendlichen beherrschen müssen, wenn sie später in eine Berufslehre oder auf eine Mittelschule wechseln. Der Baselbieter Lehrplan wird so auf dem Boden der Realität verankert – ohne die interkantonale Koordination auszublenden.

Bildungsdirektorin Monica Gschwind kommt das Verdienst zu, der übertriebenen Reformwelle samt ideologischem Überbau im Baselbiet Grenzen gesetzt zu haben. Stattdessen rücken die konkreten Inhalte ins Zentrum der Schulbildung, welche die Jugendlichen brauchen, um später ihr Privat- und Berufsleben gestalten zu können. Die stofflichen Herausforderungen sind im Zeitalter der digitalen Umwälzung auch so gross genug.

Mit dem geplanten neuen Lehrplan nehmen die einstigen Gegner des Lehrplans 21 im Baselbiet auch davon Abschied, diesen weiter frontal zu bekämpfen. Der Lehrplan 21 hat sich längst landesweit durchgesetzt. Der pragmatische Weg, der im Baselbiet eingeschlagen wird, zeigt aber auf, dass es möglich ist, mit dem neuen Schulinstrument zu leben, wenn es vernünftig umgesetzt wird. Niemand schreibt vor, dass in den Schulen in der Schweiz ausschliesslich Kompetenzenorientiert unterrichtet werden darf.

Der vor zehn Jahren verabschiedete nationale Bildungsartikel schreibt Qualität und Durchlässigkeit vor und harmonisiert landesweit Schuleintrittsalter, Schulpflicht, Bildungsstufen und Abschlüsse. Dies lässt den Kantonen bei der Umsetzung grosse Freiheiten. Der Kanton Baselland nützt diese. Der Wechsel an der Spitze der Bildungsdirektion hat entsprechend im Baselbiet die grassierende Reformitis beendet. Die Starke Schule hat sich mit erstaunlich vielen Anliegen durchgesetzt.

 
 

Dilettantismus und Geldverschwendung gehen weiter

Die Mitteilung der Bildungs- Kultur- und Sportdirektion, das Französischlehrmittel Mille feuilles zu überarbeiten, ist nicht nur ein Eingeständnis der Untauglichkeit der Passepartout Fremdsprachenideologie, sie ist eine Bankrotterklärung. Die Arroganz der Vertreter/-innen dieses von Beginn an zum Scheitern verurteilten Projekts rächt sich nun. Den Preis dafür zahlt unser Nachwuchs.

Verspätete Einsichten, die längstens vorhanden waren

Die Passepartout Lehrbücher wurden ohne Pilotprojekt flächendeckend eingeführt. Dadurch fehlten von Anfang an die Erfahrungswerte. Es war jedoch von Beginn an offensichtlich, dass bei Passepartout die Alltagssprache zu kurz kommt, und dass sie mit Sprechanlässen aus dem Alltag der Kinder gefördert werden müsste. Dieses Wissen wäre bei den Lehrpersonen abrufbar gewesen. Doch genau deren bisherige Arbeit wurde von den Passepartout Entwicklerinnen und Befürwortern verunglimpft, während die eigene Ideologie als das Ei des Kolumbus verkauft wurde. In Wirklichkeit verhält es sich umgekehrt. Dabei ist es eine pädagogische Selbstverständlichkeit, dass Sprechanlässe sich auf den Alltag der Kinder beziehen müssen.

Vertröstung auf eine ungewisse Zukunft

Die Verantwortlichen dieses absurden Fremdsprachenkonzepts sind nicht gewillt von ihrer Ideologie abzurücken. Um notwendige Änderungen an den Schulbüchern zu erreichen, mussten folglich die Erziehungsdirektoren der sechs Passepartout Kantone beim Schulverlag plus vorsprechen. Im ersten Halbjahr 2018 wird der Erscheinungstermin des zu überarbeitenden Französischlehrmittels Clin d'eoil kommuniziert, es wird dann aber noch lange nicht zur Verfügung stehen. Dabei sind bei anderen Verlagen pfannenfertige Lehrbücher verfügbar, und zwar um einiges preisgünstiger. Ohnehin hat der Schulverlag plus mit seinem dermassen schlechten Lehrmittel jegliches Vertrauen verspielt.

Die Untauglichkeit von Passepartout

Nachzulieferndes Unterrichtsmaterial wie On bavarde oder Vergleichbares hätte gar nie erst fehlen dürfen. Die Vorbereitung auf alltägliche Sprechsituationen ist eine Selbstverständlichkeit eines jeden sinnvollen Konzepts der Fremdsprachenvermittlung. Solche im Nachhinein zu ergreifenden Massnahmen sind ein Beleg dafür, wie dilettantisch die Passepartout Ideologie ist. Mehrere Schülerjahrgänge wurden als Versuchskaninchen missbraucht und zahlen nun den Preis dafür. Im weiteren haben sich die meisten Fremdsprachenlehrpersonen bereits ihre eigenen Kursmaterialien zusammengestellt oder sind gegenwärtig daran, dies zu tun. Selbst wenn sie die Zusatzmaterialien nutzen sollten, werden die bisher zur Verfügung stehenden Lehrbücher in den Schränken bleiben und wegen ihrer Untauglichkeit auch weiterhin nur selten zur Anwendung kommen.

Unsäglicher Aufwand und absurde Kosten für nur ein Schulfach

Die Einbindung des Instituts für Mehrsprachigkeit zur Evaluation des Kenntnisstandes im Fremdsprachenerwerb der basellandschaftlichen Sekundarschüler/-innen ist ein einmaliger Prozess. Noch nie zuvor in unserem Kanton musste wegen der Einführung neuer Lehrbücher von Universitäten wissenschaftlich untersucht werden, ob die Lernenden die Lernziele im Unterricht erreichen. Noch nie zuvor mussten Regierungsräte bei einem Verlag intervenieren zur Durchsetzung notwendiger Änderungen von Schulbüchern, weil die Passepartout-Autorenschaft dazu nicht bereit ist. Noch nie zuvor mussten nach der Einführung neuer Unterrichtsmittel betreffend deren Tauglichkeit Hearings in der Lehrerschaft abgehalten und grossflächige Evaluationen vorgenommen werden. Noch nie zuvor gab es seitens der Bevölkerung, mehrerer Parteien und Gewerkschaften dermassen Widerstand gegen neu eingeführte Lehrwerke. In dieser Hinsicht stellen die Passepartout Schulbücher ein absolut negatives Novum dar. All dies zeigt zum wiederholten Male, dass die Passepartout-Ideologie von Anfang an gescheitert ist. Sie dient ausschliesslich den finanziellen Interessen der Bildungswissenschaften und zweier Schulverlage, nicht aber dem Fremdsprachenerwerb unseres Nachwuchses. Und dennoch ist die Politik nach wie vor nicht bereit, endlich einen Schlussstrich zu ziehen. Es wird weiterhin auf Zeit gespielt und eine Pflästerlipolitik betrieben, um zu retten, was nicht zu retten ist. Die Verschwendung öffentlicher Gelder und das Verheizen unserer Kinder sollte schleunigst gestoppt werden.

Alina Isler, Vorstand Starke Schule
 
 

Wieso diese umstrittenen Lernberichte?

Die Lernberichte und die Checks sind nichts anderes als eine logische Konsequenz des Lehrplans 21, der von linken wie bürgerlichen Politikern und von Lehrerorganisationen mit nur geringfügigen Änderungswünschen breit abgesegnet und als zukunftsträchtige Neuausrichtung der Volksschule begrüsst wurde. Die Umsetzung hat in Basel-Stadt bereits begonnen und wird in den anderen Kantonen folgen.

Der Lehrplan 21 besteht aus einer Auflistung von fachlichen und überfachlichen Kompetenzen, beginnend ab Schuljahr 1. Kompetenzen geben an, welches Können auf den jeweiligen Schulstufen erreicht werden soll. Entgegen dem vom Volk 2006 angenommenen Gesetz, das eine Harmonisierung der «Ziele und Inhalte» der Volksschule in der Schweiz forderte, sind Inhalte im Lehrplan nur noch austauschbare Grössen. Die Ausrichtung auf Kompetenzen ist eine Anpassung an die PISA-Tests, die seit der Jahrtausendwende in ausgewählten Fächern regelmässig die Qualität der Schulen in Ländervergleichen messen. Kaum jemand hat sich an dieser Umdeutung des Harmonisierungsgesetzes von Inhalten zu Kompetenzen gestossen.

Gleichzeitig mit dem Lehrplan sollen auch die Leistungsbeurteilungen an die neuen Ziele angepasst werden. Es ist deshalb ganz folgerichtig, wenn sich die Beurteilungen nunmehr nach den im Lehrplan aufgeführten Kompetenzen richten. Wer A sagt, muss auch B sagen!

Viele Lehrpersonen an der Basis scheinen erst jetzt zu bemerken, wovor führende Philosophen und Wissenschaftler aus verschiedensten Disziplinen in mehreren europäischen Ländern schon lange warnen: Die Kompetenzorientierung reduziert das, was Bildung ausmacht, auf den praktischen Output, auf das Lösen von Testaufgaben, denn nur dieses ist messbar. Dass etwas verstanden, memoriert, mit früherem Wissen vernetzt und vielfach angewendet werden muss, bevor es assimiliert und als Kompetenz allgemein wirksam werden kann, bleibt unbeachtet. Kompetenzorientierung erfasst auch das Verhalten der Kinder in Anlehnung an psychometrische Grössen. Die Ziele erscheinen in einem oft schwammig-abstrakten Begriffsnebel oder fokussieren auf banal Selbstverständliches.

Beispiele, Deutsch, 1./2. Klasse:

«Die Schülerinnen und Schüler können ihren produktiven Wortschatz aktivieren, um sich in verschiedenen Themen und Situationen sprachlich angemessen auszudrücken. Sie können sich auf den Klang einer Stimme einlassen.»

Erst jetzt, wo realen Kindern Kompetenz-Berichte dieses Zuschnitts ausgestellt werden, scheint vielen ein Licht aufzugehen. Vielleicht dämmert es langsam, welche gewaltigen Luftblasen Pädagogische Hochschulen und Erziehungsbehörden in ihren kinder- und jugendfreien Büros ausgebrütet haben. Wie das Departement Cramer betont, sind die Lernberichte für Kindergärten und Primarschulen nun einmal beschlossen. Die Arbeitsgruppe, die mit der Überarbeitung beauftragt ist, steht im Übrigen ebenfalls unter dem Zwang, sich an Kompetenzen orientieren zu müssen. Vielleicht streicht sie ein paar Sätzchen oder formuliert sie ein bisschen um. Das Prinzip wird jedoch nicht ändern. Die Blätter müssen ausgefüllt werden.

Ein Trost bleibt: Es gibt den Bebbisagg oder den Dokumentenvernichter. Die fressen auch Lernberichte…

Felix Schmutz (66) unterrichtete als Sekundarlehrer Deutsch, Französisch und Englisch.
 
 

Passepartout-Lehrmittel fallen bei den Lehrpersonen durch

Die neuartige Didaktik-Ideologie Passepartout, die im Jahr 2012 zuerst an den Primarschulen und seit zwei Jahren an den Sekundarschulen eingeführt wurde, wird seitens Eltern und Lehrpersonen heftig kritisiert, wie kaum je eine andere Reform zuvor. Dies müsste den Verantwortlichen zu denken geben. Floskeln, Passepartout benötige mehr Angewöhnungszeit und jede Neuerung stosse zu Beginn auf Kritik, ist eine billige Verschleierungs- und Hinhaltetaktik – ein Nicht-ernst-Nehmen der Kritik.

Das Hauptproblem ist die hinter Passepartout steckende unsägliche Ideologie, die auf Sprachbad, automatisiertes und selbstorganisiertes Lernen ohne Struktur und roten Faden baut – eine Art Sightseeing: Alles wird nur ein bisschen angetastet ohne fundiertes Erarbeiten und nachhaltiges Einüben. Alles basiert auf der Hoffnung, die Schüler/-innen würden die Zusammenhänge selber erkennen, einfach so aufsaugen und entschlüsseln.

Dieses Hoffnungssystem funktioniert nicht - auch nicht, wenn Bestrebungen im Gange sind, nachträglich etwas alltagstauglichen Wortschatz und Grammatik einzubauen und nun doch vermehrt auf eine korrekte Aussprache und Schreibweise zu achten. Damit sind die Probleme jedoch bei weitem nicht gelöst; die Ideologie bleibt noch immer dieselbe. Durch massenhafte Anweisungen und Reflexionen, ohne dass das Vokabular der Schulkinder dafür vorhanden wäre, werden sie weiterhin masslos überfordert; Lernfortschritte stellen sich kaum ein. Auf der Sekundarschule realisieren die Schüler/-innen, dass sie trotz vier Jahren Französischunterricht faktisch nichts können. Sie sind oft nicht in der Lage, auch nur einfachste Sätze zu sprechen, geschweige denn eine Konversation zu führen. Das Problem sind nicht die Primarlehrpersonen, die sich unbestritten alle erdenkliche Mühe geben; das System funktioniert nicht.

Schüler/-innen können heute mit der neuen Unterrichtsideologie nach vier Jahren Französisch weniger als früher nach zwei Jahren mit der seit langer Zeit bewährten Methode. Die überwiegende Mehrheit der Primarlehrpersonen hat keine Erfahrung – sie unterrichten erst seit Kurzem an den Primarschulen Englisch und Französisch. Die Konsequenzen sind bedenklich. Meist müssen die Sekundarlehrpersonen praktisch bei null beginnen.

Der grosse Profiteur ist die Verlagsindustrie, welche die Passepartout-Lehrmittel herstellt. Sie reibt sich die Hände und freut sich über die lukrativen Aufträge. Die neuen ökologisch fragwürdigen Einweglehrmittel sind denn auch bis zu 11 Mal teurer sind als die Vorgängerlehrmittel.

Die Einführung von Passepartout kostete den Steuerzahler alleine in unserem Kanton 12.5 Millionen Franken. Dieser Betrag ist in den Sand gesetzt und unwiederbringlich verloren. Die Argumentation der Passepartout-Promotoren, wir hätten viel Geld investiert, also müssten wir deshalb bei Passepartout bleiben, ist kurzsichtig und teuer. Ein tolles Rindsfilet, welches im Kühlschrank vergessen wird und vergammelt, essen wir auch nicht mehr, nur weil es halt ziemlich teuer war.

Die Lehrpersonen an den Sekundarschulen erkennen, dass die Passepartout-Lehrmittel nicht zielführend sind, sondern bei den Schüler/-innen nur Frust und Demotivation auslösen. Sie setzen entgegen der Richtlinien vermehrt ihre eigenen Unterlagen ein und kopieren andere Lehrmittel. Die offiziellen und faktisch unbrauchbaren Passepartout-Lehrmittel werden nur sporadisch und pro forma eingesetzt, um sich zu schützen. Damit kann den vorgesetzten Stellen bestätigt werden, sie würden mit den offiziellen Lehrmitteln arbeiten. Volkswirtschaftlich ist das bedenklich. Aber damit korrigieren die Lehrpersonen die Unzulänglichkeit dieser Passepartout-Ideologie und dieser Lehrmittel tagtäglich. Und das ist auch richtig so.

Ohne Not und ohne triftige Gründe ist ein erfolgreiches Fremdsprachenkonzept über den Haufen geworfen und durch eine neue Ideologie namens Passepartout ersetzt worden. Im Juni 2018 haben die Stimmberechtigten die Möglichkeit, mit 2 x Ja zu den Fremdspracheninitiativen der Starken Schule dies zu korrigieren.

Michael Pedrazzi, Vorstand Starke Schule
 

Gastbeitrag von Alain Pichard erschienen in der BaZ vom 04.11.2017

Aufstand der Lehrkräfte

Im Februar 2016 präsentierte ein gut gelaunter Bernhard Pulver, Erziehungsdirektor des Kantons Bern, in einem Hearing vor rund 250 Personen einen ersten Entwurf zur neuen Schülerbeurteilung. Vor allem der Bereich der überfachlichen Kompetenzen, die neu in einem Bericht beurteilt werden sollten, war den heute diskutierten Lernberichten in der Stadt Basel nicht unähnlich, wenn auch bei Weitem nicht so umfangreich. Diese wurden im Eiltempo vorgestellt, es gab lockere Sprüche, einige Konsultativabstimmungen, die allesamt positiv verliefen und am Schluss einen grossen Applaus gefolgt von einem feinen Buffet.Lars Burgunder hingegen, ein junger Lehrer, traute seinen Ohren nicht, als er vernahm, dass man künftig in Lernberichten Charaktereigenschaften der Kinder bewerten solle. Er fand es inakzeptabel, dass man Punkte wie Pünktlichkeit, Höflichkeit und Umgangsformen, Ordnungssinn oder «Umgang mit Vielfalt» beurteilen sollte, und das auf einer Skala von 1 bis 10. Am schlimmsten empfand er den Satz: «Schülerinnen und Schüler können ihre Gefühle situationsgemäss ausdrücken.» Er schickte die Berichte an den Schulblog «Schule Schweiz», die BaZ und die Sonntagszeitung griffen es als Erste auf und sorgten für eine heftige öffentliche Diskussion.

Wie heute in Basel reagierten damals auch viele Lehrkräfte im Kanton Bern ablehnend auf dieses Ansinnen. Erziehungsdirektor Bernhard Pulver wurde hellhörig, studierte ausdrücklich die kritischen Voten aus den Kollegien und stoppte schliesslich den ganzen Unsinn. Zwar versuchten die PH- und Beurteilungsexperten ihn während eines Kolloquiums noch einmal umzustimmen. Der Erziehungsdirektor blieb aber hart. Ein ranghoher Mitarbeiter seiner Bildungsbehörde meinte schnippisch zu den frustrierten Beurteilungsaposteln: «Was Sie da alles beurteilen und beobachten wollen, will ich als Vater gar nicht wissen.»

Kurz darauf, am 17. Januar 2017, präsentierte Bernhard Pulver das definitive Dokument. Von dem Versuch einer umfassenden Beurteilung blieb kaum mehr etwas übrig. Bei aller Kritik, die ich ab und zu über unseren Erziehungsdirektor äussere, gilt es festzuhalten, dass Bernhard Pulver die Fähigkeit besitzt, seinen Lehrkräften zuzuhören. Und er kann über seinen Schatten springen, Meinungen revidieren sowie – das ist das Besondere an diesem Mann – sich dann auch gegenüber seinen Experten durchsetzen.

Genau hier zeigt sich auch das höchst unterschiedliche Format der Basler Departementsvorsteher Eymann und Cramer gegenüber einem Bernhard Pulver. Es ist den Basler Lehrkräften hoch anzurechnen, dass sie sich dazu aufgerafft haben, diese Perversion von Beurteilung anzuprangern. Gewiss haben Lehrkräfte eine Loyalitätsverpflichtung gegenüber ihrem Arbeitgeber. Aber sie sind auch ihrem Berufsethos und dem Wohl ihrer Lernenden verpflichtet. Und sie wissen genau, dass eine Schule, die sich anmasst, Verhalten und Eigenschaften zu messen, an schlimmste Urzeiten unserer ehrwürdigen Institution erinnert. Das Verhalten zu messen ist keine Aufgabe einer öffentlichen Schule und darf deshalb auch kein Lehrplanziel sein. Wird das Verhalten zudem noch als Kompetenz gehandelt, als prüfbare und messbare Kompetenz bewertet, dann enden wir bei einem Erziehungsbegriff mit totalitärem Anspruch.

Eine völlig unterschiedliche Haltung hat der Kanton Bern auch bei den sogenannten Output-Prüfungen, sprich den geplanten Tests. Im April 2015 führten Herr Eymann und ich in der BaZ ein Streitgespräch, bei dem es um den Lehrplan ging. Ausdrücklich betonte der damalige Departmentsvorsteher, dass es in Basel keine flächendeckenden Tests geben werde. Heute gehört seine Stadt und mit ihm der Bildungsraum Nordwestschweiz zu den einzigen Kantonen, welche die Tests flächendeckend durchführen. Im Kanton Bern hingegen bleibt es bei Stichproben, wie es die bernische Erziehungsdirektion versprochen hat. Eymann hat sein Versprechen gebrochen, Pulver hat es gehalten.

Gewundert habe ich mich über die Stellungnahme von Kerstin Wenk in der BaZ (2. 11. 17), VPOD-Sekretärin und SP-Grossrätin. Offensichtlich möchte auch sie diese Tests abschaffen. Als die GLP-Grossrätin Katja Christ dies in einer Motion fordern wollte, stiess sie im Parlament auf heftige Opposition, unter anderem auch bei der SP. Ihr Vorhaben wurde schliesslich in der abgeschwächten Form eines Anzugs der Regierung überwiesen. Die Zurückhaltung der SP ist verständlich, verlangt sie ja in ihrem Bildungspapier 2007 selber flächendeckende Tests und zwar, notabene, mit Zertifizierung (Bildungsoffensive der SP März 2007) und steht vollkommen hinter der Kompetenzorientierung. Ich möchte meiner ehemaligen Gewerkschaftskollegin ja nicht zu nahetreten. Aber mit dieser Positionierung geht ihre Partei ja noch weiter als das Duo Eymann/Cramer. Denn Zertifizierungen entscheiden in der Regel über Zu- und Abweisungen zu Bildungsinstitutionen, und da wären wir ja bereits in den USA.

Angesichts dieses kolossalen Versagens der Basler Bildungsexpertokratie ist den Eltern nur zu raten, ihre aufmüpfigen Lehrkräfte zu unterstützen.

Letzte Woche wurden übrigens mehrere Lehrstellenanwärter aus dem Kanton Bern, darunter auch ein Mädchen meiner Klasse, zu einem Eignungstest und einem Vorstellungsgespräch in der Hoffmann-La Roche eingeladen. Basler Schulabgänger gab es dort keine. Das kann man ja auch als Outputkontrolle ansehen. Die ist aussagekräftiger und wesentlich billiger.

Alain Pichard ist Herausgeber der Broschüre «Einspruch» und Sekundarlehrer in Orpund

 

Bildungsrat erfüllt sämtliche Forderungen der Initiative

Die Starke Schule begrüsst den Entscheid des Bildungsrates, die im Juni 2017 beschlossene Stundentafel zu überdenken und neu auf 1- und 1.5-stündige Promotionsfächer zu verzichten. Mit der vom Amt für Volksschule (AVS) nun überarbeiteten und vom Bildungsrat neu beschlossenen Stundentafel werden sämtliche Forderungen der Initiative „Ja zu einer pädagogisch sinnvollen Stundentafel“ erfüllt. Die Starke Schule lancierte die Initiative Ende Juni 2017 und reichte sie nach nur kurzer Sammelzeit ein.

Die vom Bildungsrat im Juni 2017 beschlossene Stundentafel für die Sekundarstufe 1 hätte unweigerlich zu einem Bildungsabbau geführt: Die Fächer Geschichte und Geografie hätten neu mit je 1.5 Wochenlektionen unterrichtet werden müssen, die naturwissenschaftlichen Fächer Biologie, Physik und Chemie mit nur noch einer einzigen Wochenlektion. Der Bildungsrat hätte damit den Volksentscheid zu den Einzelfächern vom 5. Juni 2016 faktisch missachtet. Ein konzentrierter und fundierter Unterricht wäre kaum mehr möglich gewesen. Deshalb formierte sich in breiten pädagogischen Kreisen (Lehrpersonen, Schulleitungen) sowie im Landrat heftiger Widerstand. Als Folge davon lancierte die Starke Schule die Initiative „Ja zu einer pädagogisch sinnvollen Stundentafel“, während im Landrat die Motion „Naturwissenschaften stärken – Ja zu einer pädagogisch sinnvollen Stundentafel“ eingereicht wurde.

Drei intensiv geführte Aussprachen und Verhandlungen zwischen dem Bildungsrat, Vertretungen der Starken Schule und der Motion führten schliesslich zu einer ausgezeichneten Lösung: Mit der vom AVS nun nochmals ausgearbeiteten und vom Bildungsrat neu beschlossenen Stundentafel ohne 1- und 1.5-stündige Promotionsfächer werden sämtliche Forderungen der Initiative „Ja zu einer pädagogisch sinnvollen Stundentafel“ erfüllt. Dies war eine zwingende Voraussetzung, damit die Initiative zurückgezogen werden kann.

Erfreulicherweise erfüllt die neue Stundentafel, die den Schulen nun Planungssicherheit gibt, zudem weitere gewichtige Kernforderungen der Starken Schule, welche nicht Gegenstand der Initiative waren, gleichwohl nun vom Bildungsrat berücksichtigt wurden:
  • Physik wird auch künftig mit zwei Wochenlektionen im letzten Schuljahr der Sekundarstufe 1 unterrichtet. Dies ist deshalb entscheidend, weil damit die Physik-Lehrpersonen auf der, für den Physikunterricht massgebenden Mathematik aufbauen können. Damit wird ein konzentrierter und qualitativ hochstehender Physikunterricht ermöglicht.
  • Ausserdem wird im ersten Sekundarschuljahr noch kein Chemieunterricht erteilt. Dieser erfolgt neu konzentriert im zweiten Sekundarschuljahr.
  • Die beiden handwerklichen Fächer Textiles Gestalten und Technisches Gestalten werden im ersten Sekundarschuljahr im Leistungsniveau A markant stärker gewichtet als in den Niveaus E und P. Damit unterstützt und fördert der Bildungsrat in erfreulicherweise die Stärken und Berufschancen von Niveau A-Klassen.
Der Vorstand der Starken Schule freut sich, das Rückzugsverfahren der Initiative „Ja zu einer pädagogisch sinnvollen Stundentafel“ nun einleiten zu können. Der formale Rückzugsentscheid wird durch das Initiativkomitee gefällt.
 
 
Gastkommentar von Jürg Wiedemann (Grüne-Unabhängige) erschienen in der bz vom 12.10.2017

Bildungsreformen - ein millionenschweres Geschäft

Gewinnmaximierung, Deutungshoheit und Macht sind im Bildungsbereich wichtiger geworden als gute Lernvoraussetzungen im Klassenzimmer. Zu den grossen Profiteuren gehören einerseits die Fachhochschule Nordwestschweiz, welche sich teure Forschungsaufträge aus öffentlichen Mitteln sichert, andererseits die Lehrmittel- und Weiterbildungsindustrie, sowie Beratungs- und Softwarefirmen, die sich lukrative Aufträge angeln und so steigende Umsätze generieren. Zwei Beispiele:

  • Die Entwicklung der vier an den Volksschulen durchgeführten und von einer überwiegenden Mehrheit der Lehrpersonen abgelehnten Leistungschecks sowie die Bereitstellung der dafür notwendigen Software kosteten 2.7 Millionen. De dafür jährlich wiederkehrenden Kosten betragen alleine für unseren Kanton über 500'000 Franken - ein gewinnbringendes und sicheres Geschäft für die Privatindustrie.
  • Die Verlagsindustrie verdient sich mit der neu eingeführten Fremdsprachenideologie eine goldene Nase. Sie produziert die ökologisch verwerflichen Einweglehrmittel New World, Clon d'Oeuil und Mille feuilles, welche bis zu elfmal teurer sind als die Vorgängerlehrmittel. Nutzniesserin ist auch die Pädagogische Hochschule. Sie hat die ideologische Grundlage für die neuen Lehrmittel geliefert, millionenteure Weiterbildungskonzepte dafür entwickelt und sich so ihr Stellenetat gesichert.

Die Reformbefürworter verschaffen sich Profilierung, Arbeit und finanzielle Mittel, weshalb viele Reformen ohne vorgängige Überprüfung der Praxistauglichkeit und Erfolgswahrscheinlichkeit realisiert werden. Ob sie funktionieren und sich ein Bildungsmehrwert einstellt, wird dem puren Zufall überlassen.

Gleichzeitig verbaut man sich durch übereilte, millionenschwere Investitionen die Möglichkeit, eine Reform bei einem sich abzeichnenden Misserfolg abzubrechen. Denn ein Abbruch käme einer Übernahme von Verantwortung gleich, aber niemand möchte ein in den Sand gesetztes Millioneninvestment verantworten.

Das Zusammenspiel von Politik, Bildungswissenschaft und Privatwirtschaft, die sich Aufträge zuschanzen, macht den Widerstand gegen die ausufernden und millionenschweren Reformen schwierig. Der fundierten Argumentation von praxiserprobten Lehrpersonen mit der Kompetenz, die Tauglichkeit von Reformen zu beurteilen, stehen seitens der Reformbefürworter nur substanzlose Durchhalteparolen und die Desavouierung der Reformkritiker gegenüber.

Die FDP als Vertreterin der Wirtschaft und des Kapitals versucht die Quadratur des Kreises: Einerseits interessiert sie sich fast ausschliesslich für monetäre Themen, was sie in die Arme der Reformindustrie treibt. Andererseits will sie gute Schulabgänger und -abgängerinnen für den Arbeitsmarkt - wohlwissend, dass die Dauerreformen im Bildungsbereich genau dieses Anliegen hintertreiben. Und die SP? Sie ist ideologisch verblendet und somit mehr Gefahr als Stütze für die öffentliche Schule.

Bis diese etablierten Parteien wieder zur Raison kommen und Verantwortung für die Bildung übernehmen, müssen wir auf Verbände und Komitees, wie den Lehrerverein Baselland oder die Starke Schule zählen, die konsequent auf Missstände aufmerksam machen und politisch eingreifen.
 

Schluss mit Passepartout!

Schulische Lehrmethoden sind so vergänglich und wiederkehrend wie die Jahreszeiten. In den Achtzigern herrschte das Sprachlabor, im Wesentlichen gesteuerter Einzelunterricht an überdimensionierten Tonbandgeräten. In den Neunzigern kam der Werkstattunterricht, eine Art Postenlauf im Schulzimmer, bei dem die Lernenden selbstständig Aufträge bearbeiteten. Wenig später hatte unser Nachwuchs die individuelle Selbstständigkeit wieder verloren, denn nun konnte er im Rahmen kooperativer Lernformen nur noch miteinander lernen.

Heute ist die Selbstständigkeit der Schülerinnen und Schüler nicht nur zurückgekehrt, sie hat sich sogar potenziert. Selbstorganisiertes Lernen nennt sich dieses flüchtige Mysterium. Bei diesem Konzept entdecken und erarbeiten sich die Lernenden beispielsweise im Fremdsprachenunterricht Vokabular und Grammatik selbstständig anhand von auch für Lehrpersonen anspruchsvollen, dem jeweiligen Sprachniveau nicht angepassten Texten. Passepartout, so das schön klingende Beispiel für selbstorganisiertes Lernen, bietet folglich weder nennenswerte Erklärungen zur Grammatik oder entsprechende Übungen, noch wird systematisch Wortschatz aufgebaut. Im Sinne der Lernautonomie gilt bei Passepartout: Beobachten, selbstständig analysieren, selber herausfinden und die gewonnenen Erkenntnisse in der Klasse diskutieren und festhalten.

Was bleibt, sind schwierige Texte

Das Kernelement dieses Konzepts lautet «Sprachbad». Damit gemeint ist das einer Fremdsprache dauernde Ausgesetztsein, beispielsweise im fremdsprachigen Ausland. Verbringt man dort genug Zeit, lernt sich die entsprechende Fremdsprache unter anderem mittels Zeitungen, Fernsehen, Radio und Gesprächen mit Einheimischen auch ohne systematische Beschäftigung mit Grammatik und Wortschatz.

Der Umkehrschluss der Passepartout-Ideologen: Entfallen Grammatik, Wortschatz und Systematik im Unterricht, lernt sich die Fremdsprache mittels Sprachbad von selbst. Abgesehen von dieser Unmöglichkeit, lässt sich mit wöchentlich zwei bis drei Lektionen logischerweise kein Sprachbad realisieren. Folglich fehlen bei Passepartout die Grammatik, der Wortschatz, die Systematik und das Sprachbad. Was bleibt, sind die für die Schülerschaft zu schwierigen Texte.

Passepartout ist ein ideologisches Fehlkonstrukt. Die Frage ist, ob die Befürworter über genügend Einfluss verfügen, das Scheitern gegenüber der Öffentlichkeit zu vertuschen, um das Gesicht zu wahren. Ein Versuch in diese Richtung ist das vom Steuerzahler finanzierte digitale Marketing der Zürcher Nemuk AG. Die Firma liefert in der Tat ein Topprodukt.

Doch jedes Marketing muss scheitern, wenn der propagierte Artikel die Macht des Faktischen ignoriert. Eine weitere Möglichkeit der Manipulation könnten Evaluationen bieten, indem hauptsächlich die besten Fremdsprachenlernenden oder gar Muttersprachler getestet würden.

Angesichts der offenkundigen Untauglichkeit des Passepartout-Konzepts und dessen Lehrwerken sowie der vernichtenden Rückmeldungen aus der Schüler-, Eltern- und Lehrerschaft braucht es keine kostspieligen Evaluationen und auch keine halben Lösungen wie teure Ergänzungsmaterialien für nicht funktionierende Schulbücher. Denn was nichts ist, lässt sich nicht ergänzen.

Ideologisches Fehlkonstrukt

Beide Schritte verursachen unnötige Mehrkosten. Die einzige Lösung ist die Lehrmittelfreiheit auf der Sekundarstufe I, wie sie bereits auf der Sekundarstufe II besteht. Niemand kann nämlich besser beurteilen, was in ihrem Fremdsprachenunterricht funktioniert, als die Lehrpersonen, die täglich im Klassenzimmer stehen und dadurch über einen unvergleichbaren Erfahrungsschatz verfügen.

Viele ergänzende Unterrichtsmaterialien haben sie sich im Laufe ihrer Lehrtätigkeit auf eigene Kosten zugelegt. Ansonsten hat der freie Markt längst entschieden, welches die besten und damit am weitesten verbreiteten Schulbücher für Fremdsprachen sind. Diese gibt es dank des Wettbewerbs im Gegensatz zu den teuren und unbrauchbaren Passepartout-Lehrbüchern auch zu vernünftigen Preisen.Das eingangs erwähnte selbstorganisierte Lernen bildet die Grundlage der für Erwachsene angebotenen Fernkurse zur Vorbereitung auf die eidgenössische Maturität. Gemessen an allen Kandidaten, die beginnen, sich via Fernstudium auf die Matura vorzubereiten, bewegen sich die erfolgreichen Absolventen im einstelligen Prozentbereich. Dies nicht etwa, weil die grosse Mehrheit an den Prüfungen scheitert. Nein! Die allermeisten schaffen es gar nicht erst an die Examen.

Sie geben vorher auf, da sie nicht genügend selbstdiszipliniert, also selbstorganisiert lernen können. Selbstorganisiertes Lernen verlangt von Kindern, Pubertierenden und Jugendlichen, woran die allermeisten Erwachsenen scheitern.

Felix Hoffmann, Sekundarlehrer
 

Volk lehnt Privatschulbeiträge ab

Bei den Abstimmungen am 24. September hat sich das Stimmvolk mit 58.69% für die Streichung der Privatschulbeiträge ausgesprochen. Bisher wurden jedem Kind, welches eine Privatschule besucht, ein Unterstützungsbeitrag von 2'500 Franken vom Kanton bezahlt. Künftig wird es nur noch für Schüler/-innen aus Familien mit kleinem Einkommen eine Unterstützung geben und diese wird sich mit Abstufungen auf maximal 2'500 Franken belaufen.

Auch wenn das Abstimmungsergebnis selbstverständlich zu akzeptieren ist, bedauert die Starke Schule beider Basel die Annahme dieser Gesetzesvorlage. Wir fordern, dass die Härtefallregelung fair ausgearbeitet und die Abstufungen der Beiträge für Familien mit niedrigen Einkommen gerecht vorgenommen wird, damit auch Schüler/-innen aus ärmeren Verhältnissen weiterhin die Möglichkeit haben, eine Privatschule zu besuchen.
 

Die Kritik an den Leistungs-Checks ist flächendeckend

Es überrascht mich nicht, dass Conradin Cramer an den ins Kreuzfeuer der Kritik geratenen Checks festhalten will. Erwartungsgemäss weicht der Bildungsdirektor einer inhaltlichen Auseinandersetzung über Sinn und Unsinn dieser umstrittenen Form der Leistungsmessung aus, indem er seinen Entscheid aus rein formalistischer Sicht begründet (BaZ vom 20. September). Der interkantonale Vertrag mit den drei Nordwestschweizer Kantonen Aargau, Baselland und Solothurn verpflichtet ihn, die Checks auch in Basel-Stadt beizubehalten. Ausserdem sei die standardisierte Leistungserhebung eben erst eingeführt worden, man könne deren Wirksamkeit deshalb noch gar nicht infrage stellen.

Angesichts der Verunsicherung der Elternschaft, der flächendeckenden Kritik aus der Lehrerschaft und der politischen Vorstösse in den beiden Basel ist eine inhaltliche Diskussion jedoch dringend angezeigt. Das sind wir unseren Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern und deren Eltern wie auch den Steuerzahlenden schuldig. Es ist nicht zielführend, weiter in ein teures System ohne Mehrwert zu investieren.Die Fakten zeigen ein deutliches Bild: Es war beabsichtigtes Ziel, mit den Checks die Leistungen der Schülerinnen und Schüler und somit auch die Unterrichtsqualität der Lehrpersonen flächendeckend zu messen und miteinander zu vergleichen. Mithilfe der so gewonnenen Erkenntnisse sollte dann die Qualität des Unterrichts verbessert werden.

Gemäss Statistik im neusten Bildungsbericht hat der Kanton Basel-Stadt von den beteiligten Kantonen am schlechtesten abgeschnitten. Die Meinungen über die möglichen Gründe für diesen Misserfolg gehen weit auseinander, was die fehlende Aussagekraft der Testresultate geradezu unterstreicht. Wir wissen demnach nicht, ob die Resultate auf ungenügendes «teaching to the test», auf die mangelhafte Qualität des Unterrichts, auf die soziale Herkunft oder – wie im Bericht betont – auf die Heterogenität der Schulklassen oder andere Gründe zurückzuführen sind. Die Heterogenität soll nach neusten Erkenntnissen nicht leistungsfördernd wirken, was vor dem Hintergrund der ebenfalls vor Kurzem eingeführten integrativen Schulung viele Fragen aufwirft.

Glaubt man zudem dem Institut für Bildungsevaluation der Universität Zürich, hängt das schlechte Abschneiden des Kantons Basel-Stadt mit dem sozialen Setting der Schülerschaft zusammen. Die Heterogenität in Bezug auf Migrationshintergrund, soziale Herkunft und Leistungen der Schülerinnen und Schüler sei im Kanton Basel-Stadt am stärksten.

Der Leiter des Instituts, Urs Moser, möchte deshalb einen Schritt weiter gehen. Neu soll nicht nur die Leistung der Lernenden erfasst werden, sondern auch das Bildungsniveau ihrer Eltern, um herausfinden zu können, ob und wie sich das Elternhaus auf die schulische Leistungsfähigkeit der Kinder auswirkt. Damit jedoch nicht genug: Auch die finanziellen Verhältnisse der Eltern sollen in der nächsten Evaluation berücksichtigt werden.

Eine derartige Ausweitung der Datenerhebung wäre höchst problematisch. George Orwells Roman «1984» lässt grüssen. Abgesehen von der Tatsache, dass der zusätzliche Verwaltungsaufwand weitere Kosten generieren würde, bezweifle ich, dass ein derartig grenzüberschreitendes Vorgehen zu neuen, gewinnbringenden Erkenntnissen führen würde.

Auch allfällige Optimierungen bezüglich Durchführung der Checks würden abermals Folgekosten verursachen. An der fehlenden Aussagekraft der Resultate würde sich jedoch genauso wenig ändern wie an der Tatsache, dass die Checks weiterhin enorme zeitliche und finanzielle Ressourcen verschlingen. Ein Verzicht auf Leistungstests, eine Reduktion derselben oder ein Ausweichen auf kostengünstigere Alternativen würde jährlich mehrere Hunderttausend Franken einsparen, die wesentlich sinnvoller für das schulische Kerngeschäft eingesetzt werden könnten, was sich mit Sicherheit positiv auf den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler auswirken würde.

Katja Christ, Parteipräsidentin und Grossrätin Grünliberale BS
 
 

Schulreformen als Mittel zum Zweck

Schule war schon immer Abbild der jeweiligen Gesellschaft. Humboldt verlieh ihr eine humanistische Prägung, im Totalitarismus des letzten Jahrhunderts war sie autoritär, die 68er machten sie antiautoritär, mit dem Eintritt der Frau in den Arbeitsmarkt wurde sie femininer und durch den aktuellen Neoliberalismus wandelt sie sich zum Marktplatz für privatwirtschaftliche Geschäftsmodelle. Den Startschuss dafür gibt die Weltbank. Sie fordert eine Erziehung nach ökonomischer Vorgabe mittels im Sinne von Industrienormen vereinheitlichter Prüfungsstandards und der regelmässigen Messung der Prüfungsresultate zur Sicherung der Standards. Der PISA-Test als hierfür wichtigstes Werkzeug ist folglich kein Produkt demokratisch legitimierter Erziehungsdirektionen, sondern eines der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Im Sinne betriebswirtschaftlicher Kennzahlen, wie Umsatz und Gewinn, muss auch das in der Schule zu Messende zählbar sein. In der Folge werden Wissen und humanistische Werte wie etwa eigenständiges Denken oder Solidarität durch zählbare Kompetenzen ersetzt.

Aufgrund des von der Schuladministration umgesetzten Paradigmenwechsels entsteht die Testindustrie, die regelmässig Prüfverfahren absetzt; entwickelt die Bildungswissenschaft neue Lehrmethoden; veräussert die Verlagsindustrie darauf basierend alljährlich neue, ökologisch bedenkliche, aber Umsatz steigernde Einweglehrmittel; verkauft die Weiterbildungsindustrie ihre überlangen Fortbildungskurse. Die öffentliche Schule als Abnehmerin der privatwirtschaftlichen Produkte bildet dabei die Grundlage eines äusserst lukrativen Handels. Dieser wird über wiederkehrende Sparübungen und Steuergelder finanziert, die dann den Lernenden aber auch anderswo fehlen. Der Wandel der Schule geschieht grösstenteils von der Öffentlichkeit unbemerkt. Die Politik hat wenig Interesse, über die Zusammenhänge und Folgen des Paradigmenwechsels aufzuklären. Sie zieht es vor, die Notwendigkeit von Reformen zu betonen, um sich über solche zu profilieren zwecks Sicherung der Wiederwahl. Wie haarsträubend Reformen sein können, wird insbesondere von der linken Führungsspitze beharrlich negiert.

Das Fremdsprachenkonzept PassePartout beispielsweise täuscht vor, den als Sprachbad bezeichneten Aufenthalt in einem Fremdsprachengebiet auf wöchentlich zwei Lektionen übertragen zu können. Die Beschäftigung mit Grammatik und systematischer Wortschatzaufbau sind dabei verpönt. Ausgerechnet die Linke, die sich ansonsten konsequent und glaubwürdig für die Schwachen unserer Gesellschaft einsetzt, lässt die Schülerschaft gegenüber den Kapitalinteressen der Reformindustrie im Regen stehen. Schlimmer noch, sie bekämpft Reform kritische Organisationen, und dies ohne substanzielle Argumente.

Es ist zu hoffen, dass sie ihre traditionellen Werte im Schulbereich wiederentdeckt und den Lehrer- und Lehrerinnenverein Baselland bzw. die Starke Schule beider Basel zugunsten unseres Nachwuchses künftig unterstützt. Mit vereinten Kräften liessen sich die privatwirtschaftlichen Vampire zugunsten der öffentlichen Schule wieder bändigen. Das Stimmvolk würde es der Linken bestimmt danken.

Felix Hoffmann, Sekundarlehrer Baselland


Initiative für eine pädagogisch sinnvolle Stundentafel eingereicht

An der Pressekonferenz vom 08.08.2017 haben wir die Initiative "Ja zu einer pädagogisch sinnvollen Stundentafel" mit 2'834 Unterschriften eingereicht. Seit ihrer Lancierung sind nur knapp zwei Monate vergangen. Bereits nach weniger als drei Wochen waren die notwendigen 1'500 Unterschriften beisammen.

Offensichtlich breite Unterstützung in der Bevölkerung, insbesondere bei den Lehrpersonen der Sekundarschulen und der Gymnasien

Das Sammeln der Unterschriften lief ausgesprochen gut. Auffallend war, wie viele Unterschriften auf dem Postweg bei uns eintrafen, deutlich mehr als das bei den letzten Initiativen der Fall war. Unzählige Personen machten sich die Mühe, den Unterschriftenbogen von unserer Homepage herunterzuladen, ihn auszufüllen, in ein Kuvert zu stecken und an uns zurück zu senden.

Auch das Sammeln auf der Strasse verlief überdurchschnittlich gut. 4 von 5 stimmberechtigten und interessierten Personen haben unterschrieben, so dass pro Stunde durchschnittlich rund 40 Unterschriften gesammelt werden konnte. Auch dieser Wert liegt markant höher als bei den vergangenen Initiativen. Dies zeigt auch, dass ein beanchtlicher Teil der Bevölkerung die Initiative als wichtig erachtet. Von einem "Verdruss" über zu viele Bildungsinitiativen, wie es die Reformbefürworter weissmachen möchten, war jedenfalls nichts zu spüren.

Erfreulich ist, dass die Starke Schule offensichtlich in immer kürzerer Zeit und mit weniger Ressourcen eine Volksinitiative erfolgreich einreichen kann.

Bildungsrat akzeptiert Volksentscheid nicht

Im Juni letzten Jahres hat sich das Volk mit 61% für die Beibehaltung der Einzelfächer Geografie, Geschichte, Biologie, Chemie und Physik ausgesprochen. Damit wurde deutlich zum Ausdruck gebracht, dass diese Fächer wichtig sind und nicht marginalisiert werden dürfen. Der Bildungsrat, der über Stundentafeln und Lehrpläne entscheidet, hat diesen Volksentscheid nicht wirklich akzeptiert. Zwar lässt er die Einzelfächer in seiner kürzlich verabschiedeten Stundentafel bestehen, marginalisiert sie jedoch.

So sollen ab dem Schuljahr 2018/19 die Fächer Geografie und Geschichte nur noch mit je 1.5 Lektionen pro Woche unterrichtet werden; die Fächer Biologie, Chemie und Physik zwar in jedem Jahr, jedoch nur noch mit je einer Wochenlektion. Pädagogisch gesehen sind 1- und 1.5-stündige Fächer unsinnig und mit einem hohen schuladministrativen Aufwand verbunden, der keinen Bildungsmehrwert gibt.

Ein effizienter Unterricht ist nur mit einer ausreichenden Lektionendichte möglich

Ziel unserer Initiative ist es, dass die Fächer Geografie, Geschichte, Biologie, Chemie und Physik in denjenigen Schuljahren, in welchen sie unterrichtet werden, mit mindestens zwei Lektionen pro Woche dotiert sind. Eine Dotierung mit 1 oder 1.5 Lektionen wäre dann nicht mehr möglich. Um einen effizienten Unterricht möglich zu machen, muss die Lektionendichte ausreichend sein. Eine Dotierung mit wöchentlich zwei Lektionen erachten wir als Minimum. Die Initiative soll spätestens 18 Monate nach Annahme durch das Volk in Kraft treten.

Der Bildungsrat will seine Stundentafel bereits im nächsten Sommer einführen. Wenn der politische Wille vorhanden ist, könnte die Volksabstimmung bereits im März 2018 erfolgen und damit die Einführung der pädagogisch unsinnigen Stundentafel des Bildungsrates verhindert werden. 

 

Nachteil für unseren Wirtschafts-Standort

Gegenwärtig soll in verschiedenen Kantonen mit dem umstrittenen Lehrplan 21 (LP 21) die radikalste Änderung des Schulsystems seit Bestehen der Volksschule vorgenommen werden. Dass die Bedenken, die von der Lehrerschaft, besorgten Eltern und Pädagogikprofessoren angemeldet wurden, ihre Berechtigung haben, zeigen die schlechten Resultate der LP-21-Versuchschulen, die mit der "Kompetenzorientierung" und ihrem "selbstgesteuerten" oder "selbstorganisierten Lernen SOL" den bewährten Klassenunterricht weitgehend abgeschafft und qualifizerte Lehrer zu "Lernbegleiter" degradiert haben. Die Schüler werden allein gelassen, indem es ihnen überlassen wird, wann, wie, wo und ob sie lernen wollen.

Auswirkungen der Schulreformen

Basel-Stadt hat mit dem Schulgesetz von 1988 eine Reihe von sogenannt fortschrittlichen Schulreformen eingeführt und damit in der Schweiz eine Vorreiterrolle übernommen. Bereits fünf Jahre später (BaZ vom 12.10.1993) zeigten sich jedoch die ersten negativen Resultate: Ein Ausbildungsleiter einer grossen Basler Chemiefabrik meldete, dass von 45 Lehrverträgen für Chemie-Laboranten nur noch einer mit einem Stadt-Basler Schulabgänger abgeschlossen werden konnte. 1995 berichtete der Generaldirektor des Schweizerischen Bankvereins in einer Sondersitzung des Basler Grossen Rats zum Problem der nachlassenden Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Basel (NZZ vom 3.4.1995) über die gravierenden Auswirkungen der Basler Schulreformen. Der Bankverin könne nur noch 20 Prozent seiner Lehrlinge aus dem Kanton Basel-Stadt rekrutieren. Wie die Ergebnisse der Eignungstest für das Medizinstudium zeigten, waren mittlerweile auch die Maturanden Opfer für Schulreformen geworden. Seit der Einführung 1998 haben die Stadt-Basler Bewerber beim Eignungstest für das Medizinstudium (EMS) gesamtschweizerisch am schlechtesten oder unterdurchschnittlich abgeschnitten.

Obwohl der Zusammenhang mit den umstrittenen Schulreformen offensichtlich war, konnte der Kanton Basel-Stadt unbehindert seinen Reformkurs weiterführen. Die eins als "fortschrittlich" hochgelobte Orientierungsschule war 2015 kaum ganz abgeschafft, als Basel-Stadt als Pionierkanton direkt auf den "Lehrplan 21"-Zug aufsprang.

Das veranlasste beteiligte Lehrer zu folgenden Bemerkungen: "Einmal mehr dienen wir und die Schulkinder dem Erziehnugsdepartement als Versuchskaninchen. Bereits die Einführung der Orientierungsschule als Basler Unikum sei ein einziges Experiment und ein riesiger Fehler gewesen. Und jetzt passen wir unser System dem Rest der Schweiz an, noch bevor die anderen Kantone die Neuerung selber umsetzen." (BaZ vom 27.10.2015) Noch können Gewerbe und Wirtschaft mithelfen, die richtigen Weichen zu stellen.

Peter Aebersold
 

Das Stimmvolk muss die Reformindustrie stoppen

Als Ernst Buschor in den Neunzigern anfing, die Zürcher Volksschule zu reformieren, öffnete er eine Büchse der Pandora, die seitens der Politik nicht mehr zu schliessen ist. Seither jagt auch Baselland eine Reform die andere: Teilautonomie der Schulen, neue Zeitaufteilung zwischen Primar- und Sekundarschule, selbstorganisiertes Lernen, Lernlandschaften, Integration lernschwacher Schüler, Kompetenzorientierung, neue Lehrpläne, neue Stundentafeln, Fächerzusammenlegungen, Niveau-übergreifender Unterricht, neues Fremdsprachenkonzept, Frühfremdsprachen, Projektarbeit, Digitalisierung des Unterrichts usw.

Zur Umsetzung all dieser von der Politik beschlossenen Neuerungen bedarf es seitens der Schuladministration ständig neuer Stellen, während die Privatwirtschaft gegen Steuergelder Equipment, fortlaufend neue Unterrichtsmaterialien und Weiterbildungen liefert. Das hierdurch entstandene Dreigestirn von Politik, Administration und Privatwirtschaft hat eine Eigendynamik entwickelt, die zum Wohle der Volksschule und unserer Kinder nur noch vom Stimmvolk gestoppt werden kann. Dazu braucht es sinnvolle Initiativen, wie sie von der Starken Schule beider Basel und vom Lehrerverein Baselland erwirkt werden.

Es mutet auf diesem Hintergrund eigenartig an, wenn Franz A. Saladin als Direktor der Handelskammer beider Basel fast verzweifelt nach "Ruhe für die Schulen" ruft und sich gleichzeitig starkmacht für die Dauerreformen im Schulbereich. Ein Hintergedanke an lukrative Aufträge für die Privatwirtschaft soll ihm nicht unterstellt werden. Wahrscheinlich fehlt ihm für eine seriöse Beschäftigung mit der von ihm thematisierten Materie aus verständlichen Gründen schlicht die Zeit. Die Schule darf kein Markt sein zur Realisierung privatwirtschaftlicher Geschäftsmodelle, kein Experimentierfeld zur Profilierung von Politikern und kein Stellengarant für die Schuladministration. Ruhe in der Volksschule kehrt ein, wenn wir uns rückbesinnen auf das, was sie ist: eine Institution zur Bildung und Förderung unserer Nachwuchses. Bei den anstehenden Initiativen muss sich das Stimmvolk entscheiden zwischen einer guten Volksschule und der von Franz A. Saladin vertretenen Reformindustrie.

Felix Hoffmann
 
 

Bildungsdirektion lanciert Gegenvorschlag

Die Starke Schule beider Basel begrüsst den von der Bildungsdirektion ausgearbeiteten Gegenvorschlag zur formulierten Initiative "Ja zu Lehrplänen mit klar definierten Stoffinhalten und Themen". Mit dem Gegenvorschlag werden zentrale Anliegen der Starken Schule sowie der Initiative weitgehend erfüllt. Der Gegenvorschlag sieht folgende Ergänzung im Bildungsgesetz vor:

§7b Stufenlehrpläne Volksschule (neu)
1 Die Stufenlehrpläne der Primarstufe und der Sekundarstufe I enthalten Stoffinhalte, Themen und Kompetenzbeschreibungen.
2 Für die Sekundarstufe I sind sie nach Jahreszielen und Anforderungsniveaus differenziert und abgestimmt auf die Inhalte und Anforderungen der beruflichen Grundbildung mit oder ohne Berufsmaturität, der Fachmittelschulen und des Gymnasiums.

Der Gegenvorschlag enthält zusätzlich wichtige Elemente, welche die Initiative nicht berücksichtigt und die nun erfreulicherweise ebenfalls im Bildungsgesetz verankert werden sollen.

  1. Die Lehrpläne der Primar- und Sekundarstufe I enthalten mit dem Gegenvorschlag klar definierte Stoffinhalte, Themen und Kompetenzbeschreibungen. Dass die rund 3'500 Kompetenzbeschreibungen des Lehrplans 21 ebenfalls Bestandteil des neuen Lehrplans Volksschule Baselland sind, ist nicht entscheidend, zumal an den Baselbieter Schulen seit 2004 verstärkt ein kompetenzorientierter Unterricht stattfindet. Die Lehrpersonen werden sich nach den Lerninhalten und Themen orientieren, die Kompetenzbeschreibung rücken zwangsläufig in den Hintergrund. Mit der Festschreibung der Lerninhalte ist auch weiterhin eine echte Harmonisierung der Baselbieter Schulen gewährleistet.
  2. Die Starke Schule begrüsst auch den Umfang der Stoffverteilungspläne, welche in der Regel pro Fach und Schuljahr eine A4-Seite umfasst. Den Lehrpersonen wird dadurch ein ausreichend grosser Freiraum in der inhaltlichen Gestaltung ihres Unterrichtes gewährt.
  3. Der Lehrplan Volksschule Baselland der Sekundarstufe I erhält klar definierte Jahresziele, welche auf die drei Anforderungsprofile A (allegemeines Niveau), E (erweitertes Niveau) und P (progymnasiales Niveau) differenziert ausgerichtet sind, was der Lehrplan 21 nicht berücksichtigt hätte. Damit wird der dritte Zyklus, ein weiterer wesentlicher und heftig kritisierter Bestandteil des Lehrplans 21, aufgebrochen. Bereits die vom Stimmvolk am 5. Juni 2016 mit 61% Ja-Stimmen beschlossene Weiterführung der Einzelfächer Geschichte, Geografie, Biologie, Physik, Chemie, Hauswirtschaft und Wirtschaftskunde bedeutet eine starke Abweichung von der Ideologie und dem Inhalt des Lehrplans 21.
  4. Relevant ist ebenfalls, dass der neue Lehrplan Volksschule Baselland auf die weiterführenden Schulen (z.B. Gymnasium) abgestimmt sein muss. Damit können die abnehmenden Schulen reell mitentscheiden, welche Lernziele die Volksschule erreichen muss. Massgebend dafür sind die behandelten Lerninhalte.

Regierungsrätin Monica Gschwind hat mit der Ausarbeitung des Gegenvorschlages in Zusammenarbeit mit verschiedenen bildungspolitisch aktiven Playern eine fundierte und ausgezeichnete Arbeit geleistet. Die Starke Schule beurteilt den Gegenvorschlag als sehr gute Lösung.

Ob die Starke Schule ihre Initiative "Ja zu klar definierten Stoffinhalten und Themen" zurückziehen kann, wird der Vorstand nach der landrätlichen Behandlung dieser Gesetzesvorlage prüfen. Massgebend wird dabei sein, ob der Gegenvorschlag eine bessere Erfolgschance bekommt, wenn an der Initiative festgehalten wird oder nicht.