Starke Schule beider Basel (SSbB)

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News

  • Sonntag, September 25, 2022

    Nun doch flächendeckender Verkehrsunterricht an den Baselbieter Schulen

    Seit Jahrzehnten findet an den Baselbieter Schulen regelmässig Verkehrsunterricht durch eine spezielle Absteilung der Polizei statt. Weil die Abteilung "Verkehrsinstruktion" zurzeit stark unterbesetzt ist, hätten gemäss Beschluss im Jahr 2022 der Unterricht in den zweiten Primarklassen gestrichen werden sollen. Dieser Entscheid wurde nun korrigiert, wie die Justizdirektion kürzlich informierte. (jw)

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  • Freitag, September 23, 2022

    Berufsbildung für Lehrpersonen

    Im Kanton Basel-Stadt wurde ein Vorstoss eingereicht, der die Prüfung einer möglichen berufsbildenden Ausbildung zur Primarlehrperson verlangt. Die Unterzeichnenden finden, dass die Ausbildung für Lehrpersonen in den letzten Jahrzehnten stark akademisiert und so der Zugang zum Beruf deutlich erschwert wurde. Insbesondere in der aktuellen Zeit mit starkem Lehrpersonenmangel soll dieser Entwicklung entgegengewirkt werden. (ai)

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  • Donnerstag, September 22, 2022

    Umfrage Fremdsprachen Primarstufe

    Zurzeit führen wir eine Umfrage zum Thema Fremdsprachenunterricht an der Primarschule durch, die sich an Lehrpersonen, Eltern und Bildungsinteressiert richtet. Falls Sie keinen Umfragelink erhalten haben und gleichwohl an der Umfrage teilnehmen möchten, können Sie bei uns einen Zugangscode verlangen.

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  • Donnerstag, September 08, 2022

    Steigende Schülerzahlen in BS

    In den letzten Jahren hat die Anzahl der Schüler/-innen in den öffentlichen Schulen sowie auch in den Kindergärten stetig zugenommen. Im Vergleich zum Schuljahr 2015/16 waren es im letzten Schuljahr 2021/22 rund 10% mehr Lernende. (ai)

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  • Freitag, September 02, 2022

    Mehr integrativ geförderte Kinder in Basler Schulklassen

    Im Verlauf der letzten Jahre veränderte sich die Anzahl der Schüler/-innen bei den separativen Angeboten. Während vor sechs Jahren noch 532 Kinder in diesen spezial Angeboten untergebracht waren, sind es in diesem Jahr nur noch 474. (lh)

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Pressespiegel

Wie ich ein Schuljahr überstand

Desinteresse, Interventionen, Sitzungen über Mittag: Ein pensionierter Pädagoge beschliesst etwas gegen den Lehrermangel zu tun und entdeckt mit einer Sekundarschulklasse seinen Beruf neu. Eine Weiterbildung in acht Lektionen.

Lesen Sie den Artikel hier.

[Quelle: NZZ vom 11.09.2022]

 

Lehrerin ohne Diplom? Ein Crashkurs

Die Sommerferien sind zu Ende, wegen des Lehrermangels stehen neuerdings auch Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger ohne Diplom und Erfahrung vor einer Klasse. Gehören Sie auch dazu? Eine Anleitung für den Erfolg im Schulzimmer. Lesen Sie den Artikel hier.

[Quelle: NZZ am Sonntag vom 21.08.2022]

 

Die Schule braucht weniger Lektionen und bessere Lehrpersonen

"Die Gesellschaft muss sich entscheiden, ob sie die Schule als Lernort oder als Betreuungsort haben will." Alain Pichard spricht in seinem Artikel über die aktuellen Problematiken an den Schulen und die ideologisch gefärbten Schulreformen. Lesen Sie den ganzen Artikel hier.

[Quelle: NZZ vom 19.08.2022]

 

Leserbrief

Unverständnis und mangelhafte Arbeit, die zur Strafanklage führt
Der Jugendstaatsanwalt hat Strafanzeige gegen eine 14-jährige Schülerin erstattet, offenbar ohne diese Schülerin befragt zu haben. Dann wurden zwei Lehrpersonen, die auch im Lager waren, auch nicht befragt. Wie kann ein Strafbefehl «objektiv» sein, wenn die involvierte Person sowie die beiden aufsichtshabenden Personen nicht befragt werden? Dafür wurden -so die Berichterstattung- rund neun Monate nach dem Vorfall acht Schülerinnen als Zeugen einvernommen. Ob da die Erinnerungen noch wirklich allen Tatsachen entsprochen haben?
Paul Hofer, alt-Landrat FDP

 
 

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26.09.2022

Frühfranzösisch - eine Chronik
des Grauens

Nach dem 1. PISA-Test im Jahr 2000 war die mediale Erregung gross. Erschüttert vom angeblichen Beleg für das Ungenügen des hiesigen Schulsystems, sah man über die Grenzen hinaus und stellte fest, dass in Nachbarländern die Schulkinder viel früher mit Fremdsprachen begannen. Prompt forderte die Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) – das ist das oberste Bildungsgremium unseres Landes - einen früheren Fremdsprachenunterricht, obwohl die Fremdsprachen gar nicht Bestanteil des PISA-Tests waren.

Natürlich gab es etwelche Einwände gegen diesen bildungspolitischen Hüftschuss. Denn keine einzige Studie belegte bis dahin, dass ein früherer Fremdsprachenbeginn das Können der Lernenden in den Schulen verbessert. Im Gegenteil, die Kritiker legten zahlreiche Studien vor, welche zum Schluss kamen, dass ein früherer Fremdsprachenbeginn keinen nennenswerten Effekt haben würde. Und in unserem nördlichen Nachbarland war der Befund schon länger klar. Der SPIEGEL und die ZEIT kamen 2008 über das Frühenglisch zeitgleich zum gleichen Befund: «Blödsinn» und «Murks». Trotz dieser Fakten trieb eine Allianz aus Verwaltung, Politik und Wissenschaft die Einführung von Frühfranzösisch voran. Der Treppenwitz der Geschichte entstand anschliessend, als die Ostschweiz mit Frühenglisch und die Westschweiz mit Frühfranzösisch begann. Das war eine völlig entgegengesetzte Entscheidung zum HarmoS-Konkordat, das sich ja die schweizweite Harmonisierung zum Ziel gesetzt hatte. Als 2011 unser damaliger Bildungsdirektor Bernhard Pulver in Lyss feierlich die Einführung von Frühfranzösisch vor den versammelten Schulleitern der Region ankündigte, fragte ihn eine Teilnehmerin, was denn das Ziel von Frühfranzösisch sei: «Sollen die Schüler am Ende der obligatorischen Schulzeit besser Französisch können oder gleich gut oder will man einfach Frühfranzösisch einführen?» Herr Pulver fragte darauf seinen Zentralsekretär: «Ja, haben wir da eine Zieldefinition?»

Egal, wie die damalige Zielsetzung aussah, es ging gründlich schief. Zahlreiche Unterstufenlehrerinnen wurden in Schnellkursen zu Französischlehrerinnen ausgebildet. 2011 folgte mit Passepartout ein Lehrmittel, dass auf dem Prinzip «Sprachbad» basierte und den Lehrkräften verbot, Vokabeln zu lehren, Grammatik zu erklären und einen soliden sprachlichen Aufbau zu planen. Stattdessen sollten die Schüler sich alle Erkenntnisse selbst erarbeiten bzw. sie entdecken.

Die Einweg-Lehrmittel «Mille Feuilles» und «Clin d’Oeil» sind die teuersten Lehrmittel ever. Tausende von Lehrkräften wurden auf diese neue Didaktik umgeschult. Die Rückmeldungen aus den Kursen waren verheerend.

2017 wies eine Studie der Uni Freiburg über das Verstehen von französischen Texten nach, dass die Passepartout-Lernenden gegenüber den Bonne-Chance-Lernenden massiv im Rückstand seien. Der Kanton Solothurn kippte das Lehrmittel für die gymnasiale Vorstufe. 2018 strichen die Berner Gymnasien die französische Grammatik aus den Aufnahmeprüfungen für das Gymnasium und führen nur noch mündliche Prüfungen durch. 2019 ergeben die ersten schweizweiten ÜGK-Prüfungen (Überprüfung der Grundkompetenzen) miserable Französischkenntnisse für die Passepartout-Kantone.  Es folgte eine lange angekündigte Evaluation der Passepartout-Lehrmittel durch das Freiburger Institut für Mehrsprachigkeit: Sie stellt dem Lehrmittel ein vernichtendes Zeugnis aus. Die Studie sollte geheim gehalten werden, berichtete die Berner Zeitung.

Den Kanton Bern hat dieser Spass 40 Millionen Franken gekostet, die sechs Passepartout-Kantone gaben insgesamt 100 Millionen Franken aus.

Aus den Schulen mehren sich inzwischen die besorgten Nachrichten über die Deutschkenntnisse unserer Lernenden.  Zahlreiche Schüler verstehen einfachste Sätze nicht mehr und sind auch nicht in der Lage, einen zusammenhängenden Text verständlich zu schreiben. Die PISA-Studien weisen wiederholt darauf hin, dass 20% unserer Schüler nach neun Schuljahren nicht richtig lesen und schreiben können.

Anlässlich der Einführung des Lehrplans 21 versprach man uns ein Bildungsmonitoring. Das geht so: In vergleichenden Testen werden die Kenntnisse unserer Schüler geprüft, anschliessend werden die Schwachstellen eruiert und dann die nötigen Änderungen vorgenommen. Das nennt man evidenzbasierte Bildungspolitik. Ich frage Sie nun, meine verehrten Leserinnen und Leser, welche Evidenz würden Sie ziehen? Bilden Sie sich selbst Ihre Meinung und schreiben sie diese unserer Bildungsdirektorin.

Alain Pichard
Sekundarlehrperson im Kanton Bern
 
 

22.09.2022 - Artikel von Hanspeter Amstutz

Lehrermangel als Quittung für übersteigerte Erwartungen

Man kann den aktuellen Lehrermangel mit den steigenden Schülerzahlen und der fehlenden Bereitschaft der jüngeren Lehrerschaft zu Vollzeitarbeit begründen. Doch das greift zu kurz. Die im Vordergrund stehenden Gründe verstellen den Blick auf die tieferen Ursachen des Lehrermangels. Dieser ist keine nur temporäre Personalknappheit, sondern Ausdruck einer nicht länger zu beschönigenden Krise der Volksschule.

In den vergangenen gut zwei Jahrzehnten sind die Erwartungen an die Volksschule stetig hochgeschraubt worden. Im Bewusstsein breiter Bevölkerungsschichten hat der Stellenwert guter Bildung enorm an Bedeutung gewonnen. Die gestiegenen Anforderungen in der modernen Wirtschaft führten unweigerlich zur Frage, ob die Volksschule mit ihren bisherigen Lernkonzepten und ihrem traditionellen Bildungskanon den neuen Herausforderungen gewachsen sei.

Bildungsexperten lösten mit grossen Versprechungen eine Reformflut aus

Die Unruhe wuchs, als unserer Volksschule beim internationalen Pisa-Ranking in einigen Bereichen nur durchschnittlich Leistungen bescheinigt wurden. Geradezu panikartig riefen einige Bildungspolitiker nun dazu auf, die Volksschule gründlich umzubauen. Man überbot sich mit Reformideen, die rasche Erfolge versprachen. In den neu gegründeten Forschungsabteilungen der Pädagogischen Hochschulen wurde unzählige Reformprojekte entwickelt, die mit hohen Erwartungen verknüpft waren. Die neuen Ideen wurden von umtriebigen Bildungspolitikern dankbar aufgenommen und ungeprüft als grosser Fortschritt gepriesen. Wer nicht freudig mitmachte oder sich gar kritisch äusserte, wurde als hoffnungslos rückständig eingestuft.

Die Versprechungen der Bildungsexperten blieben nicht ohne Auswirkungen auf die Eltern. Die Vorstellung, dass eine modernisierte Schule sehr viel mehr als bisher erreichen könnte, befeuerte die Schuldiskussionen im ganzen Land. Fortschrittliche Gemeinden führten neue Schulmodelle ein und die Zürcher Bildungspolitik mit Ernst Buschor an der Spitze liess keinen Stein mehr auf dem andern. Die Presse berichtete von grossartigen ersten Resultaten beim frühen Fremdsprachenunterricht, auch wenn die Schüler erst zwei Wochen Englischunterricht hatten. Die Dynamik des Fortschrittglaubens hatte die Volksschule erfasst, doch kaum jemand fragte, wie es um die Praxistauglichkeit der Reformprojekte stand. Überprüft wurde wenig, und dort wo sich negative Befunde zeigten, verschwanden die unerfreulichen Resultate in den tiefen Schubladen der Bildungsbürokratie.

Es ist Zeit, eine unbeschönigte Bilanz zu ziehen

Es dürfte aufschlussreich sein, eine kurze Bilanz der Reformvorhaben im Licht der Gegenwart zu ziehen. Haben die einzelnen Reformen die Erwartungen erfüllt und welche bedeutenden Nebenwirkungen auf das gesamte Schulsystem sind feststellbar? Viele der umstrittenen Reformen sind im neuen Lehrplan verankert worden, deshalb kommt diesem sogenannten Jahrhundertwerk eine Ausnahmestellung in der Schulgeschichte zu. Wieweit diese Reformen die aktuelle Schulkrise mitverursacht haben, wird in der nachfolgenden Übersicht erläutert. Lesen Sie hier weiter.

20.09.2022 - Artikel Prime News

Schlechte Noten für Bild­ungs­offensive der Basler FDP

Die Freisinnigen wollen das Basler Schul­wesen reformieren. Bei der Lehrer­schaft stossen die Forder­ungen auf Kritik.

Die Basler FDP – seit den letzten Wahlen in der Opposition – hat nach den Sommerferien ein neues Thema besetzt: den viel beschworenen Bildungsnotstand im Stadtkanton. Mit diversen Forderungen wollen die Freisinnigen erreichen, dass die Basler Schülerinnen und Schüler in nationalen Vergleichen nicht mehr die hintersten Ränge belegen. Dazu hat die FDP-Fraktion im Grossen Rat unlängst eine Reihe von Vorstössen eingereicht. Die Vorschläge reichen von einem Mindestpensum für Lehrpersonen über eine Art Berufslehre für angehende Pädagogen bis hin zu Sekundarschul-Rankings. Besonders die letztgenannte Forderung gab medial bereits Einiges zu reden. Doch auch die anderen Forderungen werden kontrovers diskutiert – zumindest unter denjenigen, die tagein, tagaus im Klassenzimmer stehen: die Lehrerinnen und Lehrer. 

Sowohl die Freiwillige Schulsynode Basel-Stadt (FSS) wie auch die Starke Schule beider Basel erteilen den meisten Ideen der FDP schlechte Noten. «Die Richtung stimmt, aber der Weg ist falsch», sagt etwa FSS-Präsident Jean-Michel Héritier gegenüber Prime News.

Lesen Sie hier den ganzen Artikel von Oliver Sterchi auf Prime News.
 

 

18.09.2022

Nur wenige Lehrpersonen erhalten
eine Kündigung

In den letzten drei Schuljahren (1.8.2019 – 31.07.2022) haben an den Baselbieter Schulen (Primarstufe, Sekundarstufe 1 und 2 inklusive Musikschulen) insgesamt 28 von rund 5’300 Lehrpersonen durch den Arbeitgeber eine Kündigung erhalten. Diese Zahl ist erstaunlich niedrig und sollte nicht täuschen, denn zusätzlich wurden von rund 423 Lehrpersonen die Verträge im gegenseitigen Einvernehmen aufgelöst. Vielen davon wären gekündigt worden, hätten sie sich nicht mit der Schulleitung auf eine einvernehmliche Vertragsauflösung geeinigt.

 

Fraglich ist nun, ob die Zahl der Kündigungen so niedrig ist, weil die Qualität der Lehrpersonen so hoch ist, oder weil nur in Extremfällen zu diesem Mittel der Kündigung gegriffen wird.

Viele Primarschulleitungsmitglieder haben ein Kleinstpensum

Ein weiteres Thema sind die Kleinstpensum (bis und mit 40%) bei Schulleitungsmitgliedern. Die folgende Grafik zeigt, dass vor allem auf der Primarstufe viele Schulleitungsmitglieder Kleinstpensen haben. 

 

Die Bildungs-, Kultur- und Sportkommission (BKSD) betonte kürzlich bei der Beantwortung einer politischen Anfrage im Landrat, dass bei Schulleitungen möglichst grosse Pensen anzustreben sind. Nur so kann die «Sichtbarkeit» und «Greifbarkeit» innerhalb sowie ausserhalb der Schulorganisation garantiert werden. Kleinstpensen bringen das Risiko mit sich, dass Verantwortung diffundiert wird und viele Schnittstellen und Koordinationsarbeiten kreiert werden. Es gibt dennoch Ausnahmen, wie beispielsweise Restpensen und Nachfolgeregelungen.

Lena Bubendorf
Sekretariat Starke Schule beider Basel

 

16.09.2022

Stoffinhalte oder Lernziele sollen vor einer Prüfung bekannt sein

Die Bildungsdirektion hat das Reglement «Leistungsbeurteilung an den Volksschulen Baselland» überarbeitet. Die 17 Baselbieter Sekundarschulen sind angehalten, dieses im laufenden Schuljahr umzusetzen. Neben der Festlegung einer minimalen Anzahl Prüfungsnoten gibt insbesondere die Formulierung betreffend Lernzielen Anlass zur Diskussion.  

Lernziele beschreiben u.a. Stoffinhalte, Fertigkeiten, Wissen, Bereiche oder Kompetenzen, welche die Schüler/-innen für eine Prüfung abrufen und anwenden können müssen. Das kann von eher allgemeinen Angaben wie «Der Aufstieg Napoleons bis zur Kaiserkrönung» oder «Den Satz von Pythagoras verstehen und anwenden» bis zu sehr detaillierten Angaben reichen wie z.B. «Den Verdauungsvorgang beschreiben» oder Fertigkeiten beschreiben wie «Mit dem Fussball jonglieren». Lernziele können sowohl schriftlich wie auch mündlich erteilt werden, abhängig von ihrer gewünschten Genauigkeit und dem Detaillierungsgrad.

Nicht für jede Klasse und jedes Thema sind Lernziele gleichermassen sinnvoll

Nicht für jede Klasse ist dieselbe Methodik zielführend und nicht jede didaktische Finesse führt zum gewünschten Resultat. Genauso unterschiedlich wie die Klassen, so unterschiedlich sind ihre Bedürfnisse. Insofern macht es pädagogisch wenig Sinn, Lernziele für alle Fächer und alle Klassen, alle Schulstufen und alle Leistungszüge über einen Kamm zu scheren. Dass Stoffinhalte oder Lernziele angegeben werden, ist unbestritten. Selbst «alles, was wir in diesen fünf Wochen hierzu geübt haben» ist ein Lernziel. Letztlich ist das primäre Ziel eines Lernziels das Lernen resp. das Gelernte, also der Stoffinhalt einer Unterrichtseinheit.

Das Modell, welche Art der Vergabe von Stoffinhalten oder Lernzielen für welche Stufe und Klasse angewendet werden soll, ist eine rein pädagogische Überlegung. Und in jeder Klasse muss nicht die gleiche Vergabe in jedem Fach sinnvoll sein. Was für die eine Klasse stimmig und bedürfnisorientiert ist, muss für die andere nicht zutreffen. Was für den einen Leistungszug Sinn macht, kann für den anderen Leistungszug unsinnig und wenig förderlich sein. Was in der einen Schulstufe eventuell nötig ist, verhindert in einer anderen unter Umständen die Entwicklung einer vorausschauenden Selbständigkeit der Schüler/-innen.

Befürworten Schüler/-innen präzis formulierte Lernziele?

Tendenziell lässt sich diese Frage sicherlich bejahen. Warum aber? Unsichere Schüler/-innen erhoffen sich eine stärkere Einengung des zu bewältigenden Stoffes durch die Ausklammerung des nicht genannten Inhaltes, was wiederum eine Fokussierung auf die wirklich relevanten Gebiete des Prüfungsstoffs erhoffen lässt. Dies schränkt aus Sicht der Lernenden den zeitlichen Aufwand ein, nimmt ihnen aber auch die Aufgabe vorweg, selber über die Gewichtung der eigenen Prüfungsvorbereitung zu entscheiden. Je präziser die Lernziele gestellt sind, desto eher liesse sich eventuell eine mögliche Prüfungsfrage daraus ableiten.

Je präziser die Lehrperson die Lernziele formuliert, desto mehr davon braucht sie, um den ganzen geplanten Prüfungsstoff abzudecken. Sollte dies dazu führen, dass eine kritische Masse an Lernzielen überstiegen wird, finden sich bestimmt Erziehungsberechtigte, die dies als eine schiere Überforderung ihres Kindes empfinden. Selbstverständlich werden nach dem Test alle Fragen der Prüfung unterzogen, ob sie denn auch dergestalt in den Lernzielen vorgekommen sind.

Sind die Lernziele zu allgemein und zu wenig aussagekräftig (d.h. prüfungsnah), finden sich sicherlich wiederum Eltern, die genau dies bemängeln.

Lehrpersonen sollen beim Entscheid betreffend Lernzielen frei bleiben

Dass vor einer Leistungserhebung Lehrpersonen die Lernziele zwingend in einer festgelegten Form, Art und Menge vorgeben müssen, ist nicht sinnvoll. Die Pädagoginnen und Pädagogen können am besten beurteilen, ob und in welchem Masse und welcher Genauigkeit Lernziele zielführend angegeben werden sollen.

Michael Pedrazzi
Vorstand Starke Schule beider Basel

 

 

03.09.2022

Der Alltag einer Sekundarschullehrperson

Alain Pichard berichtet als pensionierter Lehrer (Sekundarstufe 1) in zwei lesenswerten Artikeln über den zeitlichen Wandel und die herausfordernden Arbeitstage von Lehrpersonen. Verbunden mit seiner eigenen Erfahrungsgeschichte gibt er einen ausgezeichneten Einblick hinter die Kulissen des Lehr/-innenberufs. Im Folgenden zwei Auszüge aus den interessanten Artikeln. Um die gesamten Texte zu lesen, klicken Sie ganz unten auf den Link.

Etwas wachsen sehen

«1977, das Jahr meiner Patentierung, herrschte ein plötzlicher Lehrkräfteüberschuss. Der sogenannte Pillenknick machte sich bemerkbar und liess landein, landab die Zahl der Klassen eingehen. Dennoch strömten aus den Lehrämtern und Seminarien relativ grosse Jahrgänge auf den Markt. Die Behörden im Kanton Bern erinnerten sich daran, dass das Pflichtpensum eines Lehrers bei 28 Lektionen lag. Und sie sahen, dass viele alteingessene Lehrkräfte, vor allem auf der Oberstufe bis zu 36 Lektionen unterrichteten. Das waren an die 8 Lektionen Überstunden. Sie beschränkten die Zahl der Überstunden auf 32. Aus den anfallenden Lektionen bastelten die Oberlehrer (so hiessen damals die Schulleiter) sogenannte Teilpensen. Die gestandenen Klassenlehrer waren natürlich wenig erbaut, dass ihnen das Einkommen um bis zu 15% reduziert wurde, denn Hypothekarzinsen lagen damals bei über 7%. Und einen Diskurs über Unterrichtsqualität gab es nur im Ansatz. So gaben sie ihre unbeliebtesten Fächer ab. Dazu gehörten Singen (so hiess damals das Fach Musik), Werken, Naturkunde, Religionsunterricht usw. ab. Sie liessen sich am Samstagmorgen einen freie Halbtag ins Pensum schreiben (Samstagmorgen wurde damals noch unterrichtet) und die jungen Lehrkräfte wurden mit unmöglichen Fächerkombinationen als «Wanderlehrer» in die Brennöfen der Realität geschickt. Man kann sich nur vage vorstellen, wie der Schulalltag für die Junglehrerinnen und -lehrer aussah. Viele von ihnen scheiterten und stiegen in andere Berufe um oder wechselten mit einer Zusatzausbildung die Schulstufe. Das wurde gerne notiert, denn es entlastete den Arbeitsmarkt.»

Classroom

«Die Vorbereitungen beginnen bereits im alten Schuljahr. Es gibt Übertrittsgespräche mit den abgebenden 6.-Klasslehrerinnen. Dort werden über die Schülerinnen und Schüler wichtige Informationen ausgetauscht. Über ein Drittel der Schülerinnen und Schüler gibt es Dossiers (Förderbedarf, Betreuungsstand, Leistungsvermögen, Nachteilsausgleich, beanspruchte Institutionen). Diese Sitzung findet in der Regel an einem Nachmittag statt und dauert ca. zwei Stunden.Die Dossiers müssen archiviert werden. Die zukünftige Klasse kommt an einem Morgen im alten Jahr zu einem Schnuppermorgen in die Schule. Für das Programm ist die zukünftige Klassenlehrkraft verantwortlich.»

Die vollständigen Artikel können Sie hier lesen.

Lena Heitz
Sekretariat Starke Schule beider Basel

02.09.2022 - Gastbeitrag

Maturität – Reformen ohne Not

Praktisch geräuschlos läuft im Moment eine Vernehmlassung im Rahmen der sogenannten Weiterentwicklung der gymnasialen Maturität (WEGM). In einem ersten Schritt geht es um die Reform des Maturitätsanerkennung-Reglements; ein weiterer Reformschritt wird in einem Jahr folgen, wenn es um einen neuen gesamtschweizerischen Rahmenlehrplan (RLP) gehen wird, wofür lediglich noch eine «Anhörung» geplant ist. Die massgebenden Akteure, das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) und die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK), begründen die Reformschritte damit, dass sich «das schweizerische Bildungssystem in den letzten Jahrzehnten tiefgreifend verändert» habe.

Das ist durchaus der Fall. In diesem Kontext wird explizit auf das Harmos-Konkordat, auf die neuen sprachregionalen Lehrpläne der obligatorischen Schule (u. a. Lehrplan 21) und auf den Bologna- Prozess an den Hochschulen verwiesen. Als «letzter Baustein » muss nun noch die Sekundarstufe II, also neben den Berufsschulen und dem KV auch die Maturitätsschulen, ins neue System «eingepasst» werden. Diese Einpassung, so WBF und EDK, sei nötig, da sich die Grundlage der gymnasialen Ausbildung seit der letzten Reform von 1995 kaum weiterentwickelt habe. Zudem werden «Megatrends» wie die Globalisierung und Digitalisierung als Rechtfertigung für die WEGM angeführt, um Reformkritiker gleich vorweg als Ewiggestrige abzukanzeln. Die WEGM erfolgt zu einem Zeitpunkt, der die gravierenden Mängel der erwähnten Reformen deutlich vor Augen führt und deshalb immer mehr Kritiker auf den Plan ruft. In den letzten 25 Jahren gab es immer wieder sinnvolle Teilrevisionen des Maturitätsanerkennungsreglements (MAR) – zum Beispiel die Einführung von Informatik als obligatorisches Fach. Eine grundlegende Reform ist absolut nicht zwingend, die Reform erfolgt also ohne Not.

Die Schweizer Maturität hat weltweit noch einen sehr guten Ruf. Wieso werden die Reformen trotzdem durchgezogen? Insgesamt unterwirft sich die WEGM unkritisch den genannten «Megatrends», um eine Internationalisierung der Bildung zu erreichen. Sie ist letztlich eine blosse Anpassung an das bereits gescheiterte angelsächsische Modell, das den Fokus nur noch auf Kompetenzen legt und den Bildungs- und Wissensbegriff weiter entleert. So wird die Ausrichtung auf Kompetenzen im MAR erstmals erwähnt und initialisiert; für den neuen, völlig überfrachteten RLP sind Kompetenzen schlicht die Grundlage. Wohin führt das? Entscheidend für ein Gelingen des Bildungsprozesses ist die zentrale Rolle der Lehrperson; diese wird aber mit den Reformen weiter geschwächt.

Zweifellos führen diese auch zu mehr Kontrolle und Steuerung, also zu mehr Gängelung von oben und einer Vertiefung der Topdown- Strategie. Das ist gut für die Bildungsbürokratie des Bundes und der Kantone, aber schlecht für die Lehrpersonen. Die nächsten Reformschritte, so etwa die grundsätzliche Infragestellung des Fächerkanons (ähnlich wie bei der KV-Reform), sind schon in der Pipeline. Die Reform läuft nach einem bewährten Strickmuster ab: Ein überrissenes Reformpaket wird durch kurzfristig terminierte «Konsultationen» und eine Vernehmlassung gejagt. Das Paket wird dann etwas abgespeckt, der Rest wird aber durchgedrückt, ein letztlich intransparentes und undemokratisches Verfahren. Was tun? Falls das erste Ziel der gymnasialen Maturität, nämlich der «prüfungsfreie Zugang zu den universitären und pädagogischen Hochschulen», erreicht werden soll, müssen die bisherigen Reformen der Volksschule und auch der «Bologna-Prozess» an den Hochschulen kritisch hinterfragt werden.

Die alleinige Fixierung auf letztlich ideologisch motivierte «Kompetenzen» ist zu revidieren, und Lernziele sind wieder mit vernünftigen Wissensbegriff klarer zu fassen. Nur so kann ein humanistischer Bildungsbegriff zurückgewonnen werden, der die Qualität der Gymnasien langfristig sichert und die kontinuierliche Niveausenkung stoppt. Zudem würde so auch das zweite Ziel der gymnasialen Maturität, die «vertiefte Gesellschaftsreife», wieder in greifbarere Nähe rücken.

René Roca
Historiker und Gymnasiallehrer

[Quelle: NZZ am Sonntag vom 31.08.2022]

 

01.09.2022

Umgang mit sensiblen Daten wird im Landrat behandelt

Nach dem Versenden eines Massenmails eines Schulleitungsmitgliedes der Sekundarschule Aesch mit sensiblen Daten von Schüler/-innen an alle Lehrpersonen hagelte heftige Kritik aus Elternkreisen, die daraufhin diverse brisante Unterlagen der Starken Schule beider Basel (SSbB) zuspielten, welche den Fall publik machte. Sowohl der Datenschutzbeauftrage als auch die Bildungsdirektion reagierten rasch. Die Schulleitung hingegen ging auf Tauchstation und ignorierte sämtliche Anfragen der Medien und der SSbB. Nun wird sich auch das Baselbieter Parlament mit dem Fall beschäftigen. Heute Donnerstag ist im Landrat der folgende Vorstoss eingereicht worden.

«Der Schulpsychologische Dienst (SPD) und die Kinder- und Jugendpsychiatrie Baselland (KJP BL) leisten eine wichtige Arbeit zur Unterstützung von Schüler/-innen, welche eine «Spezielle Förderung» benötigen. Die Arbeit beinhaltet u.a. auch das Erstellen von testpsychologischen Berichten mit Ergebnissen und Empfehlungen. Die ermittelten Daten unterstehen einer besonderen Vertraulichkeit. Insbesondere dürfen solche Daten nur Lehrpersonen erhalten, welche diese zur Erfüllung des Berufsauftrages benötigen. Bereits mehrfach ist eine Sekundarschule im Umgang mit sensiblen Daten von Schüler/-innen aufgefallen:

Im Juni 2022 publizierte diese Sekundarschule im Internet einen virtuellen Rundgang durch das Schulhaus. Zu sehen waren auf den hochaufgelösten Bildern beispielsweise Fotos von Schulkindern mit Adressen und Telefonnummern oder Listen mit Namen von Lernenden, die noch keine Lehrstelle gefunden haben. Nach der Intervention des Datenschutzbeauftragten sowie des Amts für Volksschulen (AVS) entfernte die Schulleitung den virtuellen Rundgang wieder aus dem Netz.

Nur wenige Tage nach diesem Vorkommnis verschickte ein Schulleitungsmitglied ein Massenmail an alle Lehrpersonen mit einer Liste mit 67 Schüler/-innen, welche in diesem Schuljahr eine «Spezielle Förderung» erhalten. Im Anhang verschickte die Schulleitung rund zwei Dutzend Berichte der Kinder- und Jugendpsychiatrie Baselland (KJP BL) mit Ergebnissen und Empfehlungen an rund 100 Personen. In den Berichten wird unter Nennung des Namens des Kindes erwähnt, wenn beispielsweise eine «Rechenschwäche», «Lese- & Rechtschreibstörung», «hirnorganische Unreife», «Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ADHS)» vorliegt. Solche Daten müssten eine besondere Vertraulichkeit geniessen. Die Schulleitung darf nicht davon ausgehen, dass Daten dieser Art nicht an die Öffentlichkeit gelangen respektive Massenmails mit heiklen Informationen geheim bleiben.

Ich bitte die Regierung um Beantwortung der folgenden Fragen:

  1. Welche Möglichkeiten sieht die Bildungsdirektion, um einen derartigen Umgang mit sensiblen Daten künftig zu vermeiden?
  2. Mit welchen Konsequenzen muss eine Schulleitung in Bezug auf Vorfälle, wie oben beschrieben, rechnen?
  3. Handelt sich beim vorgenannten Massenmail um einen Einzelfall?
  4. Sind seitens Sekundarschulleitungen weitere Datenübermittlungen solcher Art bekannt?» (Quelle: Interpellation 2022/483)

Die SSbB hat, nachdem die sensiblen Daten in einem Massenmail verschickt wurden, einige der Daten erhalten und diesbezüglich ebenfalls berichtet. Den Artikel finden Sie hier. In der Zwischenzeit wurde Mitte August ein interessantes Gespräch mit dem Datenschutzbeauftragten Markus Brönnimann geführt, welches Sie hier nachlesen können.

Alina Isler
Vorstand Starke Schule beider Basel

 


 

19.08.2022

Aescher Schulleitung droht ein Disziplinarverfahren

Vergangenen Juni verschickte ein Schulleitungsmitglied der Sekundarschule Aesch sensible Schülerdaten und vertrauliche Berichte der Kinder- und Jugendpsychiatrie Baselland (KJP BL) an alle Lehrpersonen. Unterdessen ist der Datenschutzbeauftragte des Kantons Baselland aktiv geworden und hat bei der Schulleitung eine Stellungnahme eingefordert. Dem verantwortlichen Schulleitungsmitglied droht eine personalrechtliche Diszipllinarstrafe.

Eine Mutter eines betroffenen Kindes, von dem sensible Daten verschickt wurden, bedankte sich bei der Starken Schule beider Basel (SSbB) für die Offenlegung dieses Faux-pas. Von der Schulleitung sei sie enttäucht. Extrem besorgniserregend sei für sie auch die Tatsache, dass die Weiterleitung des testpsychologischen Berichtes ihres Kindes von KJP BL an die Sekundarschule Aesch ohne ihre Einwilligung erfolgte. Deswegen stellt sich zusätzlich die Frage, ob die verantwortliche Ärztin der KJP BL eine Datenschutzverletzung begangen hat. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Gemäss den Datenschutzrichtlinien sollen zudem Ergebnisse von testpsychologischen Gutachten nicht an die nächste Schulstufe weitergeleitet werden. Die Lehrpersonen der Sekundarschule Aesch hätten demnach Berichte von einzelnen Primarschulen ohne Einwilligung der Erziehungsberechtigten gar nicht erhalten dürfen.

Die SSbB hat sich in der Zwischenzeit mit dem Datenschutzbeauftragten Markus Brönnimann unterhalten und ihm einige Fragen gestellt:

Welche Daten von Schüler/-innen fallen unter die Datenschutzrichtlinien des Kantons?
Die Bearbeitung sämtlicher Informationen über Schülerinnen und Schüler durch kommunale oder kantonale Schulen in Basel-Landschaft richten sich nach den Bestimmungen des kantonalen Gesetzes über die Information und den Datenschutz (IDG). Dieses gibt die Rahmenbedingungen für die Datenbearbeitungen vor. Welche Daten von wem zu welchem Zweck bearbeitet werden dürfen, ist stets den Fachgesetzen und den sie konkretisierenden Verordnungen und allfällig vorhanden Weisungen zu entnehmen. Für die vorliegende Konstellation stehen dabei das Bildungsgesetz und seine Verordnungen im Vordergrund.

Können Sie uns die relevanten Paragraphen im Bildungsgesetz sowie in den Verordnungen nennen?
Die direkte Grundbestimmung für die Bearbeitung von Personendaten im schulischen Bereich ist § 4a des kantonalen Bildungsgesetzes. Die Rechtmässigkeit einer Datenbearbeitung kann sich aber auch daraus ergeben, dass sie zur Erfüllung einer gesetzlichen Aufgabe notwendig ist. Dies ist gegenwärtig (auch) Gegenstand unserer Abklärungen.

Wie müssen Schulen mit solchen Daten und Berichten umgehen?
Einerseits dürfen die Personendaten nur gemäss den rechtlichen Vorgaben bearbeitet werden, andererseits müssen sie «angemessen» geschützt werden (§ 8 IDG). Den jeweiligen Lehrpersonen dürfen und sollen alle Informationen zur Verfügung stehen, die sie brauchen, um ihre Aufgabe, welche in den gesetzlichen Vorgaben definiert sind, erfüllen zu können. Informationen, die sie für ihre Aufgabenerfüllung nicht benötigen dürfen sie auch nicht einsehen. Bei der Festlegung der dazu erforderlichen Schutzmassnahmen ist insbesondere auch der Schutzbedarf der bearbeiteten Daten zu berücksichtigen. Bei gewissen Kategorien von Personendaten besteht eine erhöhte Gefahr einer Grundrechtsverletzung, weshalb solche Daten besonders sorgfältig geschützt werden müssen. Welche Massnahmen dabei getroffen werden müssen, ist nur schwer in allgemeiner Weise zu beschreiben, es kommt dabei stets auf die konkreten Umstände an.

Wie können solche «erforderlichen Schritte» aussehen, falls die rechtlichen Bestimmungen tatsächlich verletzt sein sollten?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Als Aufsichtsorgan können wir Empfehlungen abgeben und bei schwerwiegenden Fällen eine Weisung in Form einer Verfügung erlassen. Die Anstellungsbehörde kann personalrechtliche Schritte einleiten.

Werden Sie in diesem Fall aktiv? Welche Schritte unternehmen Sie?
Wir haben eine Sachverhaltsabklärung eingeleitet sowie die Sekundarschule Aesch um eine Stellungnahme gebeten. Nach Erhalt dieser Unterlagen werden wir prüfen, ob eine Verletzung der rechtlichen Bestimmungen vorliegt und – sollte dies der Fall sein – die erforderlichen Schritte einleiten.

Welche möglichen Konsequenzen kann dies für die Schulleitung der Sekundarschule haben?
Die aufsichtsrechtlichen Aufgaben und Kompetenzen der Aufsichtsstelle Datenschutz (ASD) gibt das IDG vor. Allfällige personalrechtliche Massnahmen könnten dabei nicht von der ASD, sondern den zuständigen Schulbehörden getroffen werden.

Wie können Sie Schulleitungen und Lehrpersonen unterstützen, damit der Umgang mit sensiblen Schülerdaten innerhalb der Datenschutzlinien liegt. Ist eine Aufklärungskampagne geplant? Wenn ja, in welcher Form?
Die Datenbearbeitungen liegen in der Verantwortung der jeweiligen Schule, die sie vornimmt. Es ist auch Bestandteil ihre Führungsaufgabe, die Lehrpersonen entsprechend zu instruieren und sensibilisieren. Primäre Anlaufstation bei Unklarheiten und allfälligen Vorgaben für Schulen und Lehrpersonen der Sekundarschulen ist die BKSD. Als Aufsichtsbehörde hat die ASD unter anderem auch einen gesetzlichen Beratungsauftrag und steht im Rahmen dieser Aufgabe in Kontakt mit den Bildungsbehörden. Bei diesem Austausch mit der BKSD und mit den Schulen stehen Fragen rund um den Datenschutz und der Informationssicherheit im Zentrum.

Im Fall der Sekundarschule Aesch handelt es sich bereits um den zweiten Fall innert wenigen Tagen, in welchem mutmasslich Datenschutzrichtlinien missachtet wurden. Was haben Ihre Abklärungen im ersten Fall ergeben?
Die beiden Fälle sind nach unserer Einschätzung jeweils anders gelagert. Aktuell gehen wir davon aus, dass es sich um Einzelfälle handelt und nicht um ein systematisches Versagen. Wir stellen aber auch fest, dass die zunehmende Digitalisierung die Schulen immer wieder vor grössere Herausforderungen stellt. Mit der BKSD prüfen wir nun parallel, ob und wie das Risiko solcher Vorfälle reduziert werden könnte.

Lena Bubendorf
Sekretariat Starke Schule beider Basel

 

13.08.2022

Schülerin von Jugendanwalt Baumgartner zu Unrecht verurteilt

In einem Schullager im März 2019 wird eine Schülerin am Kopf verletzt. Beschuldigt wird eine Mitschülerin, zu Beginn des Jugendstrafverfahrens wegen vorsätzlicher, später wegen fahrlässiger Tatbegehung. Das Strafverfahren, welches durch den Jugendanwalt Baumgartner geführt wird, endet mit einem klaren Freispruch durch das Jugendgericht, welches die Verurteilung der Baselbieter Jugendanwaltschaft zerpflückt.

Das Jugendstrafverfahren gestaltet sich nach Erhebung der Anzeige am 27. März 2019 bei der Baselbieter Polizei wie folgt: Zwei uniformierte Polizeibeamte fahren am 9. April mit einem Polizeifahrzeug zum Wohnort der beschuldigten Schülerin und händigen den Eltern während dem Mittagessen die Vorladung zur Einvernahme der Tochter aus, die auf den folgenden Tag festgelegt wurde.

Baselbieter Polizei missachtet Fristen

Die Vorladungsfrist für Vorladungen in nicht dringenden Fällen von drei Tagen (vgl. Art. 202 StPO) wird nicht eingehalten. Auch ist unerklärlich, weshalb diese Vorladung in der beschriebenen Form und nicht einfach per Post zugestellt wurde. Eine diesbezügliche Beanstandung der Schülerin vor Beginn der Einvernahme auf dem Polizeiposten aufgrund des Nichteinhaltens der gesetzlich vorgeschriebenen Frist wird vom anwesenden Polizisten damit begründet, dass Vorladungen solcher Art «immer so verlaufen». Am 10. April 2019 fand die polizeiliche Einvernahme der Jugendlichen statt.

Die Vorgehensweise der Polizei war für die Familie belastend. Die Jugendliche und ihre Eltern konnten sich in der kurzen Zeit bis zur Einvernahme weder vorbereiten noch verstehen, weshalb gegenüber einer 14-Jährigen mit derartigen polizeilichen Mitteln vorgegangen wird, zumal sich die Schülerin keinerlei Schuld bewusst war und ihre Unschuld auch mittels zahlreicher Zeugen beweisen konnte.

Vorverurteilung durch die Leitende Jugendanwältin?

Am 13. April 2019 hat ein damaliger Landrat die Leitende Jugendanwältin Matzinger Rohrbach mit der Frage konfrontiert, ob hier ein systemischer Fehler bei der Handhabung von Vorladungen, Zustellung und Fristen vorliegen könnte, da die Vorladungen gemäss dem Polizisten «immer» so durchgeführt werden. In der Folge gab es mehrere Kontakte zwischen der Leitenden Jugendanwältin und dem Landrat mittels Mail und Telefon. Anlässlich einer dieser Gespräche eröffnete die Leitende Jugendanwältin, dass sie dem zuständigen Jugendanwalt Baumgartner nicht vorgreifen wolle, es aber wohl zu einer Verurteilung der Schülerin kommen würde: Die Jugendliche hätte ja durch ein aktives Tun der Mitschülerin die Kopfverletzung zugefügt. Diese Aussage irritierte, weil sie zu einem Zeitpunkt erging, bevor Zeugen des Vorfalls (Mitschüler/-innen, Lagerleitung) befragt worden waren und die beschuldigte Schülerin noch gar keine Möglichkeit hatte, gegenüber der Jugendanwaltschaft ihre Sicht der Dinge darzulegen.

Jugendanwalt Baumgartner lehnt Lehrpersonen als Entlastungszeugen ab

Die Jugendanwaltschaft hat in der Folge zwar im Dezember 2019 (9 Monate nach dem Vorfall !) acht Schülerinnen als Zeuginnen einvernommen, nicht aber die betroffene beschuldigte Jugendliche und auch nicht zwei Lehrpersonen, welche das Lager geleitet hatten und auch sachdienliche Auskünfte zum beanzeigten Fall hätten geben können. Die entsprechenden Anträge der 14-Jährigen, die weder anwaltlich verteidigt wurde noch auf ihre fremdsprachigen Eltern zurückgreifen konnte, wurden durch Jugendanwalt Baumgartner mündlich mit der Begründung abgelehnt, diese Zeugenaussagen hätten keine Relevanz betreffend Ausgang des Strafverfahrens. Stattdessen erliess Jugendanwalt Baumgartner am 13. März 2020, also rund ein Jahr nach dem beanzeigten Vorfall, einen inhaltlich fehlerhaften und in der Art juristisch fragwürdigen Strafbefehl.

Schülerin erhält einen Strafbefehl mit happigen Folgekosten

Die Jugendliche wurde durch Jugendanwalt Baumgartner wegen fahrlässiger einfacher Körperverletzung schuldig erklärt und zu einer bedingt vollziehbaren persönlichen Leistung von drei Arbeitstagen verurteilt.

Zusätzlich wurde die Schadenersatzforderung von Fr. 2'284.05 und die Genugtuungsforderung der Anzeigestellenden in der Höhe von Fr. 2'000.- (alles nebst Zins) auf den Zivilweg verwiesen. Begründet wurde dies, weil aus strafrechtlicher Sicht «nicht abschliessend beurteilt werden kann, welches Verletzungsbild sich abschliessend ergibt bzw. sich ergeben wird bzw. welche genauen Verletzungsfolgen letztendlich zweifelsfrei kausal zum inkriminierten Ereignis stehen». Zusätzlich hatte sie Verfahrenskosten von Fr. 455.30 zu tragen. In wenigen Worten: Die Jugendliche wurde mit einer Verurteilung, hohen Kosten und – je nach Ausgang der anstehenden Zivilprozesse – mit zusätzlichen Forderungen unbekannter Höhe aus der Verantwortung des Jugendanwaltes entlassen.

Renommierter Strafverteidiger begleitet die Jugendliche fortan

Ab diesem Zeitpunkt bekommt die Schülerin einen vom unterstützenden Landrat vermittelten Strafverteidiger, der gegen den Strafbefehl beim Jugendgericht Einsprache erhebt. Das Jugendgericht spricht die damals mittlerweile 17-jährige vollumfänglich frei (rund 3 Jahre nach dem Vorfall !). Sämtliche Forderungen der Anzeigestellenden werden abgewiesen. Die Kosten des Jugendstrafverfahrens und die Gerichtskosten von total 1'455.30 sowie die Kosten der Verteidigung von rund Fr. 5'100.- gehen zu Lasten des Staates.

Jugendgericht zerpflückt die Anklage von Jugendanwalt Baumgartner

Das Urteil des Jugendgerichts ist eindeutig und für Jugendanwalt Baumgartner kein Ruhmesblatt. Das Jugendgericht unter dem Vorsitz von Gerichtspräsidentin Dr. Läuchli bemängelt im 31 Seiten umfassenden Urteil, dass Jugendanwalt Baumgartner in seinem Strafbefehl «nicht ausführt, inwiefern sich [die Schülerin] hätte anders verhalten können und müssen, und dass im Strafbefehl die Vorhersehbarkeit des Einklemmens des Kopfes und der Folgen nicht ausreichend umschrieben wird». Schon nur deshalb hätte die Jugendliche gar nicht verurteilt werden dürfen. Weiter wundert sich das Jugendgericht über den Inhalt des Strafbefehls bzw. über die Verurteilung der Jugendlichen durch den Jugendanwalt, da «die Anklage mögliche Langzeitfolgen in den Raum stellt, aber die Kausalität zwischen dem inkriminierten Ereignis und Langzeitfolgen offenlässt». «Zudem ist verwirrend, wenn vorgängig nicht nur das zur Last gelegte Verletzungsbild, sondern auch Diagnosen erwähnt werden, die von ärztlicher Seite verworfen wurden oder deren Ursache unklar ist», kritisiert das Jugendgericht. Und: «Die eingereichten Arztberichte weisen nicht die Qualität eines unabhängigen Gutachtens auf. (…) Zudem sind die Arztberichte lückenhaft dokumentiert und teilweise widersprechen sie sich gegenseitig. Auch beruhen einige Arztberichte auf falschen Annahmen. (…) Zudem bestehen stellenweise unklare, nicht zweifelsfrei zuordbare Befunde.»

Klarer Freispruch des Jugendgerichts

Das Urteil des Jugendgerichts über die Arbeit von Jugendanwalt Baumgartner ist eindeutig: «Die Anklage scheitert mehrfach, sowohl in objektiver als auch in subjektiver Hinsicht. Der Tatbestand der einfachen Körperverletzung ist objektiv nicht erfüllt. Zudem war die Handlung [der Schülerin] weder pflicht- noch sorgfaltswidrig und eine Opfermitverantwortung liegt ebenfalls vor. Aufgrund dessen hat ein Freispruch zu erfolgen.»

Bemerkenswert ist ebenfalls, dass sich Jugendanwalt Baumgartner damit begnügt hat, den Strafbefehl zu erlassen, es aber nicht für nötig empfunden hat, vor dem Jugendgericht zu erscheinen. Das Urteil des Jugendgerichts ist in der Zwischenzeit rechtskräftig geworden. Rund 30 Monate nach dem Vorfall. Die Situation war für alle Beteiligten und die gesamte Klasse über Jahre höchst belastend. Ebenso das Kostenrisiko für die Eltern der beschuldigten Jugendlichen. Die Strafuntersuchung hätte in wenigen Monaten abgeschlossen werden können, hätte die Jugendanwaltschaft zeitnah die betroffene Jugendliche und alle bekannten Zeugen befragt sowie juristisch «comme il faut» gearbeitet.

Jürg Wiedemann
alt Landrat Grüne-Unabhängige

Haben Sie ähnliche Erfahrungen mit der Polizei oder der Jugendanwaltschaft gemacht? Falls Ja, so freuen wir uns über Ihre Mitteilung an starke.schule.beider.basel@gmx.ch.

 

08.08.2022

Teilrevision des Bildungsgesetzes betreffend Nutzung SAL

Am 06. Juni 2022 hat die Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD) eine Vorlage in die Vernehmlassung geschickt, mit welcher das Bildungsgesetz im Zusammenhang mit der der Schuladministrationslösung SAL geändert werden soll.

Zurzeit haben nur Lehrpersonen, Schulleitungen, Sekretariate sowie Personen mit einem pädagogisch-therapeutischen Auftrag Zugriff auf das System. Künftig sollen auch weitere Mitarbeitende die Daten abrufen bzw. bearbeiten können, wie beispielsweise Sozialpädagogen und Sozialpädagoginnen, Klassenassistenzen, Hausdienste und Schulsozialarbeitende, sofern sie die Daten zur Erfüllung ihres Berufsauftrages benötigen. Dadurch sei ein effizienterer Einsatz von SAL gewährt. Ausserdem sollen für die Berufsschulen auch die Ausbildungsverantwortlichen der Lehrbetriebe Zugriff auf entsprechende Daten der Lernenden erhalten.

Die Starke Schule beider Basel (SSbB) befürwortet die in der Vorlage vorgeschlagenen Änderungen. Um die Schuladministrationslösung (SAL) sinnvoll nutzen zu können, ist es wichtig, dass ein erweiterter Personenkreis Zugriff auf das System erhält. Die Änderungen und Erweiterungen im Gesetz erachtet die SSbB daher als sinnvoll.

Eine zentral geführte digitale Datenbank bedeutet natürlich auch ein gewisses Risiko, dass Daten an die Öffentlichkeit gelangen. Trotz dem bestmöglichen Datenschutz kann nicht gewährleistet werden, dass Daten nicht missbraucht oder veröffentlicht werden. Je mehr Personen Zugriff auf eine solche Datenbank haben, desto grösser wird diese Gefahr.

Da dieser Nachteil einer digitalen Datenbank jedoch nicht zulasten der Mitarbeiter/-innen fallen soll, die aktuell keinen Zugriff zu SAL haben obwohl sie die Daten benötigen und mühsam sich anders beschaffen müssen, ist die SSbB mit der Teilrevision einverstanden.

Lena Bubendorf
Sekretariat Starke Schule beider Basel

 

08.08.2022

Rücktritt von Regina Werthmüller aus dem Landrat

Nach 11-jähriger Amtszeit tritt Regina Werthmüller (Landrätin parteiunabhängig und Vorstandsmitglied SSbB) am 1. September 2022 aus dem Landrat zurück. Sie möchte aufgrund ihres beruflich grösseren Arbeitspensums als Lehrperson politisch kürzertreten. Die SSbB bedauert ihr Ausscheiden aus dem Landrat, freut sich aber sehr, dass Regina Wertmüller weiterhin im Vorstand der SSbB aktiv bleibt und dort ihr pädagogisches Fachwissen als Lehrperson für Musik und Bewegung einbringt.

Regina Werthmüller war während ihrer gesamten Amtszeit im Landrat politisch ausgesprochen engagiert und vertrat anfänglich die Fraktion der Grünen Baselland, später die Fraktion glp/Grüne-Unabhängige in den Landratskommissionen BKSK, GPK, JSK und VGK. Sie reichte insgesamt 40 Vorstösse und 6 Anfragen ein, insbesondere im Bildungsbereich. Vor allem die Vorstösse im Zusammenhang mit den Passepartout-Lehrmitteln (Mille feuilles, Clin d’oeil, New World) und zum Baselbieter Lehrplan haben massgebend mitgeholfen, der geleiteten Lehrmittelfreiheit und dem Stofflehrplan Volksschule Baselland mit klar definierten Inhalten und Jahreszielen zum Durchbruch zu verhelfen. Vor allem während den letzten fünf Jahren vertrat Werthmüller die Interessen der SSbB im Landrat, was massgeblich zu den bildungspolitischen Erfolgen des Vereins beigetragen hat.

Nach dem Rücktritt von Werthmüller als Parlamentarierin wird neu ab September Landrätin Anita Biedert, welche als ausgebildete Lehrperson der Primar- und Sekundarstufe I noch über das ordentliche Pensionsalter hinaus auf der Primarstufe unterrichtet und damit über ein versiertes Bildungswissen verfügt, die Interessen der SSbB im Landrat vertreten und entsprechende Vorstösse einreichen.

Lena Heitz
Sekretariat Starke Schule beider Basel

 

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