Starke Schule beider Basel

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News

  • Sonntag, August 18, 2019

    Abstimmungen 24. November 2019

    Die Regierung hat nun definitiv entschieden, dass die Stimmberechtigten des Kantons Basel-Landschaft am 24. November 2019 unteranderem über zwei Vorlagen der Starken Schule befinden können.

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  • Donnerstag, Juni 27, 2019

    iPads für alle

    Ab dem Schuljahr 2020/21 werden sämtliche Sekundarschüler/innen mit persönlichen Tablets ausgestattet.

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Zu wahr um schön zu sein

    
 

Leserbrief

Verwirrende Testergebnisse und offene Fragen

Bis jetzt waren die Schweizer Bildungsfachleute stolz auf das gute Abschneiden unserer Jugend bei den PISA-Tests im Bereich Mathematik. Und nun das: Die nationalen Erhebungen zeigen, dass bei den Grundanforderungen nur sechs von zehn Schülern die minimalen Bildungsziele erreichen. Die Erziehungsdirektorenkonferenz ist ziemlich ratlos über das unerwartete Resultat und versucht mit diversen Begründungen das Debakel klein zu reden. All die gewundenen Erklärungsversuche überzeugen jedoch nicht. Insbesondere das Argument, dass in den meisten Kantonen in der Mathematik zum Zeitpunkt der Erhebung noch nicht nach dem Kompetenzmodell des neuen Lehrplans unterrichtet wurde, steht auf wackeligen Beinen.

So sticht für den Kanton Zürich, der leicht unterdurchschnittlich abgeschnitten hat, dieser vermeintliche Trumpf überhaupt nicht. Hier (und in allen Kantonen, die dasselbe Lehrmittel verwenden) wurden die Mathematiklehrmittel schon im Voraus auf die Bildungsziele und die methodischen Leitlinien des neuen Lehrplans ausgerichtet. Obwohl erfahrene Lehrpersonen immer wieder gewarnt haben, die Überfülle an Bildungszielen und der Verzicht auf gründliches Üben würde sich bei schwächeren Schülern negativ auswirken, nahm man die Kritik nicht ernst. Jetzt ist die Quittung da, und sie schmerzt empfindlich.

Ein weiterer Versuch zu beschwichtigen bestand im Hinweis, dass nicht in allen Kantonen gleich viele Mathematikstunden auf dem Stundenplan stehen. Doch erstens wusste man dies schon vor dem Test und zweitens gab es Kantone mit weniger Mathematikunterricht, die trotzdem besser abschnitten. Immerhin scheint die EDK auch Erfreuliches berichten zu können. Die Leistungen in Deutsch sind besser als erwartet. Doch Vorsicht, denn was im Deutsch geprüft wurde, deckt nur einen kleinen Teil der sprachlichen Kompetenzen ab. Wir wissen nicht, wieweit unsere Schüler imstande sind, sich über ein gewähltes Thema in schriftlicher Form verständlich auszudrücken. Dies zu prüfen, wäre sicher eine Herkulesaufgabe, aber es brächte mehr Licht ins Dunkel. Doch diese Herausforderung überstieg offensichtlich die vorhandenen Mittel.

Vorsicht geboten ist auch bei der Beurteilung der sprachlichen Kompetenzen in der ersten Fremdsprache. Lese- und Hörverstehen wurden eingehend geprüft, aber ausgerechnet in den heiklen Bereichen Sprechen und Schreiben liegen keine Testergebnisse vor. Wie die seriösen Untersuchungen der Zentralschweizer Bildungsdirektorenkonferenz aber zeigen, liegen genau da die Schwachstellen beim frühen Sprachenlernen. Die gesamten Testergebnisse geben wenig klare Antworten. Doch es gilt, die Ursachen für den Misserfolg aufzudecken. Es ist von grösster Bedeutung, dass die Resultate von Forschern sorgfältig und kritisch analysiert und kommentiert werden. Wir alle haben ein Recht zu wissen, was in unserer Schule nicht rund läuft.

Urs Kalberer und Hanspeter Amstutz

 

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Appenzell - Basel 3:0

Die Ergebnisse der ersten schweizerischen Erhebung von Grundkompetenzen in der Volksschule, mit Verzögerung von der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) publiziert, haben die Öffentlichkeit erstaunt und aufgeschreckt. Nun können wir uns ein Bild machen, wie gut die Sechstklässler ihre Schulsprache beherrschen, wie weit sie im Lernen der ersten Fremdsprache sind und wie viel an Mathematik bei Sekundarschülern am Ende der Schulzeit hängen geblieben ist.

Die Untersuchung offenbart grosse kantonale Differenzen. Die NZZ wählt einen drastischen Titel: «Katastrophales Zeugnis für die Basler Schulen». Und fasst dann zusammen: Die Schüler aus Freiburg, Wallis und Appenzell Innerrhoden beweisen sowohl bei Mathematik wie bei den Sprachen überdurchschnittliche Kompetenzen. Am unteren Ende der Skala finden sich beide Basel und Solothurn. Besonders augenfällig ist das schlechte Abschneiden der Schüler aus Basel-Stadt, wo in Mathematik nicht einmal die Hälfte der Schüler genügt, wo aber auch bezüglich der Sprachkompetenzen weniger erreicht wurde als in fast allen anderen Kantonen.

Als Ausrede tischt Erziehungsdirektor Conradin Cramer (LDP) gebetsmühlenartig die schwierige Zusammensetzung der städtischen Schülerschaft auf. Die EDK allerdings lässt diese Erklärung nicht gelten: «Die Analysen zeigen», hält sie fest, «dass die unterschiedlichen Anteile nicht oder nur zu einem äusserst geringen Teil auf die Schülerzusammensetzungen zurückgeführt werden können.» Weder die soziale Herkunft noch die zu Hause gesprochene Sprache noch der Migrationsstatus sind demnach entscheidend für das Erreichen der Kompetenzen. Defekt ist das System.

Gegen den ausdrücklichen Rat zahlreicher Fachleute wurde zuerst der Französisch- dann auch noch der Englischunterricht in die Primarschule verlegt. Nun zeigt sich, wenig überraschend: Viele Primarschülerinnen und Primarschüler sind mit zwei Fremdsprachen heillos überfordert. Dabei wird erst noch übersehen, dass für einen erheblichen Teil der Schülerschaft die Standardsprache Deutsch ebenfalls eine Art Fremdsprache ist. Der Erziehungswissenschaftler Carl Bossard lobt die Appenzeller: «Sie verlegten den Französischunterricht von der Primar- in die Sekundarstufe und unterrichten hier mit hoher Kadenz. Sie befreiten die Primarschule von Französisch und gewannen Zeit fürs Kernfach Deutsch.»

Anders gesagt: besser zuerst scharfzüngig Deutsch als vielzüngig, aber ungenau! Viele erfahrene Lehrpersonen wissen das. Doch die Bildungspolitik hört nicht auf sie. («NZZ am Sonntag», 22.6.2019)

Oder mit den Worten von Marcel Proust: «Die Wirklichkeit dringt nicht in die Welt des Glaubens.»

[Quelle: Basler Zeitung, 8. August 2019, von Roland Stark, ehemaliger SP-Grossrat]

 

Seven Years Of Fight

Sie kennen sicher den Film «Seven Years in Tibet». Der berühmte Bergsteiger Heinrich Harrer nimmt nach seiner erfolgreichen Erstbesteigung der Eigernordwand an einer Himalaya-Expedition teil und wird im Rahmen der Kriegswirren für insgesamt sieben Jahre im Tibet interniert. Er lernt den Dalai-Lama kennen und verändert seine Weltsicht.

Sieben Jahre sind lang. Und kurz. Doch sie reichen aus, um Stand- und Trittfestigkeit zu erreichen und die Sicht auf die Dinge zu festigen.

Genau das ist der Starken Schule gelungen. Am 20. Juni 2011 wurde der Verein «Gute Schule Baselland» ins Leben gerufen. Dies vor allem als Antwort auf die basellandschaftlichen Spar- und Reformprogramme. Einerseits, um dem kantonalen Ansinnen entgegenzuwirken, Sekundarschülerinnen und -schüler bei Bedarf künftig innerhalb eines Schulkreises zu verschieben, um die Klassen füllen zu können und so die Beschulung im Wohnort nicht mehr garantieren zu müssen (Komitee «Keine Zwangsverschiebungen»). Andererseits, um der grassierenden Reformitis Einhalt zu gebieten, mit dem Ziel, ein Mindestmass an Unterrichtsqualität zu erhalten (Komitee «Gute Schule Baselland»). An diesem 20. Juni 2011 fand denn auch die erste Mitgliederversammlung des neu gegründeten Vereins statt, an welcher der Vorstand gewählt und die Statuten verabschiedet wurden.

Der Name «Gute Schule Baselland» schien ideal für den bildungspolitisch tätigen Verein. Doch diese Rechnung ging nicht auf. Der Kanton Baselland hatte inzwischen die Marke «Gute Schule Baselland» rechtlich schützen lassen und drohte mit juristischen Schritten, sollte dieser Name weiterhin als Vereinsbezeichnung auftauchen.

Der Gescheitere gibt nach… aus «Gute Schule Baselland» wurde «Starke Schule Baselland». Damit setzte die Starke Schule Baselland eine Entwicklung in Gang, die weitere «Starke Schulen» in anderen Kantonen hervorrief, so zum Beispiel in Appenzell oder in St. Gallen.

Die Geschäftsleitung wurde später Saskia Olsson und Alina Isler übertragen, die das Sekretariat betreuen. Beide sind auch Vorstandsmitglieder der Starken Schule neben (heute Ex-) Landrat Jürg Wiedemann, Michael Pedrazzi und Landrätin Regina Werthmüller. Daneben steht die Mitgliederversammlung, die einmal jährlich einberufen wird. Die Starke Schule beider Basel (SSbB), wie sie seit 2017 heisst, umfasst neben 4'496 Personen aus dem Kanton Baselland auch 308 Personen aus Baselstadt sowie 33 andere Personen.

Die aktuell im Kanton Baselland im Amt stehende Regierungsrätin und Bildungsdirektorin Monica Gschwind verdankt ihre Erstwahl zu einem Gutteil der Unterstützung durch die Starke Schule. Der gemässigte Reformkurs sowie der vom Artikelverfasser bereits 2010 (an der damaligen AKK-Plenarversammlung) geforderte und schliesslich auch vorgenommene Marschhalt sind ihr zu verdanken. So verwandelte sich der Lehrplan 21 in den «Lehrplan Volksschule Baselland» und die derzeit diskutierte (beschränkte) Lehrmittelfreiheit lässt hoffen.

Die Starke Schule beider Basel ist zu einem wichtigen bildungspolitischen Player herangewachsen, der sich in diversen Gremien auf kantonaler Ebene einbringen kann - nebst anderen, wie z. B. dem Lehrerinnen- und Lehrerverband Baselland (LVB). Wenn man das bildungspolitische Kernanliegen der Starken Schule beider Basel in einem Satz zusammenfassen wollte, dann vielleicht so: «Die Starke Schule beider Basel setzt sich ein für einen qualitativ hochwertigen und Reformideologie-befreiten Unterricht, verbunden mit der entsprechend zu gewichtenden pädagogisch-methodischen Autonomie der Lehrpersonen.»

Folgende Initiativen hat die Starke Schule seit ihrer Gründung lanciert:

  • Keine Zwangsverschiebungen an Baselbieter Sekundarschulen (14. April 2011)
  • Bildungsqualität auch für schulisch Schwächere (30. Juni 2011
  • Ja zur guten Schule Baselland: überfüllte Klassen reduzieren (1. September 2011)
  • Ja zur guten Schule Baselland: Betreuung der Schüler/-innen optimieren (1. September 2011)
  • Ja zur Weiterführung der zweijährigen Berufsvorbereitenden Schule BVS 2 (09. Februar 2012)
  • Ja zu fachlich kompetent ausgebildeten Lehrpersonen (27. Februar 2014)
  • Ja zum Austritt aus dem überteuerten und gescheiterten Harmos-Konkordat (27. Februar 2014)
  • Ja zu den Fächern Geschichte, Geografie, Biologie, Physik und Chemie (25. Juni 2015)
  • Stopp dem Verheizen von Schüler/-innen: Ausstieg aus dem gescheiterten Passepartout-Fremdsprachenprojekt (15. Oktober 2015)
  • Stopp der Überforderung von Schüler/-innen: Eine Fremdsprache auf der Primar genügt (15. Oktober 2015
  • Ja zu Lehrplänen mit klar definierten Stoffinhalten und Themen (7. Juli 2016)
  • Ja zu einer pädagogisch sinnvollen Stundentafel (22. Juni 2017)
  • Die gigantische und unerfüllbare Anzahl von 3'500 Kompetenzbeschreibungen in den Lehrplänen auf ein vernünftiges Mass reduzieren (27. September 2018)
  • Passepartout-Lehrmittel Mille feuilles, Clin d’œil und New World durch gute Schulbücher ersetzen (27. September 2018)

In letzter Zeit zeigt sich Erfreuliches. So hat der Landrat der SSbB-Initiative «Ausstieg aus den Passepartout-Lehrmitteln» zugestimmt. Deren Annahme durch den Landrat bedeutet, dass die Bildungsdirektion eine Gesetzesvorlage ausarbeiten muss, mit welcher diese Initiative umgesetzt werden kann, wobei die Bildungsdirektion einen gewissen Spielraum hat. Dieser Spielraum zeigt sich in der bereits erwähnten «beschränkten Lehrmittelfreiheit». Diese Entwicklung wiederum führte aktuell dazu, dass die Starke Schule sich bewusst dazu entschieden hat, mit der Einreichung ihrer letzten Initiative "Mille feuilles, Clin d'oeil und New World durch gute Schulbücher ersetzen" zuzuwarten. Es scheint, als bewege sich der Apparat BKSD langsam aber sicher in die richtige Richtung. Doch es gilt, weiterhin wachsam zu bleiben!

Man kann sich auch fragen, worauf die politischen Erfolge der Starken Schule beruhen. Nebst dem unermüdlichen Einsatz von Geschäftsleitung und Vorstand ist dies vor allem der Vereinskonstellation zu verdanken. Die Starke Schule beider Basel ist ein Mitte-Links-Komitee, dem es gelungen ist, die Linke zu spalten bzw. ideologisch aufzuweichen und zusammen mit den Mitteparteien und den Bürgerlichen immer wieder Allianzen und Mehrheiten im Parlament zu bilden. Das überzeugt auch die Stimmbürgerinnen und -bürger.

Der Starken Schule wird immer wieder mal vorgeworfen, sie bombardiere die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger andauernd mit neuen Initiativen – die Bildungslandschaft käme so nie zur Ruhe.

Falsch! Die Initiativen der SSbB sind durchs Band Reaktionen auf den nicht enden wollenden Feldzug des nimmersatten Reformgoliath, der die schweizerische und damit auch die basellandschaftliche Bildungslandschaft ständig von neuem umpflügt. Dass diese Reformbemühungen in einer Sackgasse enden, ist mehr als abzusehen – der kürzlich national erhobene Bildungsvergleich spricht diesbezüglich eine deutliche Sprache. Genau so deutlich äussern sich die Abnehmeretagen der Volksschulabgängerinnen und -abgänger. Ohne den ständig aufrechtzuerhaltenden Druck zur Kurskorrektur - z. B. seitens der Starken Schule - wäre das Fiasko mehr als programmiert. Die Starke Schule beider Basel leistete und leistet in dieser Hinsicht wertvolle Arbeit – Seven Years Of Fight!

Danke!
Daniel Vuilliomenet, Sekundarlehrer

 
 

Mehr Fairness an den Schulen

An vielen Schulen ist das Verhältnis zwischen Lehrkräften, Schulleitungen und Schulbehörden konfliktbelastet. Dies zeigen Medienberichte von Lehrer-Massenkündigungen aus verschiedenen Kantonen. Ein aktueller Bericht des Kantons Thurgau listet verschiedene Schwachstellen auf und empfiehlt den Schulleitern, den Lehrern «den nötigen Respekt entgegenzubringen». Insbesondere sei bei Organisationsanpassungen «ein ausreichender Einbezug der Lehrpersonen sicherzustellen».

Diese Rüge aus dem Thurgauer Erziehungsdepartement lässt aufhorchen. Bisher konnten sich die Schulleiter auf die Rückendeckung der lokalen und kantonalen Behörden verlassen. Doch hier muss ein Umdenken stattfinden. Die Schweizer Volksschule lebt von der aktiven und kritischen Begleitung durch die Lehrpersonen. Diese darf weder von beflissenen Schulleitungen noch von der Schulbehörde eingeschränkt oder abgewürgt werden.

Es geht nicht darum, schlechte Lehrpersonen zu schützen. Es gehört zu den Führungsaufgaben der Schulleitung, schwachen oder ungeeigneten Lehrpersonen Alternativen aufzuzeigen. In der Zusammenarbeit zwischen den an der Schule Beteiligten muss aber mehr Fairness geübt werden. Insbesondere sollen sich die involvierten Personen an folgende vier Grundsätze halten:

  1. Die Methodenfreiheit muss garantiert sein. Auch mit dem Lehrplan ist grundsätzlich die Methodenfreiheit gewährleistet. Diese sorgt dafür, dass die örtlichen Verhältnisse (Schülerstruktur, Klassengrössen, Zusammensetzung des Lehrkörpers) in bester Weise berücksichtigt werden können. Das Prinzip der Methodenfreiheit gilt es deshalb hochzuhalten.
  2. Reformen müssen mit dem Lehrerteam zusammen angepackt und nicht top-down verordnet werden. Willkürliche Massnahmen, insbesondere mit Kündigungsandrohung, haben in einem pädagogisch geprägten Umfeld nichts zu suchen und wirken sich nachteilig auf die Schulqualität aus.
  3. Widerspruch kann heilsam sein. An vielen Schulen wird es den Lehrpersonen untersagt, Anordnungen der Schulleitung oder der Schulbehörden zu kritisieren. So dürfen sich die Unterrichtenden nicht äussern zu pädagogisch relevanten Fragen. Das Resultat davon ist ein Klima der Angst und der Heuchelei. Entsprechende, auch von den kantonalen Ämtern gebilligte Maulkörbe, gehören abgeschafft und sind der demokratisch legitimierten Schweizer Volksschule unwürdig.
  4. Die Schulbehörden sind neutral. Oft können die Schulleitungen auf die blinde und fast bedingungslose Unterstützung der politischen Behörde, die sie gewählt hat, zählen. Die Schulbehörden sind zu verpflichten, bei Konflikten die Grundsätze der Neutralität und Unabhängigkeit zu beachten - zum Wohl der Schule. 
Urs Kalberer
 
 

Was ist los mit unserem Geschichtsunterricht?

Haben Sie lebendige Erinnerungen an Ihren Geschichtsunterricht in der Volksschule? Wenn ja, dann dürften packende Erzählungen und anregende Klassengespräche wohl eine wichtige Rolle gespielt haben. Wenn nein, dann besuchten Sie vermutlich bei einem Langweiler den Geschichtsunterricht.

Nur noch ein Restprogramm eines geschichtlichen Basiswissens
Wenn man auf die aktuelle Situation des Geschichtsunterrichts blickt, so stellt man fest, dass das Fach in den letzten Jahren stark an den Rand gedrängt wurde. Die Lektionenzahl wurde teils bis auf eine Wochenlektion reduziert und das Fach selber ist versteckt in einem Konglomerat aus mehreren Fächern. Die meisten Lehrpersonen beklagen sich zu recht, dass für einen vernünftigen stofflichen Aufbau schlichtweg die Zeit fehle. Der zweite Grund für eine Distanzierung vieler Lehrpersonen gegenüber dem Fach ist eine tiefe Verunsicherung, die durch grundlegend neue Ansätze in der Geschichtsdidaktik ausgelöst wurde. Dabei bleibt die wichtige Frage, wieweit geschichtliche Inhalte noch verbindlich sind und welche Rolle der erzählerischen Gestaltungkraft der Lehrperson zukommt, trotz verschiedener Hinweise im neuen Lehrplan weiterhin in der Schwebe.

Die Abwertung des Geschichtsunterricht durch fehlende Zeitgefässe bei gleichzeitiger Austauschbarkeit wesentlicher Inhalte ist offensichtlich. Da es von der Zielsetzung des neuen Lehrplans her primär auf das Vermitteln von geschichtlich relevanten Kompetenzen geht, glaubt man, durch kluges Auswählen aus einer Vielfalt von Inhalten den Mangel des seriösen Aufbaus kompensieren zu können. Die Lehrpersonen sind bei diesem unübersichtlichen Selbstbedienungsbuffet nicht zu beneiden. Wie sollen denn die Schüler eine Kontinuität geschichtlicher Abläufe erkennen, wenn zu viel zusammengestrichen werden muss? Eine Geschichtsdidaktik, die glaubt, auf einen Grossteil geschichtlichen Grundwissens verzichten zu können, wird beim Vermitteln der Kompetenzen so immer wieder mit unvermeidlichen Lücken zu kämpfen haben.

Wenig beliebte Schweizer Geschichte
In der Sekundarschule benötigt man bei schülergerechtem Lerntempo für eine nur in exemplarischen Schwerpunktthemen vermittelte Geschichte Europas von den Entdeckungen im 15. Jahrhundert bis zur aktuellen Globalisierung rund zwei Wochenlektionen während dreier Jahre. Es erstaunt deshalb nicht, dass Themen aus der Schweizer Geschichte am ehesten vernachlässigt werden, da sie als besonders heikel gelten. Kritisch denkende Lehrkräfte möchten sich nicht unnötig dem Stallgeruch eines selbstgefälligen Nationalstolzes aussetzen. Viele Lehrpersonen beschränken sich in der Schweizer Geschichte deshalb auf Kapitel, die ihnen gerade naheliegen oder machen gar einen Bogen um wesentliche historische Epochen. Doch diese Haltung darf keine Entschuldigung dafür sein, unserer Jugend das Werden der modernen Schweiz vorzuenthalten.

Akademisch konzipierte Geschichtsdidaktik
Die Stoffauswahl ist das eine, das lebendige Vermitteln historischen Geschehens das andere. In der Geschichtsdidaktik wird den Lehrpersonen nahegelegt, geschichtliche Erzählungen als Ergänzungen zu sehen und den Schülern einen breiten Zugang zur Vergangenheit durch die Auseinandersetzung mit geschichtlichen Quellentexten zu öffnen. Die neue Geschichtsdidaktik geht oft von einem reichen Vorwissen aus, das nicht vorhanden ist und neigt zu akademischen Fragestellungen, die viele überfordern. Wer mit Lehrerinnen und Lehrern spricht, stellt fest, dass ein weitgehender Verzicht auf direkte Instruktion zugunsten von Erkenntnissen aus selbsterarbeiteten Lernprogrammen zeitraubend und für viele Jugendliche zu wenig motivierend ist.

Die Geprellten bei dieser umstrittenen Konzeption des Geschichtsunterrichts sind unsere Schülerinnen und Schüler. Ihr Hunger nach anschaulichen Schilderungen lässt sich kaum mit individualisierten Aufträgen zu seitenlangen Dokumenten und Serien von Arbeitsblättern ausreichend stillen.

Ermutigung zum spannenden Erzählen
Der neue Trend in der Fachdidaktik hat seinen Preis. Statt angehende Lehrpersonen in faktenorientierter Erzählkunst zu fördern und zu ermutigen, setzt man in erster Linie auf anspruchsvolle Konzepte zur Selbsttätigkeit der Schüler. Nichts gegen neue Wege mit optimalen Zugängen zum altersgerechten Forschen, aber die Förderung des entdeckenden Lernens darf nicht mit einem Abbau des narrativen Unterrichts erkauft werden.

Die Vorbereitung einer narrativen Lektionsreihe mit einer didaktisch aufbereiteten Fortsetzungsgeschichte für einen dialogischen Unterricht ist aufwändig. Die meisten Lehrpersonen wären deshalb froh um kommentierte Folienfolgen für bildgestütztes Erzählen und prägnante Hintergrundinformationen zum gewählten Thema. Da sich die Fachdidaktik dafür aber nur begrenzt zuständig sieht, muss man sich nicht wundern, wenn viele Lehrpersonen sich ein erfolgreiches Einarbeiten in die Erzählkunst gar nicht mehr zutrauen.

Lebendiger Geschichtsunterricht ist sprachbildend
Doch der Aufwand würde sich vielfältig lohnen.Lebendiger Geschichtsunterricht ist sprachbildend, sofern dem Erzählerischen wirklich Raum gegeben wird. Kinder und Jugendliche sind voll aufnahmefähig, wenn sie während farbiger Schilderungen ein Sprachbad im dramatischen Geschehen nehmen können. In narrativen Geschichtslektionen entstehen innere Bilder und Vorstellungen von prägender Kraft, welche die Basis für solide Analysen bilden. Daraus entwickeln sich als erwünschte Nebenwirkungen geschichtliche Kompetenzen und eine nicht zu unterschätzende Ausweitung des sprachlichen Horizonts.

Schweizer Geschichte im europäischen Kontext sehen
Kaum eine kultivierte Nation würde es akzeptieren, wenn die landeseigene Geschichte im Unterricht hinten angestellt würde. Doch wir schaffen das. Viele Lehrpersonen gehen davon aus, dass die neuere Schweizer Geschichte nicht viel Aufregendes zu bieten habe, wenn man abseits der bekannten Mythen kritisch darüber berichte. Doch diese Befürchtung ist fehl am Platz. Die neuere Schweizer Geschichte ist eine Fundgrube für spannende und erhellende Auseinandersetzungen. Wenn relevante Themen geschickt vor dem Hintergrund des europäischen Donnerrollens geschildert werden, erkennen die Schüler meist die grossen Zusammenhänge von Entwicklungen und gleichzeitig die Besonderheiten des Schweizer Wegs.

Reicher Stoff für narratives Gestalten
Das Eintauchen ins historische Geschehen gelingt am besten, wenn Lehrpersonen die Fähigkeit entwickelt haben, im Lektionskonzept Spannungslinien aufzubauen und die dramatischen Verstrickungen wieder aufzulösen. Die Schüler merken bald, dass unsere Historie keine verstaubte Angelegenheit ist. Doch es gilt, die richtigen Themen auszuwählen. Der Landesstreik liegt schon gut hundert Jahre Zeit zurück. Aber die Dramatik des scharfen Gegensatzes zwischen dem aufgeschreckten Bürgertum und der wütenden Arbeiterschaft ist ein Stoff, aus dem sich Geschichte gestalten lässt. Die sich überschlagenden Ereignisse vom November 1918 und die nachfolgenden Jahre sind Musterbeispiele für historisches Geschehen, welches letztlich grosse gesellschaftliche Veränderungen in unserem Land ausgelöst hat.

Faktenorientierte Erzählkunst fördert Urteilskraft
Schweizer Geschichtsunterricht soll auch Verständnis für den Zeitgeist einer Epoche schaffen. Dieser kann durchaus von den Wertvorstellungen unserer Tage abweichen und etwas irritieren. Die Zeit des Zweiten Weltkriegs bietet attraktiven Stoff, um die Situation eines Kleinstaats im Ring feindlicher Grossmächte schildern zu können. Die Abgrenzung gegenüber dem Nazitum, der Wille unserer Bevölkerung zum Überleben und die Reduit-Strategie von General Guisan stossen bei Jugendlichen auf grosses Interesse. Unverantwortlich wäre es hingegen, wenn kritische Fragen zur restriktiven Flüchtlingspolitik oder zu unserer wirtschaftlichen Abhängigkeit von den Achsenmächten ausgeklammert würden. Die Jugendlichen haben ein Recht darauf, auch die unschönen Seiten unserer Vergangenheit kennen zu lernen. Meist entstehen gehaltvolle Klassengespräche mit differenzierten Urteilen, wenn Licht und Schatten menschlichen Verhaltens in schweren Zeiten faktengetreu zur Sprache gekommen sind.

Über Meilensteine unserer jüngsten Geschichte im Bild sein
In vielen Klassen wird die neue Schweizer Geschichte spätestens mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs abgeschlossen. Doch die Zeit nach 1945 ist für eine Reihe politischer Weichenstellungen von grosser Bedeutung. Je näher wir ans 21. Jahrhundert kommen, desto deutlicher ist der Atem der aktuellen Politik zu spüren. Zudem bestehen mehr Möglichkeiten, um die Wirklichkeit der Geschichte erlebbar zu machen. Zeitzeugen können befragt werden und ausgewählte Film- und Tondokumente helfen mit den Unterricht zu bereichern. Es gehört zum Basiswissen, dass die Schüler am Ende der Oberstufe über den Kampf ums Frauenstimmrecht sowie generell über unsere Grundstimmung während des Kalten Krieges im Bild sind. Aber all das Wissen bekommt erst seinen Wert, wenn dahinter lebendige Bilder und wesentliche historische Erkenntnisse stehen.

Eine lebendige Demokratie setzt voraus, dass die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger über ein solides geschichtliches Grundlagenwissen verfügen. Dieses wird für die meisten weitgehend abschliessend in der Volksschule vermittelt. Wenn unserer Jugend ein magerer Geschichtsunterricht vorgesetzt wird, darf uns das nicht länger egal sein.

Hanspeter Amstutz, erschienen am 2. Juli in der NZZ
 

Schwarze Liste für Lehrpersonen

Seit 2004 führt die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren eine «Schwarze Liste», auf welcher Lehrpersonen aufgelistet werden, die in den jeweiligen Kantonen ihre Unterrichtsberechtigung verloren haben – sei es durch psychische Krankheiten, Drogenproblemen oder wegen Sexualdelikten. Die Kantone müssen alle Pädagoginnen und Pädagogen melden, denen in einem rechtskräftigen Verfahren die Unterrichtsbefugnis entzogen wurde. Obwohl es diese Meldepflicht gibt, machen nicht alle Kantone mit. Dies zeigt nun auch das Beispiel eines Basler Sekundarlehrers, der sich im Internet unter falschem Decknamen das Vertrauen von Kindern erschlich und ihnen freizügige Bilder im Gegenzug von Nacktbildern und pornografischen Videos versprach. Das Strafgericht Basel-Stadt verurteilte den Mann wegen sexueller Handlungen mit Kindern und illegaler Pornografie. Mit seiner Masche lockte er fast 200 Buben in die Falle und erhielt dadurch eine Freiheitsstrafe von drei Jahren, eines davon unbedingt. Trotz dieses Delikts steht sein Name nicht auf der angesprochenen Schwarzen Liste.

Nicht nur in Basel-Stadt, sondern auch im Tessin und in der Waadt gab es Fälle, bei denen die Lehrpersonen nicht gemeldet wurden: In diesen Kantonen fehlt eine gesetzliche Grundlage, um sich an der Schwarzen Liste zu beteiligen. Im Tessin will man auch weiterhin auf die Meldungen verzichten. Laut der dortigen Erziehungsdirektorin werden bei Bewerbungen immer ein Strafregisterauszug und ein Sonderprivatauszug, der Auskunft über bestehende Berufsverbote gibt, verlangt. Ausserdem müssen Anwärter belegen, dass sie keine Verfahren gegen sich laufen haben. Diese Instrumente erfüllten laut Tessiner Bildungsdirektorin denselben Zweck wie die Schwarze Liste.

In der nachfolgenden Graphik ist ersichtlich, wie viele Pädagoginnen und Pädagogen von jedem Kanton in der Schwarzen Liste eingetragen sind. Während Zürich mit 34 eingetragenen Personen Spitzenreiter ist, sind es in den beiden Basler Halbkantonen Null.
 

 
Ein wesentlicher Vorteil der Schwarzen Liste ist, dass sie sich nicht auf bestimme Strafrechtsurteile beschränkt, sondern auch Entzüge wegen Suchtkrankheiten oder Drogendelikten umfasst. Ausserdem können die Kantone auch schon während des noch laufenden Strafverfahrens die Unterrichtsberechtigung zumindest provisorisch entziehen. Trotzdem bietet die Schwarze Liste natürlich keine Garantie. So nämlich beim Basler Lehrer, der nun in Basel-Stadt zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Als die Staatsanwaltschaft 2014 ein Verfahren gegen ihn eröffnete und dies den Behörden im Kanton Basel-Landschaft meldete, wo die Person bis 2013 unterrichtet hatte, wurde er nicht auf die Liste getragen. Danach arbeitete er im Kanton Aargau, jedoch nur als Aushilfe im Sekretariat, wo er zwei Herbstlager der Kinder begleitete. Von den Vorwürfen erfuhr man erst 2018, teilte die Schule während des Prozesses mit. Da er nicht als Lehrer tätig gewesen sei, wurde er auch jetzt nicht auf die Schwarze Liste gesetzt.

Somit bleibt die Gefahr, dass selbst verurteile Straftäter in anderen Kantonen an einer neuen Arbeitsstelle mit Jugendlichen zusammenarbeiten, obwohl eine Schwarze Liste für solche Fälle existieren würde. Die Starke Schule bittet alle Kantone, sich am Register zu beteiligen und die schwarze Liste zu berücksichtigen.

Saskia Olsson, Vorstand Starke Schule
 
 

Gigantische Anzahl Kompetenz-beschreibungen reduzieren

Der neue Lehrplan Volksschule Baselland, mit welchem seit dem Schuljahr 2018/19 an den Sekundarschulen gearbeitet wird, ist nicht zielführend: Er ist unübersichtlich, schwammig formuliert und deutlich zu umfangreich. Bedenklich ist zudem, dass ein wesentlicher Teil des Lehrplans vom Amt für Volksschulen (AVS) in Eigenregie mit dem Ziel formuliert wurde, den selbstorganisierten und konstruktivistischen Unterricht in den Klassenzimmern zu manifestieren. Fachexpertinnen und -experten wurden nicht oder lediglich als Marionetten eingebunden, welche den Lehrplan faktisch nur noch absegnen durften.

Der Lehrplan Volksschule Baselland der Primar- und Sekundarstufe 1 besteht aus zwei Teilen: einerseits aus der gigantischen Anzahl von 3'536 Kompetenzbeschreibungen, andererseits aus Stoffinhalten und Themen mit Jahreszielen, differenziert ausgerichtet auf die drei Leistungsniveaus A, E und P. Beide Teile sind enorm umfangreich und haben einen sehr hohen Detaillierungsgrad, was den Lehrplan Volksschule Baselland unübersichtlich und für die Lehrpersonen faktisch unbrauchbar macht. Gleichzeitig ist auch der Lehrplanteil mit den Stoffinhalten und Themen in Form von Kompetenzbeschreibungen verklausuliert. Der Bildungsrat hat den Lehrplan Volksschule Baselland denn auch nur provisorisch für 3 Jahre eingeführt, damit dieser in der Zeit überarbeitet und verbessert werden kann.

 Fach (Primar- und Sekundarstufe 1)
 Anzahl Kompetenz-beschreibungen
 Deutsch  502
 Französisch  250
 Englisch  250
 Italienisch  192
 Latein  151
 Mathematik  452
 Natur, Mensch, Gesellschaft
 411
 Biologie, Chemie, Physik
 154
 Hauswirtschaft  80
 Geografie, Geschichte
 127
 Ethik, Religion, Gemeinschaft
 86
 Bildnerisches Gestalten
 166
 Textiles und technisches Gestalten
 154
 Musik  207
 Bewegung und Sport
 244
 Medien und Informatik
 75
 Berufliche Orientierung
 35
 Total  3'536

Diese gigantische und unerfüllbare Anzahl in den Lehrplänen der Volksschule sollte auf ein vernünftiges Mass reduziert werden, zumal viele Kompetenzbeschreibungen akademisch anmuten und damit stufenfremd formuliert sind. Hier einige Beispiele aus den Fachbereichen Deutsch, Englisch, Geschichte und Mathematik:

  • Die Schülerinnen und Schüler können ihr Verständnis eines Redebeitrags mit Bezug auf das Gehörte begründen.
  • Die Schülerinnen und Schüler können die Bedeutung von Rechtschreiberegeln reflektieren.
  • Die Schülerinnen und Schüler können Erfahrungen mit den Begriffen: Futur und Plusquamperfekt; vier Fälle; Nominativ, Akkusativ, Dativ und Genitiv sammeln.
  • Die Schülerinnen und Schüler können sich darauf einlassen, immer wieder neue Bilderbücher, Hörbücher, Hörspiele, Filme anzuschauen, zu lesen und darüber zu sprechen.
  • Die Schülerinnen und Schüler können ihr Hörverhalten und Hörinteresse reflektieren.
  • Die Schülerinnen und Schüler können beim Vortragen Texte gestalten und eine ästhetische Wirkung erzielen.
  • Die Schülerinnen und Schüler können Geschichte zur Bildung und Unterhaltung nutzen.
  • Die Schülerinnen und Schüler können erklären wie Geschichte ihr Leben beeinflusst hat und worin für sie selber der Nutzen der Beschäftigung mit Geschichte liegt.
  • Die Schülerinnen und Schüler sind bereit, sich mit unbekannten Fragestellungen zu Kombinatorik und Wahrscheinlichkeit auseinanderzusetzen.

Aufgrund dieser immensen Quantität an Kompetenzbeschreibungen und der teilweise schwer verständlichen, wenig aussagekräftigen Formulierungen mit einem grossen Interpretationsspielraum, bekunden viele Lehrpersonen erhebliche Mühe, sich einen Überblick zu verschaffen. Viele Kompetenzbeschreibungen sind zudem so schwammig formuliert, dass damit die Leistungen der Schüler/-innen gar nicht objektiv überprüfbar und bewertbar sind.

Die Starke Schule hat reagiert und reicht am 24. Juni die formulierte Initiative «Die gigantische und unerfüllbare Anzahl von 3'500 Kompetenzbeschreibungen in den Lehrplänen auf ein vernünftiges Mass reduzieren» ein, um den kompetenzorientierten Lehrplanteil umsetzbar zu machen.

Die Starke Schule lehnt umsetzbare und überprüfbare Kompetenzbeschreibungen nicht grundsätzlich ab, jedoch sollten sie im Lehrplan in einem vernünftigen und erfüllbaren Mass sowie in einer klareren Sprache aufgeführt werden, damit die Lehrpersonen diese bewältigen und zielführend einsetzen können. Erhaltene Rückmeldungen aus Sekundarschulen bestätigen: Die Lehrpersonen verwenden die reinen Kompetenzbeschreibungen nahezu gar nicht. Selbst der Teil Stoffinhalte und Themen wird aufgrund des hohen Detaillierungsgrad nur punktuell berücksichtigt. Der Lehrplan der 1. Klasse der Sekundarstufe I umfasst beispielsweise für das Fach Mathematik 10 Seiten, für das Fach Deutsch 9 Seiten. Dieser übertriebene Umfang ist nicht zweckmässig.

Die Starke Schule ist überzeugt, dass die gigantische Anzahl von Kompetenzbeschreibungen in beiden Teilen des Lehrplans das Erreichen der Lernziele erschwert und deshalb stark reduziert und aufs Wesentliche beschränkt werden muss.

Alina Isler, Vorstand Starke Schule