Starke Schule beider Basel

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3 x Ja

Am 10. Juni können die Stimmberechtigten über drei wesentliche Änderungen im Bildungsbereich abstimmen. Lesen Sie hier mehr.
 

News

  • Samstag, Mai 19, 2018

    Veranstaltungshinweis

    Am Dienstag, 22. Mai 2018 (18.30 - 20.00) findet im Landratssaal in Liestal eine interessante von der FDP Baselland organisierte Podiumsdiskussion zur Abstimmungsvorlage vom 10. Juni statt "Bildungsrat ersetzen durch einen Beirat Bildung". Alle Interessierte sind herzlich eingeladen.

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  • Sonntag, Mai 06, 2018

    Verlosung

    Gratis Eintritt für die Ausstellung "Unter Strom" zur Geschichte der Schweizer Elektromobilität zu gewinnen.

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Leserbrief

Pure Überforderung

Was macht es für einen Sinn, dass Primarschüler/innen vier Jahre Frühfranzösisch und zwei Jahre Frühenglisch mit einem minimalen Quantum an Wochenlektionen absolvieren? Viele Kinder schlagen sich erst einmal mit dem Erwerb der deutschen Sprache rum, wobei die geschrumpften Wochenlektionen kaum eine solide Grundlage für später bieten – geschweige denn für den Fremdsprachenerwerb. Für etliche Schüler/innen stellt Deutsch sogar eine zusätzliche Fremdsprache dar. Und der Clou an der Sache? An der Sekundarschule müssen zahllose Sprachlehrer/innen wieder bei null anfangen, weil kaum auf einem sprachlichen Fundament aufgebaut werden kann. Deshalb JA zur Initiative „Nur eine Fremdsprache auf der Primarstufe“.

Kathrin Schaltenbrand-Kovacs, Allschwil
 

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Gastbeitrag Alina Isler

Bildungsrat versus Stimmvolk

Riesen-Aufwand für 3500 Kompetenzen

Der Umbau der Schullandschaft soll im Kanton Baselland offenbar gegen den Willen des Landrats und den des Stimmvolks durchgesetzt werden. Zwei Beispiele dafür: Nachdem sich das Baselbieter Stimmvolk gegen die vom Bildungsrat beschlossenen Sammelfächer ausspricht, will dieser wöchentliche Einstundenfächer einführen. Da solche in der Praxis nicht umsetzbar sind, käme es über Fächerzusammenlegungen zwangsläufig doch zu Sammelfächern. Dafür notwendige Weiterbildungen für die Lehrpersonen wären allerdings nicht zu finanzieren, was einem Bildungsabbau gleichkäme. Es muss folglich eine Motion eingereicht und eine Initiative lanciert werden, um den Bildungsrat zum Einlenken zu bewegen. Die nächste schulpolitische Initiative verlangt unter anderem die Reduktion der vom Bildungsrat favorisierten 3500 Kompetenzen auf eine praxistaugliche Anzahl, die Nennung von Themen, Stoff- und Jahreszielen sowie nach Niveaus differenzierten Unterricht. Da der Regierungsrat mit seinem Gegenvorschlag über die Forderungen des Initiativkomitees hinausgeht, zieht dieses seine Initiative zurück. Anschliessend informieren zwei Angestellte des kantonalen Amts für Volksschulen (AVS) die Lehrerkollegien praktisch ausschliesslich über die Kompetenzorientierung, als gäbe es im Baselbieter Lehrplan weder niveaudifferenzierte Stoff- noch Jahresziele. Den regierungsrätlichen Gegenvorschlag ignorierend, nutzte der Bildungsrat offenbar den Umstand, dass die Initianten in ihrem Initiativtext keine explizite Höchstgrenze erwähnten. Er hält somit an seinen 3500 Kompetenzen fest und versucht damit Stoffinhalte und Themen zu marginalisieren.

Teure Weiterbildungen

Nichts spricht prinzipiell gegen Kompetenzen, im Gegenteil. Fähigkeiten waren schon immer die Folge von gutem Unterricht. Der ausschliessliche Fokus auf Kompetenzen verkehrt allerdings Ursache und Wirkung und ist somit zwangsläufig verbunden mit der Vernachlässigung des Unterrichts. Dies führt zu einem klassischen Paradoxon. In der Praxis bringt die Fokussierung auf 3500 Kompetenzen nämlich einen nicht zu bewältigenden Aufwand mit sich, schon nur bei der Durchführung von Prüfungen und deren Auswertung. Man rechne: 3500 Kompetenzen verteilt auf zwölf Fächer und neun Schuljahre, ergeben rund 32 Kompetenzen pro Fach und Jahr. Bei beispielsweise jährlich acht Prüfungen sind dies vier zu prüfende Kompetenzen pro Test. Multipliziert mit 22 Lernenden, sind wir bei 88 Kompetenzen pro Test und Klasse. Hochgerechnet auf das ganze Jahr ergeben sich bei acht Prüfungen 704 Kompetenzbewertungen pro Klasse; bei fünf Klassen also 3520, wobei dann jede Kompetenz in neun Jahren jeweils nur einmal geprüft wurde. Um eine Entwicklung der Fähigkeiten nachzuzeichnen, sollten sie immerhin drei- bis viermal getestet werden, wodurch die Lehrkraft schnell rund 10 000 bis 14 000 Kompetenzbewertungen zu bewältigen hätte.

Letzten Endes geht diese absurde Bewertungshysterie zulasten des Unterrichts. Darunter leidet dann paradoxerweise auch die Kompetenz der Lernenden. Überdies geht eine derartig überstrapazierte Kompetenzorientierung zwangsläufig einher mit teuren Weiterbildungen und fortwährenden Evaluationen. Die Fachhochschulen und privatwirtschaftliche Anbieter hocken bereits ungeduldig in ihren Startlöchern. Genau dies ist der springende Punkt.

Missachtung des Volkswillens

Mit seinem Versuch, Sammelfächer und eine in ihrem Ausmass paradoxe Kompetenzorientierung gegen den Willen des Landrats und der Stimmberechtigten durchzudrücken, stellt sich der Bildungsrat einmal mehr in den Dienst der Reformindustrie und damit gegen die Interessen der öffentlichen Schule. Damit missachtet er zusammen mit Verantwortungsträgern des AVS den Willen des Regierungs- beziehungsweise Landrats sowie den der Stimmbevölkerung.

Dass sich ein politisches Gremium gegen Entscheide des Souveräns stellen kann, widerspricht demokratischen Grundsätzen. Aufgrund der fehlenden Rechenschaftspflicht gegenüber Volk und Parlament wird auch ein neu besetzter Bildungsrat immer wieder Entscheide gegen die Interessen der öffentlichen Schule treffen können, die dann wiederum nur unter enormem Aufwand zu korrigieren sind. Abhilfe schafft hier die Ablösung des Laiengremiums Bildungsrat durch den professionellen Beirat Bildung. Die diesem Organ angehörenden Fachleute sind einem guten öffentlichen Schulsystem verpflichtet. Sie entscheiden nicht abschliessend, sondern unterbreiten sachlich begründete Empfehlungen zuhanden des Regierungsrats. Sagen wir am 10. Juni Ja zur Schaffung des Beirats Bildung.

Gastbeitrag von Felix Hoffmann (Sekundarlehrer und wohnt in Himmelried), erschienen in der BaZ vom 8.05.2018
 

Bildungsrat – ein Fehlkonstrukt

In den vergangenen Jahren fällte der Bildungsrat verschiedene Entscheide, welche den Schulen geschadet haben und die mühsam korrigiert werden mussten. Dabei missachtete er nicht nur den Volkswillen, sondern auch den politischen Willen. Zwei Beispiele:

  • Der Bildungsrat bewilligte die Lehrmittel Mille feuilles, Clin d’Oeil und New World und hat damit die flächenmässige Einführung einer neuen Unterrichtsideologie beschlossen, die vom anerkannten pädagogischen Grundsatz wegkommt, die Schüler/-innen von einfachen zu schwierigen Anforderungen zu führen. Die Lehrmittel lösen bei Eltern und Kindern viel Frust und Verärgerung aus und werden von den Fremdsprachenlehrpersonen (Primar- und Sekundarstufe) heftig kritisiert.
  • Der Bildungsrat wollte den Lehrplan 21 in seiner ursprünglichen Form einführen, also mit den vom Volk deutlich verworfenen Sammelfächern, ohne Jahresziele und ohne differenzierte Anpassung auf die drei in Baselland bewährten Anforderungsniveaus A, E und P. Selbst nach dem klaren Volksentscheid, welcher die Festschreibung der Einzelfächer im Bildungsgesetz verankerte, suchte der Bildungsrat nach einem Schlupfloch. Er beschloss eine Stundentafel mit 1- und 1.5-stündigen Promotionsfächern, die ohne Sammelfächer praktisch nicht hätte umgesetzt werden können.

Der Bildungsrat besteht, entgegen der weit verbreiteten Meinung, aus zahlreichen Personen, die im Alltag nichts mit Bildung zu tun haben. Sie entscheiden, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, ohne ihre Entscheide je rechtfertigen zu müssen. Dadurch können Fehlentscheide entstehen, die erst spät erkannt werden. Das Problem ist die fehlende Verantwortung. Die Mitglieder des Bildungsrates müssen keine negativen Konsequenzen befürchten, wenn sie Fehlentscheide treffen.

Das entspricht nicht unseren demokratischen Prinzipien und schadete den Schulen in den letzten Jahren erheblich.

Ein Beirat Bildung, der mit ausgewiesenen Fachexperten besetzt ist, der die gleichen Aufgaben zu erledigen hätte, wie der heutige Bildungsrat, wird die Regierung fundiert und professionell beraten. Hat dieses Gremium Beirat Bildung keine abschliessende Entscheidungskompetenz, so muss es seine Analysen, Konzepte und Empfehlungen fachlich fundiert und überzeugend begründen. Sind diese Lösungen nicht mehrheits- und tragfähig, fliessen seine Empfehlungen nicht in die Entscheidungsprozesse ein. Unausgegorene Ideen und politisch motivierte Schnellschüsse hätten keine Chance umgesetzt zu werden.

Trifft der Beirat Bildung seine Empfehlungen mit deutlicher Mehrheit und fundiert begründet, so wird der Regierungsrat diese nur schwer übergehen können. Der Druck auf die Bildungsdirektion wäre politisch immens. Die happigen Fehlentscheide, welche sich der Bildungsrat in der Vergangenheit geleistet hat, hätte sich die Bildungsdirektorin mit einem Beirat Bildung nicht leisten können.

Regina Werthmüller, Vorstand Starke Schule
 

Ausser Spesen nichts gewesen

Fremdsprachen lernen, je früher desto besser, ist ein Mythos! Der Mythos entsteht durch die Tatsache, dass mehrsprachig aufwachsende Kinder eine Zweit-, ja selbst mehrere Sprachen intuitiv aufnehmen können. Dazu müssen jedoch drei Bedingungen erfüllt sein:

  1. Die Sprachen müssen im sozialen Umfeld dauernd und über lange Zeit gesprochen werden.
  2. Sie müssen in möglichst verschiedenem, motivierendem Kontext und ohne Leistungsdruck vermittelt werden.
  3. Die Kontaktpersonen müssen authentisch in ihrer Muttersprache (oder fast muttersprachlich) sprechen.

Sind diese Bedingungen erfüllt, nehmen die Kinder die Fremdsprache in ihrem Muttersprachen-Zentrum des Gehirns auf. Sie entwickeln ein Gefühl für die grammatikalischen Eigenheiten der Fremdsprache, sie "hören", ob ein Ausdruck richtig gebraucht wurde, ohne zu wissen, warum. Im Lektionenlernen wird die Sprache systematisch anders und in einem anderen Gehirnareal festgehalten.

In der Diskussion um die Frühsprachen werden muttersprachliches Lernen und Lektionenlernen nicht unterschieden. Lehrer, Eltern und Schüler erfahren nun dauernd, wie brutal unspielerisch in unserem Schulsystem der Fremdsprachenunterricht vermittelt werden muss. Nämlich in zwei Wochenlektionen, von Sprachkursabsolventen, unter Druck, da die Noten für die Promotionen und den Übertritt in die Oberstufe zählen. Damit wird verifiziert, was Hirnforscher und Sprachwissenschaftler längst wissen: Das Lektionenlernen besteht aus büffeln von Vokabeln, Grammatik, Satzstellungen und ist nicht spielerisch! Untersuchungen der Linguistin Simone Pfenninger haben zudem ergeben, dass für die Kinder, wenn in Lektionen gelehrt wird, gute Kenntnisse der Erstsprache entscheidend sind.

In der dritten Primarklasse sind sie noch nicht genug gefestigt in der Erstsprache. Auch Mathe kann man nicht begreifen, solange man sich in den Grundoperationen nicht auskennt.

Grammatikverständnis verlangt abstraktes Denkvermögen. Nach dem Psychologen Jean Piaget ist das Hirn von Kindern erst etwa nach dem zwölften Altersjahr genügend ausgebildet, um abstrakt denken zu können. Tests bestätigen: Die Grühsprachenvermittlung bringt ausser grossen Kosten nichts.

Sprachlehrer an der Kantonsschule bestätigen, Schüler, die ohne entsprechende Fremdsprachen-Vorkenntnis aus der Primarschule in die Oberstufe wechseln, haben nach ein paar Wochen die gleichen Kompetenzen, wie die Primarschüer nach jahrelangem Frühsprachenunterricht. Mit den solideren Kenntnissen in den Strukturen der Muttersprache und der weiter fortgeschrittenen Gehirnentwicklung holen die Schüler in ein paar Wochen auf, was den armen Primarschülern im Frühsprachenunterricht eingetrichtert wurde. Die Praxis zeigt mit jedem Jahr: Sind die Schüler älter, lernen sie effizienter und besser.

Der Frühsprachenunterricht hat weitere miese Konsequenzen. Die Schüler werden verheizt, da sie für die angewendete Methode nicht reif sind. Die Kompetenz in der Muttersprache leidet unter dem grossen Aufwand für die Erreichung der utopischen Ziele in den Fremdsprachen. Das ungenügende Ausdruck- und Textverständnis in der Erstsprache wirkt sich auf die übrigen Fächer negativ aus. Auf der Stecke bleiben die Schüler, die zu Hause eine weitere Erstsprache sprechen. Mehr technisch begabte Schüler scheitern an der Sprachhürde für den Eintritt in die Höheren Bildungsstätten. Sie sind ausfiltriert für die Mint-Fächer (Mathe, Informatik, Naturwissenschaft, Technik). Die Schweiz braucht viele Mint-Leute. Die Überbewertung der Sprachfächer als Voraussetzung für den Eintritt in eine höhere Schule ist extrem kontraproduktiv und am Bedürfnis der Wirtschaft vorbeiproduziert.

Nicht zu vergessen, die Tausenden von Aufgabenstunden, die vergossenen Tränen, die untergegangene Schulmotivation, die gestressten Eltern, alles wegen eines längst theoretisch und praktisch widerlegten Mythos, Fremdsprachen, je früher desto besser.

Marianne Manzanell (Quelle: Schule Schweiz Blog)
 
 

3'500 Kompetenzbeschreibungen im Lehrplan ist eine utopische Zahl

Im Juni 2018 entscheiden die Stimmbürger/-innen über eine wegweisende Änderung des Bildungsgesetzes. Darin soll ergänzt werden, dass die Stufenlehrpläne der Primar- und der Sekundarstufe 1 Stoffinhalte, Themen und Kompetenzbeschreibungen enthalten, und zwar für jedes Schuljahr sowie differenziert für jedes der drei Anforderungsniveaus. Der von der Bildungsdirektion ausgearbeitete Gesetzesvorschlag widerspiegelt die Wichtigkeit der Stoffinhalte und Themen, berücksichtigt richtigerweise aber auch, dass ein vernünftiges Mass an Kompetenzbeschreibungen Eingang in die Lehrpläne finden soll. Seit langem ist es beispielsweise nicht mehr opportun und wird an den Schulen auch nicht mehr verlangt, dass die Schüler/-innen sämtliche Flüsse der Schweiz mit ihren Nebenarmen lernen müssen und auf einer Karte einzeichnen können. Heute ist selbstverständlich, dass die Lernenden die Kompetenz erlangen sollen, Flüsse schnell finden und deren Verlauf beschreiben zu können, z.B. mit Hilfe eines Schweizer Weltatlasses. Das Erlangen von Fachwissen, Verständnis und Kompetenzen sind heute wichtige Bestandteile eines modernen Unterrichtes.

Sämtliche im Parlament vertretenen Parteien haben diese vorgeschlagenen Ergänzungen im Bildungsgesetz denn auch ausgesprochen positiv aufgenommen und im Landrat die entsprechende Vorlage befürwortet. Der vorliegende regierungsrätliche Vorschlag mit der beabsichtigten Ausgewogenheit von Stoffinhalten, Themen und Kompetenzbeschreibungen wird auch von der Starken Schule und allen Schulstufen, soweit Rückmeldungen eingetroffen sind, durchwegs positiv beurteilt.

Gleichwohl hat der Bildungsrat nun den neuen Lehrplan Volksschule Baselland mit sämtlichen 3‘500 Kompetenz- und Unterkompetenzbeschreibungen des Lehrplans 21 beschlossen. Diese Fülle von Kompetenzen ist gar nicht zu bewältigen.

Mit dem Beschluss, im Lehrplan Volksschule Baselland eine gar nicht umsetzbare Flut von Kompetenz- und Unterkompetenzbeschreibungen aufzunehmen, ignoriert der Bildungsrat die Rückmeldungen aus Fachkreisen und den politischen Willen. Der Landrat ist gefordert, auf Gesetzes-stufe sinnvolle Leitlinien zu setzen.

Wenn die am 22. März 2018 eingereichte Motion von Landrätin Regina Werthmüller vom Landrat überwiesen wird, muss der Regierungsrat eine neue Gesetzesvorlage ausarbeiten, welche folgenden Inhalt im Bildungsgesetz aufnimmt: Die Anzahl Kompetenz- und Unterkompetenzbeschreibungen soll im Lehrplan Volksschule Baselland auf zusammen insgesamt rund maximal 400 beschränkt und damit auf ein sinnvolles und für die Schulen umsetzbares Mass reduziert werden.

 


Sekundarschule (Niveau P)

Aus für Passepartout-Lehrmittel im Kanton Solothurn

Ein weiterer Dominostein fällt: Der Kanton Solothurn verzichtet auf die Passepartout-Lehrmittel im Niveau P der Sekundarschulen. In einem Schreiben vom 5. März 2018, welches der Starken Schule zugespielt wurde, informiert Regierungsrat Dr. Remo Ankli über eine entsprechende "Weisung":

Gestützt auf das Volksschulgesetz "wird verfügt:

  1. Auf die Einführung des Lehrmittelobligatoriums von "Clin d'oeil" und "New World" für die Sekundarschule P wird verzichtet (...)
  2. Für diejenigen Sek-P-Lehrpersonen, welche die Weiterbildung zur neuen Fremdsprachendidaktik noch nicht absolviert haben, entfällt die obligatorische Weiterbildung (...).
  3. Die Sek-P-Konferenz wird beauftragt, unter Einbezug der Fachschaften Französisch und Englisch beider Kantonsschulen und einer Vertretung der Lehrmittelkommission Vorschläge für maximal drei empfohlene Lehrmittel für die Sekundarschule P in den beiden Fremdsprachen zu Handen des Departements für Bildung und Kultur vorzulegen."

  Schreiben_Renkli

Im Kanton Solothurn hätten die Lehrmittel Clin d'oeil und New World auf das Schuljahr 2018/19 an den Sekundarschulen flächendeckend eingeführt werden sollen, nachdem diese mit ernüchterndem Resultat erprobt wurden: "Die Sprachkenntnisse reichen nicht als Unterbau für den gymnasialen Unterricht (konsequenter Sprachstrukturaufbau, Schulung der sprachlichen Korrektheit und Äusserungsqualität, verbindliche Grammatik, Alltagsvokabular, systematische und hohe Lernprogression) und die damit verbundene allgemeine Studierfähigkeit und Hochschulreife aus." schreibt Regierungsat Ankli. Und weiter: "Dies brachte die Erprobung der Lehrmittel durch die Universität Freiburg zutage. Für den Anschluss an die Maturitätsanforderungen braucht es aus Sicht der Lehrpersonen und dem Expertenbericht anspruchsvolleres und vertiefenderes Zusatzmaterial, um die Sprachstrukturen zu gewähren, zumal sich der Maturitätsabschluss primär an Schriftlichkeit und Sprachkorrektheit ausrichtet."

Der Kanton Solothurn kann sich derart unbrauchbare Lehrmittel, wie es die Passepartout-Lehrmittel sind, nicht leisten, weil die Sekundarschüler/-innen in Solothurn bereits nach zwei Jahren ans Gymnasium wechseln.

 

Medienmitteilung von Landräten aus 4 Fraktionen

Keine weiteren Steuergelder für Passepartout

Aufgrund der massiven Kritik seitens Eltern und Lehrpersonen und der sich auch wissenschaftlich immer mehr erhärtenden Untauglichkeit des dahinterstehenden Konzepts hat der Landrat am 8. Februar 2018 beschlossen, aus dem Fremdsprachenprojekt „Passepartout“ auszusteigen. Mit einer deutlichen Mehrheit hat er der nichtformulierten Volksinitiative „Stopp dem Verheizen von Schüler-Innen: Ausstieg aus dem gescheiterten Passepartout-Fremdsprachenprojekt“ zugestimmt. Diese verlangt, dass die didaktisch fragwürdige Unterrichtmethode, die sog. Mehrsprachigkeitsdidaktik, aus dem Lehrplan Baselland gestrichen und die Passepartout-spezifischen Lehrmittel Mille feuilles, Clin d‘oeil und New World im Unterricht nicht mehr eingesetzt werden dürfen.

Wir unterstützen den Fahrplan des Regierungsrates zur Umsetzung der Initiative. Dieser sieht vor, dass die Vernehmlassungsvorlage des RR z.H. des Landrats im Februar 2019 eingereicht wird. Das Volk kann somit spätestens im März 2020 darüber abstimmen.

Die Umfragen der Lehrerverbände in den Kantonen BE, SO und BL und die jüngsten Ergebnisse der in BL flächendeckend durchgeführten Hearings sprechen eine deutliche Sprache. Bei der überwiegenden Mehrheit der Fremdsprachenlehrpersonen und Eltern mit Kindern im schulpflichtigen Alter ist die Erleichterung gross, aus der Mehrsprachigkeitsdidaktik auszusteigen. Auch im Kanton Solothurn zeichnet sich ab, dass die Passepartout-Lehrmittel  in einem ersten Schritt an den progymnasialen Abteilungen der Sekundarstufe I nicht verwendet werden.

Angesichts dieser Tatsachen ist es nicht nachvollziehbar, dass die Passepartout-Fortbildungskurse für die Sekundarlehrer/-Innen im Kanton Baselland (s. MM der BKSD vom 8.3.18) fortgeführt werden sollen, auch wenn verschiedene Anpassungen angestrebt werden. Dieser Entscheid läuft dem jüngsten politischen Vorstoss zuwider, der heute im Landrat von Marc Schinzel und Mitunterzeichner/-innen eingereicht wurde. Der Vorstoss verlangt, dass keine weiteren Gelder für die gescheiterte Passepartout-Ideologie verschwendet werden dürfen.

Wir appellieren an die Verantwortung der Sekundarschulleitungen und fordern diese auf, ihre Sekundarlehrpersonen nicht länger mit Steuergeldern in teure Forbildungskurse zu schicken, in denen die sog. Mehrsprachigkeitsdidaktik vermittelt wird, die längst an der Macht des Faktischen gescheitert ist und spätestens ab Schuljahr 2020/21 in der Bedeutungslosigkeit versinken wird.

Für Rückfragen steht Ihnen Jürg Wiedemann und Marc Schinzel zur Verfügung.

Marc Schinzel (FDP), Jürg Wiedemann (Grüne-Unabhängige), Paul Wenger (SVP), Pascal Ryf (CVP), Philipp Loretz (LVB)

 

Wiederkehrende Schulreformen und ihre Ursachen

Das gescheiterte Fremdsprachenkonzept, Passepartout, steht stellvertretend für so viele unbedarft eingeführte Reformen im Bildungswesen. Die Ursachen dafür, dass es immer wieder zu solch teuren und schädlichen Leerläufen im Schulbereich kommt, sind vielschichtig und zugleich systemimmanent.

Über Schulreformen als Profilierungsmöglichkeit für die Politik wurde bereits ausgiebig geschrieben. So auch über den Wandel der öffentlichen Schule zum Absatzmarkt für die Produkte der mittlerweile florierenden Reformindustrie. Ebenfalls thematisiert wurden Schulreformen mit der Funktion eines Stellengenerators im Bereich der Schuladministration und der Fachhochschulen. Und auch der durch die OECD betriebene, aber demokratisch nicht legitimierte Umbau der öffentlichen Schule nach marktwirtschaftlichen Prinzipien wurde erläutert.Was allerdings schulinterne Ursachen betrifft, sind zunächst die Lehrenden in der Verantwortung. Einige unter ihnen beschreiten den Weg des geringsten Widerstandes, indem sie wider besseren Wissens versuchen, auch schädliche Reformen umzusetzen. Dabei ignorieren sie ihre eigene auf Unterrichtserfahrung fussende Expertise, um nicht auszuscheren und sich in der Folge vielleicht rechtfertigen zu müssen. Für die öffentliche Schule und deren Schülerschaft von Vorteil wäre in diesem Zusammengang mehr Zivilcourage. Reformen nämlich, ob gut oder schlecht, werden letztlich nicht in direktorialen Amts-, sondern in Schulstuben umgesetzt.

Der Zivilcourage abträglich sind freilich Verantwortungsträger, die sich mit Nachdruck in erster Linie als Vollstrecker bildungsministerialer Anregungen verstehen, ohne letztere kritisch zu hinterfragen. Besonders gewogen ist derlei Führungspersonal folglich den erfreulicherweise wenigen Lehrpersonen, die sich selbst der Durchsetzung nachteiliger Veränderungen andienen. Sie tun dies beispielsweise, indem sie sich als Kurskader in den Dienst der Verbreitung fragwürdiger Didaktiken innerhalb der Lehrerschaft stellen.

Die Motivation hierfür ist selten missionarischem Sendungsbewusstsein geschuldet. Denn der kollektiven Empfänglichkeit für reformerische Ideologien steht der bekanntlich ausgeprägte Individualismus des Lehrpersonals entgegen. Eher geht es den Betroffenen möglicherweise um den Versuch, der vielleicht als monoton empfundenen Unterrichtsroutine zu entfliehen, indem sie sich zur Abwechslung vorübergehend in der Erwachsenenbildung betätigen. Ein anderes Motiv besteht trotz Jahren des Unterrichtens womöglich auch im Wunsch nach eigener Profilierung.

Auf schuladministrativer Ebene zu bemängeln ist das Fehlen eines grundsätzlichen bzw. finanziellen Controllings. Passepartout beispielsweise wurde flächendeckend eingeführt ohne vorgängig evaluierte Pilotprojekte, also ohne relevante Erfahrungswerte. Allein im Kanton Baselland belaufen sich die Kosten dieser Ideologie auf bisher fast 13 Millionen. Anhand der Bevölkerungszahlen aller sechs Passepartout Kantone hochgerechnet, belaufen sich die Gesamtkosten somit auf weit über 100 Millionen. Diese Gelder sind definitiv in den Sand gesetzt, wie Unterrichtserfahrungen, diverse Austauschrunden, Eltern- und Schülerinnenfeedbacks, Evaluationen und Studien belegen. Hier wurdeGeld verschleudert von Leuten, die es nicht selbst verdienen mussten.

Auf exekutiver Ebene auffallend ist die umgekehrte Hierarchisierung der Entscheidungsprozesse. So hat ausgerechnet die Lehrerschaft mit ihrem Erfahrungspotential und Fachwissen keine Mitbestimmung beim Beschluss von Schulreformen. Die diesbezüglichen Entscheidungen fallen auf der Ebene der Erziehungsdirektionen. Diesen allerdings gehören grösstenteils Juristinnen oder Ökonomen an ohne nennenswerte Berührungspunkte mit dem täglichen Schulbetrieb. Hier wäre ein Ausbau partizipatorischer Möglichkeiten der Lehrerschaft dringend notwendig, um Fehlentwicklungen à la Passepartout künftig zu verhindern.

Doch so verheerend sich eine verfehlte Reform auf die Schulbildung unseres Nachwuchses auswirkt, zeitigt sie im Falle von Passepartout doch auch einen erfreulichen Effekt für das Baselbiet. Der bevorstehende Übungsabbruch, welcher der Beharrlichkeit der Starken Schule und vieler Lehrkräfte zu verdanken ist, verschafft unserem Kanton einen Standortvorteil; in dem Sinne notabene, dass hier bald wieder flächendeckend seriös und damit erfolgreich Fremdsprachen gelehrt und gelernt werden. Die anderen fünf Passepartout Kantone werden das Nachsehen haben, wenn sie nicht nachziehen.

Felix Hoffmann, Sekundarlehrer in Baselland
 
 

10. Juni 2018

Änderung Bildungsgesetz: 3 x JA

Nun ist es offiziell: Am 10. Juni stimmt das Baselbieter Stimmvolk über drei wichtige und wegbereitende Bildungsvorlagen ab. Die Starke Schule beider Basel wird mit einer deutlich sichtbaren "3 x JA"-Kampagne das Volk in den kommenden Wochen sensibilisieren.

  • Ja zu Lehrplänen mit klar definierten Jahreszielen und Stoffinhalten
    Der von der Regierung ausgearbeitete Gegenvorschlag zur Initiative "Ja zu Lehrplänen mit klar definierten Stoffinhalten und Themen" erfüllt wichtige Forderungen der Starken Schule. Mit ihm werden Jahresziele mit klar definierten Stoffinhalten umgesetzt, die differenziert auf die drei Leistungsprofile A, E und P ausgerichtet sind. Durch den optimal umgesetzten Gegenvorschlag konnte die Initiative erfreulicherweise als weitgehend erfüllt zurückgezogen werden.

  • Ja zur Initiative "Eine Fremdsprache auf der Primarstufe genügt"
    Obwohl durch das frühe Erlernen von Fremdsprachen kein nachhaltiger Spracherwerb einhergeht, lernen die Schulkinder im Kanton Baselland seit 2014 in der Primarschule sowohl Französisch als auch Englisch. Mit zwei Fremdsprachen auf der Primarstufe kommen andere wichtige Fächer - wie zum Beispiel Deutsch - zu kurz, was sich insbesondere deshalb negativ auswirkt, da viele Kinder schon mit der deutschen Sprache grosse Lernschwierigkeiten haben. Durch ausbleibende Lernerfolge werden die Kinder demotiviert, was die Frustration erhöht und sich auch auf das Klassenklima negativ auswirkt.

  • Ja zur Professionalisierung des Bildungsrates
    Der Bildungsrat entscheidet heute über wichtige bildungspolitische Themen alleine und abschliessend, ohne darüber Rechenschaft ablegen oder seine Entscheidungen begründen zu müssen.  Viele der störenden und unsinnigen Bildungsreformen - wie z.B. das Passepartout Fremdsprachenkonzept oder die Sammelfächer - wollte er gegen den Volkswillen einführen. Es macht Sinn dieses Gremium zu professionalisieren und aus dem Bildungsrat einen Beirat Bildung zu formen, der die Regierung fundiert und professional berät, ohne dabei auch Entscheidungskompetenzen zu haben. Damit können künftig fahrlässige und fast nicht mehr korrigierbare Fehlentscheide vermieden werden.

Um korrigierend in die Reformen einzugreifen zu können, ist ein 3 x JA am 10. Juni wichtig.
 

Das Konzept Passepartout ist schlecht

Die Kontroverse hat sich im Moment etwas gelegt. Die Frage nämlich, mit welcher Zweitsprache unsere Kinder beginnen sollen: mit Englisch oder mit Französisch. Ich sage, halb im Ernst, halb im Scherz: French first, l’Anglais ensuite. So ist es in den beiden Basel, und das ist gut so. Französisch ist für uns eine Landessprache, Mesdames et Messieurs. Eine andere Kontroverse tobt dafür mit unverminderter Heftigkeit. Es stellt sich hier die Frage nach adäquaten Lehrmitteln für diesen Frühbereich. Diesbezüglich sieht es für Französisch düster aus. Aufgrund eigener Anschauung, Leserbriefen, Kommentaren und Landratsvoten stelle ich fest: Das Konzept Passepartout ist das schlechteste Lehrmittel für Französisch. Das ist nun nicht «tant de bruit pour une omelette», sondern ein deplorabler Zustand, den es zu beseitigen gilt. Et voilà.

Nun gehen die Ansichten, wie man Fremdsprachen lernt und was ein gutes Lehrmittel ist, auseinander, und sie können sich im Lauf der Zeit auch ändern. Aber die didaktischen Grundlagen und die Einsicht ins Lernen bleiben sich doch mehr oder weniger gleich. Ohne Systematik geht es nun mal nicht, und auch hier gilt: ohne Fleiss kein Preis. Oder: üben, üben, üben. Keiner gibts den Lernenden im Schlaf und ein «Sprachbad» lässt sie lediglich ertrinken. Auch hier muss la mesure gelten: das richtige Mass, die Ausgewogenheit, das gemässigte, aber stete Arbeiten an und in der Sprache, das Kennenlernen der inneren Strukturen eines fremden Idioms. Sie lässt sich auch nicht wie eine Muttersprache lernen.

Unsere Lehrerinnen und Lehrer geben sich mit Passepartout die grösste Mühe, doch es ist vergebliche Liebesmüh. Die Kinder scheinen sich nicht zu interessieren, haben keine Freude am Sprechen, kommen bei diesem Wirrwarr nicht draus und verstehen den komplizierten Wortschatz nicht, der ihnen zugemutet wird. Ja, mir scheint, selbst der «Hösli», mit dem ich einst an der Realschule Waldenburg Französisch gelernt hatte, sei besser gewesen. Natürlich trug auch unser strenges, aber um originelle Ideen nie verlegenes «Fräulein Tschopp» viel dazu bei (Lehrkräfte hatten damals noch mehr Freiheiten als heute). Ihre «choux à la crème», zum Beispiel, die sie mit uns nach Rezept im Lehrbuch und nur Französisch sprechend, gebacken hatte, bleiben mir für immer unvergessen. Dank ihr und dem «Hösli» vermochte ich auch gleich zu Beginn meiner Neuenburger Jahre ganz passable Sätze zu sprechen ( «Jai … oublié … mon … manteau», auch unvergesslich). Bei Fräulein Tschopp lernten wir auch, dass man «lä täble», «lä cärte» und nicht das schwerfällige Schweizerdeutsch-Französisch «laa taable», «laa caarte» ausspricht.

Vor noch nicht allzu langer Zeit gab es das ausgezeichnete Lehrmittel «Bonne Chance». Ich bin geneigt zu kalauern: «Bonne Chance» war mille fois besser als das heutige «Mille Feuilles». Sans blague. «Bonne Chance» enthielt alle Grundlagen für einen erfolgreichen Unterricht einer unserer Landessprachen. Der Aufbau war so angelegt, dass er sanft, ja spielerisch begann, aber immer mit Vokabeln aus dem Grundwortschatz versehen, der Grammatik, der Syntax und der Aussprache Rechnung tragend. Die Sprechsituationen und Szenen waren kindgerecht, denn unter dem «Personal» gab es viele Kinder und Jugendliche. Genial war dann das Spiel mit den zwei Stabpuppen Pierrette und Pierrot. Mit ihnen konnten die Kinder ungezwungen, das heisst ohne Scheu sprechen, was ihre Sprachfertigkeit enorm förderte.

Das Besondere war auch, dass die Lerninhalte über zwei Familien vermittelt wurden, die sich verwandtschaftlich nahestanden und Kontakt hatten. Die eine wohnte im ländlichen Bercher im Gros de Vaud, die andere im mondänen Genf. Das gab ausgezeichnete Einblicke ins Leben und Wesen unserer compatriotes romands. Viel Wissenswertes über die romanische Kultur der Westschweiz wurde den Kindern quasi en passant vermittelt. Der dritte Band war dann richtig anspruchsvoll, aber immer dem Aufbau folgend und damit logisch die nötigen «Skills» schaffend.

Mir ist schleierhaft, warum man dieses Lehrmittel, das sich bewährt und alle Voraussetzungen für ein erfolgreiches Lernen erfüllt hatte, wieder verbannt hat. Austauschwochen zwischen Deutsch- und Westschweizer Klassen sind ja auch nicht neu. Wichtig sind sie aber heute, weil das legendäre Welschlandjahr verschwunden ist. Diese Lücke kann die Schule nicht füllen. Man bleibe also bescheidener, hege keine übertriebenen Ambitionen, stelle sich vielmehr in den Dienst unserer Kinder und unserer zwar schwierigen, aber wunderbaren Landessprache Französisch. Quelle élégance. Ein konstruktiver Vorschlag zum Schluss: Man führe wieder «Bonne Chance» ein, und das Glück kehrt in die Klassenzimmer zurück.

Thomas Schweizer, Kolumnist und Autor, ehemaliger Lehrer am Bäumlihofgymnasium

 

Bildungsrat – undemokratische Fehlkonstruktion

Viele der unsäglichen und gescheiterten Reformen in unserem Kanton hat der jetzige Bildungsrat zu verantworten: Beispielsweise Passepartout mit den Lehrmitteln Mille Feuilles, Clin d’Oeil und New World oder die Sammelfächer, welche er gegen den Volkswillen einführen wollte. Auch eine unmögliche Stundentafel mit eineinhalbstündigen Fächern versuchte er durchzusetzen.

Das zentrale Problem besteht darin, dass der Bildungsrat mit zahlreichen Personen besetzt ist, die in ihrem Alltag wenig bis nichts mit Bildung zu tun haben. Sie entscheiden abschliessend im stillen Kämmerlein unter Ausschluss der Öffentlichkeit, ohne ihre Entscheide vor dem Landrat oder der Bevölkerung rechtfertigen zu müssen. Die Mitglieder des Gremiums müssen keine Verantwortung für ihre Fehlentscheide und massive finanzielle Auswirkungen übernehmen. Sie können sich in der Anonymität verstecken und sich mit Hinweis auf das Amtsgeheimnis jeglicher inhaltlicher und öffentlicher Diskussion verweigern. Das entspricht nicht demokratischen Prinzipien.

Die Mitglieder des Bildungsrates sind selbst für grobe Fehlleistungen nicht belangbar. Das Problem ist nicht die gegenwärtige Fehlbesetzung dieses Gremiums – darauf haben die Stimmbürger/-innen ohnehin keinen Einfluss –, sondern die fehlende Verantwortung, welche die Mitglieder des Bildungsrates nicht übernehmen. Wer aber keine negativen Konsequenzen zu befürchten hat, beachtet die Folgen seines Handelns auch nicht. Und gerade weil der Bildungsrat in letzter Instanz beschliesst, können die Korrekturen seiner Fehlbeschlüsse nur noch mittels aufwändigen Volksinitiativen korrigiert werden. Dadurch geht wertvolle Zeit verloren und kostet den Steuerzahler viel Geld.

Mit dem Beirat Bildung ersetzen wir den Bildungsrat durch ein professionelles Organ, welches mit ausgewiesenen Bildungsfachleuten besetzt sein wird. Der Beirat Bildung kann somit den Regierungsrat fundiert und professionell beraten. Ein solches Expertengremium benötigt keine Entscheidungskompetenzen, im Gegenteil. Da es nicht abschliessend entscheidet, muss es seine Analysen, Konzepte und Empfehlungen sachkundig und überzeugend begründen, ansonsten fliessen diese nicht in die Entscheidungsprozesse ein. Unüberlegte oder politisch motivierte Schnellschüsse haben so keine Chance umgesetzt zu werden. Die Bildungsdirektion kann in der Folge die stichfest begründeten Empfehlungen des neuen Expertengremiums Beirat Bildung auch nicht missachten. Andernfalls setzt sich die Bildungsdirektorin gewaltigem öffentlichen und politischen Druck aus.

Die notwendigerweise fehlende Entscheidungskompetenz des Beirates Bildung hat zusätzlich eine positive Auswirkung auf dessen Besetzung. Ohne abschliessende Beschlusskraft können Exponenten ferngehalten werden, denen es in erster Linie um die eigene Profilierung oder um die Lust an der Macht geht. Das Fehlen der Entscheidungskompetenz und die Notwendigkeit, mit guten Argumenten zu überzeugen, favorisiert automatisch professionelle Fachleute, die sich aus Interesse an der Sache und nicht aus persönlicher Motivation für ein Mandat im Beirat Bildung zur Verfügung stellen.

Das Gremium Bildungsrat muss im Sinne einer Professionalisierung dringend ersetzt werden. Damit können künftig fahrlässige und nur noch schwer zu korrigierende Fehlentscheidungen mit Langzeitwirkung vermieden werden. Mit der vorgeschlagenen Änderung des Bildungsgesetzes und der nachfolgenden Ablösung des Laiengremiums Bildungsrat durch das Fachgremium Beirat Bildung wird eine offensichtliche und undemokratische Fehlkonstruktion beseitigt.

 

Landrat entscheidet sich für den Ausstieg aus Passepartout

Wichtiger Abstimmungserfolg der Starken Schule beider Basel: Die Mehrsprachigkeitsdidaktik Passepartout, welche seit Jahren von den Eltern und den Lehrpersonen heftig kritisiert wird, steht im Kanton Basel-Landschaft vor dem Aus. Der Landrat hat heute nach langer Diskussion in der Schlussabstimmung überraschend deutlich mit 47 zu 36 Stimmen bei zwei Enthaltungen die Initiative "Stopp dem verheizen von Schüler/-innen: Ausstieg aus dem gescheiterten Passepartout-Fremdsprachenprojekt" der Starken Schule befürwortet.

Die Fraktionen SVP, FDP und glp/Grüne-Unabhängige sowie Teile der CVP/BDP befürworteten die Annahme der Initiative. Ausschlaggebend für die positive Kehrtwende waren offensichtlich die einleitenden Informationen der Bildungsdirektion, welche die massive Kritik an den Passepartout-Lehrbüchern bestätigte. Seit längerer Zeit verstauben die sehr teuren Einweglehrmittel in den Kästen der Klassenzimmer und werden immer weniger eingesetzt. Vermehrt verwenden die Lehrpersonen andere Lehrmittel oder die eigenen Arbeitsunterlagen. Dadurch werden Millionen verschleudert.

Regierungsrätin Monica Gschwind muss nun eine Gesetzesvorlage erarbeiten, welche die unformuliert eingereichte Initiative umsetzt. Gschwind hätte lieber bis zur Auswertung der Evaluation gewartet, die 2021 durchgeführt wird, bevor sich der Kanton für eine Abkehr des Fremdsprachenkonzepts ausspricht. Da bereits heute viele der Lehrpersonen auf der Sekundarstufe 1 nicht mehr mir den entsprechenden Lehrmitteln (Clin d'oeil und New World) arbeiten, wäre das Ergebnis der Evaluation verfälscht und damit nicht mehr aussagekräftig. Es macht daher Sinn, jetzt die Notbremse zu ziehen.

Zwei Jahre hat die Regierung Zeit, eine Gesetzesvorlage auszuarbeiten, die dann noch einmal vor den Landrat und danach vors Volk kommt. Der Baselbieter Landrat hat mit seinem mutigen Entscheid ein wichtiges Signal gesetzt, auch an die Adresse der anderen Passepartout-Kantone Basel-Stadt, Solothurn, Bern, Wallis und Fribourg.

Den entsprechenden Artikel der BaZ können Sie hier lesen.

 

Gastkommentar von Jürg Wiedemann (Vorstandsmitglied Starke Schule beider Basel, Landrat Grüne-Unabhängige), erschienen in der Basler Zeitung vom 30.01.2018

Eine widersprüchliche Ideologie

Als Reaktion auf Kritik sprachen die Verantwortungsträger kritischen Eltern und erfahrenen Lehrpersonen jahrelang die Urteilskraft ab. Erst aufgrund der unübersehbaren, verheerenden Auswirkungen der Passepartout-Ideologie und des medialen Drucks sah sich Passepartout-Projektleiter Reto Furter gezwungen, sein 50-Millionen-Projekt in einem Interview mit der BaZ zu rechtfertigen. Mit scheinheiligen Beschwichtigungsversuchen, verzweifelten Durchhalteparolen und abenteuerlichen Prognosen demonstriert er einmal mehr, dass das Projektmanagement nicht imstande ist, das untaugliche Konzept der sogenannten Mehrsprachigkeitsdidaktik und die dazugehörenden Lehrmittel "Mille feuilles", "Clin d'oeil" und "New World" ernsthaft zu hinterfragen. Im Gegenteil. Trotz verheerenden Umfragewerte, trotz massiver Kritik anlässlich kantonaler Passeparout-Hearings und trotz andauernder Negativpresse wird auf der mit Steuergeldern finanzierten Passepartout-Website weiterhin ein ideologisch verklärtes Bild vermittelt, das mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat.

Einerseits behauptet das Projektmanagement, man habe die Französischlehrmittel vor der Einführung seriös erprobt. Andererseits wird gefordert, man müsse den Schlussbericht der Evaluation im Jahr 2021 abwarten, um beurteilen zu können, ob sich die flächendeckende Einführung dieser im internationalen Vergleich bizarren Didaktik bewährt habe. Ein klarer Widerspruch in sich selbst. Widersprüchlichkeit ist denn auch eines der Hauptmerkmale der Passepartout-Ideologen:

  • Dank "Sprachbad" seien die Kinder in der Lage, die Fremdsprache wie ihre Muttersprache zu erlernen - ganz ohne "Büffeln". Vier Jahre später verkündet Manuele Vanotti, der für das Passepartout-Projekt im Kanton Basel-Stadt verantwortlich ist, dass es sich um kein "Sprachbad" handle, da die wöchentliche Unterrichtszeit von lediglich zwei bis drei Wochenlektionen viel zu kurz sei. Die Rahmenbedingungen waren allerdings von Beginn an klar, sodass seitens der Passepartout-Ideologen gesunder Menschenverstand gereicht hätte, um gar nie erst die unhaltbare Behauptung eines "Sprachbads" aufzustellen.
     
  • Dank der angeblichen Überlegenheit der Mehrsprachigkeitsdidaktik seien die Kinder schon nach kurzer Zeit darin geschult, sich in der Fremdsprache handlungsorientiert und frei zu äussern. Vier Jahre später muss das Passepartout-Management eingestehen, dass die Kinder nach über 350 Lektionen Frühfranzösisch noch nicht einmal die wichtigsten 300 Wörter beherrschen, also weniger als ein Wort pro Lektion gelernt haben.
     
  • Dank angepriesener Lernstrategien seien die Lernenden fähig, die grammatischen Strukturen zu entdecken und sie sich anzueignen. Nach sechs Jahren sehen sich die Gymnasien im Kanton Bern allerdings gezwungen, den Grammatikteil aus den Aufnahmeprüfungen zu streichen. Die lapidare Begründung: Man kann nicht abfragen, was nicht vorhanden ist.
     
  • Dank vermehrter Sprachvergleiche seien die Schüler/-innen in der Lage, selbst komplizierte Texte zu entschlüsseln. Nach sechs Jahren weist die Mehrsprachigkeitsforscherin Susanne Zbinden jedoch wissenschaftlich nach, dass das Leseverständnis der "Clin d'oeil"-Lernenden signifikant schlechter ist als dasjenige derer, welche die französische Sprache mit Texten gelernt haben, die dem jeweiligen Sprachniveau angepasst sind. Und erst nach sechs Jahren hartnäckiger Beratungsresistenz sieht sich der "Schulverlag plus" aufgrund einer Intervention der betroffenen sechs Bildungsdirektor/-innen gezwungen, "Mille feuilles 5" und "Mille feuilles 6" "substantiell" umzuschreiben. Offensichtlich wird mit der angekündigten Überarbeitung versucht, zu retten, was zu retten ist.

Angesichts dieser verheerenden Bilanz ist es höchste Zeit, die grobfahrlässige Schulutopie Passepartout zu stoppen. Danach kann sich der Fremdsprachenunterricht wieder erfolgreich an der bewährten und international anerkannten Didaktik orientieren. Es darf nicht sein, dass die Passepartout-Verantwortlichen aus Eigeninteressen zulasten der Schülerinnen und Schüler auf Zeit spielen, sei es um des Geldes wegen oder um das eigene Gesicht zu wahren.
 

Gastkommentar von Daniel Vuilliomenet, erschienen in der Basler Zeitung vom 27.01.2018

"Schö nö gombran pa"

Das Wort "Reform" müsste, was die Schule anbelangt, zum Unwort des Jahrtausends erklärt werden, wenn wir all den unter diesem Schlagwort eingeführten Mumpitz der Vergangenheit betrachten würden. Dabei sticht das Projekt Passepartout heraus, sowohl was dessen pädagogische Verdrehtheit als auch seine Kosten anbelangt.

Zuerst steht die inzwischen kläglich revidierte Behauptung im Raum, es handle sich beim neuen Fremdsprachen-Vermittlungskonzept um ein "Sprachbad". Verknüpft mit Sparmassnahmen eines per se klammen Kantons Baselland, kann man höchstens von den "Füssen in der Pfütze" sprechen. Müsste ich meine Körperfplege so einrichten, wie das Sprachbad daherkommt, so würde ich zum Himmel stinken. Zum Glück hat der oberste Verantwortliche für "Passepartout" diesen Anspruch im BaZ-Interview vom Donnerstag mit Franziska Laur revidiert.

Die konstruktivistische Reformitis, die auch andere Fachbereiche der Volksschule erfasste, hat ihre Wurzeln in der Achtundsechziger-Revolte, die schulisch bis heute nachwirkt und sich erst jetzt richtig zu entfalten scheint. Zu nennen ist da nebst den Summerhill-Experimenten des freien Lernens vor allem das Programm "Lesen durch Schreiben" von Jürgen Reichen aus den Siebzigerjahren. Mit einer Buchstabentabelle versehen, konstruieren Erstklässler ihre ersten Schreibergebnisse nach Gehör. So weit, so gut. In einer erziehungswissenschaftlichen falschen Verbeugung vor dem Kind, dem Korrekturen doch (noch) nicht zugemutet werden können, werden diese ersten Schreibschritte belassen. Ein Eingreifen seitens der Erwachsenen ist verboten - das wird auch heute noch per Brief an die betroffenen Eltern so kommuniziert. Damit schleift sich "falsch" Geschriebenes während einer zu langen Zeitdauer ein, eine spätere Korrektur (zum Beispiel erst in der vierten Klasse) ist schwer möglich. Die Begründung für ein derart abartiges Lehrverhaltenn heisst: Alles entwickelt sich zur richtigen Zeit von selbst - Instruktion ist des Teufels! Pädagogik, gegründet auf dem Prinzip Hoffnung.

Genau dieses Lesen-durch-Schreiben-Konzept findet sich nun auch beim Frühfranzösisch. Es wird drauflos geplappert und geschrieben - alles nach Gehör. So kann dann der folgende Satz entstehen: "No, schö nö gombran pa" - ich verstehe nicht.

Kommen die Sechstklässler in die Sekundarstufe I mit Korrekturanspruch, so ist der Ablöscher vorprogrammiert und genau das kann beobachtet werden: Die Kiddies wirken nach wenigen Wochen schulmüde! Kein Wunder - sie wurden wertvolle Jahre an der Nase herumgeführt und werden nun schockartig mit der Realität konfrontiert. Eine kürzlich an mich herangetragene Begründung für das Verweigern von faktenbezogenen Lehren auf der Primarstufe lautete denn auch wörtlich: Wir wollen den Kindern doch nicht das Paradies vorenthalten, dass sie nachher nie mehr haben werden. Man rauft sich nicht nur die Haare!

Es geht noch schlimmer: Eine Kollegin (Lehrperson Sekundarstufe I für Deutsch) behauptete mir ins Gesicht, es gäbe gar keine Rechtschreibekompetenz mehr. Diktate und dergleichen im Fach Deutsch seien definitiv "out". Dies sei auch die Stossrichtung in der Ausbildung von Deutsch-Lehrpersonen an der Pädagogischen Hochschule. Aber hallo?! Bewerbungsschreiben oder Maturarbeiten sowie Semesterarbeiten an der Uni lassen grüssen. Was Gymeler und Studenten trotz Korrekturprogrammen heute abliefern, ist zum Teil haarsträubend, ich durfte selber Einblick erhalten. Die Fragen seien erlaubt: Wollen wir das wirklich? Können wir uns das leisten? Es ist die (inzwischen digitalisiert aufmunitionierte) Arroganz reformpädagogisch argumentierender BildungsschreibtischtäterInnen, die vorgibt, ein heutiges Kind könne viertausend Jahre Wissenschaft und Kultur - Google sei Dank - in neun Schuljahren für sich selber "konstruieren". Daraus leitet sich der Begriff "konstruktivistisch" ab. Die Lehrpersonen verkommen zu Coaches, die den Segen top-down verordneter und auf ideologischem Boden gewachsener Bildungsprogramme kritiklos umzusetzen haben. Was vorher war, ist heute falsch und nicht mehr zu würdigen.

Genau das gibt Reto Furter im erwähnten Interview zu und entlarvt sich damit selber. Beim Programm Passepartout hiess es gleich zu Beginn seiner Umsetzung, dass nur die in 24(!) Halbtagen Weitergebildeten ihre Unterrichtsberechtigung im entsprechenden Sprachfach beibehalten können. Inzwischen krebsen die Verantwortlichen zurück, mit dem verzweifelten Versuch, einen Rest ihres bereits verlorenen Gesichts zu wahren. Masst sich eine erfahrene Lehrerin an, Kritik zu äussern, so gilt sie augenblicklich als ewiggestrig. Ein solch hinterhältiges Regime mit verordneter Gehirnwäsche ist nur aus totalitären Staaten oder bei religiösen Sekten bekannt.
 

Studie vergleicht neue und alte Französischlehrmittel

Susanne Zbinden hat sich in ihrer Masterarbeit, die sie im Departement für Sprachen und Literaturen an der Universität Fribourg eingereicht hat, mit dem Leseverstehen des alten und des neuen Lehrmittels im Fach Französisch auseinandergesetzt. Die Arbeit mit dem Titel "Leseverstehen mit altem und neuem Lehrmittel im Vergleich. Eine empirische Studie über das Verstehen von französischen Texten auf der Sekundarstufe 1" hat das Leseverstehen verschiedener Klassen mithilfe eines Tests und einer Befragung untersucht. Verglichen wurden zwei Gruppen, wobei Gruppe 1, aus Schulkindern bestand, die in der 5. Primarstufe mit dem Lehrmittel Bonne Chance mit dem Französischunterricht begonnen haben. Gruppe 2 beinhaltete Klassen, die mit dem neuen Lehrmittel Clin d'oeil bereits in der dritten Primarstufe begonnen haben. Die Studie wurde durchgeführt als beide Gruppen knapp 600 Stunden Französischunterricht vorweisen konnten.

Der Test, den die verschiedenen Klassen gemacht haben, bestand aus vier unterschiedlichen französischen Texten zu denen jeweils Fragen auf Deutsch gestellt wurden, welche die Schulkinder auch auf Deutsch zu beantworten hatten. Ausserdem bestand jeder Test aus offenen Fragen, in welchen nach den Strategien der Schulkinder gefragt wurde, die sie nutzten um Texte aus der französischen Sprache ins Deutsche zu übersetzen.

Obwohl die Ergebnisse pro Text unterschiedlich ausfielen, lässt sich ganz allgemein sagen, dass die Schulkinder, die bereits seit der dritten Klasse Französisch mit der neuen Fremdsprachendidaktik und dem Lehrmittel Clin d'oeil lernen, in der Regel schlechter abschnitten, als jene, die noch mit Bonne Chance und der alten Didaktik die Sprache gelernt haben. Zbinden schreibt, dass gut fünf Punkte der Leistungen eines Schülers durch den Faktor der Lehrmittel erklärt werden können, also dass die Bonne Chance-Schüler/-innen durchschnittlich um gut fünf Punkte besser waren als die Clin d'oeil-Schüler/-innen. In Form von Noten würde der ersten Gruppe eine 4.5, der zweiten Gruppe eine 4 vergeben werden.

Interessant bei dem Ausgang dieser Studie ist die Tatsache, dass die mehrfach angetroffene Aussage, dass Lernende nach dem neuen Lehrmittel bessere Lesefertigkeiten entwickeln würden als bisherige Schüler/-innen, durch die Untersuchung von Frau Zbinden widerlegt werden konnte. Als mögliche Gründe für die im Schnitt 10% schlechteren Ergebnisse der Gruppe zwei führt Frau Zbinden unter anderem die untergeordnete Rolle von Wortschatz und Grammatik im neuen Lehrmittel an.

Auch Frau Zbinden ist der Meinung, dass eine Anpassung der Reform notwendig sei, um bei den Lernenden wieder eine erhöhte Lesefertigkeit aufzubauen. Auch wir hoffen, dass die Verantwortlichen möglichst schnell einsehen, dass beim Erlernen der Fremdsprachen schleunigst eine Änderung im Kurs vorgenommen werden muss, damit am Ende nicht eine ganze Generation von Schulkindern an den Folgen dieser Reform leidet.

 

Gastkomentar von Michael Pedrazzi, erschienen in der bz am 12.12.2017

Nur die Wirtschaft hat Freude daran

Mit der Einführung des 6. Primarschuljahres auf Kosten der Sekundarschule geht die Leistungsschere der lernstarken und lernschwachen Primarschülerinnen und -schüler spürbar auseinander, zudem setzt die Pubertät ein. In derart heterogenen Klassen allen Kindern gerecht zu werden, ohne die Schwächsten zu überrollen und die Stärksten zu unterfordern, kommt einem Mehrfachspagat der Primarlehrpersonen gleich. Den Bildungsansprüchen jedes Einzelnen kann kaum mehr genügt werden – ein Bildungsabbau ist programmiert. Die Erfahrungen in den vergangenen zwei Jahren zeigen: Im 6. Primarschuljahr wird fachlich markant weniger behandelt, als dies früher im entsprechenden 1. Sekundarschuljahr der Fall war. Bildungspolitisch ist dieser Strukturwechsel ein Flopp. Finanziell hat sich die Sparübung nur für den Kanton gelohnt, indem er einen Viertel der Sekundarschulzeit durch entsprechend «günstigere» Primarlehrerlöhne ersetzen konnte.

Im Kanton Baselland war bislang der Anteil der Schüler/-innen, die in der Sekundarschule ins progymnasiale Leistungsniveau P eingeteilt wurden, überdurchschnittlich hoch. Dieser Anteil war grösser als in den meisten Kantonen, die schon früher sechs statt fünf Primarschuljahre kannten. Um aber die Schüler/-innen fachlich gleich gut auf die Berufslehre und die weiterführenden Schulen (FMS, Gymnasium usw.) vorbereiten zu können, muss infolge des Wechsels von 4 auf 3 Jahren Sekundarschule der annähernd gleiche Stoff in einem Viertel weniger Zeit behandelt werden.

Für die Lernenden wird der Unterricht insbesondere im anspruchsvollen Leistungsniveau P schwieriger, und die Anzahl derer, welche diese Anforderungen bewältigen können, wird sinken. Dies war das Ziel vieler Wirtschaftspolitiker, die sich nun die Hände reiben. Aus ihrer Sicht sollen weniger Schüler/-innen via Gymnasium an die Universität, sondern vermehrt eine Lehre absolvieren und damit früher ins Berufsleben einsteigen, was in erster Linie den Firmen dient.

Nicht nur in diesem Beispiel greifen Wirtschaft und Verbände markant in unser Bildungssystem ein, um ihre Eigeninteressen durchzusetzen. Desgleichen wittern sie ihren kommerzgesteuerten Einfluss in den Schulzimmern mit Lehrmaterial, Apps und sonstigem «Product Placement». Auch in Bezug auf Unterrichtsphilosophie und Didaktik mischt die Privatindustrie mit Lehrmitteln des selbstorganisierten Lernens kräftig mit. Besonders deutlich ist dies zu spüren an den Exzessen der neuen Fremdsprachenlehrmittel «Mille Feuilles», «Clin d’Oeil» und «New World».

Primarlehrpersonen müssen sich diesem Hintergrund bei der Einteilung ihrer Schützlinge in die drei Leistungszüge der Sekundarschule bewusst sein. Wenn sie dieser veränderten Situation und den Anforderungen der abnehmenden Schulen nicht gerecht werden, sinkt entweder das Leistungsniveau in den Anforderungsprofilen E und P, oder aber die Durchfallquote steigt. Insbesondere der letzte Punkt dürfte sich in Schüler-Frustration und Kritik seitens der Erziehungsberechtigten niederschlagen.

 

Lehrplan 21 wird faktisch gegenstandslos

Die Starke Schule beider Basel begrüsst den einstimmigen Entscheid des Landrates, den Gegenvorschlag zur Initiative „Ja zu Lehrplänen mit klar definierten Stoffinhalten und Themen“ zu befürworten. Der Vorstand der Starken Schule stuft den Gegenvorschlag als bessere Lösung ein als die Initiative. Der Gegenvorschlag setzt wichtige Kernforderungen der Starken Schule um, welche nicht Gegenstand der Initiative sind:

  1. Die künftigen Lehrpläne der Volksschule enthalten ab Schuljahr 2018/19 klar definierte Stoffinhalte, Themen sowie Kompetenzbeschreibungen.
  2. Die Lehrpläne der Sekundarstufe I enthalten Jahresziele und sie sind differenziert auf die drei Leistungsniveaus A, E und P ausgerichtet. Zudem werden sie auf die weiterführenden Schulen (Berufsfachschulen, FMS, Gymnasium usw.) abgestimmt.

Betreffend Kompetenzbeschreibungen sind die Differenzen zwischen Initiative und Gegenvorschlag gering. Mit der Initiative wären die Kompetenzbeschreibungen des Lehrplans 21 in einem Anhang festgeschrieben worden, mit dem Gegenvorschlag sind Stoffinhalte, Themen und Kompetenzbeschreibungen gleichgestellt. Entscheidend ist, dass mit diesem Gegenvorschlag die Stoffverteilungspläne mit den klar definierten Stoffinhalten, Themen sowie nur noch den wichtigsten Kompetenzbeschreibungen neu massgebendes Instrument werden, an welchen sich die Lehrpersonen ausrichten. Der rund 550-seitige Lehrplan 21 wird gegenstandslos.

Mit der Festschreibung von Jahreszielen werden die im Lehrplan 21 vorgegebenen Zyklen (Drei-Jahresziele) auf der Sekundarstufe I aufgebrochen. Die Festschreibung von Jahreszielen erachtet die Starke Schule als zwingend, um die Harmonisierung der Schulen in unserem Kanton sicherzustellen. Dies ist notwendig, damit die Schüler/-innen von A nach B wechseln können, ohne fachlich grössere Schwierigkeiten zu erhalten.

Bislang herrschte die Tendenz vor, dass jeweils die untere Schulstufe vorgibt, in welcher Tiefe vorgegebene Lernziele behandelt werden. Die jeweils folgende Schulstufe musste sich nach diesen Leistungszielen richten. Die künftigen Lehrpläne der Sekundarstufe 1 werden erstmals an den Anforderungen der übergeordneten Schulen ausgerichtet.

Mit diesem Gegenvorschlag ist es der Bildungsdirektion erneut gelungen, eine für die Schulen belastende Baustelle im Bildungsbereich zu schliessen.