Starke Schule beider Basel (SSbB)

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Bildungsinitiative in Basel

Unterschreiben Sie die formulierte Initiative der Starken Schule beider Basel, mit welcher wir der gescheiterten Passepartout-Ideologie ein Ende setzen möchten. Die Initiative verlangt eine echte Lehrmittelfreiheit auch im Kanton Basel-Stadt. Die Lehrpersonen sollen die Lehrmittel "Mille feuilles", "Clind d'oeil" und "New World" durch bewährte Lehrmittel ersetzen können.

Hier können Sie den Unterschriftenbogen herunterladen.

 

News

  • Montag, Juni 01, 2020

    Zwei Basler Schulkinder angesteckt

    Rund 70 Personen werden aufgrund zweier Neuansteckungen in einer Basler Primarschule unter Quarantäne gestellt

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  • Samstag, Mai 30, 2020

    Unterricht nach Corona

    Nach dem wochenlangen Lockdown und einer ungewöhnlichen Schulsituation wurden am 28. Mai 2020 zwei verschiedene Vorstösse im Landrat eingereicht. Beide verweisen auf Folgen des Fernunterrichts und möchten sicherstellen, dass der Unterricht so sicher und effizient wie möglich weiterlaufen kann.

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  • Donnerstag, Mai 28, 2020

    Bildungsrat wieder vollständig besetzt

    Der Landrat hat heute Philipp Loretz (LVB) in stiller Wahl in den Bildungsrat gewählt. Damit ist der Bildungsrat wieder vollständig besetzt.

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Zitat

21.03.2020

„Ich war sehr gerne Lehrer und ich freue mich sehr, ehemalige Schüler auf der Strasse zu treffen. Solange ich Schule gehalten habe, habe ich im Jahr zwei Formulare ausgefüllt, einen Bericht im Umfang von eineinhalb Schreibmaschinenseiten über das, was ich gemacht habe, und eine Liste aller Schüler. Das war alles. Heute haben Lehrer oft täglich eine Stunde Büroarbeit, weil sie Material liefern müssen, damit an den Pädagogischen Hochschulen Forschung betrieben werden kann. Pädagogik hat man auch damals studieren können, nur hat man Pädagogen für nichts gebrauchen können. Trotzdem gab es Berufskollegen, die an die Uni gegangen sind. Es waren jene, die es angeschissen hat, Schule zu halten. Ich habe hie und da das Gefühl, sie kommen zurück und bringen ihren Kollegen bei, wie man Schule halten muss, damit es einen anscheisst. Bildungswahnsinn. Forschung, Forschung, Forschung.“

Peter Bichel, Interview in der bz vom 21.03.2020

 

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04.06.2020

Leseverstehen von Schweizer Schulabgänger/-innen sinkt

Bei der 2018 durchgeführten PISA-Studie zeigten die Resultate des Leseverstehens, dass die Schweiz mittlerweile unterhalb des OECD-Durchschnitt von 75 Ländern liegt. Wie kann es sein, dass bereits seit 2012 die Lesefähigkeiten stetig abnehmen, obwohl die Schweiz so viel Geld in die Bildung investiert?

Als 2018 die Abschlussklassen im Leseverstehen geprüft wurden, konnten nur 24% der Abgänger/-innen die unterste von sechs Kompetenzstufen erreichen. Weder die wörtlichen Bedeutungen von Texten, noch das Verstehen und Filtern von inhaltlichen Hauptaussagen konnten in genügendem Masse erreicht werden. Gründe für diese Entwicklungen sieht die Eidgenössische Erziehungsdirektoren-Konferenz (EDK) unter anderem in der Zunahme bei der Gruppe von leseschwachen Jugendlichen.

 

Damit Jugendliche im späteren Berufsleben eine Chance haben, ist ein ausgeprägtes Leseverständnis unabdingbar. Während die EDK die Vermittlung von Lernstrategien zur Besserung dieses Ist-Zustands fördern will, sieht Urs Kalberer (Lehrperson Sek. 1 und Sprachdidaktiker) gerade hier das Problem. In seinem Blogbeitrag zum selbigen Thema bringt er schlüssige Argumente, warum die im Zusammenhang mit der Einführung des Lehrplan 21 immer öfter eingesetzten Lernstrategien nicht zum Ziel führen.

Laut den Ergebnissen der PISA-Studie 2018 gibt es keinen Zusammenhang zwischen dem Strategiewissen und verbessertem Leseverständnisses. So haben Länder wie Finnland oder Kanada wenig Strategiewissen, sind jedoch Spitzenreiter im Leseverstehen. Länder wie die Schweiz, Italien oder Luxemburg, die viel Wert auf das Nutzen von Strategien legen, fallen hingegen ab. [1]

Urs Kalberer ist daher der Meinung, dass im Klassenzimmer wieder mehr Fokus auf einen breitgefächerten Wortschatz und ein Grundlagenwissen gelegt werden soll, damit das Leseverstehen verbessert wird. Selbstentdeckendes Lernen oder die Investition von viel Zeit auf verschiedene Lesestrategien (die sich laut Kalberer sowieso nicht so einfach von einem Text auf den anderen übertragen lassen) sollen vermieden werden und in die Buchstaben-Laut-Beziehung oder ein gesteigertes Lesetempo investiert werden.

Saskia Olsson, Vorstandsmitglied Starke Schule beider Basel

 
03.06.2020

Mehr Männer an den Primarschulen

An der kommenden Landratssitzung (11.06.2020) wird das im 2018 von Landrat Felix Keller (CVP) eingereichte Postulat "Männermangel an den Primarschulen" behandelt. Der Regierungsrat beantragt dem Landrat, das Postulat abzuschreiben.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war der Lehrerberuf für die Männer bestimmt. Dies änderte sich erst mit der Einführung der allgemeinen Schulpflicht 1880, als der Personalbedarf sich erhöhte. Seit den 1960/1970er Jahren hat der weibliche Anteil der Lehrpersonen stark zugenommen. Heute sind gerade auf der Primarstufe im Schnitt 85% der Lehrpersonen weiblich. Das Ziel des von Felix Keller eingereichten Postulats ist es, den Lehrerberuf für Männer (gerade auf der Primarstufe) wieder attraktiver machen, denn für Kinder und Jugendliche ist es wichtig, dass sie Erwachsene in ihrer Verschiedenheit und Vielfalt erleben können. Ziel muss es sein, zu verdeutlichen, dass sowohl Männer als auch Frauen gleichermassen fürsorglich, streng, fordernd und helfend sein können.

Bereits 2013 hatte der Verein "Männer an die Primarschule" einen Rechercheauftrag vergeben, um die Gründe des tiefen Männeranteils darzulegen. Wichtige Kentnisse waren, dass der Lehrerberuf oftmals als "unmännlich" eingestuft werde. Ausserdem scheinen die Aufstiegsmöglichkeiten sehr begrenzt zu sein und gerade auf der Primarstufe sei die Bezahlung nicht sonderlich attraktiv. Ein weiterer Grund sei die generelle Angst vor Missbräuchen durch Männer bei der Arbeit mit Kindern.

Weil gerade Primarschüler/-innen fast nur mit Lehrerinnen zun tun haben, wird der Beruf von klein an bereits mit einer weiblichen Vorbildsfunktion in Verbindung gesetzt und damit Geschlechterstereotype gebildet, die es aufzulösen gilt. Wichtig für die Zukunft ist es daher, dass das Interesse für pädagogische Berufe auch bei jungen Männern nicht durch Vorurteile gehemmt wird.

Der Regierungsrat unterstützt die Bestrebungen, den Anteil von Primarlehrern wieder zu steigern, um den Lernenden verschiedene Rollenmodelle und Lebenserfahrungen auf ihrem Weg aufzuzeigen. Auch die Pädagogische Hochschule FHNW hat sich zum Ziel gesetzt, in ihren Ausbildungsgängen möglichst Männer und Frauen anzusprechen. Massnahmen der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion sind unter anderem die Förderung von Schnuppertagen bei männlichen Primarlehrpersonen oder bei der Pädagogischen Hochschule.

Saskia Olsson, Vorstandsmitglied Starke Schule beider Basel


27.05.2020

Homeoffice war schon immer Realität im Lehrerberuf

In einem brisanten Bundesgerichtsentscheid haben die Richter deutlich festgehalten, dass ein Unternehmer seinem Mitarbeiter einen Anteil an dessen Miete (auch rückwirkend) zahlen müsse, weil dieser im Homeoffice arbeitet. Dieser Gerichtsentscheid wird dank dem Coronavirus und der damit vermehrten Nutzung der eigenen vier Wände als Büroraum wohl auch zukünftig für weitreichende Folgen sorgen.

Seit mehr als zwei Monaten arbeitet ein grosser Teil der Arbeitnehmer/-innen im Homeoffice, so auch die Lehrpersonen, um damit die Verbreitung der Pandemie einzudämmen. Während einige das Arbeiten von zuhause aus als Vorteil sehen und viele auch künftig vermehrt im Homeoffice arbeiten möchten, führt diese Form des Arbeitens bei anderen auch zur Zerreissprobe, wenn zuhause der Platz fehlt.

In einem aktuellen Urteil hielt das Bundesgericht nun sehr eindeutig fest, dass sich eine Firma an den Mietkosten beteiligen müsse, wenn die Mitarbeiter/-innen von zuhause aus arbeiten. Dies, auch wenn die Arbeitnehmer/-innen kein zusätzliches Zimmer oder eine grössere Wohnung gemietet hätten. Gerade für Lehrpersonen könnte dieses Urteil von Interesse sein, da diese auch bereits vor Corona regelmässig Teile ihres Berufsauftrages zuhause erledigen mussten, wenn in den Schulen nicht genügend Arbeitsplätze vorhanden waren.

An den Schulen geht man unausgesprochen davon aus, dass Lehrpersonen einen Teil Ihrer Arbeitszeit (zum Beispiel für die Vorbereitung des Unterrichts, das Schreiben und Korrigieren von Prüfungen sowie andere administrative Aufgaben) von daheim aus erledigen. Während zwar in der Steuererklärung ein Teil der Mietkosten in Abzug gebracht werden kann, beteiligt sich die Schule nicht an den Mietkosten, obwohl viele Lehrpersonen zuhause sogar ein eigentliches Büro eingerichtet haben.

Wenn sich in Zukunft das Homeoffice weiter durchsetzen wird, müssen die Unternehmen wohl auch vermehrt damit rechnen, ihren Mitarbeitern anteilig etwas an der Miete zu zahlen. Schwierig wird die Beurteilung dann, wenn von Seiten des Unternehmens das Arbeiten von zuhause aus nicht vonnöten ist, die Arbeitnehmer jedoch durch Platzmangel (zum Beispiel in grossen Firmen, die vermehrt auf flexible Arbeitsplätze setzen) praktisch ins Homeoffice getrieben werden. Hier kann wiederum der Beruf der Lehrperson als Vergleich herangezogen werden, der wohl genau in diese Sparte fällt. Es stellt sich daher bereits jetzt die Frage, ob man Lehrpersonen nicht ebenso einen Teil der Miete als Spesen zahlen sollte. Wie sich ganz allgemein das Arbeiten im Homeoffice für die unterschiedlichen Berufszweige entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Ebenso, ob Homeoffice wirklich für jeden Job der richtige Arbeitsort ist.
 
 
26.05.2020

Regelungen für den Sonderprivat- auszug an den Schulen

Seit 2017 ist im Kanton Basel-Landschaft im Personalgesetz (SGS 150) geregelt, dass Schulleitungen bei jeder Neuanstellung einer Lehrperson einen Sonderprivatauszug verlangen müssen, um so Minderjährige vor Übergriffen zu schützen. Diese Regelung gilt auch für Lehrpersonen, die bereits beim Kanton angestellt sind: Übernimmt beispielsweise ein Musiklehrer an mehreren Schulen je ein Kleinstpensum, so muss er jeder einzelnen Schule einen Sonderprivatauszug einreichen. Dies ist administrativ aufwändig und verursacht unnötige Kosten. Hier braucht es eine differenzierte Regelung.

Dass Schulleitungen verpflichtet sind, bei einer Neuanstellung einen Sonderprivatauszug einzufordern, ist sicher grundsätzlich richtig. Damit sollen minderjährige Jugendliche vor Übergriffen geschützt werden. Erhält eine bereits befristet angestellte Lehrperson einen unbefristeten Vertrag, so muss sie in der Regel während der gesamten beruflichen Tätigkeit an dieser Schule keinen Auszug mehr vorlegen. Einzelne Primarschulen, deren Träger die Gemeinden sind und damit autonom entscheiden, verlangen noch alle zwei Jahre einen aktuellen Auszug.

Bleibt die stellvertretende Lehrperson hingegen befristet angestellt, so wird an einigen Schulen alle vier Monate einen neuen aktualisierten Auszug verlangt. Der administrative Aufwand für diese Schulleitungen ist enorm. Bei Ausfällen von Lehrpersonen, wie es aktuell aufgrund von COVID 19 zwischen 10 und 20 Prozent des Personals betrifft, stehen Schulleitungen vor grossen Herausforderungen. Sie müssen den reibungslosen Unterricht garantieren und auch den akuten Personalmangel beheben. Zuweilen finden sich schulinterne Lösungen, doch meist sind diese Ressourcen ausgeschöpft. Jetzt beginnt die Suche nach passendem Lehrpersonal. Stellvertretungen für beispielsweise nur zwei Lektionen, vielleicht für einen Morgen oder auch für mehrere Wochen müssen gefunden werden. In diesen Fällen muss innerhalb von drei Monaten ein Sonderprivatauszug an die jeweilige Schulleitung nachgereicht werden.

Bei einer beruflichen Tätigkeit mit schutzbedürftigen Minderjährigen muss garantiert sein, dass Übergriffe vermieden werden. Schulleitungen stehen in der Pflicht, Neuanstellungen sorgfältig zu prüfen. Ein völlig administrativer Mumpitz ist aber, dass bereits im Kanton registriertes Personal, bei jeder Stellvertretung an einer weiteren Schule ein zusätzlicher Sonderprivatauszug einreichen muss.

Hier braucht es eine differenzierte Regelung für Schulleitungen. Dabei soll der Schutz der Schüler/-innen sichergestellt werden, ohne unnötigen administrativen Mehraufwand für Lehrpersonen, die gleichzeitig an mehreren Schulen tätig sind.

Regina Werthmüller, Vorstand Starke Schule, Landrätin

[Quelle: https://www.baselland.ch/politik-und-behorden/direktionen/bildungs-kultur-und-sportdirektion/bildung/handbuch/organisation-schulbetrieb/personal/template/anstellung/sonderprivatauszug-richtlinie-und-prozess-marz.pdf/@@download/file/Sonderprivatauszug_Fachweisung%20und%20Prozess_M%C3%A4rz%202017.pdf]

 

23.05.2020

Regierung wird mit «Corona-Vorstössen» eingedeckt

Da die Corona-Krise viele neue Probleme, Fragen und Unklarheiten aufwirft, wurden in der Landratssitzung vom 14. Mai 2020 drei Vorstösse zu verschiedenen Themen im Zusammenhang mit Corona eingereicht.

Mit der ausserordentlichen Situation des Lockdowns wurde das Sozialleben stark eingeschränkt und die Arbeitssituation massiv erschwert. Dies und der dabei erlebte Stressfaktor können sich stark auf die psychische Gesundheit der Bevölkerung auswirken. Damit verstärken sich depressive Symptome, was zu einer erhöhten Nachfrage psychologischer und psychiatrischer Unterstützung führt. Der erste Vorstoss verlangt, dass der Regierungsrat prüft, ob und wie eine ausreichende psychologische oder psychiatrische Betreuung im Kanton Basel-Landschaft sichergestellt werden kann.

Der zweite Vorstoss setzt den Fokus auf die Situation der Lehrstellen-Suchenden. Nachdem zwei aktuelle Studien der Universitäten Zürich und Bern ihre Ergebnisse veröffentlich haben, steht fest, dass in den kommenden 5 Jahren bis zu 20'000 weniger Lehrverträge abgeschlossen werden. Um dem entgegenwirken zu können, wird vom Regierungsrat gefordert, eine Task-Force einzuberufen, welche Massnahmen für die Verbesserung des Baselbieter Lehrstellenmarktes ausarbeitet und somit weiterhin genügend Lehrstellenplätze zur Verfügung stehen.

Auch der dritte Vorstoss betrifft den Ausbildungsbereich und spricht die durch die Corona-Krise bedrohte Chancengleichheit an. Nachdem ohne Vorbereitungszeit von einem Tag auf den anderen in den Schulen auf Fernunterricht umgestiegen werden musste, konnte nicht sichergestellt werden, dass alle Schüler/-innen adäquat für diese Form des Unterrichts ausgerüstet sind. Zudem erhielten nicht alle Kinder dieselbe Unterstützung ihrer Familien und können, wenn sie kein förderliches Lernumfeld haben, sich nicht genügend mit den Schulinhalten auseinandersetzen. Der Vorstoss bittet den Regierungsrat verschiedene Fragen betreffend Chancengleichheit, Digitalisierung und Auswertung des Fernunterrichts zu beantworten.

Hier können Sie die drei Vorstösse herunterladen.

Alina Isler, Vorstand Starke Schule beider Basel

 

20.05.2020

Von den ewig Morgigen

Der Angst vor dem Fertigen mit dem permanenten Umbau steht der Mut zu pädagogischen Konstanten gegenüber. Bildung oszilliert zwischen diesen beiden Polen. Ein Zwischenruf.

„Das haben wir immer so gemacht! Und es hat sich bewährt; das wissen wir. Was wollen wir ändern?“ Sätze wie diese kennt man, und ihre Absender auch. Es sind die ewig Gestrigen – resistent gegen Wandel, immun gegen Kritik. Sie wissen, was richtig ist und wie’s geht. Und zwar ganz genau! Ihre Standardfloskeln gehören ins Repertoire der drei Todesgefahren: „sicher sein, fertig sein, wissen“. Formuliert und ins Logbuch dieser Ewiggestrigen geschrieben hat sie der grosse Germanist, politische Denker und ETH-Rektor Karl Schmid (1907–1974). [1]

Die Sprache spiegelt den radikalen Wandel

Doch „es gibt nicht nur die ewig Gestrigen, es gibt auch die ewig Morgigen“, bemerkte der Dresdner Dichter Erich Kästner spitzzüngig. Damit nahm er wohl jene Kräfte aufs Korn, die das Neue unkritisch verherrlichen und das Alte, das Bewährte mitleidig belächeln, es gar auf den „Müllhaufen der Geschichte“ wünschen, um Leo Trotzkis berühmtes Revolutionswort von 1917 zu zitieren. Auch sie stört kein Zweifel. Sie sind ihrer Sache sicher.

Resolute Modernisierer und forsche Veränderer kennt auch die Schule. Das Neue wurde zum Magnet ihres bildungspolitischen Denkens. Der pädagogische Kompass kannte nur eine Richtung: Umbau, Innovation und Implementation von Neuem. Die Sprache spiegelt den radikalen Wandel: aus Lehrern wurden „Lernbegleiter“ und „Coachs“, aus Schülerinnen und Schülern „Lernpartner“, aus Erziehungswissenschaftlern empirische Bildungsforscher. Aus dem traditionellen Begriffspaar „Wissen und Können“ wurde Kompetenz, aus gemeinsamem Unterricht autonomes und selbstorientiertes Lernen. Pädagogisches Erfahrungswissen wich einer permanenten Evaluation, Gespräche mit Eltern mutierten zum Durchchecken mehrseitiger Kompetenzenraster, aus Bildung wurden messbare Tests.

Ohne Fortschritt verödet Tradition

Stillstand bedeutet Rückschritt. Da sind sich alle einig. Die Wege enden bekanntlich dort, wo ich stehenbleibe. Und alte Pfade öffnen keine neuen Türen. Das will niemand. Das Leben besteht aus Fortschreiten. Schritt für Schritt, Tritt für Tritt – Fortschritt aus dem Bestehenden und meist auch Bewährten heraus. Der Weg in die Zukunft wird so zu einer Resultante aus den Kräften der Tradition und der Innovation. Ohne Fortschritt verödet Tradition. Und niemand möchte einen Aschenhaufen hüten. Wo die Spannung zwischen Ideal und Wirklichkeit, zwischen Innovation und Tradition durchgetragen wird, da reift die Spannkraft für das Mögliche; da entsteht Fortschritt.

Doch der Fortschritt ist über die rasante Zivilisationsdynamik der vergangenen Jahre in eine bisher nie gekannte, exponentielle Beschleunigung geraten – entstanden ist eine Art „Gegenwartsschrumpfung“. Und eine geschrumpfte Gegenwart lässt keine Zeit für eingehende Reflexion. So sieht es der Philosoph Hermann Lübbe. [2] Die Fortschrittsidee wurde ersetzt durch die Innovationsrhetorik. [3] Das generierte in den Schulen eine dichte, in gewissen Phasen gar chaotische und unkoordinierte Reformkaskade; die schnelle Abfolge mit immer neuen Projekten führte zu Hektik und Atemnot. [weiterlesen]

[1] Karl Schmid (1998), Gesammelte Werke. Bd. VI 1970–1974. Standortmeldungen. Thomas Sprecher, Judith Niederberger (Hg.). Zürich: Verlag NZZ, S. 305.
[2] Hermann Lübbe (1998), Gegenwartsschrumpfung. In: Klaus Backhaus & Holger Bonus (Hg.), Die Beschleunigungsfalle oder der Triumph der Schildkröte. Stuttgart: Schäffer-Poeschel, S. 129ff.
[3] Roland Reichenbach (2018), Ethik der Bildung und Erziehung. Essays zur Pädagogischen Ethik. Paderborn: Ferdinand Schöningh, S. 82.

[Quelle: Artikel von Carl Bossard aus Journal21, 17.05.2020]

 

16.05.2020

Interpellation gegen ideologisch geprägten Lehrplan

Am 14. Mai reichten Anita Biedert (SVP) und Regina Werthmüller (parteilos, Vorstandsmitglied Starke Schule) eine Interpellation im Landrat mit brisanten Zitaten der SLK, AKK, KLS und LVB ein. Diese betreffen den Lehrplan Volksschule Baselland mit seinen 3'536 Kompetenzbeschreibungen. Die Berufsverbände und Bildungsorganisationen fordern "unisono klare Stoffinhalte". Nachfolgend können Sie die gesamte Interpellation lesen:

Berufsverbände fordern unisono klare Stoffinhalte

Der Lehrplan Volksschule Baselland besteht aus zwei Teilen: Teil A trägt den Titel «Stoffinhalte und Themen», Teil B enthält 3'536 Kompetenzbeschreibungen des Lehrplans 21. Trotz des irreführenden Titels besteht auch Teil A vorwiegend aus Kompetenzbeschreibungen, die oft schwammig formuliert und nicht umsetzbar sind. Das Amt für Volksschulen (AVS) will jedoch entgegen der gemeinsamen Position von SLK, AKK, KLS, LVB und SSbB weiterhin einen Lehrplan, bei dem beide Teile A und B aus Kompetenzbeschreibungen bestehen. Damit wird der Volksentscheid vom Juni 2018 missachtet und ein brauchbarer Lehrplan für die Lehrpersonen verhindert.

SLK
AKK
KLS
LVB
SSbB 

Schulleitungskonferenz Sekundarstufe 1
Amtliche Kantonalkonferenz
Konferenz der Lehrer/-innen der Sekundarstufe 1
Lehrerinnen- und Lehrerverein
Starke Schule beider Basel

 
Volksentscheid wird nicht umgesetzt

An der Volksabstimmung vom Juni 2018 stimmten 84.2% der Wählenden JA zu klar definierten Stoffinhalten und Themen in den Lehrplänen. Umgesetzt wurde dieser Volksentscheid nicht. Der Lehrplanteil A besteht weiterhin nahezu ausschliesslich aus Kompetenzbeschreibungen. Die Lehrpersonen können zwar in einem gross angelegten und teuren Rückmeldeprozess zum Lehrplanteil A teilnehmen, jedoch ist dieser durch die eng vorgegebenen Fragestellungen so gesteuert, dass eine echte und strukturelle Kritik nahezu verunmöglicht wird. Beispielsweise wird unterbunden, dass die Lehrpersonen Stoffinhalte und Themen anstelle von schwammigen Kompetenzbeschreibungen im Lehrplananteil A fordern können. Der zurzeit laufende Rücklaufprozess wird auf diese Art zur Farce.

Ebenso befürworteten im November 2019 84.8% eine geleitete Lehrmittelfreiheit mit einem schrittweisen Aufbau von Grammatik, Grundwortschatz und Orthografie in den beiden Fremdsprachen Englisch und Französisch. Aufgrund dieser klaren Abstimmungsresultate beauftragte die Bildungsdirektion (BKSD) für die beiden Fremdsprachen Englisch und Französisch je ein Expertenteam aus erfahrenen Fachlehrpersonen der Sekundarstufe 1 mit der Erarbeitung eines neuen Lehrplanteils A «Stoffinhalte und Themen».

Lehrplanentwurf Englisch findet grosse Zustimmung

Das AVS, welches die beiden Arbeitsgruppen Englisch und Französisch instruierte, erarbeitete im Vorfeld in Eigenregie einen neuen Lehrplanteil A, der wiederum nahezu ausschliesslich Kompetenzbeschreibungen enthielt, und legte diesen den beiden Arbeitsgruppen vor. Diese konnten zwar punktuelle Änderungen vornehmen, prinzipielle und insbesondere strukturelle Korrekturen waren jedoch nicht erwünscht. Die Fachexperten hätten diese Vorlage «abnicken» sollen.

Die Französischlehrpersonen beugten sich dem Druck des AVS. Sie übernahmen dessen Lehrplan mit reinen Kompetenzbeschreibungen strukturell und weitgehend auch inhaltlich. Die Englischlehrpersonen hingegen setzten den Volkswillen um: Sie erarbeiteten einen übersichtlichen und prägnant formulierten Lehrplanteil A mit klar definierten Stoffinhalten und Themenbereichen ohne Kompetenzbeschreibungen, ausgerichtet auf die drei Leistungsprofile A, E und P. Die 3'536 Kompetenzbeschreibungen beliessen sie unverändert im Lehrplanteil B. Der bemerkenswert klar strukturierte Englisch-Lehrplanteil A hat einen Umfang von 1 bis 2 Seiten pro Schuljahr, was ihn für die Lehrpersonen zu einem hilfreichen Arbeitsinstrument macht. AKK, KLS, LVB, SSbB und SLK bekundeten denn auch ihre grosse Zustimmung zum Englisch-Lehrplanentwurf.

Berufsverbände und Bildungsorganisationen sind sich einig

SLK, AKK, KLS, LVB und SSbB sind sich einig: Der vom Expertenteam in den vergangenen Monaten neu erarbeitete Lehrplan Englisch für die Sekundarstufe 1 stösst bei den Lehrpersonen auf grosse Zustimmung. Das AVS hingegen will für die beiden Fremdsprachen Französisch und Englisch einen Lehrplan, der weiterhin nahezu ausschliesslich aus Kompetenzbeschreibungen besteht.

Im Folgenden einige Zitate aus den Stellungnahmen von SLK, AKK, KLS, LVB und SSbB, welche Bildungsrat und AVS unter Verschluss halten wollen:

  • AKK: «Wir unterstützen im Wesentlichen die Stellungnahme der Stufenkonferenz KLS. Kurz zusammengefasst halten wir fest, dass der Entwurf des Lehrplanes Englisch grosse Akzeptanz findet, der Entwurf des Lehrplanes Französisch aber als stark überladen und unübersichtlich beurteilt wird. Wir fordern, den Lehrplan Französisch auf ein für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte bearbeitbares Mass zu kürzen und ihn übersichtlicher und benutzerfreundlicher zu gestalten.»

  • KLS: «Die KLS anerkennt (…) die Notwendigkeit die Lehrpläne anzupassen. In erster Linie für den Teil 1 [Lehrplanteil A] ‘Stoffinhalte und Themen’ des Lehrplans Volksschule Baselland wünscht sich die KLS eine übersichtliche und klar formulierte Fassung, welche möglichst ohne Kompetenzbeschreibungen auskommt und auf 1 bis 3 Seiten pro Schuljahr und Fach prägnant und klar aufgebaut Stoffinhalte und Themen festhält, an welchen man sich unabhängig vom Lehrmittel orientieren kann. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Wahl des Lehrmittels sich im Falle eines Schul- und Klassenwechsels nicht negativ auf den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler auswirkt. Die vorliegende Fassung des Lehrplans Englisch erfüllt diese Anforderungen vollumgänglich (…). Der Lehrplanentwurf Französisch erachtet die KLS jedoch als viel zu umfangreich, unübersichtlich und wenig hilfreich. (…)» Die KLS wünscht sich «eine vereinfachte und gestraffte Version des ausgearbeiteten Lehrplans, in der Form wie sie in Englisch erarbeitet wurde.»

  • SLK: Der Französischlehrplan «soll sich in der Art am Englischlehrplan orientieren und viel konkreter formuliert sein. Alles, was bereits im Lehrplan 21 [Lehrplanteil B] formuliert und dargestellt ist, gilt und muss [im Lehrplanteil A] nicht wiederholt werden. Die Treffpunkte müssen sich in der Formulierung und v.a. Prägnanz am Englischlehrplan orientieren.»

  • LVB: Der LVB hat seine Mitglieder zu den beiden Lehrplanentwürfen detailliert befragt. «Auf den ersten Blick wird erkennbar, dass der Lehrplanentwurf Englisch grosse Zustimmung findet, während der Lehrplanentwurf Französisch durchfällt. (…) Aus den Kommentaren geht insbesondere hervor, dass der Lehrplanentwurf Französisch als viel zu lang und zu unübersichtlich empfunden wird. (…) Basierend auf den Ergebnissen unserer Befragungen fordern wir eine Überarbeitung des Lehrplanentwurfs Französisch, die sich am Vorbild des Lehrplanentwurfs Englisch orientiert.»

  • SSbB: «Der neu erarbeitete Englischlehrplan der Sekundarstufe 1 setzt den Volkswillen um, indem er sich auf reine Stoffinhalte und Themenfelder fokussiert und Kompetenzbeschreibungen nur dort festgeschrieben sind, wo diese unabdingbar notwendig sind. Sein Umfang erstreckt sich auf 1.5 bis 2 Seiten pro Schuljahr, was ihn sehr übersichtlich und schnell verständlich macht. Er verzichtet dabei auf eine unnötige Tiefenstrukturierung und Detailversessenheit, was den Lehrpersonen entsprechende Leitgedanken und trotzdem eine grosse pädagogische Umsetzungsfreiheit gewährt. Die Starke Schule befürwortet den von erfahrenen Englisch-Lehrpersonen erarbeiteten Lehrplan vollumfänglich. Der überarbeitete Französischlehrplan missachtet den Volkswillen, indem er die Stoffinhalte und Themen zu wenig prägnant ausweist und andererseits umfangreiche Formulierungen im Stil des kompetenzorientierten Lehrplanteils B beinhaltet. Zudem verfügt er über knapp 30 Seiten, was die Lesbarkeit und Übersicht erschweren. Solche Lehrpläne finden im Schulalltag keine oder höchstens geringe Beachtung. Demzufolge ist eine Harmonisierung der Stoffinhalte illusorisch, da die folglich im Unterricht umgesetzten Themenfelder nicht übereinstimmen werden.»
     
  • Die Lehrpersonen und Fachexperten wünschen sich keinen Lehrplan, der ausschliesslich aus Kompetenzbeschreibungen besteht, zumal viele davon abgehoben und nicht umsetzbar sind. Und das Stimmvolk gibt ihnen Recht. Es hat zweimal (Juni 2018 und November 2019) mit überwältigendem Mehr JA gesagt zu einem Lehrplan mit klar definierten Stoffinhalten und Themen, welche differenziert auf die drei Leistungsprofile A, E und P ausgerichtet sind. Auch die politischen Diskussionen und Verlautbarungen des Gesetzgebers im Vorfeld der Abstimmungen und die Kommunikation des politischen Willens gegenüber dem Stimmvolk waren eindeutig.

Ideologisch geprägter Lehrplan

Die Starke Schule beider Basel bedauert den Entscheid des AVS, entgegen der Position von Bildungsorganisationen, Basis und Berufsverbänden weiterhin einen ideologisch geprägten und für die Lehrpersonen kaum praktikablen Lehrplan erzwingen zu wollen. Wir bitten den Bildungsrat, den deutlichen Volksentscheid für klare Stoffinhalte und Themen im Teil A in den Lehrplänen umzusetzen.

Wir bitten den Regierungsrat um die Beantwortung der folgenden Frage:

Ist der Regierungsrat bereit, diesen klaren Willen von Berufsverbänden, Bildungsorganisationen und dem Stimmvolk umzusetzen und dafür zu sorgen, dass der Lehrplanteil A aus reinen Stoffinhalten und Themen besteht und nicht aus Kompetenzbeschreibungen?

Anita Biedert (SVP)
Regina Werthmüller (parteilos, Vorstandsmitglied Starke Schule beider Basel)


Die Basler Zeitung hat zu diesem Thema zwei pointierte Artikel geschrieben. Lesen Sie die beiden Texte hier: "Der Sololauf des Chef-Ideologen" und "Ein Kampf um die Deutungshoheit"

 

15.05.2020

Angebote der Speziellen Förderung und der Sonderschulung

Der Landrat  behandelt an der nächsten Landratssitzung die Vorlage "Bildungsqualität in der Volksschule stärken - Angebote der Speziellen Förderung und der Sonderschulung". Die vorberatende Bildungskommission empfehlt dem Parlament einstimmig, die Vorlage anzunehmen.

Nachdem der Kanton Basel-Landschaft 2010 dem Sonderpädagogik-Konkordat beigetreten ist und die integrative Schulung nach und nach erweitert wurde, wird mit dieser Vorlage eine Änderung im Bildungsgesetz beantragt, damit die Bildungsqualität in der Speziellen Förderung und der Sonderschulung einerseits gesichert bleibt und gleichzeitig weitere Vereinfachungen in den Prozessen ermöglicht werden können.

Eine wesentliche Neuerung ist die Einführung von Lektionen-Pools, welcher den Schulen im Verhältnis zur Anzahl Schüler/-innen zur Verfügung gestellt wird und über deren Einsatz sie grossteils selbst entscheiden können. Ziel soll es dabei sein, die administrativen und organisatorischen Abläufe zu vereinfachen und gezielt und effizient auf die schulspezifischen Bedürfnisse zu reagieren. So soll die Schulleitung selbst entscheiden können, ob die Förderung durch Schulische Heilpädagogik, Sozialpädagogik, Assistenz oder Regelpädagogik durchgeführt werden soll. Weiterhin liegt es in ihrer Entscheidung, ob die Ressourcen für Einzel- oder Gruppenförderungen oder für gezielte Unterstützung von Regelklassen eingesetzt werden sollen.

Isolierte und intensive Einzelmassen sollen reduziert und der Regelunterricht dafür gestärkt werden. Mit dem Pool kann die Schule personell so organisiert werden, dass Funktionen auf möglichst wenige Lehrpersonen pro Klasse gebündelt werden, was sich wiederum positiv auf eine starke Lernbeziehung auswirkt. 

Ganz generell zeigt sich mit den in der Vorlage angestrebten Anpassungen, dass der Einsatz der Speziellen Förderung vereinfacht und gezielter eingesetzt werden soll, damit der Lernerfolg aller Schüler/-innen gewährleistet wird.

Saskia Olsson, Vorstand Starke Schule beider Basel

 

09.05.2020

Uneinheitlicher Schulstart

Am 11. Mai geht der Schulunterricht in der Schweiz wieder im Klassenzimmer los. Leider konnten sich die einzelnen Kantone nicht für eine einheitliche Strategie einigen. Während einige Kantone den Unterricht mit den kompletten Klassen wieder starten, haben sich andere Kantone für den Unterricht in Halbklassen entschieden. Im Kanton Tessin hat man den Schulen sogar die Kompetenz gegeben, selbst zu entscheiden, ob sie den Unterricht im Klassenzimmer wieder starten wollen oder nicht. Diese Ungleichheit führt bei vielen Lehrpersonen zu Unsicherheit. Hier eine Karte der Schweiz, auf welcher ersichtlich wird, wie die einzelnen Kantone vorgehen werden.


 
02.05.2020

Schutzkonzept für Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts

Am 11. Mai werden die Primar- und Sekundarschulen geöffnet und die Kinder und Jugendlichen dürfen wieder die Schulbank drücken. Damit keine zweite Corona-Welle aufkommt, tritt das folgende Schutz- und Organisationskonzept in Kraft.

Grundsatz
Generell gelten die Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit und die Weisungen und Anordnungen der kantonalen Gesundheitsbehörden. Der Bundesrat hat beschlossen, das Verbot für den Präsenzunterricht an den obligatorischen Schulen per 11. Mai 2020 aufzuheben. Durch geeignete Schutzmassnahmen soll der Unterricht ohne Gefährdung für Schülerschaft und Personal wieder durchgeführt werden können. Die Öffnung gilt gleichermassen für öffentliche wie private Schulen und umfasst sämtliche schulischen Angebote (Unterricht, Förderangebote, Instrumentalunterricht, etc.). Grundlage bildet das Dokument «COVID-19 Grundprinzipien: Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts an obligatorischen Schulen als Grundlage für die Ausarbeitung der Schutzkonzepte der Schulen» des Bundesamts für Gesundheit vom 29. April 2020. Nachfolgendes Konzept beschreibt, welche Schutzprinzipien für eine Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts der Volksschulen Basel-Landschaft zu berücksichtigen sind. Diese Prinzipien richten sich an die zuständigen Schulleitungen und dienen als Basis für schulbezogene Schutzmassnahmen, welche entsprechend der lokalen Gegebenheiten zu organisieren sind.

Ziele
Der Schutz der besonders gefährdeten Gruppen in der Schule sowie im häuslichen Umfeld der Schülerinnen und Schüler und des Personals. Der Schutz aller Personen (Erwachsene, Schülerinnen und Schüler) in der Schule. Die Ermöglichung des Schulbesuchs aller Schülerinnen und Schüler (mit Ausnahme kranker Kinder und Kinder, die unter Quarantäne stehen).

Besonders gefährdete Personen
Als besonders gefährdete Gruppen gelten Personen über 65 Jahre und Personen mit behandeltem/therapiebedürftigem Bluthochdruck, chronischen Atemwegserkrankungen, Diabetes mellitus, Erkrankungen und Therapien, die das Immunsystem beeinträchtigen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und gesunde Schülerinnen und Schüler und Mitarbeitende, welche mit besonders gefährdeten Personen im gleichen Haushalt leben. Mitarbeitende, Schülerinnen und Schüler und deren Erziehungsberechtigte machen ihre besondere Gefährdung durch eine persönliche Erklärung geltend. Der Schulleitung wird ein ärztliches Attest vorgelegt.

Erkrankte Mitarbeitende, Schülerinnen und Schüler
Eine Mitarbeiterin/ein Mitarbeiter mit den folgenden Krankheitssymptomen begibt sich bis zur Klärung der Situation umgehend in Selbstisolation und vermeidet möglichst den Kontakt zu anderen Personen: Husten (meist trocken), Halsschmerzen, Kurzatmigkeit, Fieber, Fiebergefühl, Muskelschmerzen und plötzlicher Verlust des Geruchs- und/oder Geschmackssinns. Der/Die betroffene Mitarbeitende nimmt zur Klärung des weiteren (medizinischen) Vorgehens so rasch als möglich mit seinem/ihrem Arzt oder Ärztin telefonischen Kontakt auf.

Erkrankte Familienangehörige der Mitarbeitenden, Schülerinnen und Schüler
Bei einem Corona-Fall in der Familie des/der Mitarbeitenden (im gleichen Haushalt lebend) bleibt diese Person mit der ganzen Familie in Quarantäne. Entwickelt sie in dieser Zeit keine Symptome, kann sie nach 10 Tagen wieder in die Schule gehen.

Umgang mit Quarantäne- und Isolations-Massnahmen im Schulsetting
Sowohl für Mitarbeitende wie auch Schülerinnen und Schüler sind die Massnahmen für Selbstisolation und -quarantäne bindend. Personen, welche Krankheitssymptome aufweisen, sollen sich umgehend in Isolation begeben. Personen, welche in engem Kontakt mit einer erkrankten Person standen, insbesondere auch im Rahmen des familiären Zusammenlebens oder Intimkontakten, sollen sich umgehend in Quarantäne begeben. Das Miteinander der Kinder im schulischen Setting wird nicht als enger Kontakt definiert. Falls jedoch gehäufte Fälle in einem schulischen Setting vorkommen, wird von engem Kontakt gesprochen und muss eine Quarantäne umgesetzt werden. Dabei sind die Weisungen des kantonsärztlichen Dienstes zu befolgen. Insbesondere müssen für diese Situation Konzepte bestehen, wie definierte Gruppen innerhalb der Schule voneinander getrennt werden können, um die Verbreitung des Virus zu verhindern.

Allgemeine Hygienemassnahmen
Alle Personen, die in einem Schulhaus verkehren, müssen die empfohlenen Hygieneregeln einhalten und in deren korrekter Durchführung geschult werden (Hände-, Gegenstands- und Oberflächenhygiene; kein Händeschütteln). Vor Unterrichtsbeginn und nach der grossen Pause müssen alle Schülerinnen und Schüler die Hände waschen. Die Waschbecken müssen mit Flüssigseifenspendern und ausreichend Einmalhandtüchern ausgestattet sein. Im Bereich für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollten Waschbecken mit Flüssigseifenspendern und Einmalhandtüchern sowie Desinfektionsmittel zur Verfügung stehen. Kinder sollen angehalten werden, Essen und Getränke nicht mit anderen zu teilen. In allen Unterrichtszimmern steht Putzmaterial zur Reinigung der Oberflächen der Tische zur Verfügung. Oberflächen, Schalter, Fenster- und Türfallen, Treppengeländer sowie die WC-Infrastruktur und Waschbecken müssen 2 x täglich gereinigt werden. Schülerinnen und Schüler sollen nur in Ausnahmefällen Desinfektionsmittel benutzen. Alle Räumlichkeiten sind regelmässig und ausgiebig zu lüften, Unterrichtsräume nach jeder Schulstunde. Alle öffentlichen Schulen werden vom Kanton mit einem Starterkit (persönliches Desinfektionsmittel für alle Mitarbeitenden, einfache Schutzmasken für besondere Situationen pro Schule) beliefert. Das präventive Tragen von Masken in der Schule wird nicht empfohlen. Im Schulhaus sollen Hygienemasken für spezielle Situationen zur Verfügung stehen (z.B. für plötzlich erkrankte Kinder und für die betreuende Lehrperson während der Wartezeit und für den Transport). Das präventive Tragen von Handschuhen wird nicht empfohlen. Erziehungsberechtigte, die ihre Kinder zur Schule bringen, sollen das Schulareal meiden.

Schulinterne Schutzmassnahmen
Die Schule regelt die Einhaltung der BAG-Vorschriften zum Abstandhalten für die Mitarbeitenden (Lehrpersonenzimmer, Kopier-, Arbeits- und Pausenräume, etc.). Insbesondere werden auch die Wegführung im Schulhaus und das Pausenverhalten berücksichtigt. Die Lehrpersonen definieren persönliche Schutzzonen innerhalb ihres Schulzimmers. Der empfohlene Mindestabstand von 2 Metern soll zwischen Erwachsenen ausnahmslos sowie zwischen Erwachsenen und Kindern/Jugendlichen wann immer möglich eingehalten werden. Für das Lehrpersonenzimmer und weitere Gemeinschaftsräume für die Lehrpersonen und Schulpersonal werden Maximalzahlen für die erlaubte Anzahl anwesender Personen definiert (Richtwert 1 Person pro 10m2).

Unterrichtsorganisation
Im Kanton Basel-Landschaft findet der Unterricht an den Schulen ab Montag, 11. Mai 2020, wieder in Form von Präsenzunterricht statt, und dies grundsätzlich nach geltendem Lehrplan und Stundenplan. Bei reduziertem Personalbestand sind die Schulleitungen aufgefordert, pragmatische und machbare Lösungen zu finden. Dabei können folgende Strategien verfolgt werden: Einsatz vorhandener Personalressourcen (Lehrpersonen für Teamteaching, Förderangebote, alternative Lernorte, Wahlfächer oder Praktika), Einsatz von internen und externen Stellvertretungen oder Einsatz von Studierenden der Pädagogischen Hochschule. Wenn die obengenannten Strategien den Regelunterricht nicht garantieren, schlägt die Schulleitung weitere Varianten vor und spricht diese mit dem Amt für Volksschulen ab. Die Schulleitungen erarbeiten Konzepte für die Beschulung der Schülerinnen und Schüler, welche zu Hause bleiben müssen. Dafür sollen primär die gefährdeten Lehrpersonen eingesetzt werden, welche nicht in der Schule unterrichten können.

Anlässe
Aktivitäten mit höheren Übertragungsrisiken sollen vermieden werden, zum Beispiel Aktivitäten mit engen interpersonellen Kontakten oder grossem Personenaufkommen. Bis zu den Sommerferien dürfen keine Lager, keine Schulreisen mit ÖV-Benutzung, keine Schulreisen mit Übernachtungen, keine Exkursionen in öffentliche Institutionen und keine Veranstaltungen mit direkter Elternbeteiligung durchgeführt werden. Möglich sind Anlässe in der Schule, Unterricht ausserhalb des Schulzimmers und Ausflüge maximal im Klassenverband und mit Begleitung von möglichst wenig Lehrpersonen. Schnupperbesuche von Kindergartenkindern in der Primarschule sind innerhalb der eigenen Schule ohne Eltern möglich. Schulbesuche an der Sekundarschule finden nicht statt.

Leistungsbewertungen (Noten und Prädikate)
Auf Grund der aktuellen Situation legt das Amt für Volksschulen fest, dass bis zu den Sommerferien keine für das Zeugnis zählenden Noten und Prädikate mehr gesetzt werden. Leistungserhebungen bzw. Lernkontrollen sollen weiterhin stattfinden. Eltern und Schulkinder sollen weiter über den Lernfortschritt informiert werden. Die Bewertungen fliessen jedoch nur in die Gesamtbeurteilung ein. Die Gesamtbeurteilung umfasst, neben den bestehenden Noten und Prädikaten bis am 16. März 2020, das Lern-, Arbeits- und Sozialverhalten sowie die Persönlichkeitsentwicklung über das ganze Schuljahr hinweg. Sie bildet die Grundlage für die Entscheide des Klassenkonvents.

Sportunterricht
Mit der Aufnahme des Präsenzunterrichtes findet auch der Sportunterricht wieder statt. Die Schutzvorschriften des BAG müssen eingehalten werden. Die Lehrpersonen überlegen sich, wie der Sportunterricht gestaltet werden kann, um den Körperkontakt zu den Schülerinnen und Schülern möglichst zu verhindern. Der Schwimmunterricht wird erst wieder aufgenommen, wenn der Bund die Sportbäder wieder öffnet.

 

22.04.2020

Forderung eines praxistauglichen Schulkonzepts

Der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) stellt für die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichs an obligatorischen Schulen (Primar- und Sekundarstufe 1) am 11. Mai die klare Forderung eines praxistauglichen Schulkonzepts. Die Starke Schule beider Basel schliesst sich dieser Forderungen an. Die Umsetzung für die Zeit nach dem Ende des Coronavirus-Lockdowns dürfte jedoch alles andere als einfach werden, ohne eine Übertragung des Virus an den Schulen zu riskieren.

Die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts am 11. Mai für die obligatorischen Schulen und am 8. Juni für alle weiterführenden Bildungsstätten (Schulen der Sekundarstufe 2, Fachhochschulen, Universitäten usw.) wird von den meisten Bildungsorganisationen und Verbänden unterstützt, so auch vom LCH und der SSbB. In einer kürzlich verschickten Medienmitteilung formuliert der LCH einige wichtige Forderungen in Bezug auf die Hygienevorschriften, den Schutz der Risikogruppen und der Chancengleichheit. So soll ein praxistaugliches Schutzkonzept vorgelegt werden, welches aufzeigt, wie die Distanzregeln in der Schule umgesetzt werden sollen. Gerade diese Umsetzung ist bei einem Klassenzimmer von rund 60 - 70 Quadratmetern und bis zu 24 Schüler/-innen kaum möglich, auch wenn einzelne zusätzliche Gruppenräume zur Verfügung stehen. Wichtig ist es, dass die Schulzimmer, die Sanitäranlagen und die Eingangs- und Aussenbereiche entsprechend umgestaltet werden, um den grösstmöglichen Schutz zu erzielen.

Für die SSbB steht fest, dass der Schutz der Schulkinder, Lehrpersonen und insbesondere der Risikogruppen zentral ist. Schüler/-innen, die selbst an Vorerkrankungen leiden oder deren Eltern zu einer Risikogruppe gehören, müssen unbürokratisch vom Präsenzunterricht dispensiert werden können. Zu beachten gilt auch, dass es organisatorisch und aufgrund des Arbeitsvolumens nicht möglich sein wird, gleichzeitig für einen Teil einer Klasse Präsenzunterricht durchzuführen und für den anderen Teil den Fernunterricht weiterzuführen. Wichtig ist, dass praktikable Lösungen angestrebt werden. Auch die Aufteilung von Klassen in Halbklassen, was aus pädagogischer Sicht durchaus Vorteile bietet, ist faktisch nicht umsetzbar, weil die entsprechenden Ressourcen (genügend Klassenzimmer und genügend Lehrpersonal) schlichtweg fehlen.

Gleichwohl muss berücksichtigt werden, dass sich die Leistungsunterschiede während des Fernunterrichts vergrössert haben. Auch der LCH hält in seiner Stellungnahme fest, dass sich die bestehenden Leistungsunterschiede zwischen Schüler/-innen von bildungsnahen und bildungsfernen Eltern während der Coronapandemie noch weiter verstärkt haben. Umso wichtiger ist es, dass nach der Öffnung der Schulen gezielte Unterstützungsmassnahmen angeboten werden, welche den Anschluss der leistungsschwächeren Schulkinder wieder ermöglichen.

 
22.04.2020

Papa und das iPad


                                  
  
18.04.2020

Warum die Corona-Krise gerade für Jugendliche ein Albtraum ist

Schulfrei bis zu den Sommerferien! Von einer solcher Mitteilung mag mancher Leser in der Jugend geträumt haben. Ausschlafen, Musik hören und den Tag so verbringen, wie es einem passt. Die spontane Reaktion vieler Jugendlicher beim Ausbruch der Corona-Krise war ähnlich: Chillen, Chatten, Gamen, Ausschlafen, Netflix-Binge stehe nun auf dem Programm. Natürlich wüssten sie, dass der Unterricht nun digital und über Spezialaufgaben durchgeführt werde, doch die Eltern habe man im Griff, und die Lehrpersonen könne man austricksen.

Inzwischen hat die Realität die Jugendlichen eingeholt. Für viele wurde die schulfreie Zeit zu einer riesigen Herausforderung oder gar zu einem Albtraum. Obwohl die Lehrpersonen dank der Digitalisierung, Kontakttagen und speziellen Präparationen grosse Anstrengungen unternehmen, weiterhin zu unterrichten, sind die Jugendlichen mit der neuen Situation überfordert. Die Nähe zu den Eltern führt zu Konflikten. Man ist ihnen ausgeliefert. Das Streben nach Unabhängigkeit und einer eigenen Identität wird blockiert. Der mütterlichen Fürsorge kann man nur durch Rückzug ins eigene Zimmer entfliehen, und das Herumtigern des Vaters regt einen auf. 

Andere Jugendliche setzen die Eltern als Hilfskräfte bei den Schulaufgaben ein, provozieren regelmässig Streite, um ihre Frustrationen abzureagieren. Familiäre Konflikte eskalieren, Gewalt droht. Wieder andere Jugendliche kompensieren ihre Unsicherheit durch eine unnatürliche Beflissenheit, wenn es um die Aufgaben der Schule geht, und nicht wenige verfallen in eine Depression. Zweifel an sich selber brechen auf, und Komplexe werden aktiviert. Sie beginnen am Sinn des Lebens zu zweifeln und wissen nicht weiter. 

Die meisten Jugendlichen verfügen nicht über die Fähigkeit zur Selbstdisziplinierung, um die verordnete Isolation ruhig zu ertragen. Ihre Emotionskontrolle ist noch nicht ausgereift, Anweisungen der Erwachsenen begegnen sie mit Skepsis, und ausserdem wäre eine gewisse Distanz zu den Eltern angesagt. Die Begründungen der politischen Akteure erreichen nicht alle, und alternative Erklärungen werden attraktiv: Die Corona-Krise sei bewusst von den Chinesen ausgelöst worden, um die Weltherrschaft zu übernehmen. Die Isolation widerspricht den Bedürfnissen ihrer Entwicklungsphase. Die Schule leistet Grossartiges, um das Lernprogramm digital weiterzuführen. Die Schule hat für Jugendliche jedoch auch Funktionen, die nichts mit dem Lernen zu tun haben. Aus ihrer subjektiven Warte sind Stoffvermittlung und Lernen sekundär. Sie sehen in der Schule vor allem einen Raum, wo man gleichaltrige Kollegen und Kolleginnen trifft und Eigenständigkeit probt. Man kann mit den Mitschülern News austauschen, klatschen, flirten, blödeln, über Lehrpersonen und Eltern lästern oder einfach zusammen sein. Jugendliche erfahren sich als soziale Wesen, können experimentieren und neue Kontakte knüpfen. Unter dem Radar der Erwachsenen werden Gegenwelten inszeniert, die für die eigene Identitätsentwicklung wichtig sind. Die Lehrpersonen bleiben wichtige Akteure. Oft repräsentieren sie einen Gegenpol zur eigenen Haltung. Ihr persönlicher Einsatz und ihre Aufregung dienen als Orientierungshilfe. Lehrpersonen haben sich jedoch auf den Unterricht zu konzentrieren, auch wenn sie realisieren, dass diese emotionalen Prozesse und persönliche Begegnungen entscheidend für eine erfolgreiche Schule sind. 

Diese Bedeutung der Schule verhilft vielen Jugendlichen zu emotionaler Stabilität. Die Nähe zu den Eltern ist ertragbar, weil man sich zwischendurch abmelden und den sozialen Dynamiken und Kontakten der Schule widmen kann. Aspirationen werden ausgelebt, Interessen verfolgt, Trends wird nachgegangen, und eigene Grenzen werden getestet. Die Schule ist für Jugendliche eine Arena, wo man sich individuieren darf, ohne dass Erwachsene dreinreden. Wenn diese entfällt, dann droht eine innere Leere, die sich auf die psychische Befindlichkeit auswirkt. Depressive Reaktionen, Familienkonflikte und sogar Gewalt können die Folge sein. 

Online-Lernen und -Kontakte sind Überbrückungshilfen, doch sie genügen nicht, um diese schwierige Zeit durchzustehen. Jugendliche müssen auch in ihrer Psycho-Emotionalität abgeholt werden. Eine Möglichkeit ist der systematische Einsatz von Geschichten über Grunderfahrungen und Dilemmas des Lebens. Es kann sich um persönliche Berichte der Eltern oder Fremdgeschichten handeln, die im Familienkreis erzählt werden, oder eine fortlaufende Online-Geschichte, wie es im Projekt «Kinder helfen Kindern über Geschichten» gemacht wird. Jugendliche brauchen auch weiterhin Tätigkeiten, damit sie sich ausserhalb der Familie profilieren können: Zeitungsvertragen, Nachbarschaftshilfe, Einkaufen, Kochen. Über Geschichten oder Tätigkeiten bleiben sie mit der Aussenwelt verbunden, und es drohen weniger innerfamiliäre Konflikte. 

Allan Guggenbühl, Psychologe und Pädagoge

[Quelle: NZZ vom 02.04.2020]

 

15.4.2020

Erziehung an der Schule



 
 
11.04.2020

Neue Reform – gleiches Muster

Nie verkaufen sich Schulreformen so einfach wie in zumindest scheinbar schwierigen Zeiten. Orientierungslose Bildungswissenschaftler glauben dann noch mehr an revolutionäre Heilsbotschaften. So geschehen beim inszenierten PISA-Schock. Jenes herbeigeredete Bildungsdesaster warf hohe Wellen, suggerierte Bedürfnisse nach Neuem und warf Bewährtes mir nichts, dir nichts über Bord. So wurde 2004 in sechs Kantonen unter dem Deckmantel von Harmos beschlossen, den Fremdsprachenunterricht an der Volksschule „von Grund auf zu erneuern“. (Quelle: https://www.fremdsprachenunterricht.ch/hintergrund/das-projekt-passepartout)

Szenenwechsel. März 2020: Mit Corona ist eine weltweite Krise über uns gekommen. Sie gibt einer anderen revolutionären Heilsbotschaft Aufschwung. Vor lauter Panik, man könnte im digitalen Sektor abgehängt werden, überbieten sich Kantone und Länder in Aktionismus, als ob es kein Morgen gäbe.

Doch die Digitalisierung des Unterrichts wurde von langer Hand am Schreibtisch vorbereitet, ohne Einbezug der Bedürfnisse von Lernenden und Lehrpersonen. Wie nach dem PISA-Schock wird erneut top-down definiert, wie die Schule von morgen auszusehen habe. Die digitale Maschinerie birgt neben unbestrittenen Vorteilen auch viele Risiken und Nachteile, die natürlich nicht zur Debatte stehen sollen. Schliesslich ist man euphorisiert im digitalen Flow der vermeintlichen technischen Möglichkeiten. Doch wie soll die Zukunft der Schule aussehen? Darauf weiss einzig und allein die IT-Branche die Antwort, zwar nicht die beste für die Schule, aber die beste für die Branche.

Man erinnere sich an Passepartout: Kritiker wurden von Beginn an belächelt und als rückständig hingestellt. Studien, die dem Konzept ein schlechtes Zeugnis ausstellten, wurden systematisch ignoriert. Millionen versandeten in überteuerten Weiterbildungen, nach dem Motto: Was viel kostet, muss erstens gut sein und darf zweitens nicht scheitern. Schliesslich will niemand für verpulverte Steuergelder geradestehen. Dass die meisten Lehrpersonen Passepartout skeptisch bis ablehnend gegenüberstanden, wurde mit dem Argument beiseite gewischt, dass die Staatsdiener Geduld bräuchten, sie würden sich schon noch mit dem Konzept anfreunden. Wer das nicht konnte, dem wurde stinkfrech die Lehrbefähigung abgesprochen.

Passepartout, die Sternstunde des modernen Fremdsprachenunterrichts, war eine «heilige Kuh», und entzog sich folglich jeglicher Kritik. Es dauerte rund acht Jahre, bis der ideologische Irrsinn gestoppt werden konnte. Die Umfragewerte unter den Lehrpersonen waren unterirdisch, die Leistungen der Lernenden ebenso. Zuletzt sprach sich das Baselbieter Stimmvolk im November 2019 mittels einer geleiteten Lehrmittelfreiheit überdeutlich für den Übungsabbruch aus. Wie lange wird es dauern, bis die ernüchternde Erkenntnis einkehrt, dass sich mit der Heilsbotschaft «Digitalisierung» dieselben Fehler wie bei Passepartout wiederholen? Hurraschreiend werden Millionen für Hard- und Software ausgegeben, um den zwischenmenschlichen Austausch im Schulzimmer mit dem Bildschirm zu ersetzen. Dem neoliberalen Diktat folgend könnten mit einer Institutionalisierung der virtuellen Welt Personalkosten eingespart werden.

Die Digitalisierung durch Computerfreaks ist der Schule nicht förderlich, da sie den intensiven persönlichen, unmittelbaren Austausch im Schulzimmer deutlich einschränkt. Gerade zurzeit zeigt sich dies aufgrund der Corona-Krise und Homeoffice erzwungenermassen in ausgeprägter Form: Die Jugendlichen sitzen stundenlang alleine vor ihren Bildschirmen und wünschen sich den direkten Kontakt zu ihren Mitschüler/-innen und Lehrpersonen zurück.

Wird der Unterricht auch nach der Corona-Krise verstärkt digitalisiert durchgeführt, hätten nicht nur leistungsschwächere Schüler/-innen einen Nachteil. Eltern müssten einspringen, was weder pädagogisch sinnvoll noch ihre Aufgabe wäre. Lernen würde zunehmend zu einer Selbstisolation vor dem Bildschirm enden. Die Umschreibung des Menschen als Homo oeconomicus wird dessen Natur genauso wenig gerecht wie die des Homo digitalis. Der Mensch ist in erster Linie ein soziales Wesen und Unterrichten ist ganz wesentlich auch Beziehungsarbeit.

Jürg Wiedemann, Vorstand Starke Schule beider Basel

 

07.04.2020

Die Bildungsagenda von Regierungsrat Cramer ist unklar

Die Starke Schule beider Basel (SSbB) nimmt die gestrige Medienmitteilung des Basler Erziehungsdirektors Conradin Cramer positiv zur Kenntnis. Dass sich das Erziehungsdepartement (ED) in der Lehrmittelfrage bewegen will, ist begrüssenswert. Neu sollen nicht nur in Mathematik, sondern auch in den Fächern Deutsch und Französisch weitere Lehrmittel in die kantonale Lehrmittelliste aufgenommen werden, mit welchen die Lehrpersonen vor allem das heftig umstrittene „Mille feuilles“ ersetzen können.

Offenbar benötigte es dazu den Druck einer lancierten Volksinitiative, um den Lehrer/-innen im Stadtkanton einen grösseren Spielraum bei der Wahl der Lehrmittel zu ermöglichen.

Unklar bleibt jedoch weiterhin, welche Agenda RR Cramer verfolgt. Bis dato hat er die Passepartout-Ideologie stets verteidigt. Sämtliche seiner bisherigen Aussagen deuten darauf hin, am Passepartout-Fremdsprachenkonzept trotz «beschränkter» Lehrmittelfreiheit festhalten zu wollen. Mit keiner Silbe erwähnt der Bildungsdirektor, dass auf einer kantonalen Lehrmittelliste andere als der Passepartout-Ideologie folgende Lehrmittel aufgeführt werden sollen. Kein Wort von einer didaktisch-methodischen Vielfalt, wie das in Baselland von Beginn weg von Bildungsdirektorin Monica Gschwind kommuniziert wurde.

Entscheidend wird sein, ob sich RR Cramer zu einer echten Lehrmittelfreiheit durchringen kann, die auch international bewährte Lehrmittel mit einer klaren Struktur und systematischem Aufbau von Grundwortschatz, Orthografie und Grammatik berücksichtigt. Solche Lehrmittel sind notwendig, wenn die Schüler/-innen künftig wieder einen motivierenden und zielführenden Fremdsprachenunterricht erhalten sollen.

Um sicherzustellen, dass die Lehrpersonen in Basel-Stadt die Passepartout-Lehrmittel auch entgegen der regierungsrätlichen Position durch international anerkannte und bewährte Lehrmittel ersetzen können, müssen wir auf die Karte Volksinitiative setzen.

Jürg Wiedemann, Vorstand Starke Schule beider Basel

 

06.04.2020

Spezialbedingungen für das Zeugnis im Sommer 2020

Die vierte Woche des Fernunterrichts hat angefangen. Mit dem Bundesratsentscheid vom 16. März wurden alle Schulen in der Schweiz geschlossen. Der ordentliche Unterricht an den Schulen soll frühstens nach den Osterferien (ab 20. April) wieder beginnen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass das Verbot noch weiter ausgedehnt wird.

Das bedeutet, dass der Fernunterricht auch weiterhin zum Einsatz kommen soll. Die Kinder lernen dabei so gut es geht zuhause und erhalten Aufgaben, kleine Projekte und Unterstützung von den Lehrpersonen (via Telefon, Mail oder Skype-Call). Dass dieses Prinzip in der Praxis leider niemals zum selben Lerneffekt führt, wie der "normale" Schulunterricht, macht sich nun auch in der Definierung der Zeugnisnoten für dieses Jahr bemerkbar. Ausschlaggebend sollen lediglich die bis zum 16. März getätigten Leistungserhebungen sein. Lernkontrollen während des Fernunterrichts, sollen zur Sicherung des Lernfortschritts dienen, jedoch keinen Einfluss auf die Notengebung haben. In Härtefällen soll der Klassenkonvent die Entscheide fällen.

In den Zeugnissen soll mit dem Vermerk "COVID-19" auf die verkürzte Beurteilungsperiode gewiesen werden.

Falls der Unterricht vor Mitte Mai wieder an den Schulen stattfinden kann, dürfen bis zum Notenschluss weitere Prüfungen durchgeführt werden. Wenn dem so wäre, würde das AVS zusammen mit den Schulleitungen eine Richtlinie festlegen, damit die Schüler/-innen nicht durch eine Prüfungsflut überbelastet werden.

Saskia Olsson, Vorstand Starke Schule beider Basel

 

04.04.2020

Selbstständiges Lernen im Homeoffice ist weniger effizient

Aufgrund der schnellen Verbreitung des Coronavirus’ und um die Ansteckungsgefahr zu verringern entschied der Bundesrat, die Schulen nach den Fasnachtsferien zu schliessen. Seitdem lernen die Schüler/-innen zuhause. Der Fernunterricht, auch als Homeoffice bezeichnet, soll mindestens bis zu den Frühlingsferien dauern. Eine Verlängerung ist wahrscheinlich.

Seit nunmehr zwei Wochen erteilen die Lehrpersonen Aufträge meist digital an ihre Schützlinge, welche sie selbstorganisiert erledigen müssen. Erste Rückmeldungen zeigen, dass manche Schüler/-innen mit dieser neuen Lernmethode die Lernziele grösstenteils noch erreichen, vielen anderen jedoch bereitet das selbstorganisierte Lernen grosse Mühe. Verglichen mit dem Unterricht in der Schule müssen Abstriche in der Effizienz gemacht werden, die Lernziele werden weniger schnell erreicht – so das einheitliche Bild.

Die Gründe dafür sind vielschichtig: Einerseits spielt die Bequemlichkeit der Schüler/-innen, sich im eigenen zuhause mit schulischen Problemen abzumühen, eine erhebliche Rolle und die Verlockung durch den Fernseher, die Playstation oder Youtube ist gross. Andererseits ist für viele Kinder und Jugendliche ein interaktiver Unterricht mit der physisch präsenten Lehrperson, die eine wichtige Bezugsperson ist, unentbehrlich. Auch der Austausch mit den Mitschüler/-innen oder das Stellen von Fragen bringt Vorteile, die einen Unterricht im Klassenzimmer immer im Vergleich zum selbstständigen Arbeiten zuhause deutlich aufwerten.    

Bereits nach dieser kurzen Zeit fällt besonders auf, dass Schüler/-innen aus dem Niveau P weniger Probleme haben, sich mit der neuen Lernmethodik zu arrangieren als Jugendliche des Leistungsprofils E oder A. Gerade die Schüler/-innen des allgemeinen Niveaus A erfahren einen bedeutenden Nachteil durch den Fernunterricht. Auch durch ein besonderes Engagement der Lehrperson kann dieser Nachteil kaum ausgeglichen werden. Die Schere zwischen den drei Leistungsniveaus der Sekundarstufe 1 driftet durch Homeoffice weiter auseinander. Wir distanzieren uns erneut ein Stück von der angestrebten Chancengleichheit. Homeoffice zeigt die Grenzen der Digitalisierung brutal auf.

Saskia Olsson, Vorstand Starke Schule beider Basel

 

28.03.2020

Hoffentlich bald zurück zur Normalität

E-Learning, One Note, One Drive, Teams, Videokonferenz und wie sie alle heissen. Solche Begriffe und Tools sind in Zeiten von Corona zur Lebensader eines völlig auf den Kopf gestellten Unterrichts schweizweit geworden. Innerhalb weniger Tage und Wochen mutieren zehntausende Lehrerinnen und Lehrer gezwungenermassen zu gefühlten e-Nerds, damit wenigstens noch ein Stück einer Kommunikation mit ihren Schülerinnen und Schülern möglich ist und diese mit Unterrichtsmaterial, Informationen und Lernkontrollen versorgt werden können.

Der tägliche Unterricht in den Klassenzimmern ist einem virtuellen Austausch über Bildschirme und einem Organisations- und Logistikbetrieb gewichen, der Unterrichtsstoff ist auf das absolut Notwendige heruntergefahren, die bisher Angst erregende Bildschirmzeit der Kinder wird nun kommentarlos akzeptiert, und die Eltern sehen sich zuhause einem Dasein als Zehnkämpfer ausgeliefert.

Was am meisten fehlt, ist der persönliche Kontakt im Klassenzimmer, die reale „Eins-zu-Eins-Interaktion“ mit den Schülerinnen und Schülern. Schmerzlich wird bewusst, welchen Stellenwert die gemeinsame Arbeit im Klassenverband hat. Auch wenn momentan hilfreich, kann diese nicht durch „Distance e-Teaching“, digitales Lernen und externes Monitoring kompensiert oder gar ersetzt werden.

Michael Pedrazzi, Vorstand Starke Schule beider Basel

 

11.03.2020

Nachteilsausgleich für die Lese- und Rechtschreibschwäche

Simon (Name geändert) geht in die 5. Primarklasse, als bei ihm vom schulpsychologischen Dienst eine Rechtschreibschwäche (Legasthenie) festgestellt wird. Lese- und Rechtschreibstörungen (LRS) werden sowohl juristisch als auch in der logopädischen Literatur als Behinderung anerkannt, da sie nicht aufgrund falscher Förderung zustande kommen und auch nach Jahren nicht plötzlich verschwinden. (vgl. Schulte-Körne, 2002) Deshalb hat Simon einen Anspruch auf einen Nachteilsausgleich (NA). Gemäss der Laufbahnordnung (§ 18) müssen bei Leistungserhebungen Massnahmen zum NA angewendet werden.

In der 5. und 6. Primarklasse wurden folgende Massnahmen umgesetzt: Simon erhielt 1/3 mehr Zeit und durfte Aufsätze und Textbeiträge am PC schreiben sowie das Rechtschreibprogramm nutzen. Weil die Rechtschreibung bei den Fremdsprachen in der Primarschule noch nicht bewertet wird, konnte Simon mit einem Notendurchschnitt von 4.8 in das Niveau E der Sekundarschule eingestuft werden.

Auch an der Sekundarschule erhielt Simon einen NA bewilligt: In allen nichtsprachlichen Fächern werden Texte nur bezüglich Inhalt bewertet, Diktate können ab Diktiergerät geschrieben werden, ein Zeitzuschlag darf maximal 1/3 der offiziellen Prüfungszeit beantragen, die Prüfung kann in einem separaten Raum durchgeführt werden, Klärungsfragen bei Aufgabenstellung dürfen jederzeit gestellt werden. Alle diese Hilfsmittel klingen gut, jedoch gibt es folgende Lücke: Diktate und Aufsätze werden in allen drei Sprachfächern (Deutsch, Französisch und Englisch) regulär bewertet. Die Rechtschreibfehler benotet. Es gibt keine individuellen Hilfsmittel und Anpassungen bei Wörtchentests im Fremdsprachunterricht und keine Textanpassung bei der Prüfung der Lesefertigkeit. Genau hier, wo die grössten Schwächen der Kinder und Jugendlichen mit LRS liegen, werden keine Massnahmen des NA umgesetzt.

Konkret bedeutet dies, dass Simon in den drei Sprachfächern mit Diktaten und Wörtchentests so viele ungenügende Noten schreibt, dass er diese unmöglich mit den anderen, zum Teil auch mündlichen Noten, kompensieren kann. Der Nachteilsausgleich greift hier zu wenig, die Chancengleichheit ist nicht gewährleistet.

Sowohl der Verband Dyslexie Schweiz als auch der Verband Deutschschweizer Logopädinnen und Logopädenverband empfehlen:
  • Alternative Leistungsnachweise, v.a. Befreiung von Leistungserhebungen, die ausschliesslich den Dyslexie betreffenden Kompetenzbereich betreffen (bspw. Diktate). (vgl. Lichtsteiner Müller 2013, 1
  • Keine oder abgestufte Bewertung von Rechtschreibung- und Grammatikfehlern (im Voraus definierte, eingegrenzte Fehler).
  • Prüfung/Vokabelprüfung mündlich anstatt schriftlich aufnehmen.
  • Die Bewertung der Rechtschreibung soll auf einen bestimmten Bereich eingeschränkt werden. Zusätzlich sollen mündliche Prüfungen (Vortrag) angeboten werden, damit die Noten in Rechtschreibung nicht so ins Gewicht fallen.
Diese Empfehlungen werden allesamt im Kanton Basellandschaft im Katalog der Massnahmen für den NA leider nicht aufgeführt und deshalb auch nicht umgesetzt. Das Konzept Nachteilsausgleich müsste dringend überarbeitet werden.

Nathalie Twerenbold

Siehe: 
Verband Dyslexie Schweiz (Hrsg.), (2017), Infoblatt Nachteilsausgleich Legasthenie, DLV (Hrsg.) (2015) Positionspapier, Nachteilsausgleich bei Lese-Rechtschreibschwäche auf Primar und Sekundarstufe, S.4.
Lichtsteiner Müller M. (2013). Dyslexie und Dyskalkulie. (2. Aufl.). hep verlag.
 
 
01.03.2020

Schönfärberische Begriffe stehen hoch im Kurs

Im Schulbetrieb existieren einige schönfärberische Begriffe, die immer wieder gerne und oft bemüht werden. Insbesondere seitens der Schulbehörden stehen solche Begriffe hoch im Kurs, da sie eine scheinbare Aura der Modernität und Fortschrittlichkeit ausstrahlen. Einer Auswahl an solchen Ausdrücken widmet sich unser Gastautor Felix Hoffmann. Mit messerscharfer Analytik und Witz zeigt er auf, was sich hinter diesen Ausdrücken tatsächlich verbirgt. Nicht selten ist es das Gegenteil dessen, was sie eigentlich beschreiben müssten. Lesen Sie hier den Artikel von Felix Hoffmann.

Jürg Wiedemann, Vorstand Starke Schule beider Basel
 

01.03.2020

Initiative "Lehrmittelfreiheit" wird breit unterstützt

Sandra Bothe (Grossrätin Grünliberale)

«Erreichbare Lernziele sind entscheidend für den Erfolg der Schüler/-innen beim Lernen und die Freude daran. Dies funktioniert dann, wenn Lehrpersonen Lehrmittel und Methoden einsetzen dürfen, die sie überzeugen und mit denen sie ihre Schüler/-innen am besten fördern.»






 

Felix Wehrli (Grossrat SVP)

«Vor mir liegen zwei Löffel. Einer hat ein Loch in der Mitte, der andere nicht. Das Erziehungsdepartement BS würde den gelöcherten für die Schulmensa als obligatorisch erklären»






 
 

Mathis Reichel (Gitarrist, Vater)

«Ein Spruch meiner jüngeren Tochter, 14: Das einzige, das wir gelernt haben, ist ‘Parlez-vous l’anglais?’»








 

Laetitia Block (Präsidentin JSVP)

«Ich setze mich für die Lehrmittelfreiheits-Initiative ein, weil die Lehrpersonen selbst entscheiden sollen, mit welchen Lehrmitteln sie unsere Kinder am besten unterrichten können.»







 

Katja Christ (Nationalrätin Grünliberale)

«Wir wollen endlich eine echte Lehrmittelfreiheit. Dazu braucht es klar definierte Jahrgangslernziele! Mit welchem Lehrmittel diese erreicht werden, sollen die Lehrpersonen weitgehend selbst bestimmen können.»








 

26.2.2020

(Pseudo)wissenschaft in der Sprachdidaktik

Der ehemalige Leiter des Instituts für Mehrsprachigkeitsdidaktik der Universität Fribourg hat in seinem Artikel "Journal of the European Second Language Association" die wissenschaftlichen Qualität bei den Beurteilungen und Empfehlungen der Mehrsprachigkeitsdidaktik scharf kritisiert. Er verlangt strengere Massstäbe bei der Auswertung von Forschungsergebnissen. Sonst bestehe die Gefahr der Pseudowissenschaft, welche insbesondere auf die Bildung der Schulkinder negative Auswirkungen hat.

In seinem Fazit spricht Barthelet Klartext: Die Gefahr bestehe darin, "aus Ignoranz falsche Empfehlungen an die Politik abzugeben", welche dann "pädagogische Innovationen auslösen, die zum Scheitern verurteilt seien." Dies würde der "eigenen Disziplin schaden, indem man schlechte Wissenschaft, vage Theorien verkündet und Studien zurechtbiegt, dass sie die eigenen Überzeugungen bestätigen, nicht aber fundierte Wahrheiten aufzeigen."

Das Fremdsprachekonzept Passepartout mit seiner Mehrsprachigkeitsdidaktik sind das tragische Beispiel, welches den sechs Kantonen Basel-Stadt, Basel-Land, Solothurn, Fribourg, Bern und Wallis zusammen mindestens 50 Millionen Franken gekostet hat. 

Ins Deutsche übersetzt und zusammengefasst hat Felix Schmutz den Artikel. Den gesamten Text können Sie hier lesen.

 

25.02.2020

Amt für Volksschule missachtet Volksentscheid

Seit dem Schuljahr 2018/19 wird an den Baselbieter Sekundarschulen mit dem neuen Lehrplan Volksschule Baselland gearbeitet. Dieser besteht einerseits aus einem Teil A), der den Titel «Stoffinhalte, Themen und Treffpunkte» trägt und andererseits aus einer realitätsfremden Anzahl von 3'536 Kompetenzbeschreibungen im Lehrplanteil B). Die Schüler/-innen können – wie sich heute zunehmend zeigt – eine solch unverhältnismässig hohe Anzahl von Kompetenzbeschreibungen gar nicht erfüllen.

Wer glaubt, Lehrpersonen könnten auf den Teil A) ausweichen und sich als Grundlage für ihren Unterricht an den Stoffinhalten und Themen orientieren, irrt gewaltig: Auch der Lehrplanteil A) besteht weitgehend aus Kompetenzbeschreibungen, ergänzt mit einigen Stoffinhalten und Themen, die auf die drei Leistungsprofile A, E und P ausgerichtet sind.

Mit dem neuen Lehrplan, der nahezu ausschliesslich aus Kompetenzbeschreibungen besteht, missachtet das Amt für Volksschule (AVS) den Volkswillen: Der Souverän befürwortete am 10.6.2018 mit 84.8% den Gegenvorschlag «JA zu Lehrplänen mit klar definierten Stoffinhalten und Themen» sehr deutlich. Damit hat das Volk JA zu einem Lehrplan gesagt, der nicht ausschliesslich aus Kompetenzbeschreibungen bestehen darf.

Die Starke Schule beider Basel hat auf die Weigerung, den Volkswillen umzusetzen, reagiert und die Initiative "Die gigantische und unerfüllbare Anzahl von 3‘500 Kompetenzbeschreibungen in den Lehrplänen auf ein vernünftiges Mass reduzieren" im Herbst 2019 eingereicht. Die Anzahl Kompetenzbeschreibungen soll auf unter 1'000 reduziert werden.

«3'500 Kompetenzbeschreibungen
im Lehrplan sind nicht zielführend»

Die Initiative ist notwendiger denn je: Beide Teile des Lehrplans sind heute unübersichtlich und deutlich zu umfangreich formuliert. Sie weisen einen sehr hohen Detaillierungsgrad auf, was den Lehrplan Volksschule Baselland für die Lehrpersonen faktisch unbrauchbar macht. Bedenklich ist zudem, dass ein wesentlicher Teil des Lehrplans vom AVS in Eigenregie mit dem Ziel formuliert wurde, den selbstorganisierten Unterricht in den Klassenzimmern zu manifestieren.

Die Starke Schule lehnt umsetzbare und überprüfbare Kompetenzbeschreibungen keinesfalls ab, jedoch sollen sie in einem vernünftigen und erfüllbaren Mass sowie in einer klareren Sprache aufgeführt werden, damit Lehrpersonen diese zielführend einsetzen können. Selbst der Teil «Stoffinhalte, Themen und Treffpunkte» wird aufgrund des hohen Detaillierungsgrads nur punktuell berücksichtigt. Der Lehrplan der 1. Klasse der Sekundarstufe I umfasst beispielsweise für das Fach Mathematik 10 und für das Fach Deutsch 9 Seiten. Dieser übertriebene Umfang sollte pro Fach und Schuljahr auf eine bis zwei Seiten reduziert werden.

Regina Werthmüller
Vorstand Starke Schule beider Basel, Landrätin parteilos

 

22.02.2020

Réveille-toi, Conradin. Vite!

Der amerikanische Präsident hat gemäss einem Faktencheck der «Washington Post» die Zahl der falschen oder irreführenden Aussagen seit seinem Amtsantritt massiv gesteigert. Von 1999 im Jahre 2017, 5689 im Jahr 2018 auf 15413 bis zum 10.12.2019. Seine Beraterin Kellyanne Conway hat dafür den Begriff «alternative Fakten» geprägt, Donald Trump selbst spricht von «übertriebenen Übertreibungen» (exaggerated hyperbole).

In der Literatur ist das Phänomen der verzerrten Erfassung von unbequemen Wahrheiten ein beliebtes Sujet. Marcel Proust stellt fest, dass die Wirklichkeit nicht in die Welt des Glaubens dringe, Aldous Huxley schreibt, Tatsachen schaffe man nicht dadurch aus der Welt, dass man sie ignoriere, und Mark Twain erklärt, man müsse die Tatsachen kennen, bevor man sie verdrehen könne. Der US-Senator Patrick Moynihan schliesslich verteidigt das Recht auf eine eigene Meinung: Aber keiner habe das Recht auf seine eigenen Fakten.

Nun trifft man nicht nur im White House auf alternative Fakten und Schönfärberei, sondern, natürlich in verdünnter Dosis, auch im Basler Erziehungsdepartement. Das Gespräch zwischen Regierungsrat Conradin Cramer (LDP) und Nationalrätin Katja Christ (GLP) - Streit um Lehrmittel - kann künftig im Medienausbildungszentrum (Maz) als perfektes Beispiel dafür eingesetzt werden, wie die Politik sich stur weigert, wissenschaftlich erhärtete Fakten zur Kenntnis zu nehmen. («Telebasel Talk», 11.2.2020)

Erziehungsdirektor Conradin Cramer behauptete in der Sendung allen Ernstes, der in den Französischlehrmitteln «Mille feuilles» und «Clin d’œil» angewandte neue didaktische Ansatz sei State of the Art, auf dem neuesten Stand der Entwicklung. Dies ungeachtet der Tatsache, dass unterdessen bereits die vierte wissenschaftliche Untersuchung dem Passepartout-Konzept ein miserables Zeugnis ausgestellt hat.

Im Bildungsblog www.condorcet.ch nimmt Philipp Loretz, Sekundarlehrer und Mitglied der Geschäftsleitung des Baselbieter Lehrerinnen- und Lehrervereins, die gröbsten Falschaussagen ins Visier. Die Passepartout-Erfinder versprachen ein sehr gutes Leseverständnis dank authentischen, nicht didaktisierten Texten schon für Anfänger. Tatsächlich verfehlen am Ende der Primarschulzeit - nach 350 Lektionen Französisch - 67 Prozent der Schüler die anvisierten Lernziele.

Die Verfechter pseudowissenschaftlicher Mehrsprachendidaktik versprechen eine sehr gute kommunikative Handlungsfähigkeit. Resultat: 90 Prozent der Schüler scheitern an den von Passepartout angestrebten Lernzielen.

Diese vernichtenden Ergebnisse sind angesichts des Fehlens eines geführten, systematischen Aufbaus der sprachlichen Grundstrukturen und des bewussten Verzichts auf einen Alltagswortschatz und der Missachtung des universalen Prinzips vom Einfachen zum Schwierigen nicht verwunderlich. Die Schüler sind im wahrsten Sinne des Wortes im «Sprachbad» abgesoffen.

Versprochen werden auch motivierte und begeisterte Schülerinnen und Schüler. Gemäss einer detaillierten Befragung würden zwei Drittel der «Mille-feuilles»-Kinder den Französischunterricht eher nicht oder nicht besuchen, wenn dieser freiwillig wäre.

Offenbar sollen im Kanton Basel-Stadt auch nach neun Jahren schlechter Erfahrungen die Kinder weiterhin als Versuchskaninchen eingesetzt und kritische Lehrkräfte und aufmüpfige Eltern eingeschüchtert werden.

Dass es auch anders geht, beweist die grüne Berner Erziehungsdirektorin Christine Häsler. In zwei Briefen an kritische Lehrerinnen und Lehrer schreibt sie: «Ich habe Ihr Schreiben erhalten und danke Ihnen dafür. Es ist mir ein grosses Anliegen, dass Kinder und Jugendliche möglichst gut Französisch lernen und Freude an der Sprache finden. Ebenso wichtig ist mir, dass Lehrerinnen und Lehrer ein Lehrmittel zur Verfügung haben, mit welchem sie erfolgreich unterrichten können. (...) Um die Situation und die Anliegen der kritisch eingestellten Lehrkräfte zu analysieren, habe ich eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die breit diskutiert, die unterschiedlichen Meinungen abholt und verschiedene Varianten prüft.» Abschliessend dankt Frau Häsler den Lehrkräften ausdrücklich «für Ihr Engagement» und wünscht ihnen einen guten Start ins neue Jahr.

In dem Brief kündigt sie zusätzlich zu «ihrer persönlichen Mitteilung» noch ein «offizielles Schreiben der ehemaligen Passepartout-Kantone» an. Auf diese Antwort sind insbesondere die Basler Lehrkräfte und die Eltern sehr gespannt.

Die Reaktion der Berner Regierungsrätin jedenfalls kommt in Ton und Inhalt wesentlich differenzierter daher als die teilweise unsachliche pauschale Diffamierung kritischer Meinungen aus dem Elfenbeinturm der Basler Bildungsbürokratie. Angesichts der bescheidenen Leistungsbilanz unserer Schulen dürfte man eigentlich etwas mehr Demut und Selbstkritik erwarten.

Roland Stark, ehemaliger Partei- und Fraktionschef SP Basel-Stadt

[Quelle: Basler Zeitung vom 21.02.2020]

 

Passepartout - ein Waterloo

Nicht minder pointiert ist der Artikel "Passepartout - ein Waterloo" von Sekundarlehrer Felix Hoffmann: "Der Basler Erziehungsdirektor kämpft für die gescheiterte Fremdsprachenideologie Passepartout. (...) Cramers teilweise widersprüchliche Aussagen hinterlassen drängende Fragen. Warum verteidigt Herr Cramer ein Konzept, das angetreten ist, die Lernenden zum Sprechen zu bringen, wo er doch eingesteht, dass es genau dies bis heute nicht hinbekommt? Das ist, als würde er sagen, meine Lautsprecher sind gut, aber ich weiss, sie geben keinen Ton von sich." Lesen Sie hier alle Fragen.


 
19.02.2020

Studien belegen die Untauglichkeit von Passepartout

In den letzten drei Jahren sind zum Thema Passepartout-Fremdsprachenprojekt vier aussagekräftige Studien durchgeführt und publiziert worden. Die Resultate zeigen ein deutliches Bild: Die Schüler/-innen, die mit der Mehrsprachigkeitsdidaktik à la Passepartout unterrichtet werden, haben in sämtlichen Kompetenzbereichen schlecht abgeschnitten.

Vier aussagekräftige Studien

Mit den vorliegenden vier Studien kann auf die folgenden zwei Fragen jeweils eine klare Antwort gegeben werden: Erreichen die Schüler/-innen im Passepartout-Raum die Grundkompetenzen sowie die Lernziele des Lehrplans? Wie beurteilen die Lehrpersonen und die Schüler/-innen die Lehrmittel «Mille feuilles» und «Clin d’oeil» ein?

  • Studie 1 (Nationaler Bericht der Überprüfung Grundkompetenzen): In der von der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) in Auftrag gegebenen Studie wurden in allen Kantonen stichprobenartig 22’177 Schüler/-innen der 6. Klasse im Fach Französisch ausgewählt und das Leseverständnis, Hörverständnis und Sprechen getestet. Überprüft wurden die Grundkompetenzen.
  • Studie 2 (Schlussbericht zum Passepartout-Projekt in den Passepartout-Kantonen): Im Jahr 2017 hat das Institut für Mehrsprachigkeit der Universität Fribourg im Auftrag der sechs Passepartout-Kantone eine Studie mit dem Titel «Ergebnisbezogene Evaluation des Französischunterrichts in der 6. Klasse (HarmoS 8) in den sechs Passepartout-Kantonen» durchgeführt. An der Studie nahmen 4’430 Schüler/-innen aus den verschiedenen Passepartout-Kantonen teil. Neben dem Leseverstehen, Hörverstehen und Sprechen, wurden auch der rezeptive Wortschatz, Lernstrategien und die Motivation thematisiert und untersucht.
  • Studie 3 (Empirische Studie über das Verstehen von französischen Texten): Im Jahr 2017 publizierte Susanne Zbinden eine Studie mit dem Titel «Leseverstehen mit altem und neuem Lehrmittel im Vergleich: Eine empirische Studie über das Verstehen von französischen Texten auf der Sekundarstufe 1». Susanne Zbinden führte diese Studie im Rahmen ihrer Masterarbeit durch. Sie hat sich insbesondere mit dem Vergleich der neuen und alten Lehrmittel beschäftigt. Befragt wurden 244 Schüler/-innen, die mit «Bonne Chance» Französisch lernten, und 229 Schüler/-innen, die mit dem neuen Passepartout Lehrmittel «Clin d’oeil» die Fremdsprache lernten.
  • Studie 4 (Wissenschaftliche Begleitung und Auswertung der Testphase im Kanton Solothurn): Das Institut für Mehrsprachigkeitsdidaktik verglich im Auftrag des Kantons Solothurn am Ende der 8. Klasse (HarmoS 10) je fünf Klassen, die mit «Clin d’oeil» und mit «Découverte» unterrichtet wurden.   Im Zentrum standen Leseverständnis, Hörverständnis und Schreiben.

Wunsch und Wirklichkeit

Wunsch: Mit der Umsetzung des Passepartout-Projekts sollten die Kinder künftig besonders im Lese- und Hörverstehen keine Schwierigkeit mehr haben. Mittels Sprachbad sollte die Sprache in der Schule auf eine neue Art und Weise gelehrt werden. Anhand von authentischen Texten und ohne Grundwortschatz sollte die Struktur der Sprache mitsamt Grammatik gelernt werden, wie eine Muttersprache. Jedenfalls wurde dies den Primar- und Sekundarlehrpersonen so versprochen.

Wirklichkeit: Mittlerweile wissen wir, dass die Passepartout-Fremdsprachenideologie kläglich gescheitert ist. Sämtliche oben erwähnten wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen, dass die Lernziele mit den Passepartout-Lehrmitteln «Mille feuilles» und «Clin d’oeil» und der zugrundeliegenden im internationalen Vergleich absonderlichen Didaktik der Mehrsprachigkeit nicht annähernd erfüllt werden.

Bereich Leseverständnis

Gemäss der Überprüfung der Grundkompetenzen (Studie 1) nach 10 Jahreslektionen in Französisch, was rund 350 Lektionen entspricht, erreichen über ein Drittel der Schüler/-innen die Lernziele nicht. Das heisst: Sie können auch einen sehr kurzen, einfachen Text nicht verstehen.

Leseverständnis

Grundkompetenz

Erreicht von

Nicht erreicht

A 1.2

62%

38%

PPT-Lehrplan A 2.1

33%

67%

Zum Vergleich: In der Zentralschweiz erreichen mindestens 58% der Schüler/-innen mit einer herkömmlichen Unterrichtsdidaktik die Kompetenzstufe A 1.2 nach bereits 6 Jahreslektionen. Fazit: Deutlich mehr Schüler/-innen (58% zu 38%) erreichen mit deutlich weniger Unterrichtslektionen (6 Jahreslektionen zu 10 Jahreslektionen) die Lernziele, wenn sie das Passepartout-Lehrmittel «Mille feuilles» nicht verwenden.

Die empirische Studie von Susanne Zbinden zeigt zudem, dass die Schüler/-innen mit authentischen Texten und dem Passepartout-Lehrmittel «Clin d’oeil» ein signifikant schlechteres Leseverständnis haben als die Schulkinder, die mit «Bonne Chance» an die Fremdsprache herangeführt wurden. Obwohl die Clin d’oeil Schüler/-innen mehr Strategien aufzählen konnten, waren sie am Ende signifikant weniger erfolgreich.

Bereich Hörverständnis

Gemäss dem Schlussbericht der Studie «Ergebnisbezogene Evaluation des Französischunterrichts in der 6. Klasse (HarmoS 8) in den sechs Passepartout-Kantonen» wurden die Grundkompetenz A 1.2 im Hörverständnis von 13% nicht erreicht. Die im Passepartout-Lehrplan geforderten Kompetenzen A 2.1 konnten 43% der Schüler/-innen nicht erfüllen. Dies ist brisant: Bei der Einführung der Passepartout-Ideologie wurde insbesondere versprochen, dass das Hörverständnis durch die Passepartout-Lehrmittel besonders gut vermittelt werden würde. Nun zeigt sich: Fast die Hälfte der Schulkinder erreicht am Ende der Primarschulzeit die erforderlichen Kompetenzen im Hörverständnis nicht.

Hörverständnis

Grundkompetenz

Erreicht von

Nicht erreicht

A 1.2

87%

13%

PPT-Lehrplan A 2.1

57%

43%

 
Bereich Sprechen

Am Ende der Primarstufe soll die Sprechkompetenz mindestens auf Niveau A 1.2 liegen. Bei der Einführung der Passepartout-Lehrmittel wurde den Primarlehrpersonen versprochen, dass sich Schulkinder am Ende der Sekundarschule auf einfach Art verständigen können, wenn das Gegenüber – langsam sprechend und Dinge wiederholend – sich direkt an sie wendet. Sie können einfache Wörter und Sätze verstehen und darauf mit einfachen, kurzen Sätzen antworten.

Die Ergebnisse in diesem Bereich sind derart deutlich und müssen als höchst bedenklich eingestuft werden: Mehr als die Hälfte (57.5%) der Schulkinder haben selbst in den Grundkompetenzen die Lernziele im Bereich Sprechen nicht erreicht. Die Lernziele des Passepartout-Lehrplans erreichten sogar nur 11%. Für neun von zehn Schüler/-innen wurde die Mehrsprachigkeitsdidaktik à la Passepartout zum Desaster. 

Sprechkompetenz

Grundkompetenz

Erreicht von

Nicht erreicht

A 1.2

42.5%

57.5%

PPT-Lehrplan A 2.1

11%

89%

Vergleichen lassen sich diese Resultate auch mit Französischevaluationen in der Zentralschweiz, wo Ende 6. Klasse (bei 6 Jahreswochenlektionen und nicht 10 wie in den Passepartout-Kantonen) 56% mindestens das Niveau A 1.2 im Sprechen erreicht haben. Obwohl dies lediglich 11.5% mehr als in den Passepartout-Kantonen ist, muss berücksichtigt werden, dass diese Schulkinder nur während zwei Schuljahren in Französisch unterrichtet werden und nicht – wie bei uns – während vier Schuljahren. Insgesamt hatten die Schüler/-innen in der Zentralschweiz signifikant weniger Unterrichtslektionen (insgesamt 4 Jahreslektionen) und zeigen dennoch deutlich bessere Leistungen.

Fazit

Insgesamt zeigt sich, dass vor allem die von den Passepartout-Promotoren selbst festgelegten Lernziele im Leseverständnis und beim Sprechen von einer grossen Mehrheit nicht erreicht werden. Die Selbstwahrnehmung der Passepartout-Befürworter/-innen zeigt hier einmal mehr eine grosse Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Alle durchgeführten Studien zeigen auf, dass grosse Defizite vorhanden sind, obwohl von Beginn an viel Zeit und Geld investiert wurde.  

Die Ergebnisse der vier Studien sind eindeutig und für die Passepartout-Ideologie vernichtend. Den Studien sind keine gesicherten Aussagen zu entnehmen zu den Gründen, weshalb es bei mit den Passepartout-Lehrmitteln zu derart grossen Defiziten kommt. Mögliche Gründe können jedoch unter anderem der fehlende strukturierte Aufbau eines Wortschatzes sein. Letztlich bleibt aber das ernüchternde Resultat: Die Schulkinder lernen mit den Passepartout-Lehrmitteln die erste Fremdsprache nur ungenügend.

Saskia Olsson, Vorstand Starke Schule
 

15.02.2020

Initiative "Lehrmittelfreiheit" wird breit unterstützt

Die von der Starken Schule beider Basel am 5. Februar lancierte Initiative "Lehrpersonen dürfen diejenigen Lehrmittel einsetzen, mit welchen sie die Schüler/-innen am besten fördern können" wird von Politikerinnen und Politiker aus den sechs Parteien SP, GLP, SVP, FDP, EVP und BDP sowie zahlreichen Lehrpersonen und Eltern unterstützt.

Kathrin Zimmermann (Vorstand Starke Schule beider Basel)

«Der Vorstand der Starken Schule beider Basel ist überzeugt, dass die Lehrpersonen ein grösseres Mitbestimmungsrecht, das ihrer Verantwortung gerecht wird, erhalten müssen. Insbesondere sollen sie entscheiden dürfen, mit welchem Lehrmittel sie die Schüler/-innen am besten fördern können. Die Initiative ist notwendig, um einen sanften Druck auf die Regierung zu erzeugen.»



  

David Wüest-Rudin (Grossrat Grünliberale)

«Für eine Schule der Kinder, Eltern und Lehrkräfte. Gegen die Lehrmittelbürokratie – damit unsere Kinder die Fremdsprachen wieder mit Erfolg und Freude lernen.»





 
 

Roland Stark (ehem. Partei- und Fraktionspräsident SP)

«Der weit verbreiteten Unsitte, Kinder als Versuchskaninchen der Bildungsbürokratie und der Lehrmittelverlage zu missbrauchen (Milles feuilles lässt grüssen!), muss endlich ein Riegel geschoben werden.»





   
 

Luca Urgese (Grossrat und Präsident FDP)

«Wir brauchen qualitativ gute Lehrmittel, von denen die Lehrpersonen überzeugt sind und welche die gewünschten Resultate bringen. Mit der Lehrmittelfreiheit kann sich das beste Lehrmittel für unsere Schülerinnen und Schüler durchsetzen.»





 

Franziska Liechti (Mutter)

«Ich möchte gute Zukunftschancen für meine Kinder. Dies geht nur mit Lehrmitteln, die den Unterricht optimal unterstützen. Deshalb braucht es für das «Mille feuilles» sinnvolle Alternativen im Fach Französisch.»






 

Philipp Schopfer (ehem. Grossrat SVP)

«Wir fordern eine echte Lehrmittelfreiheit, welche es den Lehrpersonen ermöglicht, untaugliche Lehrmittel zu ersetzen, um so den kommenden Schüler/-innen Frust und Erfolglosigkeit zu ersparen. Um dieses Ziel zu erreichen, sammle ich aktiv Unterschriften.»





 

Berfim Pala (Lehrperson Sekundarstufe 1)

«Um den Unterricht auf die Heterogenität der Klasse und den individuellen Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler anzupassen, ist eine Lehrmittelfreiheit unumgänglich.»






 

Stephan Mumenthaler (Grossrat und Fraktionspräsident FDP)

«Nicht alle Kinder können über denselben Leisten geschlagen werden. Mehr Flexibilität bei den Lehrmitteln tut unseren Schulen gut.»







 

 

15.02.2020

Passepartout - ein Waterloo

Der Basler Erziehungsdirektor, Conradin Cramer, kämpft für die gescheiterte Fremdsprachenideologie Passepartout. Ob seiner Rhetorik übersieht man leicht, dass es eigentlich keine Argumente mehr gibt für das missglückte Sprachenkonzept. Cramers teilweise widersprüchliche Aussagen hinterlassen drängende Fragen.

Warum verteidigt der Basler Erziehungsdirektor auf Biegen und Brechen ein Konzept, das in sämtlichen Studien sowie bei der Schülerinnen-, Eltern- und Lehrerschaft durchfällt? Warum präsentiert er sich dadurch als Zielscheibe auf dem Silbertablett? Tut er dies aus Rücksicht auf seinen politischen Ziehvater, Christoph Eymann, einem der Hauptverantwortlichen von Passepartout?

Warum bezeichnet der Regierungsrat ein bewiesenermassen missratenes Konzept als “state of the art”, ergo als topmodern? Mit dieser Qualitätsbezeichnung müsste er dann auch den nach 14 Jahren Bauzeit noch immer nicht fertiggestellten Berliner Flughafen bezeichnen sowie das brandgefährliche Samsung Galaxy Note 7 oder Rivella Gelb.

Warum behauptet Herr Cramer, früher hätte man Französisch nicht besser gelernt? Kennt er die Zbinden-Studie nicht, die genau dies belegt? Warum sonst bat sein Vorgänger, Christoph Eymann, die Elternschaft, ihren Kindern beim Französisch zu helfen? Weil Mami und Papi eben noch Französisch lernten.

Warum meint Herr Cramer, es sei ideologisch, wenn man ein verfehltes Konzept aufgibt, um sich auf das Bewährte zurückzubesinnen? Dann war es ideologisch, als sich Daimler und Chrysler nach einer missratenen Firmenfusion wieder trennten. Ideologisch war es auch, als Siemens seine Handy-Sparte wieder abstiess. Also wenn immer eine Firma sich ihrer Wurzeln besinnt, um Schaden abzuwenden, handelt sie ideologisch?

Warum ist der Basler Regierungsrat der Ansicht, ein neues schlechtes Konzept sei einem alten besseren vorzuziehen? Viele Computer-User waren da pragmatischer, als sie vom schlechten Betriebssystem Vista zurückwechselten auf das stabile XP. Manchmal ist Rückschritt Fortschritt. Im Falle von Passepartout ist Fortschritt Rückschritt.

Warum verteidigt Herr Cramer ein Konzept, das angetreten ist, die Lernenden zum Sprechen zu bringen, wo er doch eingesteht, dass es genau dies bis heute nicht hinbekommt? Das ist, als würde er sagen, meine Lautsprecher sind gut, aber ich weiss, sie geben keinen Ton von sich.

Mit Rationalität ist einer solchen Argumentation nicht beizukommen. Ist Conradin Cramer tatsächlich der Meinung, Passepartout sei “state of the art”, darf dies wohl auch von ihm behauptet werden.

Felix Hoffmann, Sekundarlehrer

 

12.02.2020

Erfolgreicher Start der Unterschriftensammlung

Erst letzte Woche wurde die neue Initiative der Starken Schule beider Basel lanciert und nach der ersten Standaktion sind bereits 100 Unterschriften in Riehen gesammelt worden. Ziel der Initiative ist es, die Passepartout-Lehrmittel "Milles feuilles", Clin d'oeil" und "New World" zu ersetzen.

Breite Unterstützung

Die Initiative "Lehrpersonen können diejenigen Lehrmittel einsetzen, mit welchen sie die Schüler/-innen am besten fördern können" wird von Politikern der SP, SVP, GLP, FDP, EVP und BDP unterstützt. Im 49-köpfigen Initiativkomitee sind aber auch zahlreiche Lehrpersonen und Eltern. Den Unterschriftenbogen können Sie hier herunterladen.

Mit der Lancierung der ersten Initiative im Stadtkanton, ist die Starke Schule beider Basel, die im Kanton Baselland innert acht Jahren 14 Volksinitiativen lanciert hat, nun auch in Basel aktiv geworden.
 
 

06.02.2020

Angriff auf die Passepartout-Ideologie in Basel

Die Basler Zeitung hat am 06. Februar 2020 zu der am 05. Februar lancierten Initiative der Starken Schule beider Basel "Lehrpersonen dürfen diejenigen Lehrmittel einsetzen, mit welchen sie die Schüler/-innen am besten fördern können" berichtet. Den ganzen Artikel hierzu können Sie hier lesen.

 

05.02.2020

Bildungsinitiative in Basel-Stadt lanciert

Die Starke Schule beider Basel lanciert heute ihre erste Bildungsinitiative im Kanton Basel-Stadt mit dem Titel «Lehrpersonen dürfen diejenigen Lehrmittel einsetzen, mit welchen sie die Schüler/-innen am besten fördern können». Angestrebt wird eine echte Lehrmittelfreiheit, welche den Lehrpersonen ermöglicht, die Passepartout-Lehrmittel «Mille feuilles», «Clin d’oeil» und «New World» durch bewährte und klar strukturierte Lehrmittel zu ersetzen. Weitere Informationen zur Initiative finden Sie hier.

Wir freuen uns, wenn Sie die Initiative unterschreiben. Den Unterschriftenbogen können Sie hier herunterladen.