Starke Schule beider Basel (SSbB)

4127 Birsfelden, E-Mail: Starke.Schule.beider.Basel@gmx.ch, PC 60-128081-8

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News

  • Samstag, Juni 12, 2021

    KV-Reform auf 2023 verschoben

    Die per Sommer 2022 geplante Einführung der Reform der kaufmännischen Ausbildung, wurde nach Bedenken betreffend Inhalt, Umsetzung und Anschlusslösungen um ein Jahr verschoben. So soll die KV-Reform erst im Jahr 2023 eingeführt werden, wie das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) und andere Verbundspartner in einer Mitteilung schreiben. (ai)

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  • Samstag, Juni 05, 2021

    Fehlendes Geld für Gesamtsanierung «Schulhaus Lochacker»

    Bereits im Jahr 2012 wurde die Bau- und Umweltschutzdirektion dazu beauftragt, die baulichen Massnahmen im Sekundarschulkreis Birseck (Schulstandorte Arlesheim, Münchenstein, Reinach und Aesch) zu ermitteln und ggf. Massnahmen zu treffen. Folglich wurde der Gebäudekomplex Bachmatten in Reinach vollständig saniert. Das nebenanstehende Schulhaus Lochacker jedoch wartet in schlechtem Zustand auf die Bewilligung der Finanzierung für eine Gesamtsanierung. (ai)

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  • Mittwoch, Juni 02, 2021

    Jugendliche können bald geimpft werden

    Gemäss Lukas Jaggi, Sprecher der Schweizer Zulassungsbehörde Swissmedic, könnte der Pfizer/Biontech-Impfstoff bereits in den nächsten Tagen auch für Jugendliche ab 12 Jahren zugelassen werden. Der Impfstoff von Moderna wird vermutlich erst einige Wochen später für Teenager freigegeben. (lh)

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Leserbriefe

KV-Reform bringt Bundesrat in Nöte

Zumindest ein Teil der Politik ist endlich aufgewacht. Doch auch in der Wirtschaft regt sich Widerstand gegen den Kompetenzenwahn. Es entbehrt allerdings nicht der Ironie, wenn Letztere Zetermordio schreit, weil sie mit der Kompetenzorientierung exakt die Medizin verschrieben bekommt, die sie 20 Jahre zuvor über die OECD ungefragt den Schulen zwangsverordnete. In Wirtschaft, Politik und Bildung gibt es übereifrige Fantasten, dermassen weit von der Basis entfernt, dass sie nicht mehr wissen, was für ihre angestammte Branche gut beziehungsweise schlecht ist. Diese Leute gleiten ziellos auf dem Flugzeugträger MS «Kompetenzorientierung», ohne zu merken, dass dessen Motor längst abgesoffen ist.

Felix Hoffmann

 

Bildungsinitiative in Basel

Unterschreiben Sie die formulierte Initiative der Starken Schule beider Basel, mit welcher wir der gescheiterten Passepartout-Ideologie ein Ende setzen möchten. Die Initiative verlangt eine echte Lehrmittelfreiheit auch im Kanton Basel-Stadt. Die Lehrpersonen sollen die Lehrmittel "Mille feuilles", "Clind d'oeil" und "New World" durch bewährte Lehrmittel ersetzen können.

Hier können Sie den Unterschriftenbogen herunterladen.

Die Starke Schule empfiehlt bei Sammelständen Schutzmasken zu tragen und beim Ansprechen auf der Strasse einen Abstand von 2 Metern einzuhalten.

 

Spenden

Wir freuen uns über Ihre Spende.

Starke Schule beider Basel
4127 Birsfelden

PC 60-128081-8
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10.06.2021 - Gastartikel von Prof. Dr. Gerhard Steiner, Universität Basel

Integrative Schule auf dem Prüfstand

So steht es im Untertitel der BaZ-Berichterstattung vom 22.04.2021 über die Grossrats-Debatte vom 21.04.2021. Von «Prüfstand» kann freilich keine Rede sein. Die «Integrative Schule» ist gesetzt, ein bildungspolitisches Dogma. Wer sich ihr gegenüber kritisch zeigt, macht sich unbeliebt. Trotzdem dieForderung im Basler Grossen Rat: «Weiterentwickeln» soll der Erziehungsdirektor die «Integrative Schule» in den kommenden zwei Jahren, und das mit den Lehrerinnen und Lehrernzusammen, denn sie darf nicht scheitern. Ein «Prüfstand» für die «Integrative Schule» ist überfällig, denn die in derselben Grossrats-Debatte genannten Fehlentwicklungen gibt es nicht nur, sie häufen sich ganz offensichtlich, weiten sich aus, führen zu immer mehr und stärkeren Belastungen – Anlass genug zum Nachdenken über den Umgang mit ihnen, vor allem aber über Ursachen und Konsequenzen. Vielleicht sind die Fehlentwicklungen systemimmanent, Zustände am Ende von bildungspolitischen Sackgassen. Falls das zutrifft, gibt es gar nichts zum «Weiterentwickeln».

Stichwort «Integrativ»

«Integrativ» ist die Form der Schulorganisation, die hier im Fokus steht. Frage: Wer soll integriert werden? Antwort: Alle, die irgendwie von den üblichen Erwartungen an Lernende abweichen: sprachlich unzureichend Vorbereitete, solche mit Verhaltensstörungen oder mit Lernschwierigkeiten verschiedenen Ursprungs und Ausprägung. Angesichts der in der politischen Debatte angeführten Fehlentwicklungen frage ich: Kann die «Integrative Schule» diese Aufgabe wirklich bewältigen – mit einem angemessenen Aufwand-Ertrags-Verhältnis?

Lesen Sie hier weiter.

 

05.06.2021

Lehrmittelfreiheit wird in Basel Schritt für Schritt eingeführt

Die Initiative «Lehrpersonen dürfen diejenigen Lehrmittel einsetzen, mit welchen sie die Schüler/-innen am besten fördern können», welche von der Starken Schule beider Basel gemeinsam mit zahlreichen Politiker/-innen am 6. Februar 2020 lanciert wurde, zeigt im Stadtkanton erfreulich schnell Wirkung: So kann auf der Primarstufe das heftig kritisierte Lehrmittel «Mille feuilles» durch «Ça roule» oder «Ça bouge» ersetzt werden. Auf der Sekundarstufe stehen in beiden Fremdsprachen Französisch und Englisch mit «Ça bouge» und «Beyond» ebenfalls gute alternative Lehrmittel zur Verfügung. Auch in anderen Fächern sind weitere Lehrmittel auf die Lehrmittelliste aufgenommen worden, sodass die Lehrpersonen eine Auswahl haben.

Lehrmittelliste enthält mehrere alternativ-obligatorische Lehrmittel

Die beiden folgenden Tabellen geben eine Übersicht über die alternativ obligatorischen Lehrmittel, welche ab dem Schuljahr 2021/22 auf der Primarstufe und der Sekundarstufe 1 gültig sind. Das heisst: Mindestens eines dieser Lehrmittel muss im jeweiligen Fach als unterrichtsleitendes Lehrmittel eingesetzt werden. (Hier finden Sie die vollständigen Lehrmittellisten des Kantons Basel-Stadt.)
 

Fach

Klasse Primarstufe

Alternativ-obligatorische Lehrmittel

Deutsch

1

  • Tobi-Fibel (Cornelsen)
  • Jo-Jo Fibel (Cornelsen)
  • Lesen durch Schreiben (Scola)
  • Leseschlau (LMV Solothurn)
  • Die Buchstabenreise (Klett & Balmer)
  • Die Buchstabentour (Schenker)

2 – 4

  • Sprachfenster (LMV Zürich)

2 – 6

  • Die Sprachstarken (Klett & Balmer)

3 – 6

  • Sprachland (LMV Zürich)

Französisch

3

  • Ça roule (Klett & Balmer)

3 – 6

  • Mille feuilles (Schulverlag plus)

5 – 6

  • Ça bouge (Klett & Balmer)

Mathematik

1 – 6

  • Schweizer Zahlenbuch (Klett & Balmer)
  • Mathematik Primarstufe (LMV Zürich)
  • Mathwelt (Schulverlag plus)

 

Fach

Klasse Sekundarstufe

Alternativ-obligatorische Lehrmittel

Deutsch

1 – 3

  • Die Sprachstarken (Klett & Balmer)
  • Sprachwelt (Schulverlag plus)

Französisch

1 – 3

  • Ça bouge (Klett & Balmer)
  • Clin d’oeil (Schulverlag plus)

Englisch

1 – 3

  • Beyond for Switzerland (Macmillan)
  • New World (Klett & Balmer)

Mathematik

1 – 3

  • Mathbuch (Schulverlag Klett)
  • Mathematik Sekundarstufe (LMV Zürich)
Italienisch
 1 – 3
  •  Tocca a te! (hep)
  • Parla con me (Alma Edizione)

Auch wenn aufgrund des ausgereizten Budgets an einigen Schulen die neuen Lehrmittel in diesem Schuljahr noch nicht bestellt werden konnten, stellen wir fest, dass die geleitete Lehrmittelfreiheit auch in Basel-Stadt Schritt für Schritt eingeführt wird. Das Kernanliegen der Initiative, die unbrauchbaren Passepartout-Lehrmittel durch bewährte Lehrmittel ersetzen zu können, wird zunehmend erfüllt. Die Initiative kann deshalb bereits heute als Erfolg bezeichnet werden, obwohl diese gar nicht eingereicht worden ist. Die Sammelfrist läuft im Oktober 2021 ab.

Initiativkomitee beschliesst die Unterschriftensammlung nicht wieder aufzunehmen

Das Initiativkomitee hat nun beschlossen, die im März 2020 aufgrund der Corona-Pandemie gestoppte Unterschriftensammlung nicht wieder aufzunehmen. Das Sammeln auf der Strasse ist aufgrund der Corona-Pandemie zurzeit nur schwer möglich, womit der effizienteste Weg, die Unterschriften zu sammeln, wegfällt. Das Sammeln mittels Versände und Beilagen wäre nur mit einem erheblichen finanziellen Aufwand möglich.

Der Vorstand der Starken Schule beider Basel vertritt gemeinsam mit den Mitgliedern des Initiativkomitees die Meinung, dass sich die Wiederaufnahme nicht lohnt, weil das Kernziel der Initiative weitgehend erfüllt ist, respektive ab dem kommenden Schuljahr erfüllt wird.

Alina Isler
Vorstand Starke Schule beider Basel

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03.06.2021

Erneute Zwangsverschiebungen in Baselland

In verschiedenen Baselbieter Gemeinden werden für das kommende Jahr erneut Zwangsverschiebungen vorgenommen. Zahlreiche Familien erhielten vom Amt für Volksschulen (AVS) eine entsprechende Verfügung mit der Ankündigung, dass ihr Kind die Sekundarschule an einem weiter entfernt liegenden Schulstandort besuchen müsse. Dagegen erhebt sich breiter Widerstand.

Die Ankündigung von Zwangsverschiebungen sind auch für das AVS unangenehm, Proteste mit Briefen und Missfallsbekundungen sind zahlreich. Einige erheben Einsprache, auch wenn die Chancen klein sind, die Zwangsverschiebungen damit zu verhindern. Durch diese Verschiebungen sollen Klassen bis zur maximalen Obergrenze aufgefüllt werden, um aus Kostengründen möglichst wenige Klassen bilden zu müssen. Die Gesamtkosten einer zusätzlichen Sekundarschulklasse beträgt jährlich 250'000 Franken.

Aesch und Muttenz trifft es besonders hart

In der Gemeinde Aesch werden ab Sommer 2021 sechs Sekundarschüler/-innen des Niveau P in Reinach und acht des Niveau E in Münchenstein in die Schule gehen. Die betroffenen Eltern sowie der Gemeinderat wehren sich vehement gegen die angekündigten Zwangszuweisungen und fordern das AVS dazu auf, eine Lösung für eine Verbesserung dieser unbefriedigenden Situation zu suchen. Dasselbe Problem besteht auch in Muttenz: Eine zweistellige Anzahl Schüler/-innen werden nach Birsfelden verschoben. Ebenso müssen auch Schüler/-innen von anderen Gemeinden die Sekundarschule in Allschwil absolvieren. 

Insgesamt werden ab Sommer 2021 80 Schüler/-innen in eine andere Schule eingeteilt. Über die Hälfte aller Zuweisungen, insgesamt 57 Stück, sind Schüler/-innen, welche freiwillig einen anderen Schulstandort besuchen möchten. Auf der abgebildeten Grafik sind alle vorgenommenen Verschiebungen des Schuljahres 2021/22 im Kanton Basel-Landschaft abgebildet.

Zwangsverschiebungen bringen pädagogische Nachteile

Die Starke Schule beider Basel (SSbB) lehnt Zwangsverschiebungen als Sparmassnahme ab. Sekundarschüler/-innen sollen die nächst gelegene Sekundarschule besuchen dürfen. Wird dies nicht ermöglicht, so ist der Wechsel in eine weiter entferne Schule immer mit einem teilweise deutlich längeren Schulweg verbunden. Dies führt häufig dazu, dass die betroffenen Kinder über Mittag nicht mehr nach Hause können und sie auswärts essen müssen, was wiederum mit Mehrkosten für die externe Verpflegung verbunden ist. Auch geht damit das für viele Familien wichtige gemeinsame Mittagessen und auch ein Stück Familienleben verloren. Genau deshalb gibt es zahlreiche Familien, die ihren Wohnort bewusst so wählen, dass sich Angebote des täglichen Bedarfs, ÖV-Anschlüsse sowie Schulen und Freizeitangebote in Gehnähe befinden. Müssen die Kinder nun eine Schule einer weiter entfernten Gemeinde besuchen, fällt ein Stück Lebensqualität weg.

Auch aus pädagogischer Sicht geben Zwangsverschiebungen keinen Sinn: Schon lange ist klar, dass Schüler/-innen die vorgegebenen Lernziele besser erreichen, je kleiner die Schulklassen sind. Zurzeit werden zudem bereits im Voraus die Klassenhöchstzahlen so ausgereizt, dass keine Plätze mehr freibleiben für Schüler/-innen, die aufgrund eines Niveauwechsels oder einer Repetition in eine andere Klasse eingeteilt werden. Immer häufiger kommt es in solchen Fällen zu einer Überschreitung der maximalen Klassengrössen.

Die Schule ist zudem einer der wichtigsten Bereiche, um Freundschaften im Kindes- und Jugendalter zu knüpfen. Bereits der Übertritt von der Primar- in die Sekundarschule bereitet vielen Schüler/-innen Sorgen und Ängste. Im Normalfall helfen dabei die bereits bekannten Gspänli, die mit ihnen den Wechsel in die neue Schulumgebung durchmachen. Fällt dieser Aspekt weg und werden die Kinder aus ihrem sozialen Umfeld rausgerissen, fällt der Übertritt noch schwerer.

Alina Isler
Vorstand Starke Schule beider Basel

 

02.06.2021

Maturitätsabschluss an den Gymnasien

Im Jahr 2020 wurden an den fünf Baselbieter Gymnasien (Laufen, Liestal, Muttenz, Münchenstein und Oberwil) an 671 Personen Maturitätszeugnisse vergeben. Interessant dabei ist, dass 56.8% der Abschliessenden Frauen und lediglich 43.2% Männer waren. (siehe folgende Abbildung)
 

Seit einigen Jahren wird auf der Sekundarstufe 1 die Selbständigkeit und das eigenverantwortliche Lernen immer stärker gefördert. Mit dieser neuen Unterrichtsart haben Schülerinnen wesentlich weniger Mühe als die Jungs. Dies, weil Mädchen in diesem Alter gemäss Fachexpert/-innen etwas reifer sind und eine grössere Verantwortung übernehmen können als ihre gleichaltrigen Mitschüler.  Die Jungs haben mehr Mühe. Die Folge ist, dass in Schulklassen des anspruchsvollen Leistungsniveaus P mehr Schülerinnen sitzen und damit mehr Mädchen an Gymnasien übertreten.

 
Interessant ist auch die Geschlechterverteilung der einzelnen Schwerpunktfächer: Gymnasiastinnen bevorzugen moderne Sprachen, zwei von fünf Männer hingegen wählen am liebsten Wirtschaft und Recht. Dieses Fach ist auch allgemein das Beliebteste im Kanton Baselland, dicht gefolgt vom Schwerpunktfach Biologie und Chemie. Indessen immer weniger gefragt sind alte Sprachen; die Abschlüsse in diesen Fächern nehmen weiter ab. (siehe zweite Abbildung)

Lena Heitz
Sekretariat Starke Schule beider Basel

 
 
 
20.05.2021

Mitarbeitendenbefragung 2020 mit durchzogenen Resultaten

Die Resultate der Mitarbeitendenbefragung im vergangenen Jahr bei sämtlichen Kantonsangestellten sind aufgrund der hohen Beteiligung von 61.7% aussagekräftig. Insbesondere die Lehrpersonen aller Stufen beurteilen die Bereiche «Entlöhnung», «Personalentwicklung», «Arbeitsplatz» und «Vertrauen in die übergeordnete Führung» kritischer als die restlichen Kantonsangestellten.

Mit den Anstellungsbedingungen seien die Kantonsangestellten mehrheitlich zufrieden, schreibt die Landeskanzlei in einem Bericht an die Mitarbeitenden anfangs Mai. Verbessert werden müsse jedoch die Leitungsgerechtigkeit des Lohns sowie die Sozial- und Lohnnebenleistungen. Der am kritischsten beurteilte Bereich sei die Personalentwicklung: So gäbe es ein klares Verbesserungspotential bei den beruflichen Entwicklungsperspektiven. Lehrpersonen würden sich nicht nur die Personalentwicklung im Sinne eines hierarchischen Aufstiegs wünschen, sondern auch mittels Erweiterungen des Aufgabengebiets. Der Fokus müsse hier also auch auf die horizontale Entwicklung gelegt werden und nicht nur auf die vertikale. Das Verwaltungspersonal hätte das Thema Arbeitsplatz im Gegensatz zu den Lehrpersonen eher positiv beurteilt.

Auffällig seien auch die Rückmeldungen gewesen, die mit dem Vertrauen in die übergeordnete Führung zu tun hatten. Je kleiner die Berührungspunkte zwischen Lehrpersonen und Personen der übergeordneten Führung seien, desto geringer sei auch das Vertrauen der Lehrpersonen. Eine Verbesserung der Zusammenarbeit und des Austauschs zwischen allen Stufen müsse daher rasch angestrebt werden.

Regierungsrat setzt Arbeitsgruppen ein

Als Massnahme hat der Regierungsrat mehrere kantonale Arbeitsgruppen aus Expertinnen und Experten beauftragt, konkrete Vorschläge bis Ende Jahr auszuarbeiten. Ziel sei es, bei den vier Themenbereichen «Entlöhnung», «Personalentwicklung», «Arbeitsplatz» und «Vertrauen in die übergeordnete Führung» eine höhere Zufriedenheit der Mitarbeitenden zu erzielen.

Unzufriedenheit der Lehrpersonen ist eine Folge der gescheiterten Bildungsreformen

Die in manchen Bereichen wenig zufriedenstellenden Resultate waren beim Lehrpersonal zu erwarten und sind eine logische Folge des deutlich höheren Arbeitsvolumens, das in den vergangenen Jahren aufgrund zahlreicher Bildungsreformen geleistet werden musste. Frustrierend war insbesondere, dass das Scheitern vieler Reformen von den Lehrpersonen frühzeitig erkannt und kommuniziert wurde, gleichwohl das Amt für Volksschulen (AVS) lange und unbeirrt daran festhielt (untaugliche Passepartout-Fremdsprachenideologie, unbrauchbarer Lehrplan, Abschaffung beliebter Einzelfächer, Einführung Sammelfächer, Lernlandschaften usw.). Diese Fehleinschätzungen waren wenig motivierend.

Die Starke Schule beider Basel (SSbB) sieht Handlungsbedarf und erwartet Massnahmen zur Verbesserung der Attraktivität des Lehrerberufs. Die Absichtserklärung der Regierung, die Situation zu überprüfen und Verbesserungen anzustreben, beurteilt die SSbB positiv.

Saskia Olsson
Vorstand Starke Schule beider Basel

 

10.05.2021

Reform ohne pädagogische Basis?

Dauer, das wusste schon der Grieche Heraklit, ist nur im Wandel. Wandel ist demnach immer, Stabilität nur scheinbar. Neu aber ist die Zivilisationsdynamik. Wie ein Wirbelwind stürmt sie daher und reisst Überkommenes mit. Die Gegenwart schrumpft – auch im Pädagogischen. Das Alte lässt sich auf Dauer nicht vor dem Neuen retten. Diese Einsicht gehört zu den Axiomen der Moderne. Sie gilt auch fürs KV, die mit Abstand grösste Berufslehre der Schweiz. Will sie für die Jugendlichen attraktiv bleiben, muss sie sich weiterentwickeln.

Lernen lässt sich nicht abkürzen

Und doch gibt es Konstanten; es gibt Einsichten, die immer gelten und darum keinem Verfallsdatum unterliegen – gerade im Bildungsbereich. Lernen beispielsweise lässt sich nicht beschleunigen. Da gibt es keine Schnellstrassen und keine raffinierten Abkürzungen. Da gelten strapaziöse Fusswege und steinige Bergpfade, da gibt es Dickicht und Umwege. Lernen ist Arbeit, ist Umgang mit widerständigen Materien; der unerlässliche Effort lässt ich nicht minimieren, ausser man will die Lerneffekte reduzieren. Die menschliche Evolution ist eben nicht mit der technischen Innovation gleichzusetzen.[1] Hier sind Riesensprünge nicht möglich.

Das KV steht vor grossem Umbruch

Das scheint die Projektgruppe «Kaufleute 2022» zu vergessen. Seit 2018 ist sie an der Arbeit – als kleines Kernteam hinter verschlossenen Türen und unter absoluter Diskretion. Sie richtet mit der grossen Kelle an und krempelt die kaufmännische Berufslehre komplett um.[2] Seit Kurzem sind die Pläne öffentlich zugänglich; auf das Schuljahr 2022/23 sollen sie in Kraft treten.

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05.05.2021

Zum 10-Jahr-Jubiläum der Starken Schule beider Basel

Es war ein Schlüsselmoment und ein politisches Husarenstück, als sich die Starke Schule und ihr Gründer Jürg Wiedemann damals über Weihnachten 2014 entschlossen hatten, die damalige FDP-Regierungskandidatin Monica Gschwind im Kanton Baselland zu unterstützen. Es läutete den Wendepunkt einer jahrzehntelangen Bildungspolitik unter Herrschaft der SP ein, welche die Baselbieter Schule über eine Generation hinweg mit einem ideologisch geführten Reformwillen zu ersticken drohte. Mit allen bekannten Folgen: schlechte Lehrmittel, ein mit über 3000 Kompetenzen unkontrollierbarer und völlig unverbindlicher Lehrplan und schliesslich den Kompetenzabsturz der Schülerinnen und Schüler in Französisch, Deutsch und Mathe.

Dank der Unterstützung der FDP-Frau ist die Bildungsverwaltung – eine einstige SP-Trutzburg – geschliffen worden; die Starke Schule hat fortan wenigstens ein Ohr (ein Standbein ist es nicht) in der Bildungsdirektion und kann die Bildungspolitik nun nicht mehr nur via einer Flut von mehr oder weniger qualitativ guten Initiativen beeinflussen. Insgesamt waren es 16.

Für diese Strategie liess sich Wiedemann bei den Grünen parteipolitisch kreuzigen. Und er nahm seine Hinrichtung 2015 mit seligem Lächeln hin. Die Liebe zur Schule und das Ziel des Erhalts ihrer Qualität war dem unter Schülern geachteten und beliebten Sekundarlehrer wichtiger als seine Karriere. Überhaupt hat die Starke Schule als eine der wenigen Organisationen in der Schweiz schon vor zehn Jahren die Stimme gegen den Mainstream erhoben, welcher die Schülerinnen und Schüler zum charakterlich besseren Menschen umerziehen wollte. Die Organisation ist dafür diffamiert worden, als der Begriff «Cancel Culture» noch nicht erfunden war.

Ich selber habe es erlebt – als Schulrat und als Journalist – wie die Besserwisser mit verachtenden Blicken den Unbelehrbaren und Sturen aus Birsfelden in den Senkel zu stellen versuchten und ihn als Verräter behandelten. Wiedemann und die Starke Schule haben dieser Ausgrenzung Stand gehalten und sind mit ihrem Mitgliederstamm im Baselbiet inzwischen zu einer referendumsfähigen Organisation geworden, die der Bildungsverwaltung kontrollierend im Nacken sitzen kann. Recht so. Seither haben Kurskorrekturen stattgefunden.

Fast ist man geneigt zu sagen, dass sich die Starke Schule zurücklehnen kann. Zumindest im Baselbiet. Der Kanton ist aus dem Harmoskonkordat ausgestiegen. Neben dem unübersichtlichen Lehrplan-21-Kompetenzkompendium ist es ihr gelungen, einen einfacheren Lehrplan zu installieren. Dieser wird sich durchsetzen, wie sich alles in der Welt durchsetzt, was ökonomischer und einfacher ist. Die für teures Geld eingeführten und doch so schlechten Fremdsprachenlehrmittel dürfen dank der Starken Schule mit der Papiersammlung entsorgt werden.

Was der Starken Schule aber in ihrem Kampf für eine bessere Schule lange Zeit entging, ist die Tatsache, dass das Baselbiet keine bildungspolitische Insel ist, auch wenn Bildungspolitik auf Kantonsebene umgesetzt werden muss. Vielleicht findet sie endlich eine Zusammenarbeit mit Organisationen in anderen Kantonen. Dass sie einen Ableger in Basel-Stadt gegründet hat, ist immerhin ein Lichtblick. Vielleicht schafft sie es auch noch, eigene Impulse zu setzen. Es gibt noch viele Baustellen. Beispielsweise überfordert die immer frühere Einschulung unsere immer jüngeren 1. Klässler und sie hält die immer jüngeren Volksschulabgänger davon ab, sich für die so wertvolle Berufslehre zu entscheiden.

Daniel Wahl
früherer Lehrer und Journalist bei der BaZ

 

02.05.2021

Massnahmen versus Realität

Seit über einem Jahr ist das Coronavirus ein alltägliches Thema und insbesondere an den Schulen omnipräsent. Vom Einhalten der Abstände, zum korrekten Tragen der Masken bis hin zum Organisieren der wöchentlichen Massentests – die Lehrpersonen wurden zu Corona-Aufpassern. Da aufgrund des regelmässigen Testens viele Corona-Fälle frühzeitig erkannt und Übertragungsketten unterbrochen werden können, entschied der Regierungsrat ab dem 1. Mai 2021 die Massnahmen an den Volksschulen schrittweise zu lockern.

Bis anhin galt eine strikte Maskentragpflicht für Schüler/-innen ab der 5. Primarschulklasse auf dem Pausenhof sowie im Schulgebäude. Die einzige Möglichkeit der Maske kurzzeitig zu entkommen, war während dem Einnehmen des Znünis unter Einhaltung eines 1.5 Meter Abstands zu den Mitschüler/-innen. 

Verschiedene Corona-Massnahmen werden gelockert

Nun werden, da die wöchentlichen Massentests gut funktionieren, einige Massnahmen aufgehoben resp. gelockert: Ab Beginn der kommenden Woche ist die Maskentragpflicht für Schüler/-innen im Freien aufgehoben. Bedingung: Die Abstandsregelungen müssen eingehalten werden und die Klassen sollen sich auf dem Pausenareal nicht durchmischen. Ebenfalls gelockert werden die Bestimmungen betreffend Ausflügen und Lagern, welche mit Hygienekonzepten innerhalb der Schweiz wieder durchgeführt werden dürfen. Der dritte Punkt umfasst die Aufhebung des Verbots des Schwimmunterrichts in den 5. und 6. Primarschulklassen.

Obschon ein Grossteil der Betroffenen über die genannten Lockerungen befürworten, sollten die Beschlüsse auch kritisch hinterfragt werden: Was in der Theorie vernünftig und richtig klingt, hinterlässt in der Realität jedoch einen bitteren Nachgeschmack. Im Unterricht mussten die Lehrpersonen die Schüler/-innen immer wieder ermahnen, ihre Maske korrekt zu tragen. Auch die Abstandsregeln auf dem Pausenhof wurden in den vergangenen Monaten oft nicht eingehalten.

Schüler/-innen halten Abstandsregeln kaum ein

Sobald die Schüler/-innen draussen sind, können sie neu unter Einhaltung der Abstände die Masken abnehmen, auch wenn sie nichts essen oder trinken. Wer glaubt, dies funktioniere, hat zurzeit wohl noch nie einen Fuss auf einen Pausenhof gesetzt. Die Schüler/-innen verschiedener Klassen vermischen sich laufend und halten die Abstände kaum oder gar nicht ein.

Trotzdem sind Aufhebungen der Massnahmen zu begrüssen. Insbesondere die nun wieder erlaubte Durchführung von Lagern und Ausflügen sorgen für Lichtblicke in der langen Corona-Zeit, denn viele der sonstigen Highlights neben des gewöhnlichen Schulunterrichts mussten verschoben resp. abgesagt werden.

Alina Isler
Vorstand Starke Schule beider Basel

 

26.04.2021

SSbB will in gewerkschaftlichen Belangen aktiver werden

Die Starke Schule beider Basel (SSbB) strebt im Kanton Basel-Landschaft ab 2022 die offizielle Anerkennung als Berufsverband für Kantonsangestellte an, welche im Bildungsbereich tätig sind. Bereits heute unterstützt die SSbB ihre Mitglieder regelmässig in personalrechtlichen und gewerkschaftlichen Belangen. Als anerkannter Berufsverband wäre die Zusammenarbeit mit der BKSD sowie weiteren Verbänden und Organisationen enger und lösungsorientierter.

Gemäss §50 Abs 1 des Personalgesetzes kann sich ein Verein als Berufsverband anerkennen lassen, wenn er mindestens 250 Mitglieder im Kanton Baselland zählt, welche auf der Lohnliste des Kantons stehen. Der jährliche Verbandsbeitrag beträgt Fr. 10.-. Im Mitgliederbeitrag der SSbB ist dieser Betrag bereits enthalten. Ziel der SSbB ist es, seine Mitglieder in personalrechtlichen und gewerkschaftlichen Belangen stärker zu unterstützen und bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen. Damit soll auch die Bildungsqualität an unseren Schule verbessert werden.

Diese Arbeiten und Dienstleistungen hat die SSbB schon seit einiger Zeit regelmässig angeboten, z.B. Beratung von Lehrpersonen bei Lohneinreihungen, arbeitsrechtlichen Differenzen mit der vorgesetzten Stelle usw.).  An der Mitgliederversammlung vom 11.3.2021, welche aufgrund der Corona-Pandemie via Videokonferenz durchgeführt wurde, wurde der Zweckartikel §2 der Statuten nach Absprache mit dem Personalamt wie folgt ergänzt: «Die Starke Schule beider Basel berät die Mitglieder, welche im Bildungsbereich des Kantons Basel-Landschaft angestellt sind, in personalrechtlichen und beruflichen Belangen.»

Offizielle Berufsverbände haben grössere Einflussmöglichkeiten

Ein anerkannter Personalverband bildet eine «Arbeitsgemeinschaft, die sich selber konstituiert». Diese fungiert als Bindeglied zwischen der Regierung und dem Personalverband. «Die Arbeitsgemeinschaft hat das Recht, zu allen Entwürfen personalrechtlicher Erlasse Stellung zu nehmen» und dem «Regierungsrat Anträge über Erlass und Vollzug solcher Bestimmungen zu stellen.» Der Personalverband der SSbB könnte so mit der Bildungsdirektion enger zusammenarbeiten und wäre in der Lage, sich viel früher argumentativ und kompromissorientiert einzubringen. Das demokratische Mittel der Volksinitiative wäre vermutlich deutlich weniger oft nötig.

Die Mitglieder des Berufsverbandes der SSbB hätten einen viel direkteren und prozessorientierten Zugang zur kantonalen Bildungspolitik in gewerkschaftlichen und arbeitsrechtlichen Belangen.

Keine Konkurrenz zum Lehrerinnen- und Lehrerverein Baselland

In der überwiegenden Mehrheit aller bildungspolitischen Geschäfte arbeiten die SSbB und der Lehrerinnen- und Lehrerverband Baselland (LVB) bereits heute Schulter an Schulter für eine bessere Bildungslandschaft im Kanton. Jede der beiden Organisationen hat ihre spezifischen Stärken, wodurch sie sich optimal ergänzen und gegenseitig stärken. Gemeinsam als zwei Berufsverbände auftretend, wäre ihre Einfluss­möglichkeit bei der BKSD umso grösser.

Beitritt zum Berufsverband der SSbB

Auf der Website der SSbB befindet sich ein Online-Beitrittsformular, das wir Sie einladen auszufüllen. Die Berufsverbandsmitgliedschaft kostet jährlich Fr. 10.- und wird erstmalig im Jahr 2022 fällig. Sie können jederzeit ohne Kündigungsfrist wieder austreten. Sind Sie im Bildungsbereich des Kantons Basel-Landschaft tätig und Mitglied der SSbB, so ist dieser Berufsverbandsbeitrag von Fr. 10.- im Mitgliederbeitrag bereits enthalten. Teilen Sie uns in diesem Fall bitte gleichwohl mit, dass Sie im Bildungsbereich tätig sind, indem Sie das Online-Beitrittsformular ausfüllen. Klicken Sie hier, um dem Berufsverband beizutreten. Besten Dank.

Michael Pedrazzi, Vorstand Starke Schule beider Basel

 

22.04.2021

Lehrpläne: Eine kurze Geschichte

Die Internetverbindungen werden breitbandiger, doch die Ansichten enger; die Häuser grösser und die Familien kleiner. Wir vermehren unseren Besitz und verlieren unsere Werte. Wir hetzen uns ab zur Steigerung des Lebensstandards und vergessen dabei zu leben… Paradoxien sind allgegenwärtig und Teil des Lebens. So werden bei steigenden Krankenkassenprämien vermehrt Leistungen beansprucht, auf dass sich die Versicherung lohnt, wodurch jedoch die Prämien steigen. Und ausgerechnet im Bereich der Bildung, wo es ums Lernen und Denken, um Wissen und Kompetenzen sowie um den Mut zur Selbstentfaltung geht, herrschen in der Politik Gleichschaltung, Feigheit, Inkompetenz, Denkfehler, Autoritarismus, Beratungsresistenz.[1]

 

Auch wenn alle einer Meinung sind, können alle Unrecht haben.[2]
Bertrand Russell

 

TINA – There Is No Alternative

Wie immer bei grossangelegten Schulreformen im Top-down-Prinzip wird auch die Kompetenzorientierung im nationalen Lehrplan 21 (LP21) seitens der exekutiven Bildungspolitik als alternativlos dargestellt. Veränderungen im Schulbetrieb entsprächen dem gesellschaftlichen Wandel. «Menschen, die solche Reformen ablehnen, seien dem Fortschritt grundsätzlich feindlich gesinnt.»[3] Derartige Vorverurteilungen sind offensichtlich nötig, denn als Reaktion auf den autoritär erzwungenen Paradigmenwechsel im Deckmäntelchen einer nationalen Schulharmonisierung -unter diesem Vorwand wurde er der Bevölkerung verkauft- hagelt es Kritik von allen Seiten, insbesondere auch von linker bzw. linksliberaler Seite. Zahlreiche bekannte Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Politik und schulisch-pädagogischem Umfeld melden sich zu Wort.[4]

Die wichtigsten Kritikpunkte in Kürze:

  1. Dem LP21 fehlt die demokratische Legitimation, denn Konsultation ist nicht Partizipation.[5]
  2. Ungleich klassischer Lehrpläne legt der LP21 keine Stoffinhalte und Lernziele fest, vielmehr plant und steuert er den Unterricht. Damit entmündigt er die Lehrkräfte und führt zu einer Entprofessionalisierung des Lehrberufs.
  3. Auf rund 550 Seiten wird das Verb können 4'753mal verwendet: «Die Schülerinnen und Schüler können...» Der LP21 verkommt dadurch zur unerträglich monotonen Litanei.
  4. Man würde es nicht für möglich halten, aber die Monotonie wird noch gesteigert durch die fast 4'000malige Verwendung des Begriffs Kompetenz.
  5. Die Kompetenzorientierung ist alter Wein in neuen Schläuchen, da es in der Schule schon immer um die Anwendung erworbenen Wissens ging, also um Fähigkeiten.
  6. Der LP21 strapaziert den Erziehungsauftrag der Schule und greift somit in die Persönlichkeit von Schülerinnen und Schülern ein.
  7. Zu viele Kompetenzbeschreibungen sind abstrakt verklausuliert und mit Fremdwörtern gespickt, sodass sie zumeist unverständlich sind.
  8. Die über die Massen strapazierte Thematisierung von Kompetenzen wird ad absurdum geführt durch die Inexistenz einer allgemeingültigen Definition zum Kompetenzbegriff.
  9. Der LP21 belässt die Hoheit über die Stundentafeln bei den Kantonen und unterwandert dadurch das Ziel der Chancengerechtigkeit.[6]
  10. Die unterschiedlichen Einführungszeitpunkte der Fremdsprachen in diversen Kantonen hintertreiben die Harmonisierung der kantonalen Bildungssysteme zur Herstellung interkantonaler Kompatibilität.
  11. Der LP21 respektiert eine thematische Trennung der Fächer Geschichte und Geografie und fusioniert diese dennoch zum Fach Räume, Zeiten und Gesellschaften.
  12. Er widerspricht sich auch darin, dass er die Methodenfreiheit der Lehrkräfte angeblich anerkennt, aber dennoch deren Unterricht reglementieren will.[7]
  13. Das im LP21 propagierte Selbstorganisierte Lernen widerspricht entwicklungspsychologischen Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen.

Lesen Sie hier den Artikel von Felix Hoffmann (Sekundarlehrer) weiter.

 
 
19.04.2021

10 erfolgreiche Jahre Starke Schule

Die Starke Schule hat zehn erfolgreiche Jahre hinter sich. Zwar musste der Verein, oder vielmehr die Bewegung manche Niederlage einstecken, doch insgesamt ist es ihr gelungen, im Kanton Baselland bei den Behörden und  den politischen Akteuren eine pragmatischere Schulpolitik durchzusetzen. Anders als vor Beginn der Aktivitäten der Bewegung orientiert sich die Schulpolitik heute stärker an den Bedürfnissen der Bevölkerung. Die Bildungsbürokraten haben es heute schwer.

Zentral in den letzten Jahren war die Unterstützung von Monica Gschwind bei den Regierungsratswahlen, als es darum ging, Bildungsdirektor Urs Wüthrich abzulösen. Eigentlich ist es ja witzig, dass ausgerechnet die im linken Spektrum entstandene Starke Schule mitgeholfen hat, den Sozialdemokraten Urs Wüthrich durch die Freisinnige Monica Gschwind zu ersetzen. Aber es war halt so: Die Sozis hatten sich etwas gar stark an den intellektuellen Bürokraten orientiert, die meinten, die Bevölkerung sei mit ihren Rezepten zu erziehen. Vielleicht ist es auch das Verdienst der Starken Schule, dass die SP im Baselbiet heute stärker auf ihre Wählerschaft hört und etwas weniger ideologischen Theorien nacheifert.

Die Starke Schule hat es verstanden, den Puls der Bevölkerung zu spüren – in ihrem Fall vor allem den Puls der Schüler*innen und ihrer Eltern. Auch deshalb konnte sie allein durch politischen Druck viele ihrer Anliegen durchsetzen. Kritisch bleibt anzumerken, dass sie oft nur unerwünschte Reformen verhinderte und etwas wenig eigene Reformvorstellungen einbrachte. Vieles ist noch immer im Argen: der ungenügende Stellenwert der Fremdsprachen in der Volksschule etwa, die halbherzigen Digitalisierungsbemühungen, die ideologisch motivierten Versuche, die Schüler*innen charakterlich (um-) zu formen, die ungenügende Ausrichtung der Sek auf die Berufswahl und die berufliche Zukunft der Schulabgänger*innen und vieles mehr.

Vielleicht steht die Starke Schule heute vor dem Problem, dass sich die Schule nicht allein auf politischem Weg verändern lässt. Den Bogen mit den allzu vielen Initiativen hat sie möglicherweise schon überspannt. Jedenfalls wäre es zu begrüssen, wenn ihre Akteure künftig stärker mit dem Lehrer*innenverein, dem VPOD oder mit anderen ihr nahen Organisationen in der Schweiz zusammenarbeiten würde. Letztlich macht nicht die Politik die Schule, sondern die Pädagogik. Nicht das Baselbiet allein, sondern die 26 Kantone zusammen. Der Bewegung Starke Schule Baselland, besonders ihren jungen Kräften, wünsche ich viel Erfolg für die nächsten Jahre.

Thomas Dähler
Journalist der Basler Zeitung

 

18.04.2021
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Harmos-Initiative öffnete alle Türen

Seit zehn Jahren leistet die «Starke Schule» Widerstand gegen den Lehrplan 21. 16 Initiativen hat der Verein bisher lanciert und dabei beachtliche Erfolge erzielt. Nun will die Organisation besser in Entscheide der Bildungsdirektion eingebunden werden, sagt Vorstandsmitglied Regina Werthmüller.

Frau Werthmüller, lassen Sie uns über Initiativen sprechen. 16 Initiativen hat die Starke Schule innerhalb von zehn Jahren lanciert. Was ist der Reiz für Sie an diesem politischen Instrument?
Die erste Initiative gegen die Zwangsverschiebungen lancierte im Jahr 2011 eine Gruppe von Eltern mit Unterstützung einiger Lehrpersonen, weil ihre Kinder nicht in die Sekundarschule Allschwil eingeteilt wurden, sondern in das weiter gelegene Binningen. Der Kanton wollte damit Kosten im Bildungsbereich einsparen. Aus dieser Bewegung entstand der heutige Verein Starke Schule beider Basel, welcher als Basisbewegung funktioniert und sich zum Ziel setzte, mit Volksinitiativen Sparmassnahmen im Bildungsbereich zu verhindern. Initiativen sind ein direktdemokratisches Mittel des Volkes, um sich Gehör zu verschaffen, wenn Regierung und Parlament am Volk vorbei politisieren.

Zu diesem Zeitpunkt sass Jürg Wiedemann, Gründer und Aushängeschild der Starken Schule, bereits für die Grünen im Landrat und Sie folgten noch im gleichen Jahr. Warum war es nicht möglich, die Anliegen der Starken Schule auf parlamentarischem Weg durchzusetzen?
Neben den Volksinitiativen haben wir oft zum fast gleichen Anliegen im Landrat Motionen und Postulate eingereicht. Durch dieses zweigleisige Verfahren, konnten wir den Druck auf die Politik deutlich erhöhen und damit auch taugliche Gegenvorschläge der Regierung erzwingen. Mehrmals wurden unsere Anliegen praktisch vollständig erfüllt, sodass wir Initiativen als erfüllt zurückziehen konnten. Hilfreich war sicher auch, dass nicht nur die Grünen Baselland viele unserer Initiativen unterstützt haben, sondern dass wir im Landrat immer wieder mit unseren Forderungen Mehrheiten finden konnten. Nach der Wahl von Monica Gschwind und damit dem Rausschmiss der SP aus der Regierung erhielten wir von den Grünen Baselland nur noch wenig Support. Der Graben wurde zunehmend tiefer.

Wo sehen Sie den grössten Erfolg der Starken Schule?
Zentral für viele unserer Anliegen war die Initiative zum Ausstieg aus dem Harmos-Konkordat. Sie war möglicherweise die wichtigste Initiative, die uns die Tür öffnete, um den Lehrplan 21 in unserem Kanton zu verhindern. Unser Widerstand gegen das Harmos-Konkordat und das sehr gute taktische Verhalten von Bildungsdirektorin Monica Gschwind führte dazu, dass die Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) den Lehrplan 21 zur beliebig veränderbaren Mustervorlage degradiert hat. Der Kanton Baselland konnte damit seinen eigenen Lehrplan Volksschule Baselland mit Stoffinhalten und Themen einführen. Ebenso konnten wir die Abschaffung der Einzelfächer Geografie, Geschichte, Biologie verhindern.

Nicht geglückt ist Ihnen die Reduktion auf eine Fremdsprache in der Primarstufe. Sehen Sie aktuell noch Handlungsbedarf bei den Fremdsprachen?
Dank der Lehrmittelfreiheit haben die Lehrpersonen die Möglichkeit, die untauglichen Passepartout-Lehrmittel Mille feuilles, Clin d’oeil und New World durch bewährte Lehrmittel zu ersetzen. Damit werden wir den Fremdsprachenunterricht in der Primarschule wenigsten verbessern können. Wir müssen nun beobachten, wie die Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrpersonen mit den neuen Lehrmitteln klarkommen und wie sich die Abkehr von der Passepartout-Ideologie auf das Erreichen der Lernziele auswirkt.

Was sind Ihre Prognosen?
Bereits im ersten Schuljahr mit Lehrmittelfreiheit haben eine unerwartet hohe Anzahl von Fremdsprachenlehrpersonen alternative Lehrmittel bestellt. Dies deutet daraufhin, dass Mille feuilles, Clin d’oeil und New World schneller ersetzt werden als wir dies prognostiziert haben. Eigentlich erstaunt dies nicht. Zu deutlich haben diese Lehrmittel versagt. Ich gehe davon aus, dass die Primarschülerinnen und -schüler in wenigen Jahren die Lernziele in Französisch und Englisch besser erreichen werden.

Was sind die Themen, mit denen die Starke Schule das Stimmvolk künftig an die Urne ruft?
(lacht) Diese Frage hat uns auch SP-Landrat Jan Kirchmayr gestellt, der ebenfalls Lehrer ist. Ich habe ihm angeboten, ein Anliegen zu deponieren. Er plädierte dafür, die 2013/14 in der Nordwestschweiz eingeführten Checks zur Prüfung des Leistungsstands der Schülerinnen und Schüler abzuschaffen. Das ist für uns im Moment noch kein Thema. Priorität hat der Lehrplan der Sekundarschulen. Die Bildungsdirektion ist zurzeit an der Überarbeitung der Stoffinhalte und Themen im Lehrplan. Dieser soll klarer strukturiert und pointierter formuliert werden, was ganz in unserem Sinne ist. Weiter möchten wir uns als offiziellen Berufsverband ab 2022 anerkennen lassen, um damit intensiver mit der Bildungsdirektion zusammenarbeiten zu können. Eine kantonale Volksinitiative steht im Moment nicht an.

Was wäre ihr Profil als Berufsverband in Abgrenzung zum Lehrerinnen- und Lehrerverein?
Für die umfassende rechtliche Betreuung, wie sie der LVB anbietet, sind wir sicher zu klein. Zudem macht der LVB in diesem Bereich eine ausgezeichnete Arbeit. In diesem Bereich braucht es uns nicht. Unser Fokus liegt eher darauf, dass wir personalrechtliche und gewerkschaftliche Anliegen mit politischen Mitteln durchsetzen möchten. Wir wollen in denjenigen Themen aktiv werden, welche die Basis als wichtig erachtet. Das betrifft sicherlich auch Neuerungen und Reformen im Schulbetrieb, die mit der Praxis nicht verträglich sind. Persönlich ist mir aber auch der Musikunterricht wichtig. Auf der Primarstufe wird dieser viel zu stiefmütterlich behandelt. Das beginnt bereits bei der Ausbildung der Lehrpersonen an der Pädagogischen Hochschule.

Wird es auch weniger Initiativen der Starken Schule geben, wenn Sie als Berufsverband vermehrt angehört werden?
Als schlanker und unabhängiger Verein können wir schnell agieren und eine Initiative innert kürzester Zeit lancieren. Dies wird sich sicher nicht ändern. Selbstverständlich würden wir gewerkschaftliche Anliegen verstärkt mit unseren Mitgliedern besprechen. Ein Einbezug der Mitglieder ist uns wichtig. Durch den Einbezug in die bildungspolitische Entscheidungsprozesse hätten wir frühzeitig die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen. Wünschenswert wäre, wenn wir dann weniger oft im Nachhinein die Reissleine ziehen müssten.

Sebastian Schanzer
Journalist der Volksstimme

[Quelle: Interview erschienen in der Volksstimme Nr. 43, 16.04.2021]

 

15.04.2021

Neue Zahlen der jährlichen Übertrittsprüfungen Baselland

Bereits im November 2020 hat die Starke Schule beider Basel (SSbB) einen Artikel (Lesen Sie hier) zu den Zahlen und Statistiken der Übertrittsprüfungen im Kanton Baselland verfasst. Dabei wurde analysiert, woran es liegen könnte, dass so viele Schulkinder die Übertrittsprüfungen von Leistungszug A in den Leistungszug E resp. vom Zug E in den Zug P nicht schaffen.

Dass die Quoten in den letzten Jahren sehr tief waren und im letzten Jahr keiner nach Absolvieren der Prüfung an das Niveau P wechseln konnte, liess uns zu zwei verschiedenen Schlüssen kommen:

  1. Die Einteilung der Primarlehrpersonen ist in fast allen Fällen korrekt, da sie das Leistungspotential ihrer Schützlinge während mehrerer Jahre kennenlernen und dadurch einordnen können.
  2. Die Aufnahmeprüfungen für das nächst höhere Niveau sind zu schwierig, was es den Kindern praktisch nicht ermöglicht, ihr Wissen und ihre Fähigkeiten zu zeigen. Die meisten Primarschüler/-innen (im Schnitt 94.7%) erreichen deshalb die Anforderungsbedingungen nicht.

Die Übertrittsprüfungen für das Jahr 2021 fanden am 1. Februar statt. Wiederum wurden die Schüler/-innen in den Fachbereichen Deutsch und Mathematik geprüft. Im Kanton Basel-Landschaft haben von 168 Schüler/-innen 10 die Übertrittsprüfungen in den Leistungszug E geschafft. 5 von 69 haben den Übertritt vom Zug E ins P erreicht. Der untenstehenden Grafik kann die Entwicklung der Übertrittsresultate der letzten fünf Jahre entnommen werden.

Interessant zum letzten Jahr – als keiner der an den Prüfungen teilgenommenen Schulkinder den Übertritt vom Niveau E ins Niveau P geschafft hat, ist, dass es in diesem Jahr immerhin 5 Schüler/-innen gelungen ist. Dagegen ist die Zahl der Übertritt vom Niveau A ins Niveau E im Vergleich zum letzten Jahr etwas gesunken.

Saskia Olsson
Vorstand Starke Schule beider Basel

 

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