Starke Schule beider Basel

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News

  • Donnerstag, November 14, 2019

    Landrat lehnt Motion gegen lohnrelevantes MAG ab

    Mit 37 : 42 Stimmen bei 2 Enthaltungen hat der Landrat eine Motion abgelehnt, welche ein praxistaugliches lohnrelevantes Mitarbeitergespräch (MAG) forderte.

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  • Samstag, November 02, 2019

    Frühfremdsprachenkonzept: Schüler/-innen als Versuchskaninchen missbraucht

    BaZ-Journalist Thomas Dähler wirft in der heutigen Ausgabe im Artikel «Das Französisch-Rad vergeblich neu erfunden» (Seite 23) den Passepartout-Verantwortlichen «Geheimniskrämerei» vor. Nur dank einer Panne wurde der Schlussbericht des Instituts für Mehrsprachigkeit (IfM) zu den Französisch-Ergebnissen von 4'400 Schüler/-innen am Ende der Primarschulzeit publiziert.

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Leserbrief

Wie eine Horde Schafe

Passepartout ist ein Lehrstück in Sachen Gruppendynamik, wie sie sich auch in der Politik abspielt. Haben sich genügend Schafe in Bewegung gesetzt, rennt ihnen der Rest der Herde blindlings hinterher, selbst wenn die hysterische Meute Richtung Abgrund hetzt. Da helfen dann keine noch so lauten Warnrufe mehr, von denen es zu Passepartout reichlich gab. Ist die Horde erst einmal laut blökend in Gang gekommen, gibt es kein Halten mehr. So hastete die Bildungspolitik, ohne zu überlegen, den Mehrsprachigkeits-Ideologen hinterher. Die Volksschule Baselland ist zwar noch nicht abgestürzt, doch viele solcher Drogenrausch-ähnlicher Trips wie Passepartout kann sie sich nicht mehr leisten.

Felix Hoffmann, Himmelried

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Eine erfreuliche Kompromisslösung

Der Starken Schule beider Basel ist für ihre Ausdauer und Hartnäckigkeit im Bildungsbereich zu danken. Trotz grossem Widerstand hat es sich gelohnt, mittels diverser Initiativen den notwendigen Druck auf die Politiker in Regierung und Parlament auszuüben. Dies zum Wohl unserer Schüler/-innen sowie der Französisch- und Englisch Lehrkräfte. Dank der umsichtigen Netzwerk- und Überzeugungsarbeit unter der Leitung der zuständigen Regierungsrätin gelang es, mittels der Berufung von praxiserprobten Sprach Lehrkräften in Lehrmittel-Fachkommissionen Lösungen zu finden, welche die Eigenverantwortung der Sprach Lehrkräfte steigern. Zielführend ist das Resultat betreffend dem niveaugetrennten Unterricht in Promotionsfächern. Umso erfreulicher, dass sich ohne Gegenstimmen unser kantonales Parlament für diese Kompromiss Lösungen entschieden hat!

André Fritz, EVP Co-Präsi Sektion Muttenz-Birsfelden

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Ja zu den Bildungsinitiativen

Nachdem das deutsche Modell "Gesamtschule" vor rund 20 Jahren gescheitert war, meinten die Basler, es besser zu können, worauf sie die "Orientierungsschule" einführten. Zwölf Jahre liessen sie ihre von Anfang an quer durch die Bevölkerung kritisierte OS bestehen, auf dass die Gründer ihr Gesicht wahren konnten. 2015 schloss sie dann ihre Tore. Schon die Gründungsväter der Vereinigten Staaten von Amerika wussten, dass alle Menschen zwar gleich geschaffen, aber nicht gleich sind. Sie haben unterschiedliche Talente und eine unterschiedliche Leistungsfähigkeit. Dieser Tatsache wird im modernen Niveaugetrennten Unterricht Rechnung getragen, auf dass die einzelnen Schüler/-innen in ihrer Individualität und unterschiedlichen Leistungsfähigkeit am besten gefördert werden können. Die Abschaffung der Niveaus an unserer Volksschule entspricht der linken Ideologie, wonach wir Menschen alle gleich sind. Daran glaubt man mittlerweile nicht mal mehr in Moskau.

Michael Miedaner, Biederthal, Frankreich

 

 

Kampagne 24. November

 

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Kritik wegen Gagen an Studis

 
Früherer Uni-Professor empfindet Angebot der Pädagogischen Hochschule als "selten plump"

Die Kritik ist harsch, der Absender nicht irgendwer. André Vanoncini lehrte an der Universität Basel französische Literaturwissenschaften, nun holt erzum Paukenschlag gegen die 2006 gegründete Pädagogische Hochschule (PH) aus. «Nie hat es die PH in Muttenz geschafft, durch ihr Angebot und ihre Leistung zu überzeugen», sagt Vanoncini.

«PH versucht, die Schwächen zu kaschieren»

Seinem Ärger lässt Vanoncininach der jüngsten Negativ-Schlagzeile freien Lauf. Die bz beschrieb vor etwas über zwei Wochen die ungewöhnlichen Massnahmen der PH-Leitung im Vorfeld des Hearings Ende November, bei dem es um die künftige Ausrichtung des Primarlehrgangs geht. Studierende, die am Anlass teilnehmen, bekommen 100 Franken Gage. Für diesen Lohn müssen sie allerdings vorher ein Gespräch mit der PH-Direktorin Sabine Larcher durchlaufen. Vanoncini sieht darin den «jüngsten Versuch, Meinungsäusserungen aus dem Inneren der Pädagogischen Hochschule durch direktionale Anweisung zu lenken». Als «selten plump» bezeichnet Vanoncini dies. «Man stelle sich vor, das Rektorat der Universität würde auf diese Weise die Vertretung der Studierenden für eine analoge Veranstaltung instrumentalisieren, vielleicht standesgemäss mit einem Ansatz von 200 Franken.» Aber offensichtlich sähen die Verantwortlichen der PH keine anderen Mittel, die Schwächen zu kaschieren. Auf sämtlichen Stufen der Lehramtsausbildung würden sich die Studenten über die Organisation, die Bürokratie, die Theorielastigkeit, die repetitiven Inhalte sowie die Vernachlässigung der Praxis stören. Vanoncinis Erfahrung zeige: Bis heute würden die PH-Schüler die Zeit nur «absitzen», bis sie endlich unterrichten dürften. Der frühere Uni-Professor hält das Projekt für gescheitert, die Mittelstufenlehrer an derPädagogischen Hochschule auszubilden. Mit dem Anspruch, weltweit zu den besten Hochschulen zu gehören, habe die PH die Bodenhaftung und die eigentliche Kernaufgabe aus den Augen verloren: die Ausbildung von Lehrern.

Nur noch Uni soll Sekundarlehrer ausbilden

Nun fordert Vanoncini, dass an der Pädagogischen Hochschule ein Umdenken stattfindet.«Die Fachwissenschaften müssen viel stärker ins Zentrum rücken.» Der Anteil an Didaktik sei heute viel zu hoch. Studierende beklagten sich darüber, dass sie immer wieder die gleichen Dinge «lernten». Vanoncini ist etwa der Meinung, dass die Sekundarlehrerausbildung wieder an der Universität durchgeführt werden muss. Diese Forderung ist nicht neu: Bereits vor acht Jahren äusserte sich die sogenannte Gruppe für eine bessere Sekundarlehramtsausbildung negativ über dieTheorielastigkeit an der Pädagogischen Hochschule. Auch in den Parlamenten der beiden Basel war die PH ein Thema. Vorstösse zur Schwächung der Hochschule erreichten jedoch keine Mehrheiten. Nachdem es um die Gruppe für eine bessere Sekundarlehrerausbildung ruhig geworden war, werde es nach den jüngsten Schlagzeilen wieder Bewegung geben, wie ein Gruppenmitglied sagt. Nicht nur die zweifelhafte Aktion mit den Studentengagen habe zu Stirnrunzeln geführt. Auch die Tatsache, dass die jüngsten Umfragen unter den PH-Studenten geradezu miserable Zufriedenheitswerte zutage förderten. Die PH nahm zu den Aussagen von André Vanoncini keine Stellung. Ende November wird sie nicht darum herumkommen, sich der Kritik zu stellen. Dann lädt die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind zu einem Hearing, bei dem es um die künftige Ausrichtung der PH geht.

Artikel erschienen am 13.11.2019 in der basellandschaftlichen Zeitung.

 

Am 24. November wird über die Umsetzung der Initiative der Starken Schule abgestimmt.

Das Ende von «Mille feuilles»

Die heftig kritisierten Passepartout-Lehrmittel «Mille feuilles», «Clin d’oeil» und «New World» sind kaum mehr zu retten. Zu heftig ist der pädagogische und politische Widerstand, zu erdrückend die Fakten und Analysen des Institutes für Mehrsprachigkeitsdidaktik der Universität Fribourg (IfM), welches in seinem Schlussbericht betreffend Französischunterricht zum Fazit kommt: Mit «Mille feuilles» erreicht eine Mehrheit der Schüler/-innen bis zum Ende der Primarschulzeit die Lernziele nicht. Vernichtender könnte die Analyse dieser wissenschaftlichen Arbeit für das einst mit Vorschusslorbeeren überhäufte chaotische «Mille feuilles» kaum sein.

Passepartout – eine abstruse Ideologie

Die Starke Schule beider Basel hat mit der Lancierung der Volksinitiative "Stopp dem Verheizen von Schüler/-innen: Ausstieg aus dem gescheiterten Passepartout-Fremdsprachenprojekt" den Widerstand gegen eine abstruse Ideologie und unbrauchbare Schulbücher eingeleitet. Weltweit gibt es kein vergleichbares Fremdsprachenkonzept.

Bei Passepartout handelt es sich um ein misslungenes Experiment, welches ohne jegliche Erfahrungswerte im ganzen Kanton und an allen Kindern durchgeführt wird. Ohne Not hat man so die bisher bewährte Tradition der Fremdsprachenvermittlung aufgegeben.

Die Passepartout-Schulbücher «Mille Feuilles», «Clin d’oeil» und «New World» missachten das pädagogische Grundprinzip, Schulkinder vom Einfachen zum Schwierigen zu führen. Ein alltagstauglicher Wortschatz fehlt ebenso wie ein systematischer Aufbau der wichtigen sprachlichen Grundstrukturen (Grammatik). Die Schüler/-innen sind frustriert, weil sie die Lernziele nicht erreichen.

Breiter bildungspolitischer Konsens

Dass die Passepartout-Lehrmittel samt der ihnen zugrundeliegenden "Didaktik der Mehrsprachigkeit" flächendeckend eingeführt wurden, ist von Anfang an von der Starken Schule und dem LVB kritisiert worden. Mittlerweile findet die Einsicht, dass es andere Schulbücher braucht, mit welchen die Passepartout-Lehrmittel schnell ersetzt werden können, breite Unterstützung: Der Baselbieter Landrat befürwortet die Umsetzung der Initiative der Starken Schule sogar einstimmig. Auch die Amtliche Kantonalkonferenz (AKK), die Handelskammer, die Schulleitungskonferenzen und der Bildungsrat befürworten eine rasche Umsetzung mit einer "geleiteten" Lehrmittelfreiheit, welche es den Lehrpersonen ermöglicht, die untauglichen Passepartout-Lehrmittel bereits ab dem kommenden Schuljahr 2020/21 auf beiden Schulstufen (Primar und Sek. 1) durch Schulbücher zu ersetzen, die einer international anerkannten und bewährten Didaktik folgen.

Die Bildungsdirektion geht davon aus, dass auf den beiden Schulstufen Primar und Sek.1 bereits im kommenden Schuljahr eine Mehrheit der Lehrpersonen auf die neuen und deutlich besseren Lehrmittel umsteigen wird. Die Passepartout-Lehrmittel werden damit innerhalb von wenigen Jahren aus den Klassenzimmern verschwinden.

Die teuersten Schulbücher

Die Passepartout-Schulbücher sind Einweglehrmittel, die folglich nach einem Jahr weggeworfen werden. Es sind die teuersten Fremdsprachenlehrmittel, die sich der Kanton je geleistet hat. Die neuen Schulbücher sind hingegen Mehrweglehrbücher, die von Klasse zu Klasse weitergegeben werden. Die Lebensdauer solcher Mehrweglehrmittel beträgt 4 bis 5 Jahre. Zwar fallen im ersten Jahr durch die Erstanschaffung geringe Mehrkosten an, innerhalb von wenigen Jahren können jedoch Kosten eingespart werden.

Kritische Stimmen wurden belächelt

Bedenklich ist, dass es so lange gedauert hat, bis die anhaltende Kritik endlich ernst genommen wurde. Studien, die die Wirksamkeit der Passepartout-Ideologie und ihrer Lehrmittel in Frage stellten, wurden permanent negiert, verharmlost und als nichtig abgetan. Kritische Stimmen aus den Schulen wurden systematisch belächelt, als rückständig erklärt und als Vertreter mittelalterlicher Unterrichtsmodelle diffamiert.

Gleichzeitig wurden erfahrene Fremdsprachenlehrpersonen zu gehirnwäscheartigen Weiterbildungen von bis zu 84 Stunden gezwungen, mit der Androhung, ihnen ansonsten die Lehrberechtigung für diese Fächer zu entziehen. Die Folgen waren horrende Kosten von weit über 10 Millionen Franken, weiteres Oberflächenflickwerk an den Lehrmitteln sowie verzweifelte Durchhalteparolen, um einen Gesichtsverlust hinauszuschieben. Denn es kann nicht wahr sein, was nicht wahr sein darf.

Im Kanton Basel-Landschaft stimmt das Volk am 24. November 2019 über die Umsetzung der Initiative der Starken Schule ab. Mit einem JA können die Stimmberechtigten das Debakel um Passepartout und die dazugehörigen Lehrmittel beenden.

Alina Isler, Vorstand Starke Schule beider Basel

[Der Artikel erschien am 9. November 2019 in der Basler Zeitung. Laden Sie den Artikel hier im PDF-Format herunter.]
 
 

Kinder als Versuchskaninchen missbraucht

In drei Stunden und 45 Minuten von New York nach Paris - die Concorde war doppelt so schnell unterwegs wie ein normales Passagierflugzeug. 1969 startete das Prestigeobjekt zum Jungfernflug. Unterdessen sind die einstigen Überflieger nur noch im Museum zu bestaunen.

Der enorme Kerosinverbrauch, die begrenzte Reichweite und der ohrenbetäubende Lärm hatten potenzielle Interessenten abgeschreckt. Das ehrgeizige Projekt entpuppte sich als Milliarden-Flop.

Der renommierte Pädagogik-Professor Roland Reichenbach hat den Begriff Concorde-Falle auf die Bildungspolitik übertragen. Je länger man einen schlechten Film schaue, umso eher halte man ihn bis zum Schluss durch. Je länger man auf einen Bus warte, desto unwahrscheinlicher rufe man ein Taxi, weil der Bus zwischenzeitlich doch noch eintreffen könnte. Irgendwann sei es zu spät, um aufzuhören.

Genauso bei der Concorde: Schon früh war den Beteiligten klar, dass das Projekt ein finanzielles Desaster würde. Aber es steckte viel zu viel politisches Prestige drin, als dass die Verantwortlichen vernünftigerweise Übungsabbruch beschlossen hätten.

Reichenbach schreibt: «Auch die zeitgenössische Reform des schweizerischen Bildungswesens wird einmal ein Ende gefunden haben und von anderen - vielleicht weniger selbstsicher auftretenden und weniger effektvollen - Reformen verdrängt werden. Bis dahin wird sie aber noch Bewährtes und weniger Bewährtes zum Verschwinden gebracht haben, offiziell erfolgreich sein, inoffiziell aber scheitern.»

Unsinn Integrationskonzept. Im Oktober 2019 hat der Basler Grosse Rat mit 76:12 einen Vorstoss überwiesen, der die Wiedereinführung der Kleinklassen fordert. Damit könnte einer der grössten bildungspolitischen Fehlentscheide der letzten Jahrzehnte korrigiert werden. Man muss daran erinnern, dass ein erfolgreiches Förder- und Integrationsmodell existierte, bevor ihm von den politisch und pädagogisch zuständigen Amtsstellen ohne plausible Begründung das Grab geschaufelt wurde.

Dabei wurden sämtliche schon frühzeitig geäusserten Bedenken in den Wind geschlagen. Die Reformen wurden überfallartig von der Bildungsbürokratie über die Köpfe der Betroffenen hinweg durchgezwängt. Von Beginn an fehlten ausgereifte pädagogische Konzepte ebenso wie die notwendigen finanziellen Ressourcen. Unterdessen leiden an dem Flickwerk sowohl die «integrierten» Kinder als auch die bisherigen Klassen und die Lehrkräfte. Stattdessen werden die Lehrer von einer Formularflut überschwemmt, die verbunden mit einer engmaschigen Kontrollmaschinerie die seriöse Erfüllung ihres schulischen Kernauftrags behindert.

Unsinn Fremdsprachenprojekt «Passepartout». Das Projekt, angetreten mit dem Versprechen, ein besseres Verständnis und eine erfolgreichere Anwendung der französischen Sprache zu bewirken, entwickelt sich immer mehr zu einem Debakel. Die dabei verwendeten Lehrmittel «Mille feuilles» und «Clin dœil» wurden nie empirisch erprobt, sondern sofort flächendeckend eingeführt. Kombiniert noch mit der überstürzten Verlegung des Fremdsprachenunterrichts in die Unterstufe.

Eine beim Institut für Mehrsprachigkeit (IfM) der Universität Freiburg in Auftrag gegebene Studie bestätigt abermals, was Lehrkräfte seit der Einführung der erwähnten Lehrmittel immer wieder kritisierten: Mit «Mille feuilles» und «Clin dœil» werden die Lernziele weitgehend verfehlt. Obgleich es sich bei der Studie bereits um die vierte wissenschaftliche Untersuchung handelt, welche dem Passepartout-Konzept ein miserables Zeugnis ausstellt, marschieren die Erziehungsdirektoren, an deren Spitze Basel-Stadt, stur auf dem einmal eingeschlagenen Weg weiter. Augen zu und durch.

Die teuersten Lehrmittel, die es je gegeben hat (100 Millionen Franken plus x), führen zudem auch noch zu einer völlig unsinnigen Materialschlacht. Jahr für Jahr füllen sich Müllcontainer mit Tonnen von weggeworfenen Einweg-Plastik-Dossiers.

Unsinn Sammelfächer. Mit dem Lehrplan 21 wurden auch sogenannte Sammelfächer eingeführt. «Räume, Zeiten, Gesellschaften» (RZG) und «Natur und Technik» (NT). Geschichte, Geografie, Physik oder Chemie verschwanden aus dem Lehrplan. «Fächer sind als Wissenssysteme unerlässlich für kognitives Lernen. Es gibt überhaupt keinen Grund für einen heterogenen Fächer-Mischmasch», moniert etwa der Entwicklungspsychologe Franz E. Weinert.

Vier Jahre nach Einführung der Sammelfächer und der Umstellung auf kompetenzorientiertes Lernen verfügen die Schulen noch immer nicht über passende Lehrmittel und auch nicht über genügend qualifizierte Lehrkräfte. Als billiger Ersatz darf dann Prof. Dr. h.c. Google einspringen.

Hoffentlich wird - ähnlich wie bei der Prestige- und Verlust-Concorde - endlich auch bei der Schulreformitis die Notbremse gezogen. Bitte bald!

Roland Stark ehemaliger Partei- und Fraktionschef SP Basel-Stadt

[Quelle: Basler Zeitung, erschienen am 8. November 2019]

 

«Mille feuilles» endlich den Stecker ziehen!

Das muss man sich auch erst einmal vorstellen: Am 24. November werden die Baselbieterinnen und Baselbieter allen Ernstes an die Urne gerufen, um sich zur Frage zu äussern, ob Fremdsprachenlehrpersonen ihre Unterrichtsmittel frei wählen dürfen. Das ist eine direkte Einmischung des Souveräns ins Klassenzimmer. Und es kommt noch besser: Das Volk wird auch gefragt, ob unsere Kinder während des Fremdsprachenunterrichts im Lesen, Schreiben, Hören und Sprechen gefördert werden sollen. «Ja wie denn sonst?», fragt man sich augenreibend und wundert sich, weshalb derartige Selbstverständlichkeiten überhaupt diskutiert werden.

Leider braucht es diese Abstimmung aber dringend zur Korrektur einer bildungspolitischen Fehlentwicklung gigantischen Ausmasses. Kurz gesagt geht es nämlich um die Befreiung der Lehrpersonen und der Kinder von der «Mille feuilles»-Plage.

«Mille feuilles» ist ein Französischlehrmittel, wobei schon die Bezeichnung Lehrmittel zu hoch gegriffen ist. Das umstrittene Franzbuch steht als Reizfigur stellvertretend für die ganze von den sogenannten Passepartout-Kantonen entwickelte Mehrsprachigkeitsdidaktik. Dieses Konzept setzt auf eine völlig unstrukturierte und konfuse Berieselung der Kinder. Am Ende soll dieses wirre Unterrichtsmodell über das berühmte Sprachbad zum automatischen Spracherwerb via Immersion führen. So zumindest die Theorie. Die Praxis sieht bekanntlich anders aus. Nach einem mehrjährigen und weltweit einzigartigen Versuch an 120'000 lebenden Probanden bleibt ein vernichtendes Fazit: Die «Mille-feuilles»-Didaktik führt zu Frust und roten Köpfen, aber sicher nicht zum Spracherwerb. Die expertokratische Schulreform ging komplett in die Hose.

Die eklatanten Schwächen des neuen Konzepts stachen vielen Eltern von «Mille feuilles»-betroffenen Kindern sofort ins Auge. Wer sich allerdings wagte, das teuerste Lehrmittel aller Zeiten zu kritisieren oder gar infrage zu stellen, wurde als pädagogischer Hinterwäldler abgetan und mit arroganten und süffisanten Belehrungen belegt. Man solle das Urteil über Lehrmittel doch bitte den gescheiten Profis im Elfenbeinturm der Bildungspädagogik überlassen und sich nicht aus der Laienecke zu Wort melden. Heute wissen wir: Der gesunde Menschenverstand von uns Eltern reicht durchaus aus, um einen bildungspolitischen Quatsch rasch und zweifelsfrei als solchen zu identifizieren. Mittlerweile liegt bereits die vierte Studie vor, die das Fremdsprachenkonzept kritisch würdigt. Das Institut für Mehrsprachigkeit der Universität Freiburg kommt nach einem Assessment von 4'000 Schülerinnen und Schülern zu einem vernichtenden Urteil. Im Schlussbericht finden sich Sätze wie: «Ein beachtlicher Teil der Schüler(innen) erreicht am Ende der Primarschulzeit auch ein elementares Niveau (A1.2) bei den Sprachkompetenzen nicht.» In Zahlen: Knapp 60 Prozent der Primarschüler verfügen nicht einmal über minimale Grundkompetenzen im Sprechen. Bei den ambitionierten Zielsetzungen des Passepartout- Projekts sieht es noch düsterer aus: Hier verfehlen knapp 90 Prozent die Erwartungen bei der Sprachkompetenz. Solche Resultate lassen sich nicht schönreden, und die Zeit der Durchhalteparolen ist vorbei. Dem untauglichen Passepartout-Konzept ist endlich der Stecker zu ziehen.

Die Baselbieterinnen und Baselbieter haben es in der Hand, am 24. November dem Landrat zu folgen und diesen Schritt zu machen. Damit wird «Mille feuilles» als gewaltiger Irrtum in die Geschichtsbücher eingehen, der eine ganze Generation von Schülerinnen und Schülern, Lehrpersonen und Eltern vergrault hat. Und was auch zur ungeschminkten Wahrheit dieses Projekts gehört: Die beteiligten Kantone haben in dieser Übung rund 50 Millionen Franken zum Fenster hinausgeworfen. Nun könnte man auf die Idee kommen, dieses Geld zu retten, indem eine teure Sanierung nachgeschoben wird. Dazu ist aber in aller Deutlichkeit festzuhalten: Das «Mille feuilles»-Konzept leidet nicht an Kinderkrankheiten, sondern beruht auf einem untauglichen Fundament.

Beim Entscheid über das Schicksal von «Mille feuilles» und Co. gilt deshalb der Leitsatz der Dakota- Indianer: Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab!

Balz Stückelberger FDP-Landrat

[Quelle: Basler Zeitung, 4. November 2019]

 

Bildungspolitische Position der beiden Ständeratskandidatinnen

Am 24. November findet der zweite Wahlgang statt. Für den Ständerat kandidieren Maya Graf (Grüne) und Daniela Schneeberger (FDP). Die Starke Schule hat beiden Kandidatinnen einige bildungspolitische Fragen gestellt, damit sie ihre Positionen darlegen können.

Daniela Schneeberger hat die Fragen rasch und ausführlich beantwortet. Hier können Sie das Interview lesen.

Von Maya Graf haben wir trotz mehreren Anfragen keine Antwort erhalten, was wir sehr bedauern. Die Gründe dafür dürften klar sein: Mit ihrer extremen bildungspolitischen Position liegt Frau Graf weit von derjenigen der Starken Schule entfernt. Einheitsschule während der gesamten obligatorischen Schulzeit, Abschaffung der drei bewährten Leistungsniveaus A (allgemeines Niveau), E (erweitertes Niveau) und P (progymnasiales Niveau) auf der Sekundarstufe 1, Integration von nahezu allen Schüler/-innen unabhängig von ihrem Potential in Regelklassen.

 

Eine Pionier-Organisation mit Strahlkraft

Als Zürcher sich über Baselbieter oder gar zu baselstädtischer Schulpolitik zu äussern, ist schon ziemlich gewagt. Doch die Nordwestschweizer Ecke mit den beiden Halbkantonen ist aus bildungspolitischer Sicht ein aktives Erdbebengebiet, dem spätestens seit den Schulreformen nach der Jahrtausendwende bei uns gespannte Aufmerksamkeit gilt. Als Mitglied der Organisation der Zürcher Sekundarlehrpersonen (SekZH) wundere ich mich immer wieder über die aufmüpfige Baselbieter Lehrerschaft, die mit ihrer kämpferischen Haltung Erstaunliches zustande brachte.

Dass im Baselbiet kritisches Denken in Bildungsfragen nichts Aussergewöhnliches ist, wurde mir spätestens bei der Diskussion um den Lehrplan 21 bewusst. Während die meisten kantonalen Lehrerorganisationen relativ rasch in den grossen Chor der unkritischen Befürworter einstimmten, zeigte die Starke Schule beider Basel (SSbB) klar mit dem Finger auf die erheblichen Schwachpunkte des Schweizer Mammutprojekts. Zwar hat die Dachorganisation der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer in einem dutzendseitigen Kommentar ebenfalls viele Kritikpunkte aufgelistet. Aber im rauen Gegenwind der Politik fehlte der starke Wille, um auf zentralen Forderungen zu beharren. Doch genau dies hat die aktive Baselbieter Lehrerschaft getan.

Viele Bildungspolitiker waren alles andere als erfreut, als die SSbB mehrere politische Initiativen für einen besseren Lehrplan startete. Wollen diese Aufrührer mit ihrer Zwängerei jetzt die Harmonisierung der Bildung gefährden, lautete fast schweizweit der Tenor. Doch mit mir freuten sich unzählige Zürcher Kolleginnen und Kollegen, als es den mutigen Baselbietern gelang, das unselige Fächerkonglomerat in den Realien via Volksabstimmung in die ursprünglichen Fächer aufzulösen. Dieser Erfolg hatte überraschende Auswirkungen. Es gelang, bei den Lehrmitteln der Zürcher Sekundarschule die Fächertrennung beizubehalten.

Wir wissen, dass sich die SSbB in ihrem Kampf stets auf einem Gratweg befindet. Wer engagiert für zentrale Anliegen unserer Volksschule kämpft, riskiert auch einmal übers Ziel hinauszuschiessen. Ich weiss, dass dieser Vorwurf öfters zu hören ist. Doch es kommt mir fast vor wie bei der aktuellen Klimadebatte. Lange Zeit lief es in der Energiepolitik im gleichen umweltbelastenden Tritt weiter. Doch mit Greta und der Zähigkeit junger Kämpferinnen wendete sich das Blatt. Jetzt wird ernsthaft gefragt, wo denn grundsätzlich etwas falsch läuft und welche Konsequenzen zu ziehen sind.

Ist die SSbB nicht so etwas wie eine unerschütterliche Greta im Kampf gegen oberflächliches Denken im Bildungswesen? Natürlich löst ein Handeln im Sinne Gretas immer wieder Ärger aus, weil man ja im Dienst einer Sache manchmal anecken muss, wenn es einfach nicht vorwärtsgehen will.

Wir sind froh, dass es diese starke Pionier-Organisation gibt. Noch manches in der Schweizer Bildungslandschaft steht ziemlich quer da und schadet unserer Volksschule. Die Dauerbaustelle der schulischen Integration oder die erhebliche Grundbelastung der Primarschule mit den zwei frühen Fremdsprachen zählen beispielsweise dazu.

Vielleicht ist die SSbB Greta schon einen Schritt voraus. Wie die breite Unterstützung der Passepartout-Initiative zeigt, ist es gelungen, mit geschickten Verhandlungen auch Zögernde ins Boot zu holen. Klug kämpfen heisst ja nicht, dass man immer mit dem Kopf durch die Wand gehen muss, um ein grosses Ziel zu erreichen.

Ich wünsche unseren engagierten Basler Kolleginnen und Kollegen für die Passepartout-Abstimmung viel Erfolg. Und bleibt weiter am Ball!

Hanspeter Amstutz, Fehraltorf ZH

 

Die Pädagogische Hochschule in Muttenz fällt durch

Eine Studierendenbefragung der Pädagogischen Hochschule Nordwestschweiz (PH FHNW) in Muttenz bestätigt, was wir schon lange vermutet haben: Die PH fällt bei den Studierenden durch. Aufgrund zahlreicher Rückmeldungen, die von aktuellen oder ehemaligen Studierenden auf dem Büro der Starken Schule beider Basel in den letzten Jahren eingetroffen sind, wussten wir schon lange, dass es in der Ausbildungsstätte unserer zukünftigen Lehrpersonen Missstände gibt. Kritikpunkte waren Sturheit, charakterliche Schwächen und fachliche Überforderung von Dozierenden und Betreuungspersonen.

Die Befragung, welche im Jahr 2018 zum dritten Mal durchgeführt wurde und ein wichtiger Gradmesser in Bezug auf die Zufriedenheit der Studierenden an der PH ist, liefert deutliche Ergebnisse. Auf einer Skala von 1 bis 6 beträgt die Zufriedenheit 2018 lediglich 3.2 Punkte (Quelle: Primenews), was einer deutlich ungenügenden Note entspricht. Im 2013 erreicht die PH einen Wert von 3.1 Punkten, im 2016 einen solchen von 3.4 Punkten. Diese Resultate bestätigen unser Bild, dass das Klima seit Jahren unbefriedigend und eine Verbesserung diesbezüglich dringend notwendig ist.

Die Ergebnisse der letztjährigen Befragung wurden nie ganzheitlich publiziert. Die Trägerkantone Basel-Stadt, Baselland, Solothurn und Aargau wurden zwar im Rahmen des jährlichen Berichts zum Leistungsauftrag von der FHNW über die Missstände informiert, die Ergebnisse der aktuellsten Befragung würden jedoch erst in den Bericht im kommenden Jahr einfliessen. Dies lässt vermuten, dass die FHNW diese Missstände verdeckt halten will.

Die Führungspersonen der PH FHNW können offensichtlich seit Jahren die Zufriedenheitsquote nicht verbessern. Sie müssen sich die Frage einer möglichen Überforderung gefallen lassen. Die Aufsichtsorgane und die Regierungen der vier Trägerkantone sind nun in der Pflicht zu handeln. Dazu gehört auch die Prüfung personeller Veränderungen.

Die Politik reagiert nun und im November werden Baselbieter Bildungspolitiker, Schulleiter, PH-Mitarbeitende und Studenten mit der Bildungsdirektorin Monica Gschwind über die Zukunft der Ausbildung diskutieren. Die Art und Weise, wie an die Hearings gegangen wird, hat jedoch einen speziellen Beigeschmack. Lesen Sie hier einen sehr interessanten Artikel von Leif Simonsen, erschienen am 30. Oktober 2019 in der bz.

Alina Isler, Vorstand Starke Schule beider Basel

 

Das Institut für Mehrsprachigkeit bestätigt:

Passepartout-Lernziele werden mehrheitlich nicht erreicht

Das Institut für Mehrsprachigkeit der Uni Fribourg hat den Bericht zum Projekt «Evaluation des Französischunterrichts in der 6. Klasse (HarmoS 8)» publiziert. Die Analyse ist für die Passepartout-Ideologie vernichtend.

Getestet wurden über 4'400 Schüler/-innen in den sechs Passepartout-Kantonen Basel-Landschaft, Baselstadt, Solothurn, Fribourg, Bern und Wallis am Ende der Primarschulzeit (Seite 7). Die Passepartout-Lernziele (Niveaustufe A2.1) werden von einer grossen Mehrheit der Schüler/-innen nicht erreicht (Seite 88). In der folgenden Tabelle sind die Prozentzahlen der Schüler/-innen angeben, welche die Lernziele im Leseverstehen, Hörverstehen und Sprechen nicht erreicht haben:

    Lesesverstehen
 Hörverstehen
    Sprechen   
Passepartout-Lernziele A2.1 wurden nicht erreicht  
62.2%
43.0%
89.2%

Die Resultate zeigen zudem, «ein beachtlicher Teil der Schüler/innen erreicht am Ende der Primarschulzeit auch ein elementares Niveau (A1.2) bei den Sprachkompetenzen nicht.» (Seite 89). Diese Niveaustufe A1.2 verlangt minimalste Ziele, zum Beispiel betreffend Leseverstehen: «Die Schülerinnen und Schüler können einen sehr kurzen, einfachen Text Satz für Satz lesen und dabei klar formulierte Informationen verstehen – vorausgesetzt es ist möglich, den Text mehrmals zu lesen, und vorausgesetzt Lexik und Grammatik sind sehr einfach sowie das Thema und Textsorte sehr vertraut.» (Seite 89)

Die folgende Tabelle zeigt die Prozentzahlen der Schüler/-innen, welche die Niveaustufe A1.2 gemäss dem «Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen» (GER) nicht erreicht haben (Seite 88):

    Leseverstehen
 Hörverstehen 
    Sprechen   
 Grundkompetenzen A1.2 wurden nicht erreicht      
37.8%
13.2%
57.5%


Betreffend Wortschatz hält der Bericht pointiert und in einmaliger Deutlichkeit fest: «Die Ergebnisse zeigen sehr deutlich, dass der Wortschatz – als eine von verschiedenen Teilkompetenzen – eine unabdingbare Ressource ist, von der kommunikative Sprachkompetenzen wesentlich abhängen und die im Unterricht gezielt und systematisch aufgebaut werden muss.» (Seite 90). Genau auf dies verzichtet die Passepartout-Ideologie. Mit dem an den Primarschulen verwendeten Lehrmittel «Mille Feuilles» wird kein alltagsgebräuchlicher Wortschatz gelernt. Und noch schlimmer: «Bei genauer Analyse der Lehrmaterialien hat sich zudem gezeigt, dass sich viele der im Lehrplan beschriebenen Aktivitäten kaum im Lehrmittel spiegeln; Aktivitäten zu Zielen und Beschreibungen (…) finden sich nur sehr eingeschränkt in Mille feuilles 3 – 6.» Faktisch heisst das, dass das Lehrmittel mit dem Lehrplan nicht kompatibel ist. Dies macht verständlich, dass mit dem Passepartout-Lehrmittel die Lernziele des Lehrplans nicht erreicht werden können.

Weltweit gibt es kein vergleichbares Fremdsprachenkonzept. Bei Passepartout handelt es sich um ein unverantwortliches Experiment. Leittragende sind die Schüler/-innen, die einen frustrierenden Unterricht erhalten, mit welchem sie ohne zusätzliches von den Primarlehrpersonen erarbeitetes Material keine Chance haben, die Lernziele zu erreichen.

Am 24. November 2019 haben Sie an der Urne mit einem 2 x Ja die Möglichkeit Passepartout zu stoppen. Weitere Infos siehe hier. Den erwähnten Schlussbericht zum Projekt "Ergebnisbezogene Evaluation des Französischunterrichts in der 6. Klasse (HarmoS) in den sechs Passepartout-Kantonen" können Sie hier herunterladen. Einen zum Thema passenden Artikel, erschienen in der Basler Zeitung, können Sie hier lesen.

 
 

Das Passepartout-Fremdsprachen- projekt ist gescheitert

 
Stimmen Sie am 24. November JA

Die kürzlich publizierten Resultate des gesamtschweizerischen Vergleichstests im Fach Französisch sind vernichtend: Die drei Passepartout-Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Solothurn haben am schlechtesten abgeschnitten. Sehr viele Schüler/-innen erreichen am Ende der Primarschule die Lernziele nicht: Die Passepartout-Ideologie mit den Lehrmitteln «Mille Feuilles», «Clin d’oeil» und «New World» ist endgültig gescheitert.

Passepartout – eine abstruse Ideologie mit unbrauchbaren Schulbüchern

Weltweit gibt es kein vergleichbares Fremdsprachenkonzept. Bei Passepartout handelt es sich um ein unverantwortliches Experiment, welches ohne jegliche Erfahrungswerte im ganzen Kanton und an allen Kindern durchgeführt wird, als wären sie Versuchskaninchen. Ohne Not hat man so die bisher bewährte Tradition der Fremdsprachenvermittlung aufgegeben. Die Passepartout-Schulbücher «Mille Feuilles», «Clin d’oeil» und «New World» missachten das pädagogische Grundprinzip, Schulkinder vom Einfachen zum Schwierigen zu führen. Die Schüler/-innen sind frustriert und nur wenige erreichen die Lernziele. Eine Umfrage der Bildungsdirektion bei über 100 Französischlehrpersonen zeigte ein ernüchterndes Resultat: Das Franzi-Lehrmittel «Mille Feuilles» ist unbrauchbar.

Die Lösung: Geleitete Lehrmittelfreiheit

Ein JA am 24. November bedeutet, dass die Lehrpersonen aus einer kantonalen Liste von Lehrmitteln dasjenige Schulbuch auswählen, mit welchem sie die Schüler/-innen am besten fördern können. Damit dürfen die Lehrpersonen klar strukturierte und aufbauende Lehrmittel einsetzen, um so gezielt auf die Bedürfnisse der Lernenden einzugehen. Die Bildungsdirektion geht davon aus, dass bereits im ersten Jahr 70% der Sekundarlehrpersonen sowie die Hälfte der Primarlehrer/-innen auf die neuen, deutlich besseren Lehrmittel umsteigen wird. Die Passepartout-Lehrmittel werden somit innert kurzer Zeit gänzlich aus den Klassenzimmern verschwinden. Ein Verbot wird damit hinfällig.

Bessere Lehrmittel und erst noch deutlich günstiger

Die Passepartout-Schulbücher sind Einweglehrmittel und werden folglich nach einem Jahr weggeworfen. Die neuen Schulbücher sind Mehrweglehrbücher, die von Klasse zu Klasse weitergegeben werden. Die Lebensdauer solcher Mehrweglehrmittel beträgt 4 bis 5 Jahre. Zwar fallen im ersten Jahr durch die Anschaffung neuer Schulbücher geringe Mehrkosten an, innerhalb von wenigen Jahren können jedoch erhebliche Kosten eingespart werden. Dies zeigt die folgende Tabelle:

Breiter politischer Konsens

Nicht nur der Landrat hat dieser Gesetzesvorlage einstimmig zugestimmt, sondern auch der Regierungsrat und der Lehrerinnen- und Lehrerverein Baselland unterstützen die Umsetzung der Initiative «Stopp dem Verheizen von Schüler/-innen: Ausstieg aus dem gescheiterten Passepartout-Fremdsprachenprojekt» der Starken Schule.

Die Starke Schule beider Basel empfiehlt den Stimmberechtigten am 24. November ein „JA“ in die Urne zu legen.

 

Das unrühmliche Schicksal von Passepartout

 
Geringes Medienecho zum Abschluss

Mit überraschend geringem Medienecho endete das sechskantonale Fremdsprachenprojekt Passepartout, mit dem ganz neue Unterrichtskonzepte samt den dazu entwickelten Lehrmitteln Mille feuilles, Clin d’oeil und New World obligatorisch implementiert wurden. Der Abschlussbericht des Projektleiters Reto Furter [1] fand ebenso wenig Beachtung wie die umfangreiche und lang angekündigte Evaluation des IfM (Institut für Mehrsprachigkeit der Universität Freiburg) von 2019 [2].

Wieso diese Zurückhaltung? Furter schreibt dazu im Abschlussbericht: Im Frühling 2018 beschloss die Steuergruppe, keine gemeinsame Medienkonferenz zum Abschluss des Projekts durchzuführen. Es sei zu exponiert, zu stark in der Kritik, um öffentlich eine positive Bilanz zu ziehen. Zudem liegen die Ergebnisse im Rahmen der ÜGK (der EDK) nicht wie geplant bereits im Juni vor. Eine Verschiebung zu kommunizieren wäre Wasser auf die Mühlen der kritischen Medien giessen. (Furter, S. 26)

Kritische Stimmen wurden stets auf die Evaluation vertröstet. Die Verantwortlichen nahmen an, dass damit der Erfolg der neuen Methode und die Tauglichkeit der Lehrmittel bewiesen und alle Befürchtungen der Unzufriedenen beseitigt werden könnten. Blind vertrauten sie darauf, mit dem neuen Unterrichtskonzept markante Verbesserungen zu erzielen. In einem ersten Schritt wurden deshalb 2017 die Kenntnisse nach vier Jahren Primarschulunterricht in Französisch evaluiert, und zwar in Kombination mit der EDK-Überprüfung der Grundkompetenzen in der ersten Fremdsprache (ÜGK).

Während die Ergebnisse des EDK-Tests im Mai 2019 ausführlich kommuniziert wurden, blieb es um die gleichzeitig veröffentlichten, ergänzenden Resultate der IfM-Studie auffällig still. Die Passepartout-Steuergruppe beschloss sogar im Juni 2019 endgültig, die Evaluation der Sekundarstufe, deren Ergebnisse für 2021 angekündigt waren, gar nicht mehr durchführen zu lassen. Man begnüge sich mit der dann fälligen Überprüfung der gesamtschweizerischen Grundkompetenzen der EDK, ohne die Passepartout-Didaktik und das Lehrmittel Clin d’oeil speziell zu untersuchen.

Der Glaube an die Wirksamkeit ist ins Wanken geraten

Der Verdacht liegt nahe, dass der kleinlaute Umgang mit der Evaluation und der Verzicht auf weitere IfM-Studien ein Zeichen dafür sind, dass der tiefe Glaube an die Wirksamkeit der «neuen Didaktik» doch etwas ins Wanken geraten ist. Offen zugeben kann man das noch nicht, es gilt, das Gesicht zu wahren, besonders auch wegen des vielen Geldes, das man in das Projekt gesteckt hat. (Lesen Sie hier den Artikel weiter)

Gastbeitrag von Felix Schmutz (Autor bei Condorcet)
 

[1] Reto Furter (2018): Abschlussbericht zum Projekt Passepartout, Freiburg, August 2018
https://nwedk.ch/sites/default/files/upload/Passepartout%20Schlussbericht_2019.pdf
[2] Eva Wiedenkeller, Peter Lenz (2019): Schlussbericht zum Projekt‚ Ergebnisbezogene Evaluation des Französischunterrichts in der 6. Klasse (HarmoS 8) in den sechs Passepartout-Kantonen‘ durchgeführt von Juni 2015 bis März 2019 am Institut für Mehrsprachigkeit der Universität und der Pädagogischen Hochschule Freiburg im Auftrag der Passepartout-Kantone

 

Die Gefahren der schulischen Digitalisierung

Ein Plädoyer für ein umsichtiges Vorgehen

Harald Lesch, der aus dem Fernsehen bekannte Astrophysiker, meinte in einem seiner Vorträge, Bedenken seien ein konstitutives Element des Menschseins.[1] Doch gerade bei der Vorwegnahme der Folgen seines Handelns tut sich Homo Sapiens unglaublich schwer. So bedachte er weder die Auswirkungen der Nutzung fossiler Brennstoffe auf die Umwelt noch die Unlösbarkeit des Problems radioaktiven Abfalls. Ein Bereich, in dem Vorausdenken geradezu verweigert wird, ist die Bildungspolitik. Aktuellstes Beispiel: die Digitalisierung.

Elf Stunden vor dem Bildschirm

Als ich in einer meiner Klassen die Zeit erhob, die seitens der Lernenden ausserhalb der Schule täglich vor dem Bildschirm verbracht wird, stellte eine Schülerin den Rekord auf mit über acht Stunden. Der Durchschnitt betrug immerhin ca. drei bis vier Stunden. Zu den Beschäftigungen zählen Computerspiele, Fernsehen sowie Nachrichten und Bilder «checken» auf dem Handy, Tablet oder am PC. Dieser Befund entspricht in etwa den Ergebnissen der auf Sucht Schweiz einsehbaren internationalen Schülerbefragung Health Behaviour in School-aged Children. Demnach «... verbringen die 11- bis 15-Jährigen in der Schweiz heute im Schnitt unter der Woche 4,4 und am Wochenende 7,4 Stunden pro Tag vor dem Fernseher, Computer, Tablet oder Smartphone.»[2] Es handelt sich dabei ausschliesslich um ausserhalb der Schule vor dem Bildschirm verbrachte Zeit.

Die bevorstehende Digitalisierung des Unterrichts zieht bedenkliche Tagesabläufe nach sich. Ein hypothetisches Beispiel aus dem Alltag eines Vierzehnjährigen. 06.45: Der Handywecker läutet, erster Blick auf WhatsApp, Instagram oder Snapchat, eine erste Nachricht an den besten Freund; 07.20: Ankunft in der Schule, kurzer Austausch mit Kollegen der am Vortag auf YouTube neu entdeckten Clips; 07.30: Geometrie, Dreieckskonstruktionen am PC; 08.20: Französisch, einen digitalen Text lesen mit anschliessender Beantwortung von Fragen im Textverarbeitungsprogramm; 09.10: Deutschdoppelstunde, Aufsatz am Bildschirm; 11.05: Geschichtsprüfung online; 12.30: Mittagessen zuhause, der Fernseher läuft zur Unterhaltung im Hintergrund; 13.55: Englisch, Übungen zum Past simple am Computer, YouToube-Clip als Hörverständnisübung; 14.45: Geographie, Filmvorführung zur Erdölförderung im Nahen Osten; 16.00 - 19.00: Ballerspiele am PC - Call of Duty, Fortnite oder dergleichen; 19.00: Nachtessen; 19.30 - 22.00: Netflix-Serie - Vampire Diaries, Riverdale, Walking Dead oder Ähnliches; 22.30: Nachrichtenaustausch am Handy.

Am Ende des Tages verbringt der Junge gegen elf Stunden vor dem Bildschirm. Der vom Bundesamt für Sozialversicherungen und der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften herausgegebenen Broschüre Medienkompetenz ist zu entnehmen: «10- bis 12-Jährige sollten pro Woche nicht mehr als 10 Stunden vor dem Bildschirm verbringen.»[3] Folgen für die Gesundheit sind auf diesem Hintergrund unausweichlich. (Lesen Sie hier den Artikel weiter)

Gastbeitrag von Felix Hoffmann, Sekundarlehrer
 


[1] https://www.tele-akademie.de/03_suche.php?suchw=die+menschheit+schafft+sich+ab+lesch
[2]
https://www.suchtschweiz.ch/aktuell/medienmitteilungen/article/jugendliche-mediennutzung-im-griff/
[3]
https://www.jugendundmedien.ch/fileadmin/user_upload/Brosch%C3%BCren_Flyer/Brosch%C3%BCre_Tipps_Medienkompetenz/Brosc%C3%BCre_Medienkompetenz_D_2015_5_Auflage.pdf
 
 

Passepartout – Mahnmal einer expertokratischen Schulreform

 
Erklärungen als Übergriff

«Das ist Luigi, unser neuer Hund. Ich habe meinen Mann übergezeugt, dass wir brauchen einen treuen Freund in der Familie. Er hat sich schon gut einlebt», rief mir die Expat aus Sussex zu. Ich liess mir wegen der lustigen Verbformen nichts anmerken, fragte mich allerdings, ob ich meiner déformation professionelle nachgeben und meine Bekannte auf die korrekte Bildung des Partizips 2 aufmerksam machen oder vielleicht doch besser auf diesen «Übergriff» verzichten sollte.

Wie hätten Sie sich entschieden? Hätten Sie der sprachaffinen Engländerin erklärt, wie sie erkennen kann, warum man ein-ge-kauft, aber ver-kauft und nicht ver-ge-kauft sagt? Oder hätten Sie die Dame ganz im Geiste der Didaktik der Mehrsprachigkeit dazu angehalten, die Regel selber herauszufinden, sie mit ihrem Mann zu diskutieren und am nächsten Barbecue gemeinsam zu «offizialisieren»[1]?

Torpedierung der Methodenfreiheit

It depends, pflegen die Engländer zu sagen. Nicht so die Promotoren der Didaktik der Mehrsprachigkeit, die sich seit der Lancierung des sechskantonalen Fremdsprachenkonzepts Passepartout anmassen, sämtlichen Fremdsprachenlehrpersonen vorschreiben zu wollen, wie «zeitgemässer» Unterricht auszusehen habe und welche bewährten Methoden aus dem didaktischen Repertoire zu streichen seien.

Mit der Einführung einer im internationalen Vergleich exotischen Didaktik ohne Wirksamkeitsnachweis, gepaart mit einem strikten Lehrmittelobligatorium, wurde die Methodenfreiheit dramatisch eingeschränkt. Eine kleine Gruppe von «Experten» hat es unter Mitwirkung reformfreudiger Akteure aus Politik und Verwaltung «geschafft», einen heftigst umstrittenen Schulversuch zu initiieren, der tausende Lernende als Versuchskaninchen einsetzt und die Lehrpersonen sowohl bevormundet wie belastet.

Drängende Fragen

  1. Wie war es möglich, dass ein renommierter Verlag wie «Klett und Balmer» ein Passepartout-konformes Englischlehrmittel produzierte, das im Widerspruch zur Firmentradition steht?
  2. Warum konnte der «Schulverlag plus» es sich leisten, die Kritik an seinen Lehrmitteln Mille feuilles und Clin d’oeil sechs Jahre lang zu ignorieren?
  3. Wie konnte es sein, dass der Lehrerschaft eine Didaktik verordnet wurde, auf die sich international erfolgreiche Verlage wie Oxford Press oder Macmillan Education nicht im Traum einlassen würden?

Marketing und vollmundige Versprechungen

Die Didaktik der Mehrsprachigkeit mit den Lehrmitteln New World, Mille feuilles und Clin d’oeil wurden mittels eines bis dato ungekannten Marketings beworben. Den Auftrag für die professionelle Website sicherten sich die Firmen «nemuk AG»[2], Agentur für digitales Marketing, und «wortgewandt», zuständig für «kluge Texte» und «ehrliche Kommunikation»[3].

Damit war die Bahn frei für das mit Steuergeldern finanzierte Promoten angeblich überlegener Lehrmittel, deren Einsatz «den Fremdsprachenunterricht an der Volksschule von Grund auf […] erneuern» solle[4].

Fortan würden die Kinder die Fremdsprache wie ihre Muttersprache lernen: mühelos, ganz ohne Vokabeln büffeln und Regeln lernen zu müssen.[5]

Pauschales Bashing

Gleichzeitig zeichneten Passepartout-Verfechter öffentlich ein Zerrbild des bestehenden Fremdsprachenunterrichts: Fehlende Handlungsorientierung, einseitige Fokussierung auf Grammatik, sinnentleertes Auswendiglernen, ja selbst die Zerstörung des Selbstvertrauens der Lernenden wurden angeprangert.

Man tat so, als ob vielfältige Wortschatzspiele, kreative Memorisierungstechniken oder variantenreiche Präsentationen niemals zuvor zu einem anregenden Fremdsprachenunterricht gehört hätten. Man redete den Status quo bewusst schlecht, um dem eigenen Konzept leichter zum Durchbruch zu verhelfen.

Flächendeckende Umerziehungskur

Sämtliche Fremdsprachenlehrpersonen verpflichtete man zu überdimensionierten «Fortbildungen». Wer sich weigerte, dem drohte gar der Entzug der Lehrberechtigung! Angesichts dieses übergriffigen Vorgehens blieb den Betroffenen nichts anderes übrig, als sich von Kursleitungen, die teilweise nicht einmal über stufenspezifische Unterrichtserfahrungen verfügten, die Kuriosiäten der neuen Didaktik erklären zu lassen, und zwar rekordverdächtige 24 Halbtage lang.

Zum Einstieg wurde gestandenen Lehrkräften beispielsweise Texte vorgelegt, in denen behauptet wurde, der Unterricht habe sich seit den Schriften von Comenius kaum verändert, er sei statisch und militärisch geblieben. Nun müsse endlich alles anders werden, schliesslich sei Lernen wie Sex, solle also aufregend und vergnüglich sein.

Wesen der Didaktik der Mehrsprachigkeit

Vorsicht: Realsatire! Die Hauptmerkmale der magischen Didaktik lassen sich anhand der folgenden Beispiele erläutern:

  • Ein Balljunge darf an einer Exhibition gegen Rafael Nadal spielen. Passt sich die Nummer 1 an oder zieht er voll durch mit der Begründung, Anfänger würden besonders gut Tennis spielen lernen, wenn sie sich von Beginn an mit authentischen Situationen konfrontiert sähen?
  • Deb Roy konnte mit dem Human Speechome Project[6] aufzeigen, welche Wörter Kinder zuerst erwerben. Gehören good, tree, cat dazu oder doch eher engloutit, moulachou, prestidigitateur[7]?
  • Wie lernen Kinder Rad fahren? Mit einem an ihre Körpergrösse angepassten Laufvelo oder einem Bike für Erwachsene mit 29-Zoll-Rädern und 27 Gängen?
  • Warum wurde David Garrett zum Starviolinisten? Weil er täglich ausgiebig übte oder ab und zu spielerisch ein paar ausgewählte Töne ausprobierte?
  • Was sagen Eltern zu ihrem Dreijährigen, der im Zoo auf einen Tiger zeigt und «Löwe» ruft? «Das ist ein Tiger, den erkennt man am orangen Fell mit schwarzen Streifen» oder «Genau, sehr gut, das ist ein gestreifter Löwe»?

Sie ahnen es: Die Hardcore-Verfechter der Didaktik der Mehrsprachigkeit müssten sich stets für die zweite Option entscheiden – falls sie ihre Theorie selber in Alltagssituationen anwenden würden. Das tun sie jedoch nicht, wie mir eine Kursleiterin versicherte, denn im Kurs gehe es um den modernen Fremdsprachenerwerb, nicht um den Alltag. Ja, wie nun?

Angesichts solch verquerer Logik erstaunt es nicht, dass der Abschlussbericht der flächendeckenden Baselbieter Fachhearings mit Primar- und Sekundarlehrpersonen[8] die von verschiedener Seite seit Jahren geübte Kritik an besagter Didaktik bzw. den Passepartout-Lehrmitteln vollumfänglich bestätigte:

  1. Missachtung des universalen Prinzips vom Einfachen zum Schwierigen: «Die Orientierung an authentischen [also nicht didaktisierten] Inhalten wird als wenig zielführend wahrgenommen», diese «Texte stellen oft zu hohe Ansprüche […], thematisch seien sie wegen des fehlenden Alltagsbezugs […] wenig ansprechend.»
  2. Exotischer Wortschatz: «Alltagstauglicher Wortschatz» fehle, ein «aufbauender und verbindlicher Wortschatz wird nicht gezielt angelegt.»
  3. Kein geführter, systematischer Aufbau der Grundstrukturen: «Grammatische Strukturen werden […] nicht sichtbar gemacht und […] nicht als solche erkannt […], bei der Anwendung können die Lernenden nicht auf gefestigtes Vorwissen aufbauen.»
  4. Sight-Seeing-Didaktik: «Die grosse Mehrheit […] ist sich einig, dass Festigungs- sowie Vertiefungsmöglichkeiten fehlen. Etliche Themen werden in den Lehrmitteln nur angetippt und dann als gefestigt vorausgesetzt.»
  5. Fetisch Fehlertoleranz: Im Zusammenhang mit der passepartoutspezifischen Fehlerkultur «tauchte die Frage auf, warum nicht sofort die korrekte Schreibung eingeübt» werde.[9] Kommentar: Wenn jemand behauptet, «dass Fehler das spätere Erlernen der richtigen Form in keiner Weise beeinträchtigen», dann fordern Sie diese Person dazu auf, nicht an einen rosaroten Elefanten zu denken und fragen Sie sie dann, was sie sehe.

Weitere Kuriositäten

In der mini-grammaire lassen die Lehrmittelautorinnen Kinder (nicht etwa studierte Linguisten!) auf einer Metabene mehr als 40 Sprachen – von Isländisch über Vietnamesisch bis zum Inuktikut – reflektieren, die sie noch nicht einmal ansatzweise kennen.

Dozierende der PH FHNW propagieren gar das Code Switching – das beständige Wechseln zwischen mehreren Sprachen – als Unterrichtsziel für die Volksschule und demonstrieren damit Abgehobenheit und Realitätsferne. 

Beschwichtigen, Diffamieren, Ignorieren und die Macht des Faktischen

Bereits 2015 machte Philippe von Escher, Stufenpräsident Sek I des Berner Lehrerverbandes, auf die Unzulänglichkeiten aufmerksam: «Es muss sich wohl um einen Systemfehler handeln, dass nach vier Jahren Frühfranzösisch […] die Top-300-Wörter […] in einem isolierten Satz nicht verstanden werden».[10] Umfragen der Verbände aus den Kantonen GR, BE, SO und BL zeichneten allesamt ein negatives Bild.

Die bernischen Gymnasien strichen den Grammatikteil aus der Aufnahmeprüfung, weil man nicht prüfen könne, was nicht vorhanden sei. In Solothurn wurde das geplante Obligatorium der Passepartout-Lehrmittel für die Sek P rückgängig gemacht. Susanne Zbinden wies in ihrer Masterarbeit nach, dass das Leseverständnis von Clin d’oeil-Lernenden signifikant schlechter ist als dasjenige von SchülerInnen, die mit didaktisiertem Material Französisch gelernt hatten.

Trotz erdrückender Faktenlage lenkten die Verantwortlichen nicht ein. Im Gegenteil: Sie beschwichtigten, vertrösteten, stellten mahnende Stimmen bloss. Sie erklärten prämierte Studien wie jene von Simone Pfenninger für qualitativ ungenügend. Sie verwehrten Kritikern den Unterrichtsbesuch und schüchterten aufmüpfige Eltern ein. «TeleBasel» musste Stimmen verändern und Gesichter verpixeln, damit Betroffene sich getrauten, Klartext zu sprechen.

Dank Aldous Huxley wissen wir, dass Tatsachen nicht aufhören zu existieren, nur weil sie ignoriert werden. Im März 2018 sah sich Gesamtprojektleiter Reto Furter zu einer Stellungnahme veranlasst. Offenbar lagen die Nerven blank. Anders ist es nicht zu erklären, dass er sich auf SRF4 zu dieser Aussage verstieg: «Ein Geschichtslehrmittel, das den Holocaust leugnet, muss man verbieten, aber sicher nicht zwei Französischlehrmittel und ein Englischlehrmittel.»[11] Dieser «Vergleich» stellt eine Assoziation her zwischen Rechtsextremismus und dem Entscheid des Baselbieter Landrats, den Ausstieg aus Passepartout gutzuheissen. Einer sachlichen Auseinandersetzung ist das nicht zuträglich.

Die Realität sieht so aus: Viele praxiserfahrenen Lehrpersonen – ihrem Berufsethos und dem Lernerfolg ihrer SchülerInnen verpflichtet – greifen längst korrigierend ein und halten sich nicht an krude Theorien von «Experten», die am finanziellen Tropf des teuersten Fremdsprachenprojekts aller Zeiten hängen.

Ausweg aus der Sackgasse

Dass es auch anders geht, bewies Monica Gschwind in Baselland: Sie nahm die Kritik ernst, holte alle Anspruchsgruppen an den runden Tisch und handelte: Die Fortbildung wurde gekürzt, die Einschränkung der Methodenfreiheit revidiert, das Ergebnis der Fachhearings[12] transparent veröffentlicht, der «schulverlag plus» unmissverständlich dazu aufgefordert, die Lehrmittel grundlegend zu überarbeiten.

Damit in allen Passepartout-Kantonen Ruhe einkehren kann, müssen Selbstverständlichkeiten wieder selbstverständlich werden:

Lehrplan

Lernziele können am besten erreicht werden, wenn die Stoffinhalte konkret definiert sind. Mit schwammigen Kompetenzformulierungen lässt sich kein stufenübergreifend aufbauender Fremdsprachenunterricht realisieren.

Lehrmittelfreiheit

Staatlich protektionierte Lehrmittelmonopole sind träge, einschränkend und teuer. Für beide Sprachen gibt es ausgereifte, weitgehend selbsterklärende Lehrmittel, welche international gesicherte didaktische Erkenntnisse umsetzen.

Methodenfreiheit

Richtziel eines jeden Sprachunterrichts ist der Transfer, die Anwendung in der Zielsprache. Der Weg dorthin ist lediglich Mittel zum Zweck. Es gibt daher weder die Lehrmethode noch die Fremdsprachendidaktik.

Passepartout als Präzedenzfall?

In speziellen Schulungen lernen Piloten, sich den Autoritätsgehorsam wegzutrainieren, damit Ungereimtheiten im Cockpit schnell und offen angesprochen werden können[13]. Genau dieses Selbstverständnis benötigen wir Lehrpersonen im Umgang mit praxisfernen «Experten».

Philipp Loretz, Sekundarlehrer, Aesch

[Quelle: Dieser Artikel ist zuerst im Magazin "Einspruch! 2 - Auswirkungen der Schulreformen, eine kritische Bestandesaufnahme aus der Sicht der Betroffenen" erschienen.]

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[1] Clind’oeil, Bienvenue dans le futur, fil rouge, p. 17
[2] https://nemuk.com
[3] https://www.wortgewandt.ch/de.html
[4] https://www.passepartout-sprachen.ch/ueber-passepartout/worum-geht-es/
[5] https://www.passepartout-sprachen.ch/informationen-fuer/eltern/worum-geht-es/
[6] http://www.ted.com, http://www.ted.com/talks/deb_roy_the_birth_of_a_word
[7] Mille feuilles 3.1, Le monstre de l’alphabet, S. 15 ff.
[8] Ergebnisbericht: Fachhearings Französisch, https://www.baselland.ch/politik-und-behorden/regierungsrat/dossiers/passepartout
[9] Ergebnisbericht: Fachhearings Französisch, https://www.baselland.ch/politik-und-behorden/regierungsrat/dossiers/passepartout
[10] https://www.lvb.ch/docs/magazin/2015_2016/02_Dezember/10_Diese-Didaktik-schuettet-das-Kind-mit-dem-Bade-aus_LVB_1516-02.pdf
[11] Reto Furter, SRF, 27.3.2018, https://www.srf.ch/sendungen/4x4/der-kanton-basel-land-will-aus-passepartout-aussteigen
[12] Ergebnisbericht: Fachhearings Französisch, https://www.baselland.ch/politik-und-behorden/regierungsrat/dossiers/passepartout
[13] Rolf Dobelli, Die Kunst des klaren Denkens, "The authority bias" 
 

 

Der alljährliche Irrsinn

Die Lehrkräfte des OSZ-Orpund blickten bei der Kaffemaschine auf ein Bild, das der Materialverantwortliche in den Ferien gemacht hatte. Condorcet-Autor Alain Pichard erstellte daraufhin eine Rechnung!

Französisch Reste

Dem Orpunder Materialchef standen die Haare zu Berge, als er vor den Sommerferien den Abfallcontainer erblickte. Dieser quoll vor lauter weggeworfenen «Clin d’oeil»-Boxen regelrecht über. Das Ganze war eine Plastikorgie sondergleichen, die unweigerlich an die Abermilliarden Tonnen an Kunststoff-Abfällen in den Weltmeeren denken liess.

Kurz vor Schuljahresbeginn nahm er dann die Bestellungen für das neue Schulmaterial an die Hand. Zum Vorteil der Schule und der Umwelt ist unser Materialchef allerdings nicht nur ein umweltbewusster Zeitgenosse mit gesundem Menschenverstand, er schaut zusätzlich auch aufs Geld. So machte er zur Verdeutlichung der gewaltigen Materialverschwendung durch die «Clin d’oeil»-Lehrmittel ein Foto von der entsprechenden Palette und hängte es im Lehrerzimmer auf.

Clin d'oeil Schülerbox mini-grammaire

«Clin d’oeil» ist ein Einweglehrmittel. Es kann also nicht wiederverwendet werden wie beispielsweise das früher verwendete Französisch Lehrbuch «Bonne Chance». Eine «Clin d’oeil»-Plastikbox kostet pro Schüler Fr. 32.– Dazu werden weitere Materialien angeboten, wie zum Beispiel die «mini-grammaire» für Fr. 32.–. 200 SchülerInnen mal Fr. 32Fr.  ergibt Fr. 6’400.–. Dieser enorme Betrag wird auch nächstes Jahr wieder in der Abfalltonne landen.

Wie die ÜGK 2019 (Überprüfung des Erreichens der Grundkompetenzen) und weitere Studien zeigen, verfehlt der Unterricht mit den neuen Lehrmitteln «Clin d’oeil» und «Mille feuilles» (Unter- bzw. Mittelstufe) praktisch alle Bildungsziele. Darüber hinaus erweist sich Passepartout auch als Geldvernichtungsmaschine erster Güte. Sie reisst klaffende Löcher in den Haushalt von Schulen und Gemeinden.

Angesichts der sich aktuell verschärfenden Klimaproblematik ist die Passepartout-Ideologie mit ihrer Materialschlacht ein ökologischer Irrsinn. Sie zeugt in dieser Hinsicht von absoluter Verantwortungsabstinenz seitens der Entwickler und Auftraggeber der Passepartout Lehrwerke, «Mille feuilles», «Clin d’oeil» und «New World».

Alain Pichard, Condorcet-Autor

[Quelle: Condorcet Blog, erschienen am 16.08.2019]

 

Appenzell - Basel 3:0

Die Ergebnisse der ersten schweizerischen Erhebung von Grundkompetenzen in der Volksschule, mit Verzögerung von der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) publiziert, haben die Öffentlichkeit erstaunt und aufgeschreckt. Nun können wir uns ein Bild machen, wie gut die Sechstklässler ihre Schulsprache beherrschen, wie weit sie im Lernen der ersten Fremdsprache sind und wie viel an Mathematik bei Sekundarschülern am Ende der Schulzeit hängen geblieben ist.

Die Untersuchung offenbart grosse kantonale Differenzen. Die NZZ wählt einen drastischen Titel: «Katastrophales Zeugnis für die Basler Schulen». Und fasst dann zusammen: Die Schüler aus Freiburg, Wallis und Appenzell Innerrhoden beweisen sowohl bei Mathematik wie bei den Sprachen überdurchschnittliche Kompetenzen. Am unteren Ende der Skala finden sich beide Basel und Solothurn. Besonders augenfällig ist das schlechte Abschneiden der Schüler aus Basel-Stadt, wo in Mathematik nicht einmal die Hälfte der Schüler genügt, wo aber auch bezüglich der Sprachkompetenzen weniger erreicht wurde als in fast allen anderen Kantonen.

Als Ausrede tischt Erziehungsdirektor Conradin Cramer (LDP) gebetsmühlenartig die schwierige Zusammensetzung der städtischen Schülerschaft auf. Die EDK allerdings lässt diese Erklärung nicht gelten: «Die Analysen zeigen», hält sie fest, «dass die unterschiedlichen Anteile nicht oder nur zu einem äusserst geringen Teil auf die Schülerzusammensetzungen zurückgeführt werden können.» Weder die soziale Herkunft noch die zu Hause gesprochene Sprache noch der Migrationsstatus sind demnach entscheidend für das Erreichen der Kompetenzen. Defekt ist das System.

Gegen den ausdrücklichen Rat zahlreicher Fachleute wurde zuerst der Französisch- dann auch noch der Englischunterricht in die Primarschule verlegt. Nun zeigt sich, wenig überraschend: Viele Primarschülerinnen und Primarschüler sind mit zwei Fremdsprachen heillos überfordert. Dabei wird erst noch übersehen, dass für einen erheblichen Teil der Schülerschaft die Standardsprache Deutsch ebenfalls eine Art Fremdsprache ist. Der Erziehungswissenschaftler Carl Bossard lobt die Appenzeller: «Sie verlegten den Französischunterricht von der Primar- in die Sekundarstufe und unterrichten hier mit hoher Kadenz. Sie befreiten die Primarschule von Französisch und gewannen Zeit fürs Kernfach Deutsch.»

Anders gesagt: besser zuerst scharfzüngig Deutsch als vielzüngig, aber ungenau! Viele erfahrene Lehrpersonen wissen das. Doch die Bildungspolitik hört nicht auf sie. («NZZ am Sonntag», 22.6.2019)

Oder mit den Worten von Marcel Proust: «Die Wirklichkeit dringt nicht in die Welt des Glaubens.»

[Quelle: Basler Zeitung, 8. August 2019, von Roland Stark, ehemaliger SP-Grossrat]

 

Seven Years Of Fight

Sie kennen sicher den Film «Seven Years in Tibet». Der berühmte Bergsteiger Heinrich Harrer nimmt nach seiner erfolgreichen Erstbesteigung der Eigernordwand an einer Himalaya-Expedition teil und wird im Rahmen der Kriegswirren für insgesamt sieben Jahre im Tibet interniert. Er lernt den Dalai-Lama kennen und verändert seine Weltsicht.

Sieben Jahre sind lang. Und kurz. Doch sie reichen aus, um Stand- und Trittfestigkeit zu erreichen und die Sicht auf die Dinge zu festigen.

Genau das ist der Starken Schule gelungen. Am 20. Juni 2011 wurde der Verein «Gute Schule Baselland» ins Leben gerufen. Dies vor allem als Antwort auf die basellandschaftlichen Spar- und Reformprogramme. Einerseits, um dem kantonalen Ansinnen entgegenzuwirken, Sekundarschülerinnen und -schüler bei Bedarf künftig innerhalb eines Schulkreises zu verschieben, um die Klassen füllen zu können und so die Beschulung im Wohnort nicht mehr garantieren zu müssen (Komitee «Keine Zwangsverschiebungen»). Andererseits, um der grassierenden Reformitis Einhalt zu gebieten, mit dem Ziel, ein Mindestmass an Unterrichtsqualität zu erhalten (Komitee «Gute Schule Baselland»). An diesem 20. Juni 2011 fand denn auch die erste Mitgliederversammlung des neu gegründeten Vereins statt, an welcher der Vorstand gewählt und die Statuten verabschiedet wurden.

Der Name «Gute Schule Baselland» schien ideal für den bildungspolitisch tätigen Verein. Doch diese Rechnung ging nicht auf. Der Kanton Baselland hatte inzwischen die Marke «Gute Schule Baselland» rechtlich schützen lassen und drohte mit juristischen Schritten, sollte dieser Name weiterhin als Vereinsbezeichnung auftauchen.

Der Gescheitere gibt nach… aus «Gute Schule Baselland» wurde «Starke Schule Baselland». Damit setzte die Starke Schule Baselland eine Entwicklung in Gang, die weitere «Starke Schulen» in anderen Kantonen hervorrief, so zum Beispiel in Appenzell oder in St. Gallen.

Die Geschäftsleitung wurde später Saskia Olsson und Alina Isler übertragen, die das Sekretariat betreuen. Beide sind auch Vorstandsmitglieder der Starken Schule neben (heute Ex-) Landrat Jürg Wiedemann, Michael Pedrazzi und Landrätin Regina Werthmüller. Daneben steht die Mitgliederversammlung, die einmal jährlich einberufen wird. Die Starke Schule beider Basel (SSbB), wie sie seit 2017 heisst, umfasst neben 4'496 Personen aus dem Kanton Baselland auch 308 Personen aus Baselstadt sowie 33 andere Personen.

Die aktuell im Kanton Baselland im Amt stehende Regierungsrätin und Bildungsdirektorin Monica Gschwind verdankt ihre Erstwahl zu einem Gutteil der Unterstützung durch die Starke Schule. Der gemässigte Reformkurs sowie der vom Artikelverfasser bereits 2010 (an der damaligen AKK-Plenarversammlung) geforderte und schliesslich auch vorgenommene Marschhalt sind ihr zu verdanken. So verwandelte sich der Lehrplan 21 in den «Lehrplan Volksschule Baselland» und die derzeit diskutierte (beschränkte) Lehrmittelfreiheit lässt hoffen.

Die Starke Schule beider Basel ist zu einem wichtigen bildungspolitischen Player herangewachsen, der sich in diversen Gremien auf kantonaler Ebene einbringen kann - nebst anderen, wie z. B. dem Lehrerinnen- und Lehrerverband Baselland (LVB). Wenn man das bildungspolitische Kernanliegen der Starken Schule beider Basel in einem Satz zusammenfassen wollte, dann vielleicht so: «Die Starke Schule beider Basel setzt sich ein für einen qualitativ hochwertigen und Reformideologie-befreiten Unterricht, verbunden mit der entsprechend zu gewichtenden pädagogisch-methodischen Autonomie der Lehrpersonen.»

Folgende Initiativen hat die Starke Schule seit ihrer Gründung lanciert:

  • Keine Zwangsverschiebungen an Baselbieter Sekundarschulen (14. April 2011)
  • Bildungsqualität auch für schulisch Schwächere (30. Juni 2011
  • Ja zur guten Schule Baselland: überfüllte Klassen reduzieren (1. September 2011)
  • Ja zur guten Schule Baselland: Betreuung der Schüler/-innen optimieren (1. September 2011)
  • Ja zur Weiterführung der zweijährigen Berufsvorbereitenden Schule BVS 2 (09. Februar 2012)
  • Ja zu fachlich kompetent ausgebildeten Lehrpersonen (27. Februar 2014)
  • Ja zum Austritt aus dem überteuerten und gescheiterten Harmos-Konkordat (27. Februar 2014)
  • Ja zu den Fächern Geschichte, Geografie, Biologie, Physik und Chemie (25. Juni 2015)
  • Stopp dem Verheizen von Schüler/-innen: Ausstieg aus dem gescheiterten Passepartout-Fremdsprachenprojekt (15. Oktober 2015)
  • Stopp der Überforderung von Schüler/-innen: Eine Fremdsprache auf der Primar genügt (15. Oktober 2015
  • Ja zu Lehrplänen mit klar definierten Stoffinhalten und Themen (7. Juli 2016)
  • Ja zu einer pädagogisch sinnvollen Stundentafel (22. Juni 2017)
  • Die gigantische und unerfüllbare Anzahl von 3'500 Kompetenzbeschreibungen in den Lehrplänen auf ein vernünftiges Mass reduzieren (27. September 2018)
  • Passepartout-Lehrmittel Mille feuilles, Clin d’œil und New World durch gute Schulbücher ersetzen (27. September 2018)

In letzter Zeit zeigt sich Erfreuliches. So hat der Landrat der SSbB-Initiative «Ausstieg aus den Passepartout-Lehrmitteln» zugestimmt. Deren Annahme durch den Landrat bedeutet, dass die Bildungsdirektion eine Gesetzesvorlage ausarbeiten muss, mit welcher diese Initiative umgesetzt werden kann, wobei die Bildungsdirektion einen gewissen Spielraum hat. Dieser Spielraum zeigt sich in der bereits erwähnten «beschränkten Lehrmittelfreiheit». Diese Entwicklung wiederum führte aktuell dazu, dass die Starke Schule sich bewusst dazu entschieden hat, mit der Einreichung ihrer letzten Initiative "Mille feuilles, Clin d'oeil und New World durch gute Schulbücher ersetzen" zuzuwarten. Es scheint, als bewege sich der Apparat BKSD langsam aber sicher in die richtige Richtung. Doch es gilt, weiterhin wachsam zu bleiben!

Man kann sich auch fragen, worauf die politischen Erfolge der Starken Schule beruhen. Nebst dem unermüdlichen Einsatz von Geschäftsleitung und Vorstand ist dies vor allem der Vereinskonstellation zu verdanken. Die Starke Schule beider Basel ist ein Mitte-Links-Komitee, dem es gelungen ist, die Linke zu spalten bzw. ideologisch aufzuweichen und zusammen mit den Mitteparteien und den Bürgerlichen immer wieder Allianzen und Mehrheiten im Parlament zu bilden. Das überzeugt auch die Stimmbürgerinnen und -bürger.

Der Starken Schule wird immer wieder mal vorgeworfen, sie bombardiere die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger andauernd mit neuen Initiativen – die Bildungslandschaft käme so nie zur Ruhe.

Falsch! Die Initiativen der SSbB sind durchs Band Reaktionen auf den nicht enden wollenden Feldzug des nimmersatten Reformgoliath, der die schweizerische und damit auch die basellandschaftliche Bildungslandschaft ständig von neuem umpflügt. Dass diese Reformbemühungen in einer Sackgasse enden, ist mehr als abzusehen – der kürzlich national erhobene Bildungsvergleich spricht diesbezüglich eine deutliche Sprache. Genau so deutlich äussern sich die Abnehmeretagen der Volksschulabgängerinnen und -abgänger. Ohne den ständig aufrechtzuerhaltenden Druck zur Kurskorrektur - z. B. seitens der Starken Schule - wäre das Fiasko mehr als programmiert. Die Starke Schule beider Basel leistete und leistet in dieser Hinsicht wertvolle Arbeit – Seven Years Of Fight!

Danke!
Daniel Vuilliomenet, Sekundarlehrer