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News

  • Mittwoch, Juni 12, 2019

    Solothurn hat beschränkte Lehrmittelfreiheit

    Bereits seit dem Schuljahr 2018/19 gibt es im Kanton Solothurn eine beschränkte Lehrmittelfreiheit. Aus einem Vertragskatalog können die Lehrpersonen in fast allen Fächern ihre Lehrbücher aus einer Liste selbst auswählen - bis auf Französisch und Englisch.

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  • Sonntag, Mai 19, 2019

    LVB-Initiativen leider chancenlos

    Die beiden Bildungsinitiativen des Lehrerinnen- und Lehrerverbandes LVB "Bildungsressourcen gerecht verteilen und für das Wesentliche einsetzen" und "Stopp dem Abbau an den öffentlichen Schulen" wurden vom Stimmvolk leider deutlich abgelehnt.

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Zu wahr um schön zu sein

    
 

Leserbrief

Gewerkschaften und solche, die es gerne wären

Das Fehlen einer echten Lehrergewerkschaft wird von den Basler Lehrkräften schon lange beklagt. Basel ist insbesondere in Sachen Schulpolitik eine linke Hochburg, wobei links nicht für Solidarität oder Mitbestimmung steht. Die ungesunde Verflechtung von Staatsapparat und Gewerkschaft erinnert an Konstrukte wie sie in den ehemaligen Staaten des real existierenden Sozialismus bestanden. Wie die Freiwillige Schulsynode und die Kantonale Schulkonferenz in Basel war der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund auf in der 1949 gegründeten DDR Bestandteil und Instrument des staatlichen Machtgefüges. Beklemmend sind dann auch die Auswirkungen für die Angestellten. In der Basler Lehrerschaft herrschen Denkverbote, das Verbot des Widerstands gegen von der Obrigkeit verordnete Reformen, das Verbot der freien Meinungsäusserung und unter Andersdenken die Angst vor Repressalien. Solche scheingewerkschaftlichen Gebilde wie in Basel haben mit einem demokratischen Staatswesen nichts zu tun und sie sind in einem gesunden Arbeitsklima zutiefst abträglich. Dies mit ein Grund für die hohe Burnout-Rate innerhalb der Basler Lehrerschaft.

Felix Hoffmann

 

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EDK, AVS, FHNW – das Bermuda- dreieck der Eigenmächtigkeit

Ein Aufschrei geht durch die Bildungspolitik der Schweiz. Am 24. Mai wurden die Ergebnisse der nationalen Leistungstests publiziert. Die Eidgenössische Erziehungsdirektoren Konferenz (EDK), die ohne demokratische Legitimation das bisher erfolgreiche Bildungssystem unseres Landes zur sogenannten "Kompetenzorientierung" zwingt, zögerte die Veröffentlichung seit 2016/17 lange hinaus. Die schlechten Ergebnisse der landesweiten Leistungserhebung stellen der EDK und ihrer "Kompetenzorientierung" ein schlechtes Zeugnis aus. Letztere scheint offenbar keine allzu grossen Kompetenzen hervorzubringen.

Fragwürdige Leistungstests

Mit den nationalen Leistungstests wollte die EDK einen Vergleich zwischen den Kantonen. Urs Kalberer1, Sprachdidaktiker und Sekundarlehrer fragt sich, warum nun betont werde, dass die Kantone aufgrund unterschiedlicher Stundenzahlen gar nicht zu vergleichen seien. Warum gab es dann aber eine solch aufwändige Vergleichsuntersuchung? Bilinguale Kantone wie Wallis oder Freiburg wiederum sind punkto Französischkenntnisse nicht vergleichbar mit Baselland, wo die Schülerschaft kaum Berührungspunkte mit der zweiten Landessprache hat. Warum, fragt Kalberer weiter, waren die Schülerleistungen in Mathematik und beim Leseverständnis anlässlich der PISA-Prüfungen besser als bei den nationalen Tests? Und warum herrscht bezüglich dieser Unstimmigkeiten völlige Intransparenz? Prof. Dr. Walter Herzog2 hegt dazu eine Vermutung.

Pseudowissenschaftlichkeit und Eigenmächtigkeit

Herzog erachtet die Kompetenzbeschreibungen des Lehrplans 21 als viel zu vage zur Überprüfung von Schülerleistungen. Ferner betont er, wird die Abgrenzung zwischen Kompetenz und Inkompetenz von der EDK ausgehandelt, also nicht nach wissenschaftlichen Kriterien bestimmt. Offenbar geht es hier nicht um eine ergebnisoffene Auswertung von Prüfungsergebnissen, sondern darum, „(...) dass man nicht will, dass zu viele oder zu wenige Schülerinnen und Schüler als inkompetent bezeichnet werden.“ Damit wäre der Manipulation Tür und Tor geöffnet. Die EDK könnte so ihren eigenwillig eingeschlagenen Reformkurs mittels frisierter Testresultate rechtfertigen. Die Ergebnisse könnten also noch viel schlechter sein. Die EDK legt nicht nur fest, „(...) wie unser Schulsystem zu reformieren ist, sondern beschliesst auch gleich noch selber, wie gut ihr die Reform gelungen ist.“ Diese Eigenmächtigkeit hat System, auch im Kanton Baselland.

Monopol der Fachhochschulen

Der Lehrplan 21 wurde unter der Scheinbeteiligung von Lehrkräften von den Fachhochschulen (FH) erstellt. In Anlehnung daran entwarfen sie ideologische Unterrichtskonzepte wie das "Selbstorganisierte Lernen", das die Schülerschaft völlig überfordert oder die gescheiterte "Mehrsprachigkeitsdidaktik", die im Fremdsprachenunterricht ohne Vermittlung von Wortschatz, Grammatik und Übungsmöglichkeiten auskommen will. Nach Vorgabe dieser Ideologien vergaben die FH Aufträge an ausgewählte Verlage, die darauf basierende Unterrichtsmaterialien schufen, z.B. Mathbu, Mille feuilles, Clin d'oeil, New World. Wer die Vorgaben nicht erfüllte, bekam keine Aufträge. Die FH haben ergo das Weisungsrecht, mit welchen Lehrmitteln an der öffentlichen Schule zu unterrichtet ist. Im Baselbiet bestimmt diesbezüglich also weder die Bildungsdirektion noch der Bildungsrat - dieser winkte die Bücher mangels Alternativen einfach durch. Ausschlaggebend bei der Wahl von Unterrichtsmaterialien sind folglich nicht die Bedürfnisse der Lernenden, sondern Ideologien. Im Bemühen, ihren Einfluss nicht zu verlieren, bedient sich die FH Nordwestschweiz (FHNW) einfallsreicher Methoden.

Filz im Getriebe

Im Amt für Volksschulen arbeiten Angestellte, welche dort die Interessen der FHNW vertreten. Es heisst allerdings nicht umsonst, "Niemand kann zwei Herren dienen", was die Frage aufwirft, für wen diese Leute letztlich arbeiten. Auffällig in diesem Zusammenhang ist der Auftritt einer AVS-Angestellten an diversen Standorten der Sekundarschule. Sie pries dort vehement und ausschliesslich die Kompetenzorientierung an, ohne die zuvor vom Parlament beschlossenen Themen und Stoffziele im Baselbieter Lehrplan zu erwähnen, so als gäbe es diese gar nicht. Eine weitere Angestellte bringt sich ohne Auftrag fortlaufend in die Evaluation neuer Fremdsprachenlehrbücher ein. Dies im Widerspruch zur vereinbarten Autonomie der hierfür geschaffenen Arbeitsgruppen. Zufälligerweise macht sie sich immer wieder stark für Lehrmittel basierend auf der gescheiterten Mehrsprachigkeitsdidaktik. Zuletzt erstellte sie Preislisten zuhanden der Lehrmittelkommission. Dabei verteuerte sie die der FHNW nicht genehmen Bücher künstlich und deklarierte sie als Einweglehrmittel, obwohl sie für mehrere Jahrgänge einsetzbar sind.

Lehrmittelfreiheit als Antifilzmittel

Die von der Bildungsdirektion angestrebte Lehrmittelfreiheit beendet das Lehrmitteldiktat der FHNW, das nicht zuletzt zu den verheerenden Resultaten bei den nationalen Leitungstests führte. Mit der Lehrmittelfreiheit hat die Lehrkraft die Möglichkeit, ein an die Bedürfnisse ihrer Klasse optimal angepasstes Lehrmittel zu wählen. Die dank der Starken Schule beider Basel im Baselbieter Lehrplan festgeschriebenen Stoffinhalte und Themen sichern dabei einen für alle Lernenden standardisierten Stoffaufbau. Die Kombination von Stoffinhalten und Themen mit der Lehrmittelfreiheit entspricht dem Grundsatz: Viele Wege führen nach Rom. Den einzig richtigen Weg, wie ihn die FHNW in der Kompetenzorientierung zu erkennen glaubt, gibt es nicht. Dies ist der Hauptirrtum dieser von der EDK uniform und flächendeckend erzwungenen Schulreform. Aber auch andere Faktoren spielen eine Rolle beim schlechten Abschneiden unseres Kantons bei den nationalen Leistungstests.

Hauptursachen der Bildungsmisere

Neben der Kompetenzorientierung haben auch die unsägliche Menge anderer Reformen innert weniger Jahre und deren quasi Gleichzeitigkeit ihren Anteil daran. Die Umstellung der Lehrerausbildung, Frühfremdsprachen auf der Primarstufe, der Wechsel von 5/4 auf 6/3 und die Projektarbeit, um nur wenige Beispiele zu nennen, sind jede für sich aufwändig mit entsprechendem Ressourcenbedarf. Die Ressourcen aber wurden aufgrund mehrerer Sparpakete verknappt, während die Arbeitsbelastung der Lehrkräfte wegen der Umsetzung der Reformen und der Aufstockung der Lektionenzahl zunahm. Zusätzlich gehen die Projektarbeit und Informatik zulasten des Deutsch- bzw. Mathematikunterrichts. Das Erreichen von Lehrplanzielen ist so nicht möglich. Der grösste Stolperstein im heutigen Schulsystem ist allerdings die Integration. Dazu konnte man in der Sonntagszeitung vom 28. April folgendes lesen: „Für 60 Prozent der Klassenlehrer sind verhaltensauffällige Schüler der grösste Belastungsfaktor. Sie werden als noch strapaziöser empfunden als Schulreformen.“ Die Behörden merken erst jetzt, „(...) dass die Integration der kleinen Wutbürger für viele Pädagogen das Problem Nummer eins ist."

Felix Hoffmann, 4. Juni 2019

1https://schuleschweiz.blogspot.com/2019/05/liebe-edk-es-waren-da-noch-ein-paar.html

2https://condorcet.ch/2019/05/geheimsache-schwellenwerte/

 

Die verkehrte Welt der EDK -

Eine Zusammenfassung

Mit dem Harmos-Konkordat wollte die EDK die Schulbildung in der Schweiz deutlicher an der Lernleistung der Schülerinnen und Schüler orientieren, was periodisch durch die Überprüfung von Mindeststandards gemessen werden sollte. Mit der ÜGK (Überprüfung der Grundkompetenzen) 2016 und 2017 wurden allerdings nur ausgewählte Grundkompetenzen getestet, deren Selektion im Wesentlichen nach erhebungstechnischen Kriterien (Multiple-Choice Aufgaben) erfolgte. Die Beschränkung auf ein kleines Segment des obligatorischen Bildungsauftrags, auch in den geprüften Fächern Sprache und Mathematik, sendet das fatale Signal aus, dass pädagogisch nur wichtig ist, was sich im Rahmen einer solchen Studie messen lässt.

Paradox ist die Diskrepanz zu den PISA-Ergebnissen: Während die ÜGK der Schweizer Schülerschaft schwache Mathematikkenntnisse, jedoch gutes Leseverständnis bescheinigt, bezeugen die PISA-Resultate seit 2000 stets gute Mathematikleistungen, hingegen eine geringe Lesekompetenz.

Das Centre konstatiert schwerwiegende Mängel
Eine gewisse Klärung bringt das von der EDK angeforderte Gutachten des Centre for Educational Testing der Universität Luxemburg. Es konstatiert bei der Überprüfung der Mathematikkompetenzen schwerwiegende Mängel bei der Auswahl und Validierung der Testaufgaben, bei der Entwicklung des zugrunde liegenden Kompetenzmodells und bei der Festlegung der Schwellenwerte, die eher Regelstandards (ein mittleres Niveau) als Mindeststandards (von allen zu erreichen) entsprechen.

Konsequenterweise hätte die EDK aufgrund der kaum interpretierbaren Ergebnisse das Scheitern der Überprüfung eingestehen, die untauglichen Mindeststandards überarbeiten und auf die Publikation der Resultate verzichten müssen. Stattdessen lenkt sie mit der Ausrede, dass mit den beiden Erhebungen zur Mathematik und zu Sprache erst der Ausgangspunkt des Harmonisierungsprozesses erfasst werde, von ihren Versäumnissen ab. Die Reaktion steht in eigenartigem Widerspruch zum Verhalten der EDK angesichts der PISA-Erhebung von 2015, deren schlechte Resultate mit methodischen Mängeln der Testanlage zu relativeren versucht wurden. Auf die weit schlechtere Qualität der eigenen Studie wird mit einer Strategie reagiert, die im Luxemburger Gutachten als rhetorisch bezeichnet wird.

Kritisiert wird im Luxemburger Gutachten auch die Tatsache, dass die EDK gleichzeitig als Auftraggeberin und operative Leiterin des Testverfahrens auftritt. Es besteht der Verdacht, dass die wissenschaftliche Erhebung durch politische Einmischung beeinflusst wurde. Vermutlich haben die unerwarteten Resultate bei der Überprüfung der Grundkompetenzen in Mathematik die EDK-Plenarversammlung bewogen, das Gutachten aus Luxemburg einzuholen und die Publikation der Ergebnisse bis Mai 2019 hinauszuschieben.

Ernüchternd und unergiebig
Die gewonnenen Daten aus der ÜGK sind im Hinbilck auf allfällige Massnahmen zur Verbesserung von Schule und Unterricht ernüchternd unergiebig. Die grossen Unterschiede zwischen den Kantonen lassen sich durch Kontextvariablen (wie Geschlecht, soziale Herkunft, Immigration, Stundendotation) nicht sinnvoll erklären. Als problematisch erweist sich, dass die Beschränkung auf die Überprüfung von Grundkompetenzen einen Vergleich mit den PISA-Studien, die jeweils das ganze Kompetenzspektrum abdecken, erschwert, wenn nicht verunmöglicht.

Felix Schmutz, pensionierte Lehrperson

Den kompletten Originaltext von Walter Herzog können Sie hier lesen.
 
 

Fehlentwicklung des Harmos-Konkordats wird korrigiert

Der Landrat hat mit 54 zu 21 Stimmen eine Motion überwiesen, die den Eltern mehr Mitbestimmungsrecht bei der Einschulung ihrer Kinder in den Kindergarten gewährt. Neu sollen die Eltern die Einschulung ihrer Schützlinge ohne schulpsychologische oder ärztliche Abklärung um ein Jahr verschieben können. Aufgrund der Vorverlegung des Stichdatums um vier Monate, kamen die Kinder teilweise schon mit 4 Jahren in den Kindergarten. So wurden viele eingeschult, ohne dass sie die dafür notwendige Reife hatten und sonderpädagogische Unterstützung beanspruchen mussten. Dies verursachte eine deutliche Mehrarbeit für die Kindergärtner/-innen.

Auch in den Kantonen Aargau, Solothurn und Bern ist diese Bestimmung bereits heute in Kraft. Über negative Erfahrungen, wenn die Einschulungsentscheidung bei den Eltern liegt, ist bis anhin nichts bekannt. Im Kanton Basel-Landschaft ist die Problematik von zu früh eingeschulten Kindern seit einiger Zeit vorhanden und die heutige Situation wird von Kindergärtner/-innen kritisiert. Wenn die Einschulung nun nicht mehr nach sturem Stichdatum, sondern nach dem tatsächlichen Entwicklungsstand des Kindes erfolgt, können unnötige Mehrarbeit und kostspielige Therapien verhindert werden.

Korrigiert wird damit eine Bestimmung, die auf das Harmos-Konkordat zurückgeht, was ganz im Sinne der Starken Schule ist.

Alina Isler, Vorstand Starke Schule

 

Arbeitsgruppen Fremdsprachen werden als Marionetten benutzt

Die Arbeitsgruppen hatten den Auftrag erhalten, neue Lehrpläne für Französisch und Englisch zu erarbeiten. Wie sich nun zeigt, hat das Amt für Volksschulen (AVS) die Lehrpläne fixfertig erarbeitet und den Arbeitsgruppen zum Absegnen vorgelegt: «Ihr dürft einzelne Treffpunkte zusammenfassen. Streichungen (…) sind eher die Ausnahme», so die Weisung des AVS. Das Ziel ist klar: Das AVS benutzt die Arbeitsgruppen als Marionetten, um anschliessend Parlament und Öffentlichkeit vorgaukeln zu können, Fachexpertinnen und experten hätten die Lehrpläne erarbeitet.

Inzwischen erkennen die meisten, dass Passepartout mit seinen drei Lehrmitteln «Mille feuilles», «Clin d’oeil» und «New World» gescheitert ist und dringend neue Lehrmittel sowie darauf ausgerichtet neue Lehrpläne eingeführt werden müssen. Zu offensichtlich ist das miserable Abschneiden der Baselbieter Primarschüler/-innen im Fach Französisch beim gesamtschweizerischen Vergleichstest. Bildungsdirektorin Monica Gschwind zeigte sich nach dem Bekanntwerden der Resultate sichtlich enttäuscht: «Wir haben viel Zeit und Geld investiert, doch es hat unsere Erwartungen bei weitem nicht erfüllt» und für die Fächer Französisch und Englisch werden «unter Hochdruck weitere Lehrmittel evaluiert».

An Passepartout hält jedoch noch immer ein Teil der Primarlehrpersonen fest, welche ihren Unterricht nicht erneut umstellen möchten. Damit nehmen sie in Kauf, dass ihre Schützlinge ungenügend Französisch lernen. Gleiches gilt für die Ideologen der pädagogischen Hochschule (PH) und einige Mitarbei-ter/-innen des Amts für Volksschulen (AVS), welche die PH-Fremdsprachenideologie sowie das selbstorganisierte und kompetenzorientierte Lernen in unserem Kanton beibehalten wollen. Dies bekommen die Fachexpertinnen und -experten der Arbeitsgruppen Fremdsprachen deutlich zu spüren. Bereits im Sommer 2018 erhielten die Arbeitsgruppen von der Task Force Fremdsprachen den Auftrag, neue Lehrmittel zu suchen und einen neuen Lehrplan für die Fächer Französisch und Englisch zu erarbeiten. Das AVS versucht offensichtlich, die Fachexpertinnen und -experten der Arbeitsgruppen bei der Erarbeitung der Lehrpläne an der kurzen Leine zu halten.

AVS ändert Arbeitsauftrag der Task Force eigenmächtig ab

Mit der Einsetzung der Task Force Fremdsprachen, welche die Initiative «Stopp dem Verheizen von Schüler/-innen: Ausstieg aus dem gescheiterten Passepartout-Fremdsprachenkonzept» der Starken Schule umsetzen soll, fällte Regierungsrätin Monica Gschwind einen wegweisenden Entscheid. In der Task Force Fremdsprachen nehmen alle wichtigen Vertreter/-innen aus dem Bildungsbereich Einsitz: BKSD, AVS, Bildungsrat, Starke Schule beider Basel, LVB, VPOD, SLK Sek 1, SLK Primar, SLK KVBL, AKK. SP-Fraktion, Grüne/EVP-Fraktion, CVP/BDP-Fraktion, glp/Grüne-Unabhängige-Fraktion, FDP-Fraktion, SVP-Fraktion.

Die Task-Force hatte am 4. Juni 2018 zu Händen der Arbeitsgruppen Fremdsprachen einen wichtigen Arbeitsauftrag beschlossen, welcher die Evaluation von neuen Leitlehrmitteln sowie die Erarbeitung von neuen Lehrplänen betrifft (siehe folgende Abbildung aus dem Protokoll der Task Force vom 4. Juni 2018):


Die Arbeitsgruppen Fremdsprachen haben die Aufgabe erhalten, einen neuen Lehrplan mit Stoffinhalten und Themen zusätzlich zu den bestehenden Kompetenzbeschreibungen für die Fächer Französisch und Englisch zu erarbeiten und neue Leitlehrmittel zu suchen. Die eigenmächtige Abänderung des von der Task Force beschlossenen Arbeitsauftrags zeigt, dass das AVS eine eigene Agenda verfolgt. Und damit nicht genug: Das AVS unterbreitete den Arbeitsgruppen Fremdsprachen einen fixfertig ausformulierten neuen Lehrplan mit der Aufforderung, diesen zu prüfen und abzusegnen (siehe Abbildung mit dem schriftlich formulierten Arbeitsauftrag des AVS).




Mit diesem Arbeitsauftrag und den mündlichen Ergänzungen anlässlich einer gemeinsamen Sitzung wurden die Arbeitsgruppen Fremdsprachen aufgefordert, den Lehrplan des AVS nicht substantiell zu ändern: «Ihr dürft einzelne Treffpunkte zusammenfassen, Streichungen sind gut zu begründen und eher die Ausnahme». Jegliche Kritik von Mitgliedern der Task Force und den Arbeitsgruppen Fremdsprachen blieb im Nachgang beim AVS ungehört.

Auch das Protokoll der Arbeitsgruppen Fremdsprachen vom 28. August 2018, welches der Starken Schule vorliegt, zeigt das fragwürdige Vorgehen des AVS: Die Vertreterin des AVS «verdeutlicht, dass Streichungen in der Vorlage möglichst zu vermeiden sind, das Zusammenfassen von mehreren Treff-punkten zu einem Treffpunkt ist denkbar. Mit fachlicher Begründung müssen Streichungen [des vom AVS ausgearbeiteten Lehrplans] jedoch gemeinsam diskutiert werden. Grundsätzlich gilt, dass die In-halte möglichst erhalten bleiben sollen.» Das AVS greift hier klar und wiederholt in die Arbeit der Fachexpertinnen und -experten ein und ver-sucht offensichtlich den selbst ausgearbeiteten Lehrplan durchzuzwängen.
 

Dezidierte Kritik von Mitgliedern der Arbeitsgruppe

Michael Pedrazzi, Mitglied der Arbeitsgruppe Sek. Englisch sagt dazu trocken: «Obwohl alle Mitglieder der Arbeitsgruppe Englisch auf eine langjährige Unterrichtserfahrung zurückblicken können, sollen wir für das AVS als Marionetten herhalten und ihren Lehrplan möglichst unverändert absegnen. Das ist bedenklich.» Und weiter: «Das AVS spielt hier eine fragwürdige Rolle. Ihnen ist ein pädagogischer und zielführender Lehrplan scheinbar nicht wichtig. Hauptsache er entspricht der gescheiterten Fremdsprachenideologie und propagiert das kompetenzorientierte und selbstorganisierte Lernen, in welchem die Schüler/-innen sich selbst überlassen werden. Ich wünsche mir, dass das AVS aufhört, uns derart einzuschränken, nur um eigene Interessen zu realisieren.»

Ein anderes Mitglied der Arbeitsgruppe Englisch ergänzt: «Wir von der AG wurden uns bald einig, welchen Weg wir bei der Findung neuer Lehrmittel und dem Formulieren von Stoffinhalten im Lehrplan verfolgen wollten. Oftmals hatten wir jedoch das Gefühl, dass man uns Steine in den Weg legen wollte, insbesondere auch bei der Überarbeitung des Lehrplans.»

Auch Mitglieder der Arbeitsgruppe Französisch äussern sich ebenso kritisch zum fragwürdigen Verhalten des AVS: «Das AVS nimmt nach der abgeschlossenen Evaluation der Lehrmittel vor allem bei der Gruppe Sek. 1 unverhältnismässig Einfluss auf die Lehrplangestaltung, indem es an der inzwischen als untauglich überführten Passepartout-Philosophie festhält und die konstruktivistischen Leitlinien mit Kompetenzorientierung als unverhandelbar deklariert.»

Das Ziel des AVS ist offensichtlich: Es will seinen eigenen Lehrplan durch die Arbeitsgruppen mög-lichst unverändert durchboxen.

«Das AVS benutzt die Arbeitsgruppen als Marionetten,
um anschliessend Bildungsrat, Parlament und
Öffentlichkeit vorgaukeln zu können, hochdotierte Fachexpertinnen und -experten mit langjähriger Unterrichtserfahrung hätten diesen Lehrplan erarbeitet.»

Regierungsrätin Monica Gschwind ist nun gefordert, hier ein Machtwort an die Adresse des AVS zu sprechen.Die Starke Schule fordert das AVS auf, nicht weiter auf die Karte Passepartout-Ideologie mit der gescheiterten Mehrsprachigkeitsdidaktik zu setzen und vom kompetenzorientierten und selbstgesteuerten Lernen, bei welchem die Schüler/-innen sich selbst überlassen werden, abzurücken.

Lesen Sie zu dem Thema auch den am 05. Juni 2019 in der BaZ erschienenen Artikel "Eklat zwischen Starker Schule und Amt für Volksschule"

Saskia Olsson
Vorstand Starke Schule

Neue Lehrmittel für Französisch und Englisch evaluiert

Die Starke Schule beider Basel begrüsst die von den beiden Arbeitsgruppen Englisch und Französisch evaluierten neuen Lehrmittel für die Sekundarstufe 1, mit welchen die Passepartout-Lehrmittel Mille feuilles, Clin d'oeil und New World ab Schuljahr 2020/21 ersetzt werden können. Die neuen Lehrmittel wurden vor einer Woche der Lehrmittelkommission vorgestellt.

Die beiden Arbeitsgruppen haben eine intensive Evaluations-Arbeit geleistet und für die Sekundarschulen fünf neue Englischlehrmittel sowie zwei neue Französischlehrmittel empfohlen, welche alle klar strukturiert und aufbauend sind, und einen alltagsgebräuchlichen Wortschatz und genügend Grammatik enthalten. Die neuen, international anerkannten Lehrmittel folgen dem Grundsatz, die Schüler/-innen von einfachen zu schwierigen Anforderungen zu führen. Zusätzlich hat die Arbeitsgruppe Französisch noch ein weiteres Lehrmittel empfohlen, welches die obigen Grundsätze nicht vollumfänglich erfüllt. Den abschliessenden Einführungsentscheid fällt der Bildungsrat.

Ermöglicht hat dies Regierungsratspräsidentin Monica Gschwind, welche erstmalig Fachexpertinnen und -experten mit langjähriger Unterrichtserfahrung beauftragt hat, neue Fremdsprachenlehrmittel zu evaluieren. Bislang wurden die Lehrmittel von Ideologen im Umfeld der Pädagogischen Hochschule (PH) entwickelt und mit Hilfe des Amt für Volksschule (AVS) ausgewählt und der Lehrmittelkommission und dem Bildungsrat zum Absegnen unterbreitet. Beide Gremien (Lehrmittelkommission und Bildungsrat) erkannten die mangelnde Qualität der Passepartout-Lehrmittel nicht. Die Leidtragenden sind die Schüler/-innen, welche in Französisch nicht einmal die minimalsten Grundkenntnisse erlangen konnten. Bildungsdirektorin Monica Gschwind zeigte sich bei der Pressekonferenz von letzter Woche sichtlich enttäuscht über das Passepartout-Projekt und stellte richtigerweise fest: "Wir haben viel Zeit und Geld investiert, doch es hat unsere Erwartungen bei weitem nicht erfüllt" und es werden "unter Hochdruck weitere Lehrmittel evaluiert".

So haben bei einem von der Eidgenössischen Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) organisierten Vergleichstest die drei Passepartout-Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Solothurn in Französisch am schlechtesten abgeschnitten. Geprüft wurden die Primarschüler/-innen am Ende ihrer Primarschulzeit; schuld am Fiasko ist offensichtlich das einst hochgelobte „Mille feuilles“. Besonders im Bereich „Sprechen“ zeigten sich die eklatanten Mängel besonders deutlich. Die anderen drei Passepartout-Kantone Fribourg, Wallis und Bern schnitten zwar besser ab, sind als zweisprachige Kantone aber auch klar im Vorteil.

Gescheitert sind nicht nur die Passepartout-Lehrmittel Mille feuilles, Clin d'oeil und New World, sondern auch Lehrmittel in anderen Fächern, wie z.B. in Mathematik, Italienisch und Deutsch, welche das selbstorganisierte und kompetenzorientierte Lernen ohne strukturierten Aufbau propagieren.

Die Starke Schule beider Basel fordert das Parlament auf, die von Regierungsrätin Monica Gschwind vorgeschlagene Umsetzung der Initiative "Stopp dem Verheizen von Schüler/-innen: Ausstieg aus dem gescheiterten Passepartout-Fremdsprachenkonzept" an der kommenden Landratssitzung zuzustimmen und damit der angestrebten "geleiteten" Lehrmittelfreiheit zum Durchbruch zu verhelfen.

Erfreulich: Die vorberatende Bildungskommission hat der Umsetzungsvorlage der Initiative der Starken Schule einstimmig und ohne Enthaltungen zugestimmt.

Saskia Olsson, Vorstand Starke Schule

 

Was Bildung wirklich ist

Ein Artikel von Mario Andreotti, erschienen am 22.5.19 in der BZ

Die musisch-ästhetische und die handwerkliche Bildung scheinen immer mehr zu verkümmern. Fächer wie Bildnerisches Gestalten und Musik, aber auch Geschichte und Literatur und nicht zuletzt der Handarbeits- und Werkunterricht werden zunehmend gekürzt oder fallen ganz weg. Und dies, obwohl Kognitionswissenschaftler, Psychologen und Pädagogen die Bedeutung der ästhetischen Anreize und Eindrücke und der Körpererfahrung beim Lesen, Schreiben, Musizieren und Werken längst als eine entscheidende Grundlage des Lernens erkannt haben.

Die Persönlichkeit eines Menschen ist rational und musisch-ästhetisch. Es ist daher notwendig, die ästhetischen, gestalterischen und handwerklichen Fächer im Fächerkanon der Schule wieder vermehrt zu verankern, gleichberechtigt neben allen anderen Fächern. Denn die Persönlichkeit eines Menschen ist beides, wie eingangs angedeutet: rational und musisch-ästhetisch. Das war schon der griechischen Antike bekannt, sind doch bei Aristoteles die vier zentralen Unterrichtsfächer Lesen und Schreiben, Mathematik und Zeichnen, Sport und Musik.

Wer sicher lesen und schreiben kann, der nimmt teil am gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Leben. Und wer mathematisch denken, Mathematik als Sprache verstehen lernt, kann mehrdimensionale Räume erkunden und eigene Welten damit konstruieren. Und wer sich schliesslich mit Geschichte befasst, dem wird die Geschichtlichkeit der eigenen Existenz immer mehr bewusst. Die Musik mit ihren Notationen und Partituren öffnet ihrerseits den Weg zu anderen formalisierten Zeichensystemen, etwa der Naturwissenschaften. Über sie, vor allem wenn selbst musiziert wird, können zudem Stimmungen intensiviert, aber auch abgebaut werden. Nicht zuletzt soll auch der Körper mit seinen Sinnesorganen, soll auch die Hand, folgen wir Heinrich Pestalozzis ganzheitlicher Pädagogik, geschult werden. Wird sie das nicht, so verkümmert das Gehirn, weil Schülerinnen und Schüler dann im wörtlichen Sinn nichts «be-greifen».

Daher ist es unerlässlich, dass Fächer wie Sprache, Mathematik, Geschichte, Musik und Sport, die in einer langen Tradition stehen, an unseren Schulen wieder die unangefochtene Basis des Unterrichts bilden. Sie dürfen nicht von anwendungsbezogenen Fächern wie «Wirtschaft und Recht» und «Medien und Informatik» und – in den Primarschulen – von den Frühfremdsprachen verdrängt werden.

Unser humanistisches Bildungsgut geht zunehmend verloren. Gerade auf der Sekundarstufe II besteht diese Gefahr aber; und dies umso mehr, als die gymnasiale Ausbildungszeit in den letzten dreissig Jahren anhaltend erodiert ist, wie eine Studie zur Entwicklung der gymnasialen Unterrichtszeit gezeigt hat. Das hatte zur Folge, dass in erster Linie die geisteswissenschaftlichen Fächer Literatur, Geschichte, Politische Bildung und Philosophie flächendeckend gekürzt wurden, wenn sie nicht, wie die alten Sprachen Latein und Griechisch, grösstenteils ganz wegfielen. Damit ging ein wesentlicher Bestandteil unserer Kultur und des humanistischen Bildungsgutes verloren. Dass dieser Verlust mitverantwortlich für die weithin beobachtete Abnahme von Kenntnissen und Fertigkeiten unserer heutigen Studienanfängerinnen und -anfänger ist, steht ausser Frage.

Es braucht dringend eine Rückbesinnung auf das, was humanistische Bildung wirklich ist. In ihrem Zentrum steht nicht die Frage, wie man möglichst gut verdienende Arbeitnehmer heranzieht oder welches Wissen morgen zur Förderung des Wirtschaftswachstums benötigt wird. Im Zentrum stehen der Mensch und seine freie Entwicklung zu mehr Menschlichkeit. Dazu bedarf es gerade auch jener Disziplinen, die nicht nach dem Prinzip des unmittelbaren Nutzens «funktionieren».

 

Kleinklassen im Kanton Basel-Stadt wieder einführen

Das Konzept der Kleinklassen wurde durch die Einführung der Integration immer mehr vernachlässigt. Während im Kanton Basel-Stadt die Kleinklassen weitgehend abgeschafft wurden, wurden sie im Landkanton wenigstens auf der Primarstufe und dem A-Niveau der Sekundarstufe in reduzierter Form weitergeführt.

Das 2004 eingeführte Behindertengleichstellungsgesetz hatte in Bezug auf die Integration zum Ziel, dass Benachteiligungen, welchen Menschen mit Behinderungen ausgesetzt sind, verhindert, verringert oder beseitigt werden. Im Bereich der Aus- und Weiterbildung sollte die Inklusion so aussehen, dass auch Kinder mit Behinderungen - mit der zusätzlichen Unterstützung von Heilpädagogen oder Schulsozialarbeitern - in Regelklassen unterrichtet werden. Während dieses Vorgehen in der Theorie sinnvoll und fair schien, zeigte die Praxis immer deutlicher, dass die Integration leider nicht in allen Fällen durchführbar ist. Dies liegt unter anderem daran, dass heutzutage in der ganzen Schweiz zehntausende Schüler/-innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf integriert werden sollen. Der kleinste Teil von diesen ist körperlich behindert; die meisten leiden an Verhaltensauffälligkeiten und haben daher viel mehr eine Störung der "emotionalen und sozialen" Entwicklung.

Statt dass die Integration allen Schulkindern dieselben Möglichkeiten bietet, müssen immer mehr Schulpsychologen, Schulsozialarbeiter, Heilpädagogen und Fachleute für Gewaltpräventation angeworben werden, welche sich in den Integrationsklassen aufhalten. Vielfach ist das Unterrichtsklima schwierig und unruhig und das konzentrierte Lernen für die Schulkinder kaum möglich. Daher wäre es sinnvoll, wieder verstärkt auf das System der Kleinklassen zu setzen, in welchem der nötige Rahmen für verhaltensauffällige Schulkinder geschaffen wird. Das würde nicht nur den Schüler/-innen mit den entsprechenden Auffälligkeiten gerecht werden, sondern auch den anderen Kindern, denen damit ein ruhigeres Klassenklima ermöglicht werden würde.

Die Starke Schule beider Basel erachtet die Wiedereinführung von Kleinklassen im Kanton Basel-Stadt sowie die Erhöhung der Anzahl im Landkanton für unabdingbar.
 
 

Landrat korrigiert Fehlkonzepte des Lehrplans 21

Der Baselbieter Landrat korrigiert ein weiteres Fehlkonzept des Lehrplans 21. Mit deutlichen 59 zu 17 Stimmen überwies das Parlament eine verbindliche Motion: Informatik soll auf der Sekundarstufe 1 neu als Schulfach mit 1 bis 3 Lektionen in den Stundenplan aufgenommen werden. Der undurchdachte Lehrplan 21 sieht vor, dass die Informatik von allen Lehrpersonen in ihren jeweiligen Fächern unterrichtet wird. Im Lehrplan Volksschule Baselland wären dies vorderhand die Mathematik- und Deutschlehrpersonen, die im dritten Sekundarschuljahr hierfür einen Teil ihres Unterrichts opfern müssen. In der Praxis ist dies jedoch nicht machbar, weil nur wenige Lehrpersonen über eine ausreichende Informatikausbildung verfügen.

Die Aufnahme von Informatik in die Stundentafel soll nun ohne Reduktion anderer Fächer erfolgen. Die Schüler/-innen erhalten somit während mindestens eines Schuljahres eine zusätzliche Informatiklektion pro Woche, was Mehrkosten von 2 Millionen Franken nach sich zieht. Bemerkenswert ist, dass die Motion trotz dieser Mehrausgaben sehr deutlich überwiesen wurde.

In den letzten Jahren musste sowohl das Volk als auch das Parlament unter erheblichem Aufwand und Kosten bereits mehrfach diverse Fehlkonzepte im Bildungsbereich korrigieren, die ihren Ursprung im Harmos-Konkordat oder im Lehrplan 21 hatten. So gibt es im Baselbieter Lehrplan keine Sammelfächer, die Lerninhalte sind bei uns je nach Leistungsniveau A, E oder P unterschiedlich und die absurde Anzahl von über 3'500 Kompetenzbeschreibungen sind durch Stoffinhalte und Themen ergänzt worden.

Somit konnte der neue Lehrplan Volksschule Baselland vor groben Fehlern im Lehrplan 21 bewahrt werden, auch wenn die gigantische Anzahl Kompetenzbeschreibungen dringend nach unten korrigiert werden muss.

Alina Isler, Vorstand Starke Schule

 

Widersprüche im Schulwesen

Am Anfang der seit Jahren verfehlten Bildungspolitik steht die gezielte Entmündigung der Lehrkräfte zwecks Durchsetzung politischer und wirtschaftlicher Interessen. Dies losgelöst vom Wohl der Lernenden und ohne Qualitätskontrollen. Wie konnte es so weit kommen?

Die Mutter aller Reformen

Der Initialfunke ist das pädagogische Weisungsrecht der Schulleitungen. Von aussen kaum wahrgenommen und in seiner Tragweite gänzlich unterschätzt, ermächtigt es die Bildungsadministration, selbst die absurdesten Reformen durchzusetzen. Es ist quasi ihr verlängerter Arm ins Klassenzimmer. Denn das Weisungsrecht ermächtigt die Schulleitungen, Lehrkräften zu kündigen, die sich nicht an Reformideologien halten, sondern an die Unterrichtsrealität. Diese Orientierung aber wäre als Korrektiv für Reformirrtümer unabdingbar.

Opportunismus und Harmoniebedürfnis

Wie in hierarchischen Anstellungsverhältnissen üblich, sind Kritik und Widerstand keine Etappen auf dem Weg des geringsten Widerstands. Opportunismus kann so weit gehen, dass sich Lehrkräfte selbst in den Dienst untauglicher Reformen stellen. Ferner verträgt sich Harmoniebedürftigkeit nicht mit Kritik. Gelegentlich zählen die Bedürfnisse nach stiller Eintracht mehr als die der Lernenden. So stösst die Starke Schule beider Basel bei einzelnen Lehrpersonen hin und wieder auf Ablehnung, trotz ihres erfolgreichen Einsatzes zugunsten der öffentlichen Schule. Verkannt wird dabei ihre fordernde Beharrlichkeit als notwendige Antwort auf die blinde Verbissenheit dogmatischer Reformpolitik.

Wenn man nichts zu sagen hat, aber umso mehr sagen will

Wer Schulpolitik zur Selbstdarstellung betreibt, greift diejenigen an, die der Selbstinszenierung schaden. Von daher werden sachkundige Reform-Kritiker immer wieder von Politikern attackiert, die insofern eine Ahnung von Schule haben, als dass sie eine solche vor langer Zeit besuchten. Überdies fehlt politischen Selbstdarstellern das Bewusstsein für die eigene Beeinflussbarkeit. Skepsis bezüglich im Hintergrund agierender Akteure ist nicht möglich, wenn das Wissen um solche fehlt. Es wird dann blind einem sogenannten „Zeitgeist“ folgend politisiert, ohne zu wissen, wer diesen, mit welchen Zielen definiert. So hat insbesondere die Wirtschaft ein leichtes Spiel, ihre schulpolitischen Interessen durchzusetzen. Allerdings fehlt ihr die Nähe zur Schule, um die auch für sie selbst nachteiligen Widersprüche ihrer Konzepte zu erkennen.

Die von der Wirtschaft forcierte „Kompetenzorientierung“ ist unwirtschaftlich

Wirtschaftlichen Erfolg hat, wer sich effizient und innovativ weiterentwickelt. Kodak, Agfa, Nokia und andere verschliefen die zwingende Weiterentwicklung mangels Innovation. Starre Uniformität steht insofern im Widerspruch zur Innovation. Ergo widerspricht die den Schulen uniform übergestülpte „Kompetenzorientierung“ einer wirtschaftlichen Gesetzmässigkeit. Sie ist mit ihren 3'500 Kompetenzen aber auch ineffizient. Der hierfür erforderliche Aufwand in der Prüfungsgestaltung und Auswertung ist nicht zu leisten. Wenig überraschend, dass die beiden privatwirtschaftlichen Testverfahren, Basic- und Multicheck, ganz traditionell Stoff und Wissen prüfen. Im Widerspruch zur „kompetenzorientierten“, Grammatik bzw. Wortschatz feindlichen Passepartout Ideologie stehen die kantonalen Checks. Sie prüfen nicht zuletzt Grammatik und Wortschatz. Es ist abzuwarten, wie die Wirtschaft reagieren wird auf das Heer der Passepartout geschädigten Schulabgänger. Die schönfärberische „Kompetenzorientierung“ hätte eigentlich der erleichterten Rekrutierung von Arbeitskräften dienen sollen.

Wirtschaftliche Prinzipien zur Lösung des Reformdebakels

Erwartungen der Wirtschaft an die öffentliche Bildung sind legitim. Denn die Schule verwirkt ihre Legitimation, wenn sie nicht auf den Arbeitsmarkt vorbereitet. Wirtschaftsvertreter sollten sich aber an ihre eigenen Prinzipien halten. Abgesehen von Effizienz und der Ablehnung von Uniformität, werden neue Produkte erst lanciert nach vorgängiger Prüfung ihrer Markttauglichkeit. Solche Prüfungen fehlten bei Passepartout und der „Kompetenzorientierung“ gänzlich, aber auch bei vielen Lehrmitteln, die wegen Untauglichkeit kaum eingesetzt werden. Im Sinne der Qualitätssicherung gehören Schulreformen vorgängig zur Einführung geprüft, damit sie später keinen Schaden anrichten. Die angestrebte Lehrmittelfreiheit ist insofern ein erster Schritt in die richtige Richtung. So können Lehrkräfte immerhin in diesem Bereich wieder korrigierend eingreifen. Als nächstes gehört konsequenterweise das pädagogische Weisungsrecht der Schulleitungen auf den Prüfstand.

Felix Hoffmann, Sekundarlehrperson

 

 

ED Basel-Stadt korrigiert Reform

Der Grosse Rat in Basel hat beschlossen, ab dem Schuljahr 2020/2021 die Einführungsklassen wieder anzubieten. Diese erlauben Kindern mit Entwicklungsverzögerung die erste Primarklasse in zwei Jahren zu absolvieren. Zudem besteht auch die Möglichkeit, anstelle einer Einführungsklasse, ein drittes Kindergartenjahr zu besuchen. Diese beiden Varianten sind jedoch nicht gleichzustellen, da im Kindergarten kein eigentlicher Unterricht stattfindet. Jeder Schulstandort kann selbst entscheiden, ob und welches der oben genannten Angebote ein Kind braucht. Somit kann jede Schulleitung intern mit den Lehrpersonen einen Entschluss fassen, ob die Einführungsklassen im Schulhaus angeboten werden sollen oder nicht. Die Wiederaufnahme der Einführungsklassen im Kanton Basel-Stadt ist ein wichtiger Schritt. Damit wird auf der Primarstufe eine gescheiterte Reform nach heftigen Widerständen der Lehrpersonen rückgängig gemacht.

In den vergangenen Jahren wurde die neue Unterrichtsideologie eingeführt, dass die Lehrpersonen den Schüler/-innen auf der Primarstufe und insbesondere auf der Sekundarstufe 1 den Unterrichtsstoff nicht mehr rhythmisiert und lehrerzentriert beibringen, sondern sie vielmehr beim selbstständigen Lernen als Coaches unterstützen. In den Sekundarschulen erfolgt diese neue Unterrichtsform oft in den sogenannten Lernlandschaften. Leistungsschwächere Schüler/-innen sollen von den leistungsstarken Schüler/-innen profitieren. Auch die Sonderschulen wurden weitgehend abgeschafft und sämtliche Schüler/-innen in die Regelklassen integriert. Einführungs- und Kleinklassen seien nicht mehr notwendig, glaubte die Bildungsdirektion. Diese Fehleinschätzung wird nun teilweise korrigiert.

Im Kanton Baselland sieht die Situation anders aus. Es wurde frühzeitig erkannt, dass die Einführungsklassen von immenser Bedeutung sind, da die schulisch schwächeren Kinder in Regelklassen nicht genügend Unterstützung erhalten. Somit wurden die Einführungsklassen nie komplett abgeschafft, sondern lediglich etwas reduziert. Auch wurde erkannt, dass die Funktion der Lehrperson, die unterrichtet und den Schüler/-innen den Unterrichtsstoff beibringt, essentiell ist und nicht durch Lerncoaches ersetzt werden kann. Diese Erkenntnisse wurden bis anhin im Kanton Basel-Stadt noch nicht gemacht, weshalb auf der Sekundarstufe 1 weiterhin mit Lernlandschaften gearbeitet wird.

Alina Isler, Vorstand Starke Schule beider Basel