Starke Schule beider Basel (SSbB)

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Inputs zum Beförderungssystem

Lesen Sie hier: Mehrere Rückmeldungen zum Promotionssystem der Sekundarschulen.
 

News

  • Donnerstag, Juli 29, 2021

    Umstrukturierung an den Schweizer Gymnasien

    Mit den Änderungen der letzten Jahre im Bildungssystem soll nun auch an den Gymnasien eine Reformen eingeführt werden. Die Gymnasien weiter entwickelt werden, um die Qualität der Maturität und den prüfungsfreien Zugang zur Universität auch weiterhin sicherzustellen. Im Zentrum stehen der Rahmenlehrplan der Schweizerischen Konferenz der Erziehungdirektoren (EDK) und die gemeinsamen Anerkennungsvorgaben von Bund und Kantonen (MAR/MAV). (so)

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  • Montag, Juli 19, 2021

    Kein Leistungslohn in Basel-Stadt

    Während im Kanton Basel-Landschaft ein lohnrelevantes Mitarbeitergespräch (MAG) für Staatsangestellte eingeführt wurde, hat das baselstädtische Erziehungsdepartement in einer Medienmitteilung darauf hingewiesen, dass die MAGs an Basler Schulen auch künftig nicht lohnrelevant sein werden. (so)

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  • Montag, Juli 19, 2021

    Facts zu Lernenden im Jahr 2020/21

    Im Schnitt verläuft die Bildungslaufbahn von Mädchen geradliniger als die von Knaben. (so)

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29.07.2021

Covid-19 hat Auswirkungen auf die Gehirnleistung

Mehrere Studien weisen daraufhin, dass nach einer Erkrankung an Covid-19 nicht nur Symptome wie Erschöpfung oder Atemnot eine längerfristige Folge sein können, sondern auch die Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeit.

Dass eine Erkrankung mit dem Coronavirus in vielen Fällen auch lang andauernde Folgen mit sich bringen kann, welche die Erkrankten einschränken, ist bekannt. Bisher wurde der Fokus insbesondere auf andauernde Atembeschwerden oder den Verlust des Geruchs- oder Geschmackssinns gelegt.

Nun haben Wissenschaftler des Imperial College in London auch kognitive Fähigkeiten von Erkrankten untersucht. Die analysierten Daten von 81 337 Teilnehmern, die einen Intellligenztest absolviert hatten, haben gezeigt, dass diejenigen, die zuvor mit dem Coronavirus infiziert waren (12 689 aller Teilnehmer) deutlich schlechter abschnitten. Die grössten Schwierigkeiten zeigten sich bei Aufgaben, die logisches Denken, Planung und Problemlösung erforderten. Auch innerhalb der Gruppe der Personen, die erkrankt waren, gab es Unterschiede. So schnitten diejenigen am schlechtesten ab, die wegen der Erkrankung auch intensivmedizinisch behandelt und an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden mussten.

Die Forscher haben geschlussfolgert, dass eine Erkrankung an Covid-19 auch immense negative Auswirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten haben kann. Diese Erkenntnis stimmt mit Long-Covid-Patienten überein, die auch noch lange nach der Erkrankung von Konzentrationsschwierigkeiten und "Brain Fog" (Gehirnnebel) berichten. Wichtig ist es nun, herauszufinden, wie, warum oder wie lange diese Beeinträchtigungen fortbestehen können.

Quellen:
Bericht
der Studie in The Lancet
Corona-Studie: Intelligenztest mit Patienten zeigt deutiche Ergebnisse

 

25.07.2021

Je höher die Schulstufe, desto grösser der Männeranteil

2019 waren in den Basler Volksschulen (Kindergärten, Primar-, Sekundar-, Heilpädagogische und Heimschulen) rund 2'600 Lehrpersonen tätig. Umgerechnet entspricht das 1'710 Vollzeitstellen. 83% der Lehrpersonen arbeiten Teilzeit. Das Durchschnittspensum liegt bei 66%.

In den Basler Mittelschulen (Gymnasien, Wirtschaftsmittelschule und Fachmaturitätsschule) waren im Jahr 2019 522 Lehrpersonen angestellt. Das entspricht 322 Vollzeitstellen und ist somit deutlich weniger als bei den Volksschulen. Auf dieser Stufe arbeiten mit rund 89% die meisten Lehrpersonen Teilzeit. Dabei liegt das Durchschnittspensum bei nur 62%, was ebenfalls niedriger ist als in den Volksschulen (66%).

609 Lehrpersonen waren im Jahr 2019 an den Basler berufsbildenden, weiterführenden Schulen (Allgemeine Gewerbsschule, Berufsfachschule, Schule für Gestaltung, Bildungszentrum Gesundheit und Schule für Brückenangebote) angestellt. 87%, und damit ein bisschen weniger als in den Mittelschulen, arbeiten hier Teilzeit. Dafür ist das durchschnittliche Pensum (51%) deutlich geringer als an den Volks- und Mittelschulen.

In den letzten Jahren hat die Anzahl der Dozierenden an der Universität Basel zugenommen. Der Anteil an Dozenten ist enorm gross. Jedoch herrschen grosse Unterschiede je nach Anstellungsverhältnis.

Was sofort auffällt, ist, dass bei den Volksschulen und an der Universität ein immenses Ungleichgewicht zwischen Frauen- und Männeranteil herrscht. In den beiden mittleren Kategorien ist die Verteilung gleich (Mittelschulen) oder die Differenz ist mit nur 8 Prozentpunkten gering (Berufsbildende Schulen).

Ob der grosse Unterschied zwischen dem Frauen- und Männeranteil auf der Primar- und Sekundarstufen eine Rolle in der Entwicklung der Kinder spielt, kann nicht abschliessend gesagt werden. Bekannt ist jedoch, dass bei heiklen Themen, sowohl Knaben als auch Mädchen während der Pubertät sich in der Regel nicht einer Lehrperson des anderen Geschlechts anvertrauen möchten. Ebenso kann die Vorbildfunktion eine Rolle spielen. Jungs erkennen, dass es wenige Lehrer gibt und möchten vielleicht darum auch nicht Lehrer werden, während es bei den Mädchen eher den umgekehrten Effekt hat, wobei die Lehrerin nicht selten «angehimmelt» wird. Deswegen könnte es von Vorteil sein, den heute bestehenden grossen Unterschied zwischen dem Männer- und Frauenanteil durch geeignete Massnahmen auszugleichen.

Lena Bubendorf
Sekretariat Starke Schule beider Basel

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22.07.21

Homeschooling und COVID-19 Auswirkungen im Bildungsumfeld

Laut Bildungsforschern kamen die Schweizer Schulen im Vergleich zu den beiden Ländern Deutschland und Österreich am besten durch die Pandemie. Während der zweiten und dritten Corona-Welle hielt man in der Schweiz mit Einschränkungen (Maskenpflicht, strenge Hygieneregeln, Abstandsregel zwischen Lehrpersonen und Schüler/-innen usw.) am Präsenzunterricht fest. Derweil schlossen die Schulen in unseren beiden deutschsprachigen Nachbarländern ein weiteres halbes Jahr.

Mehrere Studien belegen, dass der Fernunterricht für Schüler/-innen und Eltern sowie bei den Schulmitarbeitenden zu enormen Belastungen und einigen elementaren Problemen führten:

Aufgrund der ungleichen Voraussetzungen im Elternhaus stachen die Unterschiede im Lernverhalten während des Fernunterrichts ins Auge. So waren die Schüler/-innen mit höherem Sozialstatus deutlich motivierter, lernten mehr, investierten viel Zeit für die Schule und erhielten mehr digitalen Unterricht im Vergleich zu Schüler/-innen mit einem niedrigerem Sozialstatus. Denn diese waren technisch schlechter ausgestattet und konnten weniger auf die Unterstützung ihrer Eltern zählen. Den eigenen Tagesablauf zu strukturieren und einzuhalten bereitete ihnen grosse Probleme. Sie litten auch unter einer schlechteren räumlichen Situation und erhielten weniger Beistand durch Eltern und ältere Geschwister, weil diese selbst am Anschlag liefen.

Die Schulen haben eine riesige Herausforderung, aber auch eine gewisse Verantwortung, dass dieser teilweise enorme Unterschied zwischen den Schüler/-innen kompensiert werden kann. Auch zwischen den einzelnen Schulen sind die Unterschiede teilweise beträchtlich, die laut dem Schul-Barometer laufend grösser wurden. Die Schulen sollten sich auf ein gemeinsames Handeln und einen Mindeststandart betreffend Ausrüstung festlegen.

Doch die Pandemie hatte selbst für die Bildung eine positive Seite: Sie brachte die Digitalisierung in kurzer Zeit auf ein ganz anderes Niveau. Viele Schulen halten noch immer an den in der Pandemie erlernten Methoden und Programmen fest. Ein Grossteil der Schüler/-innen empfindet das Arbeiten und Lernen mithilfe der Technologie effektiver, praktischer und einfacher. Zudem lehrte die Pandemie einem Teil der Schüler/-innen wieder vermehrt selbstständig zu arbeiten, die Zeit selbst einzuteilen und den Umgang mit technischen Geräten und Programmen. Für viele Schüler/-innen, die mit der Situation gut umgehen konnten, war die Vorfreude auf den Präsenzunterricht gering. Trotzdem geben die Mehrheit der Schüler/-innen an, im Präsenzunterricht schulisch eher mehr zu lernen (siehe folgende Grafik).

Die meisten freuten sich aber hauptsächlich darauf, ihre Schulkolleginnen und -kollegen wieder zu sehen.

Erwähnenswert ist, dass die Lehrpersonen einen hervorragenden Job leisteten. Sie setzten viel daran, den Schüler/-innen sowie den Eltern die Zeit des Fernunterrichts zu erleichtern und Unterstützung zu bieten.

Lena Bubendorf
Sekretariat Starke Schule beider Basel

 

20.07.21

Fundamentalkritik an der FHNW

Die Fachhochschule wird als Problemschule wahrgenommen. Sexuelle Übergriffe, widerrechtlich Student ausgesperrt – ein Fragekatalog von Landrätin Regina Werthmüller zeigt, dass die FHNW noch weit mehr Probleme hat. Bald muss die Regierung zur Fachhochschule Stellung nehmen.

Wegen sexuellen Übergriffs ist ein Lehrer an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), am Institut Jazz in Basel, freigestellt worden. Offenbar hatte sich der Leiter Bernhard Ley über Jahre mit dem Problemmusiker arrangiert. Nachdem die BaZ den Fall publiziert hatte, wurde gleich der nächste Fall öffentlich: Die FHNW musste in diesem Jahr vom Kantonsgericht gezwungen werden, einen Schüler zur Abschlussprüfung zuzulassen. Die Schule liess nämlich alle rechtlichen Spielregeln vermissen, als sie ihren Studenten aus dem Institut werfen wollte; der zuständige Institutsleiter vom Hyperwerk in Münchenstein setzte sich sogar über den internen Entscheid der Beschwerdekommission hinweg, die ihn aufgefordert hatte, den Schüler zu seiner 20-minütigen Abschlusspräsentation zuzulassen.

Die Landrätin Regina Werthmüller (parteilos) wundert sich nicht. Schon vor rund einem Jahr hatte die Kantonspolitikerin erfahren, dass die Unzufriedenheit der Studenten am Pädagogischen Institut der FHNW gross ist. Die entsprechenden Umfragedaten erhielt sie heimlich zugespielt, nachdem die FHNW die Umfragewerte ihr gegenüber unter Verschluss gehalten hatte. Die Resultate sind dramatisch: In den wichtigen Disziplinen «Verknüpfung von Theorie und Praxisanteilen», «Erwerben berufsrelevanter Funktionen» und «Praxisorientierung in der Lehre und im Lehrangebot», welche alle die Praxisrelevanz betreffen, erhielt die Pädagogische Hochschule (PH) die Note 3,2 oder tiefer. Damit schnitt die PH im Jahr 2020 noch schlechter ab als im Jahr 2018.

«Probleme schöngeredet»

Nach den neusten Schlagzeilen zur FHNW an anderen Instituten doppelt Werthmüller mit einem politischen Vorstoss nach, den sie nun in der Sommerpause auf der Website der Starken Schule beider Basel publiziert hat. «Die FHNW hat seit Jahren ein ernstes Problem und ist offensichtlich nicht fähig, die unbefriedigende Situation zu verbessern. Seit Jahren redet sie das Problem schön. Eine wesentliche Verbesserung konnte die Hochschule bis heute nicht erzielen», begründet sie.

Ihren Fragen zufolge muss die FHNW gröbere Baustellen haben. So erkundigt sie sich beispielsweise nach Anzahl Mobbingfällen und Personalschwierigkeiten, im Speziellen auch nach Lohnunstimmigkeiten. Vor dem Hintergrund von Meldungen aus der Schule will die Pädagogin beispielsweise auch wissen, wie viele Lehrende und Studierende wegen Burn-outs und dergleichen in psychiatrischer Behandlung oder krankgeschrieben sind oder waren. Es gibt Fragen zu möglicherweise fehlendem Datenschutz, zu fehlenden Mitarbeitergesprächen und zum Titelbluff. Zahlreiche FHNW-Lehrer erhalten nach bis dato unbekannten Spielregeln den «Professor», jedenfalls ohne eine Habilitation vorlegen zu müssen.

Eine Angstkultur

Es handle sich um eine «sehr breite Palette verschiedener Themen», schreibt die FHNW, welcher der neue politische Vorstoss Werthmüllers nicht entgangen ist. «Sofern eine entsprechende Interpellation im Landrat eingereicht wird, wird der Vorstoss im Rahmen der definierten Verfahren und durch die zuständigen Behörden beantwortet werden», sagt sie.

Die Einschätzung einer Problemschule teilen grossmehrheitlich die Leser von «20 Minuten» und der BaZ in ihren Kommentaren. «Da gibt es haarsträubende Geschichten wie Sand am Meer», schreibt eine Leserin. Auch ein Vater eines Studenten hinterliess eine Botschaft, die willkürliche Spielregeln an der FHNW andeuten. Dann aber zieht er seine Informationen zurück: «Sie werden von mir keine Angaben erhalten, trotz Verschwiegenheit und Quellenschutz.» Er möchte den Abschluss seines Sohns nicht gefährden: «Mein Sohn ist mir in dieser Phase wichtiger als alle anderen Ereignisse.»

Wie daraus hervorgeht, rechnen Studenten, die Beschwerde einreichen, tatsächlich mit einem Racheakt der FHNW bei den Abschlussprüfungen. «Diese Angst ist nicht unbegründet», erklärt Jürg Wiedemann, Gründer der Starken Schule beider Basel, der einige Meldungen entgegengenommen hat. «Es besteht eine Angstkultur. Zu gross sind die Befürchtungen der Studierenden, es könnte für sie negative Konsequenzen haben, wenn sie öffentlich Kritik ausüben.»

An den Volksschulen motivierten die Lehrpersonen ihre Schützlinge, eine eigene Meinung zu bilden und diese offen zu vertreten, unabhängig davon, ob diese mit derjenigen der Lehrpersonen übereinstimme. Aber die Pädagogische Hochschule generiere eine Angstkultur, unterdrücke den Meinungsbildungsprozess und verhindere so, dass untaugliche Zustände und Fehlleistungen an die Öffentlichkeit gelangen.

«Unerträgliches Machtgebaren»

«Auf dem Büro der Starken Schule beider Basel erhalten wir in regelmässigen Abständen Kritik zu organisatorischer Überforderung, wenig sinnvollen Unterrichtsinhalten bis zu einem unerträglichen Machtgebaren», sagt Alina Isler, Geschäftsführerin der Starken Schule. Auch aufgrund dieser Kritik hat sie sich entschieden, die Pädagogische Hochschule in Bern und nicht an der FHNW zu besuchen.

Auf die Frage, ob die Schule Schwächen erkenne, schreibt sie allgemein: «Die FHNW prüft bestehende Prozesse und Strukturen fortlaufend und hinterfragt sie kritisch dort, wo es nötig ist.» Auf ihren Vorstoss erwartet Regina Werthmüller präzisere Antworten.

Daniel Wahl, BAZ-Journalist

[Quelle: Artikel ist erschienen auf bazonline am 20.07.21]

 

20.07.21

Latein und Griechisch sind out

Im Schuljahr 2020/21 haben 2’394 Jugendliche die fünf Basler Gymnasien besucht. Der Anteil Männer lag bei 45%, derjenige der Frauen bei 55%. Diese prozentuale Verteilung stimmt mit derjenigen im Leistungszug P der Sekundarschule weitgehend überein und widerspiegelt ebenso die Zunahme der Frauen an den Universitäten.

Die folgenden Schwerpunktfächer werden an den Gymnasien angeboten: Griechisch, Latein, Spanisch, Italienisch, Englisch, Physik und Anwendungen der Mathematik, Biologie und Chemie, Wirtschaft und Recht, Bildnerisches Gestalten, Musik sowie Philosophie mit Psychologie und Pädagogik. Die Verteilung der Schüler/-innen auf diese elf Schwerpunktfächer hat sich in den letzten sechs Jahren teilweise stark geändert:

 

Vor allem die Sprachen (ausser Englisch) scheinen weniger interessant geworden zu sein, im Gegensatz zu den naturwissenschaftlichen Fächern «Physik und Anwendungen der Mathematik» sowie «Wirtschaft und Recht». Da die Anzahl Gymnasiast/-innen seit 2014/2015 abgenommen hat (damals haben 2’959 Schüler/-innen die fünf Basler Gymnasien besucht), sind die absoluten Zahlen fast überall tendenziell gesunken. Umso auffälliger ist daher, dass beim Schwerpunktfach «Philosophie, Psychologie und Pädagogik» das Interesse sogar gestiegen ist.

Die beiden alten Sprachen Griechisch und Latein werden nur noch ganz wenig besucht; aber auch Spanisch ist nicht mehr so beliebt wie früher. Dass Griechisch und Latein an Wichtigkeit verloren haben, zeigt sich auch daran, dass bei vielen Studiengängen Latein nicht mehr vorausgesetzt wird.

Interessant ist auch, dass Frauen vor allem das Fach «Philosophie, Psychologie und Pädagogik» priorisieren, während die Männer eher «Biologie und Chemie» sowie «Physik und Anwendungen der Mathematik» bevorzugen.

Saskia Olsson
Vorstand Starke Schule beider Basel

 

17.07.2021

Von Machtgebaren bis zu sexuellen Übergriffen an der FHNW

Die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) hat seit Jahren ein ernstes Problem: Vor den Sommerferien ist die Hochschule mehrfach in die Schlagzeilen geraten. Unter anderem auch, weil ein Musiklehrer wegen sexuellen Übergriffs freigestellt werden musste.[1] Die Schule hat inzwischen Massnahmen getroffen. Doch eine Erklärung, weshalb sich die Schule über Jahre mit dem Lehrer arrangiert hat, bleibt die FHNW schuldig. Der Vorwurf an die Chefetage ist happig: Während Jahren soll sie dem Problem «aus dem Weg gegangen» sein, um sich vom renommierten Musiker nicht trennen zu müssen.[2] Erst die Anfragen von Journalisten erzeugten den notwendigen Druck, dass sich die FHNW von den sexuellen Übergriffen deutlich distanzierte und die Lehrperson freistellte.

Am 12. Juli berichtete die Basler Zeitung im Artikel «FHNW muss aufmüpfigen Studenten zur Prüfung zulassen» über gravierende Vorgänge, die vom Aargauer Verwaltungsgericht mit einer scharfen Rüge an die Adresse der FHNW «korrigiert» werden mussten.[3]

Die Erfahrungen vieler Studentinnen und Studenten bestätigen die Berichterstattung der Medien weitgehend, wenn auch nur verdeckt. Zu gross ist offensichtlich die Angst vor Rachefeldzügen. Und wie reagiert die FHNW? Sie redet alles schön, benennt in ihren Jahresberichten[4] keine Problemfelder und ist unfähig, nachhaltige Verbesserungen einzuleiten. Seit Jahren erteilen denn auch die Studentinnen und Studenten der Pädagogischen Hochschule ihrem Institut miserable Beurteilungsnoten.[5]

Die Interparlamentarische Kommission der FHNW (IPK) hat offensichtlich nicht die Mittel und das Know-how, Verbesserungen zu erzwingen. Vielmehr richtet sich ihr Fokus auf monetäre Themen sowie Studentenzahlen und nicht auf vermittelte Lehrinhalte, Qualität und Schulklima an der FHNW.

Es stellen sich einige brisante Fragen. Die FHNW wäre gut beraten, diese transparent und ehrlich zu beantworten.

  1. Wie viele Verfahren, Rechtsfälle und Beschwerden wegen Mobbing und Personalschwierigkeiten u.a. auch Lohnunstimmigkeiten verzeichnet die FHNW in den letzten fünf Jahren? Wie viel Geld musste dazu aufgeworfen werden?
  2. Inwiefern hat der Fachhochschulrat, welcher «die strategische Führungsverantwortung» hat und «die Aufsicht über die FHNW» ausübt, diesbezüglich auch interveniert und Lösungen gefunden? [6]
  3. Gemäss Äusserungen von Dozierenden haben in einer Klasse am Jazzcampus von 16 Schüler/-innen vier psychische Probleme, die bis zur Aufgabe des Studiums führen können. Bereits wurden zwei enge Mitarbeiterinnen von Institutsleiter Bernhard Ley krankgeschrieben und haben die FHNW verlassen. Was sagt die Regierung zu dieser Häufung von Fällen psychischer Probleme bei Studierenden und Mitarbeitenden des Jazzcampus?
  4. Wie viele Lehrende und Studierende sind oder waren wegen Burnouts und dergleichen in psychiatrischer Behandlung oder krankgeschrieben?
  5. Die Schulen bieten ein weitreichendes Netz an Hilfestellung bei Problemen. Wie ist sichergestellt, dass Coaching-Angebote nicht als Strafmassnahmen und Sanktionen erlebt oder zweckentfremdet werden?
  6. Offenbar werden Betroffene, die sich an die Ombudsstelle wenden, von einer Stelle zur nächsten zwischen dem Ombudsmann in Basel-Stadt, Baselland und Aargau im Kreis herumgeschickt. Niemand will sich verantwortlich fühlen. Wie oft wurden die Ombudsstellen in FHNW-Angelegenheiten konsultiert? Welche Stelle ist letztlich zuständig?
  7. Die FHNW ist eine interkantonale Staatsschule. Welches Personalreglement welches Kantons ist verbindlich?
  8. Wie geht die Schule mit dem Datenschutz um? Ist klar, wer Schlüsselprotokolle auslesen darf, Serverzugang hat, wer Mail-Accounts der Studierenden sperren oder lesen kann? Wie viele Verstösse gab es in den vergangenen fünf Jahren?
  9. Nahezu alle Lehrpersonen an der FHNW nennen sich Professoren. Wie viele von Ihnen können eine Habilitation vorlegen? Welche Regeln gelten, bis die FHNW einer Lehrperson oder einem Institutsleiter, wie z.B. Bernhard Ley vom Jazzcampus, den Professor-Titel verleiht.
  10. Am Jazzcampus sind einige Dozierende mehr als 10 Jahre mittels Honorarvereinbarungen angestellt, obwohl solche Anstellungsverhältnisse gemäss FHNW-Richtlinien spätestens nach fünf Jahren in eine Festanstellung umgewandelt werden müssen. Wie viele Dozentinnen und Dozenten sind aktuell mittels Honorarvereinbarung angestellt? Wie viele davon sind länger als fünf Jahre angestellt?
  11. Werden konsequent an jedem Institut Mitarbeiter- und Qualifikationsgespräche geführt? Falls ja: Wie oft werden diese Gespräche konsequent dokumentiert?
Nach der Sommerpause werde ich eine entsprechende Interpellation mit obigen Fragen im Landrat einreichen.
 
Regina Werthmüller
Landrätin, Vorstand Starke Schule beider Basel
 
 

 
 
12.07.2021 - Gastbeitrag Prof. Dr. Klaus Zierer

Das Tablet in der Schule – eine zweischneidige Sache

Corona hat die Digitalisierung der Schulen stark beschleunigt. Vielerorts wurden Tablets eingeführt. Sie eröffnen neue Bildungsinhalte und neue Lernformen. Doch birgt die Technik Fallstricke.

Die Corona-Pandemie hat dem Bildungssystem weltweit einen Digitalisierungsschub beschert, der angesichts internationaler Vergleichsstudien zur Ausstattung von Schulen im deutschsprachigen Raum längst überfällig erschien und für viele eine Bildungsrevolution darstellt. Der entscheidende Schritt dabei: Tablets für alle Lernenden, ermöglicht nicht zuletzt durch grosse Finanzspritzen der Bildungspolitik. Aber wo Licht ist, da ist auch Schatten, und gerade was die Digitalisierung anbelangt, lohnt es sich, genau hinzusehen. Denn bei aller Euphorie angesichts des Geldsegens: Digitalisierung hat eine Reihe von Fallstricken, die besonders in Tablet-Klassen sichtbar sind und die empirische Bildungs-forschung offenlegt.

Fehlende Querverweise

In mittlerweile unzähligen Studien konnte gezeigt werden, dass die Mitschrift von Lerninhalten mit Papier und Bleistift allen Formen digitaler Notizen in vielfacher Hinsicht überlegen ist – egal, ob das Keyboard, das Tablet oder das Smartphone zum Einsatz kommt. So können Lernende schneller per Hand auf Papier schreiben, als sie tippen oder digital schreiben, was Lernzeit spart. Darüber hinaus sind in den analogen Aufzeichnungen Querverweise zu erkennen, die bei digitalen fehlen und die somit auf eine erhöhte kognitive Verarbeitung hinweisen. Diese lässt sich nicht nur in anschliessenden Leistungstests feststellen, sondern auch in neurologischen Messungen: Die Gehirnaktivität ist beim analogen Schreiben grösser als beim digitalen Schreiben.

Gerade was die Möglichkeiten des Tablets anbelangt, wird man einwenden: Das kann alles nicht sein, ist die Technik heute doch so weit, dass sie analoge Prozesse eins zu eins abbilden kann – das digitale Schreiben auf dem Tablet ersetzt doch vollumfänglich das analoge Schreiben mit Papier und Bleistift.

Auf den ersten Blick mag das stimmen, auf den zweiten Blick offenbaren sich aber die Fallstricke. Beispielsweise vergrössern Lernende, wenn sie auf Tablets schreiben, die Ansicht so stark, dass sie nur noch das zu schreibende Wort sehen und damit den ganzen Text aus den Augen verlieren. Tafelbilder, die abfotografiert sind, befinden sich zwar auf der Festplatte, aber nicht im Kopf. Und auch die Möglichkeit, mit Copy und Paste schnell und einfach Texte umzubauen, hat nicht nur Vorteile. Mag sie für Schriftstellerinnen und Schriftsteller effektives Arbeiten eröffnen, nimmt sie Lernenden wichtige Wiederholungsschleifen. Denn das Korrigieren von Fehlern und das erneute Schreiben hinterlassen im Gedächtnis Spuren, die entscheidend für Lernerfolg sind.

Zum Lesen und Lernen existieren ähnliche Ergebnisse. Zwar können auch diese Vorgänge digital vonstattengehen und tun es tagtäglich wohl schon häufiger als analog. Allerdings weisen Studien darauf hin, dass das Lesen von und Lernen mit analogen Texten nachhaltiger ist, weil langsamer und damit tiefgründiger gearbeitet wird als mit digitalen Texten. Diese werden häufig schnell weggewischt, was der Sinnentnahme und dem Leseverständnis schadet. weiterlesen
 
 

10.07.2021

Massentests an Schulen werden weitergeführt

Nach den Sommerferien werden in den beiden Basler Halbkantonen die Massentests bzw. Spucktests an den Schulen weitergeführt. Im Kanton Basel-Stadt wurden bisher nur die Primarschüler/-innen getestet. Das breite Testen in Basel-Stadt wurde aber jetzt auch auf der Sekundarstufe und an den weiterführenden Schulen eingeführt. Die Massentests sollen einmal pro Woche bis mindestens zum Jahresende stattfinden.

Der finanzielle Aufwand ist beträchtlich. Den Kanton Basel-Stadt kosten die Tests bis Ende Jahr rund 15.5 Millionen Franken. Diese Kosten werden jedoch vom Bund vollständig übernommen. Der Katnon muss einzig für logistische Ausgaben 3 Franken pro Test aufwenden. In Basel-Stadt wurden innerhalb von 3 Wochen im Monat Juni 33'000 Tests durchgeführt. Der Kanton Baselland rechnet bis Ende Juli mit 15 Millionen Franken Kosten, denn auch dort ist die Beteiligung an den Massentests beachtlich: Rund 30'000 Tests wurden innerhalb von 21 Tagen im Monat Juni durchgeführt.

Erfreulich ist, dass in den vergangenen 5 Wochen relativ wenige Schüler/-innen ein positives Resultat aufwiesen (siehe folgende Abbildung).

Gleichwohl sind diese Tests wichtig. Insbesondere durch die neue, sich schnell und stark ausbreitende Delta-Variante ist die Situation nicht zu unterschätzen. Die Delta-Variante weist bei den Jugendlichen eine extrem hohe Ansteckung auf.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfielt ausdrücklich, dass die Tests an den Schulen weitergeführt werden. Dadurch kann die Ausbreitung bei Jugendlichen frühzeitig erkannt und bekämpft werden.

Lena Bubendorf
Sekretariat Starke Schule beider Basel

 

03.07.2021

Promotionssystem an den Sekundarschulen

Aufgrund der bestehenden Problematik, dass Schüler/-innen der Sekundarstufe 1 trotz Beförderung die Bedingungen für eine weiterführende Schule nicht erfüllen und auch keine adäquate Lehrstelle finden, hat die Starke Schule beider Basel (SSbB) eine breit angelegte Umfrage zum Thema Promotionssystem an den Sekundarschulen durchgeführt: Eine sehr grosse Mehrheit sieht einen klaren Handlungsbedarf. Viele fundierte Rückmeldungen mit Argumenten zeigen, dass unterschiedliche Lösungsansätze möglich sind. An der Umfrage haben 341 Lehrpersonen teilgenommen.

Am Ende der 1. Sekundarklasse werden viele Schüler/-innen trotz ungenügenden Leistungen in wichtigen Kernfächern (z.B. Mathematik, Deutsch) befördert, weil sie diese durch Fächer aus dem Bereich Phil. 3 (z.B. Werken, Musik, Sport) kompensieren können. Die Schüler/-innen fühlen sich in einer trügerischen Sicherheit und haben in der dritten Sekundarklasse Schwierigkeiten, die Übertrittskriterien für eine weiterführende Schule (FMS, WMS, Gymnasium) zu erfüllen. Sie finden teilweise auch keine Lehrstelle, weil viele Lehrstellenbetriebe insbesondere in den Fächern Deutsch, Mathematik und teilweise auch in Englisch gute Leistungen für die Vergabe einer Lehrstelle verlangen.

Die SSbB hat folgendes Modell 1 des Promotionssystem an den Sekundarschulen vorgeschlagen (vgl. Artikel vom 21.06.2021): Um befördert zu werden, soll neu in allen drei Bereichen Phil. 1, Phil. 2 und Phil. 3 je ein genügender Notenschnitt erreicht werden. Eine ungenügende Note in einem Fach könnte damit nur durch Fächer des gleichen Bereichs kompensiert werden. Zu diesem Vorschlag wurde die Meinung der Lehrpersonen eingeholt, die diesen mit «sehr gut», «gut», «ok» und «gefällt mir gar nicht» bewerten konnten. Im Anschluss konnte die gemachte Angabe in einem freien Textfeld begründet werden. Mit 56.9% beurteilen ihn eine Mehrheit als «sehr gut» oder «gut», 16.3% finden ihn «ok» und 26.9% gefällt der Vorschlag gar nicht (siehe Grafik).

Die Möglichkeit, eine schriftliche Begründung der gegebenen Antwort einzureichen, haben zahlreiche Umfrageteilnehmer/-innen genutzt: Auffallend ist, dass praktisch alle die genannte Problematik erkennen, jedoch viele unterschiedliche Lösungsansätze bestehen. Am von der SSbB vorgeschlagenen Modell 1 wird insbesondere kritisiert, dass einseitig (un-)begabte Schüler/-innen mit der Trennung aller drei Bereiche Phil. 1, Phil. 2 und Phil. 3 keine Kompensationsmöglichkeiten mehr haben. Aufgrund dessen werden im Folgenden drei weitere Modelle (Nr. 2, 3 und 4) des Promotionssystems erläutert, welche in den Rückmeldungen am häufigsten angegeben wurden.

Modell 2
Die Fächer von Phil. 1 und Phil. 2 werden in einem Bereich zusammengefasst und ungenügende Noten können innerhalb dieses neuen Bereichs kompensiert werden. Eine Kompensation mit Fächern aus dem Bereich Phil. 3 ist jedoch nicht möglich. Sprachliche Schwächen können also mit Stärken in den naturwissenschaftlichen Fächern ausgeglichen werden und umgekehrt.

Modell 3
Das Modell 3 ist inhaltlich identisch wie Modell 2, allerdings soll es nur für die beiden Leistungsniveaus E und P gelten. Im Niveau A hingegen wird das aktuelle System belassen, da für diese Schüler/-innen die musischen, respektive handwerklichen Fächer des Bereichs Phil. 3 ebenfalls, wie Deutsch und Mathematik, bei der Suche nach einer Lehrstelle eine wichtige Rolle spielen und so viele Remotionen im A-Niveau vermieden werden können. Als Folge dessen werden im Vergleich zu den Leistungsniveaus E und P die Phil. 3-Fächer für das Niveau A wesentlich gestärkt.

Modell 4
Alle Fächer können wie bisher miteinander kompensiert und ausgeglichen werden, wobei neu die Kernfächer Deutsch und Mathematik in den beiden Leistungsniveaus E und P doppelt zählen. Das heisst: Eine ungenügende Note z.B. in Deutsch zählt als zwei ungenügende Noten, die beide gemäss bisheriger Regelung je doppelt kompensiert werden müssen. Damit werden diese beiden Kernfächer stärker gewichtet als dies heute der Fall ist. Grund dafür ist, dass diese zwei Fächer für jegliche weitere Ausbildungen und Schulen von grosser Wichtigkeit sind und grundlegende Fähigkeiten diesbezüglich praktisch überall verlangt werden.

Damit sich die SSbB ein Bild darüber machen kann, wie die Lehrpersonen die verschiedenen Modelle einschätzen, freuen wir uns über eine Rückmeldung via Mail (starke.schule.beider.basel@gmx.ch). Eingereichte Stellungnahmen zum vorgeschlagenen Modell 1 der SSbB finden Sie hier.

Alina Isler
Vorstand Starke Schule beider Basel

 

01.07.2021 - Gastbeitrag

Es ist nicht alles Gold, was digital glänzt 

Wer treibt die Digitalisierung an den Schulen eigentlich voran? Sind es wirklich die Pädagogen, die Lehrer? Sind es die Eltern oder gar die Schüler? Unsere Volksschulen haben lediglich die Pflicht zur Bildung, nicht aber, das Steuergeld in die Kasse von Techkonzernen zu spülen. Dringend nötig wäre zweierlei: eine ernsthafte Auseinandersetzung über die pädagogische Sinnhaftigkeit der Digitalisierung an Schulen und die Langzeitfolgen «überdigitalisierter» Kinder. Wenn bereits Erwachsene an den negativen Folgen eines hohen Konsums leiden, wie viel mehr gilt dies für Kinder, die noch nicht wirklich in der Lage sind, ihren Gebrauch angemessen zu·regeln, von Kleinkindern ganz zu schweigen. 

Ja, die Digitalisierung bringt Mehrwert und Nutzen, wenn sie das Lernen unterstützen kann. Machen wir die Nutzung respektive den Umgang mit digitalen Geräten aber zur Grundlage und Voraussetzung des Lernens, haben wir etwas Elementares vergessen: Wir leben, gestalten und bewegen uns immer noch in einer primär analogen Welt. Wir wohnen immer noch in physischen Häusern, erfreuen uns immer noch am feinen Geruch und Geschmack der Nahrung, die draussen an den Bäumen oder auf den Feldern wächst, und pflegen die engsten Beziehungen (hoffentlich immer noch} «face to face». Kurzum: Digitalisierung muss auf analog gelernten Kompetenzen in Sprache, Schrift, Rechnen, Handwerk und Realfächern aufgebaut werden und nicht umgekehrt. 

Wenn dieser Digitalislerungstrend an den Schulen weiterhin unreflektiert anhält, werden die Kosten für den Steuerzahler erneut ansteigen. Nicht wegen der Notebooks, sondern weil immer mehr Kinder teure Therapien beanspruchen werden, um ihre psychischen und motorischen Defizite zu behandeln. Wollen wir das? 

Timotheus Bruderer, Wetzikon

 

26.06.2021

Kantonsüberschreitende Mittelschulbesuche aufgehoben

Die vier Kantone Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Aargau und Solothurn haben gemeinsam neue Regelungen betreffend gegenseitige Aufnahme von Schüler/-innen an die Mittelschulen vereinbart. Die konkrete Umsetzung, welche schrittweise eingeführt wird, sieht vor, dass die seit über 20 Jahren bestehenden Verträge betreffend kantonsüberschreitenden Schulbesuch, per Schuljahr 2025/26 aufgehoben werden. Dabei wird jedoch sichergestellt, dass betroffene Schüler/-innen ihren Schulbesuch am gewohnten Schulstandort noch beenden können. Grund für diese Änderung ist in erster Linie die zunehmende Knappheit des Schulraums. Die Schulen brauchen die vorhandenen Plätze für Schüler/-innen des eigenen Kantons und haben keine ausreichenden Kapazitäten, gleichzeitig ausserkantonale Schüler/-innen aufzunehmen.

Insbesondere hart trifft die Aufhebung des Vertrags zwischen den vier Kantonen die Schüler/-innen der Gemeinden Schönenbuch und Allschwil. Die Nähe zur Stadt Basel wird von vielen sehr geschätzt und die Wahl des Gymnasiums oder der Fachmittelschule (FMS) fällt grösstenteils auf einen Basler Standort. Die Stadt bietet den Jugendlichen mit unzähligen Verpflegungsmöglichkeiten, Einkaufsläden sowie der Rheinpromenade ein Stück Freiheit und stellt für die Schüler/-innen einen Schritt ins Erwachsenwerden dar. Mit der neuen Regelung fällt dies jedoch weg und die Schüler/-innen müssen eine weiterführende Schule des Kantons Basel-Landschaft besuchen, was im Falle der beiden oben genannten Gemeinden zukünftig wohl das Gymnasium Oberwil respektive die FMS Muttenz sein wird.

Alina Isler
Vorstand Starke Schule beider Basel

 

21.06.2021

Promotionssystem der Sek. 1 muss verbessert werden

Die Beförderungskriterien, die heute an den Sekundarschulen gelten, haben für Schüler/-innen – wie sich zunehmend zeigt – einen problematischen Nachteil. Dieser sollte möglichst rasch korrigiert werden:

Am Ende der ersten Sekundarklasse werden viele Schüler/-innen trotz ungenügenden Leistungen in massgebenden Fächern (z.B. Mathematik, Deutsch, Englisch) befördert, weil sie diese durch Fächer aus dem Phil. 3 Bereich (Sport, Musik, Bildnerisches Gestalten) kompensieren können. Oft erreichen die Schüler/-innen im Zeugnis sogar mehr Pluspunkte als nötig wären.

Diese trügerische Sicherheit lässt die Schüler/-innen und deren Eltern im Glauben, dass dank dieser Pluspunkte auch am Ende der der Sekundarschule dem Berufswunsch oder dem Übertritt in eine weiterführende Schule (FMS, WMS, Gymnasium) nichts im Wege steht. 

In der zweiten und dritten Klasse nimmt mit der Einführung der Wahlpflichtfächer die Menge der sogenannten «weichen» Fächer im Verhältnis zu den kopflastigen Fächern jedoch ab und das Kompensieren von ungenügenden Noten in Deutsch, Mathematik und Englisch wird immer schwieriger. In der Realität zeigt sich, dass gerade diese Fächer für die meisten Firmen ausschlaggebend sind für die Vergabe von Lehrstellen.

Könnten in der ersten Sekundarklasse Schüler/-innen ungenügende Leistungen in den für viele Firmen ausschlaggebenden Fächern (z.B. Deutsch, Mathematik, Englisch) nicht durch gute Noten in den Fächern aus dem Bereich Phil. 3 kompensiert werden, so müssten sie in der ersten Klasse ihre Leistungen in Mathematik, Deutsch und Englisch verbessern. Durch diese Praxis könnten böse Überraschungen am Ende der Sekundarschulzeit vermieden werden.

Deshalb soll neu gelten: Um promoviert zu werden, muss während der gesamten Sekundarschulzeit in allen drei Bereichen Phil. 1, Phil. 2 und Phil. 3 je ein genügender Notenschnitt erreicht werden. Eine ungenügende Note kann damit nur durch Fächer des gleichen Bereichs kompensiert werden.

Folgend ein möglicher Vorschlag für die Zuordnung:

Phil. 1:  Deutsch, Französisch, Englisch, Geschichte, Italienisch, Lateinisch
Phil. 2:  Mathematik, Biologie, Geografie, Chemie, Physik, MINT

Phil. 3:  Sport, Musik, Bildnerisches Gestalten, Technisches Gestalten, Textiles Gestalten, HW

Regina Werthmüller
Vorstand Starke Schule beider Basel
 
 
 
10.06.2021 - Gastartikel von Prof. Dr. Gerhard Steiner, Universität Basel

Integrative Schule auf dem Prüfstand

So steht es im Untertitel der BaZ-Berichterstattung vom 22.04.2021 über die Grossrats-Debatte vom 21.04.2021. Von «Prüfstand» kann freilich keine Rede sein. Die «Integrative Schule» ist gesetzt, ein bildungspolitisches Dogma. Wer sich ihr gegenüber kritisch zeigt, macht sich unbeliebt. Trotzdem dieForderung im Basler Grossen Rat: «Weiterentwickeln» soll der Erziehungsdirektor die «Integrative Schule» in den kommenden zwei Jahren, und das mit den Lehrerinnen und Lehrernzusammen, denn sie darf nicht scheitern. Ein «Prüfstand» für die «Integrative Schule» ist überfällig, denn die in derselben Grossrats-Debatte genannten Fehlentwicklungen gibt es nicht nur, sie häufen sich ganz offensichtlich, weiten sich aus, führen zu immer mehr und stärkeren Belastungen – Anlass genug zum Nachdenken über den Umgang mit ihnen, vor allem aber über Ursachen und Konsequenzen. Vielleicht sind die Fehlentwicklungen systemimmanent, Zustände am Ende von bildungspolitischen Sackgassen. Falls das zutrifft, gibt es gar nichts zum «Weiterentwickeln».

Stichwort «Integrativ»

«Integrativ» ist die Form der Schulorganisation, die hier im Fokus steht. Frage: Wer soll integriert werden? Antwort: Alle, die irgendwie von den üblichen Erwartungen an Lernende abweichen: sprachlich unzureichend Vorbereitete, solche mit Verhaltensstörungen oder mit Lernschwierigkeiten verschiedenen Ursprungs und Ausprägung. Angesichts der in der politischen Debatte angeführten Fehlentwicklungen frage ich: Kann die «Integrative Schule» diese Aufgabe wirklich bewältigen – mit einem angemessenen Aufwand-Ertrags-Verhältnis?

Lesen Sie hier weiter.

 

05.06.2021

Lehrmittelfreiheit wird in Basel Schritt für Schritt eingeführt

Die Initiative «Lehrpersonen dürfen diejenigen Lehrmittel einsetzen, mit welchen sie die Schüler/-innen am besten fördern können», welche von der Starken Schule beider Basel gemeinsam mit zahlreichen Politiker/-innen am 6. Februar 2020 lanciert wurde, zeigt im Stadtkanton erfreulich schnell Wirkung: So kann auf der Primarstufe das heftig kritisierte Lehrmittel «Mille feuilles» durch «Ça roule» oder «Ça bouge» ersetzt werden. Auf der Sekundarstufe stehen in beiden Fremdsprachen Französisch und Englisch mit «Ça bouge» und «Beyond» ebenfalls gute alternative Lehrmittel zur Verfügung. Auch in anderen Fächern sind weitere Lehrmittel auf die Lehrmittelliste aufgenommen worden, sodass die Lehrpersonen eine Auswahl haben.

Lehrmittelliste enthält mehrere alternativ-obligatorische Lehrmittel

Die beiden folgenden Tabellen geben eine Übersicht über die alternativ obligatorischen Lehrmittel, welche ab dem Schuljahr 2021/22 auf der Primarstufe und der Sekundarstufe 1 gültig sind. Das heisst: Mindestens eines dieser Lehrmittel muss im jeweiligen Fach als unterrichtsleitendes Lehrmittel eingesetzt werden. (Hier finden Sie die vollständigen Lehrmittellisten des Kantons Basel-Stadt.)
 

Fach

Klasse Primarstufe

Alternativ-obligatorische Lehrmittel

Deutsch

1

  • Tobi-Fibel (Cornelsen)
  • Jo-Jo Fibel (Cornelsen)
  • Lesen durch Schreiben (Scola)
  • Leseschlau (LMV Solothurn)
  • Die Buchstabenreise (Klett & Balmer)
  • Die Buchstabentour (Schenker)

2 – 4

  • Sprachfenster (LMV Zürich)

2 – 6

  • Die Sprachstarken (Klett & Balmer)

3 – 6

  • Sprachland (LMV Zürich)

Französisch

3

  • Ça roule (Klett & Balmer)

3 – 6

  • Mille feuilles (Schulverlag plus)

5 – 6

  • Ça bouge (Klett & Balmer)

Mathematik

1 – 6

  • Schweizer Zahlenbuch (Klett & Balmer)
  • Mathematik Primarstufe (LMV Zürich)
  • Mathwelt (Schulverlag plus)

 

Fach

Klasse Sekundarstufe

Alternativ-obligatorische Lehrmittel

Deutsch

1 – 3

  • Die Sprachstarken (Klett & Balmer)
  • Sprachwelt (Schulverlag plus)

Französisch

1 – 3

  • Ça bouge (Klett & Balmer)
  • Clin d’oeil (Schulverlag plus)

Englisch

1 – 3

  • Beyond for Switzerland (Macmillan)
  • New World (Klett & Balmer)

Mathematik

1 – 3

  • Mathbuch (Schulverlag Klett)
  • Mathematik Sekundarstufe (LMV Zürich)
Italienisch
 1 – 3
  •  Tocca a te! (hep)
  • Parla con me (Alma Edizione)

Auch wenn aufgrund des ausgereizten Budgets an einigen Schulen die neuen Lehrmittel in diesem Schuljahr noch nicht bestellt werden konnten, stellen wir fest, dass die geleitete Lehrmittelfreiheit auch in Basel-Stadt Schritt für Schritt eingeführt wird. Das Kernanliegen der Initiative, die unbrauchbaren Passepartout-Lehrmittel durch bewährte Lehrmittel ersetzen zu können, wird zunehmend erfüllt. Die Initiative kann deshalb bereits heute als Erfolg bezeichnet werden, obwohl diese gar nicht eingereicht worden ist. Die Sammelfrist läuft im Oktober 2021 ab.

Initiativkomitee beschliesst die Unterschriftensammlung nicht wieder aufzunehmen

Das Initiativkomitee hat nun beschlossen, die im März 2020 aufgrund der Corona-Pandemie gestoppte Unterschriftensammlung nicht wieder aufzunehmen. Das Sammeln auf der Strasse ist aufgrund der Corona-Pandemie zurzeit nur schwer möglich, womit der effizienteste Weg, die Unterschriften zu sammeln, wegfällt. Das Sammeln mittels Versände und Beilagen wäre nur mit einem erheblichen finanziellen Aufwand möglich.

Der Vorstand der Starken Schule beider Basel vertritt gemeinsam mit den Mitgliedern des Initiativkomitees die Meinung, dass sich die Wiederaufnahme nicht lohnt, weil das Kernziel der Initiative weitgehend erfüllt ist, respektive ab dem kommenden Schuljahr erfüllt wird.

Alina Isler
Vorstand Starke Schule beider Basel
 

03.06.2021

Erneute Zwangsverschiebungen in Baselland

In verschiedenen Baselbieter Gemeinden werden für das kommende Jahr erneut Zwangsverschiebungen vorgenommen. Zahlreiche Familien erhielten vom Amt für Volksschulen (AVS) eine entsprechende Verfügung mit der Ankündigung, dass ihr Kind die Sekundarschule an einem weiter entfernt liegenden Schulstandort besuchen müsse. Dagegen erhebt sich breiter Widerstand.

Die Ankündigung von Zwangsverschiebungen sind auch für das AVS unangenehm, Proteste mit Briefen und Missfallsbekundungen sind zahlreich. Einige erheben Einsprache, auch wenn die Chancen klein sind, die Zwangsverschiebungen damit zu verhindern. Durch diese Verschiebungen sollen Klassen bis zur maximalen Obergrenze aufgefüllt werden, um aus Kostengründen möglichst wenige Klassen bilden zu müssen. Die Gesamtkosten einer zusätzlichen Sekundarschulklasse beträgt jährlich 250'000 Franken.

Aesch und Muttenz trifft es besonders hart

In der Gemeinde Aesch werden ab Sommer 2021 sechs Sekundarschüler/-innen des Niveau P in Reinach und acht des Niveau E in Münchenstein in die Schule gehen. Die betroffenen Eltern sowie der Gemeinderat wehren sich vehement gegen die angekündigten Zwangszuweisungen und fordern das AVS dazu auf, eine Lösung für eine Verbesserung dieser unbefriedigenden Situation zu suchen. Dasselbe Problem besteht auch in Muttenz: Eine zweistellige Anzahl Schüler/-innen werden nach Birsfelden verschoben. Ebenso müssen auch Schüler/-innen von anderen Gemeinden die Sekundarschule in Allschwil absolvieren. 

Insgesamt werden ab Sommer 2021 80 Schüler/-innen in eine andere Schule eingeteilt. Über die Hälfte aller Zuweisungen, insgesamt 57 Stück, sind Schüler/-innen, welche freiwillig einen anderen Schulstandort besuchen möchten. Auf der abgebildeten Grafik sind alle vorgenommenen Verschiebungen des Schuljahres 2021/22 im Kanton Basel-Landschaft abgebildet.

Zwangsverschiebungen bringen pädagogische Nachteile

Die Starke Schule beider Basel (SSbB) lehnt Zwangsverschiebungen als Sparmassnahme ab. Sekundarschüler/-innen sollen die nächst gelegene Sekundarschule besuchen dürfen. Wird dies nicht ermöglicht, so ist der Wechsel in eine weiter entferne Schule immer mit einem teilweise deutlich längeren Schulweg verbunden. Dies führt häufig dazu, dass die betroffenen Kinder über Mittag nicht mehr nach Hause können und sie auswärts essen müssen, was wiederum mit Mehrkosten für die externe Verpflegung verbunden ist. Auch geht damit das für viele Familien wichtige gemeinsame Mittagessen und auch ein Stück Familienleben verloren. Genau deshalb gibt es zahlreiche Familien, die ihren Wohnort bewusst so wählen, dass sich Angebote des täglichen Bedarfs, ÖV-Anschlüsse sowie Schulen und Freizeitangebote in Gehnähe befinden. Müssen die Kinder nun eine Schule einer weiter entfernten Gemeinde besuchen, fällt ein Stück Lebensqualität weg.

Auch aus pädagogischer Sicht geben Zwangsverschiebungen keinen Sinn: Schon lange ist klar, dass Schüler/-innen die vorgegebenen Lernziele besser erreichen, je kleiner die Schulklassen sind. Zurzeit werden zudem bereits im Voraus die Klassenhöchstzahlen so ausgereizt, dass keine Plätze mehr freibleiben für Schüler/-innen, die aufgrund eines Niveauwechsels oder einer Repetition in eine andere Klasse eingeteilt werden. Immer häufiger kommt es in solchen Fällen zu einer Überschreitung der maximalen Klassengrössen.

Die Schule ist zudem einer der wichtigsten Bereiche, um Freundschaften im Kindes- und Jugendalter zu knüpfen. Bereits der Übertritt von der Primar- in die Sekundarschule bereitet vielen Schüler/-innen Sorgen und Ängste. Im Normalfall helfen dabei die bereits bekannten Gspänli, die mit ihnen den Wechsel in die neue Schulumgebung durchmachen. Fällt dieser Aspekt weg und werden die Kinder aus ihrem sozialen Umfeld rausgerissen, fällt der Übertritt noch schwerer.

Alina Isler
Vorstand Starke Schule beider Basel

 

02.06.2021

Maturitätsabschluss an den Gymnasien

Im Jahr 2020 wurden an den fünf Baselbieter Gymnasien (Laufen, Liestal, Muttenz, Münchenstein und Oberwil) an 671 Personen Maturitätszeugnisse vergeben. Interessant dabei ist, dass 56.8% der Abschliessenden Frauen und lediglich 43.2% Männer waren. (siehe folgende Abbildung)
 

Seit einigen Jahren wird auf der Sekundarstufe 1 die Selbständigkeit und das eigenverantwortliche Lernen immer stärker gefördert. Mit dieser neuen Unterrichtsart haben Schülerinnen wesentlich weniger Mühe als die Jungs. Dies, weil Mädchen in diesem Alter gemäss Fachexpert/-innen etwas reifer sind und eine grössere Verantwortung übernehmen können als ihre gleichaltrigen Mitschüler.  Die Jungs haben mehr Mühe. Die Folge ist, dass in Schulklassen des anspruchsvollen Leistungsniveaus P mehr Schülerinnen sitzen und damit mehr Mädchen an Gymnasien übertreten.

 
Interessant ist auch die Geschlechterverteilung der einzelnen Schwerpunktfächer: Gymnasiastinnen bevorzugen moderne Sprachen, zwei von fünf Männer hingegen wählen am liebsten Wirtschaft und Recht. Dieses Fach ist auch allgemein das Beliebteste im Kanton Baselland, dicht gefolgt vom Schwerpunktfach Biologie und Chemie. Indessen immer weniger gefragt sind alte Sprachen; die Abschlüsse in diesen Fächern nehmen weiter ab. (siehe zweite Abbildung)

Lena Heitz
Sekretariat Starke Schule beider Basel

 
 
 
20.05.2021

Mitarbeitendenbefragung 2020 mit durchzogenen Resultaten

Die Resultate der Mitarbeitendenbefragung im vergangenen Jahr bei sämtlichen Kantonsangestellten sind aufgrund der hohen Beteiligung von 61.7% aussagekräftig. Insbesondere die Lehrpersonen aller Stufen beurteilen die Bereiche «Entlöhnung», «Personalentwicklung», «Arbeitsplatz» und «Vertrauen in die übergeordnete Führung» kritischer als die restlichen Kantonsangestellten.

Mit den Anstellungsbedingungen seien die Kantonsangestellten mehrheitlich zufrieden, schreibt die Landeskanzlei in einem Bericht an die Mitarbeitenden anfangs Mai. Verbessert werden müsse jedoch die Leitungsgerechtigkeit des Lohns sowie die Sozial- und Lohnnebenleistungen. Der am kritischsten beurteilte Bereich sei die Personalentwicklung: So gäbe es ein klares Verbesserungspotential bei den beruflichen Entwicklungsperspektiven. Lehrpersonen würden sich nicht nur die Personalentwicklung im Sinne eines hierarchischen Aufstiegs wünschen, sondern auch mittels Erweiterungen des Aufgabengebiets. Der Fokus müsse hier also auch auf die horizontale Entwicklung gelegt werden und nicht nur auf die vertikale. Das Verwaltungspersonal hätte das Thema Arbeitsplatz im Gegensatz zu den Lehrpersonen eher positiv beurteilt.

Auffällig seien auch die Rückmeldungen gewesen, die mit dem Vertrauen in die übergeordnete Führung zu tun hatten. Je kleiner die Berührungspunkte zwischen Lehrpersonen und Personen der übergeordneten Führung seien, desto geringer sei auch das Vertrauen der Lehrpersonen. Eine Verbesserung der Zusammenarbeit und des Austauschs zwischen allen Stufen müsse daher rasch angestrebt werden.

Regierungsrat setzt Arbeitsgruppen ein

Als Massnahme hat der Regierungsrat mehrere kantonale Arbeitsgruppen aus Expertinnen und Experten beauftragt, konkrete Vorschläge bis Ende Jahr auszuarbeiten. Ziel sei es, bei den vier Themenbereichen «Entlöhnung», «Personalentwicklung», «Arbeitsplatz» und «Vertrauen in die übergeordnete Führung» eine höhere Zufriedenheit der Mitarbeitenden zu erzielen.

Unzufriedenheit der Lehrpersonen ist eine Folge der gescheiterten Bildungsreformen

Die in manchen Bereichen wenig zufriedenstellenden Resultate waren beim Lehrpersonal zu erwarten und sind eine logische Folge des deutlich höheren Arbeitsvolumens, das in den vergangenen Jahren aufgrund zahlreicher Bildungsreformen geleistet werden musste. Frustrierend war insbesondere, dass das Scheitern vieler Reformen von den Lehrpersonen frühzeitig erkannt und kommuniziert wurde, gleichwohl das Amt für Volksschulen (AVS) lange und unbeirrt daran festhielt (untaugliche Passepartout-Fremdsprachenideologie, unbrauchbarer Lehrplan, Abschaffung beliebter Einzelfächer, Einführung Sammelfächer, Lernlandschaften usw.). Diese Fehleinschätzungen waren wenig motivierend.

Die Starke Schule beider Basel (SSbB) sieht Handlungsbedarf und erwartet Massnahmen zur Verbesserung der Attraktivität des Lehrerberufs. Die Absichtserklärung der Regierung, die Situation zu überprüfen und Verbesserungen anzustreben, beurteilt die SSbB positiv.

Saskia Olsson
Vorstand Starke Schule beider Basel

 

10.05.2021

Reform ohne pädagogische Basis?

Dauer, das wusste schon der Grieche Heraklit, ist nur im Wandel. Wandel ist demnach immer, Stabilität nur scheinbar. Neu aber ist die Zivilisationsdynamik. Wie ein Wirbelwind stürmt sie daher und reisst Überkommenes mit. Die Gegenwart schrumpft – auch im Pädagogischen. Das Alte lässt sich auf Dauer nicht vor dem Neuen retten. Diese Einsicht gehört zu den Axiomen der Moderne. Sie gilt auch fürs KV, die mit Abstand grösste Berufslehre der Schweiz. Will sie für die Jugendlichen attraktiv bleiben, muss sie sich weiterentwickeln.

Lernen lässt sich nicht abkürzen

Und doch gibt es Konstanten; es gibt Einsichten, die immer gelten und darum keinem Verfallsdatum unterliegen – gerade im Bildungsbereich. Lernen beispielsweise lässt sich nicht beschleunigen. Da gibt es keine Schnellstrassen und keine raffinierten Abkürzungen. Da gelten strapaziöse Fusswege und steinige Bergpfade, da gibt es Dickicht und Umwege. Lernen ist Arbeit, ist Umgang mit widerständigen Materien; der unerlässliche Effort lässt ich nicht minimieren, ausser man will die Lerneffekte reduzieren. Die menschliche Evolution ist eben nicht mit der technischen Innovation gleichzusetzen.[1] Hier sind Riesensprünge nicht möglich.

Das KV steht vor grossem Umbruch

Das scheint die Projektgruppe «Kaufleute 2022» zu vergessen. Seit 2018 ist sie an der Arbeit – als kleines Kernteam hinter verschlossenen Türen und unter absoluter Diskretion. Sie richtet mit der grossen Kelle an und krempelt die kaufmännische Berufslehre komplett um.[2] Seit Kurzem sind die Pläne öffentlich zugänglich; auf das Schuljahr 2022/23 sollen sie in Kraft treten.

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05.05.2021

Zum 10-Jahr-Jubiläum der Starken Schule beider Basel

Es war ein Schlüsselmoment und ein politisches Husarenstück, als sich die Starke Schule und ihr Gründer Jürg Wiedemann damals über Weihnachten 2014 entschlossen hatten, die damalige FDP-Regierungskandidatin Monica Gschwind im Kanton Baselland zu unterstützen. Es läutete den Wendepunkt einer jahrzehntelangen Bildungspolitik unter Herrschaft der SP ein, welche die Baselbieter Schule über eine Generation hinweg mit einem ideologisch geführten Reformwillen zu ersticken drohte. Mit allen bekannten Folgen: schlechte Lehrmittel, ein mit über 3000 Kompetenzen unkontrollierbarer und völlig unverbindlicher Lehrplan und schliesslich den Kompetenzabsturz der Schülerinnen und Schüler in Französisch, Deutsch und Mathe.

Dank der Unterstützung der FDP-Frau ist die Bildungsverwaltung – eine einstige SP-Trutzburg – geschliffen worden; die Starke Schule hat fortan wenigstens ein Ohr (ein Standbein ist es nicht) in der Bildungsdirektion und kann die Bildungspolitik nun nicht mehr nur via einer Flut von mehr oder weniger qualitativ guten Initiativen beeinflussen. Insgesamt waren es 16.

Für diese Strategie liess sich Wiedemann bei den Grünen parteipolitisch kreuzigen. Und er nahm seine Hinrichtung 2015 mit seligem Lächeln hin. Die Liebe zur Schule und das Ziel des Erhalts ihrer Qualität war dem unter Schülern geachteten und beliebten Sekundarlehrer wichtiger als seine Karriere. Überhaupt hat die Starke Schule als eine der wenigen Organisationen in der Schweiz schon vor zehn Jahren die Stimme gegen den Mainstream erhoben, welcher die Schülerinnen und Schüler zum charakterlich besseren Menschen umerziehen wollte. Die Organisation ist dafür diffamiert worden, als der Begriff «Cancel Culture» noch nicht erfunden war.

Ich selber habe es erlebt – als Schulrat und als Journalist – wie die Besserwisser mit verachtenden Blicken den Unbelehrbaren und Sturen aus Birsfelden in den Senkel zu stellen versuchten und ihn als Verräter behandelten. Wiedemann und die Starke Schule haben dieser Ausgrenzung Stand gehalten und sind mit ihrem Mitgliederstamm im Baselbiet inzwischen zu einer referendumsfähigen Organisation geworden, die der Bildungsverwaltung kontrollierend im Nacken sitzen kann. Recht so. Seither haben Kurskorrekturen stattgefunden.

Fast ist man geneigt zu sagen, dass sich die Starke Schule zurücklehnen kann. Zumindest im Baselbiet. Der Kanton ist aus dem Harmoskonkordat ausgestiegen. Neben dem unübersichtlichen Lehrplan-21-Kompetenzkompendium ist es ihr gelungen, einen einfacheren Lehrplan zu installieren. Dieser wird sich durchsetzen, wie sich alles in der Welt durchsetzt, was ökonomischer und einfacher ist. Die für teures Geld eingeführten und doch so schlechten Fremdsprachenlehrmittel dürfen dank der Starken Schule mit der Papiersammlung entsorgt werden.

Was der Starken Schule aber in ihrem Kampf für eine bessere Schule lange Zeit entging, ist die Tatsache, dass das Baselbiet keine bildungspolitische Insel ist, auch wenn Bildungspolitik auf Kantonsebene umgesetzt werden muss. Vielleicht findet sie endlich eine Zusammenarbeit mit Organisationen in anderen Kantonen. Dass sie einen Ableger in Basel-Stadt gegründet hat, ist immerhin ein Lichtblick. Vielleicht schafft sie es auch noch, eigene Impulse zu setzen. Es gibt noch viele Baustellen. Beispielsweise überfordert die immer frühere Einschulung unsere immer jüngeren 1. Klässler und sie hält die immer jüngeren Volksschulabgänger davon ab, sich für die so wertvolle Berufslehre zu entscheiden.

Daniel Wahl
früherer Lehrer und Journalist bei der BaZ

 

02.05.2021

Massnahmen versus Realität

Seit über einem Jahr ist das Coronavirus ein alltägliches Thema und insbesondere an den Schulen omnipräsent. Vom Einhalten der Abstände, zum korrekten Tragen der Masken bis hin zum Organisieren der wöchentlichen Massentests – die Lehrpersonen wurden zu Corona-Aufpassern. Da aufgrund des regelmässigen Testens viele Corona-Fälle frühzeitig erkannt und Übertragungsketten unterbrochen werden können, entschied der Regierungsrat ab dem 1. Mai 2021 die Massnahmen an den Volksschulen schrittweise zu lockern.

Bis anhin galt eine strikte Maskentragpflicht für Schüler/-innen ab der 5. Primarschulklasse auf dem Pausenhof sowie im Schulgebäude. Die einzige Möglichkeit der Maske kurzzeitig zu entkommen, war während dem Einnehmen des Znünis unter Einhaltung eines 1.5 Meter Abstands zu den Mitschüler/-innen. 

Verschiedene Corona-Massnahmen werden gelockert

Nun werden, da die wöchentlichen Massentests gut funktionieren, einige Massnahmen aufgehoben resp. gelockert: Ab Beginn der kommenden Woche ist die Maskentragpflicht für Schüler/-innen im Freien aufgehoben. Bedingung: Die Abstandsregelungen müssen eingehalten werden und die Klassen sollen sich auf dem Pausenareal nicht durchmischen. Ebenfalls gelockert werden die Bestimmungen betreffend Ausflügen und Lagern, welche mit Hygienekonzepten innerhalb der Schweiz wieder durchgeführt werden dürfen. Der dritte Punkt umfasst die Aufhebung des Verbots des Schwimmunterrichts in den 5. und 6. Primarschulklassen.

Obschon ein Grossteil der Betroffenen über die genannten Lockerungen befürworten, sollten die Beschlüsse auch kritisch hinterfragt werden: Was in der Theorie vernünftig und richtig klingt, hinterlässt in der Realität jedoch einen bitteren Nachgeschmack. Im Unterricht mussten die Lehrpersonen die Schüler/-innen immer wieder ermahnen, ihre Maske korrekt zu tragen. Auch die Abstandsregeln auf dem Pausenhof wurden in den vergangenen Monaten oft nicht eingehalten.

Schüler/-innen halten Abstandsregeln kaum ein

Sobald die Schüler/-innen draussen sind, können sie neu unter Einhaltung der Abstände die Masken abnehmen, auch wenn sie nichts essen oder trinken. Wer glaubt, dies funktioniere, hat zurzeit wohl noch nie einen Fuss auf einen Pausenhof gesetzt. Die Schüler/-innen verschiedener Klassen vermischen sich laufend und halten die Abstände kaum oder gar nicht ein.

Trotzdem sind Aufhebungen der Massnahmen zu begrüssen. Insbesondere die nun wieder erlaubte Durchführung von Lagern und Ausflügen sorgen für Lichtblicke in der langen Corona-Zeit, denn viele der sonstigen Highlights neben des gewöhnlichen Schulunterrichts mussten verschoben resp. abgesagt werden.

Alina Isler
Vorstand Starke Schule beider Basel

 

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