Starke Schule beider Basel (SSbB)

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Die Zerrissenheit
der SP-Bildungspolitik

Lesenswerte Reaktion von Felix Hoffmann auf einen Leserbrief von Gemeinde- und Landrat Andreas Bammatter (SP). Felix Hoffmann analysiert die Zerrissenheit der SP-Bildungspolitik. Hier den Artikel lesen.
 

News

  • Sonntag, April 18, 2021

    Matura soll überarbeitet werden

    Eine Expertengruppe, welche in den letzten Monaten eine Reform der Matura ausgearbeitet hat, möchte neue und mehr Grundlagenfächer sowie Vertiefungen in die 4-jährige Schulzeit des Gymnasiums einbauen.

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  • Donnerstag, April 15, 2021

    Primarschulweg verlängert sich auf 40 Minuten

    Ohne jegliche Vorwarnung oder Anhörung wurden die Erziehungsberechtigten einer 3. Primarschulklasse in Binningen im März 2021 darüber informiert, dass ihre Kinder künftig die Schule am anderen Ende des Dorfes besuchen müssen. Die Eltern wehren sich und reichen beim Baselbieter Regierungsrat Beschwerde ein.

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  • Donnerstag, April 08, 2021

    Erhöhte Radonwerte in Schulgebäuden

    Nachdem Landrätin Rahel Bänziger (Grüne Baselland) aufgrund von überstiegenen Radon-Grenzwerten in kantonseigenen Schulgebäuden eine Motion im Landrat einreichte, wurde mittels juristischen Gutachtens herausgefunden, dass eine gesetzliche Grundlage für die Veröffentlichung der genauen Messwerte fehlt.

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Schnitzelbank

Dr Lehrplan Blues

D’Basler Fasnacht fäält halt scho irgendwie.
Gopfried Stutz, das glaubsch jo im Läbe nie!
Scho zwai mol hinterenand isch sie usgfalle.
Do trinksch zwai Dreierli und foosch afo lalle!

Aaber halt emool! In Lieschtl git’s e Zirkus.
Und glaubet mr bitte, i verzell ech kai Stuss.
Är isch an dr Munzacherstrooss und haisst AVS.
In Sache Unterhaltig isch dä halt kai Merzedess.

Die Gnorrli deert, versueche Stofflehrplään z’schryybe.
Aber du glaubsch es nid, sie würde’s lieber lo blyybe!
Denn e so ne eifachi Uffgoob fallt däne richtig schweer.
Nach drei lange Joor isch e männge Plan no immer leer!

Allbott frooge die drimmlige Gnilch d’Lehrkräft um Hilf.
Sie nenne das Prozedere vollmundig «Rücklaufschlaufe».
Aber loos emol, ehrliger wär allwääg «Ändlosschlaufe»!
Nach drei seetige Lätsch stöhn die Globi gäng no im Schilf.

S’Problem: die Lehrplan-Gwaggli kenne aifach nid loose.
Fyr sie isch es nur wichtig z’betoone, sie trage d’Hoose!
Do nutze nadyyrlig au kaini fimf «Ratingkonferänze».
Nach jeedere muesch die Lehrplän jo allewyl schränze.

Das adlig Lehrplan-Lyysi vom AVS will nyt als Kompetänze.
Äss glaubt, suscht kenne d’Schieler in dr Schuel nit glänze.
Aaber Kompetänze kasch halt nur an Stoffinhält vermittle.
Dä Zämmehang isch logisch, do kasch eifach nyd dra rittle.

No git’s aber Hoffnig, dass dä Lehrplan-Murks doch no gliggt.
Dr Byldigsroot nämlig isch mit guete Fachlyt ryychlig b’stickt.
Deert muess die AVS-Glygge ihr Kompetänze-Yyfer ablege.
Suscht duet dr Byldigsroot sy Duume fyr d’Lehrplän nit hebe.

Felix Hoffmann, Lehrer

 

Bildungsinitiative in Basel

Unterschreiben Sie die formulierte Initiative der Starken Schule beider Basel, mit welcher wir der gescheiterten Passepartout-Ideologie ein Ende setzen möchten. Die Initiative verlangt eine echte Lehrmittelfreiheit auch im Kanton Basel-Stadt. Die Lehrpersonen sollen die Lehrmittel "Mille feuilles", "Clind d'oeil" und "New World" durch bewährte Lehrmittel ersetzen können.

Hier können Sie den Unterschriftenbogen herunterladen.

Die Starke Schule empfiehlt bei Sammelständen Schutzmasken zu tragen und beim Ansprechen auf der Strasse einen Abstand von 2 Metern einzuhalten.

 

Spenden

Wir freuen uns über Ihre Spende.

Starke Schule beider Basel
4127 Birsfelden

PC 60-128081-8
IBAN CH98 0900 0000 6012 8081 8

19.04.2021

10 erfolgreiche Jahre Starke Schule

Die Starke Schule hat zehn erfolgreiche Jahre hinter sich. Zwar musste der Verein, oder vielmehr die Bewegung manche Niederlage einstecken, doch insgesamt ist es ihr gelungen, im Kanton Baselland bei den Behörden und  den politischen Akteuren eine pragmatischere Schulpolitik durchzusetzen. Anders als vor Beginn der Aktivitäten der Bewegung orientiert sich die Schulpolitik heute stärker an den Bedürfnissen der Bevölkerung. Die Bildungsbürokraten haben es heute schwer.

Zentral in den letzten Jahren war die Unterstützung von Monica Gschwind bei den Regierungsratswahlen, als es darum ging, Bildungsdirektor Urs Wüthrich abzulösen. Eigentlich ist es ja witzig, dass ausgerechnet die im linken Spektrum entstandene Starke Schule mitgeholfen hat, den Sozialdemokraten Urs Wüthrich durch die Freisinnige Monica Gschwind zu ersetzen. Aber es war halt so: Die Sozis hatten sich etwas gar stark an den intellektuellen Bürokraten orientiert, die meinten, die Bevölkerung sei mit ihren Rezepten zu erziehen. Vielleicht ist es auch das Verdienst der Starken Schule, dass die SP im Baselbiet heute stärker auf ihre Wählerschaft hört und etwas weniger ideologischen Theorien nacheifert.

Die Starke Schule hat es verstanden, den Puls der Bevölkerung zu spüren – in ihrem Fall vor allem den Puls der Schüler*innen und ihrer Eltern. Auch deshalb konnte sie allein durch politischen Druck viele ihrer Anliegen durchsetzen. Kritisch bleibt anzumerken, dass sie oft nur unerwünschte Reformen verhinderte und etwas wenig eigene Reformvorstellungen einbrachte. Vieles ist noch immer im Argen: der ungenügende Stellenwert der Fremdsprachen in der Volksschule etwa, die halbherzigen Digitalisierungsbemühungen, die ideologisch motivierten Versuche, die Schüler*innen charakterlich (um-) zu formen, die ungenügende Ausrichtung der Sek auf die Berufswahl und die berufliche Zukunft der Schulabgänger*innen und vieles mehr.

Vielleicht steht die Starke Schule heute vor dem Problem, dass sich die Schule nicht allein auf politischem Weg verändern lässt. Den Bogen mit den allzu vielen Initiativen hat sie möglicherweise schon überspannt. Jedenfalls wäre es zu begrüssen, wenn ihre Akteure künftig stärker mit dem Lehrer*innenverein, dem VPOD oder mit anderen ihr nahen Organisationen in der Schweiz zusammenarbeiten würde. Letztlich macht nicht die Politik die Schule, sondern die Pädagogik. Nicht das Baselbiet allein, sondern die 26 Kantone zusammen. Der Bewegung Starke Schule Baselland, besonders ihren jungen Kräften, wünsche ich viel Erfolg für die nächsten Jahre.

Thomas Dähler
Journalist der Basler Zeitung

 

18.04.2021
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Harmos-Initiative öffnete alle Türen

Seit zehn Jahren leistet die «Starke Schule» Widerstand gegen den Lehrplan 21. 16 Initiativen hat der Verein bisher lanciert und dabei beachtliche Erfolge erzielt. Nun will die Organisation besser in Entscheide der Bildungsdirektion eingebunden werden, sagt Vorstandsmitglied Regina Werthmüller.

Frau Werthmüller, lassen Sie uns über Initiativen sprechen. 16 Initiativen hat die Starke Schule innerhalb von zehn Jahren lanciert. Was ist der Reiz für Sie an diesem politischen Instrument?
Die erste Initiative gegen die Zwangsverschiebungen lancierte im Jahr 2011 eine Gruppe von Eltern mit Unterstützung einiger Lehrpersonen, weil ihre Kinder nicht in die Sekundarschule Allschwil eingeteilt wurden, sondern in das weiter gelegene Binningen. Der Kanton wollte damit Kosten im Bildungsbereich einsparen. Aus dieser Bewegung entstand der heutige Verein Starke Schule beider Basel, welcher als Basisbewegung funktioniert und sich zum Ziel setzte, mit Volksinitiativen Sparmassnahmen im Bildungsbereich zu verhindern. Initiativen sind ein direktdemokratisches Mittel des Volkes, um sich Gehör zu verschaffen, wenn Regierung und Parlament am Volk vorbei politisieren.

Zu diesem Zeitpunkt sass Jürg Wiedemann, Gründer und Aushängeschild der Starken Schule, bereits für die Grünen im Landrat und Sie folgten noch im gleichen Jahr. Warum war es nicht möglich, die Anliegen der Starken Schule auf parlamentarischem Weg durchzusetzen?
Neben den Volksinitiativen haben wir oft zum fast gleichen Anliegen im Landrat Motionen und Postulate eingereicht. Durch dieses zweigleisige Verfahren, konnten wir den Druck auf die Politik deutlich erhöhen und damit auch taugliche Gegenvorschläge der Regierung erzwingen. Mehrmals wurden unsere Anliegen praktisch vollständig erfüllt, sodass wir Initiativen als erfüllt zurückziehen konnten. Hilfreich war sicher auch, dass nicht nur die Grünen Baselland viele unserer Initiativen unterstützt haben, sondern dass wir im Landrat immer wieder mit unseren Forderungen Mehrheiten finden konnten. Nach der Wahl von Monica Gschwind und damit dem Rausschmiss der SP aus der Regierung erhielten wir von den Grünen Baselland nur noch wenig Support. Der Graben wurde zunehmend tiefer.

Wo sehen Sie den grössten Erfolg der Starken Schule?
Zentral für viele unserer Anliegen war die Initiative zum Ausstieg aus dem Harmos-Konkordat. Sie war möglicherweise die wichtigste Initiative, die uns die Tür öffnete, um den Lehrplan 21 in unserem Kanton zu verhindern. Unser Widerstand gegen das Harmos-Konkordat und das sehr gute taktische Verhalten von Bildungsdirektorin Monica Gschwind führte dazu, dass die Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) den Lehrplan 21 zur beliebig veränderbaren Mustervorlage degradiert hat. Der Kanton Baselland konnte damit seinen eigenen Lehrplan Volksschule Baselland mit Stoffinhalten und Themen einführen. Ebenso konnten wir die Abschaffung der Einzelfächer Geografie, Geschichte, Biologie verhindern.

Nicht geglückt ist Ihnen die Reduktion auf eine Fremdsprache in der Primarstufe. Sehen Sie aktuell noch Handlungsbedarf bei den Fremdsprachen?
Dank der Lehrmittelfreiheit haben die Lehrpersonen die Möglichkeit, die untauglichen Passepartout-Lehrmittel Mille feuilles, Clin d’oeil und New World durch bewährte Lehrmittel zu ersetzen. Damit werden wir den Fremdsprachenunterricht in der Primarschule wenigsten verbessern können. Wir müssen nun beobachten, wie die Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrpersonen mit den neuen Lehrmitteln klarkommen und wie sich die Abkehr von der Passepartout-Ideologie auf das Erreichen der Lernziele auswirkt.

Was sind Ihre Prognosen?
Bereits im ersten Schuljahr mit Lehrmittelfreiheit haben eine unerwartet hohe Anzahl von Fremdsprachenlehrpersonen alternative Lehrmittel bestellt. Dies deutet daraufhin, dass Mille feuilles, Clin d’oeil und New World schneller ersetzt werden als wir dies prognostiziert haben. Eigentlich erstaunt dies nicht. Zu deutlich haben diese Lehrmittel versagt. Ich gehe davon aus, dass die Primarschülerinnen und -schüler in wenigen Jahren die Lernziele in Französisch und Englisch besser erreichen werden.

Was sind die Themen, mit denen die Starke Schule das Stimmvolk künftig an die Urne ruft?
(lacht) Diese Frage hat uns auch SP-Landrat Jan Kirchmayr gestellt, der ebenfalls Lehrer ist. Ich habe ihm angeboten, ein Anliegen zu deponieren. Er plädierte dafür, die 2013/14 in der Nordwestschweiz eingeführten Checks zur Prüfung des Leistungsstands der Schülerinnen und Schüler abzuschaffen. Das ist für uns im Moment noch kein Thema. Priorität hat der Lehrplan der Sekundarschulen. Die Bildungsdirektion ist zurzeit an der Überarbeitung der Stoffinhalte und Themen im Lehrplan. Dieser soll klarer strukturiert und pointierter formuliert werden, was ganz in unserem Sinne ist. Weiter möchten wir uns als offiziellen Berufsverband ab 2022 anerkennen lassen, um damit intensiver mit der Bildungsdirektion zusammenarbeiten zu können. Eine kantonale Volksinitiative steht im Moment nicht an.

Was wäre ihr Profil als Berufsverband in Abgrenzung zum Lehrerinnen- und Lehrerverein?
Für die umfassende rechtliche Betreuung, wie sie der LVB anbietet, sind wir sicher zu klein. Zudem macht der LVB in diesem Bereich eine ausgezeichnete Arbeit. In diesem Bereich braucht es uns nicht. Unser Fokus liegt eher darauf, dass wir personalrechtliche und gewerkschaftliche Anliegen mit politischen Mitteln durchsetzen möchten. Wir wollen in denjenigen Themen aktiv werden, welche die Basis als wichtig erachtet. Das betrifft sicherlich auch Neuerungen und Reformen im Schulbetrieb, die mit der Praxis nicht verträglich sind. Persönlich ist mir aber auch der Musikunterricht wichtig. Auf der Primarstufe wird dieser viel zu stiefmütterlich behandelt. Das beginnt bereits bei der Ausbildung der Lehrpersonen an der Pädagogischen Hochschule.

Wird es auch weniger Initiativen der Starken Schule geben, wenn Sie als Berufsverband vermehrt angehört werden?
Als schlanker und unabhängiger Verein können wir schnell agieren und eine Initiative innert kürzester Zeit lancieren. Dies wird sich sicher nicht ändern. Selbstverständlich würden wir gewerkschaftliche Anliegen verstärkt mit unseren Mitgliedern besprechen. Ein Einbezug der Mitglieder ist uns wichtig. Durch den Einbezug in die bildungspolitische Entscheidungsprozesse hätten wir frühzeitig die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen. Wünschenswert wäre, wenn wir dann weniger oft im Nachhinein die Reissleine ziehen müssten.

Sebastian Schanzer
Journalist der Volksstimme

[Quelle: Interview erschienen in der Volksstimme Nr. 43, 16.04.2021]

 

15.04.2021

Neue Zahlen der jährlichen Übertrittsprüfungen Baselland

Bereits im November 2020 hat die Starke Schule beider Basel (SSbB) einen Artikel (Lesen Sie hier) zu den Zahlen und Statistiken der Übertrittsprüfungen im Kanton Baselland verfasst. Dabei wurde analysiert, woran es liegen könnte, dass so viele Schulkinder die Übertrittsprüfungen von Leistungszug A in den Leistungszug E resp. vom Zug E in den Zug P nicht schaffen.

Dass die Quoten in den letzten Jahren sehr tief waren und im letzten Jahr keiner nach Absolvieren der Prüfung an das Niveau P wechseln konnte, liess uns zu zwei verschiedenen Schlüssen kommen:

  1. Die Einteilung der Primarlehrpersonen ist in fast allen Fällen korrekt, da sie das Leistungspotential ihrer Schützlinge während mehrerer Jahre kennenlernen und dadurch einordnen können.
  2. Die Aufnahmeprüfungen für das nächst höhere Niveau sind zu schwierig, was es den Kindern praktisch nicht ermöglicht, ihr Wissen und ihre Fähigkeiten zu zeigen. Die meisten Primarschüler/-innen (im Schnitt 94.7%) erreichen deshalb die Anforderungsbedingungen nicht.

Die Übertrittsprüfungen für das Jahr 2021 fanden am 1. Februar statt. Wiederum wurden die Schüler/-innen in den Fachbereichen Deutsch und Mathematik geprüft. Im Kanton Basel-Landschaft haben von 168 Schüler/-innen 10 die Übertrittsprüfungen in den Leistungszug E geschafft. 5 von 69 haben den Übertritt vom Zug E ins P erreicht. Der untenstehenden Grafik kann die Entwicklung der Übertrittsresultate der letzten fünf Jahre entnommen werden.

Interessant zum letzten Jahr – als keiner der an den Prüfungen teilgenommenen Schulkinder den Übertritt vom Niveau E ins Niveau P geschafft hat, ist, dass es in diesem Jahr immerhin 5 Schüler/-innen gelungen ist. Dagegen ist die Zahl der Übertritt vom Niveau A ins Niveau E im Vergleich zum letzten Jahr etwas gesunken.

Saskia Olsson
Vorstand Starke Schule beider Basel

 

11.04.2021

Fachdidaktiker/-innen an der PH ohne Unterrichtserfahrung

Fachdidaktik ist eine wissenschaftliche Disziplin mit eigener Forschung, welche insbesondere die Bedingungen und Unterrichtsformen des Lernens erforscht und in einem direkten Bezug zur allgemeinen Didaktik, der Fachwissenschaft sowie der Entwicklungs- und Lernpsychologie steht. In der Fachdidaktik werden Planung und Durchführung der Unterrichtslektionen und deren Analyse untersucht. Die einzelnen Unterrichtssequenzen werden erforscht, reflektiert, die Lernfortschritte untersucht und unterschiedliche Unterrichtsmodelle entwickelt und überprüft. Die angehenden Lehrpersonen werden in die Praxis des Unterrichtens eingeführt. Für den Schulalltag ist ein gesundes Mass an Fachdidaktik wichtig, weil die Junglehrer/-innen das Unterrichten lernen.

Die Starke Schule beider Basel (SSbB) hat mehrere Rückmeldungen erhalten, dass einige Dozierende an der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz (PH FHNW) über keine pädagogische Erfahrung verfügen oder teilweise seit längerer Zeit nicht mehr unterrichten.

Diese Praxis, bei welcher Dozentinnen und Dozenten rein theoretisches Fachwissen ohne jeglichen Praxisbezug an angehende Lehrpersonen vermitteln, ist fragwürdig. Die Folge davon sind theorielastige Seminare und Vorlesungen, die an der PH FHNW durchgeführt werden, ohne Kenntnis, ob das erlangte Wissen im täglichen Unterrichten überhaupt funktioniert. Dies darf nicht Sinn und Zweck dieser Disziplin sein. Die Fachdidaktik verkommt so zu einer weltfremden und realitätsfernen Disziplin. 

Ich erachte es als unabdingbar, dass Fachdidaktiker/-innen einer PH nicht nur über eine langjährige Unterrichtserfahrung verfügen, sondern parallel zu ihrer Anstellung an der PH FHNW zwingend an einer Volksschule (Primarstufe, Sek. I) oder einer weiterführenden Schule (Sek. II) Jugendliche oder junge Erwachsene unterrichten.

Regina Werthmüller, Vorstand Starke Schule beider Basel

 

10.04.2021 - Teil 10

10 Jahre SSbB: Feedback von Mitgliedern

In den vergangenen Tagen haben wir zahlreiche Mails und Briefe von unseren Mitgliedern, Sympathisant/-innen und politischen Gegenspielern mit viel Lob, zahlreichen Ideen und Vorschlägen, aber auch mit Kritik erhalten. Eine Chronologie der Entstehung und Geschichte der Starken Schule beider Basel (SSbB) finden Sie hier. Wir freuen uns, wenn auch Sie uns eine Statement einsenden. Klicken Sie dazu hier.

Starke Schule beider Basel - echt stark

Seit Beginn eures Engagements verfolge ich eure Arbeit und bin erstaunt, wie lange eure Aktivitäten für die Verbesserung der Schulqualität im Kanton BL und jetzt auch BS nun schon dauern. Ich möchte eurem Verein und dem Vorstand für die erbrachte Arbeit und die grossen Erfolge von Herzen gratulieren. Es war für mich als ehemalige Lehrperson oft unverständlich und deprimierend, mit ansehen zu müssen, wie unsere Schule durch die vielen praxisfremden sogenannten Reformen immer schlechter wurde und im nationalen Vergleich immer weiter nach hinten rutschte. Mit euren Vorstössen und Initiativen habt ihr erreicht, dass sich die Schule wieder in die richtige Richtung bewegt, nämlich dazu, die Schülerinnen und Schüler zu urteilsfähigen, kritischen, selbstsicheren, fachlich kompetenten und motivierten jungen Menschen zu führen. Diese Vielzahl von Projekten setzt intensive Arbeit voraus, die nur möglich ist, wenn ein effizienter Vorstand dahintersteckt. Ich möchte deshalb insbesondere dem Sekretariat rund um Alina Isler und Saskia Olsson ein besonderes Kränzchen widmen. Ihr habt entscheidend dazu beigetragen, dass eure Bewegung so erfolgreich ist. Ich wünsche der Starken Schule weiterhin viel Glück, Ideen, Kraft und Durchsetzungsvermögen im Sinne von "Starke Schule beider Basel - echt stark!"
René Walde, Allschwil

Pionierleistung in Sachen Bildungspolitik

Die Starke Schule beider Basel hat in den letzten zehn Jahren in Sachen Bildungspolitik eine Pionierleistung vollbracht. Sie hat vor allem mit Initiativen dafür gesorgt, dass fragwürdige und ideologische Teile der laufenden Bildungsreformen kritisch diskutiert und auch korrigiert werden. Sie vermochte in Baselland mit dem Zuspruch und der Unterstützung von vielen Mitgliedern und Sympathisanten eine politische Macht zu werden. Hoffentlich wird sie das auch noch für den Kanton Baselstadt. Da sie in Baselland "initiativfähig" ist, darf sie aber den Bogen nicht überspannen und fortgesetzt einen "Initiativsturm" entfachen. Sie sollte das Instrument der Initiative wohl überlegt einsetzen, ansonsten wird die Stimmbevölkerung der Bildungsanliegen überdrüssig. Ich wünsche der SSbB weiterhin viel Erfolg und Durchhaltewillen!
Dr. phil. René Roca, Oberrohrdorf-Staretschwil
 

08.04.2021

Eine neue Studie zum Passepartout-Lehrmittel Clin d’oeil1

Die bisher bekannten Studien zu den Passepartout Französischlehrmitteln Mille feuilles und Clin d’oeil erfahren durch eine neue Masterarbeit eine notwendige und brisante Ergänzung.

A. Datenerhebung

Christian Henzi unterzieht das Sekundarschul-Französischlehrmittel Clin d’oeil, das an Mille feuilles anschliesst, einer sorgfältigen Analyse. Die Daten für seine Untersuchung gewinnt er aus drei Erhebungen:

  1. Eine Umfrage unter Lehrpersonen in BL und BS, auf die 41 Angefragte geantwortet haben. Sie bewerten Clin d’oeil aufgrund ihrer praktischen Erfahrung, wobei der Schwerpunkt darauf ausgerichtet ist, wie weit sich die von den Lehrpersonen erwarteten Kompetenzen mit dem Lehrmittel erreichen lassen.
  2. Ein ausführliches, gelenktes Interview mit zwei Lehrpersonen, die konträre Ansichten zur Mehrsprachigkeitsdidaktik vertreten, um Gelungenes und Misslungenes in Clin d’oeil differenziert erläutert zu bekommen.
  3. Ein Vergleich zwischen den didaktischen Grundsätzen von Passepartout mit deren Umsetzung speziell in Clin d’oeil 7.2 «Biz’Art?» und darüber hinaus generell in den Lehrmitteln Mille feuilles und Clin d’oeil.

B. Resultate der Erhebung

Henzi stösst auf einige Mängel und Ungereimtheiten. Er zeigt detailliert auf, dass die didaktische Theorie im Lehrmittel nur unzureichend, in einigen Fällen auch gar nicht oder handkehrum wieder allzu sklavisch ohne Rücksicht auf lernpsychologische Gegebenheiten umgesetzt wird und dass die schulischen Bedingungen zur Zielerreichung oft nicht gegeben sind. Er kann mit seiner Studie eine Erklärung liefern, warum die von Wiedenkeller et al. erhobenen Testresultate (2019)2 derart enttäuschend ausgefallen sind. Er weist damit auch nach, dass manche Kritik an den Lehrmitteln nicht einfach böswillige Polemik ist, sondern sachlich begründet werden kann. Mit den gewonnenen Erkenntnissen gestaltet Henzi das Material des Heftes Clin d’oeil 7.2 neu, so dass Ziele und Umsetzung deutlicher übereinstimmen und Praxisbezug und Lerneffekt verbessert werden.

C. Hier einige Befunde der Analyse im Überblick

1. Der propagierte natürliche Spracherwerb: Clin d’oeil möchte sich am natürlichen, ungesteuerten Spracherwerb orientieren, durchbricht diese Absicht jedoch mit Sprachreflexionen, Lernstrategien, Wortschatzlisten. Würde man den «natürlichen Spracherwerb» ernst nehmen, müsste ein immersiver Sachunterricht in der Fremdsprache genügen. Dieser ist jedoch auf Primar- und Sekundarstufe nicht vorgesehen. Damit stösst der natürliche Spracherwerb wegen der beschränkten Unterrichtszeit, der Künstlichkeit der Schulsituation und der Unmöglichkeit eines echten «Sprachbades» an enge Grenzen.

2. Authentische Texte und Nachhaltigkeit des Lernens: Reichhaltiges, ansprechendes authentisches Material zu den Themen steht in Clin d’oeil unbestrittenermassen zur Verfügung. Dieses wird jedoch didaktisch zu wenig aufbereitet, so dass kein vertieftes Verstehen und nachhaltiges Lernen stattfinden kann. Oft beschränkt sich die Schülertätigkeit auf unbestimmtes Anhören, Anschauen, Durchlesen ohne verständnisleitende Anstösse (Sight-Seeing). Auch der Memorierungs- und Übungsphase wird zu wenig Beachtung geschenkt, weil das Autorenteam mechanisch-repetitives Üben unter allen Umständen vermeiden will. Die Folge: Wenn in Clin d’oeil Themen aus Bänden von Mille feuilles aufgegriffen werden, fehlt die Erinnerung an damals Behandeltes, und es kann nicht daran angeknüpft werden. Grundlegende Prinzipien des schulgemässen Lernens werden im Glauben an den Erfolg eines natürlichen Spracherwerbs mit authentischem Material missachtet. 

3. Sprachlicher Schwierigkeitsgrad: Der Aufbau von Clin d’oeil folgt dem Prinzip der altersgerechten Themen und nicht einer systematischen Entwicklung von Strukturen und Wortschatz, wie in anderen Lehrmitteln üblich. Dadurch enthalten die Texte einen sprachlichen Schwierigkeitsgrad, der Muttersprachigen wohl angemessen wäre, lernende Anderssprachige, besonders die schwächeren, oft jedoch so sehr überfordert, dass kein verarbeitendes Lernen stattfindet. Das wissenschaftlich nicht nachvollziehbare strikte Verbot, Texte zu didaktisieren, erweist sich damit als pädagogischer Bumerang. Der grosse Material- und Zeitaufwand verpufft letztlich fast wirkungslos.

4. Versäumnisse bei der Umsetzung der didaktischen Grundsätze: Clin d’oeil möchte Ernst machen damit, dass sinnvolle und handlungsorientierte Aufgaben nachweislich den besten Lerneffekt haben. Tatsächlich zeigt Henzis Analyse, dass die acitivités und die tâches mehrheitlich rein reproduktive Tätigkeiten verlangen, wie Ablesen, Zuordnen, Zusammenstellen von Äusserungen aus Listen, Vorlesen von Sätzen oder auswendig gelerntes monologisches Sprechen, nicht aber kommunikativ echtes Handeln. Offensichtlich haben methodische Ideen für einen lebensnahen Informationsaustausch gefehlt, wobei das Verbot, Situationen zu simulieren, und das Gebot, sich auf die «echte» Klassenzimmersituation zu beschränken, die Möglichkeiten unnötig einengen.

5. Wortschatz: Der Aufbau des Wortschatzes erfolgt nicht systematisch, sondern richtet sich nach den Themen, die in den Texten behandelt werden. Das führt dazu, dass Wörter eines thematischen Feldes nicht zusammen, sondern über viele Einheiten und Lernjahre verstreut vorkommen. Die Idee, dass die Lernenden so einen brauchbaren Wortschatz konstruktivistisch aufbauen, funktioniert unter schulischen Bedingungen allerdings nicht. Ausserdem kann Henzi zeigen, dass der Wortschatz in Mille feuilles und Clin d’oeil gemessen am statistisch ermittelten Grundwortschatz anteilmässig viel zu wenige Nomen umfasst. Eine Ausnahme bildet der Klassenwortschatz, der kontinuierlich angewendet wird, jedoch auch zu wenige Nomen enthält.

6. Funktionale Mehrsprachigkeit und korrekter Sprachgebrauch: Clin d’oeil ist der funktionalen Mehrsprachigkeit verpflichtet, was bedeutet, dass alle sprachlichen Äusserungen, auch fehlerhafte, akzeptiert werden, solange sie verständlich sind und die Kommunikation ermöglichen. Entsprechend oberflächlich wird in den activités grammatikalisch gelernt und geübt. Im Widerspruch dazu verlangt die summative Übung tâche am Abschluss jeder Lerneinheit plötzlich dennoch sprachliche Korrektheit als Beurteilungskriterium.

7. Novitätsanspruch: In den Elterninformationen und in den theoretischen Erläuterungen zu Passepartout wird der Anspruch erhoben, Mille feuilles und Clin d’oeil könnten durch altersgerechte Themen, Handlungsorientierung, Strategien und den Verweis auf andere Sprachen die Motivation besser fördern als bisherige Lehrmittel. Henzi kann jedoch nachweisen, dass Erläuterungen zum Lehrmittel Bonne Chance bereits vor über 30 Jahren mit denselben Argumenten den kommunikativen Fremdsprachenunterricht propagierten. Neu ist lediglich der Verzicht auf einen systematischen Sprachaufbau, auf simulierte Rollenaktivitäten und auf intensives Üben. Also genau das, was erfolgreiches Sprachenlernen und Sprachhandeln ermöglichen würde.

D. Überarbeitung eines Magazine

Henzi zeigt im abschliessenden Teil seiner Masterarbeit auf, wie die festgestellten Mängel mit einer völligen Überarbeitung des Magazine 7.2 zu beheben wären. Er verbindet die thematisch lose verknüpften Teile durch eine Geschichte mit jugendlichen Identifikationsfiguren, erhält dadurch die Möglichkeit, ergiebige Kommunikationssituationen zu simulieren und rückt durch den Fokus auf Wortschatz und Strukturen das sprachliche Lernen in den Vordergrund. Die Ausgangsmaterialien werden durch Verständnisaktivitäten besser erschlossen, der zu lernende Wortschatz klar definiert. Diese Adaptation zeigt, welchen Aufwand es bräuchte, um Clin d’oeil zu einem didaktisch lerngerechteren Lehrmittel umzugestalten. Aus verlagsrechtlichen Gründen kann dieser Teil der Masterarbeit nur beschrieben, jedoch nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Felix Schmutz
 

1 Christian Henzi, Clin d’oeil - Ein Lehrmittel in der Kritik, Eine umfassende Analyse des Französisch-Lehrmittels auf Sekundarstufe 1, Masterarbeit, Eingereicht bei der pädagogischen Fachhochschule Nordwestschweiz (PH FHNW), 2021.

2 Wiedenkeller, E. & Lenz, P. (2019). Schlussbericht zum Projekt‚ Ergebnisbezogene Evaluation des Französischunterrichts in der 6. Klasse (HarmoS 8) in den sechs Passepartout-Kantonen‘. Durchgeführt von Juni 2015 bis März 2019 am Institut für Mehrsprachigkeit der Universität und der Pädagogischen Hochschule Freiburg im Auftrag der Passepartout-Kantone. Freiburg: Institut für Mehrsprachigkeit, https://doc.rero.ch/record/324704.

 
 

Das lange Ringen um eine bessere Schule

Die zehnjährige Geschichte der Starken Schule beider Basel ist im Baselbiet eine Erfolgsgeschichte. Sie hat durchgesetzt, dass es weiterhin einen Lehrplan mit Stoffinhalten und Themen gibt, umstrittene Lehrmittel wie das «Mille feuilles» erfolgreich bekämpft, die Abschaffung der Fächer Biologie, Geografie und Geschichte vereitelt und dafür gesorgt, dass die maximalen Schülerzahlen pro Klasse reduziert werden.

Eine konservative Organisation im Kampf gegen alle Schulreformen? «Bei Bildungsreformen muss doch geprüft werden, ob sie einen Gewinn bringen oder nicht», verteidigt sich Jürg Wiedemann, ehemaliger Landrat und treibende Kraft der Starken Schule, im Interview mit der Basler Zeitung. Wiedemann ist überzeugt, dass die Schule im Baselbiet vor zehn Jahren besser war – und dass gute Resultate in Vergleichstests dank der Starken Schule in Zukunft wieder möglich werden.

Dass es für die Starke Schule auch Abstimmungsniederlagen absetzt wie im vergangenen Monat, schmerzt Wiedemann nicht allzu sehr. Volksinitiativen sind für ihn und seine Weggefährten vor allem ein Druckmittel. Der ehemalige Landrat Wiedemann wehrt sich auch gegen den Vorwurf, die Starke Schule übertreibe es mit Initiativen: «Hätte die Starke Schule wirklich zu viele Initiativen lanciert, dann hätten wir in den vergangenen zehn Jahren kaum diese regelmässigen Erfolge erzielt.»

 

Zuletzt setzte es eine Abstimmungsniederlage ab. Doch insgesamt sind die zehn Jahre Starke Schule beider Basel von Alt-Landrat Jürg Wiedemann eine Erfolgsgeschichte. Ein Interview.

Zehn Jahre Starke Schule Baselland, ein Jahr davon Starke Schule beider Basel: Sie haben im Baselbiet den meisten Anliegen, die Sie eingebracht haben, zum Durchbruch verholfen. Kann sich die Starke Schule demnach in den Ruhestand begeben?Es gibt mehrere offene Baustellen, die wir weiterverfolgen möchten: so etwa den Lehrplan, der bis Mitte 2022 überarbeitet wird. Auch die Digitalisierung mit den neu eingeführten iPads an den Sekundarschulen ist ein Thema, das bei allen Vorteilen nicht ganz unproblematisch verläuft. Zunehmend gelangen Lehrpersonen an uns, die wir in personalrechtlichen Fragen beraten und deren Interessen wir vertreten; deshalb möchten wir uns ab 2022 auch als Berufsverband anerkennen lassen.

Wie viele Mitglieder haben Sie?
Das können wir nicht genau sagen. Wir haben eine Adresskartei mit 6300 Personen, die uns aktiv oder finanziell mit Spenden oder Mitgliederbeiträgen unterstützen.

Weshalb wollen Sie neuerdings auch in Basel-Stadt aktiv werden? Erziehungsdirektor Conradin Cramer vollzieht ja vieles, was im Baselbiet dank Ihren Initiativen umgesetzt ist.
Herr Cramer hatte, zwei Tage bevor wir die Initiative für Lehrmittelfreiheit gestartet haben, in einer Medienmitteilung angekündigt, dass die Lehrpersonen wie in Baselland eine Lehrmittelauswahl bekommen sollen. Er hatte offensichtlich den Druck der Initiative gespürt und reagiert. Gut möglich, dass unsere Initiative ausreichend erfüllt wird und damit gar nicht mehr eingereicht werden muss. Dies werden wir auf jeden Fall prüfen. Volksinitiativen sind, wie das Beispiel zeigt, ein wirksames Mittel, um Verbesserungen im Bildungssystem anzustreben.

In der Bilanz Ihrer zehnjährigen Tätigkeit stellen wir fest, dass Sie vor allem gegen Neuerungen angetreten sind oder Reformen verhindern wollten. Wie konservativ ist die Starke Schule?
Bei Bildungsreformen muss doch geprüft werden, ob sie einen Gewinn bringen oder nicht. Das beste Beispiel für eine Fehlentwicklung ist der Fremdsprachenunterricht in Französisch und Englisch mit den Lehrmitteln «Mille feuilles», «Clin d’œil» und «New World». Inzwischen belegen alle Studien, dass die Schülerinnen und Schüler die Lernziele mit diesen Lehrmitteln und der dahintersteckenden Ideologie nicht erreichen können. Die Baselbieter Bildungsdirektion und das Amt für Volksschulen haben sich extrem lange geweigert, über die Bücher zu gehen. Wir mussten mit mehreren Initiativen für Druck sorgen. Ebenso gelang es mit vielen Initiativen, Sparmassnahmen im Bildungsbereich zu verhindern und mit der Reduktion der maximalen Schülerzahl pro Klasse bessere Lernbedingungen zu erreichen. Die Starke Schule verhindert lediglich untaugliche Reformvorhaben wie zum Beispiel die Abschaffung der Fächer Biologie, Geografie und Geschichte an den Sekundarschulen.

War die Schule vor zehn Jahren besser als heute?
Als Sekundarlehrer kann ich heute nicht mehr die gleiche Leistung verlangen wie vor zehn Jahren.

Vielleicht liegt das ja auch an gesellschaftlichen Veränderungen. Hat sich die Schule in den letzten zehn Jahren in eine falsche Richtung entwickelt?
Es hat Reformen gegeben, die zu einem Bildungsabbau führten. Etwa die Ideologie der Frühfremdsprachen oder der rein kompetenzorientierte Lehrplan 21 mit dem selbst organisierten Lernen. Die Schülerinnen und Schüler können Wichtiges und weniger Wichtiges kaum mehr auseinanderhalten.

Sie verweisen auf landesweite Entwicklungen. Weshalb suchen Sie nicht Verbündete in anderen Kantonen?
Der Vorstand der Starken Schule ist zu klein. Unsere Stärke reicht für Aktivitäten und Initiativen auf kantonaler Ebene. Zusammen mit Verbündeten auf nationaler Ebene tätig zu werden, würde unser Arbeitsvermögen übersteigen.

Sie konzentrieren sich auf Strukturen und Rahmenbedingungen, kümmern sich aber wenig um die Praxis in den Schulen. Weshalb reagieren Sie nicht, wenn Vergleichstests den beiden Basel schwache Schulleistungen bescheinigen?
Wir tauschen uns mit dem Lehrerinnen- und Lehrerverein aus und profitieren so gegenseitig voneinander. Betreffend Auswertung von Vergleichstests leistet der Lehrerinnen- und Lehrerverein eine ausgezeichnete Arbeit, von der wir profitieren können. Wir sehen uns nicht als Konkurrenten, sondern arbeiten eng zusammen und ergänzen uns. Zusammen sind wir stärker.

Ihre letzte Initiative im Baselbiet ist an der Urne deutlich bachab geschickt worden, obwohl sie von den Lehrerinnen und Lehrern unterstützt wurde. Weshalb wählen Sie den Alleingang und bemühen sich nicht um Unterstützung anderer?
Kurz vor dieser Abstimmung kündigte die Bildungsdirektion entscheidende Kompromisse an: So können die Lehrpersonen künftig frei wählen, ob sie mit den Kompetenzbeschreibungen des Lehrplans 21 arbeiten wollen oder mit Stoffinhalten und Themen. Ebenso erhielt das Amt für Volksschulen den Auftrag, den Lehrplan zu überarbeiten, insbesondere die Stoffinhalte im Lehrplan klarer zu formulieren. Damit wurden zwei wichtige Forderungen erfüllt, sodass das Abstimmungsresultat an Bedeutung verloren hat. Faktisch waren unsere Anliegen bereits vor der Abstimmung weitgehend erfüllt.

Übertreiben Sie es nicht mit Initiativen? Das Volk hat genug von den vielen Urnengängen über die Schule.
Zum Lehrplan waren es nur zwei Initiativen. Ohne diese gäbe es im Kanton Baselland die beiden Lehrplanteile Stoffinhalte und Themen und Kompetenzbeschreibungen nicht. Wir hätten lediglich den Lehrplan 21 mit seiner gigantischen Anzahl Kompetenzbeschreibungen. Das ist ein riesiger Unterschied und eine deutliche Verbesserung. Hätte die Starke Schule wirklich zu viele Initiativen lanciert, hätten wir in den vergangenen zehn Jahren die Erfolge nicht erzielt.

Ein besserer Lehrplan, die Lehrmittelfreiheit für Lehrerinnen und Lehrer: Können wir jetzt davon ausgehen, dass Baselland bei den nächsten Vergleichstests bessere Resultate erzielt?
Ich bin überzeugt, dass wir in einigen Jahren wieder die guten Resultate wie vor zehn oder zwanzig Jahren erzielen können.

Herr Wiedemann, Sie sind nicht mehr Mitglied im Landrat. Entsprechend beschäftigt sich das Baselbieter Parlament weniger mit Ihren Anliegen. Reduziert die Starke Schule ihre politischen Aktivitäten? Oder versuchen Sie, neue Parlamentarierinnen und Parlamentarier in den beiden Basel zu gewinnen?
Durch unser Vorstandsmitglied Regina Werthmüller sind wir noch immer im Landrat vertreten und können so unsere Anliegen einbringen. Wir erhoffen uns zusätzliche Impulse, wenn die Starke Schule offiziell als Berufsverband anerkannt wird. Politikerinnen und Politiker sind selbstverständlich bei uns jederzeit willkommen. Historisch bedingt sind wir politisch aber im Mitte-links-Spektrum zu Hause.

In ein paar Jahren treten Sie in den Ruhestand. Wird die Starke Schule beider Basel mit Ihnen in den Ruhestand gehen?
Davon gehe ich nicht aus. Solange immer wieder junge engagierte Personen aktiv mitarbeiten wollen und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, wird es die Starke Schule geben. Möglicherweise also noch eine ganze Weile.

Thomas Dähler, BaZ-Journalist

 

05.04.2021 - Teil 9

Die Halbstarken aus einem halben Kanton oder
«le village des irrésistibles»

Die «Halbstarken" legten anfangs der 60-er Jahre Innenstädte lahm, prügelten sich mit Polizisten und galten als Symptom des Werteverfalls – ein Irrtum, wie sich heute herausstellt. Denn die in Lederjacken daherkommenden Rowdys erschütterten die damalige deutsche Leitkultur und die saturierte Genügsamkeit des Establishments. Auch meine Eltern enervierten sich heftigst über das provozierende Gehabe dieser jungen verwöhnten Rotzlöffel, die lieber mal arbeiten sollten, als die Arbeitenden zu verhöhnen. Nun stellte sich aber im Nachhinein heraus, dass diese Jugendlichen vorwiegend aus der damals noch zahlenmässig starken Arbeiterklasse stammten und durchaus wussten, wie das Berufsleben aussah.

Sie wissen wovon sie reden

Damit wäre auch der erste Treffer meiner gewagten Metapher erzielt. Viele Leute der Starken Schule kommen aus dem Lehrberuf, will heissen, sie wissen, wovon sie reden. Die Protagonisten der Starken Schule prügeln sich zwar nicht und auch punkto Alter und Outfit erinnert bei ihnen nichts an die Cowboystiefelträger der 60-er Jahre.

Aber mit ihrer stoischen Unbekümmertheit bringen sie die Bildungsbürokratie ihres Kantons und einen Teil des Establishments immer wieder in Rage, wie es den «Halbstarken» zu ihrer Zeit gelang. Und sie haben mit ihrem Draufgängertum und ihrer teilweisen zu Schau gestellten Kompromisslosigkeit Erfolg. Die Hälfte aller Initiativen gewonnen, welche Bewegung in der Schweiz kann dies schon von sich behaupten?

Sie wissen genau, was nicht funktioniert

Ein grosser Unterschied besteht natürlich und da hat auch meine Metapher ihr Ende. Die Leute der Starken Schule wissen genau, was sie nicht wollen, und sie wissen, was nicht funktioniert. Und hier fällt mir unweigerlich eine zweite Metapher ein. Es ist das legendäre Dorf der «irrésistibles Gaulois», die gestärkt durch einen Zaubertrank dem römischen Imperium standhalten.

 

In diesem kleinen Halbkanton ticken die bildungspolitischen Uhren anders als in der Restschweiz, die sich scheinbar widerstandslos dem Kompetenzdiktat unterwirft. Der rebellische Verein mit markanten Persönlichkeiten wie Jürg Wiedemann, Alina Isler, Regina Werthmüller oder Saskia Olsson wird auch von vielen Eltern unterstützt. Nicht vergessen dürfen wir, dass in diesem Kanton noch ein verhältnismässig aufmüpfiger LehrerInnenverein wirkt mit einem intelligenten Präsidenten Roger von Wartburg und dem blitzgescheiten Analytiker Philipp Loretz. Und auch die SP-Baselland denkt und handelt bildungspolitisch ziemlich anders als ihre Mutterpartei.

Wie im Gallierdorf geben sich die Protagonisten zwischendurch tüchtig aufs Dach, um dann gemeinsam umso heftiger zuzuschlagen, wenn es gegen die Römer geht. Die 84.4% JA zur Lehrmittelfreiheit lassen grüssen.

Vermutlich gibt es ja zwischen Muttenz und Frenkendorf doch diesen legendären Zaubertrank, der solche Typen hervorbringt. Ob Halbstarke oder widerspenstige Gallier, die Redaktion des Condorcet-Blogs ist stolz, drei dieser «Irrésistibles» in ihren Reihen zu wissen: Alina Isler, Felix Hoffmann und Philipp Loretz. Wer sich übrigens von den Diffamierungsversuchen des spiessigen Stadt-Halbbruders verunsichern lässt, die dieses widerspenstige Dorf mit seinen Rebellen als rückständig bezeichnen, kann getrost auf die Ergebnisse der ÜGK warten.

Congratulations aus der «besetzten» Restschweiz!
Alain Pichard, Biel
 
 

04.04.2021 - Teil 8

10 Jahre SSbB: Feedback von Mitgliedern

In den vergangenen Tagen haben wir zahlreiche Mails und Briefe von unseren Mitgliedern, Sympathisant/-innen und politischen Gegenspielern mit viel Lob, zahlreichen Ideen und Vorschlägen, aber auch mit Kritik erhalten. Eine Chronologie der Entstehung und Geschichte der Starken Schule beider Basel (SSbB) finden Sie hier. Wir freuen uns, wenn auch Sie uns eine Statement einsenden. Klicken Sie dazu hier.

Mut, Stehvermögen und Opferbereitschaft

Dem unermüdlichen Einsatz des Vorstandes ist es zu verdanken, dass viele schulpolitische Fehlentscheide, die top-down in Unkenntnis der Realitäten und in blauäugigem ideologischen Eifer verfügt wurden, korrigiert und in vernünftige Bahnen geleitet werden konnten. Das brauchte und braucht nach wie vor Mut, Stehvermögen und eine grosse Opferbereitschaft, um im Interesse der Kinder und Jugendlichen unentgeltlich für ein gutes schulisches Angebot zu kämpfen.
Felix Schmutz, Allschwil 

Danke

Ich werde der SSbB immer dankbar sein, dass ich kein Sammelfach unterrichten und in einem mir nicht so geliebten Fach (GS) eine Weiterbildung besuchen muss.
Roger Huber

Ohne die SSbB sähe die Bildungslandschaft anders aus

Die SSbB hat im Bildungsbereich sehr vieles bewegt und erreicht. Auch wenn wir aus unterschiedlichen politischen Lagern kamen, hatte ich in Jürg Wiedemann oder er in mir immer einen politischen Weggefährten, der in Bildungsfragen wusste, wovon er sprach. Ohne die SSbB sähe die heutige Bildungslandschaft in unserem Kanton anders aus. Die Beharrlichkeit und Ausdauer haben sich mehr als gelohnt. Weiter so!
Paul Wenger, e Landrat SVP, Reinach
 
 

04.04.2021 - Teil 7

Konservative Verhinderer? Gedanken zum Erfolg der SSbB

In den Augen vieler «fortschrittlich» gesinnter Zeitgenossen sind die Vertreter der «Starken Schule beider Basel» (SSbB) nichts anderes als konservative Verhinderer, die sich die Schule zu Zeiten Gotthelfs zurückwünschen. Im folgenden versuche ich die Wirkung dieses Vereins aus einer deutschschweizerischen Perspektive in einen etwas breiteren Zusammenhang zu stellen. Wie lässt sich der Erfolg der SSbB erklären?

Drei Entwicklungen stechen ins Auge

Wenn wir die Schulpolitik der letzten Jahre überblicken, stechen drei Entwicklungen ins Auge: Erstens die zunehmende Professionalisierung durch demokratisch nicht legitimierte «Experten», welche unsere Laienpolitiker und die Bildungsämter «beraten». Zweitens die Aufblähung und Hierarchisierung der Bildungsverwaltung inklusive der ungebremsten Aufstockung der Schulleiter-, Gesamtschulleiter- und Schuldirektorenpensen. Und drittens die forcierte interkantonale «Harmonisierung» durch die Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK), die sich mit dem Lehrplan 21 auch auf die Lehrmittel und die Unterrichtsmethoden erstreckt.

Diese Tendenzen schwächen die öffentliche Schule, die in unserem Land mit seinem ausgeprägten Föderalismus traditionell stark auf die Mitarbeit und Ausgestaltung durch die Zivilgesellschaft angewiesen ist. Das zeigt sich auch anhand der bis vor kurzem vielerorts unabhängig von den politischen Gemeinden geführten Schulgemeinden. Wenn nun diese Mitarbeit durch immer mehr Sachzwänge erschwert oder wie im Falle des Lehrplans 21 unter dem Vorwand einer Verfassungsnorm gar verunmöglicht wird, droht unsere Volksschule vollends den Händen der Öffentlichkeit entrissen zu werden. Von Bürgern gewählte Aufsichtsgremien werden abgelöst durch Kommissionen, die zu reinen Vollstreckungsorganen ohne eigene Gestaltungsmöglichkeiten umgebaut werden. Sachliche Kritik dazu ist unerwünscht, mahnende Stimmen werden ignoriert oder in den Medien verharmlost, Widerstand wird notfalls an der Urne gebrochen. Das ist der Ausgangspunkt, an dem das Wirken der SSbB einsetzt.

Rückeroberung der Volksschule

Beim vorherrschenden Trend handelt es sich letztlich um eine Ent-Demokratisierung der Schule. Bezahlte Expertenmeinungen sollen demnach nicht mehr in Frage gestellt werden dürfen. Ebenso sollen die Geldflüsse weiterhin ungehindert weg vom Klassenzimmer in den Speckgürtel der peripheren Bereiche des Bildungswesens gelenkt werden können. Die Mitsprachemöglichkeit der Bevölkerung wurde zugunsten einer Machtkonzentration bei wenigen einflussreichen Akteuren eingeschränkt. Die meisten Lehrerverbände und die Pädagogischen Hochschulen schauen tatenlos zu, sie sind zum verlängerten Arm der Bildungsverwaltung mutiert. Wie anders lässt sich das kritiklose und fast konspirative Durchwinken der durchaus diskutablen Projekte wie der Frühfremdsprachen oder der Kompetenzorientierung erklären? Aus dieser Optik ist der Kampf der Starken Schule mit 16 Initiativen in zehn Jahren ein Kampf für die Rückeroberung der Volksschule und für eine notwendige Korrektur von Fehlentwicklungen.

Mit ihrem engen Draht zur Politik und dem Zusammenschluss von Bildungspolitik, Eltern und Lehrkräften entstand eine schlagkräftige Mischung aus politischem Kalkül und pädagogischem Sachverstand, die sich vor der politischen Auseinandersetzung nicht scheut. Dies entpuppte sich als Erfolgsrezept, denn der Einsatz der SSbB wirkt sich nachhaltig auf die Schulqualität aus. Die reformbedingten Irrungen und Wirrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass die Schule unbedingt ein unabhängiges, politisch breit abgestütztes Korrektiv braucht. Deshalb bleibt zu wünschen, dass sich ähnliche Verbindungen auch bald in anderen Kantonen formieren. Ihnen soll das Beispiel aus der bildungspolitisch oft geschmähten Nordwestschweiz Ansporn sein.

Urs Kalberer, Malans


03.04.2021 - Teil 6

Anerkennung zum 10-jährigen Jubiläum

In den vergangenen Tagen haben wir zahlreiche Mails und Briefe von unseren Mitgliedern, Sympathisant/-innen und politischen Gegenspielern mit viel Lob, zahlreichen Ideen und Vorschlägen, aber auch mit Kritik erhalten. Gerne publizieren wir diese etappenweise in den kommenden Tagen. Eine Chronologie der Entstehung und Geschichte der Starken Schule beider Basel (SSbB) finden Sie hier.
 

10 Jahre jung, immer schön flexibel und dynamisch!

Dem umtriebigen Bewegten namens Jürg Wiedemann und seinem kleinen, schlagkräftigen und entschlossenen Kernteam ist es gelungen, beim wichtigen Politthema Schule in kurzer Zeit viel zu erreichen. Denn merke: Wer die Kinder heute erfolgreich lenkt, der prägt die Gesellschaft von Morgen. Erstens gelang es, junge Frauen, erst noch selber als SchülerInnen aktiv, für die wichtige Sache im Sekretariat zu gewinnen. Zweitens bestand von Anfang an die Bereitschaft, über Parteigrenzen zusammen zu arbeiten für das gemeinsame Anliegen. Drittens war grosse Leidensbereitschaft vorhanden um des Zieles Willen. Selbst ein harter Parteiausschuss konnte einen Aktivisten wie Jürg nicht stoppen. Viertens galt es, zeitnah und entschlossen mittels Initiativen Druck aufzusetzen, um rasch Bewegung in die gewünschte Richtung zu erzielen. Fünfter Punkt ist, dass mit der Zeit auf einen grossen Adressstamm mit SpenderInnen und im Hintergrund Aktiven vertraut werden konnte. Immer mehr Lehrkräfte eingeschlossen. Sechstens stimmt’s eben, dass selbst eine Niederlage in wenigen der rund ein Dutzend Volksabstimmungen noch ein Erfolg ist, weil eben bereits vor Abstimmungen die von der Starken Schule postulierten Anpassungen teilweise vorgenommen oder wenigstens verbindlich durch die zuständige Regierungsrätin angekündigt wurden. Mein Fazit nach 10 Jahren harter Politarbeit: Schule insbesondere im Kanton BL entwickelt sich wieder erfreulicher. Denn wichtige und gesunde Kurskorrekturen sind erfolgt. So ist weitgehend für mich als ehemaliger Privatschulgründer im Kanton BS & BL eingetroffen: Mein Glaube war eine feste Zuversicht auf das, was ich hoffte und ein Nichtzweifeln an dem, was ich noch nicht sah.
André Fritz, Co Präsident EVP Mutttenz-Birsfelden

10 Jahre SSbB – die Stärke im Fokus

Die Starke Schule beider Basel (SSbB) charakterisiert sich dadurch, dass es ihr immer wieder gelingt, bei bildungspolitischen Fragen präzise den Kern des pädagogischen Sinns auszuleuchten, eine klare Auslegeordnung zu machen und mit konkreten Lösungsvorschlägen die Diskussion um Veränderungen zugunsten einer optimierten Bildung zu lancieren. Ihre analytische Art, sich einer Problematik anzunehmen und Erfolg versprechende Zielformulierungen in den Raum zu stellen, vermag die selbst nicht im Bildungsbereich heimische Bevölkerung zu erreichen. Da die Lernenden - respektive die Wirksamkeit der Bildung - die Triebfeder der Aktivität der SSbB sind, sorgen ihre kantonalen Volksinitiativen für eine weitgefächerte Meinungsauseinandersetzung. Gewinnbringende Verbesserungen zugunsten der Schüler/-innen und Lehrpersonen rechtfertigen ihr starkes Engagement innerhalb der Baselbieter Bildungspolitik. Denn ein Bildungserfolg auf hohem Niveau ist gleichzusetzen mit einem in ökonomischer, ökologischer und sozialer Hinsicht starkem Land. Für «stark» dürften einige treffende Synonyme herhalten, welche für eine gute Schule und eine chancenreiche Bildung vonnöten sind: robust, belastungsfähig und belastbar, stabil, gehaltreich, leistungsfähig. Und eine leistungsfähige Schule braucht klare Rahmenbedingungen – die SSbB bemüht sich unentwegt darum. Ich wünsche der SSbB eine starke Zukunft und gratuliere herzlich zum 10-jährigen Jubiläum!
Anita Biedert, Muttenz

Bemerkenswert und wertvoll

Der Verein hat seinerzeit unter anderem die Initiative gegen die Abschaffung der BVS2 lanciert. Leider wurde damals die geglückte Initiative zurückgezogen, man hat zu sehr auf den Gegenvorschlag der Regierung vertraut. Im August 2021 wird diese Schule nun endgültig Geschichte sein. Wer sich ein bisschen Zeit nimmt, die Geschichte des Vereins nachzulesen, der wird auch ein Bild von den damaligen regierungsrätlichen Streichen in der Bildungspolitik bekommen. Im Jahr 2013 habe ich mit dem Gründer Jürg Wiedemann Kontakt aufgenommen betreffend der bevorstehenden Abschaffung der Subventionen für den gestalterischen Vorkurses an der SfG Basel. Jürg Wiedemann hat mir damals Kontakte zu Landrätinnen verschafft, die sich dann auch erfolgreich für die Beibehaltung der jahrzehntelangen Subventionen eingesetzt haben. Leider war dieser Erfolg nicht von Dauer, da RR Urs Wüthrich in Eigenregie und Schildbürgermanier dann den Absolventen der Matura die Subventionen zugesprochen hat, was im Klartext wiederum den Wegfall der Subventionen für Lernende aus den Sekundarstufen 1 und 2 bedeutete. Dies ist eine klare Ungleichbehandlung in Sachen Chance für unsere Lernenden. Wer hat, dem wird gegeben. Es könnte gut sein, dass der Verein auch heute ein Ansprechpartner für ein erneutes Ringen um die Subvention des gestalterischen Vorkurses ist, nur werde ich selber diesen Kampf sicher nicht mehr führen. Es ist bemerkenswert und wertvoll, was der Verein alles leistet. Wer weiss, wo wir sonst stehen würden? Ich wünsche ein bisschen Vergnügen und ein wenig Erhellung beim Lesen der Vereinsgeschichte und den weiteren Projekten gutes Gelingen. =)
Monika Klein
 

 

03.04.2021 - Teil 5

Die Starke Schule beider Basel
wird zehnjährig!

Happy Birthday SSbB! Das mit den zehn Jahren stimmt so allerdings nicht ganz. Die Starke Schule beider Basel ist noch nicht ganz so alt – vor der Kantonsfusion hiess die Starke Schule nämlich einfach «Starke Schule BL» und bezog ihr Sein und Wirken auf ihren Ursprungskanton Baselland.

Zehnjährig sind Kinder in der Mitte ihrer Primarschulzeit. Für Schulkinder und -jugendliche wirft die Starke Schule (beider Basel) alles in die Waagschale und dies mit einer Konsequenz und Stringenz, dass andere Akteure im Bildungswesen zuweilen die Furcht beschleicht und in der Folge manchmal auch Wut über die nicht nachlassende Energie des SSbB-Teams.

«Zu viele Initiativen!», «Schon wieder ein Vorstoss!» - so tönt es zuweilen. Gerne hätte man es etwas ruhiger im Sumpf der bildungspolitischen Verwässerungen rund um den Lehrplan (oder besser Leerplan) 21 und dessen hochgelobten Kompetenzen, hervorgebracht durch hochkonstruktivistische Lehrmittel. Es lebe der Hochbau…

Die Starke Schule dagegen ist ein Tiefbau-Unternehmen. Ihr sind solide Fundamente und befahrbare Strassen und Geleise in der Bildung wichtiger. Das goldene Dach kommt später, wenn überhaupt. Der Starken Schule ist es zum Beispiel zu verdanken, dass heute wieder Lehrmittelfreiheit herrscht in Fächern wie Deutsch, Französisch und Mathematik. Dies nach der elenden Sprachstarken-/Mille Feuilles- und Mathbuchzwängerei seitens einer Phalanx selbsternannter Experten, die ausgezogen waren, dem Volk die wirkliche Bildung zu lehren, so dass kein Stein der bewährten Schule auf dem anderen bleiben sollte und… krachend gescheitert sind.

Ich bin wirklich froh, gibt es die Starke Schule. Sie bereichert die Bildungslandschaft der Nordwestschweiz ungemein, um nicht zu sagen: Sie garantiert überhaupt noch eine Landschaft der Bildung und nicht eine Wüste der Verblödung. Dass die Starke Schule beider Basel nun auch noch einen gewerkschaftlichen Teil ihrer Organisation entwickelt, ist nur folgerichtig. Als Lehrer habe ich meine Mitgliedschaft in diesem Bereich des Vereins bereits besiegelt. Prost und auf weitere Dekaden!

Daniel Vuilliomenet, Sekundarlehrer
 
 

02.04.2021 - Teil 4

Viel Lob, Anregungen und Ideen zum 10-jährigen Jubiläum

In den vergangenen Tagen haben wir zahlreiche Mails und Briefe von unseren Mitgliedern, Sympathisant/-innen und politischen Gegenspielern mit viel Lob, zahlreichen Ideen und Vorschlägen, aber auch mit Kritik erhalten. Gerne publizieren wir diese etappenweise in den kommenden Tagen. Eine Chronologie der Entstehung und Geschichte der Starken Schule beider Basel (SSbB) finden Sie hier.
 

Bestreben um gute Schulqualität

Dem beharrlichen Verfolgen qualitätssichernder Massnahmen in der Lehrerbildung, im Erhalt niveaugetrennter Förderung sowie im Fremdsprachenunterricht ist offensichtlich Erfolg beschieden worden: Dazu gratuliere ich allen Beteiligten und freue mich besonders über das Knacken des Lehrmittelmonopols unter dem Diktat selbsternannter Bildungspäpste. Damit habt ihr Erfolge erzielt, die der damalige LCH nicht anzustreben wagte. Ich wünsche euch weiterhin das gesunde Mass im Bestreben um gute Schulqualität!
Armin Stutz, ehem. Präsident Sek I CH

Politische Entscheide hinterfragen

Finde es gut, dass es in der Öffentlichkeit Organisationen gibt wie die Starke Schule beider Basel. Die es sich auf die Fahne geschrieben haben die politischen Entscheide zu hinterfragen und Stimmen aus der Bevölkerung/Schulen/Schüler ernst nehmen, wenn es um die Bildung von uns allen geht.
Roger Stalder, Basel

Lehrmittelfreiheit dank der SSbB

Die Arbeit der "Starken Schule beider Basel" mag den verantwortlichen Personen im Bereich Bildung im Kanton Baselland nicht immer gefallen haben. Dennoch, dem konsequenten und fokussierten Handeln der "Starken Schule beider Basel" ist es zu einem grossen Teil zuzuschreiben, dass die "Lehrmittelfreiheit" schliesslich umgesetzt wurde. Umfragen aus anderen Quellen als der "Starken Schule beider Basel" bestätigen damit die geleistete Arbeit.
Paul Hofer, alt Landrat FDP

Veränderung der Bildunglandschaft

Ohne «Starke Schule beider Basel» sähe die Bildungslandschaft im Baselbiet signifikant anders aus – aber sicher nicht besser!
Peter Riebli, Buckten

Lesen Sie hier weitere Statements zum 10-jährigen Jubiläum der SSbB.

 

01.04.2021 - Teil 3

Ermutigende Bildungspolitik mit starker Wirkung

Im politischen Kampf sind die Lehrerorganisationen oft zu brav in ihren Positionsbezügen. Der LCH und viele kantonale Lehrergewerkschaften kritisieren zwar offensichtliche bildungspolitische Fehlentscheide, aber sie halten sich meist eine frühe Rückzugsmöglichkeit zum Einlenken bereit. Die berühmte Standardformulierung für diese Art von kritischen Stellungnahmen ist das mutlose „Ja, aber“ in Vernehmlassungen. Bildungspolitiker freuen sich über diese grundsätzliche Zustimmung und interpretieren diese ambivalente Haltung letztlich als Einverständnis der Lehrerverbände.

Pressemitteilungen der Starken Schule beider Basel schlagen da einen ganz anderen Ton an. Dieser mag einigen als zu laut und vielleicht als zu schroff ertönen, aber in der Bildungspolitik wird er wahrgenommen. Dies umso mehr, weil die SSbB nicht nur klare Stellungnahmen abgibt, sondern ebenso konsequent den bildungspolitischen Kampf auf allen Ebenen führt. Mancher praxisbezogene Bildungsvorstoss im Baselbieter Landrat und sogar Volksinitiativen haben ihren Ursprung in der kleinen kampferprobten Lehrerorganisation.

Es muss schon etwas ganz Besonderes sein, dass die Initiativen der Baselbieter Lehrerschaft weit über das Baselbiet hinaus grosse Beachtung finden. Was in vielen Kantonen nur hinter vorgehaltener Hand in den Lehrerzimmern diskutiert wird und schon gar nicht einen Weg in die Öffentlichkeit findet, wird in der Nordwestecke der Schweiz in aller Offenheit diskutiert. So wurde der neue Lehrplan mit seinem Schwall an Kompetenzzielen bei den meisten erfahrenen Pädagoginnen und Pädagogen kaum als Orientierungskompass für die Unterrichtspraxis gesehen. Dennoch kam offene Kritik mit konstruktiven Forderungen fast nur aus dem Baselbiet. Das muss und will ich als Zürcher neidlos anerkennen.

All das sind Gründe, weshalb es die Starke Schule beider Basel als verlässliche Organisation braucht. Deren Mut und Engagement verdienen grösste Anerkennung. Für eine aktuell doch ziemlich verunsicherte Lehrerschaft ist es ein Glücksfall, dass mit der SSbB eine standfeste Vereinigung den Weg für bedeutende schulpraktische Verbesserungen bahnt und bereit ist, auch längere Konflikte durchzustehen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass nach heftigen bildungspolitischen Auseinandersetzungen die auf Ausgleich bedachten Lehrerorganisationen mehr Gehör finden und zweckmässige Lösungen möglich sind. Doch ohne die unbequeme und zielstrebige Vorarbeit der SSbB wäre dies in manchen Fällen wohl nicht gelungen.

Liebe Starke Schule beider Basel, zu deinem zehnjährigen Jubiläum gratuliere ich dir herzlich und wünsche, dass dein leuchtendes Beispiel auch in den nächsten zehn Jahren die Lehrerschaft ermutigt.

Hanspeter Amstutz, Fehraltorf ZH

 
31.03.2021 - Teil 2

Viel Lob, Anregungen und Ideen zum 10-jährigen Jubiläum

In den vergangenen Tagen haben wir zahlreiche Mails und Briefe von unseren Mitgliedern, Sympathisant/-innen und politischen Gegenspielern mit viel Lob, zahlreichen Ideen und Vorschlägen, aber auch mit Kritik erhalten. Gerne publizieren wir diese etappenweise in den kommenden Tagen. Eine Chronologie der Entstehung und Geschichte der Starken Schule beider Basel (SSbB) finden Sie hier.
 

Die Vorgehensweise imponiert

Ruhig. Sachlich. Ohne viel Tamtam. Einfach clever!
Gaby Geisler, Riehen

Sachbezogen, zielgerichtet und fachlich kompetent

Es ist eine grosse Freude, den spannenden "Lebenslauf" der Starken Schule beider Basel zu lesen. Ihr Leistungsausweis der vergangenen zehn Jahre ist sensationell! Mit grossem Einsatz und Durchhaltewillen, sachbezogen, zielgerichtet und fachlich kompetent, mit Liebe zu den Kindern und den Lehrpersonen, im Bewusstsein der grossen Verantwortung gegenüber der ganzen Gesellschaft und ohne sich durch gegnerische Machenschaften irritieren oder entmutigen zu lassen, ist es der Starken Schule gelungen, auf das ganze Schulgeschehen weit über die Kantonsgrenzen hinaus in entscheidender und segensreicher Weise einzuwirken. Unzählige Kinder, Eltern und Lehrkräfte werden ihr dafür von Herzen dankbar sein! Ein Vorschlag: Machen Sie als Broschüre die 10-jährige Geschichte der Starken Schule einem grösseren Leserkreis zugänglich - als Mutmacher und praktische Anleitung im Kampf gegen ideologische Vereinnahmungen auch auf andern Gebieten!
Eva Abt, Bellinzona

Wann lanciert ihr die nächste Initiative?

Herzliche Gratulation zu eurem 10. Geburtstag! Seit ich mich politisch engagiere, wart ihr präsent und habt euch im Baselbiet mit euren Anliegen eingebracht. Zu Beginn hat mich vor allem euer Plakatiereinsatz beeindruckt, heute nervt mich der Plakatwald, wenn ich ehrlich bin. Uns verbindet der Einsatz für ein hochwertiges Bildungssystem im Kanton Basel-Landschaft. Dabei haben wir zwar andere Grundhaltungen (ihr möchtet, dass das Baselbiet weiterhin eine Bildungsinsel ist und lehnt Reformen grundsätzlich ab, ich möchte in gewissen Aspekten eine Harmonisierung mit anderen Kantonen), jedoch sind wir in anderen Bereichen gleicher Meinung. So soll - nur um einige zu nennen - die Autonomie der Lehrpersonen gestärkt werden, die Klassengrössen eher sinken als steigen und die Checks abgeschafft werden. Zu eurem 10. Geburtstag möchte ich euch einige Fragen stellen: Wann lanciert ihr die nächste Initiative? Wird es eine Initiative sein, die auch ich unterstützen kann? Ist alles Neue per se schlecht? Werdet ihr auch einmal eine Reform anstossen? Ich freue mich auf den weiteren, teilweise auch kontroversen Austausch und wünsche euch alles Gute!
Jan Kirchmayr, Aesch

Lehrmittelfreiheit - ein Verdienst der Starken Schule beider Basel

Ganz herzlich gratuliere ich der Starken Schule beider Basel (SSbB) zum 10-jährigen Geburtstag. Die SSbB hat unter anderem mit einer Initiative massgeblich dazu beigetragen, dass unsere Lehrerschaft eine geleitete Lehrmittelfreiheit besitzen. Sie können auf mehrere Lehrmittel zurückgreifen und so die Lernziele der Lehrpläne viel besser erreichen. Ein grosses Dankeschön und weiterhin viel Erfolg.
Caroline Mall, Reinach

 
 

30.03.2021

Persönliches Nachtreten aus Frust

SP-Landrat Andreas Bammatter greift im Allschwiler Wochenblatt (AWB) vom 12. März die beiden Vorstandsmitglieder Jürg Wiedemann und Michael Pedrazzi persönlich und die Starke Schule beider Basel (SSbB) pauschal an, indem er ihnen unverhältnismässige Forderungen, unnötige Initiativen und Abstimmungen sowie Verunsicherung von Volk und Schulen vorwirft.

Alina Isler kontert in der darauffolgenden Ausgabe des AWB pointiert:

Landrat Andreas Bammatters persönliche Attacke gegen die Sekundarlehrer und Vorstandsmitglieder der Starken Schule beider Basel - Michael Pedrazzi und Jürg Wiedemann - ist unterirdisch. Aus Bammatters Worten spricht der reine Frust über eine Vielzahl von krachend gescheiterten Bildungsreformen und Fehlkonzepten seines ehemaligen SP-Bildungsdirektors Urs Wüthrich, die von der Starken Schule an der Urne erfolgreich korrigiert worden sind.

Ohne die politischen Eingriffe und Initiativen der Starken Schule würden die Schüler/-innen noch heute mit dem katastrophalen Franzi-Lehrmittel "Mille feuilles" nichts lernen, die beliebten Fächer Biologie und Geschichte wären verschwunden und die Schülerzahlen in den Klassenzimmern wären bedeutend grösser als heute. Auch die von Bammatter damals befürworteten Zwangsverschiebungen von Allschwiler Schüler/-innen in andere Gemeinden wären noch extremer ausgefallen. Und nur durch den Druck der Lehrplaninitiativen der Starken Schule wurde überhaupt eine Überarbeitung der Lehrpläne in Angriff genommen. Landrat Bammatters Verständnis für demokratische Mittel gilt offenbar nicht für Andersdenkende.

Nicht weniger deutlich bringt es Felix Schmutz auf den Punkt:

Enttäuschend der Leserbrief von Landrat Andreas Bammatter. "Unnötige Abstimmungen" wirft er der Starken Schule vor und greift zwei Lehrer namentlich an.

Die SP ist mitverantwortlich für eine Bildungspolitik, welche die Volksschule mit einer Kaskade "unnötiger" Reformen eingedeckt hat: Die verunglückte Fremdsprachendidaktik mit "Mille feuilles", die Fächerzusammenlegung von Geografie und Geschichte unter Opferung einer Lektion, der Lehrplan mit über 3'500 Leerformeln, wo niemand weiss, welcher Stoff eigentlich behandelt werden soll. Stets hat die Starke Schule mit ihren Interventionen auf die Missstände hingewiesen und nicht etwa Bammatters SP. Mehrmals hat sie denn auch vom Volk Recht bekommen, teilweise mit über 80 Prozent.

Dank dem politischen Druck war der Kanton Baselland der erste, der Passepartout beerdigte, der auf die unseligen Fächerkombinationen verzichtete und der die Behörden zu verbindlichen Inhalten in den Lehrplänen zwang. Die abgelehnte Initiative hat ihren Zweck trotzdem erfüllt. Sie zwang das Volksschulamt, den Auftrag zur Formulierung von Inhalten ernst zu nehmen und nicht einfach den Kompetenzlehrplan abzuschreiben, wie es das zuerst unter Umgehung des Volkswillens versucht hatte. Aber eben, für viele Politiker sind Schulfragen lästiger Kleinkram, der ohnehin viel zu viel kostet.
 
 

29.03.2021 - Teil 1

Die Starke Schule –
geboren aus der Notwendigkeit

KritikerInnen der Starken Schule beider Basel setzen die Eltern- und Lehrkräfteorganisation zuweilen gleich mit Jürg Wiedemann. Diesen Namen wiederum glauben sie als Synonym für Sturheit, Polarisierung und Kompromisslosigkeit zu erkennen.

Die korrekte Verortung der Charakteristik

Vergegenwärtigen wir uns anhand der Kompetenzorientierung und Passepartout als deren Produkt die Bildungspolitik der letzten beiden Jahrzehnte, begegnen wir exakt jenen drei Wesenszügen.

Beide Reformvorhaben wurden gegen auch noch so gut begründete Opposition durchgedrückt. Weder die nationale noch die kantonale Bildungspolitik waren für vernunftbasierte Argumente zugänglich. Ohne die Initiative der Starken Schule für Lehrmittelfreiheit wäre der Widerstand gegen die absurde Fremdsprachenideologie ergo an der Sturheit der dafür bildungspolitisch Verantwortlichen gescheitert.

Zur Durchsetzung des Passepartout-Methodenmonopols schreckten deren PromotorInnen auch vor der Polarisierung des Baselbieter Lehrkörpers nicht zurück, indem anlässlich der Passepartout-«Weiterbildung» Primar- gegen Sekundarlehrkräfte ausgespielt wurden. Und im Kampf um die für Lehrpläne absolut unabdingbaren Stoffinhalte und damit gegen eine ausschliessliche Kompetenzorientierung bedurfte es zweier Initiativen der Starken Schule, um die Kompromisslosigkeit der Bildungsdirektion unseres Kantons zu durchbrechen.  

Man schlägt den Sack und meint den Esel

Die drei eingangs erwähnten Attribute, Sturheit, Polarisierung und Kompromisslosigkeit, entpuppen sich in der Folge als Reflexion. Jürg Wiedemann hält der Bildungspolitik den Spiegel vor. Was diese darin erkennt, gefällt ihr nicht, weswegen sie es auf den ehemaligen Landrat überträgt. In der Psychoanalyse spricht man in diesem Zusammengang von Projektion, also der Übertragung von Eigenem auf andere. Was der Bildungspolitik guttäte, wäre allerdings die Introspektion, ergo die in sich kehrende Selbstbeobachtung zur anschliessenden Korrektur des eigenen Handelns und Denkens. In der Folge würden die KritikerInnen erstens erkennen, dass sich die Starke Schule nicht auf einen Namen beschränken lässt. Zweitens würden sich ihnen die folgenden weiter reichende Einsichten eröffnen.  

Eine nicht zu Ende gedachte Vorwurfshaltung

Was Sturheit betrifft, meinte die österreichische Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach: «Der Klügere gibt nach - Eine traurige Wahrheit: Sie begründet die Weltherrschaft der Dummen.» Aus dieser Warte betrachtet ergibt sich eine vom Üblichen abweichende Wertung des Phänomens der Sturheit.

Die zuweilen ideologische Verbissenheit der bildungspolitischen Exekutive pariert die Starke Schule mit Pragmatismus, der ihr eigenen Beharrlichkeit und dem demokratischen Instrument der Initiative. Gerade bei letzterem kommt es entgegen des Vorwurfs der Kompromisslosigkeit immer wieder zu Kompromissen, wie sich der «Geschichte der Starken Schule beider Basel» entnehmen lässt. Exemplarisch hierfür sind u.a. die Reduzierung der Klassengrössen, die Ausbildung der Lehrpersonen der Sekundarstufe I, die Lehrmittelfreiheit, aber auch die aktuelle Ausgestaltung der Lehrpläne. Die Auseinandersetzung zwischen den Verantwortlichen der Bildungspolitik und der Starken Schule ist tatsächlich zu einem grossen Teil eine Geschichte der Kompromisse.

Aber auch der Vorwurf der Polarisierung ist im Rahmen eines demokratischen Staatswesens absurd. Denn letzten Endes gestaltet sich jede Demokratie entlang der beiden Pole JA oder NEIN. Das im Kontrast dazu autoritäre Selbstverständnis vieler AkteurInnen der Bildungspolitik geht nicht zufälligerweise einher mit der Art der Implementierung von Schulreformen: Sie treten stets auf als nicht partizipativ legitimiertes Diktat von oben. Kaum erstaunlich, dass die meisten dann auch nicht funktionieren.  

Die Bildungspolitik auf dem Holzweg

Möchte man die Starke Schule tatsächlich auf aktive NamensträgerInnen reduzieren, müssten neben Jürg Wiedemann ebenso Alina Isler, Saskia Olsson, Regina Werthmüller, Kathrin Zimmermann und Michael Pedrazzi Erwähnung finden. Sie alle verwenden einen beachtlichen Teil ihrer Zeit und Energie auf die Bildungsorganisation. Doch auch damit wäre dem Stosstrupp längst nicht Genüge getan. Warum ist die Starke Schule denn seit einem Jahrzehnt erfolgreich? Weil Tausende von Eltern und Lehrkräften, aber auch viele Politikerinnen und Politiker hinter ihr stehen und sie finanziell unterstützen. Und warum tun sie dies? Weil die Bildungspolitik seit rund zwei Jahrzehnten geldversessen auf Irrwegen stolpert. Dabei wird auf staatlicher Seite gespart und auf privater verdient.  

Gegen die Kommerzialisierung der öffentlichen Bildung

Der Auftakt zur Einführung der Kompetenzorientierung vor 20 Jahren war nichts anderes als der neoliberale Startschuss für die Umwandlung der öffentlichen Schule in ein lukratives Geschäftsfeld auf dem Buckel der Lernenden und SteuerzahlerInnen. Die dadurch ausgelöste Umstellung des Schulbetriebs füllt Verlagen, Weiterbildungsinstituten und Fachhochschulen die Auftragsbücher bzw. Stellenetats. Und da der ausschliessliche Fokus auf Kompetenzen nicht funktioniert -siehe Passepartout- besteht fortlaufender Handlungsbedarf, wodurch das erwähnte Auftrags- bzw. Stellenvolumen auf lange Sicht garantiert ist.

Bei diesem Paradigmenwechsel ging es nie um die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen, was beispielsweise anhand des sogenannten «Selbstorganisierten Lernens» (SOL) deutlich wird. Diese Pseudomethode läuft den entwicklungspsychologischen Voraussetzungen von Kindern diametral zuwider. Hauptsache aber, diverse Verlage und Weiterbildungsinstitute konnten dazu ihre zahlreichen Wegleitungen bzw. Lehrgänge verkaufen. Mittlerweile redet wegen dessen Untauglichkeit kaum noch jemand von SOL, aber die nächste lukrative Schnapsidee ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Dass Baselland im Vergleich zu den meisten anderen Kantonen bisher von den schlimmsten bildungspolitischen Auswüchsen immer wieder verschont bleibt, ist zu einem grossen Teil dem Engagement der Starken Schule zu verdanken.

Richtet die Bildungspolitik ihren Fokus endlich wieder auf die Schülerinnen und Schüler, wird die Eltern- und Lehrkräfteorganisation kein weiteres rundes Jubiläum feiern. Bis es soweit ist, wünsche ich ihr weiterhin den notwendigen Erfolg zum Wohle unseres Nachwuchses und somit letztlich auch zugunsten unserer Wirtschaft.  

An dieser Stelle sollte ein Zitat zum Begriff der Kompetenz folgen, aber sinnigerweise gibt es dazu kaum welche, dafür umso mehr zur Bildung. Zum Beispiel:      

Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung, keine Bildung.   John. F. Kennedy

 Felix Hoffmann, Sekundarlehrer

 

27.03.2021

Entstehung und Geschichte der Starken Schule beider Basel

Am 4. April wird die Starke Schule beider Basel (SSbB) zehn Jahre alt. Wir blicken auf eine spannende und intensive Dekade zurück. Grund genug, um die Entwicklung und Geschichte des Vereins chronologisch aufzuzeigen.

2011

  • Januar: Die Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD) unter Führung von alt Regierungsrat Urs Wüthrich (SP) will aus Spargründen mit Zwangsverschiebungen Klassen auffüllen. Eine Gruppe betroffener Allschwiler Eltern, deren Kinder nach der Primarschule nicht in die Sekundarschule Allschwil, sondern in die weiter entfernte Nachbargemeinde Binningen eingeschult werden, möchte die Zwangsverschiebungen mittels einer Volksinitiative verhindern. Unterstützt werden sie von einigen Lehrpersonen (LP) der Sekundarschule Allschwil.
  • April: Die Gründungsversammlung des Komitees "Keine Zwangsverschiebungen" findet am 4. April im Schulzentrum Allschwil statt. 72 Personen, Eltern und Lehrkräfte, nehmen teil. Das Komitee bildet sich als lose Gruppierung und beschliesst an jenem Abend einstimmig die Lancierung einer kantonalen Initiative. Nur zehn Tage später, am 14. April, wird Initiative Nr. 1 «Keine Zwangsverschiebungen an Baselbieter Sekundarschulen» lanciert und mit der Unterschriftensammlung begonnen. Dem Komitee schliessen sich Eltern aus dem ganzen Kanton und mehrere LP der Primarstufe und Sekundarstufe 1 an.

 

21.3.2021

Neue Mitglieder des Bildungsrates beeinflussen Stossrichtung positiv

Per August 2019 wurde der Bildungsrat im Kanton Baselland neu gewählt. Unverkennbar ist ein gewisser Richtungswechsel dieses Bildungsgremium nach der Wahl durch die neuen Mitglieder ersichtlich. Der Bildungsrat ist kritischer geworden, und er fällt hin und wieder auch reformkritische Entscheide – ganz anders als in der Ära unter dem ehemaligen Vizepräsidenten Rolf Knechtli (Handelskammer beider Basel). Dies ist insofern von Bedeutung, als der Bildungsrat nicht nur Lehrpläne und Stundentafeln verabschiedet, sondern auch Lehrmittel beschliesst.

  • So ist seither der Stofflehrplan Englisch, der praktisch keine Kompetenzbeschreibungen mehr enthält, beschlossen worden, dessen Verfasser sich gegen die Opposition des Amts für Volksschulen durchsetzen konnten.
  • Auf der Primarstufe wurde der Mathematikunterricht durch das Lehrmittel «Mathematik Primarstufe» (Lehrmittelverlag Zürich) strukturierter, altersgerechter und aufbauend geformt.
  • Künftig dürfen die Primarlehrpersonen ab der dritten Primarklasse das heftig umstrittene Französisch-Lehrmittel «Mille feuilles» durch «ça roule» ersetzen.
  • Eine neue Stundentafel sieht eine separate Lektion für der Informatikunterricht vor, während das vorher noch im Fach Deutsch resp. dem Fach Mathematik integriert war.
  • Nicht zuletzt hat der Bildungsrat Aufträge zur Überarbeitung der Lehrplanteile A («Stoffinhalte und Themen») erteilt. So wird zurzeit an diversen konkreten Massnahmen gearbeitet, z.B. an einer Vereinfachung der Lehrplanstruktur oder der Treffpunkte.

Die Starke Schule beider Basel (SSbB) nimmt die neue Stossrichtung des Bildungsrates und seine Beschlüsse positiv zur Kenntnis.

Jürg Wiedemann
Vorstand Starke Schule beider Basel

 
18.03.2021

Passepartout-Lehrmittel bereits im ersten Jahr mehrheitlich ersetzt

Die neu eingeführte «geleitete Lehrmittelfreiheit» zeigt Wirkung:  Die Mehrheit der Französisch- und Englischlehrpersonen haben die Passepartout-Lehrmittel «Mille feuilles», «Clin d’oeil» und «New World» bereits im ersten Jahr nach Einführung der Lehrmittelfreiheit ersetzt.

Die Zahlen, welche die Bildungsdirektion im Rahmen einer von Landrätin Regina Werthmüller eingereichten Interpellation soeben publizierte, überraschen in ihrer Deutlichkeit: Gemäss den Lehrmittelbestellungen für die neuen ersten Sekundarklassen arbeiten von 3'726 Schüler/-innen (1. Sek.) 2'570 mit den neuen Englisch Lehrmitteln (69.0%). Zur Auswahl stehen seit dem Schuljahr 2020/21 «Beyond», «English Plus», «English in Mind», «Solutions» und «Think». Lediglich 1'156 Schüler/-innen (31.0%) arbeiten weiterhin mit dem Passepartout-Lehrmittel «New World».

Vernichtend ist das Ergebnis für das Passepartout-Lehrmittel «Clin d’oeil»

Für lediglich 214 von 3'211 Schüler/-innen (6.7%) wurde das Passepartout-Lehrmittel «Clin d’oeil» eingekauft. 2'997 Schüler/-innen (93.3%) erhielten eines der neuen Lehrmittel «A toi», «Tous ensemble» und «Dis donc!», welche den Sekundarlehrpersonen seit diesem Schuljahr zur Verfügung stehen.

Auch auf der Primarstufe haben gemäss den Lehrmittelbestellungen zahlreiche Lehrpersonen auf die neuen Lehrmittel gewechselt. Von 3'395 Schüler/-innen (5. Klasse) arbeiten 1'087 (32.0%) mit «Ҫa bouge» oder «Dis Donc!», 2'308 Schüler/-innen (68.0%) arbeiten mit «Mille feuilles» weiter. Der Grund für den relativ hohen Anteil ist offensichtlich: Viele Lehrpersonen, die in den ersten beiden Jahren des Französischunterrichtes (3. und 4. Klasse)  mangels Alternative zwingend mit «Mille feuilles» arbeiten mussten, haben auf einen Wechsel verzichtet, damit die Schüler/-innen nicht von der Passepartout-Unterrichtsideologie auf eine andere Unterrichtsmethode umstellen mussten. Dies wird sich gemäss den Rückmeldungen rasch ändern, wenn ab dem kommeden Schuljahr auch für die 3. Klasse mit «Ҫa roule» ein gutes Lehrmittel als Alternative zu «Mille feuilles» zur Verfügung steht.

 

Gemäss den bestellten Lehrmitteln für das Fach Englisch (5. Klasse) arbeiten von 3'343 Schüler/-innen 526 Schüler/-innen (15.7%) mit einem der beiden neuen Lehrmittel «More» oder «English Plus». 2'817 Schulkinder (84.3%) der 5. Primarklassen werden weiterhin mit  «New World» unterrichtet.

Wechsel hin zu praxistauglichen Lehrmitteln wird schneller als erwartet vollzogen

Die von der Starken Schule beider Basel prognostizierte Rückkehr der Lehrpersonen hin zu praxistauglichen Lehrmitteln mit klarer Struktur und ausreichend Grammatik- und Übungsmaterial hat sich schneller vollzogen als erwartet. Es ist erfreulich, dass die Lehrpersonen nach einer jahrelangen indoktrinierten Passepartout-Odyssee ihren Fremdsprachenunterricht wieder nach international anerkannten didaktischen Prinzipien durchführen können.

[Quelle: Beantwortung der Interpellation]

Alina Isler
Vorstand Starke Schule beider Basel

 

16.03.2021

Wenn der neoliberale Sparzwang die Vernunft ersetzt

Dass Themen wie Schulentwicklung, Schulveranstaltungen, Teamarbeit und Fachschaften im Schulalltag nichts mit der Vor- und Nachbereitung von Schulstunden zu tun haben und folglich nicht in diesen Bereich gehören, ist das eine. Fatal ist, dass diese Themenverlagerung im Berufsauftrag für Lehrkräfte der Unterrichtsqualität und somit der schulischen Bildung unseres Nachwuchses schadet.

Im Zusammenhang mit der Nationalen Überprüfung der Grundkompetenzen lesen wir mit Datum 23. Mai 2019 Folgendes auf der Homepage unseres Kantons: «Die Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion erarbeitet Massnahmen: Baselbieter Schülerinnen und Schüler liegen bei den Grundkompetenzen unter dem schweizerischen Durchschnitt». Später im Bericht vernehmen wir von Monica Gschwind: «Ich habe bereits frühzeitig, ohne Kenntnisse dieser Ergebnisse, Massnahmen zur Verbesserung der Baselbieter Schulbildung eingeleitet. Die nun vorliegende Überprüfung zeigt umso mehr, dass dies von Bedeutung ist und wir die Qualität unserer Bildung weiter entwickeln müssen.»[1]

Zwei Jahre später erfahren wir nun, was der Bildungsdirektorin vorschwebt zur Verbesserung der schulischen Bildung: die Verkürzung der Vor- und Nachbereitungszeit der Schulstunden.

Felix Hoffmann, Sekundarlehrer

 

13.03.2021

Müssen Lehrpersonen bald zusätzliche Arbeiten übernehmen

Die Absicht der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD), die Lehrpersonen zu entlasten und ihnen mehr Zeit für die Vor- und Nachbereitung der Unterrichtslektionen zur Verfügung zu stellen, beurteilt die SSbB im Grundsatz positiv. In Wirklichkeit wird dieses Ziel mit den vorgeschlagenen Änderungen jedoch nicht erreicht. Im Gegenteil: Die Arbeitsbelastung wird sogar weiter erhöht, indem den Lehrpersonen noch weniger Zeit zur Verfügung steht, um ihre Unterrichtslektionen sorgfältig vor- und nachzubereiten. Die Folgen sind absehbar: Kürzere und eingeschränkte Zeitgefässe der individuellen Vor- und Nachbereitung der Lektionen führt direkt zu qualitativen Einbussen des Unterrichts und damit zu geringeren Leistungen der Schüler/-innen.

Modell Berufsauftrag des unterrichtenden Personals heute

Der Berufsauftrag des Lehrpersonals wird heute in fünf thematisch klar voneinander getrennten Bereichen aufgeführt: A (Unterricht), B (Vor- und Nachbereitung), C (Sitzungen, Gesamt- und Klassenkonvente, Besprechungen, Schulentwicklung, Fachschafts- und Teamarbeiten, Sonderaufgaben usw.), D (Betreuung und Beratung von Schüler/-innen sowie Eltern und Erziehungsberechtigten), E (persönliche Weiterbildung).

Das Kerngeschäft A und B sind mit 87% der Gesamtarbeitszeit veranschlagt, während für die Bereiche C und D 11% zur Verfügung stehen. Für die persönliche Weiterbildung sind mindestens 2% vorgesehen. Die heutige Aufteilung der fünf Bereiche ist scharf getrennt und verhindert, dass das Kerngeschäft mit den Bereichen A und B durch Verwaltungs-, Führungs-, Organisations- und Administrativaufgaben bedrängt wird.

Modell Berufsauftrag des unterrichtenden Personals gemäss Vorlage ist eine Bauernfängerei

Der vorliegende Dekretsentwurf sieht eine Zusammenführung der fünf Bereiche in vier Bereiche vor: A (Unterricht), B (unterrichtsbezogene Aufgaben), C (schulbezogene Aufgaben) und D (Personalentwicklung [d.h. Weiterbildung]). Generell sollen diese vier Bereiche unter dem Begriff «Grundauftrag» kombiniert werden, also für die Lehrpersonen grundsätzlich verpflichtend sein.

Der Entwurf vergütet die Bereiche A und B mit neu 92%, den Bereich C mit neu 6% und den Bereich D mit weiterhin 2%. Ergänzt werden sollen diese vier Bereiche durch zwei Bereiche E1 und E2 des «erweiterten Auftrags», also u.a. für grössere Entwicklungsaufträge des Kantons.

Der heutige Bereich A (Unterricht) und der vorgeschlagene neue Bereich A decken sich inhaltlich, genauso wie der heutige Bereich E (Weiterbildung) und der vorgeschlagene neue Bereich D.

Stossend ist die Tatsache, dass viele zeitraubende Tätigkeiten, welche heute in den Bereichen C und D angesiedelt sind, neu in den Bereich B (unterrichtsbezogen) verschoben werden sollen, in dem sie mit der Unterrichtsvorbereitung und -nachbereitung im gleichen Arbeitsfeld zusammengelegt würden. Somit wäre die essenzielle Vor- und Nachbereitung des Unterrichts zeitlich nicht mehr zu trennen von etlichen Verwaltungs- und Organisationsaufgaben (siehe folgende Abbildung).

Abb. 1: Verschiebung der Arbeitsbereiche [Quelle: Vernehmlassungsantwort der Sekundarschule Allschwil]
 

Dass den Bereichen A und B neu lediglich 92% statt 87% zugewiesen werden sollen, ist eine Bauernfängerei. In Tat und Wahrheit decken die zusätzlichen 5% nie und nimmer die Flut an zusätzlichen Aufgaben, die den Lehrpersonen im Bereich B neu anheimgestellt würden. Erhebliche zusätzliche Arbeitsleistungen im administrativen und organisatorischen Bereich würden unweigerlich dazu führen, dass den Lehrpersonen im Bereich B im Endeffekt sogar klar weniger effektive Zeit für die Unterrichtsvorbereitung resp. -nachbereitung zur Verfügung steht. Dies, weil am reinen Kerngeschäft der Unterrichtsvorbereitung resp. -nachbereitung Arbeitszeit zugunsten jener administrativen und organisatorischen Mehrbelastungen abgezogen würde.

Elternarbeit wie auch individuelle Betreuung und Beratung von Schüler/-innen – insbesondere nach Krankheitsfällen, bei individuellen Lernschwierigkeiten oder auch bei schwierigen Klassenverhältnissen – hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen und beansprucht erhebliche zeitliche Ressourcen. Im besonderen Masse trifft dies die Klassenlehrpersonen, welche dafür heute mit lediglich einer Lektion pro Woche entschädigt werden, was die tatsächlichen Aufwendungen bei weitem nicht wettmacht.

Spezialaufgaben der Lehrpersonen ausserhalb der Unterrichtsverpflichtung

Lehrpersonen übernehmen heute neben ihren Unterrichtsverpflichtungen gemäss Anstellungsvertrag sehr oft weiterführende Spezialaufgaben zum Wohle der Schule. So ist es zeitgemäss, dass Lehrpersonen, unabhängig von ihrem Pensum, auf Einladung der Schulleitung und freiwillig, in internen Arbeitsgruppen unter der Leitung eines Schulleiters zur Schulentwicklung beitragen. Beispielsweise können Arbeitsgruppen das Schulabschlussfest der 3. Sekundarklassen planen, organisieren und durchführen. Ähnliches gilt für die umfangreichen und nicht zu unterschätzenden organisatorischen Arbeiten, die einem grossen Schulfest zugrunde liegen. Elternbesuchstage geben den Erziehungsberechtigten einen entscheidenden Einblick in das Schulgeschehen und die entsprechende Ambiance, bei der sich die Schule von ihrer besten Seite präsentieren kann. Technische, logistische und pädagogische Aspekte zur Durchführung werden ebenfalls in Arbeitsgruppen von Lehrpersonen erarbeitet. Die vom Kanton geforderten Schulprogramme, die den Schulräten vorgelegt werden müssen, sind umfangreiche und komplexe Dokumente, über die sich eine Schule gegen aussen unter anderem bezüglich ihres organisatorischen und pädagogischen Programms präsentiert.

All diese und viele weitere Organisationsaufgaben bedürfen seitens der teilnehmenden Lehrpersonen ein riesiges Engagement, wobei den Arbeitsgruppenmitgliedern eine ausserordentlich hohe Verantwortung zum Gelingen des Anlasses zukommt. Der partnerschaftliche Einbezug des unterrichtenden Personals in derartige organisatorische Herausforderungen unterstreicht die konstruktive und prozessorientierte Haltung einer Schulleitung, die ihre Lehrpersonen in Entscheidungsprozesse einbindet und ihnen Verantwortung und Mitsprachemöglichkeiten bietet, ähnlich wie dies in modernen und erfolgreichen Firmen längst gang und gäbe ist.

Die SSbB lehnt es ab, dass diese durchaus wichtigen Arbeiten zulasten des Zeitgefässes für das Kerngeschäft der Lehrpersonen (Unterrichten, Vor- und Nachbereitung) gehen. Diese zusätzlichen Arbeiten sollen ergänzend übernommen und separat entschädigt werden.

Ressourcierung aus Lektionenpool ist zielführend

Solche Spezialaufgaben, die von Lehrpersonen freiwillig zum Wohle der Schule übernommen werden, sollen seitens der Schulleitung im Rahmen der zeitlichen Zusatzarbeit entsprechend ressourciert, d.h. aus einem dafür vom Kanton gestellten finanziellen Pool vergütet werden, der den Schulleitungen zur Verfügung steht. Sehr oft lassen sich die Lehrpersonen diese Zusatzressourcen nicht ausbezahlen, sondern lassen sich diese Lektionen als «Überzeit» gutschreiben.

Diese Praxis des Einbezugs von Lehrpersonen in organisatorische Belange und die Schulentwicklung in Verbindung mit einer entsprechenden Ressourcierung aus einem Lektionenpool hat sich als sehr fruchtbar und produktiv gezeigt.

BKSD will Poollösung abschaffen

Die Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD) beabsichtigt mit der Vorlage des Personaldekrets «Berufsauftrag und Jahresarbeitszeit der Lehrpersonen» klammheimlich, diese Poollösungen im Rahmen einer Kostenersparnis abzuschaffen. Fortan sollen nach Auffassung der BKSD Aufgaben wie oben beschrieben von den Lehrpersonen mit Ressourcen im neuen Bereich C «schulbezogene» Aufgaben abgegolten werden. Im Klartext bedeutet das, dass zusätzliche Arbeiten von Lehrpersonen, die über ihre reguläre Anstellung hinausgehen, ohne Ressourcierung verpuffen. Zudem könnten autoritäre Schulleitungen Lehrpersonen zu zusätzlichen Verwaltungs- und Administrationsaufgaben im Rahmen ihrer Anstellung ohne Bezahlung verpflichten.

So ist es ebenfalls nicht weiter verwunderlich, aber sehr zu dieser Vorlage passend, dass schulinterne Weiterbildungen, welche die Gesamtorganisation der Schule betreffen, neu in der Regel mit Ressourcen des Bereichs C bestritten werden sollen.[1] In anderen Worten können sich Lehrpersonen an Gesamtkonventen angeeignete Weiterbildungen nicht mehr als solche anrechnen lassen.

Bereits heute ist gemäss einer Studie[2] des LCH 2019 die zeitliche Arbeitsbelastung deutlich zu hoch. Der Berufsauftrag kann mit den verfügbaren zeitlichen Ressourcen nicht seriös erfüllt werden. Dies ist insbesondere deshalb brisant, weil die Anforderungen im Unterricht seit gegenüber 2009 noch einmal gestiegen sind. Explizit erwähnt werden u.a. die integrative Schulung, die Kompetenzorientierung sowie die einsetzende Digitalisierung. Die unbezahlte bzw. «freiwillig» geleistete Überzeit muss beseitigt werden, wenn ein Qualitätsabbau im Unterricht vermieden werden soll.

Psychodruck mittels Mitarbeitendengespräch

Diese psychologische Drucksituation muss im Kontext mit der neuen Struktur der Mitarbeitendengespräche gesehen werden, in der seitens autoritärer Schulleitungen Tür und Tor für Willkür geöffnet ist. Lehrpersonen würde es kaum mehr möglich sein, sich gegen Gratisarbeit und hierarchiegläubige Schulleitungen zur Wehr zu setzen, ohne befürchten zu müssen, im folgenden Mitarbeitendengespräch mit der ungenügenden Bewertung «B» abgestraft zu werden.

Das Dekret «Berufsauftrag und Jahresarbeitszeit» und die neue Struktur der Mitarbeitendengespräche würden wie ein Damoklesschwert latent über den Köpfen der Lehrpersonen schweben.


Beitritt Berufsverband
Starke Schule beider Basel

Die Starke Schule beider Basel (SSbB) setzt sich ab 2021 vermehrt für gute Arbeitsbedingungen der Lehrpersonen ein. Sie berät diese in gewerkschaftlichen und personalrechtlichen Fragen.

Zu diesem Zweck bauen wir in Baselland den Berufsverband SSbB auf. Falls Sie im Kanton Basel-Landschaft im Bildungsbereich tätig sind und auf der Lohnliste des Kantons stehen, so freuen wir uns, wenn Sie dem neuen Berufsverband (jährlicher Beitrag Fr. 10.-) beitreten.

Hier klicken:

 

Befristete Arbeitsmehrbelastung wird stillschweigend unbefristet

Zur Schonung der Finanzen wurden im Jahr 2015 den Lehrpersonen Sek. I und II ohne Klassenlehrerfunktion im Rahmen des Entlastungspaketes eine zusätzliche Wochenlektion aufgebürdet. Diese Mehrbelastung war auf drei Jahre befristet und seither nicht mehr rückgängig gemacht. Die Vorlage löst das 2015 gegebene Versprechen einer befristeten Massnahme nicht ein und zeigt weder eine Reduktion der Wochenstunden auf noch anderweitige Einsparungen der Arbeitsleistungen.

Fazit und Forderung

Die Vorlage «Berufsauftrag und Jahresarbeitszeit der Lehrpersonen – Änderung des Personaldekrets» ist eine verkappte Sparvorlage mit verheerenden Folgen: Die Arbeitsbelastung der Lehrpersonen wird erhöht. Für das Kerngeschäft (Unterrichten, Vor- und Nachbereitung) steht immer weniger Zeit zur Verfügung, was ein Abbau der Unterrichtsqualität zur Folge hat. Die Leidtragenden sind die Schüler/-innen.

Die SSbB lehnt aus den dargelegten Gründen den vorliegenden Dekretsentwurf ab und bittet die Regierung, die Vorlage grundsätzlich zu überarbeiten. Insbesondere sollen folgende Punkte berücksichtigt werden:

  • Die Lehrpersonen erhalten ein klar definiertes Zeitgefäss (mindestens 90% der Arbeitszeit) für die ausschliesslichen Bereiche Unterrichten, Vor- und Nachbereitung der Unterrichtslektionen.
  • Die Klassenlehrpersonen sind für die zeitliche Mehrbelastung, verbunden mit der grösseren Verantwortung, mit einer zusätzlichen monatlichen Pauschale von Fr. 300.- zu entschädigen.
  • In der neu zu erarbeitenden Vorlage soll speziell ausgewiesen werden, welche bislang geleisteten Arbeiten die Lehrpersonen im Nicht-Kerngeschäft künftig nicht mehr leisten müssen. Die eingesparte Arbeitszeit (mindestens 3% der Jahresarbeitszeit) soll zusätzlich für die Vor- und Nachbereitung des Unterrichtes zur Verfügung stehen.

Saskia Olsson
Vorstand Starke Schule beider Basel


[1]     Verordnung über den Berufsauftrag und die Arbeitszeit der Lehrpersonen (Arbeitszeitverordnung Lehrpersonen); Entwurf vom 30.12.2020 zur Anhörung. §5, Kommentar, S.4
[2]
    https://www.lch.ch/fileadmin/user_upload_lch/Aktuell/Medienkonferenzen/Bericht_LCH_Arbeitszeiterhebung_2019.pdf

 
 

11.03.2021

Nachteilsausgleich bei Lese- und Rechtschreibschwäche

Lese- und Rechtschreibstörungen (LRS) werden sowohl juristisch als auch in der logopädischen Literatur als Behinderung anerkannt, weil diese auch nach Jahren nicht verschwindet. Wenn keine falsche Förderung vorliegt, haben Schüler/-innen mit diagnostizierter Legasthenie Anspruch auf einen Nachteilsausgleich (NA). Dieser wird an den Sekundarschulen meist so gewährt, dass in nichtsprachlichen Fächern Texte nur nach Inhalt bewertet, Diktate ab Diktiergerät geschrieben, bei Prüfungen ein Zeitzuschlag von maximal 1/3 der offiziellen Prüfungszeit gewährt oder die Prüfung in einem anderen Raum geschrieben werden.

Ungenügendes Konzept für die Gewährung eines Nachteilsausgleichs

Diese Nachteilsausgleiche sind durchaus hilfreich, in bestimmten Fällen jedoch ungenügend: Ausgerechnet bei Aufsätzen und Diktaten in den Sprachfächern Deutsch, Französisch und Englisch werden die Rechtschreibfehler gemäss den gültigen Richtlinien bewertet und benotet – also genau in demjenigen Bereich, in welchem die Lernenden mit LRS die grössten Schwächen haben. Diese Situation ist unbefriedigend, weil allzu oft die betroffenen Schulkinder die Beförderung nicht schaffen und so ein Schuljahr wiederholen müssen.

Vorstoss im Parlament zeigt Wirkung

Im Mai 2020 reichte ich einen parlamentarischen Vorstoss ein und thematisierte die bestehenden Lücken. Insbesondere forderte ich die Überarbeitung der Richtlinien für die Gewährung eines Nachteilsausgleichs: Bestehende Lücken sollen durch Ergänzungen im Konzept geschlossen werden.

Erfreulicherweise bestätigte die Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD) vor wenigen Tagen, dass die notwendigen Ergänzungen im Konzept Nachteilsausgleich unter Mitwirkung des Sozialpädagogischen Dienstes sowie dem Kinder- und Jungendpsychiatrischen Dienstes abgeschlossen und wie folgt ergänzt wurden.

Keine oder abgestufte Bewertungen von Rechtschreibung- und Grammatikfehlern bei im Voraus definierten, eingegrenzten Fehlern;

  • Prüfungen (z.B. Vokabelprüfungen) mündlich anstatt schriftlich durchführen;
  • Die Bewertung der Rechtschreibung soll auf einen bestimmten Bereich eingeschränkt werden. Zusätzlich sollen mündliche Prüfungen (z.B. Vortrag) angeboten werden, damit die Noten in Rechtschreibung nicht so ins Gewicht fallen.

Mit den Verbesserungen wird den Schüler/-innen manch ungenügende Note erspart bleiben und dadurch den Schulalltag erleichtert.

Regina Werthmüller, Landrätin parteilos

 

06.03.2021

Lehrpläne: Ein Lehrstück in politischer Strategie

In seinem BAZ-Leserbrief zur Initiative der Starken Schule beider Basel (SSbB) betr. Reduktion der 3'536 Kompetenzformulierungen erläutert Felix Schmutz, ehemaliger Sekundarlehrer und Didaktiker, auf anschauliche Weise den Unterschied zwischen Kompetenzen und Stoffinhalten: «Kompetenzen sind Problemlösefähigkeiten, die durch die Arbeit an bestimmten Stoffinhalten erworben werden: Der Beipackzettel eines Medikaments gegen Kopfweh ist der Stoffinhalt, das Verstehen des Textes zu Wirkung, Dosierung, Nebenwirkungen etc. und die richtige Anwendung des Heilmittels die Kompetenz. Das eine ist nicht ohne das andere zu haben.»

Aus nichts entsteht nichts

Dem nationalen ausschliesslich kompetenzorientierten Herdentrieb folgend, wollte die Baselbieter Bildungsdirektion ursprünglich ebenfalls rein kompetenzorientierte Lehrpläne ohne Stoffinhalte. Übertragen auf Schmutz’ Vergleich hätte dies bedeutet, dass die Lernenden im Fach Deutsch die Textverständniskompetenz ohne Texte hätten erwerben müssen. Die Kompetenz des Flötenspiels im Musikunterricht hätte ohne Flöten vermittelt werden sollen, der Schwimmunterricht hätte ausserhalb des Wassers stattgefunden, der Matheunterricht ohne Zahlen und das Turnen am Reck ohne Reck. Die Bildungsdirektion hat offenbar Mühe zu verstehen, dass Kompetenzen stets anhand eines Mediums wie einem Stoffinhalt, einem Instrument, einem Werkzeug o.Ä. erarbeitet werden. Sie vermitteln sich nicht aus sich selbst, quasi im luftleeren Raum, Creatio ex nihilo. Hier liegt im Wesentlichen der Irrtum der Passepartout-Ideologie. Jene ging davon aus, eine Fremdsprache konstruiere sich von selbst ohne Arbeitsaufwand, ohne Grammatik und ohne Wortschatz, also ohne Sprache. Kein Zufall, ist Passepartout doch ein Produkt der ausschliesslichen Kompetenzorientierung.

Die Initiative der SSbB vom Juni 2018 machte dann den Weg frei für Stoffinhalte. Diese sollten in einem Lehrplanteil A aufgenommen werden, während zur Unterbringung der 3'536 Kompetenzformulierungen der Hunderte Seiten umfassende Lehrplanteil B diente.

Aushebelung des Lehrplans 21

Dann allerdings geschah etwas sehr Merkwürdiges. In der Stellungnahme zur «Vorlage an den Landrat» von Anita Biedert vom 2. März 2021 lässt sich der Regierungsrat folgendermassen verlautbaren: «Die Lehrpersonen der Sekundarschulen des Kantons Basel-Landschaft können als einzige in der Schweiz auf zwei Lehrplanteile zurückgreifen. Sie entscheiden selbstständig, mit welchem Lehrplanteil sie arbeiten.» Im «Bericht der Bildungs-, Kultur- und Sportkommission an den Landrat» vom 14. Oktober 2014 doppelt Monica Gschwind nach: «Tatsache ist, dass alle Baselbieter Lehrerinnen und Lehrer der Sekundarschule mit beiden Lehrplanteilen arbeiten und entscheiden können, welchen sie verwenden wollen.»

Wurde hier soeben offiziell der Lehrplan 21 ausgehebelt? Egal. Aber wie war das nochmal mit Stoffinhalten und Kompetenzen? Richtig, sie bedingen sich gegenseitig. Das eine gibt es nicht ohne das andere. Lehrkräfte können sich nicht ausschliesslich an Kompetenzen orientieren. Sie müssen diese an Stoffinhalten erarbeiten können. Kann man im Kanton Baselland tatsächlich Regierungsrat werden, ohne diesen an sich leicht nachvollziehbaren Zusammenhang zu verstehen? Nein. Regierungsräte sind nicht blöd, im Gegenteil. Hinter der Betonung der angeblich völlig beliebigen Austauschbarkeit der beiden Lehrplanteile versteckt sich in der Tat eine Taktik.

Der Bauerntrick

Die Bildungsdirektion gewann wenn auch spät eine wichtige Erkenntnis: Haben Lehrkräfte die Wahl zwischen einer übersichtlichen bzw. begrenzten Auflistung von Stoffinhalten einerseits und völlig unübersichtlichen, oft redundanten und zuhauf unklar formulierten 3'536 Kompetenzbeschreibungen andererseits, entscheiden sie sich immer für Stoffinhalte. Dabei können sie die zu vermittelnden Kompetenzen gar nicht aus den Augen verlieren, ansonsten sich ihr Stoff überhaupt nicht vermitteln liesse. Völlig unabhängig von Tausenden von Kompetenzbeschreibungen sind Lehrkräfte in der Vermittlung von Kompetenzen erprobte Unterrichtsprofis. Dies im Gegensatz zu den Schreiberlingen des Lehrplans 21: Dessen Autoren «…verfügten zum grössten Teil über keinerlei Unterrichtserfahrung...», wie Ernst Schürch, Präsident der AKK, treffend feststellte.

Aus Sorge, die 3'536 Kompetenzbeschreibungen im Lehrplanteil B würden gänzlich unter den Tisch fallen, musste die Bildungsdirektion nun alles daransetzen, möglichst viele davon, wenn nicht alle, in den Lehrplanteil A zu schmuggeln, wo sie dann die Stoffinhalte fast gänzlich verdrängten. Um ihre Strategie rhetorisch zu tarnen, argumentierte die Bildungsdirektion und der Regierungsrat im Stile Harry Haslers: Alles paletti, wir haben nun zwei Lehrplanteile, ihr könnt wählen! Dies stimmt zwar, allerdings geht es ja nicht um die Anzahl der Lehrplanteile, sondern um die notwendige Verankerung übersichtlich dargelegter Stoffinhalte und somit um die Praktikabilität von Lehrplänen, welche bis zu jenem Zeitpunkt nicht gegeben war.

Um die Bildungsdirektion doch noch zur Raison zu bringen, lancierte die SSbB ihre Durchsetzungsinitiative. Ebenfalls bemüht um einen guten und praktikablen Baselbieter Lehrplan ist der Bildungsrat. Diesem gehören mittlerweile mehrere Mitglieder an mit Unterrichtserfahrung. Sie wissen, dass Lehrpläne, wenn überhaupt, nur zur Anwendung kommen, wenn sie nicht ideologie-, sondern praxisorientiert sind. Andernfalls werden sie seitens der Lehrkräfte zwangsläufig ignoriert. Drückt man einem Maler neue Pinsel ohne Borsten in die Hand, wird er mit seinen alten weiterarbeiten oder sich bis auf Weiteres an seinem Pausenbrot zu schaffen machen.

Das letzte Wort haben die Lehrkräfte

Aufgrund des Drucks beider Akteure, der SSbB und dem Bildungsrat, entstehen gegenwärtig für immer mehr Fächer nun doch noch Lehrpläne mit aufgelisteten Stoffinhalten. Es macht den Anschein, dass sich die SSbB unabhängig vom Ausgang der Abstimmung vom 7. März einmal mehr zum Wohle der Lernenden durchgesetzt hat. Letzten Endes entscheidet ohnehin weder die Bildungsdirektion bzw. -administration noch die Bildungspolitik über die Tauglichkeit von Lehrplänen. Dieser Entscheid obliegt den Lehrkräften im Rahmen ihrer täglichen Unterrichtsarbeit. Zumindest dies sollte man aus dem Passepartout-Skandal gelernt haben.

Felix Hoffmann, Sekundarlehrer

 

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