Starke Schule beider Basel

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Flyer verteilen

Im Juni 2018 entscheiden die Stimmberechtigten über den Ausstieg aus der unsäglichen Fremdsprachenideologie. Zurzeit verteilen wir 100'000 Flyer im ganzen Kanton in Briefkästen. Wir freuen uns, wenn Sie mithelfen und ebenfalls einige Flyer verteilen (siehe hier).
 

News

  • Montag, Januar 29, 2018

    Vorstoss zur sinnvollen Integration

    Landrätin Anita Biedert reicht Vorstoss zur sinnvollen integrierten Heilpädagogik an den Volksschulen ein

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  • Mittwoch, Januar 10, 2018

    Volk ist gegen Frühfremdsprachen

    Die Basler Zeitung hat ihre Leser/-innen gefragt, ob sie dafür sind, dass die Frühfremdsprachen abgeschafft werden. Das Ergebnis ist beeindruckend.

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Leserbrief

Die Negation der Wirklichkeit

Die Devise der Passepartout-Promotoren in Bezug auf die äusserst negative Berichterstattung und die massive Kritik der Eltern, Schüler und Lehrpersonen lautet weiterhin „ignorieren und aussitzen“. Dies im Wissen darum, dass die Vorwürfe erstens berechtigt und durch Fakten belegt sind, und dass zweitens bei der Reaktion auf den begründeten Protest verloren hat, wer sich zuerst bewegt. Gegen diese Regel hat Projektleiter Reto Furter, Hauptverantwortlicher des Passepartout-Debakels, mit seiner Stellungnahme im Interview vom letzten Donnerstag verstossen. Durch die Nennung der Widersprüchlichkeiten und Mängel bestätigt er einerseits die Berechtigung der massiven Kritik am Passepartout-Dogma und legt andererseits auch Zeugnis seiner eigenen Unbelehrbarkeit ab. Ideologisch verblendet sich an Passepartout festklammernd, will er nicht erkennen, dass all die eingestandenen Irrtümer dieses Fehlkonstrukts nicht ohne dessen Beseitigung zu eliminieren sind. Sämtliche Unzulänglichkeiten sind nämlich nicht nur Teil dieser Irrlehre Passepartout, sie bilden vielmehr ihr morsches Fundament.

Michael Pedrazzi, Allschwil
 

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Bildungsrat – undemokratische Fehlkonstruktion

Viele der unsäglichen und gescheiterten Reformen in unserem Kanton hat der jetzige Bildungsrat zu verantworten: Beispielsweise Passepartout mit den Lehrmitteln Mille Feuilles, Clin d’Oeil und New World oder die Sammelfächer, welche er gegen den Volkswillen einführen wollte. Auch eine unmögliche Stundentafel mit eineinhalbstündigen Fächern versuchte er durchzusetzen.

Das zentrale Problem besteht darin, dass der Bildungsrat mit zahlreichen Personen besetzt ist, die in ihrem Alltag wenig bis nichts mit Bildung zu tun haben. Sie entscheiden abschliessend im stillen Kämmerlein unter Ausschluss der Öffentlichkeit, ohne ihre Entscheide vor dem Landrat oder der Bevölkerung rechtfertigen zu müssen. Die Mitglieder des Gremiums müssen keine Verantwortung für ihre Fehlentscheide und massive finanzielle Auswirkungen übernehmen. Sie können sich in der Anonymität verstecken und sich mit Hinweis auf das Amtsgeheimnis jeglicher inhaltlicher und öffentlicher Diskussion verweigern. Das entspricht nicht demokratischen Prinzipien.

Die Mitglieder des Bildungsrates sind selbst für grobe Fehlleistungen nicht belangbar. Das Problem ist nicht die gegenwärtige Fehlbesetzung dieses Gremiums – darauf haben die Stimmbürger/-innen ohnehin keinen Einfluss –, sondern die fehlende Verantwortung, welche die Mitglieder des Bildungsrates nicht übernehmen. Wer aber keine negativen Konsequenzen zu befürchten hat, beachtet die Folgen seines Handelns auch nicht. Und gerade weil der Bildungsrat in letzter Instanz beschliesst, können die Korrekturen seiner Fehlbeschlüsse nur noch mittels aufwändigen Volksinitiativen korrigiert werden. Dadurch geht wertvolle Zeit verloren und kostet den Steuerzahler viel Geld.

Mit dem Beirat Bildung ersetzen wir den Bildungsrat durch ein professionelles Organ, welches mit ausgewiesenen Bildungsfachleuten besetzt sein wird. Der Beirat Bildung kann somit den Regierungsrat fundiert und professionell beraten. Ein solches Expertengremium benötigt keine Entscheidungskompetenzen, im Gegenteil. Da es nicht abschliessend entscheidet, muss es seine Analysen, Konzepte und Empfehlungen sachkundig und überzeugend begründen, ansonsten fliesen diese nicht in die Entscheidungsprozesse ein. Unüberlegte oder politisch motivierte Schnellschüsse haben so keine Chance umgesetzt zu werden. Die Bildungsdirektion kann in der Folge die stichfest begründeten Empfehlungen des neuen Expertengremiums Beirat Bildung auch nicht missachten. Andernfalls setzt sich die Bildungsdirektorin gewaltigem öffentlichen und politischen Druck aus.

Die notwendigerweise fehlende Entscheidungskompetenz des Beirates Bildung hat zusätzlich eine positive Auswirkung auf dessen Besetzung. Ohne abschliessende Beschlusskraft können Exponenten ferngehalten werden, denen es in erster Linie um die eigene Profilierung oder um die Lust an der Macht geht. Das Fehlen der Entscheidungskompetenz und die Notwendigkeit, mit guten Argumenten zu überzeugen, favorisiert automatisch professionelle Fachleute, die sich aus Interesse an der Sache und nicht aus persönlicher Motivation für ein Mandat im Beirat Bildung zur Verfügung stellen.

Das Gremium Bildungsrat muss im Sinne einer Professionalisierung dringend ersetzt werden. Damit können künftig fahrlässige und nur noch schwer zu korrigierende Fehlentscheidungen mit Langzeitwirkung vermieden werden. Mit der vorgeschlagenen Änderung des Bildungsgesetzes und der nachfolgenden Ablösung des Laiengremiums Bildungsrat durch das Fachgremium Beirat Bildung wird eine offensichtliche und undemokratische Fehlkonstruktion beseitigt.

 

Landrat entscheidet sich für den Ausstieg aus Passepartout

Wichtiger Abstimmungserfolg der Starken Schule beider Basel: Die Mehrsprachigkeitsdidaktik Passepartout, welche seit Jahren von den Eltern und den Lehrpersonen heftig kritisiert wird, steht im Kanton Basel-Landschaft vor dem Aus. Der Landrat hat heute nach langer Diskussion in der Schlussabstimmung überraschend deutlich mit 47 zu 36 Stimmen bei zwei Enthaltungen die Initiative "Stopp dem verheizen von Schüler/-innen: Ausstieg aus dem gescheiterten Passepartout-Fremdsprachenprojekt" der Starken Schule befürwortet.

Die Fraktionen SVP, FDP und glp/Grüne-Unabhängige sowie Teile der CVP/BDP befürworteten die Annahme der Initiative. Ausschlaggebend für die positive Kehrtwende waren offensichtlich die einleitenden Informationen der Bildungsdirektion, welche die massive Kritik an den Passepartout-Lehrbüchern bestätigte. Seit längerer Zeit verstauben die sehr teuren Einweglehrmittel in den Kästen der Klassenzimmer und werden immer weniger eingesetzt. Vermehrt verwenden die Lehrpersonen andere Lehrmittel oder die eigenen Arbeitsunterlagen. Dadurch werden Millionen verschleudert.

Regierungsrätin Monica Gschwind muss nun eine Gesetzesvorlage erarbeiten, welche die unformuliert eingereichte Initiative umsetzt. Gschwind hätte lieber bis zur Auswertung der Evaluation gewartet, die 2021 durchgeführt wird, bevor sich der Kanton für eine Abkehr des Fremdsprachenkonzepts ausspricht. Da bereits heute viele der Lehrpersonen auf der Sekundarstufe 1 nicht mehr mir den entsprechenden Lehrmitteln (Clin d'oeil und New World) arbeiten, wäre das Ergebnis der Evaluation verfälscht und damit nicht mehr aussagekräftig. Es macht daher Sinn, jetzt die Notbremse zu ziehen.

Zwei Jahre hat die Regierung Zeit, eine Gesetzesvorlage auszuarbeiten, die dann noch einmal vor den Landrat und danach vors Volk kommt. Der Baselbieter Landrat hat mit seinem mutigen Entscheid ein wichtiges Signal gesetzt, auch an die Adresse der anderen Passepartout-Kantone Basel-Stadt, Solothurn, Bern, Wallis und Fribourg.

Den entsprechenden Artikel der BaZ können Sie hier lesen.

 

Gastkommentar von Jürg Wiedemann (Vorstandsmitglied Starke Schule beider Basel, Landrat Grüne-Unabhängige), erschienen in der Basler Zeitung vom 30.01.2018

Eine widersprüchliche Ideologie

Als Reaktion auf Kritik sprachen die Verantwortungsträger kritischen Eltern und erfahrenen Lehrpersonen jahrelang die Urteilskraft ab. Erst aufgrund der unübersehbaren, verheerenden Auswirkungen der Passepartout-Ideologie und des medialen Drucks sah sich Passepartout-Projektleiter Reto Furter gezwungen, sein 50-Millionen-Projekt in einem Interview mit der BaZ zu rechtfertigen. Mit scheinheiligen Beschwichtigungsversuchen, verzweifelten Durchhalteparolen und abenteuerlichen Prognosen demonstriert er einmal mehr, dass das Projektmanagement nicht imstande ist, das untaugliche Konzept der sogenannten Mehrsprachigkeitsdidaktik und die dazugehörenden Lehrmittel "Mille feuilles", "Clin d'oeil" und "New World" ernsthaft zu hinterfragen. Im Gegenteil. Trotz verheerenden Umfragewerte, trotz massiver Kritik anlässlich kantonaler Passeparout-Hearings und trotz andauernder Negativpresse wird auf der mit Steuergeldern finanzierten Passepartout-Website weiterhin ein ideologisch verklärtes Bild vermittelt, das mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat.

Einerseits behauptet das Projektmanagement, man habe die Französischlehrmittel vor der Einführung seriös erprobt. Andererseits wird gefordert, man müsse den Schlussbericht der Evaluation im Jahr 2021 abwarten, um beurteilen zu können, ob sich die flächendeckende Einführung dieser im internationalen Vergleich bizarren Didaktik bewährt habe. Ein klarer Widerspruch in sich selbst. Widersprüchlichkeit ist denn auch eines der Hauptmerkmale der Passepartout-Ideologen:

  • Dank "Sprachbad" seien die Kinder in der Lage, die Fremdsprache wie ihre Muttersprache zu erlernen - ganz ohne "Büffeln". Vier Jahre später verkündet Manuele Vanotti, der für das Passepartout-Projekt im Kanton Basel-Stadt verantwortlich ist, dass es sich um kein "Sprachbad" handle, da die wöchentliche Unterrichtszeit von lediglich zwei bis drei Wochenlektionen viel zu kurz sei. Die Rahmenbedingungen waren allerdings von Beginn an klar, sodass seitens der Passepartout-Ideologen gesunder Menschenverstand gereicht hätte, um gar nie erst die unhaltbare Behauptung eines "Sprachbads" aufzustellen.
     
  • Dank der angeblichen Überlegenheit der Mehrsprachigkeitsdidaktik seien die Kinder schon nach kurzer Zeit darin geschult, sich in der Fremdsprache handlungsorientiert und frei zu äussern. Vier Jahre später muss das Passepartout-Management eingestehen, dass die Kinder nach über 350 Lektionen Frühfranzösisch noch nicht einmal die wichtigsten 300 Wörter beherrschen, also weniger als ein Wort pro Lektion gelernt haben.
     
  • Dank angepriesener Lernstrategien seien die Lernenden fähig, die grammatischen Strukturen zu entdecken und sie sich anzueignen. Nach sechs Jahren sehen sich die Gymnasien im Kanton Bern allerdings gezwungen, den Grammatikteil aus den Aufnahmeprüfungen zu streichen. Die lapidare Begründung: Man kann nicht abfragen, was nicht vorhanden ist.
     
  • Dank vermehrter Sprachvergleiche seien die Schüler/-innen in der Lage, selbst komplizierte Texte zu entschlüsseln. Nach sechs Jahren weist die Mehrsprachigkeitsforscherin Susanne Zbinden jedoch wissenschaftlich nach, dass das Leseverständnis der "Clin d'oeil"-Lernenden signifikant schlechter ist als dasjenige derer, welche die französische Sprache mit Texten gelernt haben, die dem jeweiligen Sprachniveau angepasst sind. Und erst nach sechs Jahren hartnäckiger Beratungsresistenz sieht sich der "Schulverlag plus" aufgrund einer Intervention der betroffenen sechs Bildungsdirektor/-innen gezwungen, "Mille feuilles 5" und "Mille feuilles 6" "substantiell" umzuschreiben. Offensichtlich wird mit der angekündigten Überarbeitung versucht, zu retten, was zu retten ist.

Angesichts dieser verheerenden Bilanz ist es höchste Zeit, die grobfahrlässige Schulutopie Passepartout zu stoppen. Danach kann sich der Fremdsprachenunterricht wieder erfolgreich an der bewährten und international anerkannten Didaktik orientieren. Es darf nicht sein, dass die Passepartout-Verantwortlichen aus Eigeninteressen zulasten der Schülerinnen und Schüler auf Zeit spielen, sei es um des Geldes wegen oder um das eigene Gesicht zu wahren.
 

Gastkommentar von Daniel Vuilliomenet, erschienen in der Basler Zeitung vom 27.01.2018

"Schö nö gombran pa"

Das Wort "Reform" müsste, was die Schule anbelangt, zum Unwort des Jahrtausends erklärt werden, wenn wir all den unter diesem Schlagwort eingeführten Mumpitz der Vergangenheit betrachten würden. Dabei sticht das Projekt Passepartout heraus, sowohl was dessen pädagogische Verdrehtheit als auch seine Kosten anbelangt.

Zuerst steht die inzwischen kläglich revidierte Behauptung im Raum, es handle sich beim neuen Fremdsprachen-Vermittlungskonzept um ein "Sprachbad". Verknüpft mit Sparmassnahmen eines per se klammen Kantons Baselland, kann man höchstens von den "Füssen in der Pfütze" sprechen. Müsste ich meine Körperfplege so einrichten, wie das Sprachbad daherkommt, so würde ich zum Himmel stinken. Zum Glück hat der oberste Verantwortliche für "Passepartout" diesen Anspruch im BaZ-Interview vom Donnerstag mit Franziska Laur revidiert.

Die konstruktivistische Reformitis, die auch andere Fachbereiche der Volksschule erfasste, hat ihre Wurzeln in der Achtundsechziger-Revolte, die schulisch bis heute nachwirkt und sich erst jetzt richtig zu entfalten scheint. Zu nennen ist da nebst den Summerhill-Experimenten des freien Lernens vor allem das Programm "Lesen durch Schreiben" von Jürgen Reichen aus den Siebzigerjahren. Mit einer Buchstabentabelle versehen, konstruieren Erstklässler ihre ersten Schreibergebnisse nach Gehör. So weit, so gut. In einer erziehungswissenschaftlichen falschen Verbeugung vor dem Kind, dem Korrekturen doch (noch) nicht zugemutet werden können, werden diese ersten Schreibschritte belassen. Ein Eingreifen seitens der Erwachsenen ist verboten - das wird auch heute noch per Brief an die betroffenen Eltern so kommuniziert. Damit schleift sich "falsch" Geschriebenes während einer zu langen Zeitdauer ein, eine spätere Korrektur (zum Beispiel erst in der vierten Klasse) ist schwer möglich. Die Begründung für ein derart abartiges Lehrverhaltenn heisst: Alles entwickelt sich zur richtigen Zeit von selbst - Instruktion ist des Teufels! Pädagogik, gegründet auf dem Prinzip Hoffnung.

Genau dieses Lesen-durch-Schreiben-Konzept findet sich nun auch beim Frühfranzösisch. Es wird drauflos geplappert und geschrieben - alles nach Gehör. So kann dann der folgende Satz entstehen: "No, schö nö gombran pa" - ich verstehe nicht.

Kommen die Sechstklässler in die Sekundarstufe I mit Korrekturanspruch, so ist der Ablöscher vorprogrammiert und genau das kann beobachtet werden: Die Kiddies wirken nach wenigen Wochen schulmüde! Kein Wunder - sie wurden wertvolle Jahre an der Nase herumgeführt und werden nun schockartig mit der Realität konfrontiert. Eine kürzlich an mich herangetragene Begründung für das Verweigern von faktenbezogenen Lehren auf der Primarstufe lautete denn auch wörtlich: Wir wollen den Kindern doch nicht das Paradies vorenthalten, dass sie nachher nie mehr haben werden. Man rauft sich nicht nur die Haare!

Es geht noch schlimmer: Eine Kollegin (Lehrperson Sekundarstufe I für Deutsch) behauptete mir ins Gesicht, es gäbe gar keine Rechtschreibekompetenz mehr. Diktate und dergleichen im Fach Deutsch seien definitiv "out". Dies sei auch die Stossrichtung in der Ausbildung von Deutsch-Lehrpersonen an der Pädagogischen Hochschule. Aber hallo?! Bewerbungsschreiben oder Maturarbeiten sowie Semesterarbeiten an der Uni lassen grüssen. Was Gymeler und Studenten trotz Korrekturprogrammen heute abliefern, ist zum Teil haarsträubend, ich durfte selber Einblick erhalten. Die Fragen seien erlaubt: Wollen wir das wirklich? Können wir uns das leisten? Es ist die (inzwischen digitalisiert aufmunitionierte) Arroganz reformpädagogisch argumentierender BildungsschreibtischtäterInnen, die vorgibt, ein heutiges Kind könne viertausend Jahre Wissenschaft und Kultur - Google sei Dank - in neun Schuljahren für sich selber "konstruieren". Daraus leitet sich der Begriff "konstruktivistisch" ab. Die Lehrpersonen verkommen zu Coaches, die den Segen top-down verordneter und auf ideologischem Boden gewachsener Bildungsprogramme kritiklos umzusetzen haben. Was vorher war, ist heute falsch und nicht mehr zu würdigen.

Genau das gibt Reto Furter im erwähnten Interview zu und entlarvt sich damit selber. Beim Programm Passepartout hiess es gleich zu Beginn seiner Umsetzung, dass nur die in 24(!) Halbtagen Weitergebildeten ihre Unterrichtsberechtigung im entsprechenden Sprachfach beibehalten können. Inzwischen krebsen die Verantwortlichen zurück, mit dem verzweifelten Versuch, einen Rest ihres bereits verlorenen Gesichts zu wahren. Masst sich eine erfahrene Lehrerin an, Kritik zu äussern, so gilt sie augenblicklich als ewiggestrig. Ein solch hinterhältiges Regime mit verordneter Gehirnwäsche ist nur aus totalitären Staaten oder bei religiösen Sekten bekannt.
 

Studie vergleicht neue und alte Französischlehrmittel

Susanne Zbinden hat sich in ihrer Masterarbeit, die sie im Departement für Sprachen und Literaturen an der Universität Fribourg eingereicht hat, mit dem Leseverstehen des alten und des neuen Lehrmittels im Fach Französisch auseinandergesetzt. Die Arbeit mit dem Titel "Leseverstehen mit altem und neuem Lehrmittel im Vergleich. Eine empirische Studie über das Verstehen von französischen Texten auf der Sekundarstufe 1" hat das Leseverstehen verschiedener Klassen mithilfe eines Tests und einer Befragung untersucht. Verglichen wurden zwei Gruppen, wobei Gruppe 1, aus Schulkindern bestand, die in der 5. Primarstufe mit dem Lehrmittel Bonne Chance mit dem Französischunterricht begonnen haben. Gruppe 2 beinhaltete Klassen, die mit dem neuen Lehrmittel Clin d'oeil bereits in der dritten Primarstufe begonnen haben. Die Studie wurde durchgeführt als beide Gruppen knapp 600 Stunden Französischunterricht vorweisen konnten.

Der Test, den die verschiedenen Klassen gemacht haben, bestand aus vier unterschiedlichen französischen Texten zu denen jeweils Fragen auf Deutsch gestellt wurden, welche die Schulkinder auch auf Deutsch zu beantworten hatten. Ausserdem bestand jeder Test aus offenen Fragen, in welchen nach den Strategien der Schulkinder gefragt wurde, die sie nutzten um Texte aus der französischen Sprache ins Deutsche zu übersetzen.

Obwohl die Ergebnisse pro Text unterschiedlich ausfielen, lässt sich ganz allgemein sagen, dass die Schulkinder, die bereits seit der dritten Klasse Französisch mit der neuen Fremdsprachendidaktik und dem Lehrmittel Clin d'oeil lernen, in der Regel schlechter abschnitten, als jene, die noch mit Bonne Chance und der alten Didaktik die Sprache gelernt haben. Zbinden schreibt, dass gut fünf Punkte der Leistungen eines Schülers durch den Faktor der Lehrmittel erklärt werden können, also dass die Bonne Chance-Schüler/-innen durchschnittlich um gut fünf Punkte besser waren als die Clin d'oeil-Schüler/-innen. In Form von Noten würde der ersten Gruppe eine 4.5, der zweiten Gruppe eine 4 vergeben werden.

Interessant bei dem Ausgang dieser Studie ist die Tatsache, dass die mehrfach angetroffene Aussage, dass Lernende nach dem neuen Lehrmittel bessere Lesefertigkeiten entwickeln würden als bisherige Schüler/-innen, durch die Untersuchung von Frau Zbinden widerlegt werden konnte. Als mögliche Gründe für die im Schnitt 10% schlechteren Ergebnisse der Gruppe zwei führt Frau Zbinden unter anderem die untergeordnete Rolle von Wortschatz und Grammatik im neuen Lehrmittel an.

Auch Frau Zbinden ist der Meinung, dass eine Anpassung der Reform notwendig sei, um bei den Lernenden wieder eine erhöhte Lesefertigkeit aufzubauen. Auch wir hoffen, dass die Verantwortlichen möglichst schnell einsehen, dass beim Erlernen der Fremdsprachen schleunigst eine Änderung im Kurs vorgenommen werden muss, damit am Ende nicht eine ganze Generation von Schulkindern an den Folgen dieser Reform leidet.

 

Gastkomentar von Michael Pedrazzi, erschienen in der bz am 12.12.2017

Nur die Wirtschaft hat Freude daran

Mit der Einführung des 6. Primarschuljahres auf Kosten der Sekundarschule geht die Leistungsschere der lernstarken und lernschwachen Primarschülerinnen und -schüler spürbar auseinander, zudem setzt die Pubertät ein. In derart heterogenen Klassen allen Kindern gerecht zu werden, ohne die Schwächsten zu überrollen und die Stärksten zu unterfordern, kommt einem Mehrfachspagat der Primarlehrpersonen gleich. Den Bildungsansprüchen jedes Einzelnen kann kaum mehr genügt werden – ein Bildungsabbau ist programmiert. Die Erfahrungen in den vergangenen zwei Jahren zeigen: Im 6. Primarschuljahr wird fachlich markant weniger behandelt, als dies früher im entsprechenden 1. Sekundarschuljahr der Fall war. Bildungspolitisch ist dieser Strukturwechsel ein Flopp. Finanziell hat sich die Sparübung nur für den Kanton gelohnt, indem er einen Viertel der Sekundarschulzeit durch entsprechend «günstigere» Primarlehrerlöhne ersetzen konnte.

Im Kanton Baselland war bislang der Anteil der Schüler/-innen, die in der Sekundarschule ins progymnasiale Leistungsniveau P eingeteilt wurden, überdurchschnittlich hoch. Dieser Anteil war grösser als in den meisten Kantonen, die schon früher sechs statt fünf Primarschuljahre kannten. Um aber die Schüler/-innen fachlich gleich gut auf die Berufslehre und die weiterführenden Schulen (FMS, Gymnasium usw.) vorbereiten zu können, muss infolge des Wechsels von 4 auf 3 Jahren Sekundarschule der annähernd gleiche Stoff in einem Viertel weniger Zeit behandelt werden.

Für die Lernenden wird der Unterricht insbesondere im anspruchsvollen Leistungsniveau P schwieriger, und die Anzahl derer, welche diese Anforderungen bewältigen können, wird sinken. Dies war das Ziel vieler Wirtschaftspolitiker, die sich nun die Hände reiben. Aus ihrer Sicht sollen weniger Schüler/-innen via Gymnasium an die Universität, sondern vermehrt eine Lehre absolvieren und damit früher ins Berufsleben einsteigen, was in erster Linie den Firmen dient.

Nicht nur in diesem Beispiel greifen Wirtschaft und Verbände markant in unser Bildungssystem ein, um ihre Eigeninteressen durchzusetzen. Desgleichen wittern sie ihren kommerzgesteuerten Einfluss in den Schulzimmern mit Lehrmaterial, Apps und sonstigem «Product Placement». Auch in Bezug auf Unterrichtsphilosophie und Didaktik mischt die Privatindustrie mit Lehrmitteln des selbstorganisierten Lernens kräftig mit. Besonders deutlich ist dies zu spüren an den Exzessen der neuen Fremdsprachenlehrmittel «Mille Feuilles», «Clin d’Oeil» und «New World».

Primarlehrpersonen müssen sich diesem Hintergrund bei der Einteilung ihrer Schützlinge in die drei Leistungszüge der Sekundarschule bewusst sein. Wenn sie dieser veränderten Situation und den Anforderungen der abnehmenden Schulen nicht gerecht werden, sinkt entweder das Leistungsniveau in den Anforderungsprofilen E und P, oder aber die Durchfallquote steigt. Insbesondere der letzte Punkt dürfte sich in Schüler-Frustration und Kritik seitens der Erziehungsberechtigten niederschlagen.

 

Lehrplan 21 wird faktisch gegenstandslos

Die Starke Schule beider Basel begrüsst den einstimmigen Entscheid des Landrates, den Gegenvorschlag zur Initiative „Ja zu Lehrplänen mit klar definierten Stoffinhalten und Themen“ zu befürworten. Der Vorstand der Starken Schule stuft den Gegenvorschlag als bessere Lösung ein als die Initiative. Der Gegenvorschlag setzt wichtige Kernforderungen der Starken Schule um, welche nicht Gegenstand der Initiative sind:

  1. Die künftigen Lehrpläne der Volksschule enthalten ab Schuljahr 2018/19 klar definierte Stoffinhalte, Themen sowie Kompetenzbeschreibungen.
  2. Die Lehrpläne der Sekundarstufe I enthalten Jahresziele und sie sind differenziert auf die drei Leistungsniveaus A, E und P ausgerichtet. Zudem werden sie auf die weiterführenden Schulen (Berufsfachschulen, FMS, Gymnasium usw.) abgestimmt.

Betreffend Kompetenzbeschreibungen sind die Differenzen zwischen Initiative und Gegenvorschlag gering. Mit der Initiative wären die Kompetenzbeschreibungen des Lehrplans 21 in einem Anhang festgeschrieben worden, mit dem Gegenvorschlag sind Stoffinhalte, Themen und Kompetenzbeschreibungen gleichgestellt. Entscheidend ist, dass mit diesem Gegenvorschlag die Stoffverteilungspläne mit den klar definierten Stoffinhalten, Themen sowie nur noch den wichtigsten Kompetenzbeschreibungen neu massgebendes Instrument werden, an welchen sich die Lehrpersonen ausrichten. Der rund 550-seitige Lehrplan 21 wird gegenstandslos.

Mit der Festschreibung von Jahreszielen werden die im Lehrplan 21 vorgegebenen Zyklen (Drei-Jahresziele) auf der Sekundarstufe I aufgebrochen. Die Festschreibung von Jahreszielen erachtet die Starke Schule als zwingend, um die Harmonisierung der Schulen in unserem Kanton sicherzustellen. Dies ist notwendig, damit die Schüler/-innen von A nach B wechseln können, ohne fachlich grössere Schwierigkeiten zu erhalten.

Bislang herrschte die Tendenz vor, dass jeweils die untere Schulstufe vorgibt, in welcher Tiefe vorgegebene Lernziele behandelt werden. Die jeweils folgende Schulstufe musste sich nach diesen Leistungszielen richten. Die künftigen Lehrpläne der Sekundarstufe 1 werden erstmals an den Anforderungen der übergeordneten Schulen ausgerichtet.

Mit diesem Gegenvorschlag ist es der Bildungsdirektion erneut gelungen, eine für die Schulen belastende Baustelle im Bildungsbereich zu schliessen.