Starke Schule beider Basel (SSbB)

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News

  • Sonntag, September 25, 2022

    Nun doch flächendeckender Verkehrsunterricht an den Baselbieter Schulen

    Seit Jahrzehnten findet an den Baselbieter Schulen regelmässig Verkehrsunterricht durch eine spezielle Absteilung der Polizei statt. Weil die Abteilung "Verkehrsinstruktion" zurzeit stark unterbesetzt ist, hätten gemäss Beschluss im Jahr 2022 der Unterricht in den zweiten Primarklassen gestrichen werden sollen. Dieser Entscheid wurde nun korrigiert, wie die Justizdirektion kürzlich informierte. (jw)

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  • Freitag, September 23, 2022

    Berufsbildung für Lehrpersonen

    Im Kanton Basel-Stadt wurde ein Vorstoss eingereicht, der die Prüfung einer möglichen berufsbildenden Ausbildung zur Primarlehrperson verlangt. Die Unterzeichnenden finden, dass die Ausbildung für Lehrpersonen in den letzten Jahrzehnten stark akademisiert und so der Zugang zum Beruf deutlich erschwert wurde. Insbesondere in der aktuellen Zeit mit starkem Lehrpersonenmangel soll dieser Entwicklung entgegengewirkt werden. (ai)

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  • Donnerstag, September 22, 2022

    Umfrage Fremdsprachen Primarstufe

    Zurzeit führen wir eine Umfrage zum Thema Fremdsprachenunterricht an der Primarschule durch, die sich an Lehrpersonen, Eltern und Bildungsinteressiert richtet. Falls Sie keinen Umfragelink erhalten haben und gleichwohl an der Umfrage teilnehmen möchten, können Sie bei uns einen Zugangscode verlangen.

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  • Donnerstag, September 08, 2022

    Steigende Schülerzahlen in BS

    In den letzten Jahren hat die Anzahl der Schüler/-innen in den öffentlichen Schulen sowie auch in den Kindergärten stetig zugenommen. Im Vergleich zum Schuljahr 2015/16 waren es im letzten Schuljahr 2021/22 rund 10% mehr Lernende. (ai)

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  • Freitag, September 02, 2022

    Mehr integrativ geförderte Kinder in Basler Schulklassen

    Im Verlauf der letzten Jahre veränderte sich die Anzahl der Schüler/-innen bei den separativen Angeboten. Während vor sechs Jahren noch 532 Kinder in diesen spezial Angeboten untergebracht waren, sind es in diesem Jahr nur noch 474. (lh)

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Pressespiegel

Wie ich ein Schuljahr überstand

Desinteresse, Interventionen, Sitzungen über Mittag: Ein pensionierter Pädagoge beschliesst etwas gegen den Lehrermangel zu tun und entdeckt mit einer Sekundarschulklasse seinen Beruf neu. Eine Weiterbildung in acht Lektionen.

Lesen Sie den Artikel hier.

[Quelle: NZZ vom 11.09.2022]

 

Lehrerin ohne Diplom? Ein Crashkurs

Die Sommerferien sind zu Ende, wegen des Lehrermangels stehen neuerdings auch Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger ohne Diplom und Erfahrung vor einer Klasse. Gehören Sie auch dazu? Eine Anleitung für den Erfolg im Schulzimmer. Lesen Sie den Artikel hier.

[Quelle: NZZ am Sonntag vom 21.08.2022]

 

Die Schule braucht weniger Lektionen und bessere Lehrpersonen

"Die Gesellschaft muss sich entscheiden, ob sie die Schule als Lernort oder als Betreuungsort haben will." Alain Pichard spricht in seinem Artikel über die aktuellen Problematiken an den Schulen und die ideologisch gefärbten Schulreformen. Lesen Sie den ganzen Artikel hier.

[Quelle: NZZ vom 19.08.2022]

 

Leserbrief

Unverständnis und mangelhafte Arbeit, die zur Strafanklage führt
Der Jugendstaatsanwalt hat Strafanzeige gegen eine 14-jährige Schülerin erstattet, offenbar ohne diese Schülerin befragt zu haben. Dann wurden zwei Lehrpersonen, die auch im Lager waren, auch nicht befragt. Wie kann ein Strafbefehl «objektiv» sein, wenn die involvierte Person sowie die beiden aufsichtshabenden Personen nicht befragt werden? Dafür wurden -so die Berichterstattung- rund neun Monate nach dem Vorfall acht Schülerinnen als Zeugen einvernommen. Ob da die Erinnerungen noch wirklich allen Tatsachen entsprochen haben?
Paul Hofer, alt-Landrat FDP

 
 

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Etwas wachsen sehen

Condorcet-Autor Alain Pichard war die überwiegende Zeit seines Lehrerdaseins ein Klassenlehrer. Aber das war nicht immer so. Er musste lange warten, bevor man ihm die Verantwortung für eine Klasse übertrug.

1977, das Jahr meiner Patentierung, herrschte ein plötzlicher Lehrkräfteüberschuss. Der sogenannte Pillenknick machte sich bemerkbar und liess landein, landab die Zahl der Klassen eingehen. Dennoch strömten aus den Lehrämtern und Seminarien relativ grosse Jahrgänge auf den Markt. Die Behörden im Kanton Bern erinnerten sich daran, dass das Pflichtpensum eines Lehrers bei 28 Lektionen lag. Und sie sahen, dass viele alteingessene Lehrkräfte, vor allem auf der Oberstufe bis zu 36 Lektionen unterrichteten. Das waren an die 8 Lektionen Überstunden. Sie beschränkten die Zahl der Überstunden auf 32. Aus den anfallenden Lektionen bastelten die Oberlehrer (so hiessen damals die Schulleiter) sogenannte Teilpensen. Die gestandenen Klassenlehrer waren natürlich wenig erbaut, dass ihnen das Einkommen um bis zu 15% reduziert wurde, denn Hypothekarzinsen lagen damals bei über 7%. Und einen Diskurs über Unterrichtsqualität gab es nur im Ansatz. So gaben sie ihre unbeliebtesten Fächer ab. Dazu gehörten Singen (so hiess damals das Fach Musik), Werken, Naturkunde, Religionsunterricht usw. ab. Sie liessen sich am Samstagmorgen einen freie Halbtag ins Pensum schreiben (Samstagmorgen wurde damals noch unterrichtet) und die jungen Lehrkräfte wurden mit unmöglichen Fächerkombinationen als «Wanderlehrer» in die Brennöfen der Realität geschickt. Man kann sich nur vage vorstellen, wie der Schulalltag für die Junglehrerinnen und -lehrer aussah. Viele von ihnen scheiterten und stiegen in andere Berufe um oder wechselten mit einer Zusatzausbildung die Schulstufe. Das wurde gerne notiert, denn es entlastete den Arbeitsmarkt.

Es entstand daraufhin eine Zweiklassengesellschaft innerhalb der Lehrerschaft. Der damalige bernische Lehrerverein (BLV) schützte vor allem die definitiv angestellten Lehrkräfte (die zu jener Zeit als Beamte galten) und sah die «provisorisch gewählten Lehrkräfte», die sich vornehmlich aus den jungen Wanderlehrkräften rekrutierten, als Puffer an. Ausserdem herrschte bei den Behörden ein stricktes Anciennitätsprinzip. Definitiv angestellte Lehrkräfte konnten auch bei krassesten Vergehen nicht entlassen werden. 1978 gründeten wir die VPOD-Lehrergruppen. Der VPOD war die Gewerkschaft der Staatsangestellten innerhalb des Gewerkschaftsbundes und damit auch ein Teil der Arbeiterbewegung. Für uns linke Lehrkräfte war dies ein ideologisch begründeter Schritt. Zulauf aus der eher unpolitischen Junglehrerschaft bekamen wir vor allem wegen dieser unmöglichen Arbeitssituation.

Ich selber blieb meinem Beruf trotz der schwierigen Situation treu. Neben ideellen Motiven brauchte ich auch das Geld, weil ich mein Studium teilweise selber finanzieren musste und auch bald einmal mit meiner Frau für eine Familie zu sorgen hatte. Unser Bestreben war damals klar: 100% arbeiten und eine Klasse übernehmen.

Eine drastische Änderung bei den Anstellungsbedingungen verbesserte unsere Situation. Die Erziehungsdirektion schaffte den Beamtenstatus ab und ersetzte ihn durch eine öffentlich-rechtliche Anstellung. Von nun an konnte man sich einfacher von unfähigen Lehrkräften trennen und es gab lediglich noch unbefristete und befristete Anstellungen. Die befristeten Anstellungen mussten aber spätestens nach einem Jahr in ein unbefristetes Anstellungsverhältnis überführt werden. Das gab innerhalb der beiden Lehrerverbände zu reden. Die linken Ideologen sahen darin eine Verschlechterung der Arbeitsplatzsicherheit, die pragmatischen erkannten darin auch die Chance, diese unmögliche Konstellation zu überwinden. Ich konnte schliesslich meinen VPOD davon überzeugen, diesen Deal einzugehen.

1990 wurde mir erstmals die Verantwortung für eine Klasse übergeben.  Ich tat dies mit einer Kollegin zusammen. Wir konnten nun endlich zeigen, wie wir eine Klasse führen können, und es erfüllte uns mit Freude, am Entstehen einer Gemeinschaft mitzuwirken.

Grundsätzlich war es immer noch schwierig, 100% zu arbeiten. Das gab die Stellensituation immer noch nicht her. Ausserdem blieb das Anciennitätsprinzip vorrangig. Die Älteren und die Klassenlehrer wurden bei der Pensenzuteilung privilegiert behandelt.

Gegenüber der heutigen Situation gab es noch einen entscheidenden Unterschied. Meine Kollegin und ich waren beide sogenannte Realschullehrkräfte, seminaristisch ausgebildet. Das heisst, wir verfügten über ein Generalpatent, das uns befähigen sollte, alle Fächer zu unterrichten. Natürlich war dies mit Abstrichen bei der Unterrichtsqualität verbunden. Aber in den damaligen Realklassen, die sich immer mehr mit Kindern aus prekären sozialen Verhältnissen füllten, erwies sich die Reduktion auf wenige verantwortliche Lehrkräfte als Vorteil. Ab 1996 begann die Spezialisierung der Lehrkräfte. Die Seminare wurden abgeschafft und durch die Pädagogischen Hochschulen ersetzt. Auch ich begann mich zu spezialisieren und konzentrierte mich in einem Nachdiplomstudium auf Mathematik und die naturwissenschaftlichen Fächer. Die ehemaligen «Wanderlehrer» wurden wegen ihrer Erfahrung und ihrer Befähigung, praktisch alle Fächer zu unterrichten, zu gefragten Lehrpersonen.

Die vielen Schulreformen erhöhten die Arbeitsbelastung der Lehrkräfte, vor allem aber die der Klassenlehrer. Heute stehen wir vor dem Problem, dass viele Lehrkräfte keine 100%-Stelle mehr wünschen und sich schon gar nicht als Klassenehrkräfte anstellen lassen wollen. Heute haben wir einen Arbeitskräftemarkt. Junge Lehrkräfte können sich heute vieles wünschen und tun dies auch. Auch finanziell scheinen es viele Lehrkräfte nicht mehr nötig zu haben, in Vollzeit zu arbeiten. Die Vereinbarkeit von Familienbetreuung und Arbeit ist vorrangig und kann in der Schule recht gut abgedeckt werden. Auch gibt es ausgestiegene Lehrkräfte, die in der Privatwirtschaft oder als Künstler nicht genug verdienen, und sich gerne noch in der Schule einen Zusatzverdienst holen.

Das Problem, mit dem sich die Schulleitungen unseres Landes befassen müssen, ist der schmelzende Kern des Personals, der die Schulen unseres Landes und ihren Schulalltag am Leben erhält. Denn die Schule ist auf Lehrkräfte angewiesen, die sich mit ihrem Arbeitsort identifizieren, ihn mittragen, bei den Schulanlässen dabei sind, Bibliotheken betreuen, Projekte begleiten u.v.m.

In einem nächsten Beitrag werde ich aufzeigen, was den Klassenlehrer zu einer Königsdisziplin der Pädagogik macht, welche Aufgaben da anstehen und wie diese Funktion wieder etwas attraktiver gemacht werden könnte.

 

Classroom

In den nun folgenden Zeilen möchte ich Ihnen – liebe Leserinnen und Leser – die verschiedenen Aufgaben einer Klassenlehrkraft schildern, die ihre 7. Klasse übernimmt und sie drei Jahre später entlässt. Es handelt sich dabei um eine Durchschnittsklasse in einer Agglomerationsgemeinde mit 20 Schülerinnen und Schüler.

  1. Klasse

Die Vorbereitungen beginnen bereits im alten Schuljahr. Es gibt Übertrittsgespräche mit den abgebenden 6.-Klasslehrerinnen. Dort werden über die Schülerinnen und Schüler wichtige Informationen ausgetauscht. Über ein Drittel der Schülerinnen und Schüler gibt es Dossiers (Förderbedarf, Betreuungsstand, Leistungsvermögen, Nachteilsausgleich, beanspruchte Institutionen). Diese Sitzung findet in der Regel an einem Nachmittag statt und dauert ca. zwei Stunden.

Die Dossiers müssen archiviert werden. Die zukünftige Klasse kommt an einem Morgen im alten Jahr zu einem Schnuppermorgen in die Schule. Für das Programm ist die zukünftige Klassenlehrkraft verantwortlich.

In den Ferien wird neben den fachlichen Vorbereitungen das Klassenzimmer neu eingerichtet, das Absenzenbuch mit Daten beschriftet, ein erster Schulausflug für die drei Kennenlerntage und der Elternabend vorbereitet.  Ausserdem fallen jede Menge administrative Arbeiten an. Die Dossiers müssen gelesen und entsprechende Infos an das Klassenteam geliefert werden. Stundenpläne und Klassenlisten müssen mit Raster vorbereitet werden. Der erste Morgen ist Klassenlehrermorgen. Nach der Anfangszeremonie übernimmt die Klassenlehrkraft ihre neue Klasse. Der Beginn ist sehr wichtig. Ich beginne den Tag jeweils mit einer einstündigen Teamarbeit (mit Farben und Formen). Vorbereitung am Sonntag zuvor ca. 1 Stunde.

Die Zeugnisse und Zahnkarten müssen eingesammelt und archiviert werden. Es beginnt die Materialausgabe.

Wichtig ist die Kennenlernwoche in der zweiten Woche des ersten Quartals. Hier gilt es, eine dreitägige Schulverlegung zu planen. Die Klassenlehrkraft muss schauen, dass sie aus dem Klassenteam eine Begleitperson findet. Sie muss Nahrungsmittel einkaufen, Menuepläne erstellen, den Transport organisieren, Elternbriefe schreiben und ein Programm für die zwei Tage entwerfen. Natürlich muss sie ein Budget erstellen und das Geld einsammeln. Die Klassenkasse ist nach einer aufwändigen Abrechnung auf Null und wird mit Gemeindebeiträgen (Exkursionsgeld) neu gespiesen. Die Führung des Klassenkontos obliegt der Klassenlehrkraft. Ausserdem muss eine Materialkiste mit Spielen, Papierblöcken und Filzstiften gefüllt werden.

Bis Ende Woche müssen Adressen, Handynummern und Mailadressen kontrolliert bzw. erhoben werden, eine immer komplizierter werdende Aufgabe. Ein Klassenchat wird eingerichtet. Die Schüler müssen wissen, welches Angebot der Schule sie wann und wo belegen wollen.

Der erste Teil des ersten Elternabends wird von der Schulleitung bestritten, der zweite Teil obliegt der Klassenlehrkraft. Das Klassenzimmer muss für diesen Anlass umgestellt werden. In der Regel nehmen 30 Personen an dem Anlass teil. Am Elternabend müssen die beiden Elternvertreter bestimmt werden.

Die Klassenlehrkraft plant und organisiert die Sitzordnung in der Klasse, diskutiert die Regeln und Umgangsformen und lässt in einem Wahlprozedere die Klassensprecher durch die Klasse bestimmen. Sobald die Schülerinnen und Schüler ihren Account haben (sehr oft Aufgabe des Informatikbeauftragten), ist die Klasse startklar. Die Kennenlernwoche wird mit einem Teamevent der neuen 7. Klassen abgeschlossen. Auch hier sind die Klassenlehrkräfte zuständig.

Nach diesen aufwändigen Vorarbeiten kann der Unterricht beginnen.

Weitere Aufgabenbereiche bis zu den Elterngesprächen im Winter sind Gruppeneinteilungen für den Sporttag, die Hauswahl für das Skilager im März und die Koordination des Informationsaustauschs im Klassen- und Jahrgangsteam.

Die immer aufwändigeren Anmeldungen bei unseren Kooperationspartnern – wie der Kinder- und Jugendpsychiatrie oder der Erziehungsberatung – auch eine Folge des Integrationsartikels – nehmen zu.

Eine sehr wichtige und zeitintensive Tätigkeit der Klassenlehrperson ist ihre Präsenz bei disziplinarischen und psychischen Problemen. Sämtliche Disziplinlosigkeiten, die von den Fachlehrkräften nicht geregelt werden können, landen bei der Klassenlehrperson. Verstösse gegen Schulhausregeln (z. B. in den Pausen) werden ihr gemeldet. Daraus ergeben sich Briefwechsel mit Eltern, Standortgespräche und ab und zu grössere Sitzungen mit Schulleitung und Behörden. Sämtliche Umteilungsentscheide müssen mit Klassenteam, Schulleitung und Institutionen genauestens dokumentiert werden. Zentrale Stelle hier: die Klassenlehrperson. Es folgen Netzgespräche, die in schwierigen Klassen einen enormen zeitlichen Aufwand verlangen. Eltern müssen aber auch bei disziplinarischen Konflikten aufgeboten werden. Die Gespräche müssen protokolliert und archiviert werden. Wenn es in gewissen Fächern zu chaotischen Verhältnissen kommt, ist es nicht selten die Klassenlehrperson, die den Unterricht hospitiert, damit er möglich bleibt.

Immer häufiger werden in den privaten Chats der Schülerinnen und Schüler unzulässige Hetzjagden auf Aussenseiter oder sexistische Bemerkungen herumgeschickt, welche dann das Klassenklima stark belasten.

Sämtliche Adressänderungen und wechselnde Telefonnummern und Mailadressen, die nicht immer gemeldet werden, müssen jeweils aktualisiert und an die Schulleitung und das Klassenteam weitergeleitet werden.

Die Klassenlehrkraft muss bei allen Betreuungsangeboten die Übersicht behalten, die da sind: Nachteilsausgleich, logopädische  Betreuung, reduzierte Lernziele, KBF-Status usw. Hier ist es dringend notwendig, ein gutes Computerprogramm zu beherrschen und Ordnung zu halten.

Sämtliche Adressänderungen und wechselnde Telefonnummern und Mailadressen, die nicht immer gemeldet werden, müssen jeweils aktualisiert und an die Schulleitung und dem Klassenteam weitergeleitet werden.

Die Elternarbeit nimmt immer mehr Zeit in Anspruch. Und dort, wo das Elternhaus kein Partner mehr sein kann, folgt die Kooperation mit den Institutionen, wie den Sozialbehörden oder der Berner Gesundheit.

Sämtliche von der Schulleitung und den Lehrerkonferenzen beschlossenen schulischen Anlässe landen bei den Klassenlehrpersonen, die zwar diese Events nicht organisiert, aber dafür sorgt, dass die Schülerinnen und Schüler wissen, was sie zu tun haben, in welchen Gruppen sie sind und wann sie wo sein müssen.

Die 20 Elterngespräche sind obligatorisch, man nennt sie Standortgespräche. Sie müssen gut vorbereitet sein und anschliessend protokolliert und archiviert werden. Es geht um Leistung, Arbeitsverhalten und Sozialverhalten, es geht um Einteilungen in Niveaufächern, um Probleme in der Klasse, Lernschwierigkeiten, Mobbingvorwürfe. Für Gespräche mit fremdsprachigen Eltern müssen Dolmetscher organisiert werden, was die zeitliche Planung erschwert. Und es geht auch um eine erste Nachfrage bezüglich Laufbahnplanung, z. B., ob ein Kind beabsichtigt, das Gymnasium zu besuchen. Im Schnitt rechnet man eine Stunde für ein Gespräch.

Im Kanton Bern wurden die Semesterzeugnisse abgeschafft. Trotzdem müssen die Leistungen der Schülerinnen und Schüler immer abrufbar sein. Vorbereitet werden diese Zwischenstände durch Mittelsemesterkonferenzen. Dort tauschen sich die Klassenteams über die Schülerinnen und Schüler aus. Einladung, Leitung der Gespräche und Festhalten der Beschlüsse obliegt der Klassenlehrkraft.

Neu eintretende Schülerinnen und Schüler erfordern ein Standortgespräch und Eingliederungshilfen.

An Weihnachten ist oft «Wichteln» angesagt. Die Schülerinnen und Schüler wollen spezielle Events wie gemeinsames Frühstück, Filmnächte oder Ausflüge. Bei Theater- und Museumsbesuchen ist neben der Fachkraft oft die Klassenlehrperson dabei. Nachtaktivitäten sind zurzeit in.

Das Skilager bringt der Klassenlehrperson einen enormen organisatorischen Aufwand. Elterninfos, Reisebusbestellungen, Lebensmittelbestellungen, Zimmerzuteilung, die Rekrutierung von Skilehrern und Begleitpersonen, der Einzug der Elternbeträge gemäss eines Budgets, die Verwaltung des Klassenkontos, wohin Eltern- und Gemeindebeträge überwiesen werden, die Organisation der Abende, die Notfallzettel, die Platzierung der abgemeldeten Schülerinnen und Schüler. Es gilt, die Haushaltsgruppen zusammenzustellen. Die Durchführung mündet natürlich in dem berühmten 24-Stunden-Betrieb. Die Klassenlehrkraft hat die Abgabe der Handys in der Nacht durchzuführen und auch massgeblich für die Nachtruhe zu sorgen. Unfälle sind stets Klassenlehrerangelegenheit, ebenso wie die Lösung disziplinarischer Vorfälle.  Am Schluss ist die Klassenlehrkraft für eine geordnete Abrechnung, die Verwahrung der Belege und die Zusendung an Eltern und Finanzkontrolle zuständig.

Gegen Ende des Quartals müssen die Zeugnisse erstellt werden. Die zeitliche Belastung der Klassenlehrkräfte in diesem Bereich ist je nach Schule unterschiedlich, aber durchgehend intensiv. Es folgt eine weitere Notenkonferenz. Die Klassenlehrkraft sammelt vor allem im Bereich des Arbeitsverhaltens die «Kreuzchen»-Beurteilungen der Fachlehrkräfte, sie nimmt an allen Notenkonferenzen teil und trägt schliesslich sämtliche Infos sorgsam in das Portfolio ein. Dazu gehören immer mehr auch die Hinweise auf eine spezielle Förderung, auf eine Teilnahme am Angebot der Schule sowie die Sammlung der Zusatzberichte oder Hinweise auf Nachteilsausgleiche. Nicht zu unterschätzen ist auch die Dokumentation der Absenzen. Das ist eine permanente Jahresaufgabe, in welcher das Klassenbuch eine wichtige Rolle spielt. Hier müssen die Entschuldigungen kontrolliert und die freien Halbtage festgehalten werden.

Alle Zeugnisse werden durch die Klassenlehrkraft unterschrieben und am letzten Schultag ausgeteilt. Sämtliche Reklamationen landen bei den Klassenlehrkräften. Sie koordinieren deren Behandlung, fügen nicht selten die Korrekturen eigenhändig ein.

Es folgen die Schulschlussfeste, in welcher der Klassenlehrperson eine aufwändige Koordination zukommt, und die Organisation und Durchführung von Schulreisen, Letztere ergeben wieder einen nicht unerheblichen Vorbereitungsaufwand. Dazu kommt die Semesterabrechnung des Klassenkontos zuhanden der Finanzkontrolle.

Das erste Schuljahr ist zu Ende.

  1. Schuljahr

Über den Aufwand im 8. Schuljahr müssen Sie nicht so viel lesen. Alles, was Sie in der 7. Klasse an Klassenlehrer-Arbeit aufgezählt erhielten, wiederholt sich in den beiden kommenden Schuljahren. Das Grundgerüst der administrativen Arbeiten bleibt, einiges kann aber übernommen werden. Es gilt wieder ein Skilager, zwei Schulreisen und einige Events zu organisieren. Der Belastungsaufwand liegt in etwa im Rahmen des vorherigen Schuljahres. Wenn es der Klassenlehrkraft gelingt, eine gut funktionierende Einheit zu schmieden, können viele Aufgaben delegiert werden.

Die im Lehrplan vorgesehene Verschiebung des Berufswahlunterrichts in das Fach WAH (Wirtschaft, Arbeit, Haushalt) erweist sich als wenig sinnvoll.

Hingegen muss die Klassenlehrkraft sich nun intensiv der Laufbahnplanung widmen, will heissen, die Berufswahl steht an. Die im Lehrplan vorgesehene Verschiebung des Berufswahlunterrichts in das Fach WAH (Wirtschaft, Arbeit, Haushalt) erweist sich als wenig sinnvoll. Natürlich können einzelne Bereiche der Berufswahl in andere Fächer verlagert werden (z. B: Lebenslauf und Bewerbung in den Deutschunterricht). Die Entwicklung des Selbstkonzepts ist aber Sache der Klassenlehrperson. Es gilt, in der zweiten Woche eine sogenannte Berufswahlwoche zu organisieren. Themen wie «Wer bin ich?» «Stärken und Schwächen», «Nachdenken über die Zukunft» liegt in den Händen der Klassenlehrperson. Die Organisation der Berufswahlwoche ist ebenfalls ihre Aufgabe zusammen mit dem Klassenteam und den anderen Klassenlehrkräften. Es kommt ein neuer Player hinzu: das Berufsinformationszentrum. Hier müssen die Klassenlehrerinnen und -lehrer den Besuch im BIZ mit der Klasse organisieren (Busfahrt, Material und Aufträge), den gemeinsamen Elternabend mit dem zugeteilten Berufsberater vorbereiten, den Besuch der Swiss Skills, also der Berufswahlmesse in Bern, vorbereiten und durchführen. Danach gibt es noch diverse Anlässe, die die Klassenlehrkraft nicht vergessen darf, weil es frühzeitiger Anmeldungen bedarf, wie zum Beispiel die Berner Gesundheitstage, die Uhrenindustrieführung und vieles mehr. Ausserdem veranlasst und kontrolliert sie, dass die Schülerinnen und Schüler ihr persönliches Dossier, eine Art Portfolio führen.

Natürlich erkennen die Klassenlehrkräfte zuerst, welche Jugendlichen besonderen Bedarf an Unterstützung haben.

Es folgt die Organisation einer begleiteten Schnupperwoche. Die Schülerinnen und Schüler müssen sich ein Praktikum organisieren. Die Klassenlehrperson hilft dabei, ist sehr oft am Mittwochmittag im Computerraum und unterstützt ihre Schülerinnen und Schüler bei der Suche nach einem Praktikum. Ist das Praktikum gefunden, müssen die Schülerinnen und Schüler einen Vertrag unterschreiben lassen, ein Dossier vorbereiten, in welchem sie Rückmeldungen des Praktikumsverantwortlichen eintragen lassen und ihr eigenes Tagebuch führen. Einsammeln und Kontrolle obliegt der Klassenlehrkraft. Während des Praktikums besucht sie zusammen mit den Fachlehrkräften die Schülerinnen und Schüler in den jeweiligen Betrieben. Sie spricht mit den Lehrlingsverantwortlichen und den Schülerinnen und Schülern und hält die wesentlichen Erkenntnisse auf einem speziellen Gesprächsprotokoll fest. Natürlich erkennen die Klassenlehrkräfte zuerst, welche Jugendlichen einen besonderen Bedarf an Unterstützung haben. Sie melden diese beim Berufswahlberater und holen dessen Einschätzung ein. Das fliesst in ein Dossier, das dann wiederum an den Standortgesprächen Gegenstand der Diskussion sein wird.

Viele Bewerbungen werden der Klassenlehrperson zur Kontrolle vorgelegt. Sie sieht sie durch, korrigiert, wo nötig, und schickt sie zurück. Sie plant Bewerbungsgespräche und lädt ehemalige Schülerinnen und Schüler in die Schule ein, die den zukünftigen Lehrlingen von ihren Erfahrungen berichten.

Bei den Standortgesprächen im November/Dezember geht es nun konkret auch um die Laufbahnplanung. Die Gymnasialanwärterinnen müssen einen Vorschlag erhalten. Das Ausfüllen der Empfehlungen und die Kommunikation mit den Eltern ist Sache der Klassenlehrperson. Die Anmeldeformulare umfassen inzwischen 4 Seiten.

Am Schulschlussfest organisieren die 8. Klassen die Festwirtschaft. Das ist eine enorm intensive zeitliche Belastung, die viel Organisationsgeschick und die Fähigkeit zu delegieren erfordern.

  1. Schuljahr

Wieder gilt die Vorbemerkung: Die Grundaufgaben, die in der 7. Klasse beschrieben worden sind, bleiben erhalten. In der 9. Klasse kommen noch einige Dinge hinzu. Das 9. Schuljahr beginnt mit einem Sozialeinsatz. Die Schülerinnen und Schüler reisen in ein Berggebiet und helfen dort den Bauern, die Weiden zu säubern. Die Klassenlehrkraft organisiert Begleitpersonen, bereitet den Einsatz mit den örtlichen Bauern vor, erstellt einen Menueplan und arbeitet mit den Schülerinnen und Schüler mit. Sie sorgt mit der Begleitperson für die Verpflegung und eine solide Abrechnung.

Überhaupt ist das 9. Schuljahr mit drei Verlegungen (Sozialeinsatz, Skilager und Abschlussreise) für die Klassenlehrkraft anstrengend. In allen drei Lagern müssen Vor- und Nachbearbeitungen geleistet werden, deren Umfang durch all die Auflagen (Essensgewohnheiten, Sicherheitsvorkehrungen) aufwändiger wird.

Die Unterstützung der Jugendlichen bei der Lehrstellensuche nimmt die volle Konzentration der Klassenlehrkraft in Anspruch. Schülerinnen und Schüler müssen angetrieben, ermutigt und getröstet werden. Es folgen Gespräche mit Lehrmeistern betr. Referenzauskünften, die Telefonate besorgter Eltern am Abend häufen sich. Schülerinnen und Schüler, die keine Lehrstelle gefunden haben, müssen für ein Zwischenjahr angemeldet werden. Die Anmeldungen sind eine immer grösser werdende Prozedur. Für die 10. Schuljahre müssen Schülerin und Klassenlehrer digital je 4 Seiten ausfüllen.

Die abnehmende Motivation der Schüler nach unterschriebenen Lehrverträgen ist eine grosse Herausforderung für die Klassenlehrkräfte. Hier gilt es, im Klassenteam mit interessanten Projekten und eigenständigen Schülerarbeiten das Interesse und den Lernwillen aufrecht zu erhalten.

Wir organisieren jeweils ein sogenanntes PUSA-Projekt (Projektunterricht – Selbständige Schülerarbeit) mit einer Ausstellung. Die Klassenlehrkräfte spielen hier eine zentrale Rolle. Dies gilt namentlich auch für den Schulabschluss, der bei uns jeweils in eine grosse Theaterproduktion mündet. Dem Klassenlehrer obliegt hier die Federführung, die Eingaben für die kantonalen Kulturgutscheine, die Anstellung eines Theaterpädagogen und die Erstellung des Übungsplans etc.

Die letzten Zeugnisse werden verteilt, in einer Schlussfeier werden die Schülerinnen verabschiedet, es fliessen Tränen, auch beim Klassenlehrer.

Die Abschlussreise ist dann einerseits der Höhepunkt der dreijährigen Klassenbegleitung, andererseits aber auch wegen der Gefahr des übermässigen Alkoholkonsums eine Belastung.

Die letzten Zeugnisse werden verteilt, in einer Schlussfeier werden die Schülerinnen verabschiedet, es fliessen Tränen, auch beim Klassenlehrer.

Es gilt noch der Hinweis, dass die zeitliche Zusatzbelastung für die Klassenlehrperson je nach Schulort schwankt. In den sogenannten städtischen Brennpunktschulen (in einer arbeitet der Schreiber dieses Beitrags zurzeit) ist sie höher, in gutsituierten oder ländlichen Gebieten kann sie geringer sein. Ebenso gibt es Schulen, die weniger Schulverlegungen und Skilager durchführen. Die Zusammenarbeit in den jeweiligen Jahrgangteams können entlasten, ergeben aber auch eine zeitliche Mehrbelastung.

Jede Leserin, jeder Leser wird erkennen, dass die Belastung einer Klassenlehrperson Ausmasse angenommen hat, die mit der Abgeltung einer Lektion bei weitem nicht kompensiert wird. Andererseits halte ich die Arbeit des Klassenlehrers für eine befriedigende, erfüllende, vor allem aber für eine eminent wichtige Tätigkeit. In der PH und den Weiterbildungsinstitutionen werden dazu Module mit dem Übertitel «Classroom-Management» angeboten.

Im nächsten Artikel erkläre ich, wie die Arbeit der Klassenlehrperson attraktiver gemacht werden könnte.